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| | Brief von Francesco Castelli an [[Franziska Kobler]]; Original, ein Bogen gefaltet, aufgeschnittenes Siegel, und drei Fotokopien, dazu eine masch.schriftl. Abschrift<ref>Abschrift, masch.schriftl. Durchschlag, beglaubigt durch das Amtsgericht Klagenfurt, 16. April 1943. Meine [O. H.] Übertragung weicht geringfügig von dieser Abschrift ab und ist mit dem Original verglichen worden.</ref>; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br /> | | Brief von Francesco Castelli an [[Franziska Kobler]]; Original, ein Bogen gefaltet, aufgeschnittenes Siegel, und drei Fotokopien, dazu eine masch.schriftl. Abschrift<ref>Abschrift, masch.schriftl. Durchschlag, beglaubigt durch das Amtsgericht Klagenfurt, 16. April 1943. Meine [O. H.] Übertragung weicht geringfügig von dieser Abschrift ab und ist mit dem Original verglichen worden.</ref>; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br /> |
| | [Briefumschlag:] ''No 49 // À Mademoselle // M. Françoise de Kobler // à // Salzburg en Autriche // abzugeben beym Höllbräuer.'' Poststempel: Venezia 20. Mar // Salzburg 25 Mar 18XX [verwischt]. ''Liebe Fany // Du mußt schon vergeben wenn ich so nachläßig bin, es ist wirklich die Krankheit mit der ich geplagt bin, die mir sogar meine Pflichten vergessen läßt. Gott straft mich mit beständig anhaltenden Schmerzen, vermutlich wegen deiner, ich habe mir sonst nichts vorzuwerfen; ich wollte nur, daß auch mit Beendigung der Strafe alles gut würde, nähmlich daß du glücklich würdest. Montag also den 26.t[en] dieses reise ich von hier nach Brescia auf Urlaub, und bleibe wenigstens zwey Monate, um die lezte Repaurce [?], nähmlich die Veränderung des Clima auf meine Krankheit anzuwenden; es ist die letzte Hoffnung in der ich aber viel Vertrauen hege, nachdem ich auch vor sieben Jahren durch eben eine Luftveränderung von einem ähnlichen Zustande befreyt wurde.'' [am Rand:] ''Erhalten 30t[er] März. Von Brescia aus wirst du von mir Nachrichten erhalten, und wenn du mich mit deinem nächsten Schreiben noch vor dem 15. Juny beglücken willst so schreibe nur nach Brescia ohne die Adresse sonst zu verändern. Von der heutigen Diligence erhälst du 16 fl C.M.'' [Gulden] ''für die zwey Monate März und April; ich wünschte der Amalia hunderte geben zu können, meine Auslagen sind aber für / Doctor und Medikamente so bedeutend, daß ich kaum auslangen kann. Grüße und küße vielmahl die Amalia, und sage ihr, daß ich nicht ermangeln werde während meinem Aufenthalte in Brescia ihren zärtlichen Brief zu beantworten. Deinen Eltern und Brüdern bitte ich viel Schönes auszurichten. Lebe recht wohl und vergnügt, welches wohl thunlich seyn dürfte, auch ohne den von den bekannten Umstämden unerreichbar gemachten Besitz // Deines aufrichtigsten Freundes // Castelli. Venedig den 19. März 1832.'' | | [Briefumschlag:] ''No 49 // À Mademoselle // M. Françoise de Kobler // à // Salzburg en Autriche // abzugeben beym Höllbräuer.'' Poststempel: Venezia 20. Mar // Salzburg 25 Mar 18XX [verwischt]. ''Liebe Fany // Du mußt schon vergeben wenn ich so nachläßig bin, es ist wirklich die Krankheit mit der ich geplagt bin, die mir sogar meine Pflichten vergessen läßt. Gott straft mich mit beständig anhaltenden Schmerzen, vermutlich wegen deiner, ich habe mir sonst nichts vorzuwerfen; ich wollte nur, daß auch mit Beendigung der Strafe alles gut würde, nähmlich daß du glücklich würdest. Montag also den 26.t[en] dieses reise ich von hier nach Brescia auf Urlaub, und bleibe wenigstens zwey Monate, um die lezte Repaurce [?], nähmlich die Veränderung des Clima auf meine Krankheit anzuwenden; es ist die letzte Hoffnung in der ich aber viel Vertrauen hege, nachdem ich auch vor sieben Jahren durch eben eine Luftveränderung von einem ähnlichen Zustande befreyt wurde.'' [am Rand:] ''Erhalten 30t[er] März. Von Brescia aus wirst du von mir Nachrichten erhalten, und wenn du mich mit deinem nächsten Schreiben noch vor dem 15. Juny beglücken willst so schreibe nur nach Brescia ohne die Adresse sonst zu verändern. Von der heutigen Diligence erhälst du 16 fl C.M.'' [Gulden] ''für die zwey Monate März und April; ich wünschte der Amalia hunderte geben zu können, meine Auslagen sind aber für / Doctor und Medikamente so bedeutend, daß ich kaum auslangen kann. Grüße und küße vielmahl die Amalia, und sage ihr, daß ich nicht ermangeln werde während meinem Aufenthalte in Brescia ihren zärtlichen Brief zu beantworten. Deinen Eltern und Brüdern bitte ich viel Schönes auszurichten. Lebe recht wohl und vergnügt, welches wohl thunlich seyn dürfte, auch ohne den von den bekannten Umstämden unerreichbar gemachten Besitz // Deines aufrichtigsten Freundes // Castelli. Venedig den 19. März 1832.'' |
