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Textersetzung - „Phantasie“ durch „Fantasie“
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== Über das Wappen der Hagenauer ==
 
== Über das Wappen der Hagenauer ==
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1598 hatte Wiguleus Hund in seinem bereits erwähnten "Bayrisch Stammen-Buch", ebenso wie bei etlichen anderen von ihm beschriebenen Geschlechtern, das Wappen der Herren von Hagenau nicht angeführt. Rund hundert Jahre später (1699) hatte der Freisinger Hofmaler Franz Joseph Lederer (1676-1733) von Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck den Auftrag bekommen, alle Freisinger Bischöfe (von Korbinian bis Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös) mit dazugehörigen Wappentafeln und Lebensbeschreibungen im sogenannten Fürstengang in Freising zu malen. Dabei stand Lederer vor dem Problem, dass von den frühesten Bischöfen keine Wappenabbildungen existieren konnten. So auch bei Gottschalk von Hagenau (Freisinger Bischof 994-1005), dessen dort abgebildetes Wappen, ebenso wie dessen Portrait, eine Phantasiedarstellung Lederers ist. Die frühesten Wappen tauchten erst im 12. Jahrhundert auf Gräbern auf, das älteste bekannte Wappensiegel ist das von Herzog Berthold von Zähringen von 1157. Der erste Papst, dem überhaupt ein Wappen nachgewiesen werden konnte, war Bonifaz VIII. (1294–1303). Alle früheren päpstlichen oder bischöflichen Wappen, und somit auch das von Gottschalk von Hagenau, sind Erfindungen aus späterer Zeit. Lederer hatte somit in der Wappentafel Gottschalks ein Phantasie-Wappen von drei übereinander liegenden blau-gelb-grünen (Regen-)Bögen auf weißem Schild gemalt. Bischof Gottschalk führte zwar noch kein Wappen in seinem Siegel, aber Lederer hätte, wie auch bei anderen Freisinger Bischöfen, das spätere Geschlechter-Wappen für seine Darstellung heranziehen können. Offensichtlich hatte Lederer aber weder Kenntnis vom Epitaph des Reimprecht von Hagenau (1137), noch von späteren an Urkunden angehängten Siegeln (ab dem 14. Jh. erhalten), oder von der in Salzburg gebauten Hagenauer-Gruft (1682), wo das Wappen der Hagenauer mit Dreiberg und Hagenbaum abgebildet ist. Ebenso hatte Lederer in der Lebensbeschreibung Gottschalks dessen Bischofswahl irrtümlich um zwei Jahre zu früh angesetzt, also mit dem Jahr 992 statt 994.  
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1598 hatte Wiguleus Hund in seinem bereits erwähnten "Bayrisch Stammen-Buch", ebenso wie bei etlichen anderen von ihm beschriebenen Geschlechtern, das Wappen der Herren von Hagenau nicht angeführt. Rund hundert Jahre später (1699) hatte der Freisinger Hofmaler Franz Joseph Lederer (1676-1733) von Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck den Auftrag bekommen, alle Freisinger Bischöfe (von Korbinian bis Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös) mit dazugehörigen Wappentafeln und Lebensbeschreibungen im sogenannten Fürstengang in Freising zu malen. Dabei stand Lederer vor dem Problem, dass von den frühesten Bischöfen keine Wappenabbildungen existieren konnten. So auch bei Gottschalk von Hagenau (Freisinger Bischof 994-1005), dessen dort abgebildetes Wappen, ebenso wie dessen Portrait, eine Fantasiedarstellung Lederers ist. Die frühesten Wappen tauchten erst im 12. Jahrhundert auf Gräbern auf, das älteste bekannte Wappensiegel ist das von Herzog Berthold von Zähringen von 1157. Der erste Papst, dem überhaupt ein Wappen nachgewiesen werden konnte, war Bonifaz VIII. (1294–1303). Alle früheren päpstlichen oder bischöflichen Wappen, und somit auch das von Gottschalk von Hagenau, sind Erfindungen aus späterer Zeit. Lederer hatte somit in der Wappentafel Gottschalks ein Fantasie-Wappen von drei übereinander liegenden blau-gelb-grünen (Regen-)Bögen auf weißem Schild gemalt. Bischof Gottschalk führte zwar noch kein Wappen in seinem Siegel, aber Lederer hätte, wie auch bei anderen Freisinger Bischöfen, das spätere Geschlechter-Wappen für seine Darstellung heranziehen können. Offensichtlich hatte Lederer aber weder Kenntnis vom Epitaph des Reimprecht von Hagenau (1137), noch von späteren an Urkunden angehängten Siegeln (ab dem 14. Jh. erhalten), oder von der in Salzburg gebauten Hagenauer-Gruft (1682), wo das Wappen der Hagenauer mit Dreiberg und Hagenbaum abgebildet ist. Ebenso hatte Lederer in der Lebensbeschreibung Gottschalks dessen Bischofswahl irrtümlich um zwei Jahre zu früh angesetzt, also mit dem Jahr 992 statt 994.  
