| | Einer der wahrscheinlich letzten "Bayern" der Freisinger Linie, Sebastian Hagenauer von Allershausen, hatten um 1546 mit seinem Sohn Georg das bayerische Herzogtum verlassen, also fast 40 Jahre vor der Publikation von Wiguleus Hunts "Bayrischem Stammbuch" im Jahr 1585. Im großen heraldisch-genealogischen Werk von Siebmacher (erster Band 1605) tauchen die Hagenauer jedenfalls nicht mehr in der Liste bayrischer Adelsgeschlechter auf, ebenso wenig aber auch im Siebmacher der abgestorbenen bayrischen Adelsgeschlechter. Die Freisinger Linie derer von Hagenau bestand nämlich ab 1550 als Salzburger Linie (Salzburg war ein eigenständiges Fürstentum) weiter. Die bayrische Linie mit Stephan, (dessen Cousin) Ulrich und Georg Hagenauer von Allershausen (zu Westerndorf), hatte sich nach dem Salzburger Historiker [[Willibald Hauthaler]] mit Sebastian und dessen Sohn [[Georg Hagenauer I.]] in Piding bei Salzburg fortgesetzt. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts finden wir die Nachkommen der Freisinger Hagenauer nun für die nächsten 300 Jahre im Erzbistum Salzburg wieder. Der Salzburger [[Joseph Philipp Fellner]] (1769 - 1850) hatte in seiner unpublizierten Familien-Chronik von 1833 (in der er der Familie Hagenauer ein eigenes Kapitel gewidmet hatte) geschrieben, ''"Wenn das Siegel einen Stammbaum ersetzen und einen genealogischen Beweis liefern kann, so möchten die Salzburger Hagenauer dem Geschlecht der, seiner Zeit im Viertel Ober Wiener Wald in Österreich unter der Enns reich begüterten, Hagenauer (Herren von Hagenau) angehören"''. Er hatte die Salzburger Hagenauer aber irrtümlich auf die niederösterreichische Linie der Herren von Hagenau zurückgeführt, oder gab die seit Wiguleus Hunt weit verbreitete irrige Meinung wieder, dass die ursprüngliche Herkunft der Hagenauer in Österreich lag. Der Historiker, Regestenforscher und spätere Abt von St. Peter (1901 - 1922) Willibald Hauthaler konnte schließlich an Hand von Urkunden die Abkunft der Salzburger Hagenauer vom Freisinger Stamm der Herren von Hagenau aus Bayern nachweisen, was auch der überlieferten Familientradition entsprach (Hagenauer-Archiv, Wien). Hauthaler gilt als einer der bedeutendsten Landeshistoriker Salzburgs, dessen Grundlagenarbeiten bis heute von großem Wert sind. Er wurde wegen seiner ''"großen Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit"'' von anderen herausragenden Historikern wie [[Franz Martin]] sehr geschätzt. | | Einer der wahrscheinlich letzten "Bayern" der Freisinger Linie, Sebastian Hagenauer von Allershausen, hatten um 1546 mit seinem Sohn Georg das bayerische Herzogtum verlassen, also fast 40 Jahre vor der Publikation von Wiguleus Hunts "Bayrischem Stammbuch" im Jahr 1585. Im großen heraldisch-genealogischen Werk von Siebmacher (erster Band 1605) tauchen die Hagenauer jedenfalls nicht mehr in der Liste bayrischer Adelsgeschlechter auf, ebenso wenig aber auch im Siebmacher der abgestorbenen bayrischen Adelsgeschlechter. Die Freisinger Linie derer von Hagenau bestand nämlich ab 1550 als Salzburger Linie (Salzburg war ein eigenständiges Fürstentum) weiter. Die bayrische Linie mit Stephan, (dessen Cousin) Ulrich und Georg Hagenauer von Allershausen (zu Westerndorf), hatte sich nach dem Salzburger Historiker [[Willibald Hauthaler]] mit Sebastian und dessen Sohn [[Georg Hagenauer I.]] in Piding bei Salzburg fortgesetzt. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts finden wir die Nachkommen der Freisinger Hagenauer nun für die nächsten 300 Jahre im Erzbistum Salzburg wieder. Der Salzburger [[Joseph Philipp Fellner]] (1769 - 1850) hatte in seiner unpublizierten Familien-Chronik von 1833 (in der er der Familie Hagenauer ein eigenes Kapitel gewidmet hatte) geschrieben, ''"Wenn das Siegel einen Stammbaum ersetzen und einen genealogischen Beweis liefern kann, so möchten die Salzburger Hagenauer dem Geschlecht der, seiner Zeit im Viertel Ober Wiener Wald in Österreich unter der Enns reich begüterten, Hagenauer (Herren von Hagenau) angehören"''. Er hatte die Salzburger Hagenauer aber irrtümlich auf die niederösterreichische Linie der Herren von Hagenau zurückgeführt, oder gab die seit Wiguleus Hunt weit verbreitete irrige Meinung wieder, dass die ursprüngliche Herkunft der Hagenauer in Österreich lag. Der Historiker, Regestenforscher und spätere Abt von St. Peter (1901 - 1922) Willibald Hauthaler konnte schließlich an Hand von Urkunden die Abkunft der Salzburger Hagenauer vom Freisinger Stamm der Herren von Hagenau aus Bayern nachweisen, was auch der überlieferten Familientradition entsprach (Hagenauer-Archiv, Wien). Hauthaler gilt als einer der bedeutendsten Landeshistoriker Salzburgs, dessen Grundlagenarbeiten bis heute von großem Wert sind. Er wurde wegen seiner ''"großen Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit"'' von anderen herausragenden Historikern wie [[Franz Martin]] sehr geschätzt. |
| − | Marianne Freifrau von Hauser (1877 - 1968), geb. Freiin von Allmayer-Beck und eine Enkeltochter von Hersilie von Hagenauer der Triester Linie, hatte in den 1930er Jahren über die Geschichte und die Genealogie der Hagenauer in Salzburg und der Zeit danach geforscht. Es gelang ihr dabei umfangreiches Quellenmaterial zu erschließen und eine wichtige Grundlagenarbeit über die Hagenauer im Erzbistum Salzburg zu schaffen. Generell sollten jedoch Publikationen von Autoren über deren eigene Familiengeschichte stets besonders kritisch betrachtet werden. Untersuchungen von Familiengeschichten anderer Adelsgeschlechter belegen, dass viele dieser Autoren eine einseitige und voreingenommene Sichtweise hatten, was oft zu einer verzerrten oder sogar falschen Darstellung historischer Begebenheiten führen konnte. Bei einigen dieser Publikationen divergierte das Wunschdenken, die Idealisierung und Schönfärberei des Autors über die jeweils eigene Familie mit der Realität historischer Tatsachen. Die (weitgehend unpublizierte) Arbeit von Baronin Hauser stellte sich jedoch, nach einer genauen Untersuchung der angegeben Quellen im Vergleich mit ihren Darstellungen und dem erstellten Stammbaum, als äußerst gründlich und gewissenhaft heraus. Sie hatte nicht nur neues Quellenmaterial erschlossen, sondern sie war auch zu den Primär-Quellen zurückgekehrt, wobei sie die Abschriften / Kopien der Dokumente bezüglich ihrer Richtigkeit von den jeweils dafür zuständigen Verwaltern der Archive gegenzeichnen und bestätigen ließ. Leider weist aber ihre Arbeit dennoch, trotz einer durchgehenden Genealogie der Hagenauer bis in die 1930er Jahre, gravierende Lücken und einige Fehler (Nebenlinien, Wappenmehrung, Standeserhebung, etc.) auf. Der Schwerpunkt der Untersuchungen von Hauser lag auf Grund ihrer Abstammung von der Triester Linie auch bei dieser. So hatte Baronin Hauser in ihrer Arbeit zwar den Adelsstand des Triester Zweiges angeführt, nicht jedoch den des späteren Wiener Zweiges (1671 Wappenbrief mit Adelswappen, 1786 Bestätigung des Adelsprädikats "von", 1884 römische Baronie, 1929 bzw. 1932 italienischer Freiherrnstand). | + | Marianne Freifrau von Hauser (1877 - 1968), geborene Freiin von Allmayer-Beck und eine Enkeltochter von Hersilie von Hagenauer der Triester Linie, hatte in den 1930er Jahren über die Geschichte und die Genealogie der Hagenauer in Salzburg und der Zeit danach geforscht. Es gelang ihr dabei umfangreiches Quellenmaterial zu erschließen und eine wichtige Grundlagenarbeit über die Hagenauer im Erzbistum Salzburg zu schaffen. Generell sollten jedoch Publikationen von Autoren über deren eigene Familiengeschichte stets besonders kritisch betrachtet werden. Untersuchungen von Familiengeschichten anderer Adelsgeschlechter belegen, dass viele dieser Autoren eine einseitige und voreingenommene Sichtweise hatten, was oft zu einer verzerrten oder sogar falschen Darstellung historischer Begebenheiten führen konnte. Bei