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==== Brief vom 20. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
 
==== Brief vom 20. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
 
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Umschlagklappe mit undeutlichem Prägedruck, kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 20/12", rückseitig "Salzburg Stadt 21/12 10-11 Früh 71"; [unterstrichen:] "Frl. Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z 10 II St[oc]k". Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
 
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Umschlagklappe mit undeutlichem Prägedruck, kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 20/12", rückseitig "Salzburg Stadt 21/12 10-11 Früh 71"; [unterstrichen:] "Frl. Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z 10 II St[oc]k". Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
''Mödling 20 Dez 1871 früh // Meine liebe Fanny! // Für deinen gestern mir zugekommenen Brief mein[en] herzlichen Dank; voraussichtlich ist dieß der le[t]zte, den ich vor Weihnachten dir schreibe, doch hoffe ich, wie XXselbst schon angedeutet noch einen am Freitag od Samstag von dir zu erhalten. Ich hoffe, Samstag 23/12 Abends mit dem Postzuge von Wien abzureisen, u. somit Sonntag früh in Salzburg anzukommen. Wenn die Witterung nicht gar zu schlecht ist, darf ich mal darauf rechnen, dich schon am Bahnhofe begrüßen zu können? Nicht wa[h]r? Er wird 1en [?] schön sein, wenn ich an deiner Seite in die Unterstadt einziehe! Uebrigens hat sich die Temperatur zum Reisen se[h]r günstig gestaltet, da wir weniger / XX hier eine Temperatur von circa Null Grad haben. Demnach wird auch die Mutter'' [Spängler] ''keine Besorgniß wegen Erkältung haben, wenn ich auch nicht Pelzstiefel, Pelz u. Ohrenlappen habe. // Die Familie Zeller bedaure ich wirklich sehr, da eine Unanne[h]mlichkeit um die andere sie trifft; aber das Bitterste von allen bleibt doch das Leiden des armen Stibiz'' [Stiebitz]. ''Das ist ja der XXgal der körperlichen Krankheiten nicht so schmerzlich für die Angehörigen, wie eine solche Umnachtung des Geistes. Der Himmel schenke ihm baldige Genesung! //''
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''Mödling 20 Dez 1871 früh // Meine liebe Fanny! // Für deinen gestern mir zugekommenen Brief mein[en] herzlichen Dank; voraussichtlich ist dieß der le[t]zte, den ich vor Weihnachten dir schreibe, doch hoffe ich, wie XXselbst schon angedeutet noch einen am Freitag od Samstag von dir zu erhalten. Ich hoffe, Samstag 23/12 Abends mit dem Postzuge von Wien abzureisen, u. somit Sonntag früh in Salzburg anzukommen. Wenn die Witterung nicht gar zu schlecht ist, darf ich mal darauf rechnen, dich schon am Bahnhofe begrüßen zu können? Nicht wa[h]r? Er wird 1en [?] schön sein, wenn ich an deiner Seite in die Unterstadt einziehe! Uebrigens hat sich die Temperatur zum Reisen se[h]r günstig gestaltet, da wir weniger / XX hier eine Temperatur von circa Null Grad haben. Demnach wird auch die Mutter'' [Spängler, Anm.] ''keine Besorgniß wegen Erkältung haben, wenn ich auch nicht Pelzstiefel, Pelz u. Ohrenlappen habe. // Die Familie Zeller bedaure ich wirklich sehr, da eine Unanne[h]mlichkeit um die andere sie trifft; aber das Bitterste von allen bleibt doch das Leiden des armen Stibiz'' [Stiebitz, Anm.]. ''Das ist ja der XXgal der körperlichen Krankheiten nicht so schmerzlich für die Angehörigen, wie eine solche Umnachtung des Geistes. Der Himmel schenke ihm baldige Genesung! //''
    
