| | ''Salzburg den 17/5 [18]75 Meine liebsten Theuren! Wie ich oft sage, der Mensch denckt – der liebe Gott lenckt. Als ich neulich Euren Brief erhielt, welcher wohl sehr dringend mich auffordete zu kommen, ich beschloß daher zu gehen, wen es mir auch nicht so gut bekommen möge, wie die so herliche Landluft hier, ich richtete mir schon alles zusammen auf den kasten herauß die Schuhe Kleider, habe schon den Kofer besorgt schon die Nothwendigsten Abschieds besuche gemacht, kurz ich war ganz reiseferig und wollte am Dinstag den 11 t[en] reisen<ref>Zur Frage nach der Reise nach Wien vgl. den obigen Brief vom 24. bis 28. April 1875 (Anmerkung). Der 11. Mai 1875 war ein Dienstag.</ref>, als mir von 9 t[en] auf den 10 t[en] in der Nacht so unwohl wurde, und ich so auf geregt war, das ich nur zu deutlich sach, das dieß, keine Verfaßung / ist, um eine so weite Reise zu unternehmen; ich wußte mir nun nicht anders zu helfen als ich ging zum Vater der Fany<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref> , um ihm zu rathe zu ziehen, und er sagte mir auch beßer als die Wienerreise wird mir gewiß der Aufenthalt auf dem Land thun, ich bath im dan er möge Euch selbst ein paar Zeilen schreiben, was er mir auch versprochen hat. Ich bin dan noch den selben Tag mit denen Ottoischen aufs Land gezogen, wo wir die herlichste Luft nebst den schönsten Wetter genießen, ich bin nur gestern in die Stadt in die Kirche gegangen, sonst bin ich den ganzen Tag im freyen, und habe immer das herliche Grün / vor den Augen was mir wohl, unendlich gut thut, diese Woche werde ich anfangen Moßbäder [!] zu brauchen.'' | | ''Salzburg den 17/5 [18]75 Meine liebsten Theuren! Wie ich oft sage, der Mensch denckt – der liebe Gott lenckt. Als ich neulich Euren Brief erhielt, welcher wohl sehr dringend mich auffordete zu kommen, ich beschloß daher zu gehen, wen es mir auch nicht so gut bekommen möge, wie die so herliche Landluft hier, ich richtete mir schon alles zusammen auf den kasten herauß die Schuhe Kleider, habe schon den Kofer besorgt schon die Nothwendigsten Abschieds besuche gemacht, kurz ich war ganz reiseferig und wollte am Dinstag den 11 t[en] reisen<ref>Zur Frage nach der Reise nach Wien vgl. den obigen Brief vom 24. bis 28. April 1875 (Anmerkung). Der 11. Mai 1875 war ein Dienstag.</ref>, als mir von 9 t[en] auf den 10 t[en] in der Nacht so unwohl wurde, und ich so auf geregt war, das ich nur zu deutlich sach, das dieß, keine Verfaßung / ist, um eine so weite Reise zu unternehmen; ich wußte mir nun nicht anders zu helfen als ich ging zum Vater der Fany<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref> , um ihm zu rathe zu ziehen, und er sagte mir auch beßer als die Wienerreise wird mir gewiß der Aufenthalt auf dem Land thun, ich bath im dan er möge Euch selbst ein paar Zeilen schreiben, was er mir auch versprochen hat. Ich bin dan noch den selben Tag mit denen Ottoischen aufs Land gezogen, wo wir die herlichste Luft nebst den schönsten Wetter genießen, ich bin nur gestern in die Stadt in die Kirche gegangen, sonst bin ich den ganzen Tag im freyen, und habe immer das herliche Grün / vor den Augen was mir wohl, unendlich gut thut, diese Woche werde ich anfangen Moßbäder [!] zu brauchen.'' |