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Der Freisinger Hofkammer-Direktor Johann Michael Wilhelm von Prey zu Straßkirchen, der die größte genealogische Sammlung über bayrische Adelsfamilien Anfang des 18. Jahrhunderts zusammengetragen aber nicht publiziert hatte, beschrieb in einem Kapitel auch die Herren von Hagenau. Dabei waren ihm neben vielen Lücken auch mehrere Fehler bezüglich Datierung, Genealogie und Herkunft, insbesondere aber bezüglich des Wappens unterlaufen. Bei der Blasonierung des Wappens der Herren von Hagenau bezog sich Prey definitiv auf die Darstellung des von Lederer im Freisinger Fürstengang gemalten und oben beschriebenen Phantasie-Wappens des Gottschalk von Hagenau. So ist auch Preys falsche Beschreibung des Hagenauer Stamm-Wappens zu erklären, das er als drei Regenbögen blasonierte. Von der selben Quelle, also vom Gemälde im Fürstengang, hatte Prey auch die unrichtige Jahreszahl (992 statt 994) der Bischofswahl von Gottschalk von Hagenau übernommen.  
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Der Freisinger Hofkammer-Direktor Johann Michael Wilhelm von Prey zu Straßkirchen, der die größte genealogische Sammlung über bayrische Adelsfamilien Anfang des 18. Jahrhunderts zusammengetragen aber nicht publiziert hatte, beschrieb in einem Kapitel auch die Herren von Hagenau. Dabei waren ihm neben vielen Lücken auch mehrere Fehler bezüglich Datierung, Genealogie und Herkunft, insbesondere aber bezüglich des Wappens unterlaufen. Bei der Blasonierung des Wappens der Herren von Hagenau bezog sich Prey definitiv auf die Darstellung des von Lederer im Freisinger Fürstengang gemalten und oben beschriebenen Fantasie-Wappens des Gottschalk von Hagenau. So ist auch Preys falsche Beschreibung des Hagenauer Stamm-Wappens zu erklären, das er als drei Regenbögen blasonierte. Von der selben Quelle, also vom Gemälde im Fürstengang, hatte Prey auch die unrichtige Jahreszahl (992 statt 994) der Bischofswahl von Gottschalk von Hagenau übernommen.  