''Du hast wo[h]l recht, wenn du sagst, dß es mir wo[h]ltun würde, von der täglichen gleichmäßigen Arbeit einmal ausruhen zu können, denn ich arbeite in der Regel mit kurzer Unterbrechung zu Mittag bis 7 Uhr Abends. / Dafür habe ich auch viel ausgerichtet, u von mir aus soll man am Schluße des Jahres nichts spüren, dß wir seit Juli immer um eine Arbeitskraft weniger waren. // Doch ich muß für je[t]zt abbrechen, da mich wieder die Pflicht in die Kanzlei ruft. // nachmittags // Ich war über Mittag auswärts beschäftigt u finde erst je[t]zt Zeit, den Brief fortzuse[t]zen u. zu vollenden. In der le[t]zten Woche hat mir 2mal von dir geträumt; das eine Mal, dß du mir etwas zu sagen hattest u dich dabei recht zutraulich an mich schmiegtest, vom 2ten Mal weiß ich den Inhalt des Traumes nicht me[h]r, sondern nur die Thatsache, dß mir von dir träumte. Es ist dieß bei mir sonderbarer Weise so selten vorgekommen, dß ich es der Mitteilung wert erachte. Mir wird es aber bald keines / Traumes, u. keiner wachen Erinnerung bedürfen, nur dein Bild vor mir zu sehen, sondern du wirst bald leibhaftig vor mir stehen! Uebermorgen kann ich schon sagen, dß wieder übermorgen dieß der Fall sein wird. Darüber wie lange ich bleiben kann, bin ich noch nicht im Stande etwas zu bestimmen. Mein Collega hat nämlich auf einen Brief des Bezirksrichters u von mir selbst bisher noch keine Antwort gegeben. Und mit dem Bezirksrichter selbst werde ich erst am le[t]zten Tage sprechen, da ich da am meisten von ihm erreichen kann, wenn ich ihm nicht lange Zeit laße, die Schwierigkeiten u Hinderniße zu überlegen. // Nun lebe recht wo[h]l; grüße die Großmutter u. schreibe mir jedenfalls noch einmal; wenn ich bis Freitag den Brief erhalte, so schreibe ich auch dir noch einmal. Sonst auf baldiges frohes Wiedersehen!!! Es küßt dich dein treuer Franz''
 
''Du hast wo[h]l recht, wenn du sagst, dß es mir wo[h]ltun würde, von der täglichen gleichmäßigen Arbeit einmal ausruhen zu können, denn ich arbeite in der Regel mit kurzer Unterbrechung zu Mittag bis 7 Uhr Abends. / Dafür habe ich auch viel ausgerichtet, u von mir aus soll man am Schluße des Jahres nichts spüren, dß wir seit Juli immer um eine Arbeitskraft weniger waren. // Doch ich muß für je[t]zt abbrechen, da mich wieder die Pflicht in die Kanzlei ruft. // nachmittags // Ich war über Mittag auswärts beschäftigt u finde erst je[t]zt Zeit, den Brief fortzuse[t]zen u. zu vollenden. In der le[t]zten Woche hat mir 2mal von dir geträumt; das eine Mal, dß du mir etwas zu sagen hattest u dich dabei recht zutraulich an mich schmiegtest, vom 2ten Mal weiß ich den Inhalt des Traumes nicht me[h]r, sondern nur die Thatsache, dß mir von dir träumte. Es ist dieß bei mir sonderbarer Weise so selten vorgekommen, dß ich es der Mitteilung wert erachte. Mir wird es aber bald keines / Traumes, u. keiner wachen Erinnerung bedürfen, nur dein Bild vor mir zu sehen, sondern du wirst bald leibhaftig vor mir stehen! Uebermorgen kann ich schon sagen, dß wieder übermorgen dieß der Fall sein wird. Darüber wie lange ich bleiben kann, bin ich noch nicht im Stande etwas zu bestimmen. Mein Collega hat nämlich auf einen Brief des Bezirksrichters u von mir selbst bisher noch keine Antwort gegeben. Und mit dem Bezirksrichter selbst werde ich erst am le[t]zten Tage sprechen, da ich da am meisten von ihm erreichen kann, wenn ich ihm nicht lange Zeit laße, die Schwierigkeiten u Hinderniße zu überlegen. // Nun lebe recht wo[h]l; grüße die Großmutter u. schreibe mir jedenfalls noch einmal; wenn ich bis Freitag den Brief erhalte, so schreibe ich auch dir noch einmal. Sonst auf baldiges frohes Wiedersehen!!! Es küßt dich dein treuer Franz''

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