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==== Brief vom 8. Oktober 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ====
 
==== Brief vom 8. Oktober 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ====
 
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 8. Oktober 1901: Er plant die Abreise nach München; er hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, "Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt"... "Handküsse und Grüße! Oswald Grill". - München 26. 10. 1901: dankt für das "Schriftstück", Brief mit Reisebericht; "Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt." Erzählt von München, vom Museum ("die Schule wo ich bisher war"); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines "so halbwegs"; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude "ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien", rote Dächer, gelbe Bäume "geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie"; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch." Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen."
 
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 8. Oktober 1901: Er plant die Abreise nach München; er hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, "Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt"... "Handküsse und Grüße! Oswald Grill". - München 26. 10. 1901: dankt für das "Schriftstück", Brief mit Reisebericht; "Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt." Erzählt von München, vom Museum ("die Schule wo ich bisher war"); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines "so halbwegs"; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude "ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien", rote Dächer, gelbe Bäume "geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie"; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch." Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen."
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==== Brief vom 20. Dezember 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ====
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Brief von Oswald Grill an Franziska [[Spängler]], die älteste Tochter von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], geboren 1877; ein kleiner Bogen; Briefumschlag "Fräulein // Franzi Spängler // Krems a. d. Donau // Alleestrasse 7. // (Nied Österreich)"; Briefmarke rote 10 Kreuzer Bayern, gestempelt "München 21 DEZ [verwischt]"; Stempel auf der Rückseite "Krems a/d Donau bestellt 23.12.01"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br />
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''München, 20 / XII 1901. // Liebes Fräulein Franzi! // Kann nicht umhin, Ihnen vor meiner Abreise nach Wien, die in 12 Stunden erfolgt, noch in der Eile eine paar Zeilen zu schreiben. Freilich sollte ich das eigentlich nicht thun, denn es vergrößert ja Ihre Schuld, und das ist Ihnen gewiß nur unangenehm. Aber, - was kann der Mensch für das was er thut, und wird die Schuld zu groß, dann müssen Sie sich halt pfänden lassen! Ich wollte allerdings Sie vorläufig mit meinem Geschwätz verschonen, bis Sie die nöthige Lust und Zeit / gefunden haben, mir wieder ein paar Zeilen zukommen zu lassen; schon aus dem Grunde natürlich, um Ihre ohnehin nicht vorhandene Zeit nicht noch durch das Lesen des Briefes in Anspruch zu nehmen; doch ich fahre eben auf 14 Tage – 3 Wochen nach Wien, und da wäre es mir sehr leid, wenn Sie gar vielleicht in dieser Zeit einmal auch hinunter kämen, und mich aus Unkenntnis der obigen Thatsache nicht bräuchten. Jedenfalls erwarte ich in Wien eine diesbezügliche Nachricht von Ihnen. Meine Adresse ist, falls Sie dieselbe vergessen hätten XIX. Pokornyg. 6. Sollte ich in Wien einmal Zeit / haben, was ich noch nicht weiß, denn ich werde sehr viel zu thun haben, so komme ich auf einen Tag oder Nachmittag nach Krems. Daß es mir lieb wäre, wenn ich Sie in diesem Falle zuhause wüßte, werden Sie vielleicht begreifen. // ''
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''Um auf Ihre Fragen zu antworten: Mit der Malerei geht es wie immer; schlecht oder gut, wie Sie es nennen wollen. Meiner Empfindung nach dürfte ich bis jetzt ziemlich viel in München gelernt haben. Über Weihnachten haben wir eine Concurrenzarbeit zu machen, die ich vielleicht in Wien machen werde. Daraus können Sie schon meine Zeit bemessen. Was meine Stimmung betrifft, so kann ich nur sagen, daß sie sich wenig verändert immer um O'' [durchstrichen: "null"] ''herumbewegt. Ich möchte mich gerne gegen alles abstumpfe[n], und kann es nicht. Das ist der Grundzug meiner Stimmung. Von zuhause hatte ich die letzte Zeit keine günstigen Nachrichten. Meine Mama war krank. Jetzt geht es ihr Gott sei Dank schon besser. Von Hanna habe ich einmal eine Nachricht erhalten. Auch von Rosl aus Genf eine Karte. Nun wünsche ich Ihnen recht fröhliche Weihnachten, denken Sie manchmal an mich, und seien Sie herzlichst gegrüßt von Ihrem // Oswald Grill // Viele Grüße, Handküsse und Empfehlungen an Eltern und Geschwister.''
 
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