Ferienhort Ried: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K (Linkfix)
(überarbeitet, aber noch nicht fertig)
Zeile 4: Zeile 4:
 
[[Datei:Ferienhort früher.jpg|thumb|Ferienhort früher]]
 
[[Datei:Ferienhort früher.jpg|thumb|Ferienhort früher]]
 
[[Bild:Ferienhort_01.jpg|thumb|der Ferienhort heute]]
 
[[Bild:Ferienhort_01.jpg|thumb|der Ferienhort heute]]
Der '''Ferienhort Ried''' wurde [[1910]]/[[1911]] vom [[Verein Ferienhort]] in [[Ried (St. Gilgen)|Ried]] 37 bei [[St. Wolfgang]] als Sommererholungslager für minderbemittelte Studenten aus Wien errichtet.  
+
Der '''Ferienhort Ried''' wurde [[1910]]/[[1911|11]] vom [[Verein Ferienhort]] in [[Ried (St. Gilgen)|Ried]] 37 bei [[St. Wolfgang]] als Sommererholungslager für ''bedürftige Gymnasial- und Realschüler'' errichtet.
  
 
==Geschichte==
 
==Geschichte==
Finanziert aus der Privatschatulle [[Kaiser Franz Joseph I.]], hatte das Gebäude bei der feierlichen Einweihung durch das Kaiserhaus der Habsburger Dynastie eine Auslastung von 600 Betten.
+
=== Baugeschichte ===
 +
Am [[14. März]] [[1910]] besichtigte ein Komitee des Vereins ''Ferienhort für bedürftige Gymnasial- und Realschüler'' unter  Führung von Karl Hoch die 398 522 Quadratmeter große Liegenschaft [[Frauenstein am Wolfgangsee]], die es für den Verein zu  erwerben beabsichtigte. Am [[1. Juli]] [[1910]] erwarb der Verein das  Grundstück um 119.000 [[Krone]]n (das entspricht rund 630.000 Euro  Geldwert, 2011). Der Besitzer, Karl Haiser, beeindruckt von der Idee, hier einen  Ferienhort zu errichten, gab das Grundstück günstiger ab. Kurz nach dem  Verkauf starb Haiser.
  
Kurz nach Fertigstellung wurde schon vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ein Teil des Gebäudes zur Ausbildung von Marinekadetten aus Pula, Fiume (Rijeka, beide Kroatien) und Triest ([[Friaul-Julisch Venetien]], Italien) verwendet. Die angehenden mehr als 500 in Ausbildung stehenden Marine-Offiziere sollten am [[Wolfgangsee]] ihre taktischen Übungen durchführen und vor allem im Schwimmen, Segeln, Rudern, Bergsteigen und dem Sanitätsrettungsdienst ausgebildet und körperlich trainiert werden. Durch die k. u. k. Kriegsmarine wurde die Flotte vergrößert und alle vor Anker liegenden Boote instand gehalten.  
+
Da Haiser nicht das ganze Grundstück veräußerte hatte, erwarb der Verein noch daneben liegende Grundstücke und hatte schließlich rund 380 000 Quadratmeter zur Verfügung. Bereits am [[20. August]] 1910 erfolgte der Spatenstich für das neu zu errichtende Hauptgebäude, das die große Fest- und Veranstaltungshalle beherbergte. Das Atelier des Architekten Franz Schönthaler zeichnete die Pläne dafür. Ziel des Vereins war es, ein funktionelles Heim für 500 Schüler zu errichten. Nur elf Monate später war dieser Zentralbau fertiggestellt.  
  
