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=== 1827 ===
 
=== 1827 ===
FRANZ CASTELLI [Nr. 78] an FANNY KOBLER [Nr. 79]: No 35 [Venedig, 1827] Liebe Fany. Daß ich dir so lange nicht schrieb, waren die Verhältniße in denen ich bis jetzt verwikelt war daran Schuld. Ich versuchte wie du weißt meinem Bruder eine Civil Anstellung zu verschaffen, es wäre mir sicher gelungen, aber der gute Mann anstatt sich die Kenntniße zu erwerben die ihm erforderlich waren, und durch Fleiß und Studium das einzuhohlen, was er vernachläßigt hatte, fing an ein liederliches Leben zu führen, auf meine Rechnung Schulden zu machen etc. etc. Die Sachen gingen zu weit, als daß ich nicht Einhalt zu thun trachten sollen, und beschloß ihn zu entfernen. Gesagt, gethan, er ist nun nach Petersburg [Peterwardein?] abgereist, die Expedition kostet mir freylich über 300 fl [Gulden] Münzen, ich hoffe aber daß diese für ihn die letzte Auslage seyn wird, und daß ich, wenn nicht bald, doch mit der Zeit die ungeheuren Lücken ausfüllen werde, die er auf eine sehr indiscrete Weise hinterlaßen hat. - Die Amalia hat von mir viel zu fordern, ich weis es, und werde mit nach, und nach meine Schuld abtragen; auch du bist meine Gläubnerin, und auch mit dir hoffe [ich] in Balde in Ordnung zu kommen, und zwar dadurch daß ich die Gelegenheit benutze in Brescia, wo ich um meinen Vater, und die Schwester zu besuchen, auf ein Paar Wochen auf Urlaub gehen möchte, von meinem guten Freunde, und zugleich guten Mahler ein Portrait machen laße, und dir zusende. Daß ich so lange damit warten laße, wirst du vergeben, ich denke wohl immer daran ohne es machen laßen zu können. Ich übersende dir 15 fl C.M. [? Kurant-, gängige Münze] mehr kann ich nicht, weil selbst diese mir schwer fallen. Wir haben das Project fahren laßen, hier das Geld zu erlegen, daß dir von meinem dortigen Haus [Bank] gezahlt wurde; der erste Versuch hat wohl fehlgeschlagen. Man sollte aber noch weiter fragen, vielleicht wäre auch dieses einzuleiten möglich. Ich erwarte recht bald Nachrichten von dir, und von der Amalia, so wie einige Erkundigungen über deine Familie die ich freylich grüßen laße. Addio Fanny/ Venedig den 19.ten N[ovem]ber [1]827./ Dein aufrichtiger Freund Castelli - Brief mit stark vergilbtem, grauen Umschlag, gefaltet, dreimal mit rotem Lack versiegelt: zwei verschiedene Siegel: österreichischer ‚Doppeladler mit Kaiserkrone’, Inhalt vom Wappenschild nicht erkennbar und Umschrift, und ‘Helm mit Fahnen-Hintergrund vor großem Wappenschild’ und verschlungenem F und C: mit kräftiger Tinte: „No 35 1.)“; mit anderer, blasser Tinte: „de Venice“ und „A’ Mademoiselle Mad.lle Francese [?] de Kobler“ „fl 20 x“ [1 Gulden 20 Kreuzer?] und „Salzbourg.“ und „abzugeben beim höhlbräuer mit 15 fl.C.M.“ - „Petersburg“: wohl das österreichische Peterwardein, Serbien (siehe oben). Adressiert ist der Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ (mit dieser Lesung bin ich mir auch ziemlich sicher, obwohl die Schrift sehr verblaßt ist) an Franziska (Fanny) Kobler [Nr. 79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 steht auf dem Platz (und sinnigerweise als ‚Hölle‘ auf den Mauern?) der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die ‘Höllbräuin’ ist ebenfalls die Schreiberin weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. - Fanny Kobler bekommt ein Kind (Nr. 39, Zäzilia Amalia Kobler: in dem Brief „Amalia“) mit (dem in der Geburtsurkunde nicht eingetragenen) Franz Castelli [Nr. 78] aus der Lombardei; sie ist, wie es heißt (so Trudl Widerin) „verlobt mit Francesco Castelli, geb. 17.7.1796, gest. 17.4.1832, aus Brescia; Oberlieutenant im Genie Korps, durch Briefe Anerkennung der Vaterschaft“ [was sich in den Briefen hier bestätigt]. Der Briefschreiber nennt hier seine Vaterstadt Brescia. - Die Tochter Cäcilia Kobler (1821-1848) heiratet 1846 in Salzburg Richard Schlegel [Nr. 38], und deren Tochter, Franziska Schlegel [Nr. 19], geb. 1.6.1848 in Salzburg, heiratet Franz Spängler [Nr. 18]. Zur Zeit dieses Briefes von Franz Castelli ist die Tochter 6 Jahre alt. Einer Notiz von Trudl Widerin entsprechend gehören die drei kleinen Portraits (zwei davon Abbildung unten, links, das dritte rechts), bezeichnet „Spitzer pinxit 1825“ und „1827“, wahrscheinlich hierher; eines davon, 1827, zeigt offenbar die blondbezopfte Zäcilia Amalia Kobler (1821-1848 = Abbildung unten rechts; Foto ganz rechts als erwachsene Frau). Die Miniaturmaler sind sozusagen Vorläufer der Porträtfotografen. Um 1840 ist der Wandel in diesem Gewerbe weitgehend abgeschlossen; man geht zum Fotografen (vgl. einen der folgenden Briefe).
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FRANZ CASTELLI [Nr. 78] an Fanny Kobler [Nr. 79]: No 35 [Venedig, 1827] Liebe Fany. Daß ich dir so lange nicht schrieb, waren die Verhältniße in denen ich bis jetzt verwikelt war daran Schuld. Ich versuchte wie du weißt meinem Bruder eine Civil Anstellung zu verschaffen, es wäre mir sicher gelungen, aber der gute Mann anstatt sich die Kenntniße zu erwerben die ihm erforderlich waren, und durch Fleiß und Studium das einzuhohlen, was er vernachläßigt hatte, fing an ein liederliches Leben zu führen, auf meine Rechnung Schulden zu machen etc. etc. Die Sachen gingen zu weit, als daß ich nicht Einhalt zu thun trachten sollen, und beschloß ihn zu entfernen. Gesagt, gethan, er ist nun nach Petersburg [Peterwardein?] abgereist, die Expedition kostet mir freylich über 300 fl [Gulden] Münzen, ich hoffe aber daß diese für ihn die letzte Auslage seyn wird, und daß ich, wenn nicht bald, doch mit der Zeit die ungeheuren Lücken ausfüllen werde, die er auf eine sehr indiscrete Weise hinterlaßen hat. - Die Amalia hat von mir viel zu fordern, ich weis es, und werde mit nach, und nach meine Schuld abtragen; auch du bist meine Gläubnerin, und auch mit dir hoffe [ich] in Balde in Ordnung zu kommen, und zwar dadurch daß ich die Gelegenheit benutze in Brescia, wo ich um meinen Vater, und die Schwester zu besuchen, auf ein Paar Wochen auf Urlaub gehen möchte, von meinem guten Freunde, und zugleich guten Mahler ein Portrait machen laße, und dir zusende. Daß ich so lange damit warten laße, wirst du vergeben, ich denke wohl immer daran ohne es machen laßen zu können. Ich übersende dir 15 fl C.M. [? Kurant-, gängige Münze] mehr kann ich nicht, weil selbst diese mir schwer fallen. Wir haben das Project fahren laßen, hier das Geld zu erlegen, daß dir von meinem dortigen Haus [Bank] gezahlt wurde; der erste Versuch hat wohl fehlgeschlagen. Man sollte aber noch weiter fragen, vielleicht wäre auch dieses einzuleiten möglich. Ich erwarte recht bald Nachrichten von dir, und von der Amalia, so wie einige Erkundigungen über deine Familie die ich freylich grüßen laße. Addio Fanny/ Venedig den 19.ten N[ovem]ber [1]827./ Dein aufrichtiger Freund Castelli - Brief mit stark vergilbtem, grauen Umschlag, gefaltet, dreimal mit rotem Lack versiegelt: zwei verschiedene Siegel: österreichischer ‚Doppeladler mit Kaiserkrone’, Inhalt vom Wappenschild nicht erkennbar und Umschrift, und ‘Helm mit Fahnen-Hintergrund vor großem Wappenschild’ und verschlungenem F und C: mit kräftiger Tinte: „No 35 1.)“; mit anderer, blasser Tinte: „de Venice“ und „A’ Mademoiselle Mad.lle Francese [?] de Kobler“ „fl 20 x“ [1 Gulden 20 Kreuzer?] und „Salzbourg.“ und „abzugeben beim höhlbräuer mit 15 fl.C.M.“ - „Petersburg“: wohl das österreichische Peterwardein, Serbien (siehe oben). Adressiert ist der Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ (mit dieser Lesung bin ich mir auch ziemlich sicher, obwohl die Schrift sehr verblaßt ist) an Franziska (Fanny) Kobler [Nr. 79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 steht auf dem Platz (und sinnigerweise als ‚Hölle‘ auf den Mauern?) der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die ‘Höllbräuin’ ist ebenfalls die Schreiberin weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. - Fanny Kobler bekommt ein Kind (Nr. 39, Zäzilia Amalia Kobler: in dem Brief „Amalia“) mit (dem in der Geburtsurkunde nicht eingetragenen) Franz Castelli [Nr. 78] aus der Lombardei; sie ist, wie es heißt (so Trudl Widerin) „verlobt mit Francesco Castelli, geb. 17.7.1796, gest. 17.4.1832, aus Brescia; Oberlieutenant im Genie Korps, durch Briefe Anerkennung der Vaterschaft“ [was sich in den Briefen hier bestätigt]. Der Briefschreiber nennt hier seine Vaterstadt Brescia. - Die Tochter Cäcilia Kobler (1821-1848) heiratet 1846 in Salzburg Richard Schlegel [Nr. 38], und deren Tochter, Franziska Schlegel [Nr. 19], geb. 1.6.1848 in Salzburg, heiratet Franz Spängler [Nr. 18]. Zur Zeit dieses Briefes von Franz Castelli ist die Tochter 6 Jahre alt. Einer Notiz von Trudl Widerin entsprechend gehören die drei kleinen Portraits (zwei davon Abbildung unten, links, das dritte rechts), bezeichnet „Spitzer pinxit 1825“ und „1827“, wahrscheinlich hierher; eines davon, 1827, zeigt offenbar die blondbezopfte Zäcilia Amalia Kobler (1821-1848 = Abbildung unten rechts; Foto ganz rechts als erwachsene Frau). Die Miniaturmaler sind sozusagen Vorläufer der Porträtfotografen. Um 1840 ist der Wandel in diesem Gewerbe weitgehend abgeschlossen; man geht zum Fotografen (vgl. einen der folgenden Briefe).
 
      
 
      
 
=== 1832 ===
 
=== 1832 ===
FANNY KOBLER (1796-1886; Nr. 79): Buchseite herausgeschnitten, rosa Rückseite (Vorsatzblatt), jeweils durch einen Strich getrennt: 1832. den 20ten April starb mein unvergeßlicher Fo. Castelli/ 1837. den 17ten April starb meine brave, gute, gute Mutter./ 1841. den 30ten Jenner starb mein lieber, guter Vater./ 1842. den 14ten May starb mein guter Bruder./ 1848. den 14ten Juni starb meine liebe, gute, gute Maly [Amalie Kobler]./ Gott gebe das wir uns Jenseitz alle wiedersehen./ [Abstand und mit etwas anderer Schrift:] Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben. – Vgl. Partezettel für Betti #Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Ein Bruder Wilhelm Kobler ist in Linz. Vgl. viele Briefe [bisher ungelesen]: „Betti“ an „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt], Mali and Betti (1844 bis 1848); ein Brief Betti Katzinger an Fanny Kobler (1880).
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Fanny Kobler (1796-1886; Nr. 79): Buchseite herausgeschnitten, rosa Rückseite (Vorsatzblatt), jeweils durch einen Strich getrennt: 1832. den 20ten April starb mein unvergeßlicher Fo. Castelli/ 1837. den 17ten April starb meine brave, gute, gute Mutter./ 1841. den 30ten Jenner starb mein lieber, guter Vater./ 1842. den 14ten May starb mein guter Bruder./ 1848. den 14ten Juni starb meine liebe, gute, gute Maly [Amalie Kobler]./ Gott gebe das wir uns Jenseitz alle wiedersehen./ [Abstand und mit etwas anderer Schrift:] Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben. – Vgl. Partezettel für Betti #Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Ein Bruder Wilhelm Kobler ist in Linz. Vgl. viele Briefe [bisher ungelesen]: „Betti“ an „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt], Mali and Betti (1844 bis 1848); ein Brief Betti Katzinger an Fanny Kobler (1880).
 
   
 
   
 
=== 1833 ===
 
=== 1833 ===
Brief an [Nr. 79] Franziska, Fanny KOBLER (1796-1886) von [Nr. 78] Francesco (Franz) CASTELLI (1796-20.4.1832), vgl. gemeinsame Tochter [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (1821-1848). - [Briefbogen gefaltet, Siegel fehlt] A Mademoisel Francoise Kobler. Ricapito presto Hóllbr[äurer] a Salisburg. [undeutliche Stempel:] RES GEN[X] 28 / A SALZBURG 3 FEB 1XXX [1833]: [unsichere Lesung, vielfach „u“ für v:] Sig/n Janni Stim/men [?]. Se tardai sino ad oggi a dos riscontro alla casa scea del 8 curente deue atribuisla al interessamento che senta il mio cuore a tante disauentura sucesse alle nostra Famiglie quali ni occupasso la mente che non so come prender la pena in mano per compicor il mio douare di repondere a si compassionati lettera – Sapia adunque che tutt ora presente sono anur alle siccro di quassto posso auer lasciato il pouero Capitano esenda parte de suoi effetti a Venezia presce il Genio, e parto a Brescia in casa de mio Genero sotto sugallo; e come dissi io non tengo presso di me il piu picolo degli efetti fasciati, per conseqenzo non so se il portafoglio che dica sia a do una parte o dal altra, mi fo pero Carico di n’ntraciati al momento opotune e se mi viesce ouerti di forme tosto la spedizione el suo addressa. - Con le sue lettera che erano presso di me esequi li suoi ordini; aurei molte cose a dira ma a che giono quando l’impotenzo mete in ridicola la speranza. – Mi tengo nel numero degli infelici dio mi Baccio allo figlio, e attendiamo un maglio avenia e con tutto stimo e amori sono – Brescia 06 Genajo 1833 – il Suo aff Gio Anto [anderer Brief: Giovanni Anto.] Castelli – Aus „Brescia am 6.Januar 1833: Wenn sich bis heute die Begegnung in seinem Haus verzögert hat, am 8. dieses Monats... verliere ich das Interesse mit allem Unglück, das unsere Familie verfolgt und meinen Geist belastet um, wie eine Strafe die Pflicht zu erfüllen, mitleidenswerten Briefen zu antworten. Ich weiß also, dass ich jetzt nur von der Vergangenheit... von einer Seite die Zuneigung des Capitans in Venedig..., auf der anderen Seite in Brescia in dem Haus, das mein Schwiegersohn unter... und wie gesagt... ich kann nicht in der Nähe von diesen kleinen, wunderbaren Zuneigungen, von deren Nachfolge ich nicht weiß, und nicht sein Portefeuille, wie die einen oder die anderen, mir macht in dem günstigen Moment die [Urkunde]... und alle Formalitäten für die Spedition an seine Adressse. – Mit seinen Briefen, die mich verpflichtet haben, mich immer an seine Anweisungen zu halten... und viele Worte sagen, aber die Unfähigkeit macht diese Hoffnung lächerlich. Ich halte mich an die Zahl der Unglücklichen, gib dem Sohn [!] einen Kuss und wir warten auf eine bessere Zukunft. Mit aller Achtung und Liebe bin ich ihr...“ - Franceso Castelli ist bereits am 20.4.1832 verstorben; der „Kuss“ soll wohl der Tochter Amalia Kobler gelten, 12 Jahre alt. Den Brief, den offenbar ein Verwandter schreibt [vielleicht ein Bruder, vgl. Brief von 1827; der Vater schreibt auf Deutsch], kann ich auch wegen mangelnder Italienisch-Kenntnisse kaum entziffern; eine Kollegin hat ihn mir bruckstückhaft zu übersetzen versucht.
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Brief an [Nr. 79] Franziska, Fanny Kobler (1796-1886) von [Nr. 78] Francesco (Franz) CASTELLI (1796-20.4.1832), vgl. gemeinsame Tochter [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (1821-1848). - [Briefbogen gefaltet, Siegel fehlt] A Mademoisel Francoise Kobler. Ricapito presto Hóllbr[äurer] a Salisburg. [undeutliche Stempel:] RES GEN[X] 28 / A SALZBURG 3 FEB 1XXX [1833]: [unsichere Lesung, vielfach „u“ für v:] Sig/n Janni Stim/men [?]. Se tardai sino ad oggi a dos riscontro alla casa scea del 8 curente deue atribuisla al interessamento che senta il mio cuore a tante disauentura sucesse alle nostra Famiglie quali ni occupasso la mente che non so come prender la pena in mano per compicor il mio douare di repondere a si compassionati lettera – Sapia adunque che tutt ora presente sono anur alle siccro di quassto posso auer lasciato il pouero Capitano esenda parte de suoi effetti a Venezia presce il Genio, e parto a Brescia in casa de mio Genero sotto sugallo; e come dissi io non tengo presso di me il piu picolo degli efetti fasciati, per conseqenzo non so se il portafoglio che dica sia a do una parte o dal altra, mi fo pero Carico di n’ntraciati al momento opotune e se mi viesce ouerti di forme tosto la spedizione el suo addressa. - Con le sue lettera che erano presso di me esequi li suoi ordini; aurei molte cose a dira ma a che giono quando l’impotenzo mete in ridicola la speranza. – Mi tengo nel numero degli infelici dio mi Baccio allo figlio, e attendiamo un maglio avenia e con tutto stimo e amori sono – Brescia 06 Genajo 1833 – il Suo aff Gio Anto [anderer Brief: Giovanni Anto.] Castelli – Aus „Brescia am 6.Januar 1833: Wenn sich bis heute die Begegnung in seinem Haus verzögert hat, am 8. dieses Monats... verliere ich das Interesse mit allem Unglück, das unsere Familie verfolgt und meinen Geist belastet um, wie eine Strafe die Pflicht zu erfüllen, mitleidenswerten Briefen zu antworten. Ich weiß also, dass ich jetzt nur von der Vergangenheit... von einer Seite die Zuneigung des Capitans in Venedig..., auf der anderen Seite in Brescia in dem Haus, das mein Schwiegersohn unter... und wie gesagt... ich kann nicht in der Nähe von diesen kleinen, wunderbaren Zuneigungen, von deren Nachfolge ich nicht weiß, und nicht sein Portefeuille, wie die einen oder die anderen, mir macht in dem günstigen Moment die [Urkunde]... und alle Formalitäten für die Spedition an seine Adressse. – Mit seinen Briefen, die mich verpflichtet haben, mich immer an seine Anweisungen zu halten... und viele Worte sagen, aber die Unfähigkeit macht diese Hoffnung lächerlich. Ich halte mich an die Zahl der Unglücklichen, gib dem Sohn [!] einen Kuss und wir warten auf eine bessere Zukunft. Mit aller Achtung und Liebe bin ich ihr...“ - Franceso Castelli ist bereits am 20.4.1832 verstorben; der „Kuss“ soll wohl der Tochter Amalia Kobler gelten, 12 Jahre alt. Den Brief, den offenbar ein Verwandter schreibt [vielleicht ein Bruder, vgl. Brief von 1827; der Vater schreibt auf Deutsch], kann ich auch wegen mangelnder Italienisch-Kenntnisse kaum entziffern; eine Kollegin hat ihn mir bruckstückhaft zu übersetzen versucht.
    
