| − | Briefe gesammelt in einem steifen, hellblauen Schmuckkuvert; ein Bogen Seidenpapier, gefaltet, "Fräulein Amalie", graue Klebemarke "White Hall":<br /> ''Verehrtes Fräulein! Daß ich nicht mehr in gutem Andenken bey Ihnen stehe, muß ich mir stets zurufen, nachdem ich, gegebenes Versprechen zuwider, ein Jahr verstreichen ließ, ohne von Ihrer gütigen Erlaubniß der schriftlichen Unterhaltung mit Ihnen, Gebrauch zu machen.'' [… flüchtig gelesen] (Sie haben sich "im vorigen Sommer" kennengelernt; er lebt jetzt in besseren Verhältnissen und wünscht als "einziges Glück" ein Leben an ihrer Seite.) ''Wollen Sie mein werden für immer?'' [… flüchtig gelesen] ''Unter aufrichtigen Grüßen verbleibt Ihr gehorsamer Diener Ph Reichmann.'' [mit Adresse in Stuttgart] | + | Brief an [[Zäzilia Amalia Kobler]]; Briefe gesammelt in einem steifen, hellblauen Schmuckkuvert; ein Bogen Seidenpapier, gefaltet, "Fräulein Amalie", graue Klebemarke "White Hall":<br /> ''Verehrtes Fräulein! Daß ich nicht mehr in gutem Andenken bey Ihnen stehe, muß ich mir stets zurufen, nachdem ich, gegebenes Versprechen zuwider, ein Jahr verstreichen ließ, ohne von Ihrer gütigen Erlaubniß der schriftlichen Unterhaltung mit Ihnen, Gebrauch zu machen.'' [… flüchtig gelesen] (Sie haben sich "im vorigen Sommer" kennengelernt; er lebt jetzt in besseren Verhältnissen und wünscht als "einziges Glück" ein Leben an ihrer Seite.) ''Wollen Sie mein werden für immer?'' [… flüchtig gelesen] ''Unter aufrichtigen Grüßen verbleibt Ihr gehorsamer Diener Ph Reichmann.'' [mit Adresse in Stuttgart] |
| | ''Salzburg, am 26. Juli 1843. Mein lieber Freund! Es ist zum Erstenmale, daß ich mich, schriftlich an Sie wende, worüber mündlich mich zu erklären ich mich nicht im Stande fühle, und seyen Sie überzeugt daß es dießmal unendlich schmerzlich mir ist, die Feder zu führen selbes jedoch nach reichlicher Uiberlegung geschieht. und ich es Ihrer und meiner Ruhe schuldig bin, eine Sache in’s Reine zu bringen, welche schon zu lange verzögert wurde, und ich nur mir die Schuld beymesse. Ich fühle mich unendlich gerührt, durch die Neigung, deren Sie mich würdigen, und indem ich dieselbe in ihrer ganzen Größe bewundere, kann ich mich nur mit endlosen Vorwürfen überhäufen, Sie vielleicht durch die Wärme, zu der ich mich hinreissen ließ, zu Vermuthungen bewogen zu haben, welche auszuführen, ich mich nicht stark genug fühle, indem das Gefühl, das für Sie in mir lebt, und nie erlöschen wird, zwar ungeheuchelt und herzlich ist, doch den Gefühlen, die Sie gegen mich aussprechen, auf keine Weise gleich komt; und ich es mit dem Namen Liebe nicht belegen kann; da ich dem Manne den ich einst mein nennen soll, der mir sein Alles ./. mein ganzes künftiges Wohl anvertraut, so gerne aus ganzen, vollen Herzen genügen möchte. O möchten Sie mir nicht grollen darüber, denn ich versichere Sie, es ist das Erste, was ich in meinem Leben zu bereuen habe, indem ich Sie schmerzlichen Gefühlen preisgebe, und daß ich nur bedauern kann, diese Ihre Gefühle nicht zu Ihrer Freude theilen zu können. Wenn mein Gebet, und meine herzlichen Wünsche für Sie, zu Ihrem künftigen Glücke etwas beytragen könnten, gewiß, Sie würden es im vollsten Maße genießen, und es soll einen großen Theil meiner Zufriedenheit ausmachen, und mein jetzt so wunderbar ergriffenes Gemüt besänftigen, wenn ich Sie ruhig und vergnügt weis. Meine Mutter, die natürlich alles weiß, würde zwar das unumgänglich Nothwendige beytragen zu unserer Vereinigung, doch ich bin überzeugt, es geschähe mit wehem Herzen, indem es viel zu wenig wäre, eine Familie, worin das Glück ihres einzigen