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In anderen frühen Publikationen war das Wappen der Hagenauer zwar kein Phantasiewappen mehr, aber dennoch fehlerhaft beschrieben (blasoniert) worden. In manchen späteren Wappenbüchern sollten sich dann diese Irrtümer fortsetzen. 1722 hatte der Benediktinermönch und Stiftsarchivar von Melk, Philibert Hueber (* 1662; † 1725), Abbildungen von unterschiedlichen frühen Siegeln in dem Werk ''"Austria ex Archivis Mellicensibus illustrata"'' publiziert, darunter auch das Siegel des Melker Abtes Seyfried von Hagenau (1378). Hueber hatte den Dreiberg im Siegel des Abtes Seyfried Hagenauer in Form eines geteilten Wappens dargestellt. Ein alter Siegelabdruck des Abtes hat sich leider nicht zur Verifizierung jener Darstellung erhalten. Bereits 1849 wurde von dem Historiker Joseph Chmel in seinem Werk (Urkunden zur Geschichte von Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz...) geschrieben, dass dem Werk von Hueber ''"so manche Fehler und Lücken nach dem kompetenten Urteile Sachkundiger auszustellen sind"''. Um 1800 schrieb Franz Karl Wissgrill im 4. Band des Buches "über den Schauplatz des landsässigen nieder-oesterreichischen Adels vom Herren-und Ritterstande" über das Wappen der Hagenauer folgendes: ''"Ihr Wappen, wie solches Duellius, und Philibert Hueber in Sigillen angeführet haben, ist ein verdorrter Baum auf einem kleinen Hügel; oben ein geschlossener Helm mit zwei Büffel-hörnern"''. Der Hagenbaum wurde als verdorrter Baum interpretiert, der Dreiberg als kleiner Hügel. Der Dreiberg ist ein Begriff aus der Heraldik und bezeichnet einen Hügel mit wenigstens drei Wölbungen, wobei die mittlere Wölbung erhöht ist. Diesbezüglich sollte man erwähnen, dass früher das Wappen der Herren von Hagenau auch als Hagenbaum auf einem Berg blasoniert (beschrieben) worden war. Ein Berg wurde in alten Wappen aber fast ausschließlich als Dreiberg dargestellt, die Bezeichnung Hügel tauchte erst wesentlich später bei Wappenbeschreibungen auf, und ist im Fall des Hagenauer Wappens definitiv falsch. Möglicherweise schloss Wissgrill von dem heute noch in St. Pölten existierenden alten Epitaph des Hochfreien Reimprecht von Hagenau von 1137, (der verwitterte Dreiberg könnte beim flüchtigen Hinsehen als Hügel interpretiert werden) und dem bis dahin einzigen publizierten Siegel eines Hagenauers aus dem [[14. Jahrhundert]], auf das Wappen. Persönliche Siegel wichen aber oft vom Stammwappen ab, wie an Urkunden angehängte und noch heute erhaltenen Siegel der Hagenauer bis zum frühen 19. Jahrundert zeigen (siehe [[Hagenauer#Urkunden_und_Einzelnachweise|Urkunden und Einzelnachweise]]). So z. B. das bei Hueber publizierte vermeintliche Siegel des Abtes von Melk, Seyfried Hagenauer (1378), oder das Siegel des Abtes Dominikus von Hagenauer (1786). Das Amtssiegel von Abt Dominikus hatte eine Vierteilung: Feld 1. und 4. zeigten den Dreiberg und Hagenstrauch (das Stammwappen), Feld 2. und 3. den auffliegenden Adler (die Wappenerweiterung). Im Siegel des Abtes Seyfried, das bei Hueber (anscheinend) simplifiziert abgedruckt worden war, wurde der Dreiberg als geteiltes Wappen wiedergegeben. Der Hagenstrauch (oder Hagenbaum) erscheint in dieser Abbildung als Ast.  
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In anderen frühen Publikationen war das Wappen der Hagenauer zwar kein Fantasiewappen mehr, aber dennoch fehlerhaft beschrieben (blasoniert) worden. In manchen späteren Wappenbüchern sollten sich dann diese Irrtümer fortsetzen. 