=== 1840 ===
 
=== 1840 ===
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=== 1844 ===
 
=== 1844 ===
FANNY KOBLER [Nr. 79]: 184X, wahrscheinlich 1844, Meldezettel (Einquartierungszettel) des Höllbräu für Otto von SXXX aus Zwickau/Sachsen, unterschrieben „Serafin Kobler“
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Fanny Kobler [Nr. 79]: 184X, wahrscheinlich 1844, Meldezettel (Einquartierungszettel) des Höllbräu für Otto von SXXX aus Zwickau/Sachsen, unterschrieben „Serafin Kobler“
 
==== 5. Juni 1844 ====
 
==== 5. Juni 1844 ====
 
1844 [5. Juni 1844] Brief von Rosa [Hablin; siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 6.Jun.XX“ -der sehr undeutliche Stempel am Knick sieht fast eher wie eine 3X aus! Im Zusammenhang datiere ich jedoch 1844- und „Salzburg 10.Jun.“]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg. Judengasse No.67. 1ter Stock. – Petite méchante! C’est la même amitié, mit der du mich so lange auf eine Antwort auf mein Schreiben erwarten läßt, et m[ê]me celle, mit der du dich in Salzburg gegen mich betrugst! 3mal besuchte mich die zärtliche Freundin während meiner halbjährigen Anwesenheit. C’est une amitié bien commode, et comme je crois, aussi beaucoup dans la mode!- Es ist fürwahr zu arg! seit dem ich hier bin, erhielt ich noch keinen einzigen Brief- und den 8ten May verließ ich Salzburg- u. heute avons nous le 5ieme du mois de Juin. C’est trop- c’est trop! Daß mir mein lieber guter Vater nicht schreibt, weiß ich u. bin beruhigt darüber, da er mir selbst Zeitpunkte darüber bestimmte; aber du, du- je ne trouve pas des mots qui expriment justement, ce qui je te veux xxmmer! also du –Unaussprechliche!- was kannst du für einen Grund haben als xxx [creuse?] für dein obstinates Schweigen!- Jedermann hier erhält Briefe. Isabelle schon ein halbes Dutzend, nur mir allein bringt der heißersehnte Bote keine, den ich mit so hochklopfenden Herzen in’s Schloß tretten- u. mit Thränen getäuschter Erwartung wiederfortgehen sehe. Mais au nôm de ciel! petite mêchante. warum schreibst du denn nicht?. Pour te punir justement, c’est à dire, pour de [te] faire payer 1 2 x monnaie- schreibe ich dir wieder. Eigentlich drängt es mich nun, meiner unsäglichen Galle etwas Luft zu machen! Ich Ärmste! gebannt in ein / alter Gespenster[h]auß, von der Außenwelt total abgeschnitten keinen fremden Gast sehend, als die ungebetenende Ratten u. Mäuse, die, trotz dem Bataillon Katzen das jetzt hier einrücken mußte, noch mit größter Unverschämtheit herum trottiren; ich arme Verbannte, die ich mir selbst vorkomme wie der trostlose Geist eines weiland hier schmachtenden Burgfräulein’s, wenn ich in das erblindete Glas meiner Vyngel’s schaue, ich Ärmste bekomme nicht eine einzige allerwinzigste Nachricht aus der lieben Alpenstadt, die meinem Herzen stets so unbeschreiblich theuer ist, wenn ich ferne- ferne von ihr bin. C’est étonnant! inconcerable! Nicht wahr?- Ach! plötzlich aus ihr fortgerissen, wie Mephistopheles den Faust entführte, bin ich in eine reitzende Einöde versetzt, welcher um sie ganz romantisch zu finden nichts abgeht als eine Strohhüt[t]e, ein Bächlein, eine Rasenbank- ein Feld mit Kartoffeln und- Er!- Allein keinen „Er! sondern nur den Grafen, die Gräfin(n), Nandinchen, die expricieuse Anglaise, u. die bittersüße De Taux sehe ich, u. diese Gestalten wechseln nie mit Ande[r]n. Wir können uns ferb xxbelten, wir seyen im Paradiese u. die einzigen Menschen, letzterer Wahn wird sicher nicht gestört! Hier auf dieser Felsenburg hausend wie ein einsamer Spatze, kann ich kaum für wahrscheinlich halten, daß ich noch vor Kurzem in dem bunten Geräusch einer Stadt war, kaum noch vermag mir meine XXX imaginativer nachgufild an was ich dort sah, phantastischte Gebilde steigen umdeutlich vor mir auf, „bunte Kuppen“ in schwarzen, rothen, grünen, gelben Farben, „mit Waffen behangen“- hier ist nichts was mir das Alles deutlicher zu xxkrufen wünscht,- doch ja, j’oubliais! nous en avons aussi un exemple! et c’est le Baron Fermont ein mit dem Zipperlein behafteter Rittmeister / welcher das dadurch entstanden u. seine Eitelkeit wenig choquierendes Hinken, als folge einer in der Schlacht erhaltenen Wunde ausgibt. Dieser der Baron, kommt oft zu mir, er ist so etwas von einer männlichen Coquette, u. in seinen schöneren Jahren- tempi paßati, haben, wie man sich erzählt, seine sorgfältige Toilette, sein solides Vermögen zwey-drey Herzen gebrochen! Und dieser Lovelaer, will hier Ähnliches bewerkstelligen u. ich soll das Opfer dieses podagrischen Unwiderstehlichen seyn. Durch einen köstlichen Zufall erfuhr ich daß er sogar mit Graf Georg eine Wette einging, das ihn diesen xxkke, er brächte es doch noch sicher dahin, daß ich mich in ihn verliebe! „Was für eine dumme Gans er ist!“ sagte Isabelle mit ihren exxroblen Deutsch /:das jetzt noch schlechter geworden:/ als sie es mit mir zugleich erfuhr. „Welch ein köstlicher Spaß, das seyn wird,“ dachte ich; u. wie ich mich mit diesen ruses réciproques amazire rief endlich die Gräfin, wan mir Xnachrichtigs, u. gibt nun eine stille Beobachterin ab.- Unser Leben hier ist wie im vergangenen Jahr. Die Grillen u. he[XXX] schreyen noch immer, die Nachtigallen schlagen und die Kapaunen singen wie neulich Isabelle sagte, anstatt „die Hähne krähten.“ Unsere plaisirs innocents erstrecken sich noch immer auf alle Xand- Buch- u. Schlafstellungen u. überdieß sxuen nach auf eine bedeutend[e] Zucht Seidenwürmer, wo ich fleißig- ja mit Passion arbeite, bis mich die Gräfin fortjagt wenn ich in den warmen Häusern wie gebraten endlich geworden bin. Du siehst welch ein weites campagne de plaisir ich besitze. Ubrigens ist das sonst so milde Klima sehr kalt naß immer, ich friere beständig. Ist es auch so in Salzburg? War es die Pfingsttage schön? Wird es morgen schön seyn in Salzburg- nämlich am frahelxchen Tage!- Antworte hierauf!- Doch a Dieu, my dearest- ich lerne ausnehmend fleißig l’anglais! u. Géographie! a Dieu, petite satan! Man ruft mich zum Xher. Ein willkommener Ruf! car j’ai appetit!- a Dieu! adieu! adieu!- Rosa. – Die Briefe von Rosa Hablin an Amalia Kobler 1844/45 zeugen von einer etwas anstrengenden Freundschaft, deren Einzelheiten ich nicht kenne. Immer wieder wird diese Freundschaft bemüht, aber offenbar von Seiten Amalias enttäuscht, und Rosa antwortet bitter, z.T. verfällt sie in die distanzierte Form des „Sie“. Ich habe diese Briefe aus Kroatien gekürzt nicht nur weil sie zum großen Teil auf Französisch abgefasst sind, sondern weil sie kaum Hinweise auf Salzburger Verhältnisse enthalten.
 
1844 [5. Juni 1844] Brief von Rosa [Hablin; siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 6.Jun.XX“ -der sehr undeutliche Stempel am Knick sieht fast eher wie eine 3X aus! Im Zusammenhang datiere ich jedoch 1844- und „Salzburg 10.Jun.“]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg. Judengasse No.67. 1ter Stock. – Petite méchante! C’est la même amitié, mit der du mich so lange auf eine Antwort auf mein Schreiben erwarten läßt, et m[ê]me celle, mit der du dich in Salzburg gegen mich betrugst! 3mal besuchte mich die zärtliche Freundin während meiner halbjährigen Anwesenheit. C’est une amitié bien commode, et comme je crois, aussi beaucoup dans la mode!- Es ist fürwahr zu arg! seit dem ich hier bin, erhielt ich noch keinen einzigen Brief- und den 8ten May verließ ich Salzburg- u. heute avons nous le 5ieme du mois de Juin. C’est trop- c’est trop! Daß mir mein lieber guter Vater nicht schreibt, weiß ich u. bin beruhigt darüber, da er mir selbst Zeitpunkte darüber bestimmte; aber du, du- je ne trouve pas des mots qui expriment justement, ce qui je te veux xxmmer! also du –Unaussprechliche!- was kannst du für einen Grund haben als xxx [creuse?] für dein obstinates Schweigen!- Jedermann hier erhält Briefe. Isabelle schon ein halbes Dutzend, nur mir allein bringt der heißersehnte Bote keine, den ich mit so hochklopfenden Herzen in’s Schloß tretten- u. mit Thränen getäuschter Erwartung wiederfortgehen sehe. Mais au nôm de ciel! petite mêchante. warum schreibst du denn nicht?. Pour te punir justement, c’est à dire, pour de [te] faire payer 1 2 x monnaie- schreibe ich dir wieder. Eigentlich drängt es mich nun, meiner unsäglichen Galle etwas Luft zu machen! Ich Ärmste! gebannt in ein / alter Gespenster[h]auß, von der Außenwelt total abgeschnitten keinen fremden Gast sehend, als die ungebetenende Ratten u. Mäuse, die, trotz dem Bataillon Katzen das jetzt hier einrücken mußte, noch mit größter Unverschämtheit herum trottiren; ich arme Verbannte, die ich mir selbst vorkomme wie der trostlose Geist eines weiland hier schmachtenden Burgfräulein’s, wenn ich in das erblindete Glas meiner Vyngel’s schaue, ich Ärmste bekomme nicht eine einzige allerwinzigste Nachricht aus der lieben Alpenstadt, die meinem Herzen stets so unbeschreiblich theuer ist, wenn ich ferne- ferne von ihr bin. C’est étonnant! inconcerable! Nicht wahr?- Ach! plötzlich aus ihr fortgerissen, wie Mephistopheles den Faust entführte, bin ich in eine reitzende Einöde versetzt, welcher um sie ganz romantisch zu finden nichts abgeht als eine Strohhüt[t]e, ein Bächlein, eine Rasenbank- ein Feld mit Kartoffeln und- Er!- Allein keinen „Er! sondern nur den Grafen, die Gräfin(n), Nandinchen, die expricieuse Anglaise, u. die bittersüße De Taux sehe ich, u. diese Gestalten wechseln nie mit Ande[r]n. Wir können uns ferb xxbelten, wir seyen im Paradiese u. die einzigen Menschen, letzterer Wahn wird sicher nicht gestört! Hier auf dieser Felsenburg hausend wie ein einsamer Spatze, kann ich kaum für wahrscheinlich halten, daß ich noch vor Kurzem in dem bunten Geräusch einer Stadt war, kaum noch vermag mir meine XXX imaginativer nachgufild an was ich dort sah, phantastischte Gebilde steigen umdeutlich vor mir auf, „bunte Kuppen“ in schwarzen, rothen, grünen, gelben Farben, „mit Waffen behangen“- hier ist nichts was mir das Alles deutlicher zu xxkrufen wünscht,- doch ja, j’oubliais! nous en avons aussi un exemple! et c’est le Baron Fermont ein mit dem Zipperlein behafteter Rittmeister / welcher das dadurch entstanden u. seine Eitelkeit wenig choquierendes Hinken, als folge einer in der Schlacht erhaltenen Wunde ausgibt. Dieser der Baron, kommt oft zu mir, er ist so etwas von einer männlichen Coquette, u. in seinen schöneren Jahren- tempi paßati, haben, wie man sich erzählt, seine sorgfältige Toilette, sein solides Vermögen zwey-drey Herzen gebrochen! Und dieser Lovelaer, will hier Ähnliches bewerkstelligen u. ich soll das Opfer dieses podagrischen Unwiderstehlichen seyn. Durch einen köstlichen Zufall erfuhr ich daß er sogar mit Graf Georg eine Wette einging, das ihn diesen xxkke, er brächte es doch noch sicher dahin, daß ich mich in ihn verliebe! „Was für eine dumme Gans er ist!“ sagte Isabelle mit ihren exxroblen Deutsch /:das jetzt noch schlechter geworden:/ als sie es mit mir zugleich erfuhr. „Welch ein köstlicher Spaß, das seyn wird,“ dachte ich; u. wie ich mich mit diesen ruses réciproques amazire rief endlich die Gräfin, wan mir Xnachrichtigs, u. gibt nun eine stille Beobachterin ab.- Unser Leben hier ist wie im vergangenen Jahr. Die Grillen u. he[XXX] schreyen noch immer, die Nachtigallen schlagen und die Kapaunen singen wie neulich Isabelle sagte, anstatt „die Hähne krähten.“ Unsere plaisirs innocents erstrecken sich noch immer auf alle Xand- Buch- u. Schlafstellungen u. überdieß sxuen nach auf eine bedeutend[e] Zucht Seidenwürmer, wo ich fleißig- ja mit Passion arbeite, bis mich die Gräfin fortjagt wenn ich in den warmen Häusern wie gebraten endlich geworden bin. Du siehst welch ein weites campagne de plaisir ich besitze. Ubrigens ist das sonst so milde Klima sehr kalt naß immer, ich friere beständig. Ist es auch so in Salzburg? War es die Pfingsttage schön? Wird es morgen schön seyn in Salzburg- nämlich am frahelxchen Tage!- Antworte hierauf!- Doch a Dieu, my dearest- ich lerne ausnehmend fleißig l’anglais! u. Géographie! a Dieu, petite satan! Man ruft mich zum Xher. Ein willkommener Ruf! car j’ai appetit!- a Dieu! adieu! adieu!- Rosa. – Die Briefe von Rosa Hablin an Amalia Kobler 1844/45 zeugen von einer etwas anstrengenden Freundschaft, deren Einzelheiten ich nicht kenne. Immer wieder wird diese Freundschaft bemüht, aber offenbar von Seiten Amalias enttäuscht, und Rosa antwortet bitter, z.T. verfällt sie in die distanzierte Form des „Sie“. Ich habe diese Briefe aus Kroatien gekürzt nicht nur weil sie zum großen Teil auf Französisch abgefasst sind, sondern weil sie kaum Hinweise auf Salzburger Verhältnisse enthalten.
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siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
 
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
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1860, Brief von [Nr. 18 a] OTTO SPÄNGLER und [Nr. 37] Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Bruder bzw. Sohn [Nr. 18] Franz Spängler: [Salzburg, ohne Datum/ um 1860:] Theuerster Franz! Als ich die letzten Zeilen an dich schrieb, glaubte ich denselben durch Frau v Schaffner zu senden; aber der Brief kam zu spät. der heutige aber geht mit Konfekt und Kalhefers [?] brief heute durch die Güte der Frau v.Schafner. Gestern als am 20 ten hatte Kalhster [?] Ausgang und ich verbrachte 2 recht angenehme Nachmittagsstunden mit ihm und Rothenbuchner bei feinen Leuten. Von 6 Uhr an spielte bei uns Tarok, denn wir hatten Spiel und der Konrad ging um 6 Uhr. Abends 8 ½ Uhr ging ich noch zu Obermüller, wo die Auscultanten geladen waren, und es herzlich langweilig war. Quamquæm praesentia mea bene incepit, brevi mutata eft; mater me vidit intrantem in domum ejus et infernale spectaculum incepit, quum fila in conclave intrasset. Ne forte credas, matrem [nicht weiter gelesen; Latein... was ich nicht alles verstehe, außer dass er offenbar schnell aus diesem Haus schnell wieder verschwindet...] Hodie die veneris ibo ad veterem. Quelle change! Saluez de mon part Tenzl et Vozarye [?], Guttenberg, Daeltrer [?] etc. – Ton fidele frère Otto. - - [die Mutter:] Lieber guter Franz. Wen ich auch recht viel zu thun habe, so will doch den Brief nicht fort gehen lassen, ohne ein paar Zeilen an dich zu schreiben. Lieber Franz hier sende ich dir ein wenig Konfekt, den XXX liegt gerade hier XXX bekommst du XXX durch die Post oder es bringt die selben der Wassinger. Als weiteres geschenk lasse ich dir den Mantel neu füllen ich glaube das dir dieses auch gut taugen wird. Wir sprechen wohl oft von dir, laufe dich fei(n) nicht zu sehr ab, und sey XXXling in allen was du thust, und gebe das geld nicht leicht hinaus. Lebe recht wohl es küßt dich mit inniger Liebe dich in Schutz gottes empfehlend und dich von ganzen Herzen Segnend deine treue Mutter Spángler – An alle Bekanten viele Empfehlungen nebst vielen Dank besonders bei Franzl und guttenberg lasse ich gute Feyertag wünschen. Alle hier grüßen dich recht herzlich. An lozarign [Lorinser?] viele herzliche Grüße. Die Therese läßt dich auch herzlich grüßen. - „#Guttenberg“: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“; „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, die Schwiegertochter, Freundinnen, ebenfalls genannt in mehreren Briefen. – Wahrscheinlich ein relativ früher Brief; Franz Spängler studiert in Graz bis zum WS 1858/59, das SS 1862 in Wien, die erste Staatsprüfung ist in Wien im Juni 1862. Geburstag hat Franz Spängler am 10.4. - Foto von Lida Guttenberg bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln.
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1860, Brief von [Nr. 18 a] Otto Spängler und [Nr. 37] Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Bruder bzw. Sohn [Nr. 18] Franz Spängler: [Salzburg, ohne Datum/ um 1860:] Theuerster Franz! Als ich die letzten Zeilen an dich schrieb, glaubte ich denselben durch Frau v Schaffner zu senden; aber der Brief kam zu spät. der heutige aber geht mit Konfekt und Kalhefers [?] brief heute durch die Güte der Frau v.Schafner. Gestern als am 20 ten hatte Kalhster [?] Ausgang und ich verbrachte 2 recht angenehme Nachmittagsstunden mit ihm und Rothenbuchner bei feinen Leuten. Von 6 Uhr an spielte bei uns Tarok, denn wir hatten Spiel und der Konrad ging um 6 Uhr. Abends 8 ½ Uhr ging ich noch zu Obermüller, wo die Auscultanten geladen waren, und es herzlich langweilig war. Quamquæm praesentia mea bene incepit, brevi mutata eft; mater me vidit intrantem in domum ejus et infernale spectaculum incepit, quum fila in conclave intrasset. Ne forte credas, matrem [nicht weiter gelesen; Latein... was ich nicht alles verstehe, außer dass er offenbar schnell aus diesem Haus schnell wieder verschwindet...] Hodie die veneris ibo ad veterem. Quelle change! Saluez de mon part Tenzl et Vozarye [?], Guttenberg, Daeltrer [?] etc. – Ton fidele frère Otto. - - [die Mutter:] Lieber guter Franz. Wen ich auch recht viel zu thun habe, so will doch den Brief nicht fort gehen lassen, ohne ein paar Zeilen an dich zu schreiben. Lieber Franz hier sende ich dir ein wenig Konfekt, den XXX liegt gerade hier XXX bekommst du XXX durch die Post oder es bringt die selben der Wassinger. Als weiteres geschenk lasse ich dir den Mantel neu füllen ich glaube das dir dieses auch gut taugen wird. Wir sprechen wohl oft von dir, laufe dich fei(n) nicht zu sehr ab, und sey XXXling in allen was du thust, und gebe das geld nicht leicht hinaus. Lebe recht wohl es küßt dich mit inniger Liebe dich in Schutz gottes empfehlend und dich von ganzen Herzen Segnend deine treue Mutter Spángler – An alle Bekanten viele Empfehlungen nebst vielen Dank besonders bei Franzl und guttenberg lasse ich gute Feyertag wünschen. Alle hier grüßen dich recht herzlich. An lozarign [Lorinser?] viele herzliche Grüße. Die Therese läßt dich auch herzlich grüßen. - „#Guttenberg“: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“; „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, die Schwiegertochter, Freundinnen, ebenfalls genannt in mehreren Briefen. – Wahrscheinlich ein relativ früher Brief; Franz Spängler studiert in Graz bis zum WS 1858/59, das SS 1862 in Wien, die erste Staatsprüfung ist in Wien im Juni 1862. Geburstag hat Franz Spängler am 10.4. - Foto von Lida Guttenberg bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln.
    
„Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27.10.1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v.Lürzer?]; 19.5.1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14.6.1862; Salzburg 13.12.1868 Freund KoXX; Ried 2.2.1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30.6.1870 Freund Al. KXX; Lainz 14.9.1871 Freund Fr.Fenzl; Wien 24.9.1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1.10.1871 Vetter Adolf; Zara 13.10.1871 Vetter LoXX; Salzburg 1.12.1871 Anna Lanser; Wien 12.4.1872 Freund Kaserer; Mödling 12.4.1872; mit Umschlag Salzburg 10.10.1872 Wappensiegel Weiß (?); Salzburg Januar 1873 Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler, gedruckte Einladung und Brief „Aloys“ Spängler u. Therese; Wien 27.9.1874; Wien 19.7.1878. – Bei diesen Briefen wurde bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - [„1“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20.2.XX) „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17.9.1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30.3.1866 (1,5 Bogen); Linz 19.4.1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19.6.1866 Verehrtester Freund...; Freising 26.10.1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o.O.u.J. Verehrter Freund.... – [„2“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19.1.XX; rotes Siegel) „Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14.7. o.J. Verehrtester Freund...; 20.2.1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4.3.1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21.4.1867; 5.7.1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30.10. ohne Jahr; Linz 17.6.1868. – [„3“] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o.O.u.J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5.1.1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14.1.1870 Lieber Doktor...; Linz 19.1.1870 blaues Papier, „Herrn Baron Seiller zur Einsicht.“; 31.12.1870; beigelegt gedruckte, kleine „Einladung zum Abiturienten-Valete im Kaserer-Hof am 5.August 1858“. – Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben [„mehrere Briefe 1865 bis 1870“]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer.
 
„Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27.10.1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v.Lürzer?]; 19.5.1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14.6.1862; Salzburg 13.12.1868 Freund KoXX; Ried 2.2.1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30.6.1870 Freund Al. KXX; Lainz 14.9.1871 Freund Fr.Fenzl; Wien 24.9.1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1.10.1871 Vetter Adolf; Zara 13.10.1871 Vetter LoXX; Salzburg 1.12.1871 Anna Lanser; Wien 12.4.1872 Freund Kaserer; Mödling 12.4.1872; mit Umschlag Salzburg 10.10.1872 Wappensiegel Weiß (?); Salzburg Januar 1873 Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler, gedruckte Einladung und Brief „Aloys“ Spängler u. Therese; Wien 27.9.1874; Wien 19.7.1878. – Bei diesen Briefen wurde bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - [„1“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20.2.XX) „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17.9.1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30.3.1866 (1,5 Bogen); Linz 19.4.1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19.6.1866 Verehrtester Freund...; Freising 26.10.1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o.O.u.J. Verehrter Freund.... – [„2“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19.1.XX; rotes Siegel) „Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14.7. o.J. Verehrtester Freund...; 20.2.1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4.3.1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21.4.1867; 5.7.1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30.10. ohne Jahr; Linz 17.6.1868. – [„3“] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o.O.u.J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5.1.1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14.1.1870 Lieber Doktor...; Linz 19.1.1870 blaues Papier, „Herrn Baron Seiller zur Einsicht.“; 31.12.1870; beigelegt gedruckte, kleine „Einladung zum Abiturienten-Valete im Kaserer-Hof am 5.August 1858“. – Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben [„mehrere Briefe 1865 bis 1870“]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer.
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==== Dr. Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Dr. Otto Spängler an Franz Spängler ====
Dr. OTTO SPÄNGLER [Nr.18 a; 1841-1919; verh. mit Aloisia [LOUISE] Duregger, 1846-1915], Salzburg, später Direktor der Salzburger Sparkasse und Gemeinderat, ein Bruder von Franz Spängler (Nr.18, 1839-1912), an Franz Spängler: 13.11.1870; fügt eine Abrechnung an, wohl über Zinsen u.ä. von Aktien, die er für seinen Bruder verwaltet (siehe unten) - 24.11.1870: Weihnachten in Wien oder Salzburg, kommt wohl vorher nach Wien zur Generalversammlung der Forstbankaktionäre; Entschädigung für Wasserleitung; „einen schönen Gruß und Busserl vom kleinen Otto“ (ein Sohn, geb. 1868) - 23.12.1870: Franz kann also zu Weihnachten nicht nach Salzburg kommen; hat sich mehrmals mit Franz in Wien getroffen; kauft neue Vorhänge für die Mutter, Mutter hat gegen die Gabe „protestiert“, da sie von Franz eine „schöne Joppe“ erhielt [die Brüder unterstützen die Mutter, und Otto rechnet ab]
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Dr. Otto Spängler [Nr.18 a; 1841-1919; verh. mit Aloisia [LOUISE] Duregger, 1846-1915], Salzburg, später Direktor der Salzburger Sparkasse und Gemeinderat, ein Bruder von Franz Spängler (Nr.18, 1839-1912), an Franz Spängler: 13.11.1870; fügt eine Abrechnung an, wohl über Zinsen u.ä. von Aktien, die er für seinen Bruder verwaltet (siehe unten) - 24.11.1870: Weihnachten in Wien oder Salzburg, kommt wohl vorher nach Wien zur Generalversammlung der Forstbankaktionäre; Entschädigung für Wasserleitung; „einen schönen Gruß und Busserl vom kleinen Otto“ (ein Sohn, geb. 1868) - 23.12.1870: Franz kann also zu Weihnachten nicht nach Salzburg kommen; hat sich mehrmals mit Franz in Wien getroffen; kauft neue Vorhänge für die Mutter, Mutter hat gegen die Gabe „protestiert“, da sie von Franz eine „schöne Joppe“ erhielt [die Brüder unterstützen die Mutter, und Otto rechnet ab]
    
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
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==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an Franz Spängler: 5.1.1871: Abrechnung, Cassarest 14 Gulden 76; „Monatsgeld der Mutter pro Jänner 10 fl [Gulden]“. Da nach Ausgaben nur 5.99 verbleiben, bittet er um eine à conto Zahlung von 10 Gulden, von der „die Buchhandlungsrechnung und das Museum“ bezahlt werden. Der kleine Otto lässt einen Gruß schicken. - 26.1.1871: der gute kleine Max ist „nach einem kaum 24 stündigen Unwolsein an einer plözlich eingetretenen Krise in folge schweren Zahnens“ verstorben; bietet dem Bruder eine Karte für den Concordia-Ball an. - 1.5.1871: hat angefangen (nebenbei) zu studieren für die Advocatenprüfung, wird aber gestrichen, weil seine Arbeit als Repräsentant und Verwaltungsrat der Forstbank damit unvereinbar sei – man hat ihm diese Doppelbeschäftigung, „die paar tausend Gulden“ von der Forstbank nicht gegönnt; will evtl. nach Saalfelden und dort „als Hauptsache das Geldgeschäft“ betreiben. „Nebenbei“ guckt er „nicht ungern auf die Börse und habe neulich durch Kauf u. Verkauf von 50 Union baaractien in drei Wochen ohne einen Kreuzer Geld herzugeben 904 fl [Gulden] bar ausbezahlt erhalten. Wie das geht werde ich dir mündlich mitteilen“; folgt Abrechnung, Silbercoupons, 1860er Coupons, 1 Grundentlastungscoupon... 29 fl; Ausgaben: restliches Monatsgeld der Mutter pro April 4 fl, Abschlagszahlung 5 fl, Volksblatt 1 fl 40, Monatsgeld der Mutter pro Mai 10 fl. – Fortsetzung am 9.5. „hier regnet u. schneit es seit 14 Tagen ununterbrochen“.
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Otto Spängler, Salzburg, an Franz Spängler: 5.1.1871: Abrechnung, Cassarest 14 Gulden 76; „Monatsgeld der Mutter pro Jänner 10 fl [Gulden]“. Da nach Ausgaben nur 5.99 verbleiben, bittet er um eine à conto Zahlung von 10 Gulden, von der „die Buchhandlungsrechnung und das Museum“ bezahlt werden. Der kleine Otto lässt einen Gruß schicken. - 26.1.1871: der gute kleine Max ist „nach einem kaum 24 stündigen Unwolsein an einer plözlich eingetretenen Krise in folge schweren Zahnens“ verstorben; bietet dem Bruder eine Karte für den Concordia-Ball an. - 1.5.1871: hat angefangen (nebenbei) zu studieren für die Advocatenprüfung, wird aber gestrichen, weil seine Arbeit als Repräsentant und Verwaltungsrat der Forstbank damit unvereinbar sei – man hat ihm diese Doppelbeschäftigung, „die paar tausend Gulden“ von der Forstbank nicht gegönnt; will evtl. nach Saalfelden und dort „als Hauptsache das Geldgeschäft“ betreiben. „Nebenbei“ guckt er „nicht ungern auf die Börse und habe neulich durch Kauf u. Verkauf von 50 Union baaractien in drei Wochen ohne einen Kreuzer Geld herzugeben 904 fl [Gulden] bar ausbezahlt erhalten. Wie das geht werde ich dir mündlich mitteilen“; folgt Abrechnung, Silbercoupons, 1860er Coupons, 1 Grundentlastungscoupon... 29 fl; Ausgaben: restliches Monatsgeld der Mutter pro April 4 fl, Abschlagszahlung 5 fl, Volksblatt 1 fl 40, Monatsgeld der Mutter pro Mai 10 fl. – Fortsetzung am 9.5. „hier regnet u. schneit es seit 14 Tagen ununterbrochen“.
    
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
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==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
7.3.1872, Brief ohne Umschlag aus Salzburg von Antonia Spängler (Nr.37; 1803-1882 an die Schwiegertochter FANNI Schlegel, verh. SPÄNGLER, mit Zusatz vom Schwager OTTO SPÄNGLER: Meine innigst geliebte Fani! Meine Gedanken sind oft, sehr oft bey Euch; vertheilt, bald in Mödling [zu Hause], bald in Wien [Arbeitsstelle von Franz] – ich male es mir oft so auß – wo Ihr sein könnt – und was Ihr vieleicht thut – die Selligkeit im Gesicht, - und im Herzen. Die herliche Witterung trägt noch viel mehr bey, Euch meine lieben den Aufenthalt noch angenemer zu machen. Der Zweck meines Schreibens ist, Euch meine lieben beyden Fani alles gute zu diesem Feste zu wünschen, der liebe gott wolle beyden nach Verhältniß das geben, was jede an Leib und Seele beglüken kann. Dir liebe Fany wünsche ich von ganzen Herzen, daß deine neue Laufbahn, welche du nun bald betritst eine recht glückliche werde, - daß du in meinem Franz findest, was dein Lebensglück erhöht, und dir die Welt zu einem Baradis verwandeln. Der lieben guten Großmutter [Fanny Kobler], wünsche ich vor allem, daß der liebe Gott ihr die Ruhe des Gemüthes schenke daß sie die Trennung von dir, mit möglichsten XXXßung ertrage – dan bin ich zufrieden. Liebe Fany behalte mich immer ein wenig lieb. Ich habe diese Woche immer mit Raßhna [Rosshaar] zupfen zu thun, hoffe heute oder doch morgen fertig zu werden, dan laße ich sie hin, hell [?] füllen, und dan geht es über die Polster und Duchend, einen großen Theil der Wäsche habe ich auch schon weg gegeben, so hoffe ich das dann alles in Ordnung kömt, ein Stück Band denke ich wirst du für Franz schon gekauft haben zun Wasch zusammen zu binden nicht breit, was er für eine Farbe wünscht. Ein Lagebinder hoffe ich wird dir Franz in meinen Nahmen übergeben wenigstens habe ich ihn gebethen etwas zu kauffen, kann er nicht dazu, so werde ich schon hier etwas finden, was dir Freude macht. Die Zeit wird die gewiß viel zu schnell vergehen heute schon den 7t Tag seit Ihr fort gereißt. Die Geschichte von Spindlen das er sich den Hals abschneiden wollte und in den Armmen die Adern öffnen werdet Ihr gewiß schon gehört haben. – Und vom Wall das er geklagt wurde wegen Müßhandlung eines sehr braven Jungen welcher einen kleinen Scherz machte – es ist in mehreren Blättern zu lesen. Die Zeller hat nun wohl viel zu übertragen. Grüße mir den Franz recht herzlich, so auch die gute Großmutter. Leben recht wohl meine liebe Fany noch einmal dir alles gute wünschend bleibe ich deine dich herzlich liebende Mutter Antonia Spängler. – Dem Fräulein Lorinzer alles herzliche. - „Lorinzer“: Minna Lorinser, Schulfreundin, Vater ist Arzt, später betreut er die Spänglerkinder (Franzi). - Liebe Fanni! Im eigenen u. im Namen meiner Louise füge ich den Zeilen der Mutter mit unseren herzlichsten Grüßen die besten Wünsache zu deinem u. der verehrten Großmutter Namenstage bei. Auch meinen lieben Bruder Franz, dessen Glück u Freude ich mit brüderlicher Innigkeit mitempfinde, bitte ich mir herzlichst zu grüßen u. zu küssen; er wird nichts dagegen haben, wenn du es per procura thust. Adieu liebe Fanni dein aufrichtiger Schwager Otto
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7.3.1872, Brief ohne Umschlag aus Salzburg von Antonia Spängler (Nr.37; 1803-1882 an die Schwiegertochter FANNI Schlegel, verh. SPÄNGLER, mit Zusatz vom Schwager Otto Spängler: Meine innigst geliebte Fani! Meine Gedanken sind oft, sehr oft bey Euch; vertheilt, bald in Mödling [zu Hause], bald in Wien [Arbeitsstelle von Franz] – ich male es mir oft so auß – wo Ihr sein könnt – und was Ihr vieleicht thut – die Selligkeit im Gesicht, - und im Herzen. Die herliche Witterung trägt noch viel mehr bey, Euch meine lieben den Aufenthalt noch angenemer zu machen. Der Zweck meines Schreibens ist, Euch meine lieben beyden Fani alles gute zu diesem Feste zu wünschen, der liebe gott wolle beyden nach Verhältniß das geben, was jede an Leib und Seele beglüken kann. Dir liebe Fany wünsche ich von ganzen Herzen, daß deine neue Laufbahn, welche du nun bald betritst eine recht glückliche werde, - daß du in meinem Franz findest, was dein Lebensglück erhöht, und dir die Welt zu einem Baradis verwandeln. Der lieben guten Großmutter [Fanny Kobler], wünsche ich vor allem, daß der liebe Gott ihr die Ruhe des Gemüthes schenke daß sie die Trennung von dir, mit möglichsten XXXßung ertrage – dan bin ich zufrieden. Liebe Fany behalte mich immer ein wenig lieb. Ich habe diese Woche immer mit Raßhna [Rosshaar] zupfen zu thun, hoffe heute oder doch morgen fertig zu werden, dan laße ich sie hin, hell [?] füllen, und dan geht es über die Polster und Duchend, einen großen Theil der Wäsche habe ich auch schon weg gegeben, so hoffe ich das dann alles in Ordnung kömt, ein Stück Band denke ich wirst du für Franz schon gekauft haben zun Wasch zusammen zu binden nicht breit, was er für eine Farbe wünscht. Ein Lagebinder hoffe ich wird dir Franz in meinen Nahmen übergeben wenigstens habe ich ihn gebethen etwas zu kauffen, kann er nicht dazu, so werde ich schon hier etwas finden, was dir Freude macht. Die Zeit wird die gewiß viel zu schnell vergehen heute schon den 7t Tag seit Ihr fort gereißt. Die Geschichte von Spindlen das er sich den Hals abschneiden wollte und in den Armmen die Adern öffnen werdet Ihr gewiß schon gehört haben. – Und vom Wall das er geklagt wurde wegen Müßhandlung eines sehr braven Jungen welcher einen kleinen Scherz machte – es ist in mehreren Blättern zu lesen. Die Zeller hat nun wohl viel zu übertragen. Grüße mir den Franz recht herzlich, so auch die gute Großmutter. Leben recht wohl meine liebe Fany noch einmal dir alles gute wünschend bleibe ich deine dich herzlich liebende Mutter Antonia Spängler. – Dem Fräulein Lorinzer alles herzliche. - „Lorinzer“: Minna Lorinser, Schulfreundin, Vater ist Arzt, später betreut er die Spänglerkinder (Franzi). - Liebe Fanni! Im eigenen u. im Namen meiner Louise füge ich den Zeilen der Mutter mit unseren herzlichsten Grüßen die besten Wünsache zu deinem u. der verehrten Großmutter Namenstage bei. Auch meinen lieben Bruder Franz, dessen Glück u Freude ich mit brüderlicher Innigkeit mitempfinde, bitte ich mir herzlichst zu grüßen u. zu küssen; er wird nichts dagegen haben, wenn du es per procura thust. Adieu liebe Fanni dein aufrichtiger Schwager Otto
    
====  Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
====  Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
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==== Fanny Kobler „Großmutter“ an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler „Großmutter“ an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER (1796-1886) „Großmutter“, an Fanni Spängler: Brief [Prägestempel englisches Staatswappen], Salzburg 19.4.1872, an „Fani“ (Spängler): Dank für Zeilen aus Kufstein, aber wenig, von allen Seiten gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“, beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht.“ ... „Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen.“ ... „Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr.Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat.“ ... „Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“
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Fanny Kobler (1796-1886) „Großmutter“, an Fanni Spängler: Brief [Prägestempel englisches Staatswappen], Salzburg 19.4.1872, an „Fani“ (Spängler): Dank für Zeilen aus Kufstein, aber wenig, von allen Seiten gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“, beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht.“ ... „Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen.“ ... „Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr.Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat.“ ... „Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“
    
===== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz und an Fanni ====
 
===== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz und an Fanni ====
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 14te Dez: 1872./ Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg am 14te Dez: 1872./ Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten
    
=== 1873 ===
 
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==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====
 
==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an den Bruder Franz Spängler: [1873] ohne Datum: wünscht angenehme Weihnachten und ein glückliches Jahr 1874; „manche bitter Lehre“ in diesem Jahr, „und hat mich auch gelehrt, mit kleinen Ersparnissen zufrieden zu sein“... „Gott erhalte mich gesund; dieses ist mein erster Wunsch hierzu“; folgt Abrechnung... Verlosung von Actien „2 vom Duregger wurde endlich gezogen“ - ohne Datum: Dank für Brief und Wünsche zum Jahreswechsel; am Sylvesterabend alle mit der Mutter im 2.Stock zusammen, abends zur Casino Unterhaltung, Champagnerpartie, „dem bösen alten Jahr den Rücken“ kehren, „herrliche friedvolle Winternacht die über Salzburg lag“; folgt Abrechnung, Einnahmen 123.36, Ausgaben 108.02; an Mutter wieder 10 fl. Wegen Geschenk an Mutter glaubt Louise, gut wäre ein Stoff zu einem Rock, zu der man verschiedene Joppen anziehen kann; der Stoff dürfte ca. 4 fl kosten.
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Otto Spängler, Salzburg, an den Bruder Franz Spängler: [1873] ohne Datum: wünscht angenehme Weihnachten und ein glückliches Jahr 1874; „manche bitter Lehre“ in diesem Jahr, „und hat mich auch gelehrt, mit kleinen Ersparnissen zufrieden zu sein“... „Gott erhalte mich gesund; dieses ist mein erster Wunsch hierzu“; folgt Abrechnung... Verlosung von Actien „2 vom Duregger wurde endlich gezogen“ - ohne Datum: Dank für Brief und Wünsche zum Jahreswechsel; am Sylvesterabend alle mit der Mutter im 2.Stock zusammen, abends zur Casino Unterhaltung, Champagnerpartie, „dem bösen alten Jahr den Rücken“ kehren, „herrliche friedvolle Winternacht die über Salzburg lag“; folgt Abrechnung, Einnahmen 123.36, Ausgaben 108.02; an Mutter wieder 10 fl. Wegen Geschenk an Mutter glaubt Louise, gut wäre ein Stoff zu einem Rock, zu der man verschiedene Joppen anziehen kann; der Stoff dürfte ca. 4 fl kosten.
    