Schon alleine die Hierarchie und Logistik für so viele Kadetten, vom Schiffskommandant, Korvettenkapitän, Leutnant, bis zu den Marinekadetten, welche für die Weitergabe der Nachtsignale, wie das Absetzen der Flaggen, verantwortlich waren, ist heute kaum nachvollziehbar. Die große Verwaltung, der Adjunkt, Ober- und Unterarzt der Krankenstation, der Quartiermeister, Koch, Küchenpersonal, bis hin zum Stiefelputzer waren eine enorme Bereicherung und Belebung für die ganze Region um den damaligen Abersee.
+
Gleichzeitig wurden die vorhandenen Quellen neu gefasst, ein 140 m langer Badestrand und eine 80 m Hafenmauer angelegt sowie die 25 m lange Hauptstiege mit 60 Stufen von der Terrasse zum Hafen angelegt. Für die Vereinszwecke wurden die Wirtschaftsgebäude nahe der [[Villa Frauenstein]] (die zur Liegenschaft Frauenstein am Wolfgangsee gehörte) umgebaut. Unter anderem entstanden eine Wäscherei und eine Werkstätte.
  
Bootsspenden der k. u. k. Marinesektion vom größten k. u. k. Kriegshafen in Pola (heute Pula, Kroatien, der damals größte Marinehafen Österreichs) an den Wolfgangsee für die Kadettenschule, und später an den Verein "Ferienhort" sind nachweisbar. Aus dem Fundus der k. u. k. Kriegsmarine (bis [[1918]]) und später von Privatpersonen, wurden immer wieder Schiffe, Ruder-, Segelboote, Transportkutter, Beiboote von Kriegsschiffen und Zweimaster  dem "Ferienhort" gespendet, die teils heute noch in Verwendung sind. Mit der Altösterreichisch-Ungarischen Marine Akademie war ein ständiger Austausch von Studenten aus Ungarn an der Marine Unteroffizierschule am Wolfgangsee.  
+
Am [[19. Juli]] [[1911]] begann die erste Ferienaktion im Ferienhort Ried, die 51 Tage für 452 Schüler dauerte.  
  
Während des [[Zweiter Weltkrieg|II. Weltkrieges]] war wieder eine Marine-Vorschule im Ferienhort am Wolfgangsee untergebracht. Nach einer kurzen Lazarettunterbringung mit einigen Stabsärzten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, waren ab Kriegsende [[1945]] weit über 1500 Mann amerikanischer Besatzungstruppen in allen Gebäuden des Ferienhortes beherbergt. Auch die Amerikaner erfreuten sich an den Schiffen und den damit verbundene Wassersportmöglichkeiten.
+
== Der Erste Weltkrieg ==
  
====Wasserflugzeuge====
+
: ''Hauptartikel: [[Marinekadettenschule Ferienhort]]
Der erste Linienflug von München ([[Bayern]]) nach [[Salzburg]] erfolgte in der Zwischenkriegszeit im August [[1926]] auf einer "Fokker Grulich F II, der Kranich" mit der Aufschrift ''Deutsche Luft Hansa''<ref>die LUFTHANSA ist aus dem Zusammenschluss des Deutschen Aero Lloyd mit dem Junkers Luftverkehr als "Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft" 1926 entstanden und erst ab 1933 als "Lufthansa" in einem Wort.</ref>. Damit begann auch der Regionalverkehr mit Flügen nach St. Wolfgang und rund um den [[Schafberg]] mit dem Wasserflugzeug Junkers A-3. In der Zwischenkriegszeit war es Mode, sich in St. Wolfgangs noblen Hotels zum Fünfuhrtee oder mit Hollywood Größen zum Cocktail im "Grand Hotel" zu treffen, dazu hatte man Gelegenheit für einige Stunden per Flugzeug anzureisen. So heißt es in einem Brief einer Filmgröße: "Wenn ich aus den Staaten zurück komme, dann machen wir etwas auf einer Bühne in St. Wolfgang." Diese Glanzzeit und der Mythos der Filmstars wurden von den Chronisten gepriesen.
+
Kurz nach Fertigstellung wurde schon vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ein Teil des Gebäudes zur Ausbildung von Marinekadetten aus Pula, Fiume (Rijeka, beide Kroatien) und Triest ([[Friaul-Julisch Venetien]], Italien) verwendet. Die angehenden mehr als 500 in Ausbildung stehenden Marine-Offiziere sollten am [[Wolfgangsee]] ihre taktischen Übungen durchführen und vor allem im Schwimmen, Segeln, Rudern, Bergsteigen und dem Sanitätsrettungsdienst ausgebildet und körperlich trainiert werden. Durch die k. u. k. Kriegsmarine wurde die Flotte vergrößert und alle vor Anker liegenden Boote instand gehalten.  
  
