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In der nun zweiten Amtsperiode von [[Anton Werber]] (April [[1931]] bis Mai [[1933]]) eskalierte indes die seit Jahren angespannte Situation. Die Zeller Gemeindevertretung schaltete sich – vergleichbar mit den Vorgängen im Parlament in Wien – ebenso gleichsam selbst aus. Nach einem Misstrauensvotum gegen Werber entstand ein Zustand „ex lege“, mit Bezirkshauptmann [[Dr. Rudolf Hanifle]] musste von der Landesregierung ein Regierungskommissär anstelle eines gewählten Bürgermeisters mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt werden. Hanifle übergab im Dezember [[1933]] diese Aufgabe an Regierungsrat [[Leo Weißengruber]], der diese Funktion bis Juni [[1934]] ausübte. Noch zwei weitere Jahre blieb Zell unter Aufsicht des Landes, Kommissär war [[Dr. Adalbert Müller]]. Zell war in den beginnenden Dreißigerjahren zur notleidendsten Gemeinde des ganzen Landes geworden, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung mussten [[1933]] sogar Militäreinheiten angefordert und stationiert werden. Erst im Mai [[1936]] konstituierte sich wieder eine Gemeindevertretung, der über den einzelnen Lagern stehende Gastwirt [[Sebastian Hörl]] nahm [[1936]] nach langem Zögern das Amt an. Mit ihm stand nun – für zwei Jahre - wieder ein (von der Gemeindevertretung) gewählter Bürgermeister an der Spitze der Stadt.
 
In der nun zweiten Amtsperiode von [[Anton Werber]] (April [[1931]] bis Mai [[1933]]) eskalierte indes die seit Jahren angespannte Situation. Die Zeller Gemeindevertretung schaltete sich – vergleichbar mit den Vorgängen im Parlament in Wien – ebenso gleichsam selbst aus. Nach einem Misstrauensvotum gegen Werber entstand ein Zustand „ex lege“, mit Bezirkshauptmann [[Dr. Rudolf Hanifle]] musste von der Landesregierung ein Regierungskommissär anstelle eines gewählten Bürgermeisters mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt werden. Hanifle übergab im Dezember [[1933]] diese Aufgabe an Regierungsrat [[Leo Weißengruber]], der diese Funktion bis Juni [[1934]] ausübte. Noch zwei weitere Jahre blieb Zell unter Aufsicht des Landes, Kommissär war [[Dr. Adalbert Müller]]. Zell war in den beginnenden Dreißigerjahren zur notleidendsten Gemeinde des ganzen Landes geworden, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung mussten [[1933]] sogar Militäreinheiten angefordert und stationiert werden. Erst im Mai [[1936]] konstituierte sich wieder eine Gemeindevertretung, der über den einzelnen Lagern stehende Gastwirt [[Sebastian Hörl]] nahm [[1936]] nach langem Zögern das Amt an. Mit ihm stand nun – für zwei Jahre - wieder ein (von der Gemeindevertretung) gewählter Bürgermeister an der Spitze der Stadt.
 