1722 hatte der Benediktinermönch und Stiftsarchivar von Melk, Philibert Hueber (* 1662; † 1725), Abbildungen von unterschiedlichen frühen Siegeln in dem Werk ''"Austria ex Archivis Mellicensibus illustrata"'' publiziert, darunter auch das Siegel des Melker Abtes Seyfried von Hagenau (1378). Hueber hatte den Dreiberg im Siegel des Abtes Seyfried Hagenauer in Form eines geteilten Wappens dargestellt. Ein alter Siegelabdruck des Abtes hat sich leider nicht zur Verifizierung jener Darstellung erhalten. Bereits 1849 wurde von dem Historiker Joseph Chmel in seinem Werk (Urkunden zur Geschichte von Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz...) geschrieben, dass dem Werk von Hueber ''"so manche Fehler und Lücken nach dem kompetenten Urteile Sachkundiger auszustellen sind"''. Um 1800 schrieb Franz Karl Wissgrill im 4. Band des Buches "über den Schauplatz des landsässigen nieder-oesterreichischen Adels vom Herren-und Ritterstande" über das Wappen der Hagenauer folgendes: ''"Ihr Wappen, wie solches Duellius, und Philibert Hueber in Sigillen angeführet haben, ist ein verdorrter Baum auf einem kleinen Hügel; oben ein geschlossener Helm mit zwei Büffel-hörnern"''. Der Hagenbaum wurde als verdorrter Baum interpretiert, der Dreiberg als kleiner Hügel. Der Dreiberg ist ein Begriff aus der Heraldik und bezeichnet einen Hügel mit wenigstens drei Wölbungen, wobei die mittlere Wölbung erhöht ist. Diesbezüglich sollte man erwähnen, dass früher das Wappen der Herren von Hagenau auch als Hagenbaum auf einem Berg blasoniert (beschrieben) worden war. Ein Berg wurde in alten Wappen aber fast ausschließlich als Dreiberg dargestellt, die Bezeichnung Hügel tauchte erst wesentlich später bei Wappenbeschreibungen auf, und ist im Fall des Hagenauer Wappens definitiv falsch. Möglicherweise schloss Wissgrill von dem heute noch in St. Pölten existierenden alten Epitaph des Hochfreien Reimprecht von Hagenau von 1137, (der verwitterte Dreiberg könnte beim flüchtigen Hinsehen als Hügel interpretiert werden) und dem bis dahin einzigen publizierten Siegel eines Hagenauers aus dem [[14. Jahrhundert]], auf das Wappen. Persönliche Siegel wichen aber oft vom Stammwappen ab, wie an Urkunden angehängte und noch heute erhaltenen Siegel der Hagenauer bis zum frühen 19. Jahrundert zeigen (siehe [[Hagenauer#Urkunden_und_Einzelnachweise|Urkunden und Einzelnachweise]]). So z. B. das bei Hueber publizierte vermeintliche Siegel des Abtes von Melk, Seyfried Hagenauer (1378), oder das Siegel des Abtes Dominikus von Hagenauer (1786). Das Amtssiegel von Abt Dominikus hatte eine Vierteilung: Feld 1. und 4. zeigten den Dreiberg und Hagenstrauch (das Stammwappen), Feld 2. und 3. den auffliegenden Adler (die Wappenerweiterung). Im Siegel des Abtes Seyfried, das bei Hueber (anscheinend) simplifiziert abgedruckt worden war, wurde der Dreiberg als geteiltes Wappen wiedergegeben. Der Hagenstrauch (oder Hagenbaum) erscheint in dieser Abbildung als Ast.  
    
Der niederösterreichische Schriftsteller und Historiker Franz Xavier Schweickhardt (der sich auch Ritter von Sickingen genannt hatte, was ihm allerdings unter Strafandrohung bald verboten wurde), hatte in seinem Buch "Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns" im Jahr 1836 ebenfalls das Hagenauer Stammwappen beschrieben. Dabei hatte er von Wissgrill beinahe wörtlich abgeschrieben: ''"Das Wappen, wie uns solches Duellius und Philibert Hueber durch Sigillien darstellt, ist ein verdorrter Baum auf einem kleinen Hügel; oben ein geschlossener Helm mit zwei Büffelhörnern"'' (vgl. Darst. d. Erzh. Oesterreich). In einer Wappenbeschreibung von Friedrich Heinrich von der Hagen über die "Minnesänger" aus dem Jahr 1838 wurde das Stammwappen der Hagenauer überhaupt nur mehr auf einen ''"Hagedorn"'' ohne Dreiberg reduziert.  
 
Der niederösterreichische Schriftsteller und Historiker Franz Xavier Schweickhardt (der sich auch Ritter von Sickingen genannt hatte, was ihm allerdings unter Strafandrohung bald verboten wurde), hatte in seinem Buch "Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns" im Jahr 1836 ebenfalls das Hagenauer Stammwappen beschrieben. Dabei hatte er von Wissgrill beinahe wörtlich abgeschrieben: ''"Das Wappen, wie uns solches Duellius und Philibert Hueber durch Sigillien darstellt, ist ein verdorrter Baum auf einem kleinen Hügel; oben ein geschlossener Helm mit zwei Büffelhörnern"'' (vgl. Darst. d. Erzh. Oesterreich). In einer Wappenbeschreibung von Friedrich Heinrich von der Hagen über die "Minnesänger" aus dem Jahr 1838 wurde das Stammwappen der Hagenauer überhaupt nur mehr auf einen ''"Hagedorn"'' ohne Dreiberg reduziert.  

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