=== 1874 ===
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER (1796-1886) an Fanni Spängler: 27.7.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! [darüber:] Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K.Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr XXX böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.
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Fanny Kobler (1796-1886) an Fanni Spängler: 27.7.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! [darüber:] Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K.Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr XXX böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: 24.12.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung [Umzug von Mödling nach Wien] beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel [Vater Richard Schlegel, Arzt] ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter [Spängler] erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung [Umzug] gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden. Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: 24.12.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung [Umzug von Mödling nach Wien] beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel [Vater Richard Schlegel, Arzt] ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter [Spängler] erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung [Umzug] gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden. Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.
    
==== Otto Spänger an Bruder Franz Spängler ====
 
==== Otto Spänger an Bruder Franz Spängler ====
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an den Bruder Franz Spängler: 1874, Umschlag ohne Brief an „Herrn Dr.Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt, k.k.Bezirksgericht Mödling bei Wien“ - ohne Datum: „dienstag früh“; schickt die verlangten Bücher und gratuliert zur Professur [!?]; erzählt von Bekannten; das Salzburger Volksblatt „hat bis dato nicht viel rares gebracht“, Drittelauslosung...; ausgelost wurden ...Rud. Spängler, Josef Spängler... „Ich bin Vorsitzender der Walcomission des I.Wahlkörpers. Deine Geldangelegenheiten werde ich ganz nach Wunsch ordnen. Warum willst du Tante Therese nicht abzalen. Mir ist es gleich.“ [der kleine] Otto: „du sollst auch zur Großmutter kommen“... [liegt bei mit Bleistift:] „Lieber Onkel Franz! ...komm bald zu uns. dein kleiner Otto. Zur Großmutter sollst du auch kommen.“
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Otto Spängler, Salzburg, an den Bruder Franz Spängler: 1874, Umschlag ohne Brief an „Herrn Dr.Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt, k.k.Bezirksgericht Mödling bei Wien“ - ohne Datum: „dienstag früh“; schickt die verlangten Bücher und gratuliert zur Professur [!?]; erzählt von Bekannten; das Salzburger Volksblatt „hat bis dato nicht viel rares gebracht“, Drittelauslosung...; ausgelost wurden ...Rud. Spängler, Josef Spängler... „Ich bin Vorsitzender der Walcomission des I.Wahlkörpers. Deine Geldangelegenheiten werde ich ganz nach Wunsch ordnen. Warum willst du Tante Therese nicht abzalen. Mir ist es gleich.“ [der kleine] Otto: „du sollst auch zur Großmutter kommen“... [liegt bei mit Bleistift:] „Lieber Onkel Franz! ...komm bald zu uns. dein kleiner Otto. Zur Großmutter sollst du auch kommen.“
    
==== Otto Spänger an Bruder Franz Spängler ====
 
==== Otto Spänger an Bruder Franz Spängler ====
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an Franz Spängler: [1874] ohne Datum: „Freitag Abend“, Dank für Glückwünsche zum Geburts- und Namenstag, eine Flecken- [Krankheit] bis jetzt an der Familie vorübergegangen, „Groß und Klein“ hatten sie; geplante Rheinreise nicht angetreten; führt das „Lombardgeschäft u. Excompteigeschäft“; „alle Schäden des Jahres 1873 sind noch nicht geheilt“; Rudolf und Maria auf Reisen, haben Norddeutschland sehr teuer gefunden. Abrechnung. Geschenk für Mutters Namenstag? Wünscht sich einen Regenmantel, Louise macht ihn, die Hälfte des Stoffes kostet 4 fl 20 Xr.
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Otto Spängler, Salzburg, an Franz Spängler: [1874] ohne Datum: „Freitag Abend“, Dank für Glückwünsche zum Geburts- und Namenstag, eine Flecken- [Krankheit] bis jetzt an der Familie vorübergegangen, „Groß und Klein“ hatten sie; geplante Rheinreise nicht angetreten; führt das „Lombardgeschäft u. Excompteigeschäft“; „alle Schäden des Jahres 1873 sind noch nicht geheilt“; Rudolf und Maria auf Reisen, haben Norddeutschland sehr teuer gefunden. Abrechnung. Geschenk für Mutters Namenstag? Wünscht sich einen Regenmantel, Louise macht ihn, die Hälfte des Stoffes kostet 4 fl 20 Xr.
    
=== 1875 ===
 
=== 1875 ===
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==== Fanni Spänger an Fanny Kobler ====
 
==== Fanni Spänger an Fanny Kobler ====
1875 Fanni Spängler an FANNY KOBLER: Wien 3/7.1875/ Meine liebe Großmutter! Verzeihe, daß ich dich mit dieser Sendung belästige, aber ich denke Ida kommt ohnehin oft zu dir, und da ich nicht weiß ob sie häufig zu Hause ist, dachte ich, es ist beßer wenn die Franzen an dich kommen. Ich glaube, die Franzen sind für ihre Schönheit nicht theuer. Ida hat mir einen ziemlich traurigen Brief geschrieben. Ich würde ihre die Angelegenheit sobald als möglich zu entscheiden führen, wenn ich an ihrer Stelle wäre./ Selbst die traurigste Gewißheit wäre minder peinlich als dieses ewige Hin und Her. Ich glaube du bist auch dieser Ansicht. Liebe Großmutter ich lege eine weiße Schürze bei, welche dem Fräulein Lina Schmelzing gehört, sie wurde mir durch Trudwin [?] Duscher übergeben, bei welcher das Fräulein die Schürze vergeßen hat. Bitte schicke die Liesa zu Frau von Schmelzing. Wenn Lotti nicht mehr in Salzburg sein sollte so sei so gut und schicke meinen Brief an sie./ Zur angenehmen Neuigkeit kann ich berichten, daß Franzl gestern schriftlich seinen 4 wochentlichen Urlaub zugesichert bekommen hat. Wir werden Wien in den letzten Tagen dieses Monates, möglicherweise erst am 2. August verlaßen. Unser Reiseplan steht noch immer nicht fest, doch denken wir ohngefähr eine Woche zu reisen. Gestern begegnete ich in der Stadt Frau von Taube und ihre Tante, sie sehen Beide recht gut aus. Sie erkundigten sich sogleich nach dir, und empfehlen/ sich dir aufs Beste. Letzten Sonnt Feiertag waren wir in Dornbach, wo wir den dort weilenden Cardinal von Salzburg unsere ergebenste Aufwartung machten. Wir wurden sehr freundlich empfangen[.] Tante Alois ist hier bei Angermeyer, sie ist doch ziemlich ruhig und wol. Mittwoch waren alle hiesigen Spängler sowie Angermeyer bei uns. Es waren unser 11 Personen. Es war ganz lustig. Und nun lebe recht wol. Franzl grüßt dich, Rosi küßt die Hand und auf baldiges frohes und langes Wiedersehn freut sich ungeheuer deine dankbare Enkelin Fanni [am Rand:] Unseren Gruß an Theres, geht es ihr wieder gut? An Allem Alle die herzlichsten Gruße/ Ist zur Hochzeit unser Telegramm rechtzeitig gekommen? - Der Brief liegt in der kleinen Schatztruhe, die [auch bei uns] „neben der Spängler-Uhr steht“. Im Umschlag liegt ebenfalls dort eine Rechnung des „Hôtel de la Poste, Genève“, für Mon[sier]. Spängler, ohne erkennbares Datum, kommt von der im Brief erwähnten „Reise“. Seit 1874 sind die Spängler in Wien. – Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.; zur Verlobung gratuliert „Maria Spängler“ 1871 aus Ried.
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1875 Fanni Spängler an Fanny Kobler: Wien 3/7.1875/ Meine liebe Großmutter! Verzeihe, daß ich dich mit dieser Sendung belästige, aber ich denke Ida kommt ohnehin oft zu dir, und da ich nicht weiß ob sie häufig zu Hause ist, dachte ich, es ist beßer wenn die Franzen an dich kommen. Ich glaube, die Franzen sind für ihre Schönheit nicht theuer. Ida hat mir einen ziemlich traurigen Brief geschrieben. Ich würde ihre die Angelegenheit sobald als möglich zu entscheiden führen, wenn ich an ihrer Stelle wäre./ Selbst die traurigste Gewißheit wäre minder peinlich als dieses ewige Hin und Her. Ich glaube du bist auch dieser Ansicht. Liebe Großmutter ich lege eine weiße Schürze bei, welche dem Fräulein Lina Schmelzing gehört, sie wurde mir durch Trudwin [?] Duscher übergeben, bei welcher das Fräulein die Schürze vergeßen hat. Bitte schicke die Liesa zu Frau von Schmelzing. Wenn Lotti nicht mehr in Salzburg sein sollte so sei so gut und schicke meinen Brief an sie./ Zur angenehmen Neuigkeit kann ich berichten, daß Franzl gestern schriftlich seinen 4 wochentlichen Urlaub zugesichert bekommen hat. Wir werden Wien in den letzten Tagen dieses Monates, möglicherweise erst am 2. August verlaßen. Unser Reiseplan steht noch immer nicht fest, doch denken wir ohngefähr eine Woche zu reisen. Gestern begegnete ich in der Stadt Frau von Taube und ihre Tante, sie sehen Beide recht gut aus. Sie erkundigten sich sogleich nach dir, und empfehlen/ sich dir aufs Beste. Letzten Sonnt Feiertag waren wir in Dornbach, wo wir den dort weilenden Cardinal von Salzburg unsere ergebenste Aufwartung machten. Wir wurden sehr freundlich empfangen[.] Tante Alois ist hier bei Angermeyer, sie ist doch ziemlich ruhig und wol. Mittwoch waren alle hiesigen Spängler sowie Angermeyer bei uns. Es waren unser 11 Personen. Es war ganz lustig. Und nun lebe recht wol. Franzl grüßt dich, Rosi küßt die Hand und auf baldiges frohes und langes Wiedersehn freut sich ungeheuer deine dankbare Enkelin Fanni [am Rand:] Unseren Gruß an Theres, geht es ihr wieder gut? An Allem Alle die herzlichsten Gruße/ Ist zur Hochzeit unser Telegramm rechtzeitig gekommen? - Der Brief liegt in der kleinen Schatztruhe, die [auch bei uns] „neben der Spängler-Uhr steht“. Im Umschlag liegt ebenfalls dort eine Rechnung des „Hôtel de la Poste, Genève“, für Mon[sier]. Spängler, ohne erkennbares Datum, kommt von der im Brief erwähnten „Reise“. Seit 1874 sind die Spängler in Wien. – Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.; zur Verlobung gratuliert „Maria Spängler“ 1871 aus Ried.
    
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: 22.12.1875 [erst 1877 wird Franzi, die älteste der Spängler-Geschwister, geboren, vgl. folgenden Brief vom 15.4.1876; es ist ein totgeborenes {?} Kind davor gemeint], Brief 1,5 Bogen ohne Umschlag aus Salzburg an: „Liebe Fanni! „Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882, Nr.37; Fannis eigene Mutter stirbt bei der Geburt der Tochter 1848; auch deshalb ist die Verbindung zur Großmutter besonders eng] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr [zweites Blatt, Prägestempel „Bath“] zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“ – Beigelegt [von mir; gehört nicht unbedingt hierher] zwei Visitenkarten „Fanni Kobler. Private“.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: 22.12.1875 [erst 1877 wird Franzi, die älteste der Spängler-Geschwister, geboren, vgl. folgenden Brief vom 15.4.1876; es ist ein totgeborenes {?} Kind davor gemeint], Brief 1,5 Bogen ohne Umschlag aus Salzburg an: „Liebe Fanni! „Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882, Nr.37; Fannis eigene Mutter stirbt bei der Geburt der Tochter 1848; auch deshalb ist die Verbindung zur Großmutter besonders eng] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr [zweites Blatt, Prägestempel „Bath“] zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“ – Beigelegt [von mir; gehört nicht unbedingt hierher] zwei Visitenkarten „Fanni Kobler. Private“.
    
=== 1876 ===
 
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==== Ida Schlöglhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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1876 Ida, verh. Schlögelhofer [eine Freundin von Fanni] und „Großmutter“, FANNY KOBLER, an Fanni Spängler: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter./ [Nr.79, Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni. [Dieser Brief liegt ausnahmsweise in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben); von ihm sind Fotos in der Datei „FamArchiv“ und Text und Fotos habe ich für Salzburgwiki.at (Kobler-Spängler-Briefe) verwendet. Die anderen Kobler-Briefe liegen in der Spängler-Holzkiste.]
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1876 Ida, verh. Schlögelhofer [eine Freundin von Fanni] und „Großmutter“, Fanny Kobler, an Fanni Spängler: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter./ [Nr.79, Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni. [Dieser Brief liegt ausnahmsweise in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben); von ihm sind Fotos in der Datei „FamArchiv“ und Text und Fotos habe ich für Salzburgwiki.at (Kobler-Spängler-Briefe) verwendet. Die anderen Kobler-Briefe liegen in der Spängler-Holzkiste.]
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 6te März 1876./ Liebe Fanni! Worin meine meine inigsten aufrichtigen Wünsche bestehen weißt du ohnehin, dießmal [schließt] sich noch ein Wunsch an, ich bethe täglich Gott, dich eine recht glückliche Mutter werden zu lassen. Gott möge dir die Gnade verlein das du ein gesundes Kind in deine Arme schlüßen kannst. Das die gute Mutter gesund bey auch angelang [?] ist, bin recht/ bin ich recht erfreud, sage ihm von mir herzlich Grüße und Küße; so auch deinen guten Mann. Mein Befinden ist ziemlich gut, gestern bin ich nach 3 Wochen das erst mal wieder in die Kirche gegangen; ich konte ja keinen Schuh vertragen. Lorinser Mina die Vermählungsanzeige geschickt. Das Preßent wirst du ihr wohl schon überschückt haben. Schreibe mir was du da für ausgegeben hast. Die Ida hat mir für die Franzen die 6 f gegeben/ sage mir mit kurzen Worten wenn du das was ich für dich ausgeben abziehst was ich dir in barem zu zahlen habe, damit ich dir das Geld schücken kann. Den Brief wo du mir das geschrieben hast den hab ich verlegt. Ich werde dann wie gewöhnlich zu deinem Namenstag die 10 f bey legen. Die Muster vom Schlafrock gefählt mir gut. wieviel Ellen hast du gebraucht und was hat die Elle gekostet. Heute geht das Schreiben wieder garnicht. Lebe wohl liebe Fanni meine Wünsche werden hollent [?] umarmt und küßt dich deine Großmutter Fanni Kobler. Ther ses [Theres] wünscht dir alles Gute - Geschrieben mit 80 Jahren von Fanny Kobler, geb. 1796 in Salzburg, gest. 1886. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Kobler als würdige, ältere Dame
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg am 6te März 1876./ Liebe Fanni! Worin meine meine inigsten aufrichtigen Wünsche bestehen weißt du ohnehin, dießmal [schließt] sich noch ein Wunsch an, ich bethe täglich Gott, dich eine recht glückliche Mutter werden zu lassen. Gott möge dir die Gnade verlein das du ein gesundes Kind in deine Arme schlüßen kannst. Das die gute Mutter gesund bey auch angelang [?] ist, bin recht/ bin ich recht erfreud, sage ihm von mir herzlich Grüße und Küße; so auch deinen guten Mann. Mein Befinden ist ziemlich gut, gestern bin ich nach 3 Wochen das erst mal wieder in die Kirche gegangen; ich konte ja keinen Schuh vertragen. Lorinser Mina die Vermählungsanzeige geschickt. Das Preßent wirst du ihr wohl schon überschückt haben. Schreibe mir was du da für ausgegeben hast. Die Ida hat mir für die Franzen die 6 f gegeben/ sage mir mit kurzen Worten wenn du das was ich für dich ausgeben abziehst was ich dir in barem zu zahlen habe, damit ich dir das Geld schücken kann. Den Brief wo du mir das geschrieben hast den hab ich verlegt. Ich werde dann wie gewöhnlich zu deinem Namenstag die 10 f bey legen. Die Muster vom Schlafrock gefählt mir gut. wieviel Ellen hast du gebraucht und was hat die Elle gekostet. Heute geht das Schreiben wieder garnicht. Lebe wohl liebe Fanni meine Wünsche werden hollent [?] umarmt und küßt dich deine Großmutter Fanni Kobler. Ther ses [Theres] wünscht dir alles Gute - Geschrieben mit 80 Jahren von Fanny Kobler, geb. 1796 in Salzburg, gest. 1886. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Kobler als würdige, ältere Dame
 
    
 
    
 
==== Antonia von Lürzer an Franz Spängler und Fanni ====
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: 15.4.1876, Brief ohne Umschlag: „Nach langen 3 Wochen sind meine Augen wieder so daß es mir möglich ist ein paar Zeilen an dich zu schreiben, wie vieles hätte ich dich zu fragen, leider kann ich das nicht. Den lieben Gott tausent Dank das er dir deine Gesundheit wieder geschänkt hat, deine Kräfte werden wieder kommen wenn das Wetter es erlaubt die frische Luft wieder zu grüßen Noch mal tausent Dank der guten umsichtigen Mutter [Spängler] und und deinen lieben Mann, über allen die dich in den bangen Stunden umgeben haben – Ich kann leider deine lieben Briefe nicht beantworten ich kann das von mir geschriebene nicht mehr lesen, wie schwer mir das ist kannst du dir gar nicht denken so mußt du mit meinem Geschreibsel schon zufrieden sein, und dir alles selbst zu samen denken. Wie leid es mir ist das ich weder Kistel noch Bücher deinem Mann aufbewahren kann ist selbstverständlich. Ich bekome in die zwey Zimmer neben mir, bis 1 May einem Herrn Oberkriegscomisär von Graz, Herrn Qualler, welche jetzt in Salzburg leben wollen. Sie werden mehrere Möbel selbst mitbringen daher ich von meinen Möbeln mehreres raus nehmen muß, da kan im Kammerl nichts untergebracht werden, unser beschra[ä]nkter Durchboden ist dir bekant. Frau v: Bauernfeid [Paurnfeind] liegt 4 Monate schon an ihren Fußleiden Dr: Günther vertröst[et] sie immer mit dem besseren Wetter sie ist oft recht verzagt hat viele Schmerzen, grüßt auch alle vie[l]mals. Oma Gattermayer geht es immer gleich, die linke Seite ist beynahe unbeweglich, so sind meine Freundinnen zusammengeschmolzen, die Rosi ist trauXXX Mein Befinden ist wied[er] ziemlich gut ich bin sehr hoch in die 70 [sie ist 79] was kann man da soch [?] ansprächen. Der alten Baschenzky [?] geht es gut bis auf ihren gewöhnlichen Zustand. Bitte alle Bekannten grüßen mich herzlich. Die SchXXberger ist oft unwohl. Ich wünsche recht gute Feyertage Grüß herzliche Grüße an die gute Mutter, an deinen Mann und vielen Dank für seine Nachrichten während deinen Wochenbett Lebe wohl liebe Fanni es umarmt euch Euere Großmutter Fanni“ [ganzen Brief übertragen] – „Wochenbett“: sie heiraten 1872, Fanny Kobler ist 1796 geboren, Franzi Spängler wird 1877 in Wien geboren. Hier muss es ein (totes) Kind geben, von dem ich nichts Näheres weiß (siehe auch Brief vom Febr. und folgende Briefe!).
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: 15.4.1876, Brief ohne Umschlag: „Nach langen 3 Wochen sind meine Augen wieder so daß es mir möglich ist ein paar Zeilen an dich zu schreiben, wie vieles hätte ich dich zu fragen, leider kann ich das nicht. Den lieben Gott tausent Dank das er dir deine Gesundheit wieder geschänkt hat, deine Kräfte werden wieder kommen wenn das Wetter es erlaubt die frische Luft wieder zu grüßen Noch mal tausent Dank der guten umsichtigen Mutter [Spängler] und und deinen lieben Mann, über allen die dich in den bangen Stunden umgeben haben – Ich kann leider deine lieben Briefe nicht beantworten ich kann das von mir geschriebene nicht mehr lesen, wie schwer mir das ist kannst du dir gar nicht denken so mußt du mit meinem Geschreibsel schon zufrieden sein, und dir alles selbst zu samen denken. Wie leid es mir ist das ich weder Kistel noch Bücher deinem Mann aufbewahren kann ist selbstverständlich. Ich bekome in die zwey Zimmer neben mir, bis 1 May einem Herrn Oberkriegscomisär von Graz, Herrn Qualler, welche jetzt in Salzburg leben wollen. Sie werden mehrere Möbel selbst mitbringen daher ich von meinen Möbeln mehreres raus nehmen muß, da kan im Kammerl nichts untergebracht werden, unser beschra[ä]nkter Durchboden ist dir bekant. Frau v: Bauernfeid [Paurnfeind] liegt 4 Monate schon an ihren Fußleiden Dr: Günther vertröst[et] sie immer mit dem besseren Wetter sie ist oft recht verzagt hat viele Schmerzen, grüßt auch alle vie[l]mals. Oma Gattermayer geht es immer gleich, die linke Seite ist beynahe unbeweglich, so sind meine Freundinnen zusammengeschmolzen, die Rosi ist trauXXX Mein Befinden ist wied[er] ziemlich gut ich bin sehr hoch in die 70 [sie ist 79] was kann man da soch [?] ansprächen. Der alten Baschenzky [?] geht es gut bis auf ihren gewöhnlichen Zustand. Bitte alle Bekannten grüßen mich herzlich. Die SchXXberger ist oft unwohl. Ich wünsche recht gute Feyertage Grüß herzliche Grüße an die gute Mutter, an deinen Mann und vielen Dank für seine Nachrichten während deinen Wochenbett Lebe wohl liebe Fanni es umarmt euch Euere Großmutter Fanni“ [ganzen Brief übertragen] – „Wochenbett“: sie heiraten 1872, Fanny Kobler ist 1796 geboren, Franzi Spängler wird 1877 in Wien geboren. Hier muss es ein (totes) Kind geben, von dem ich nichts Näheres weiß (siehe auch Brief vom Febr. und folgende Briefe!).
    