==1938 bis 1945==  
 
==1938 bis 1945==  
[[Sebastian Hörl]] wurde beim [[Anschluss]] Österreichs an das Deutsche Reich im März [[1938]] abgesetzt, interimistisch übernahm [[Dr. Georg Lippert]] (NSDAP) die Amtsgeschäfte. Von [[1939]] bis [[1945]] führte der zum Amtsbürgermeister bestellte Nationalsozialist [[Ing. Erich Janik]] die Geschäfte der Bergstadt, seine Amtsführung und seine Persönlichkeit werden von Zeitzeugen bis heute sehr unterschiedlich bewertet. Nach Aussagen von Zeitzeugen soll er korrekt gewesen sein und auch Zellern bei Vorwürfen oder Verfolgungen geholfen haben, dennoch war er Mitwisser hinsichtlich aller Verbrechen und somit auch Mittäter wie alle anderen überzeugten Nationalsozialisten auch (unter vielen anderen das Todesurteil gegen [[Andreas Kronewitter]]<ref>Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) E 18.574</ref> wegen Wehrkraftzersetzung).
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[[Sebastian Hörl]] wurde beim [[Anschluss]] Österreichs an das Deutsche Reich im März [[1938]] abgesetzt, interimistisch übernahm [[Dr. Georg Lippert]] (NSDAP) die Amtsgeschäfte. Von [[1939]] bis [[1945]] führte der zum Amtsbürgermeister bestellte Nationalsozialist [[Ing. Erich Janik]] die Geschäfte der Bergstadt, seine Amtsführung und seine Persönlichkeit werden von Zeitzeugen bis heute sehr unterschiedlich bewertet. Nach Aussagen von Zeitzeugen soll er korrekt gewesen sein und auch Zellern bei Vorwürfen oder Verfolgungen geholfen haben, dennoch war er Mitwisser hinsichtlich aller Verbrechen (unter vielen anderen das Todesurteil gegen [[Andreas Kronewitter]]<ref>Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) E 18.574</ref> wegen Wehrkraftzersetzung) und somit auch Mittäter wie alle anderen überzeugten Nationalsozialisten in Parteiämtern auch.
    
Die Euphorie bei den zahlreichen Parteigängern und Sympathisanten des [[Anschluss]]es verflachte nach Ausbruch des [[Zweiten Weltkriegs]] sehr rasch, auch hier musste schließlich alles den „kriegswirtschaftlichen Erfordernissen“ untergeordnet werden. Rund 1050 Zeller waren zum Kriegsdienst eingezogen worden, die Gemeinde hatte schlussendlich 183 Tote und Vermisste zu beklagen.
 
Die Euphorie bei den zahlreichen Parteigängern und Sympathisanten des [[Anschluss]]es verflachte nach Ausbruch des [[Zweiten Weltkriegs]] sehr rasch, auch hier musste schließlich alles den „kriegswirtschaftlichen Erfordernissen“ untergeordnet werden. Rund 1050 Zeller waren zum Kriegsdienst eingezogen worden, die Gemeinde hatte schlussendlich 183 Tote und Vermisste zu beklagen.
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==Kriegsende und  Nachkriegszeit==
 
