| − | ''Salzburg den 24/4 1875 Meine lieben Theuren! Daß [!] ich erst heute dazu komme, Euch meine lieben für Eure guten Wünsche, zu meinen Geburtstag zu dannken, liegt Hauptsächlich in dem, das es mich einen großen Kammpf kostet, mein Gefühl der Vernunft zu unterwerffen, nemlich hat es mich würcklich sehr gezogen nach Wien zu gehen, um mit Euch einige Wochen zuzubringen; aber da ich noch immer mich nicht so ganz erholt habe, so räth mir alles ab, nach Wien zu gehen, da die Wiener Luft, keine Erhollung gewährt indemm sie, so Dunstig sey, und so viel Wind und Staub sey, Ich habe dan wollen für einige Wochen, in die Gnigel<ref>"die [[Gnigl]]"</ref> gehen zu Hofrichter. – da sie / mich so freundlich eingeladen haben, natürlich gegen Bezahlung, kaum vergingen über diesen Gedannken 3 Tage als Louise auf zu stehen anfing sich oft sehr matt fühlt und dem Otto erklärte, sie wünsche sehr aufs Land zu gehen, mit den Kindern, damit mann sie nicht so anzu ziehen brauche, und sich die Kinder auch erkräftigen. so hat er nun im Spáthhoff. eine Wohnung auf genohmen um 300 fl. [Gulden] Da fragten nun Louise und Otto ob ich nicht zu ihnen ziehen will, und so werde ich mit ihnen hinauß gehen, und dort, vieleicht 6 Wochen bleiben, thut es mir recht gut, vieleicht auch länger, jedenfall bin ich bis Ihr hieher kömmt, wider in meiner eigenen Behaußung. Ich freue mich schon recht sehr wen Ihr herauf kömmt / '' [darüber:] ''den 26 t'' [en] [weiter:] ''besonders wen ich mich vieleicht wider kräftiger fühle, um mit Euch einige Außflüge machen zu könen. Ich kann mich nicht krank nennen, aber ich fühle mich oft so matt, und vor allen gleich so angegrieffen. Ich lasse mir gewiß in keiner Beziehung etwas abgehen, ich trü[n]cke au[c]h Täglich etwas Wein. Es ist das Frühjahr sehr stark da die Luft immer noch so kalt ist, es sterben recht viele Leute – besonders was Lungenkranke sind, die reißt es alle. Leide[n]d sind wohl sehr viele hier.'' | + | ''Salzburg den 24/4 1875 Meine lieben Theuren! Daß [!] ich erst heute dazu komme, Euch meine lieben für Eure guten Wünsche, zu meinen Geburtstag zu dannken, liegt Hauptsächlich in dem, das es mich einen großen Kammpf kostet, mein Gefühl der Vernunft zu unterwerffen, nemlich hat es mich würcklich sehr gezogen nach Wien zu gehen, um mit Euch einige Wochen zuzubringen; aber da ich noch immer mich nicht so ganz erholt habe, so räth mir alles ab, nach Wien zu gehen, da die Wiener Luft, keine Erhollung gewährt indemm sie, so Dunstig sey, und so viel Wind und Staub sey, Ich habe dan wollen für einige Wochen, in die Gnigel<ref>"die [[Gnigl]]"</ref> gehen zu Hofrichter<ref>Die Töchter von Hofrichter [[Johann Peter Maria Spängler]], vgl. den Brief vom 24. November 1870</ref>. – da sie / mich so freundlich eingeladen haben, natürlich gegen Bezahlung, kaum vergingen über diesen Gedannken 3 Tage als Louise auf zu stehen anfing sich oft sehr matt fühlt und dem Otto erklärte, sie wünsche sehr aufs Land zu gehen, mit den Kindern, damit mann sie nicht so anzu ziehen brauche, und sich die Kinder auch erkräftigen. so hat er nun im Spáthhoff. eine Wohnung auf genohmen um 300 fl. [Gulden] Da fragten nun Louise und Otto ob ich nicht zu ihnen ziehen will, und so werde ich mit ihnen hinauß gehen, und dort, vieleicht 6 Wochen bleiben, thut es mir recht gut, vieleicht auch länger, jedenfall bin ich bis Ihr hieher kömmt, wider in meiner eigenen Behaußung. Ich freue mich schon recht sehr wen Ihr herauf kömmt / '' [darüber:] ''den 26 t'' [en] [weiter:] ''besonders wen ich mich vieleicht wider kräftiger fühle, um mit Euch einige Außflüge machen zu könen. Ich kann mich nicht krank nennen, aber ich fühle mich oft so matt, und vor allen gleich so angegrieffen. Ich lasse mir gewiß in keiner Beziehung etwas abgehen, ich trü[n]cke au[c]h Täglich etwas Wein. Es ist das Frühjahr sehr stark da die Luft immer noch so kalt ist, es sterben recht viele Leute – besonders was Lungenkranke sind, die reißt es alle. Leide[n]d sind wohl sehr viele hier.'' |