==== Briefumschlag ohne Marke ====
 
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==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): [zweites Blatt vom obigen Brief 17.7.1876 aus Salzburg:] 18.7. ¾ 12 Uhr Mittags. Herzlieber Franzl! Sehnsüchtig, wie ein Kind seinen Weihnachtsbaum habe ich deinen Brief erwartet, und, was nie in der Brautzeit vorgekommen ist, kostete es mich eben frische Thränen, da ich zu fürchten begann, ich werde auch heute Nichts von dir hören, und meine so leicht bewegte Fantasie dich schon krank wähnte. Das sieht wieder deinem kindischen Weiberl gleich, nicht wahr? Daß ich dir nunmehr herzlichst für deine lieben Zeilen danke, brauche ich kaum zu sagen. Nun bin ich ja wieder ganz vergnügt. N.B.: Von den eben erwähnten Thränen hat Niemand etwas zu sehen gekriegt, dieß zu meiner Beschönigung:/. Bei Frau von Fenzl gedenke ich mit Großmutter heute oder allernächstens einen Besuch zu machen. Über Verlobung und Erdbeben war ich gleicher Weise erstaunt. Wegen der Ribisel sage der Rosi, die ich schön grüße, daß sie 2 bis 3 Kilo einsieden kann, daß sie dieselben aber entweder gar nicht passieren soll, oder aber zuerst ohne Zucker überkochen dann passieren und erst den Saft mit Zucker einkochen soll. Sonst bleibt so viel Zucker im Rückstand der Ribisel. Haben dir die Marillenknödel geschmeckt? Nun bin ich schon eine volle Woche hier, ich weiß gar nicht wo die Zeit hinkommt! Gestern habe ich wieder einmal gespielt, was ich mit der Zither machen werde, weiß ich vor der Hand noch nicht, spielen kann ich Alles auf der kleinen Zither ich müßte dieselbe nur wieder herrichten. Großmutter hat oft allerlei Ansichten, wer weiß, ob sie ihre Meinung nicht wieder ändert. Großmutter ist recht wol, ärgert sich auch mitunter, besonders ist das Thema von einer Kindermagt ein ziemlich gefährliches. – Nach dem Grundsatze, daß man selten Jemand kennen lernt, mit welchem man nicht gemeinsame Bekannte hat, kennt Frau v Daler auch deinen Freund Plager in Graz und neulich im Moos traf ich die Gesellschäfterin der Frau v Tschusi, die wieder den Stigner recht gut kennt. Hast du von Ehepaar Kaserer nichts gesehen? – Also, das Reisegeld, glaube ich, zahlt Großmutter, wenigstens sprach sie gestern davon. Wenn ich dich recht verstehe, so darf ich mich morgen auf einen Brief freuen. Vederemo! Heute hätte ich eigentlich Lust zu schwimmen, da es wirklich heiß ist. Leidest du doch nicht recht von Hitze? – Wir wollen heute Tante Alois besuchen, trafen sie aber nicht. – Manchmal überkommt mich eine große Sehnsucht nach dir, du Lieber, mag es hier noch so schön sein bei dir ist’s doch viel schöner. – Und nun behüte dich Gott mein Herzens Franzl behalte lieb dein kindisches verliebtes Weiberl. – Alle grüßen dich auf’s Beste, auch Otto’s Kinder. Paula u Luise hingen gestern wie die Kletten an mir. Die kleine Emilie ist noch nicht recht warm geworden. – Nochmals lebe wol und sei tausendmal geküßt von deiner alten, treuen Fanni.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): [zweites Blatt vom obigen Brief 17.7.1876 aus Salzburg:] 18.7. ¾ 12 Uhr Mittags. Herzlieber Franzl! Sehnsüchtig, wie ein Kind seinen Weihnachtsbaum habe ich deinen Brief erwartet, und, was nie in der Brautzeit vorgekommen ist, kostete es mich eben frische Thränen, da ich zu fürchten begann, ich werde auch heute Nichts von dir hören, und meine so leicht bewegte Fantasie dich schon krank wähnte. Das sieht wieder deinem kindischen Weiberl gleich, nicht wahr? Daß ich dir nunmehr herzlichst für deine lieben Zeilen danke, brauche ich kaum zu sagen. Nun bin ich ja wieder ganz vergnügt. N.B.: Von den eben erwähnten Thränen hat Niemand etwas zu sehen gekriegt, dieß zu meiner Beschönigung:/. Bei Frau von Fenzl gedenke ich mit Großmutter heute oder allernächstens einen Besuch zu machen. Über Verlobung und Erdbeben war ich gleicher Weise erstaunt. Wegen der Ribisel sage der Rosi, die ich schön grüße, daß sie 2 bis 3 Kilo einsieden kann, daß sie dieselben aber entweder gar nicht passieren soll, oder aber zuerst ohne Zucker überkochen dann passieren und erst den Saft mit Zucker einkochen soll. Sonst bleibt so viel Zucker im Rückstand der Ribisel. Haben dir die Marillenknödel geschmeckt? Nun bin ich schon eine volle Woche hier, ich weiß gar nicht wo die Zeit hinkommt! Gestern habe ich wieder einmal gespielt, was ich mit der Zither machen werde, weiß ich vor der Hand noch nicht, spielen kann ich Alles auf der kleinen Zither ich müßte dieselbe nur wieder herrichten. Großmutter hat oft allerlei Ansichten, wer weiß, ob sie ihre Meinung nicht wieder ��ndert. Großmutter ist recht wol, ärgert sich auch mitunter, besonders ist das Thema von einer Kindermagt ein ziemlich gefährliches. – Nach dem Grundsatze, daß man selten Jemand kennen lernt, mit welchem man nicht gemeinsame Bekannte hat, kennt Frau v Daler auch deinen Freund Plager in Graz und neulich im Moos traf ich die Gesellschäfterin der Frau v Tschusi, die wieder den Stigner recht gut kennt. Hast du von Ehepaar Kaserer nichts gesehen? – Also, das Reisegeld, glaube ich, zahlt Großmutter, wenigstens sprach sie gestern davon. Wenn ich dich recht verstehe, so darf ich mich morgen auf einen Brief freuen. Vederemo! Heute hätte ich eigentlich Lust zu schwimmen, da es wirklich heiß ist. Leidest du doch nicht recht von Hitze? – Wir wollen heute Tante Alois besuchen, trafen sie aber nicht. – Manchmal überkommt mich eine große Sehnsucht nach dir, du Lieber, mag es hier noch so schön sein bei dir ist’s doch viel schöner. – Und nun behüte dich Gott mein Herzens Franzl behalte lieb dein kindisches verliebtes Weiberl. – Alle grüßen dich auf’s Beste, auch Otto’s Kinder. Paula u Luise hingen gestern wie die Kletten an mir. Die kleine Emilie ist noch nicht recht warm geworden. – Nochmals lebe wol und sei tausendmal geküßt von deiner alten, treuen Fanni.
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni. Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida [Guttenberg] und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten [am schönsten?] grüße/ sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich; das ich ihn dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen [Mädchen] erinert mich sehr an dein Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Opa [?].
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni. Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida [Guttenberg] und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten [am schönsten?] grüße/ sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich; das ich ihn dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen [Mädchen] erinert mich sehr an dein Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Opa [?].
    
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==== Postkarte ====
 
==== Postkarte ====
FANNY KOBLER (1796-1886; Nr.79): Postkarte 9.7.1881 an Fany Kobler, Salzburg, Alter Marktplatz aus Baumkirchen: Rückreise nach Hall gut... Toni Spängler [die Urenkelin]
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Fanny Kobler (1796-1886; Nr.79): Postkarte 9.7.1881 an Fany Kobler, Salzburg, Alter Marktplatz aus Baumkirchen: Rückreise nach Hall gut... Toni Spängler [die Urenkelin]
    
==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
 
==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
Fanni Spängler an FANNY KOBLER: Brief aus Pottenstein 26.10.1881: „Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.“ [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, „doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen“. Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl.“
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Fanni Spängler an Fanny Kobler: Brief aus Pottenstein 26.10.1881: „Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.“ [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, „doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen“. Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl.“
    
==== Franziska Spängler an Antonia Lürzer ====
 
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==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
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Brief von Nr.18 a OTTO SPÄNGLER (1841-1919), grauer Umschlag an: „Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr Franz Spängler [Nr.18], Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift „Tod der Mutter“ [Nr.37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, 1803-1882; verh. mit Nr.36 Franz Xaver Gregor Spängler, 1793-1854; verstorben 15.3.1882] ohne Datum: Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.
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Brief von Nr.18 a Otto Spängler (1841-1919), grauer Umschlag an: „Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr Franz Spängler [Nr.18], Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift „Tod der Mutter“ [Nr.37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, 1803-1882; verh. mit Nr.36 Franz Xaver Gregor Spängler, 1793-1854; verstorben 15.3.1882] ohne Datum: Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.
    
==== Ohne Umschlag und Datum ====
 
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==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
ohne Datum [1882] und Umschlag, OTTO SPÄNGLER an Franz Spängler: Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet [vgl. vorstehende Liste]. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!
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ohne Datum [1882] und Umschlag, Otto Spängler an Franz Spängler: Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet [vgl. vorstehende Liste]. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!
    
==== Louise Spängler an Fanni Spängler ====
 
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==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
[10.4.1882] ohne Umschlag und Datum „Dr.OTTO SPÄNGLER. Salzburg.“ an Franz Spängler: Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage [10.4.] u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 „/ 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 „/ 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl [Spängler; Bank] entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel [als Einzelblatt beigelegt, folgt] habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben [mit Bleistift:], ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends.
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[10.4.1882] ohne Umschlag und Datum „Dr.Otto Spängler. Salzburg.“ an Franz Spängler: Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage [10.4.] u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 „/ 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 „/ 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl [Spängler; Bank] entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel [als Einzelblatt beigelegt, folgt] habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben [mit Bleistift:], ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends.
    
==== Einzelblatt: Vertheilte Andenken. ====
 
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==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
2 u 3.9.1882 OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an Franz Spängler: Lieber Franz! Endlich komme ich dazu, dir wieder zu schreiben. Wie du aus meiner lezten Karte entnommen haben wirst, in welcher ich dir dankend den Empfang Eurer lieben Briefe bestätigte, war ich mittlerweile mit Louise auf 24 Stunden in München. Ich hatte in Handelskammerangelegenheiten dort zu thun; wir haben nämlich den Verkauf des ganzen gewerkschaftlichen besizes angebahnt; ob es gelingt, weiß ich allerdings noch nicht. Ferner gebe ich dir nachfolgend wieder Verrechnung: Einnahmen ...Coupons 36 [Gulden] Ausgaben Franz zu Reise geliehen 25 fl ...36 [Gulden] – Was nun die Abrechnung aus dem Nachlasse der Mutter betrifft, so habe ich mit Ausnahme des Dr Faistauer, von welchem ich troz dreimaliger Mahnung noch immer keine Rechnung erhielt, alles bezalt; Von der Einrichtung habe ich noch immer keinen Erlös erhalten; ich bringe es auch nicht über mich, ihr darum anzugehen; mir war das ganze Räumen u Weggeben der Sachen so gräßlich, dß ich den Muth nicht mehr hatte, in die leere Wohnung zu gehen. – Das runde Arbeitstischchen, an dem die gute Mutter so viele Stunden ihres Lebens saß, habe ich politiren u zusammenrichten lassen; es steht neben meinem Schreibtische; u. in der hölzernen Kassette, welche auf dem Kasten im ersten Zimmer stand, habe ich den ganzen Schaz der Andenken an unsere liebe unvergeßliche Mutter zusammengegeben; ihre Bilder, ihre Briefe, Haare u.s.f. Von XXXken habe ich noch nachzutragen, dß ich Frl. Amalia Tockr [?] auch eine der hübschen Schalen gab. – Bezüglich ds Xxbestättigen Vermögensbekenntnißes möchte ich dich nun fragen, ob es nicht gleich wäre, wenn wir an Barschaft u. Salzburger Sparkassebüchl im Aktivum so viel wegließen, als Doktor, Grabstein, Mietzins etc. im Passivum ausmachen würden? Bitte mir hierüber zu schreiben; mir käme es schöner u. nobler vor und dem Acrar gegenüber bliebe es sich gleich. Von all den meinen an die deinen herzlichste Grüße! Mit stets gleicher treuer Bruderliebe dein Otto. – Übermorgen muß ich einige Tage ins Gebirge. XXX.
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2 u 3.9.1882 Otto Spängler, Salzburg, an Franz Spängler: Lieber Franz! Endlich komme ich dazu, dir wieder zu schreiben. Wie du aus meiner lezten Karte entnommen haben wirst, in welcher ich dir dankend den Empfang Eurer lieben Briefe bestätigte, war ich mittlerweile mit Louise auf 24 Stunden in München. Ich hatte in Handelskammerangelegenheiten dort zu thun; wir haben nämlich den Verkauf des ganzen gewerkschaftlichen besizes angebahnt; ob es gelingt, weiß ich allerdings noch nicht. Ferner gebe ich dir nachfolgend wieder Verrechnung: Einnahmen ...Coupons 36 [Gulden] Ausgaben Franz zu Reise geliehen 25 fl ...36 [Gulden] – Was nun die Abrechnung aus dem Nachlasse der Mutter betrifft, so habe ich mit Ausnahme des Dr Faistauer, von welchem ich troz dreimaliger Mahnung noch immer keine Rechnung erhielt, alles bezalt; Von der Einrichtung habe ich noch immer keinen Erlös erhalten; ich bringe es auch nicht über mich, ihr darum anzugehen; mir war das ganze Räumen u Weggeben der Sachen so gräßlich, dß ich den Muth nicht mehr hatte, in die leere Wohnung zu gehen. – Das runde Arbeitstischchen, an dem die gute Mutter so viele Stunden ihres Lebens saß, habe ich politiren u zusammenrichten lassen; es steht neben meinem Schreibtische; u. in der hölzernen Kassette, welche auf dem Kasten im ersten Zimmer stand, habe ich den ganzen Schaz der Andenken an unsere liebe unvergeßliche Mutter zusammengegeben; ihre Bilder, ihre Briefe, Haare u.s.f. Von XXXken habe ich noch nachzutragen, dß ich Frl. Amalia Tockr [?] auch eine der hübschen Schalen gab. – Bezüglich ds Xxbestättigen Vermögensbekenntnißes möchte ich dich nun fragen, ob es nicht gleich wäre, wenn wir an Barschaft u. Salzburger Sparkassebüchl im Aktivum so viel wegließen, als Doktor, Grabstein, Mietzins etc. im Passivum ausmachen würden? Bitte mir hierüber zu schreiben; mir käme es schöner u. nobler vor und dem Acrar gegenüber bliebe es sich gleich. Von all den meinen an die deinen herzlichste Grüße! Mit stets gleicher treuer Bruderliebe dein Otto. – Übermorgen muß ich einige Tage ins Gebirge. XXX.
    
==== Fanny Kobler ====
 
==== Fanny Kobler ====
FANNY KOBLER: Briefbogen Seidenpapier, Salzburg 2.10.1882 [1883], von „Urgroßmutter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): XXX Mir Gott lob geht es ja zimlich gut. XXX Wan wirst du entbinden XXX Wochenbett XXX grüße Mann und Kinder [schwer zu lesen, da durchscheinend] – ein Sohn Franz Spängler ist 20.10.1883 (?) geboren.
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Fanny Kobler: Briefbogen Seidenpapier, Salzburg 2.10.1882 [1883], von „Urgroßmutter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): XXX Mir Gott lob geht es ja zimlich gut. XXX Wan wirst du entbinden XXX Wochenbett XXX grüße Mann und Kinder [schwer zu lesen, da durchscheinend] – ein Sohn Franz Spängler ist 20.10.1883 (?) geboren.
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch [geschickt?] hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch [geschickt?] hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.
    
=== 1883 ===
 
=== 1883 ===
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER [Nr.79] an Fanni Spängler [Nr.19]: Salzburg 19te Januar 1883/ Liebe Fanni! Unser Briefwechsel ist ins Stocken geworden, fast einen ganzen Monat hab ich von Euch und euren Beidenn nichts mehr gehört. Ich hoffe ihr werdet euch alle wohl befinden? mir Gott sey dank, geht es auch so ziemlich gut. Die 84 Jahren drüken oft recht schwer. - Ich muß mir oft recht Gewalt an thun mich in der frischen Luft längere Zeit aufzuhalten. Deine 4 Dirndel werden dir Bewegung genug verschaffen. Aber Gott sey dank sie sind Gesund und gedei[he]n/ las dich keine Stunde reuen, die du für sie Verwendest. Wir haben einen schlechten Winter. Schnee fast gar keinen, Regen genug. - Grüße mir deinen Mann vielmals. Im Herbst hoffe ich euch alle bey mir zu seh’n. Die Rosa welche euch alle herzlich grüßt, ist immer etwas kränklicht. Lebt alle recht wohl und bleibt gesund. Dieß wünscht Eure Großmutter Fanni. - Von der Lisi einen Handkuß.
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Fanny Kobler [Nr.79] an Fanni Spängler [Nr.19]: Salzburg 19te Januar 1883/ Liebe Fanni! Unser Briefwechsel ist ins Stocken geworden, fast einen ganzen Monat hab ich von Euch und euren Beidenn nichts mehr gehört. Ich hoffe ihr werdet euch alle wohl befinden? mir Gott sey dank, geht es auch so ziemlich gut. Die 84 Jahren drüken oft recht schwer. - Ich muß mir oft recht Gewalt an thun mich in der frischen Luft längere Zeit aufzuhalten. Deine 4 Dirndel werden dir Bewegung genug verschaffen. Aber Gott sey dank sie sind Gesund und gedei[he]n/ las dich keine Stunde reuen, die du für sie Verwendest. Wir haben einen schlechten Winter. Schnee fast gar keinen, Regen genug. - Grüße mir deinen Mann vielmals. Im Herbst hoffe ich euch alle bey mir zu seh’n. Die Rosa welche euch alle herzlich grüßt, ist immer etwas kränklicht. Lebt alle recht wohl und bleibt gesund. Dieß wünscht Eure Großmutter Fanni. - Von der Lisi einen Handkuß.
    
