Tauern-Tunnel-Brand 1999: Unterschied zwischen den Versionen

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Um 4.50 Uhr Nachts prallt ein LKW, der  Stückgut aus Italien nach Norden bringen soll, 800 Meter vor dem  Nordportal mit mindestens 50 km/h auf eine vor der Baustellenampel  stehende Kolonne von 13 Fahrzeugen. Ein PKW wird 25 Meter  mitgeschliffen, der Tank aufgerissen, ein Brand entsteht. Drei weitere  Autos werden zermalmt und unter einen mit 24.000 Dosen Spraylack  beladenen Laster geschoben, eines bis auf 40 Zentimeter  zusammengequetscht.  
 
Um 4.50 Uhr Nachts prallt ein LKW, der  Stückgut aus Italien nach Norden bringen soll, 800 Meter vor dem  Nordportal mit mindestens 50 km/h auf eine vor der Baustellenampel  stehende Kolonne von 13 Fahrzeugen. Ein PKW wird 25 Meter  mitgeschliffen, der Tank aufgerissen, ein Brand entsteht. Drei weitere  Autos werden zermalmt und unter einen mit 24.000 Dosen Spraylack  beladenen Laster geschoben, eines bis auf 40 Zentimeter  zusammengequetscht.  
  
Ausfließender Treibstoff führt zu  Explosionen. Eine bis zu 1200 Grad heiße Feuerwalze rollt durch die  Betonröhre. Die zehneinhalb Tonnen Spraydosen sind in ihrer  Hitzeentwicklung dem Jahresbedarf von drei Einfamilienhäusern  gleichzusetzen, aber nicht über sechs Monate verteilt, sondern in  Sekundenschnelle. Der Brand breitet sich auf eine Länge von 400 m  Richtung Norden und 700 m Richtung Süden aus.
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Ausfließender Treibstoff führt zu  Explosionen. Eine bis zu 1 200 Grad heiße Feuerwalze rollt durch die  Betonröhre. Die zehneinhalb Tonnen Spraydosen sind in ihrer  Hitzeentwicklung dem Jahresbedarf von drei Einfamilienhäusern  gleichzusetzen, aber nicht über sechs Monate verteilt, sondern in  Sekundenschnelle. Der Brand breitet sich auf eine Länge von 400 m  Richtung Norden und 700 m Richtung Süden aus.
  
 
Die  Zwischendecke stürzt teilweise ein. Dutzende Menschen rennen um ihr  Leben. Das Rote Kreuz setzt 181 Sanitäter und Ärzte ein. Die [[Feuerwehr  Zederhaus]] rettet drei Menschen kilometerweit bis zum Südportal. Beim  Nordportal werden weitere 46 Verletzte abtransportiert. 21 Menschen  gelangen dort unverletzt ins Freie.
 
Die  Zwischendecke stürzt teilweise ein. Dutzende Menschen rennen um ihr  Leben. Das Rote Kreuz setzt 181 Sanitäter und Ärzte ein. Die [[Feuerwehr  Zederhaus]] rettet drei Menschen kilometerweit bis zum Südportal. Beim  Nordportal werden weitere 46 Verletzte abtransportiert. 21 Menschen  gelangen dort unverletzt ins Freie.
  
Um 21.45 Uhr heißt  es "Brand aus". 248 Feuerwehrleute von 15 Freiwilligen Wehren leisteten  2432 Einsatzstunden. Zuerst geht man von einem Toten aus, fünf Tage  später ist aber klar, dass der Unfall 12 Tote gefordert hat: Acht  Menschen sterben in den Wracks direkt nach dem Aufprall des LKWs - ein  Kärntner, zwei Bosnier und eine fünfköpfige Familie aus Reutlingen in  Deutschland. Vier Leute begingen in Panik tödliche Fehler. Ein Ehepaar  aus Belgien bleibt im Auto sitzen, ein Grieche steigt zu ihnen in den  Mercedes. Ein Deutscher erstickt auf der Flucht vor dem Feuer. 49  weitere Menschen werden verletzt.
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Um 21.45 Uhr heißt  es "Brand aus". 248 Feuerwehrleute von 15 Freiwilligen Wehren leisteten  2432 Einsatzstunden. Zuerst geht man von einem Toten aus, fünf Tage  später ist aber klar, dass der Unfall zwölf Tote gefordert hat: Acht  Menschen sterben in den Wracks direkt nach dem Aufprall des LKWs - ein  Kärntner, zwei Bosnier und eine fünfköpfige Familie aus Reutlingen in  Deutschland. Vier Leute begingen in Panik tödliche Fehler. Ein Ehepaar  aus Belgien bleibt im Auto sitzen, ein Grieche steigt zu ihnen in den  Mercedes. Ein Deutscher erstickt auf der Flucht vor dem Feuer. 49  weitere Menschen werden verletzt.
  