Für diesen Zweck stand in den Sommermonaten in der Cortisenbucht immer eine Junkers A–3 oder D–2 für den modernen Tourismus zur Verfügung. Einsatzfreudige Marineangehörige der Marinekadettenschule Ferienhort, sorgten mit der ''Austria I.'' für die Sicherheit der noblen Gäste, die "selige, individuelle Stunden" in St. Wolfgang verbringen durften. ''Die regionale Flugbewegung, die erfreulicher Weise auf die Wolfgangseegemeinde ausgedehnt wurde, trug wesentlich zum touristischen Aufschwung und zur Genesung der heimischen Wirtschaft bei,'' schreibt die Sektion des Österreichischen Touristenklubs von St. Wolfgang.
+
- hier wird noch ergänzt -
  
====Neubeginn====
+
==Neubeginn==
 
Nach intensiven Bemühungen erfolgte [[1947]] die  Rückgabe des Areals und der Gebäude an den "Verein - Ferienhort am Wolfgangsee“. Es war ein neuer Anfang nach den kriegsbedingten Unterbrechungen. Die traditionelle Fortführung der sechswöchigen Feriencamps für ungefähr 560 Schüler ist weiter gesichert. Die geschichtsträchtigen Ruder, Segel, Schulschiffe der Ferienhort Marine und Kadettenschule waren durch nunmehr fast 100 Jahre die Hauptattraktion  bei Schiffsparaden und Seefesten am Wolfgangsee.  
 
Nach intensiven Bemühungen erfolgte [[1947]] die  Rückgabe des Areals und der Gebäude an den "Verein - Ferienhort am Wolfgangsee“. Es war ein neuer Anfang nach den kriegsbedingten Unterbrechungen. Die traditionelle Fortführung der sechswöchigen Feriencamps für ungefähr 560 Schüler ist weiter gesichert. Die geschichtsträchtigen Ruder, Segel, Schulschiffe der Ferienhort Marine und Kadettenschule waren durch nunmehr fast 100 Jahre die Hauptattraktion  bei Schiffsparaden und Seefesten am Wolfgangsee.  
  
Zeile 41: Zeile 42:
 
* Private Aufzeichnungen Adele Sungler
 
* Private Aufzeichnungen Adele Sungler
 
* Österreichischer Touristenclub St. Wolfgang 1886 - 1986
 
* Österreichischer Touristenclub St. Wolfgang 1886 - 1986
* Lokale Festschrift Ferienhort
+
* Festschrift ''100 Jahre Ferienhort am Wolfgangsee'', 2011, Mag. Gerhard Falschlehner
 
* Mündliche Überlieferung
 
* Mündliche Überlieferung
* Diss. Mag.Thomas Leinwather  
+
* Diss. Mag. Thomas Leinwather  
  
 
==Fußnote==
 
==Fußnote==
Zeile 49: Zeile 50:
  
 
[[Kategorie: Salzkammergut]]
 
[[Kategorie: Salzkammergut]]
[[Kategorie: Gebäude]]
+
[[Kategorie: Architektur]]
[[Kategorie: Luftfahrt]]
+
[[Kategorie: historische Gebäude]]
 +
[[Kategorie: Salzkammergut]]
 +
[[Kategorie: Flachgau]]
 +
[[Kategorie: St. Gilgen]]

Version vom 20. September 2012, 14:05 Uhr

Ferienhort Ried
Kadettenschule
Flugverkehr am Wolfgangsee
Ferienhort früher
Datei:Ferienhort 01.jpg
der Ferienhort heute

Der Ferienhort Ried wurde 1910/11 vom Verein Ferienhort in Ried 37 bei St. Wolfgang als Sommererholungslager für bedürftige Gymnasial- und Realschüler errichtet.