==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
 
==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
Fanni Spängler an FANNY KOBLER: Pottenstein 1.8.1883: Liebe Großmutter! kündigt Ankunft in Salzburg mit dem Postzug für den 7.8. an; freuen „uns sehr auf den Aufenthalt in der lieben Heimat“; der Mann freut sich über die kleine Erholung, hat mit der „Anlegung der neuen Grundbücher“ viel zu tun, „die Kinder spielen stundenlang ‚Reise nach Salzburg’, 15 Stunden Reise, davon 3 Stungen Warten in St.Pölten; Kathi (Magd) begleitet sie. „Zugleich bitte ich dich, für Dienstag Nachmittag 3 Seitel Milch und 1 Seiten Obers [Sahne] zur Jause zu besorgen, da ich weiß, daß man nur in der Frühe Milch bekommt. Eben so viel brauche ich zum Frühstück. Roserl u. Hanna [Hansimutti, geb. 16.5.1882] bekommen nämlich zur Jause und Abends Cacao. [...] Sonntag oder Montag wird meine Kiste kommen, die ich nur in’s Zimmer zu stellen bitte. XXX
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Fanni Spängler an Fanny Kobler: Pottenstein 1.8.1883: Liebe Großmutter! kündigt Ankunft in Salzburg mit dem Postzug für den 7.8. an; freuen „uns sehr auf den Aufenthalt in der lieben Heimat“; der Mann freut sich über die kleine Erholung, hat mit der „Anlegung der neuen Grundbücher“ viel zu tun, „die Kinder spielen stundenlang ‚Reise nach Salzburg’, 15 Stunden Reise, davon 3 Stungen Warten in St.Pölten; Kathi (Magd) begleitet sie. „Zugleich bitte ich dich, für Dienstag Nachmittag 3 Seitel Milch und 1 Seiten Obers [Sahne] zur Jause zu besorgen, da ich weiß, daß man nur in der Frühe Milch bekommt. Eben so viel brauche ich zum Frühstück. Roserl u. Hanna [Hansimutti, geb. 16.5.1882] bekommen nämlich zur Jause und Abends Cacao. [...] Sonntag oder Montag wird meine Kiste kommen, die ich nur in’s Zimmer zu stellen bitte. XXX
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 13. September [nach 1882/83] Liebe Fani. Du wirst nicht wißen warum auf dein Brief so lange keine Antwort bekommst, wir hatten das schöne Wetter benuzen müßen um die Betten in die Sonn zu bringen, du weist ja wie groß und schwer sie sind. Morgen wird der Bodenzezer [-setzer] kommen um die Böden einzulassen und zu beüsten [? beizen]. Wie geht es dir, deinem Mann und die Kinde/ Mit dem Pottografie [! Photo-] der kleinen Gesellschaft hast du mir eine große Freunde gemacht, ich danke dir vilmals dafür, sie sind alle gut getroffen. Mir Gott sey dank geht es so zimmlich gut. Ihr werdet woll oft von Salzburg und den schönen Bergen sprächen. - Du würst wohl nicht lange herumgehn? Gott gebe das alles gut vorübergeht/ Vor einigen Tagen hat sich die Feurwache hier Protezirt. d Lostin [?] ist recht schön. Von Linz, Wien, Tirol und Bömmen. Auch die Maschinen sehr zwekmeßig. Die Franzi sollte ja in der Schulle recht fleißig sein. Deinem Mann sage viele Grüße von mir. Lebt alle rech wohl dieß wünscht und bleibt gesund dieß wünscht euere Urgroßmutter Fani. - Meine Augen werden sehr schwach. Grüß Anna und Lotti. Die Liese küß die dir Hand. - Herr und Frau von König [?] haben mich vor einigen Tagen besucht, und haben mich ersucht wenn du einmal nach Wien hinein Fahren würdest sie zu besuchen. Sie sieht recht gut aus, hat einen kleinen Buben. Es scheind ihnen gut zu gehn. Ich denke er muß in Wien in der Akademi angestellt sein Aderweiße [?]. Sie wohnen den Zellfitur [?] gegenüber No 56. - „Die Kinder“ werden gegrüßt, und offenbar wird wieder eines erwartet: Rosa, das dritte Kind, wird 1880 geboren, Johanna 1882 [Nr.9]; Franzi, geb. 1877, ist bereits bzw. soll offenbar in die Schule.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg am 13. September [nach 1882/83] Liebe Fani. Du wirst nicht wißen warum auf dein Brief so lange keine Antwort bekommst, wir hatten das schöne Wetter benuzen müßen um die Betten in die Sonn zu bringen, du weist ja wie groß und schwer sie sind. Morgen wird der Bodenzezer [-setzer] kommen um die Böden einzulassen und zu beüsten [? beizen]. Wie geht es dir, deinem Mann und die Kinde/ Mit dem Pottografie [! Photo-] der kleinen Gesellschaft hast du mir eine große Freunde gemacht, ich danke dir vilmals dafür, sie sind alle gut getroffen. Mir Gott sey dank geht es so zimmlich gut. Ihr werdet woll oft von Salzburg und den schönen Bergen sprächen. - Du würst wohl nicht lange herumgehn? Gott gebe das alles gut vorübergeht/ Vor einigen Tagen hat sich die Feurwache hier Protezirt. d Lostin [?] ist recht schön. Von Linz, Wien, Tirol und Bömmen. Auch die Maschinen sehr zwekmeßig. Die Franzi sollte ja in der Schulle recht fleißig sein. Deinem Mann sage viele Grüße von mir. Lebt alle rech wohl dieß wünscht und bleibt gesund dieß wünscht euere Urgroßmutter Fani. - Meine Augen werden sehr schwach. Grüß Anna und Lotti. Die Liese küß die dir Hand. - Herr und Frau von König [?] haben mich vor einigen Tagen besucht, und haben mich ersucht wenn du einmal nach Wien hinein Fahren würdest sie zu besuchen. Sie sieht recht gut aus, hat einen kleinen Buben. Es scheind ihnen gut zu gehn. Ich denke er muß in Wien in der Akademi angestellt sein Aderweiße [?]. Sie wohnen den Zellfitur [?] gegenüber No 56. - „Die Kinder“ werden gegrüßt, und offenbar wird wieder eines erwartet: Rosa, das dritte Kind, wird 1880 geboren, Johanna 1882 [Nr.9]; Franzi, geb. 1877, ist bereits bzw. soll offenbar in die Schule.
    
==== Vater Spängler an Franziska Spängler ====
 
==== Vater Spängler an Franziska Spängler ====
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=== 1885 ===
 
=== 1885 ===
FANNY KOBLER (1796-12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3.1.1885 verschrieben „1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt] mit zittriger Schrift, von „Großmuttter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden „zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, „doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX.
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Fanny Kobler (1796-12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3.1.1885 verschrieben „1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt] mit zittriger Schrift, von „Großmuttter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden „zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, „doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX.
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 10te März 1885. Liebe Fanni! Ich danke dir recht ser für deine Wünsche zu meinem Namenstag; ich bin Gott sey dank Gesund, aber mit der Lunge geht es schlecht. ich könte ohne Fürerin nicht gehen. Jezt haben wir schlechtes Wetter da heißt es zu Hause bleiben; ich mache mir mit dem zu Hause seyn, nicht viel deraus. Neues kann ich dir garnicht schreiben. Ani Schlegel läßt dich vielmals Grüßen. Lebe recht wohl mit deinem schweren Leiden bis wir uns wiedersehn. Wie immer deine wohlmein[en]de Fanni.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg am 10te März 1885. Liebe Fanni! Ich danke dir recht ser für deine Wünsche zu meinem Namenstag; ich bin Gott sey dank Gesund, aber mit der Lunge geht es schlecht. ich könte ohne Fürerin nicht gehen. Jezt haben wir schlechtes Wetter da heißt es zu Hause bleiben; ich mache mir mit dem zu Hause seyn, nicht viel deraus. Neues kann ich dir garnicht schreiben. Ani Schlegel läßt dich vielmals Grüßen. Lebe recht wohl mit deinem schweren Leiden bis wir uns wiedersehn. Wie immer deine wohlmein[en]de Fanni.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg, 29/7 1885/ Liebester Mann! Wie sehr freute mich deine Karte. sei herzlichst dafür geküßt, aber nicht mehr, du Lieber, du gönnst dir gewiß 3 Wochen? Um mit einiger Ordnung zu erzählen theile ich dir mit, daß unsere Herreise absolut ohne jeglichen Zwischenfall verlief, die Umsiedlung in Amstetten ging ganz ruhig vor sich, wir hatten 19 M. Zeit, bis Reindorf war noch eine Familie im Waggon. Dann waren wir beinahe allein. Die Kinder waren im Ganzen brav der Bubi und Hanna schliefen Nachmittags lange, die lezte Zeit haben wir Alle geschlafen. Mutter u. Minna erwarteten uns am Bahnhof, auch ein Wagen war für uns bestellt. Maria u. Emma erwarteten uns in der Wohnung auch Mutter u Mina kamen noch, und so wurde es spät ehe wir ins Bett kamen. Ich bin heuer mit Comfort eingerichtet, besitze hinreichend Sessel und sogar ein Ruhebett, auf dem Toni schläft. Nachdem ich heute angezogen war, ging ich zu Großmutter, die mich zu meiner großen Freude sogleich erkannte; ich hatte gefürchtet, daß sie sich nicht mehr meiner erinnert. Sie war recht freundlich, doch ist ihr Geist sehr schwach. Nach Tisch behauptete sie, sie habe noch nichts gegessen doch war dieß nicht richtig. Als ich zum Haus heraus trat fand Director Lorinser und Gehil[f]e bei Tomaselli [Café am Alten Markt, neben Nr.10 der Kobler], was mich sehr freute. Ich blieb einige Zeit bei Ihnen sitzen dann ging ich unter Emmis Assistenz mit den drei Großen ins Bad nach Mülln [Salzburger Vorstadt]. Auch die beiden Kleinen waren mit, doch ohne zu baden. Unser erstes Mittagsmal bei der Hölle [Gasthaus „Höllbräu“] ging auch in leidlicher Ordnung ab. Hierauf machte ich mit den vier Dirndln Besuch bei Otto und Luise [Louise Spängler], welche dich bestens grüßen. Sie gehen morgen nach St.Gilgen für etlige Tage. Bei Otto schlief Hanna am Boden fast ein. Einige Minuten waren wir nun [?] schon, dann Grabe deiner guten Mutter. So oft ich an dem Gitter ihrer einstigen Wohnung vorbeigehe, thut es mir leid, daß ich nicht mehr zur gütigsten aller Schwiegermütter gehen kann. - Unser kleines Volk geXX [?] ihr wol. Bei Koch ist vor ganz kurzer Zeit das dutzend Kinder vollständig geworden. Während Maria Koch im Wochenbette lag, brach der kleine Max den Fuß beim Schaukeln, und Olga bekam aus Schreck darüber einen FXXanfall - - - Nach der Taufe war ich und Kathi mit den Kindern im Mirabellgarten. Das ist alles ganz normal [?]. Abends aber war ich sehr unternehmend indem ich Dr. Lorinser im Hotel Griesberger aufsuchte wohrauf [?] Ziller Anna kam. Wir blieben bis 10 Uhr sitzen. Auch Millichhofer war dort, dann begleitete ich Anna ein Stück, hierauf sie mich, bei welcher Gelegenheit ich hörte, daß Frau Lida [Guttenberg] jeden Tag ihre Entbindung erwarte. Man muß nichts merken./: Eben ist Franzi aus dem Bette gefallen.:/ - Dr.Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben] „Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, „Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. „Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. „Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. „vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), „Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); „Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - „Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - „Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; „Tomaselli“: das Café Tomaselli, Alter Markt Nr.9, neben Koblers Haus Nr.10, oder der „Tomaselli-Kiosk“ ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - „#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u.a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg, 29/7 1885/ Liebester Mann! Wie sehr freute mich deine Karte. sei herzlichst dafür geküßt, aber nicht mehr, du Lieber, du gönnst dir gewiß 3 Wochen? Um mit einiger Ordnung zu erzählen theile ich dir mit, daß unsere Herreise absolut ohne jeglichen Zwischenfall verlief, die Umsiedlung in Amstetten ging ganz ruhig vor sich, wir hatten 19 M. Zeit, bis Reindorf war noch eine Familie im Waggon. Dann waren wir beinahe allein. Die Kinder waren im Ganzen brav der Bubi und Hanna schliefen Nachmittags lange, die lezte Zeit haben wir Alle geschlafen. Mutter u. Minna erwarteten uns am Bahnhof, auch ein Wagen war für uns bestellt. Maria u. Emma erwarteten uns in der Wohnung auch Mutter u Mina kamen noch, und so wurde es spät ehe wir ins Bett kamen. Ich bin heuer mit Comfort eingerichtet, besitze hinreichend Sessel und sogar ein Ruhebett, auf dem Toni schläft. Nachdem ich heute angezogen war, ging ich zu Großmutter, die mich zu meiner großen Freude sogleich erkannte; ich hatte gefürchtet, daß sie sich nicht mehr meiner erinnert. Sie war recht freundlich, doch ist ihr Geist sehr schwach. Nach Tisch behauptete sie, sie habe noch nichts gegessen doch war dieß nicht richtig. Als ich zum Haus heraus trat fand Director Lorinser und Gehil[f]e bei Tomaselli [Café am Alten Markt, neben Nr.10 der Kobler], was mich sehr freute. Ich blieb einige Zeit bei Ihnen sitzen dann ging ich unter Emmis Assistenz mit den drei Großen ins Bad nach Mülln [Salzburger Vorstadt]. Auch die beiden Kleinen waren mit, doch ohne zu baden. Unser erstes Mittagsmal bei der Hölle [Gasthaus „Höllbräu“] ging auch in leidlicher Ordnung ab. Hierauf machte ich mit den vier Dirndln Besuch bei Otto und Luise [Louise Spängler], welche dich bestens grüßen. Sie gehen morgen nach St.Gilgen für etlige Tage. Bei Otto schlief Hanna am Boden fast ein. Einige Minuten waren wir nun [?] schon, dann Grabe deiner guten Mutter. So oft ich an dem Gitter ihrer einstigen Wohnung vorbeigehe, thut es mir leid, daß ich nicht mehr zur gütigsten aller Schwiegermütter gehen kann. - Unser kleines Volk geXX [?] ihr wol. Bei Koch ist vor ganz kurzer Zeit das dutzend Kinder vollständig geworden. Während Maria Koch im Wochenbette lag, brach der kleine Max den Fuß beim Schaukeln, und Olga bekam aus Schreck darüber einen FXXanfall - - - Nach der Taufe war ich und Kathi mit den Kindern im Mirabellgarten. Das ist alles ganz normal [?]. Abends aber war ich sehr unternehmend indem ich Dr. Lorinser im Hotel Griesberger aufsuchte wohrauf [?] Ziller Anna kam. Wir blieben bis 10 Uhr sitzen. Auch Millichhofer war dort, dann begleitete ich Anna ein Stück, hierauf sie mich, bei welcher Gelegenheit ich hörte, daß Frau Lida [Guttenberg] jeden Tag ihre Entbindung erwarte. Man muß nichts merken./: Eben ist Franzi aus dem Bette gefallen.:/ - Dr.Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben] „Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, „Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. „Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. „Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. „vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), „Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); „Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - „Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - „Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; „Tomaselli“: das Café Tomaselli, Alter Markt Nr.9, neben Koblers Haus Nr.10, oder der „Tomaselli-Kiosk“ ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - „#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u.a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler: [Salzburg] 30.7.1885. Liebster Mann! Heute mußte ich leider umsonst auf ein Wort von dir warten. Ich hoffe zu Gott, daß es blos ein kleines Versäumniß ist, das dich am Schreiben hinderte. Heute Vormittag war ich in Angermeyers Wohnung, welche daneben der Familie Julius bewohnt. Angermeyers bewohnen ein Zimmer im Nebenhause, welches Hofrichter Spängler vermiethen. Ich traf nur Pepi, der recht gut aussieht/ Bei Julius ist Tochter Berta recht krank, Frau Berta und Helmer sehen auch nicht gut aus. Sie sind nun wol schon ruhiger über ihren Verlust. Dort traf ich Frau Ida Maier, die von Taxenbach hier ist um ihre Entbindung zu erwarten, die bald erfolgen dürfte. Sie scheint ganz vergnügt, sieht jetzt ihrer Mutter merkwürdig ähnlich. - Nach Tisch wollte ich noch [?] zu Schneeberger dann zu Schumacher gehen, blieb aber bei Schneeberger sitzen; wir hatten gar so viel zu reden. Großmutter zeigt jedesmal Freude, wenn ich komm, die Kinder gefallen ihr, doch sobald ich das Zimmer verlaße, hat sie auch vergeßen, daß ich hier bin. Vermutlich begegnete ich LgR. Chaberl [?] Abends [.] Präsident Mathes LugXX erkannte mich nicht. Später traf ich Lerer Weiß und Gemalin samt Schwiegertochter und den drei reizenden Mädchen. Als ich Abends heimkam war Großmutter wieder ruhig am Nachmittag aber fantasierte sie lebhaft. Das ist ihre große Schwäche. - Gute Nacht für heute, wenn ich Morgen ohne Nachricht von dir bleibe, so telegrafire ich an dich. - [gleicher Brief, mit Tinte fortgesetzt:] 31.7. [1885] Liebster Franz! Heute Morgens bekam ich deine Karte von vorgestern und heute Mittag die gestrige. Ich küße dich tausendmal dafür. - Heute war ich mit den Größeren in Leopoldskron und ließ Toni und Franzi Schwimmunterricht geben. Toni ist noch zu wurstelhaft [?], Franzi scheint sich gut darein zu finden. Sie bettelt, ich soll sie für einen Monat abonniren/ es würde 3 fl kosten. Ich weiß noch nicht was ich thue. - Denke dir, heute Vormittags bekam Großmutter einen Anfall von Verfolgungswahn, sie wollte zum Fenster hinaus rufen um Hilfe und eben jezt 3 Uhr Nachmittags fantasirte sie wieder. Sie spricht von drei ermordeten Kindern und daß man dafür keine Beweise habe, sonst könne die Person in[s] Kriminal. - Ich schicke nun Dr. Minnich [?] und bin neugierig was er spricht. - Ich schließe mein Geschreibsel mit 100 [?] Küßen. Gruße Fanni. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) ist Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint. - „Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). „Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - „Toni“ (6), „Franzi“ (8).
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Fanni Spängler an Franz Spängler: [Salzburg] 30.7.1885. Liebster Mann! Heute mußte ich leider umsonst auf ein Wort von dir warten. Ich hoffe zu Gott, daß es blos ein kleines Versäumniß ist, das dich am Schreiben hinderte. Heute Vormittag war ich in Angermeyers Wohnung, welche daneben der Familie Julius bewohnt. Angermeyers bewohnen ein Zimmer im Nebenhause, welches Hofrichter Spängler vermiethen. Ich traf nur Pepi, der recht gut aussieht/ Bei Julius ist Tochter Berta recht krank, Frau Berta und Helmer sehen auch nicht gut aus. Sie sind nun wol schon ruhiger über ihren Verlust. Dort traf ich Frau Ida Maier, die von Taxenbach hier ist um ihre Entbindung zu erwarten, die bald erfolgen dürfte. Sie scheint ganz vergnügt, sieht jetzt ihrer Mutter merkwürdig ähnlich. - Nach Tisch wollte ich noch [?] zu Schneeberger dann zu Schumacher gehen, blieb aber bei Schneeberger sitzen; wir hatten gar so viel zu reden. Großmutter zeigt jedesmal Freude, wenn ich komm, die Kinder gefallen ihr, doch sobald ich das Zimmer verlaße, hat sie auch vergeßen, daß ich hier bin. Vermutlich begegnete ich LgR. Chaberl [?] Abends [.] Präsident Mathes LugXX erkannte mich nicht. Später traf ich Lerer Weiß und Gemalin samt Schwiegertochter und den drei reizenden Mädchen. Als ich Abends heimkam war Großmutter wieder ruhig am Nachmittag aber fantasierte sie lebhaft. Das ist ihre große Schwäche. - Gute Nacht für heute, wenn ich Morgen ohne Nachricht von dir bleibe, so telegrafire ich an dich. - [gleicher Brief, mit Tinte fortgesetzt:] 31.7. [1885] Liebster Franz! Heute Morgens bekam ich deine Karte von vorgestern und heute Mittag die gestrige. Ich küße dich tausendmal dafür. - Heute war ich mit den Größeren in Leopoldskron und ließ Toni und Franzi Schwimmunterricht geben. Toni ist noch zu wurstelhaft [?], Franzi scheint sich gut darein zu finden. Sie bettelt, ich soll sie für einen Monat abonniren/ es würde 3 fl kosten. Ich weiß noch nicht was ich thue. - Denke dir, heute Vormittags bekam Großmutter einen Anfall von Verfolgungswahn, sie wollte zum Fenster hinaus rufen um Hilfe und eben jezt 3 Uhr Nachmittags fantasirte sie wieder. Sie spricht von drei ermordeten Kindern und daß man dafür keine Beweise habe, sonst könne die Person in[s] Kriminal. - Ich schicke nun Dr. Minnich [?] und bin neugierig was er spricht. - Ich schließe mein Geschreibsel mit 100 [?] Küßen. Gruße Fanni. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) ist Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint. - „Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). „Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - „Toni“ (6), „Franzi“ (8).
    