Kindes begriffen ist, gehörig auszustatten, und dessen künftigen Sorgen aller Art Einhalt zu thun; denn wie schmerzlich für beyde Theile, einander einen Wunsch versagen zu müssen, und es wäre mein ewiger Vorwurf, nicht aufrichtig gegen Sie gewesen zu ./. seyn. Wenn in der Zeit unserer Bekanntschaft wo ich Ihnen viele angenehme Stunden danke, Sie mich genugsam erkannt haben, so können Sie ermessen, wie viel ich bey Niederschreibung dessen leide, und mit der Versicherung, daß ich Ihnen unter allen Verhältnissen gleich herzlich bleibe, füge ich die Erste und einzige Bitte bei, daß auch Sie meiner freundlich gedenken, und mir immer ein guter Freund bleiben möchten. Die Folge wird mich lehren, ob, und wie Sie die Außerungen aufgenommen, von, Ihrer Freundin, Amalie Castelli.'' | | ''Salzburg, am 26. Juli 1843. Mein lieber Freund! Es ist zum Erstenmale, daß ich mich, schriftlich an Sie wende, worüber mündlich mich zu erklären ich mich nicht im Stande fühle, und seyen Sie überzeugt daß es dießmal unendlich schmerzlich mir ist, die Feder zu führen selbes jedoch nach reichlicher Uiberlegung geschieht. und ich es Ihrer und meiner Ruhe schuldig bin, eine Sache in’s Reine zu bringen, welche schon zu lange verzögert wurde, und ich nur mir die Schuld beymesse. Ich fühle mich unendlich gerührt, durch die Neigung, deren Sie mich würdigen, und indem ich dieselbe in ihrer ganzen Größe bewundere, kann ich mich nur mit endlosen Vorwürfen überhäufen, Sie vielleicht durch die Wärme, zu der ich mich hinreissen ließ, zu Vermuthungen bewogen zu haben, welche auszuführen, ich mich nicht stark genug fühle, indem das Gefühl, das für Sie in mir lebt, und nie erlöschen wird, zwar ungeheuchelt und herzlich ist, doch den Gefühlen, die Sie gegen mich aussprechen, auf keine Weise gleich komt; und ich es mit dem Namen Liebe nicht belegen kann; da ich dem Manne den ich einst mein nennen soll, der mir sein Alles ./. mein ganzes künftiges Wohl anvertraut, so gerne aus ganzen, vollen Herzen genügen möchte. O möchten Sie mir nicht grollen darüber, denn ich versichere Sie, es ist das Erste, was ich in meinem Leben zu bereuen habe, indem ich Sie schmerzlichen Gefühlen preisgebe, und daß ich nur bedauern kann, diese Ihre Gefühle nicht zu Ihrer Freude theilen zu können. Wenn mein Gebet, und meine herzlichen Wünsche für Sie, zu Ihrem künftigen Glücke etwas beytragen könnten, gewiß, Sie würden es im vollsten Maße genießen, und es soll einen großen Theil meiner Zufriedenheit ausmachen, und mein jetzt so wunderbar ergriffenes Gemüt besänftigen, wenn ich Sie ruhig und vergnügt weis. Meine Mutter, die natürlich alles weiß, würde zwar das unumgänglich Nothwendige beytragen zu unserer Vereinigung, doch ich bin überzeugt, es geschähe mit wehem Herzen, indem es viel zu wenig wäre, eine Familie, worin das Glück ihres einzigen Kindes begriffen ist, gehörig auszustatten, und dessen künftigen Sorgen aller Art Einhalt zu thun; denn wie schmerzlich für beyde Theile, einander einen Wunsch versagen zu müssen, und es wäre mein ewiger Vorwurf, nicht aufrichtig gegen Sie gewesen zu ./. seyn. Wenn in der Zeit unserer Bekanntschaft wo ich Ihnen viele angenehme Stunden danke, Sie mich genugsam erkannt haben, so können Sie ermessen, wie viel ich bey Niederschreibung dessen leide, und mit der Versicherung, daß ich Ihnen unter allen Verhältnissen gleich herzlich bleibe, füge ich die Erste und einzige Bitte bei, daß auch Sie meiner freundlich gedenken, und mir immer ein guter Freund bleiben möchten. Die Folge wird mich lehren, ob, und wie Sie die Außerungen aufgenommen, von, Ihrer Freundin, Amalie Castelli.'' |