Geschichte

Baugeschichte

Am 14. März 1910 besichtigte ein Komitee des Vereins Ferienhort für bedürftige Gymnasial- und Realschüler unter Führung von Karl Hoch die 398 522 Quadratmeter große Liegenschaft Frauenstein am Wolfgangsee, die es für den Verein zu erwerben beabsichtigte. Am 1. Juli 1910 erwarb der Verein das Grundstück um 119.000 Kronen (das entspricht rund 630.000 Euro Geldwert, 2011). Der Besitzer, Karl Haiser, beeindruckt von der Idee, hier einen Ferienhort zu errichten, gab das Grundstück günstiger ab. Kurz nach dem Verkauf starb Haiser.

Da Haiser nicht das ganze Grundstück veräußerte hatte, erwarb der Verein noch daneben liegende Grundstücke und hatte schließlich rund 380 000 Quadratmeter zur Verfügung. Bereits am 20. August 1910 erfolgte der Spatenstich für das neu zu errichtende Hauptgebäude, das die große Fest- und Veranstaltungshalle beherbergte. Das Atelier des Architekten Franz Schönthaler zeichnete die Pläne dafür. Ziel des Vereins war es, ein funktionelles Heim für 500 Schüler zu errichten. Nur elf Monate später war dieser Zentralbau fertiggestellt.

Gleichzeitig wurden die vorhandenen Quellen neu gefasst, ein 140 m langer Badestrand und eine 80 m Hafenmauer angelegt sowie die 25 m lange Hauptstiege mit 60 Stufen von der Terrasse zum Hafen angelegt. Für die Vereinszwecke wurden die Wirtschaftsgebäude nahe der Villa Frauenstein (die zur Liegenschaft Frauenstein am Wolfgangsee gehörte) umgebaut. Unter anderem entstanden eine Wäscherei und eine Werkstätte.

Am 19. Juli 1911 begann die erste Ferienaktion im Ferienhort Ried, die 51 Tage für 452 Schüler dauerte.

Der Erste Weltkrieg

Hauptartikel: Marinekadettenschule Ferienhort

Kurz nach Fertigstellung wurde schon vor dem Ersten Weltkrieg ein Teil des Gebäudes zur Ausbildung von Marinekadetten aus Pula, Fiume (Rijeka, beide Kroatien) und Triest (Friaul-Julisch Venetien, Italien) verwendet. Die angehenden mehr als 500 in Ausbildung stehenden Marine-Offiziere sollten am Wolfgangsee ihre taktischen Übungen durchführen und vor allem im Schwimmen, Segeln, Rudern, Bergsteigen und dem Sanitätsrettungsdienst ausgebildet und körperlich trainiert werden. Durch die k. u. k. Kriegsmarine wurde die Flotte vergrößert und alle vor Anker liegenden Boote instand gehalten.

- hier wird noch ergänzt -

Neubeginn

Nach intensiven Bemühungen erfolgte 1947 die Rückgabe des Areals und der Gebäude an den "Verein - Ferienhort am Wolfgangsee“. Es war ein neuer Anfang nach den kriegsbedingten Unterbrechungen. Die traditionelle Fortführung der sechswöchigen Feriencamps für ungefähr 560 Schüler ist weiter gesichert. Die geschichtsträchtigen Ruder, Segel, Schulschiffe der Ferienhort Marine und Kadettenschule waren durch nunmehr fast 100 Jahre die Hauptattraktion bei Schiffsparaden und Seefesten am Wolfgangsee.

Neben all dieser Nostalgie in dieser herrlichen Kulturlandschaft am Wolfgangsee darf die Moderne nicht zu kurz kommen. Heute ist im ganzen Denkmal geschützten Ensemble der architektonisch wertvollen Gebäudekomplexe die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Ried am Wolfgangsee" im legendären "Ferienhort am Wolfgangsee" untergebracht.

Ferienhort Ried u. Wolfgangsee-Panorama

Bildergalerie

Weblinks

Quellen

  • Private Aufzeichnungen Adele Sungler
  • Österreichischer Touristenclub St. Wolfgang 1886 - 1986
  • Festschrift 100 Jahre Ferienhort am Wolfgangsee, 2011, Mag. Gerhard Falschlehner
  • Mündliche Überlieferung
  • Diss. Mag. Thomas Leinwather

Fußnote