==== Franzi Spängler (Tochter an Eltern ====
 
==== Franzi Spängler (Tochter an Eltern ====
Franzi Spängler (Tochter) und FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler: [Salzburg, 1.8.1885] Lieber Vater! Die Mutter läßt dir danken für deine Karte und grüßt dich herzlich. Gestern waren wir in der Schwimmschule und ich hatte dort die erste Schwimmstunde. Heute hat mich die Mutter abonnirt als Schülerin und zahlte drei Gulden für den Monat. Heute ging es mir schon recht gut bei der Schwimmstunde, ich durfte schon weiter schwimmen, bin auch zweimal gesprungen. Ich nehme mir vor, beim Schwimmen recht aufzumerken, um der Freiprobe [Freischwimmen] möglichst nach zukommen. - Lebe recht wohl lieber Vater, behalte lieb deine dankbare Tochter Fanny. - Salzburg, den 1. August 1885. - [mit Bleistift] Lieber Vater! Deine Toni schikt dir einen Kuß. - [mit Bleistift] Lieber Mann! - Den Briefen unserer Kinder kann ich nur beifügen, daß ich dich innigst grüße und küße und wegen des Urlaubs bitte, 3 Wochen/ Großmutter ist heute ruhig. Deine Fanni Sp. - Toni, 6 Jahre alt. Nachsatz der Mutter Fanni Sp[ängler].
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Franzi Spängler (Tochter) und Fanni Spängler an Franz Spängler: [Salzburg, 1.8.1885] Lieber Vater! Die Mutter läßt dir danken für deine Karte und grüßt dich herzlich. Gestern waren wir in der Schwimmschule und ich hatte dort die erste Schwimmstunde. Heute hat mich die Mutter abonnirt als Schülerin und zahlte drei Gulden für den Monat. Heute ging es mir schon recht gut bei der Schwimmstunde, ich durfte schon weiter schwimmen, bin auch zweimal gesprungen. Ich nehme mir vor, beim Schwimmen recht aufzumerken, um der Freiprobe [Freischwimmen] möglichst nach zukommen. - Lebe recht wohl lieber Vater, behalte lieb deine dankbare Tochter Fanny. - Salzburg, den 1. August 1885. - [mit Bleistift] Lieber Vater! Deine Toni schikt dir einen Kuß. - [mit Bleistift] Lieber Mann! - Den Briefen unserer Kinder kann ich nur beifügen, daß ich dich innigst grüße und küße und wegen des Urlaubs bitte, 3 Wochen/ Großmutter ist heute ruhig. Deine Fanni Sp. - Toni, 6 Jahre alt. Nachsatz der Mutter Fanni Sp[ängler].
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 2/8 1885/ Liebster Mann! Mit innigster Freude empfing ich deinen lieben Brief und bin mit dessen Inhalt sehr zufrieden; in der Thatsache, daß dein Urlaub 17 nicht 21 Tage dauern soll, muß ich mich halt fügen und ich freue mich einstweilen auf dich. Daß Herrn Neufeld noch eine fünfzig Guldennote für Euch gab, freut mich; dieser Herr schein[t] gut mit Kleingeld versehen zu sein. - Für den Touristenausflug am 9./8. wünsche ich viel Vergnügen und gutes Wetter. An diesem Tage werde ich wol kaum Nachricht von dir haben. - [gestrichen:] 3/8. Franzis Brief ist hoffentlich heute dir zugekommen. Sie stellt sich wirklich recht geschickt zum Schwimmen [an] und hat eine große Freude. Auf dem Heimweg von Leopoldskron begegnete uns gestern Fr. v.Plachetka die mich und die drei Größeren auf ihren Einspänner packte, und uns rings um den Leopoldskronenteich führte. So kamen wir zu einer Spazierfahrt. Nach Tisch machten wir einen Gang über den Mönchsberg, wo es mir auf’s Neue wolgefiel. Es wäre doch hübsch, wenn unsere nächste Übersiedlung hierher wäre! - - - Übrigens ist auch Korneuburg ein hübscher Ort. Morgen fortsetzung. - Liebster Mann! 4/8./ Deine Karte habe ich gestern Abend bekommen, auch heute Vormittag deine leztgeschriebene. Gestern u. vorgestern heute waren wir in Leopoldskron. Gestern sprang Franzi zweimal und heute denke dir, welcher Schreck! ist sie nicht zum Springen zu bewegen gewesen. Ich habe ihr alles [!] Ernstes gesagt, daß, wenn sie zu feig zum Springen ist, sie keine Schwimmstunde mehr bekommt. Sie versprach, morgen wieder zu springen. Gestern war ich Nachmittags allein bei Großmutter, da ihre Magd mich gebeten hatte, daß sie einmal nach Maria-Plein gehen möchte. - Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar. - Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße. - Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach Leopoldskron. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni. - Tochter „Franzi“ ist 8 Jahre alt; „Großmutter“: Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 2/8 1885/ Liebster Mann! Mit innigster Freude empfing ich deinen lieben Brief und bin mit dessen Inhalt sehr zufrieden; in der Thatsache, daß dein Urlaub 17 nicht 21 Tage dauern soll, muß ich mich halt fügen und ich freue mich einstweilen auf dich. Daß Herrn Neufeld noch eine fünfzig Guldennote für Euch gab, freut mich; dieser Herr schein[t] gut mit Kleingeld versehen zu sein. - Für den Touristenausflug am 9./8. wünsche ich viel Vergnügen und gutes Wetter. An diesem Tage werde ich wol kaum Nachricht von dir haben. - [gestrichen:] 3/8. Franzis Brief ist hoffentlich heute dir zugekommen. Sie stellt sich wirklich recht geschickt zum Schwimmen [an] und hat eine große Freude. Auf dem Heimweg von Leopoldskron begegnete uns gestern Fr. v.Plachetka die mich und die drei Größeren auf ihren Einspänner packte, und uns rings um den Leopoldskronenteich führte. So kamen wir zu einer Spazierfahrt. Nach Tisch machten wir einen Gang über den Mönchsberg, wo es mir auf’s Neue wolgefiel. Es wäre doch hübsch, wenn unsere nächste Übersiedlung hierher wäre! - - - Übrigens ist auch Korneuburg ein hübscher Ort. Morgen fortsetzung. - Liebster Mann! 4/8./ Deine Karte habe ich gestern Abend bekommen, auch heute Vormittag deine leztgeschriebene. Gestern u. vorgestern heute waren wir in Leopoldskron. Gestern sprang Franzi zweimal und heute denke dir, welcher Schreck! ist sie nicht zum Springen zu bewegen gewesen. Ich habe ihr alles [!] Ernstes gesagt, daß, wenn sie zu feig zum Springen ist, sie keine Schwimmstunde mehr bekommt. Sie versprach, morgen wieder zu springen. Gestern war ich Nachmittags allein bei Großmutter, da ihre Magd mich gebeten hatte, daß sie einmal nach Maria-Plein gehen möchte. - Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar. - Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße. - Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach Leopoldskron. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni. - Tochter „Franzi“ ist 8 Jahre alt; „Großmutter“: Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt.
    
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FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 7./8.1885/ Herzliebster Mann! Ich empfing mit großer Freude Brief und Zeitung, als ich eben mit Mama, Plachetka und dem damenquartett auf dem bekannten Gang in die Schwimmschule war. Nicht ohne einiges Herzklopfen öffnete ich deinen Brief, denn ich war wirklich diejenige, welche fotografie und biografische Notizen dem Herrn Lencke [?] über Ersuchen des Hrn: Controlves [?] auslieferte. Bei Frl: Zesmsauer [Zemsauer] kannst du dich von dem überzeugen, was ich schrieb, da sie mein Concept sich behielt. Die Notizen schöpfte ich aus deinen vor 14 Jahren an mich geschriebenen Briefen, bei welcher Gelegenheit ich mein heimlich süßen Genuß daran hatte, deine lieben Briefe theilweise durchzulesen. Ubrigens finde ich die Bilder recht gut und glaube, du solltest mir noch ein oder zwei Exemplare wenns leicht sein kann. Ich habe die Notizen in allereinfachster Weise gegeben; das damit verbundene Lob deines Wirkens ist weXX/ und gewiß wird Niemand der dich kennt, mutmaßen, du selbst habest dir Weihrauch streuen wollen, und was die journalistische Thätigkeit betrifft, so hast du ja doch eh und je geschriftstellert/ vide die Geschichte des Pottensteiner Männergesangsvereines:/ Aber gelt, böse bist du mir nicht, darüber beruhigt mich der Vorschlag mir noch weitere Exemplare zu senden und dann deine übrigen liebevollen Zeilen. - Über Franzi’s Schwimmen kann ich dir Befriedigendes sagen. Sie schwimmt an der Stange zwei bis drei Längen ohne Unterbrechung und heute glaubte ich zu bemerken, daß der Schwimmmeister öfters den Versuch machte ob das Wasser sie schon trägt, indem er die Leine an der Stange ziemlich wenig anspannte. Das Mädel ist ganz glücklich über das Schwimmen und so hoffe ich das Beste. Die anderen Kinder befinden sich sehr wol zuweilen nehme ich die 4 dirndln mit nach Leopoldskron, Toni u[nd] Roserl gehen meist ins Stehbad. Mit Toni lese ich, wenn möglich täglich, Franzi kommt leider wenig zum Klavier da wegen Rosa daheim nicht mehr gespielt werden soll. Mit den täglichen Gang nach Leopoldskron geht eigentlich die meiste Zeit dahin. Bisher war das Wetter sehr günstig heute Nachmittag begann es zu regnen, so Gott will, wird doch kein Landregen werden. So viel es möglich ist will ich mit Franzi schwimmen gehen. Ich gehe manchmal noch ins Wasser, zuweilen bleibe ich heraußen. - Großmutter’s Befinden ist ziemlich gleich, manchmal ist sie klar/ doch ist das Gedächtniß schwach. Mit Rosa ist es eine schwere Sache, ich habe mit Mutter über eine eventuelle Reise der Rosa zu/uns gesprochen, doch wird Rosa sich schwerlich entschließen. - Über Bruder Karl wage ich mit Mutter nicht zu reden, Schneeberger sprach mir von ihm, daß er eben keine Prüfung macht, und daß zu fürchten ist, daß er zu keinem Ende mit seinem Studien kommt. Ich habe bei Karl stets das Gefühl, daß er/seine Zeit nicht benuzt! - Für heute gute Nacht in einer Woche auf Wiedersehn - Behalte lieb deine schlaftrunkene Alte, - Ich schließe auch ei[n] Stück Englisch Pflaster bei, ich kaufte gestern um 10 fl. ein großes Stück, und daheim ist nur noch wenig. - „Notizen“ möglicherweise für eine Bewerbung in Korneuburg (siehe oben).
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 7./8.1885/ Herzliebster Mann! Ich empfing mit großer Freude Brief und Zeitung, als ich eben mit Mama, Plachetka und dem damenquartett auf dem bekannten Gang in die Schwimmschule war. Nicht ohne einiges Herzklopfen öffnete ich deinen Brief, denn ich war wirklich diejenige, welche fotografie und biografische Notizen dem Herrn Lencke [?] über Ersuchen des Hrn: Controlves [?] auslieferte. Bei Frl: Zesmsauer [Zemsauer] kannst du dich von dem überzeugen, was ich schrieb, da sie mein Concept sich behielt. Die Notizen schöpfte ich aus deinen vor 14 Jahren an mich geschriebenen Briefen, bei welcher Gelegenheit ich mein heimlich süßen Genuß daran hatte, deine lieben Briefe theilweise durchzulesen. Ubrigens finde ich die Bilder recht gut und glaube, du solltest mir noch ein oder zwei Exemplare wenns leicht sein kann. Ich habe die Notizen in allereinfachster Weise gegeben; das damit verbundene Lob deines Wirkens ist weXX/ und gewiß wird Niemand der dich kennt, mutmaßen, du selbst habest dir Weihrauch streuen wollen, und was die journalistische Thätigkeit betrifft, so hast du ja doch eh und je geschriftstellert/ vide die Geschichte des Pottensteiner Männergesangsvereines:/ Aber gelt, böse bist du mir nicht, darüber beruhigt mich der Vorschlag mir noch weitere Exemplare zu senden und dann deine übrigen liebevollen Zeilen. - Über Franzi’s Schwimmen kann ich dir Befriedigendes sagen. Sie schwimmt an der Stange zwei bis drei Längen ohne Unterbrechung und heute glaubte ich zu bemerken, daß der Schwimmmeister öfters den Versuch machte ob das Wasser sie schon trägt, indem er die Leine an der Stange ziemlich wenig anspannte. Das Mädel ist ganz glücklich über das Schwimmen und so hoffe ich das Beste. Die anderen Kinder befinden sich sehr wol zuweilen nehme ich die 4 dirndln mit nach Leopoldskron, Toni u[nd] Roserl gehen meist ins Stehbad. Mit Toni lese ich, wenn möglich täglich, Franzi kommt leider wenig zum Klavier da wegen Rosa daheim nicht mehr gespielt werden soll. Mit den täglichen Gang nach Leopoldskron geht eigentlich die meiste Zeit dahin. Bisher war das Wetter sehr günstig heute Nachmittag begann es zu regnen, so Gott will, wird doch kein Landregen werden. So viel es möglich ist will ich mit Franzi schwimmen gehen. Ich gehe manchmal noch ins Wasser, zuweilen bleibe ich heraußen. - Großmutter’s Befinden ist ziemlich gleich, manchmal ist sie klar/ doch ist das Gedächtniß schwach. Mit Rosa ist es eine schwere Sache, ich habe mit Mutter über eine eventuelle Reise der Rosa zu/uns gesprochen, doch wird Rosa sich schwerlich entschließen. - Über Bruder Karl wage ich mit Mutter nicht zu reden, Schneeberger sprach mir von ihm, daß er eben keine Prüfung macht, und daß zu fürchten ist, daß er zu keinem Ende mit seinem Studien kommt. Ich habe bei Karl stets das Gefühl, daß er/seine Zeit nicht benuzt! - Für heute gute Nacht in einer Woche auf Wiedersehn - Behalte lieb deine schlaftrunkene Alte, - Ich schließe auch ei[n] Stück Englisch Pflaster bei, ich kaufte gestern um 10 fl. ein großes Stück, und daheim ist nur noch wenig. - „Notizen“ möglicherweise für eine Bewerbung in Korneuburg (siehe oben).
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
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FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler: Salzburg 8/8 1885./ Liebster Mann! Anliegend folgen die „wahren Abbildungen“ zweier dir hoffentlich nicht ganz unbekannten Personen/ Ich hoffe du bist leidlich zufrieden und bitte dich, mir baldmöglichst zu sagen wieviele Exemplare ich bestellen soll, ich sagte bei Würthle daß ich erst nach Rücksprache mit dir die Bestellung machen wolle. Heute nach Tisch wollte ich eben ausgehen um Pittel’s [?] zu sehen, als mir dieser brave Geist von Tomaselli mir die Karte der Baronin brachte mit dem Ersuchen zum Kiosk zu kommen. Ich eilte in Roserl’s Begleitung hinunter und begleitete den Pittel’s bis zur Ernest Thunstraße, da sie zum 3 Uhr 40 Minutenzuge gingen, um nach Reichenhall zu fahren. Morgen reisen sie nach Gemunden. - Heute waren Franzi und Toni bei Tante Luise kamen auch mit ihren Cousinen in das Leopoldskron. Ihr Eifer für’s Schwimmen wir[d] stets größer, jezt wage ich zu hoffen, daß sie in diesem Monat die Freiprobe mache[n] kommt. Großmutter ist stets gleich, manchmal nicht klar manchmal ziemlich wirr. - Ich schließe mit 1000 küßen. - Guten Morgen Liebster! 9./8. ½ 7 Uhr früh. Ich möchte, ehe ich in die Predigtmesse gehe, diese Sendung expedieren. Heute habe ich verschiedene Bitten an dich. Durch Otto’s Güte bekomme ich die Erzählung aus der freien Presse, die Blätter darf ich behalten. Nun wurde durch Unachtsamkeit die Fortsezung vom 2/ August früher verrißen als ich sie lesen konnte, möchtest du bei Herrn Frühwald mir das Blatt verschaffen? Wenn das nicht geht, so muß eben meine Fantasie das Fehlende ergänzen. Zweitens bitte ich dich, mir aus der obersten Schublade des Kastens im Vorzimmer die blau geringelte Hausbluse mitzubringen, nicht schicken, ferners wirst du in der Tischlade im Magdzimmer jene wiedergefundene Scheere in sehr rostigem Zustand finden, die möchte ich hier herrichten laßen und in der Lade meiner Nähmaschine ist jene gebrochene Scheere, es ist ein neuer Schleifer hier, vielleicht kann er den einen Griff dafür machen. - Endlich the last, not the least haben wir hier eine Kafemühle im Gebrauch welche die Traudi entlehnt hat, so möchte ich unsere von dir bringen laßen; diese ist für unsern Bedarf längst sehr klein geworden, und für uns hier eine größere Kafemühle kaufen. Unsere Kafemühle findest du im Küchenkasten, welcher zunächst der Verandathür steht, im dritten Fache/ Mir ist es zuwider, daß Großmutter[s] Magd nicht einmal eine Kafemüh[le] hat. Heute will ich sogleich nach Tisch mit den Kindern nach Hellbrunn fahren, da später keine Stellwägen zu bekommen sind. Gestern sprach ich kurz mit Angermayer’s, später mit Vetter Julius, laßen dich grüßen. - Ich freue mich schon sehr auf dich, Lieber, hast du dich schon zu einer kleinen Reise entschloßen, oder kommst du direkt zu deiner dich allzeit herzlich liebenden Fanni. - Grüße alle Bekannten in Pottenstein. - Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.
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Fanni Spängler an Franz Spängler: Salzburg 8/8 1885./ Liebster Mann! Anliegend folgen die „wahren Abbildungen“ zweier dir hoffentlich nicht ganz unbekannten Personen/ Ich hoffe du bist leidlich zufrieden und bitte dich, mir baldmöglichst zu sagen wieviele Exemplare ich bestellen soll, ich sagte bei Würthle daß ich erst nach Rücksprache mit dir die Bestellung machen wolle. Heute nach Tisch wollte ich eben ausgehen um Pittel’s [?] zu sehen, als mir dieser brave Geist von Tomaselli mir die Karte der Baronin brachte mit dem Ersuchen zum Kiosk zu kommen. Ich eilte in Roserl’s Begleitung hinunter und begleitete den Pittel’s bis zur Ernest Thunstraße, da sie zum 3 Uhr 40 Minutenzuge gingen, um nach Reichenhall zu fahren. Morgen reisen sie nach Gemunden. - Heute waren Franzi und Toni bei Tante Luise kamen auch mit ihren Cousinen in das Leopoldskron. Ihr Eifer für’s Schwimmen wir[d] stets größer, jezt wage ich zu hoffen, daß sie in diesem Monat die Freiprobe mache[n] kommt. Großmutter ist stets gleich, manchmal nicht klar manchmal ziemlich wirr. - Ich schließe mit 1000 küßen. - Guten Morgen Liebster! 9./8. ½ 7 Uhr früh. Ich möchte, ehe ich in die Predigtmesse gehe, diese Sendung expedieren. Heute habe ich verschiedene Bitten an dich. Durch Otto’s Güte bekomme ich die Erzählung aus der freien Presse, die Blätter darf ich behalten. Nun wurde durch Unachtsamkeit die Fortsezung vom 2/ August früher verrißen als ich sie lesen konnte, möchtest du bei Herrn Frühwald mir das Blatt verschaffen? Wenn das nicht geht, so muß eben meine Fantasie das Fehlende ergänzen. Zweitens bitte ich dich, mir aus der obersten Schublade des Kastens im Vorzimmer die blau geringelte Hausbluse mitzubringen, nicht schicken, ferners wirst du in der Tischlade im Magdzimmer jene wiedergefundene Scheere in sehr rostigem Zustand finden, die möchte ich hier herrichten laßen und in der Lade meiner Nähmaschine ist jene gebrochene Scheere, es ist ein neuer Schleifer hier, vielleicht kann er den einen Griff dafür machen. - Endlich the last, not the least haben wir hier eine Kafemühle im Gebrauch welche die Traudi entlehnt hat, so möchte ich unsere von dir bringen laßen; diese ist für unsern Bedarf längst sehr klein geworden, und für uns hier eine größere Kafemühle kaufen. Unsere Kafemühle findest du im Küchenkasten, welcher zunächst der Verandathür steht, im dritten Fache/ Mir ist es zuwider, daß Großmutter[s] Magd nicht einmal eine Kafemüh[le] hat. Heute will ich sogleich nach Tisch mit den Kindern nach Hellbrunn fahren, da später keine Stellwägen zu bekommen sind. Gestern sprach ich kurz mit Angermayer’s, später mit Vetter Julius, laßen dich grüßen. - Ich freue mich schon sehr auf dich, Lieber, hast du dich schon zu einer kleinen Reise entschloßen, oder kommst du direkt zu deiner dich allzeit herzlich liebenden Fanni. - Grüße alle Bekannten in Pottenstein. - Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.
    
