| | [blasse Schrift:] ''Einsiedeln am 20. August 1853. Um 10 Uhr Vormittags fuhren wir dann auf dem'' [unterstrichen:] ''Rhein den Fluß Rhein hinunter nach Schaffhausen, wo wir Mittag machten. Um 4 Uhr gingen wir zum Rhei[n]fall. Unterwegs sahen wir auch Joh. Müllers<ref>Johannes von Müller, * 1752 in Schaffhausen; † 1809; Grabmal, 1852 gestiftet vom bayerischen König</ref> Denkmal an. Der Rheinfall ist beiweitem nicht so hübsch, als er beschrieben wird. Er ist zwar sehr breit, u. hat viel Wasser, aber seine Höhe ist gar nicht bedeutend. Kurz mir gefällt der Gollinger Wasserfall im Ganzen viel besser. / Wir wollten den selben Tag noch über Rheinau nach Eglisau gehen. Aber schon ziemlich ermattet wegen der großen Hitze kam uns die Einladung eines dortigen Benediktiners, der uns begegnete, bei ihnen zu übernachten, sehr gelegen. Wir blieben auch den folgenden Tag dort u gingen erst den nächsten Morgen fort, nicht nach Eglisau sondern nach Winterthur. Wir unterhielten uns dort sehr gut, sahen die ziemlich reiche Schatzkammer, die Wappen u. Gemäldesammlung, das Naturalienkabinet u. die Bibliothek an, in welcher viele wertvolle Handschriften dasind. Auch ist in Rheinau eine hübsche Kapelle, in der die 3 Altäre ganz aus wertvollen Steinen (Smaragd u Chrystallen) u. Muscheln zusammengesetzt sind. Nur schade daß alles dieses wahrscheinlich den Protestanten in die Hände fallen wird, indem die Aufnahme neuer Geistlicher schon seit 20 Jahren von der Cantons-Regierung verboten ist; die Anzahl der Geistlichen ist jetzt schon auf 14 herabgeschmolzen, welche alle schon über 40 Jahre, ja die Hälfte schon über 60 Jahre sind.'' | | [blasse Schrift:] ''Einsiedeln am 20. August 1853. Um 10 Uhr Vormittags fuhren wir dann auf dem'' [unterstrichen:] ''Rhein den Fluß Rhein hinunter nach Schaffhausen, wo wir Mittag machten. Um 4 Uhr gingen wir zum Rhei[n]fall. Unterwegs sahen wir auch Joh. Müllers<ref>Johannes von Müller, * 1752 in Schaffhausen; † 1809; Grabmal, 1852 gestiftet vom bayerischen König</ref> Denkmal an. Der Rheinfall ist beiweitem nicht so hübsch, als er beschrieben wird. Er ist zwar sehr breit, u. hat viel Wasser, aber seine Höhe ist gar nicht bedeutend. Kurz mir gefällt der Gollinger Wasserfall im Ganzen viel besser. / Wir wollten den selben Tag noch über Rheinau nach Eglisau gehen. Aber schon ziemlich ermattet wegen der großen Hitze kam uns die Einladung eines dortigen Benediktiners, der uns begegnete, bei ihnen zu übernachten, sehr gelegen. Wir blieben auch den folgenden Tag dort u gingen erst den nächsten Morgen fort, nicht nach Eglisau sondern nach Winterthur. Wir unterhielten uns dort sehr gut, sahen die ziemlich reiche Schatzkammer, die Wappen u. Gemäldesammlung, das Naturalienkabinet u. die Bibliothek an, in welcher viele wertvolle Handschriften dasind. Auch ist in Rheinau eine hübsche Kapelle, in der die 3 Altäre ganz aus wertvollen Steinen (Smaragd u Chrystallen) u. Muscheln zusammengesetzt sind. Nur schade daß alles dieses wahrscheinlich den Protestanten in die Hände fallen wird, indem die Aufnahme neuer Geistlicher schon seit 20 Jahren von der Cantons-Regierung verboten ist; die Anzahl der Geistlichen ist jetzt schon auf 14 herabgeschmolzen, welche alle schon über 40 Jahre, ja die Hälfte schon über 60 Jahre sind.'' |
| − | ''Am 18 te[n] Morgens brachen wir dann auf nach Winterthur. Der [die] Gegend ist wirklich sehr hübsch, bald Wald, bald Feld, dann im Hintergrund sind alle Hügel mit Weinstöcken besetzt u mitten drinnen stehen dann nette Landhäuser von Winterthur, welches ziemlich klein aber sehr freundlich ist, fuhren wir nach Zürich mit dem Stellwagen, aber nicht in sondern'' [unterstrichen:] ''auf demselben. Diese vierspännigen Wägen haben nämlich oben auf dem Dache Sitze für 6 Personen; auf diese Weise transportirt ein solcher Wagen 21 Personen.<ref>Vgl. [[Stellwagen]]. Unter den vielen Abbildungen zum Thema "Postkutsche" scheint mir [O. H.] jene passend, die der dänische Maler J. Th. Lundbye (aus meiner Familie mütterlicherseits) skizzierte, als er 1845 bei Lausanne auf den Weg nach Italien war. Vgl. Abbildung. Dank an "Den Hirschsprungske Samling" in Kopenhagen für die Abdruckerlaubnis.</ref> | + | ''Am 18 te[n] Morgens brachen wir dann auf nach Winterthur. Der [die] Gegend ist wirklich sehr hübsch, bald Wald, bald Feld, dann im Hintergrund sind alle Hügel mit Weinstöcken besetzt u mitten drinnen stehen dann nette Landhäuser von Winterthur, welches ziemlich klein aber sehr freundlich ist, fuhren wir nach Zürich mit dem Stellwagen, aber nicht in sondern'' [unterstrichen:] ''auf demselben. Diese vierspännigen Wägen haben nämlich oben auf dem Dache Sitze für 6 Personen; auf diese Weise transportirt ein solcher Wagen 21 Personen.<ref>Vgl. [[Stellwagen]]. Unter den vielen Abbildungen zum Thema "Postkutsche" scheint mir, [[Otto Holzapfel]], jene passend, die der dänische Maler J. Th. Lundbye (aus meiner Familie mütterlicherseits) skizzierte, als er 1845 bei Lausanne auf den Weg nach Italien war. Vgl. Abbildung. Dank an "Den Hirschsprungske Samling" in Kopenhagen für die Abdruckerlaubnis.</ref> |
| | [[Datei:J. Th. Lundbye, 1845.jpg|thumb|J. Th. Lundbye, 1845; für Kobler-Spängler-Brief vom 17. bis 21. August 1845.]] | | [[Datei:J. Th. Lundbye, 1845.jpg|thumb|J. Th. Lundbye, 1845; für Kobler-Spängler-Brief vom 17. bis 21. August 1845.]] |