| | ''Die Zeit bis Ihr kömmt, hoffe ich wird recht bald vorüber gehen, mir wäre es so unangenehm wen ich in Wien krank würde, es ist nie gut krank zu sein, aber hier habe ich doch meine eigene Wohnung, und Bedienung, den mir ist es so unangenehm, wen [ich] jemand eine Ungelegenheit mache. / '' [darüber:] ''den 26 t'' [en] [weiter:] ''So angegriffen ist meine Gesundheit, das wen ich eine Nacht schlechter schlafe ich es den andern Tag recht gut merke und es mir auch die Leute ansehen das ich schlechter außsehe – unter diesen Umständen werdet Ihr begreiflich finden das man nicht gerne eine weitere Reise unternimmt. Da ich also leider nicht nach Wien komme<ref>Der nächste Brief vom 14. Mai 1875 legt fälschlich die Vermutung nahe, dass sie in Wien war, aber der folgende Brief vom 17. Mai 1875 klärt die Frage nach der offensichtlich abgesagten Reise nach Wien. Diese beiden Briefe, wenige Tage auseinander, wirken so unterschiedlich, dass man daran zweifeln könnte, dass sie im selben Jahr geschrieben wurden (auf jeden Fall nicht mit der gleichen Feder; auch die Papierqualität ist unterschiedlich). Aber Datierungen und die Einordnung in das gleiche Briefbündel sprechen dafür. Man vergleiche dazu die beiden Fotos der Briefe vom 14. und vom 17. Mai 1875.</ref> so bitte ich dich liebe Fany wen es dir so recht ist lasse dir von Franz für 5 Ell[en] Zeug von den gekauften Rock an meiner statt zahlen und Otto wird es den Franz schon ver rechnen ich zahle es den Otto. Lebt recht wohl seit nicht böse auf mich aber ich glaube es bleibt dadurch gewiß au[c]h Euch eine Angst dadurch erspart. Es küßt Euch mit iniger Liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Antonia Spángler.'' | | ''Die Zeit bis Ihr kömmt, hoffe ich wird recht bald vorüber gehen, mir wäre es so unangenehm wen ich in Wien krank würde, es ist nie gut krank zu sein, aber hier habe ich doch meine eigene Wohnung, und Bedienung, den mir ist es so unangenehm, wen [ich] jemand eine Ungelegenheit mache. / '' [darüber:] ''den 26 t'' [en] [weiter:] ''So angegriffen ist meine Gesundheit, das wen ich eine Nacht schlechter schlafe ich es den andern Tag recht gut merke und es mir auch die Leute ansehen das ich schlechter außsehe – unter diesen Umständen werdet Ihr begreiflich finden das man nicht gerne eine weitere Reise unternimmt. Da ich also leider nicht nach Wien komme<ref>Der nächste Brief vom 14. Mai 1875 legt fälschlich die Vermutung nahe, dass sie in Wien war, aber der folgende Brief vom 17. Mai 1875 klärt die Frage nach der offensichtlich abgesagten Reise nach Wien. Diese beiden Briefe, wenige Tage auseinander, wirken so unterschiedlich, dass man daran zweifeln könnte, dass sie im selben Jahr geschrieben wurden (auf jeden Fall nicht mit der gleichen Feder; auch die Papierqualität ist unterschiedlich). Aber Datierungen und die Einordnung in das gleiche Briefbündel sprechen dafür. Man vergleiche dazu die beiden Fotos der Briefe vom 14. und vom 17. Mai 1875.</ref> so bitte ich dich liebe Fany wen es dir so recht ist lasse dir von Franz für 5 Ell[en] Zeug von den gekauften Rock an meiner statt zahlen und Otto wird es den Franz schon ver rechnen ich zahle es den Otto. Lebt recht wohl seit nicht böse auf mich aber ich glaube es bleibt dadurch gewiß au[c]h Euch eine Angst dadurch erspart. Es küßt Euch mit iniger Liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Antonia Spángler.'' |