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| | + | ==== Brief vom 26. November 1832 von Johann Anton Castelli an die Familie Kobler ==== |
| | + | Brief ohne Umschlag von Johann Anton Castelli<ref>Johann Anton / Giovanni Antonio Castelli (* 1766 in Brescia, Lombardei; † nach 1832) ist der Vater von Franz / Francesco Filastro Castelli (* 17. Juli 1796 in Brescia; † 20. April 1832 in Brescia), dem "Verlobten" von [[Franziska Kobler]] und Vater der [[Zäzilia Amalia Kobler]]. Vgl. die Briefe seit dem Brief vom 31. Dezember 1820 und dem Brief ohne Datum [1827]; vgl. auch den italienischen Brief vom Februar 1833.</ref>, ein Bogen, geschöpftes Papier; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> |
| | + | ''No 1. // Brescia de[n] 26 Novbr 1832 // P. T. // Obgleich vom lebhaftesten Schmerz durchdrungen beeile ich mich Ihren zärtlichen und rührenden Brief vom 14 d. zu beantworten. – Ihr Schmerz und Ihre mir gestandenen Gefühle ließen mich von neuem bittere Thränen vergießen über den Verlust meines geliebten Sohnes, dem einzigen Gegenstand aller meiner Hoffnungen, und ich gestehe es Ihnen, daß es keinen unglücklicheren Vater giebt wie ich es gegenwärtig bin. – In meinem vorgerückten Alter von 66 Jahren, war Franz meine einzige Stütze und Trost, er als der besterzogene Sohn wurde in den Stand gesetzt, die zu seiner Erziehung und für die eines andern Bruders und nun verheuratheten Schwester gemachten schweren Aufopferungen wieder vergelten zu können. Ein verhängnißvolles und unersetzliches Unglück, brach im Frühling / seines Lebens und seines Glückes seine kostbaren Tage ab, und warf seinen unglücklichen Vater in tiefe Verwirrung und Schmerz, und da ich leben muß bin ich gezwungen Tag und Nacht zu arbeiten um mich zu erhalten. – Man hat noch nicht erfahren können welches Vermögen er zurückgelaßen habe, da sein Ganzes /: weil er ohne Testament gestorben :/ wie es Vorschrift ist, vom Gericht in Verwahrung genommen und bis jetzt keine Entschließung in dieser Beziehung gekommen ist. – Von allem dem waren von dem Seinigen zurückgelaßen, muß man zwey Theilungen machen, eine gehört mir, und der andere den zwei obengenannten und von mir getrennten Kindern. –'' |
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| | + | ''Der unglückliche Franz starb den 20. April d: J. in dem Hause seiner Schwester. Da ich mich allein befinde, glaubte er beßer zu thun bey seiner Schwester zu wohnen um beßer gepflegt werden zu können. – Beinahe neun ganze Monate ertrug er seine Krankheit, welche mit den Hemorroiden'' [Hämorriden, Anm.] ''seinen Anfang hatte, und welche / da sie schlecht kurirt wurden in die Eingeweide und dann in die Blase übergingen. – Seine Jugend und die Vernachläßigung den Rathgebungen erfahrener Ärzte kein Gehör gegeben zu haben, vergrößerten immer mehr seine Krankheit und wurde immer mehr geschwächt, endlich nahm er um die schrecklichen Schmerzen vovon er gequält war zu heben, eine starke Medizin und diese war Ursache, daß er alle Besinnung verlor, und nicht mehr sprechen konnte; er starb ohne eine schriftliche oder mündliche Anordnung treffen zu können. – Aber da das Unglück nie allein kommt, muß ich Ihnen bemerken, daß das Geld welches er hatte nach seinem Tode sich nicht mehr vorfand, auch konnte ich nicht das kleinste Andenken von seinem Nachlaß erhalten. – Ich mußte an ein gebührendes Leichenbegräbniß und ein ehrenvolles Begräbniß in unserm Kirchhofe denken, welches mich 600 Zwanz. Kostete, ich unterlaße wegen Kürze sehr viele andere Ausgaben welche mich im Laufe seiner Krankheit traffen. –'' |
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| | + | ''Dieses ist alles was ich Ihnen gegenwärtig in solch / schmerzhaften Inhalt zu wißen mache. – Ich erwarte von Wien die Antwort meiner Bitte an Sn. K. K. Hohheit den Erzherzog Johann um einige Vergütung /: was sehr schwer halten wird :/ und ebenfalls um den Nachlaß des armen Hauptmanns. // Auch diesem, welches ich Ihnen mit aller Aufrichtigkeit an den Tag gelegt, werden Sie verkennen, daß nicht Sie allein unglücklich, sondern daß auch ich von tausend Unglücken gedrückt bin. – Bitten wir den Himmel, daß er mir Gesundheit schenke und meine Geschäfte fördere, damit ich die Mittel habe irgend eine Verfügung treffen zu können. – Nahmen Sie indeßen die zärtlichen Gefühle meiner Hochachtung // Ihr gewogenster // Johann Ant. Castelli'' |
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