einigen dieser Publikationen divergierte das Wunschdenken, die Idealisierung und Schönfärberei des Autors über die jeweils eigene Familie mit der Realität historischer Tatsachen. Die (weitgehend unpublizierte) Arbeit von Baronin Hauser stellte sich jedoch, nach einer genauen Untersuchung der angegeben Quellen im Vergleich mit ihren Darstellungen und dem erstellten Stammbaum, als äußerst gründlich und gewissenhaft heraus. Sie hatte nicht nur neues Quellenmaterial erschlossen, sondern sie war auch zu den Primär-Quellen zurückgekehrt, wobei sie die Abschriften / Kopien der Dokumente bezüglich ihrer Richtigkeit von den jeweils dafür zuständigen Verwaltern der Archive gegenzeichnen und bestätigen ließ. Leider weist aber ihre Arbeit dennoch, trotz einer durchgehenden Genealogie der Hagenauer bis in die 1930er Jahre, gravierende Lücken und einige Fehler (Nebenlinien, Wappenmehrung, Standeserhebung, etc.) auf. Der Schwerpunkt der Untersuchungen von Hauser lag auf Grund ihrer Abstammung von der Triester Linie auch bei dieser. So hatte Baronin Hauser in ihrer Arbeit zwar den Adelsstand des Triester Zweiges angeführt, nicht jedoch den des späteren Wiener Zweiges (1671 Wappenbrief mit Adelswappen, 1786 Bestätigung des Adelsprädikats "von", 1884 römische Baronie, 1929 bzw. 1932 italienischer Freiherrnstand). |
| | In einer von Hauser unter anderem verwendeten Quelle, der Familienchronik von Joseph Philipp Fellner (1833), wurden die wechselnden Geschäftserfolge der Hagenauer in Triest zur Zeit der napoleonischen Kriege nicht gerade positiv dargestellt. Dies hatte Hauser offensichtlich zu einer überkritischen und teilweise unreflektierten Stellungnahme bezüglich der Darstellungen Fellners bewegt. Dadurch unterliefen Baronin Hauser bei der Suche und Aufzeichnung von Irrtümern Fellners selbst Fehler und Widersprüche. Fellners Taufpate war ja der Handelsherr Leopold Hagenauer (1761 - 1828) und Fellner war auch ein guter Bekannter und Zeitgenosse des Abtes [[Dominikus von Hagenauer]] in Salzburg gewesen. Fellners Chronik ist daher, trotz kleiner Irrtümer, als wichtige und zuverlässige historische Quelle eines Zeitzeugen zu werten. Später aufgetauchtes Quellenmaterial, das Baronin Hauser damals anscheinend noch nicht zur Verfügung gestanden ist, oder zu dem sie keinen Zugang hatte, belegen jedoch die weitgehende Richtigkeit der Ausführungen Fellners. So zum Beispiel die am 14. September 1671 an die Brüder Paulus, Georg (IV.) und Johann Hagenauer de Hagenau verliehene Bestätigung des Stammwappens mit Wappenbesserung durch den kaiserlichen Hofpfalzgrafen Ferdinand Wilhelm Metzger von Meggenburg. | | In einer von Hauser unter anderem verwendeten Quelle, der Familienchronik von Joseph Philipp Fellner (1833), wurden die wechselnden Geschäftserfolge der Hagenauer in Triest zur Zeit der napoleonischen Kriege nicht gerade positiv dargestellt. Dies hatte Hauser offensichtlich zu einer überkritischen und teilweise unreflektierten Stellungnahme bezüglich der Darstellungen Fellners bewegt. Dadurch unterliefen Baronin Hauser bei der Suche und Aufzeichnung von Irrtümern Fellners selbst Fehler und Widersprüche. Fellners Taufpate war ja der Handelsherr Leopold Hagenauer (1761 - 1828) und Fellner war auch ein guter Bekannter und Zeitgenosse des Abtes [[Dominikus von Hagenauer]] in Salzburg gewesen. Fellners Chronik ist daher, trotz kleiner Irrtümer, als wichtige und zuverlässige historische Quelle eines Zeitzeugen zu werten. Später aufgetauchtes Quellenmaterial, das Baronin Hauser damals anscheinend noch nicht zur Verfügung gestanden ist, oder zu dem sie keinen Zugang hatte, belegen jedoch die weitgehende Richtigkeit der Ausführungen Fellners. So zum Beispiel die am 14. September 1671 an die Brüder Paulus, Georg (IV.) und Johann Hagenauer de Hagenau verliehene Bestätigung des Stammwappens mit Wappenbesserung durch den kaiserlichen Hofpfalzgrafen Ferdinand Wilhelm Metzger von Meggenburg. |