 
Am [[4. Juni]] sind  alle Wracks, 16 LKW und 24 PKW, geborgen. Vier Wochen nach dem Inferno  schließen Gerichtsmediziner am [[23. Juni]] die Identifizierung der  Opfer ab. Der Lkw-Lenker, der den Unfall verursacht hatte, wird am [[29.  September]] [[2000]] am [[Landesgericht Salzburg]] zu einer  teilbedingten Haftstrafe verurteilt: Zwei Jahre, davon drei Monate  unbedingt.
 
Am [[4. Juni]] sind  alle Wracks, 16 LKW und 24 PKW, geborgen. Vier Wochen nach dem Inferno  schließen Gerichtsmediziner am [[23. Juni]] die Identifizierung der  Opfer ab. Der Lkw-Lenker, der den Unfall verursacht hatte, wird am [[29.  September]] [[2000]] am [[Landesgericht Salzburg]] zu einer  teilbedingten Haftstrafe verurteilt: Zwei Jahre, davon drei Monate  unbedingt.
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Version vom 6. Februar 2012, 20:19 Uhr

Der Tauern-Tunnel-Brand 1999 ereignete sich am 29. Mai 1999 im Tauerntunnel nach einen folgenschweren Auffahrunfall.

Hergang

Um 4.50 Uhr Nachts prallt ein LKW, der Stückgut aus Italien nach Norden bringen soll, 800 Meter vor dem Nordportal mit mindestens 50 km/h auf eine vor der Baustellenampel stehende Kolonne von 13 Fahrzeugen. Ein PKW wird 25 Meter mitgeschliffen, der Tank aufgerissen, ein Brand entsteht. Drei weitere Autos werden zermalmt und unter einen mit 24.000 Dosen Spraylack beladenen Laster geschoben, eines bis auf 40 Zentimeter zusammengequetscht.

Ausfließender Treibstoff führt zu Explosionen. Eine bis zu 1 200 Grad heiße Feuerwalze rollt durch die Betonröhre. Die zehneinhalb Tonnen Spraydosen sind in ihrer Hitzeentwicklung dem Jahresbedarf von drei Einfamilienhäusern gleichzusetzen, aber nicht über sechs Monate verteilt, sondern in Sekundenschnelle. Der Brand breitet sich auf eine Länge von 400 m Richtung Norden und 700 m Richtung Süden aus.

Die Zwischendecke stürzt teilweise ein. Dutzende Menschen rennen um ihr Leben. Das Rote Kreuz setzt 181 Sanitäter und Ärzte ein. Die Feuerwehr Zederhaus rettet drei Menschen kilometerweit bis zum Südportal. Beim Nordportal werden weitere 46 Verletzte abtransportiert. 21 Menschen gelangen dort unverletzt ins Freie.

Um 21.45 Uhr heißt es "Brand aus". 248 Feuerwehrleute von 15 Freiwilligen Wehren leisteten 2432 Einsatzstunden. Zuerst geht man von einem Toten aus, fünf Tage später ist aber klar, dass der Unfall zwölf Tote gefordert hat: Acht Menschen sterben in den Wracks direkt nach dem Aufprall des LKWs - ein Kärntner, zwei Bosnier und eine fünfköpfige Familie aus Reutlingen in Deutschland. Vier Leute begingen in Panik tödliche Fehler. Ein Ehepaar aus Belgien bleibt im Auto sitzen, ein Grieche steigt zu ihnen in den Mercedes. Ein Deutscher erstickt auf der Flucht vor dem Feuer. 49 weitere Menschen werden verletzt.

Am 4. Juni sind alle Wracks, 16 LKW und 24 PKW, geborgen. Vier Wochen nach dem Inferno schließen Gerichtsmediziner am 23. Juni die Identifizierung der Opfer ab. Der Lkw-Lenker, der den Unfall verursacht hatte, wird am 29. September 2000 am Landesgericht Salzburg zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt: Zwei Jahre, davon drei Monate unbedingt.

Quelle