==Kriegsende und  Nachkriegszeit==
Die ersten amerikanischen Soldaten in Zell am See waren die Fallschirmjäger der 101. US-Luftlandedivision ([[101st Airborne Division]]), die der 7. Armee unterstellt waren, sie rückten am 8. Mai [[1945]] in Zell am See ein. Wenig später übernahm die „[[Rainbow Division]]“ (42nd Infantry) die Verwaltung, Entnazifizierung und Demokratisierung der befreiten Gebiete im Pinzgau. Bald gelang es den amerikanischen Befehlshabern in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadtgemeinde ([[Dr. Erich Schandbauer]], [[Dr. Roland Weinlich]], [[Erwin Prodinger]], [[Erich Grani]]), den weit verbreiteten Mangel an Nahrungsmitteln und anderen Gütern des alltäglichen Bedarfs zu lindern. Bemerkenswert ist auch, dass es damals im Grand Hotel (mit Außenstellen auch beim Metzgerwirt) in [[Zell am See]] eine amerikanische Universität (die [[Rainbow University]]) gab.
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Die ersten amerikanischen Soldaten in Zell am See waren die Fallschirmjäger der 101. US-Luftlandedivision ([[101st Airborne Division]]), die der 7. Armee unterstellt waren, sie rückten am 8. Mai [[1945]] in Zell am See ein. Wenig später übernahm die „[[Rainbow Division]]“ (42nd Infantry) die Verwaltung, Entnazifizierung und Demokratisierung der befreiten Gebiete im Pinzgau. Bald gelang es den amerikanischen Befehlshabern in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadtgemeinde (Dr. [[Erich Schandbauer]], Dr. [[Roland Weinlich]], [[Erwin Prodinger]], [[Erich Grani]]), den weit verbreiteten Mangel an Nahrungsmitteln und anderen Gütern des alltäglichen Bedarfs zu lindern. Bemerkenswert ist auch, dass es damals im Grand Hotel (mit Außenstellen auch beim Metzgerwirt) in [[Zell am See]] eine amerikanische Universität (die [[Rainbow University]]) gab.
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Die Amtszeit von Bürgermeister [[Erwin Prodinger]] und Vizebürgermeister [[Erich Grani]] erwies sich Anfang [[1946]] mehr als schwierig, denn umfangreiche Aufräum- und Restaurierungsarbeiten standen an. Bald wurde aber alles wiederhergestellt, die Infrastruktur auf der [[Schmittenhöhe]] durch neue Lifte und großzügigere Skiabfahrten kontinuierlich verbessert, auch die Schifffahrt konnte durch den Ankauf des Bootes Libelle gefördert werden. Daran schlossen sich kommunale Werke, der Aufbau der Volksschule, die Adaptierung und Einrichtung des Kran¬kenhauses und anderes mehr an. Durch die steigende Konjunktur und den stetig wachsen-den Fremdenverkehr rückte [[Zell am See]] in kurzer Zeit wieder in die erste Reihe der Salzburger Fremdenorte auf. Auffallend ist, dass dem  Wintertourismus in den „Fünfzigern“ und „Sechzigern“ nun immer mehr Bedeutung zukam, der Skilauf fand zunehmend Anhänger.
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Die Amtszeit von Bürgermeister [[Erwin Prodinger]] und Vizebürgermeister [[Erich Grani]] erwies sich Anfang [[1946]] mehr als schwierig, denn umfangreiche Aufräum- und Restaurierungsarbeiten standen an. Bald wurde aber alles wiederhergestellt, die Infrastruktur auf der [[Schmittenhöhe]] durch neue Lifte und großzügigere Skiabfahrten kontinuierlich verbessert, auch die Schifffahrt konnte durch den Ankauf des Bootes Libelle gefördert werden. Daran schlossen sich kommunale Werke, der Aufbau der Volksschule, die Adaptierung und Einrichtung des Krankenhauses und anderes mehr an. Durch die steigende Konjunktur und den stetig wachsen-den Fremdenverkehr rückte [[Zell am See]] in kurzer Zeit wieder in die erste Reihe der Salzburger Fremdenorte auf. Auffallend ist, dass dem  Wintertourismus in den „Fünfzigern“ und „Sechzigern“ nun immer mehr Bedeutung zukam, der Skilauf fand zunehmend Anhänger.
 
==Aufschwung bis zur Gegenwart==
 
==Aufschwung bis zur Gegenwart==
 
[[1955]] wurde [[Richard Glantschnigg]] zum Bürgermeister gewählt, auf ihn folgte von [[1959]] bis [[1969]] Dr.[[Ernst Höfer]]. In seiner Amtszeit konnten zahlreiche kommunale (Groß-)Projekte verwirklicht werden. Besonders wertvoll für die Stadtverwaltung erwies sich der Ankauf von [[Schloss Rosenberg]], der Gewerkenbau wurde generalsaniert und in der Folge als Rathaus adaptiert.
 
[[1955]] wurde [[Richard Glantschnigg]] zum Bürgermeister gewählt, auf ihn folgte von [[1959]] bis [[1969]] Dr.[[Ernst Höfer]]. In seiner Amtszeit konnten zahlreiche kommunale (Groß-)Projekte verwirklicht werden. Besonders wertvoll für die Stadtverwaltung erwies sich der Ankauf von [[Schloss Rosenberg]], der Gewerkenbau wurde generalsaniert und in der Folge als Rathaus adaptiert.

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