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FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler: Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni. - [quer groß über die Karte:] Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort - - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13.8. und Pottenstein 14.8.
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Fanni Spängler an Franz Spängler: Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni. - [quer groß über die Karte:] Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort - - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13.8. und Pottenstein 14.8.
    
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FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler: Salzburg 15./8 1885. Lieber Mann! Du wirst dich heute gewundert haben, von mir eine Karte zu erhalten; doch hatte ich so fest darauf gerechnet, daß es bei dem Tag deiner Abreise bleibt, daß ich meinte, die Karte werde dich nicht mehr treffen, und deshalb nicht schrieb. - Es wäre mir lieb gewesen, wenn du dieser Tage wenigstens andeutend den Aufschub deiner Reise erwähnt hättest - Mir war es Otto und Luise [Louise Spängler] gegenüber peinlich, daß ich nichts Bestimmtes wußte, auch würde ich nicht heute mit allen 5 Kindern zum Postzug hinausgegangen sein, ich hatte mich schon so sehr auf dich gefreut. So wird also dein 4 wöchtentlicher Urlaub nach Möglichkeit reduzirt, Je nun, es läßt sich nichts dagegen thun! Daß der Herr Bürgermeister von wegen seiner strengen Frau nicht fort kann ist sehr traurig für ihn, ich hatte ihn nicht für so fügsam gehalten. - Vielleicht besinnt sich die Frau Bürgermeister noch anders, und er bekommt den Urlaub. Was ist denn mit der Reise nach Lungau? Wenn du sie noch vorhast, so wäre es [für] dich besser, sie gleich zu machen, denn es ist fraglich, ob du dafür nochmals fortkommst. - Der Bedienerin sollst du meiner Meinung nach doch die drei fl [Gulden] geben, da ja für die Woche 1 fl nicht zu viel ist. Ubrigens ist sie ja arm. Und so muß ich also noch länger auf dich warten nach meiner Meinung wäre die Trennung ganz lang genug gewesen. - Ubrigens geht es uns gut, und das Wetter ist köstlich, das ist für die Schwimmschule sehr nützlich. - Hoffend, daß deine Reise sich nicht noch mehr hinausschiebt und mit dem Wunsche, daß du dich noch gut munterhalten solltest. bin ich deine Fanni. - Die Kinder schicken dir noch Grüße und Küße. - Allen Bekannten Grüße. - „Otto und Luise“: Schwager Otto Spängler und dessen Frau. Siehe auch folgenden Brief als Antwort.
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Fanni Spängler an Franz Spängler: Salzburg 15./8 1885. Lieber Mann! Du wirst dich heute gewundert haben, von mir eine Karte zu erhalten; doch hatte ich so fest darauf gerechnet, daß es bei dem Tag deiner Abreise bleibt, daß ich meinte, die Karte werde dich nicht mehr treffen, und deshalb nicht schrieb. - Es wäre mir lieb gewesen, wenn du dieser Tage wenigstens andeutend den Aufschub deiner Reise erwähnt hättest - Mir war es Otto und Luise [Louise Spängler] gegenüber peinlich, daß ich nichts Bestimmtes wußte, auch würde ich nicht heute mit allen 5 Kindern zum Postzug hinausgegangen sein, ich hatte mich schon so sehr auf dich gefreut. So wird also dein 4 wöchtentlicher Urlaub nach Möglichkeit reduzirt, Je nun, es läßt sich nichts dagegen thun! Daß der Herr Bürgermeister von wegen seiner strengen Frau nicht fort kann ist sehr traurig für ihn, ich hatte ihn nicht für so fügsam gehalten. - Vielleicht besinnt sich die Frau Bürgermeister noch anders, und er bekommt den Urlaub. Was ist denn mit der Reise nach Lungau? Wenn du sie noch vorhast, so wäre es [für] dich besser, sie gleich zu machen, denn es ist fraglich, ob du dafür nochmals fortkommst. - Der Bedienerin sollst du meiner Meinung nach doch die drei fl [Gulden] geben, da ja für die Woche 1 fl nicht zu viel ist. Ubrigens ist sie ja arm. Und so muß ich also noch länger auf dich warten nach meiner Meinung wäre die Trennung ganz lang genug gewesen. - Ubrigens geht es uns gut, und das Wetter ist köstlich, das ist für die Schwimmschule sehr nützlich. - Hoffend, daß deine Reise sich nicht noch mehr hinausschiebt und mit dem Wunsche, daß du dich noch gut munterhalten solltest. bin ich deine Fanni. - Die Kinder schicken dir noch Grüße und Küße. - Allen Bekannten Grüße. - „Otto und Luise“: Schwager Otto Spängler und dessen Frau. Siehe auch folgenden Brief als Antwort.
    
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FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler: Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16.8. und Pottenstein [unleserlich]. - „Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins; Ludwig, geb. 1828, verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, verh. Langer. Von „Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach sind sie ‘unzertrennlich’.
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Fanni Spängler an Franz Spängler: Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16.8. und Pottenstein [unleserlich]. - „Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins; Ludwig, geb. 1828, verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, verh. Langer. Von „Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach sind sie ‘unzertrennlich’.
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
Franz Spängler an FANNI SPÄNGLER: Meine liebe alte Unzufriedene! Ich muß dir heute schon jenen Titel geben, welchen du dir selbst in deiner mir soeben zugekommenen Karte beilegst. Es klingt vielleicht etwas selbstbewußt u eitel, wenn ich mich der Erwartung hingebe, daß mit meinem Erscheinen deine Unzufriedenheit ein Ende haben wird, ja ich hoffe ferner [?], daß dieser Brief etwas zur Minderung der Unzufriedenheit beitragen werde. - Aber eines kann [ich] nicht recht mit der Logik vereinbar finden; du sprichst dein Mißver/gnügen über die Verzügerung meiner Abreise herbeigeführte Verlängerung unserer Trennung aus u. doch machst du mir den Vorschlag, ich solle eine kleine Reise zuerst machen u dann erst nach Salzburg kommen, also nochmals die Trennung verlängern. Wie reimt sich das zusammen? Ich will ebenselbst die Trennung nicht verlängern u. werde also morgen Abends abreisen u.s. direkt nach Salzburg/ Ich freue mich nun schon sehr auf dich, u. rechne darauf, daß du mich nicht mehXX Unzufriedene empfangen werdest. - Ich schreibe gleichzeitig einige Zeilen an meinen Bruder Otto. - Indem ich dich und die Kinder herzlichst grüße u küße, verspare ich mir weiteres auf mündlichen Verkehr u bleibe dich im Geiste innig umarmend - Dein treuer Franz/ Pottenstein 17/8 1885
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Franz Spängler an Fanni Spängler: Meine liebe alte Unzufriedene! Ich muß dir heute schon jenen Titel geben, welchen du dir selbst in deiner mir soeben zugekommenen Karte beilegst. Es klingt vielleicht etwas selbstbewußt u eitel, wenn ich mich der Erwartung hingebe, daß mit meinem Erscheinen deine Unzufriedenheit ein Ende haben wird, ja ich hoffe ferner [?], daß dieser Brief etwas zur Minderung der Unzufriedenheit beitragen werde. - Aber eines kann [ich] nicht recht mit der Logik vereinbar finden; du sprichst dein Mißver/gnügen über die Verzügerung meiner Abreise herbeigeführte Verlängerung unserer Trennung aus u. doch machst du mir den Vorschlag, ich solle eine kleine Reise zuerst machen u dann erst nach Salzburg kommen, also nochmals die Trennung verlängern. Wie reimt sich das zusammen? Ich will ebenselbst die Trennung nicht verlängern u. werde also morgen Abends abreisen u.s. direkt nach Salzburg/ Ich freue mich nun schon sehr auf dich, u. rechne darauf, daß du mich nicht mehXX Unzufriedene empfangen werdest. - Ich schreibe gleichzeitig einige Zeilen an meinen Bruder Otto. - Indem ich dich und die Kinder herzlichst grüße u küße, verspare ich mir weiteres auf mündlichen Verkehr u bleibe dich im Geiste innig umarmend - Dein treuer Franz/ Pottenstein 17/8 1885
    
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==== Maria Spängler an Fanni Spängler ====
Verwandte [MARIA SPÄNGLER] an FANNI SPÄNGLER [Nr.19]: [Linz, ca. 1885] Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen [-nehmungen] hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz - Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13.8.85 [?], Leobendorf Bahnhof 13.85 [?], Pottenstein 13.8. - „für jeden Ort...“: Dr.Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
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Verwandte [MARIA SPÄNGLER] an Fanni Spängler [Nr.19]: [Linz, ca. 1885] Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen [-nehmungen] hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz - Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13.8.85 [?], Leobendorf Bahnhof 13.85 [?], Pottenstein 13.8. - „für jeden Ort...“: Dr.Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler. - Geschrieben mit 89 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886, „Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler. - [innen ohne Datum im gleichen Brief]: Wohlgeboren gnädige Frau Ich wünsche Ihnen auch recht fröhlich u. Gesunde Weihnachten, u. zugleich ein Glückliches Neues Jahr. Möge der gütige Gott Ihnen u. Ihrem Herrn Gemahl u. die lieben Kinder wieder recht Gesund erhalten, was ich Euch von Herzen wünschen möchte. Die Großmutter war sehr erfreut über das gebäk das gestern nachmitag gekomen ist/ hat gleich verschiedenes gegessen, aber Ihr Verstand ist seidt gestern nachmitag wieder so zerrittet, wie seidt 6 Wochen nie, gestern vormitag wars so gut das Sie selbst die ersten Zeilen an Ihnen geschrieben hat. Heut ist Sie auf mich so böß, die Polizei muß mich holen, weil ichs bestel u. betrüg, in der Nacht hat Sie müßen in einem schlechten stünkerten Handwerks burschen Bett liegen, was Ihr alles einbild das ist zum lachen/ Meiste Zeit ist die Großmutter beim Höllbräu mit die Mägd in Zorn, wenn Sie mir alle möglichen Titteln gibt, u. der andern Zofe ruft, vor ein par Wochen sagt, Sie werde bald nach St.Sebastian hinüber gehen, ins Bretl rutschen den vorigesjahr bin ich auch samt heut hinüber gangen, bin trüben Gestorben u. habe mich Bretlrutschen lassen. Seit einem Monat ist Sie doch wieder ziemlich [gesund] was sehr gut ist. Die Großmutter sieht jezt besser aus als im Sommer, aber die Kraft ist schlechter, werd nicht zabelt [„zeppeln“ = mit kleinen Schrittchen gehen] so kan Sie fast nicht einmal Tags über das Zimer gehen, der Abadit [Appetit] ist schon seit 2 Wochen nicht gut. Ich bitt um entschuldigung der Schreibfehler. Ich XXX XXX XXX XXX Ich Küß Ihnen achtungsvoll die Hand. Gertraud Hausner. Ich bitte einen Handkuß dem gnäden Herrn, u. viele Grüße Ihren lieben Kindern u. Kathi.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler. - Geschrieben mit 89 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886, „Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler. - [innen ohne Datum im gleichen Brief]: Wohlgeboren gnädige Frau Ich wünsche Ihnen auch recht fröhlich u. Gesunde Weihnachten, u. zugleich ein Glückliches Neues Jahr. Möge der gütige Gott Ihnen u. Ihrem Herrn Gemahl u. die lieben Kinder wieder recht Gesund erhalten, was ich Euch von Herzen wünschen möchte. Die Großmutter war sehr erfreut über das gebäk das gestern nachmitag gekomen ist/ hat gleich verschiedenes gegessen, aber Ihr Verstand ist seidt gestern nachmitag wieder so zerrittet, wie seidt 6 Wochen nie, gestern vormitag wars so gut das Sie selbst die ersten Zeilen an Ihnen geschrieben hat. Heut ist Sie auf mich so böß, die Polizei muß mich holen, weil ichs bestel u. betrüg, in der Nacht hat Sie müßen in einem schlechten stünkerten Handwerks burschen Bett liegen, was Ihr alles einbild das ist zum lachen/ Meiste Zeit ist die Großmutter beim Höllbräu mit die Mägd in Zorn, wenn Sie mir alle möglichen Titteln gibt, u. der andern Zofe ruft, vor ein par Wochen sagt, Sie werde bald nach St.Sebastian hinüber gehen, ins Bretl rutschen den vorigesjahr bin ich auch samt heut hinüber gangen, bin trüben Gestorben u. habe mich Bretlrutschen lassen. Seit einem Monat ist Sie doch wieder ziemlich [gesund] was sehr gut ist. Die Großmutter sieht jezt besser aus als im Sommer, aber die Kraft ist schlechter, werd nicht zabelt [„zeppeln“ = mit kleinen Schrittchen gehen] so kan Sie fast nicht einmal Tags über das Zimer gehen, der Abadit [Appetit] ist schon seit 2 Wochen nicht gut. Ich bitt um entschuldigung der Schreibfehler. Ich XXX XXX XXX XXX Ich Küß Ihnen achtungsvoll die Hand. Gertraud Hausner. Ich bitte einen Handkuß dem gnäden Herrn, u. viele Grüße Ihren lieben Kindern u. Kathi.
    
an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): Vater Spängler schreibt 1885 aus Pottenstein nach Salzburg, kündigt seinen Besuch in Salzburg an
 
an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): Vater Spängler schreibt 1885 aus Pottenstein nach Salzburg, kündigt seinen Besuch in Salzburg an
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=== 1886 ===
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: [Salzburg 1886] Liebe Fani! Entlich komme ich dazu dir einige Zeilen zu schreiben. Mit ge[h]t es Gottlob so ziemlich gut. Ich bin ja in die 90 Jahre noch im stande am Arm meiner Magd in der Nachbarschaft einen Besuch zu machen. Zu deinen kommenten Namenstag wünsch ich dir alles Gute/ Grüß mir deinen Man vilmals. Deinen viele Kindern Grüße und Bußernl. [!] von Fanni Kobler - Geschrieben mit 90 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 25.9.1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886 (ihr letzter, undatierter Brief). Fanny Kobler wohnt zuletzt, wie der Eintrag in ihrem Gebetbuch ausweist, „Haus No.10. Altenmarkt Plaz“; sie stirbt „den 12 Juli 11 uhr Nachts 1886“.
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Fanny Kobler an Fanni Spängler: [Salzburg 1886] Liebe Fani! Entlich komme ich dazu dir einige Zeilen zu schreiben. Mit ge[h]t es Gottlob so ziemlich gut. Ich bin ja in die 90 Jahre noch im stande am Arm meiner Magd in der Nachbarschaft einen Besuch zu machen. Zu deinen kommenten Namenstag wünsch ich dir alles Gute/ Grüß mir deinen Man vilmals. Deinen viele Kindern Grüße und Bußernl. [!] von Fanni Kobler - Geschrieben mit 90 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 25.9.1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886 (ihr letzter, undatierter Brief). Fanny Kobler wohnt zuletzt, wie der Eintrag in ihrem Gebetbuch ausweist, „Haus No.10. Altenmarkt Plaz“; sie stirbt „den 12 Juli 11 uhr Nachts 1886“.
    
Salzburg, Alter Markt Nr.10 (blau), zweiter Stock, neben dem Café Tomaselli Tomaselli, Nr.9; eigene Fotos 2014
 
Salzburg, Alter Markt Nr.10 (blau), zweiter Stock, neben dem Café Tomaselli Tomaselli, Nr.9; eigene Fotos 2014
 
    
 
    
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler und andere Korrespondenz ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler und andere Korrespondenz ====
FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler und zurück: 3.8.1886, Brief aus Salzburg an Franz: „Liebster Mann! Indem ich für die heute erhaltene Sendung dir beßtens danke, gehe ich sogleich an die Beantwortung deiner verschiedenen Fragen. Franzi dankt dir für die Sendung, es ist alles in Ordnung. Toni’s erster Strumpf ist hin. Unter unsäglichem Quietschen hat Toni heute ihre Aufgabe bewältigt, sie heulte den ganzen Vormittag zum davonlaufen doch all’ ihr Jammer war machtlos vor mir. Da das Wetter schlecht ist, sind die 4 Dirndln unter Schwester Emma’s Schutze bei Mitzi“... ...“Heute brachte mir Herr Lauterbacher den Zins XXX per 350 fl. ich legte das Geld vorläufig in unsere Kasse, da ich nicht weiß, ob du dasselbe ganz oder teilweise in die Sparkasse legen willst. Ich habe vor der Hand noch Geld; da ich den Lohn auszahlte habe ich noch etwa 30-40 fl. Ich wünsche lebheft, du mögenst kommen, ehe ich dies ausgebe...“ ...“Otto III. spricht lustig drauf los. Hanna öfters eigensinnig. Roserl war heute sehr zornig /: Prügel:/ Toni wird hoffentlich morgen fleißiger sein. Franzi ist im ganzen brav und ordentlich. Nun behüt dich Gott du Lieber, grüße alle Bekanntn und behalte lieb deine Alte. Heute bekam ich eine Karte von Maria Spängler in Linz.“
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Fanni Spängler an Franz Spängler und zurück: 3.8.1886, Brief aus Salzburg an Franz: „Liebster Mann! Indem ich für die heute erhaltene Sendung dir beßtens danke, gehe ich sogleich an die Beantwortung deiner verschiedenen Fragen. Franzi dankt dir für die Sendung, es ist alles in Ordnung. Toni’s erster Strumpf ist hin. Unter unsäglichem Quietschen hat Toni heute ihre Aufgabe bewältigt, sie heulte den ganzen Vormittag zum davonlaufen doch all’ ihr Jammer war machtlos vor mir. Da das Wetter schlecht ist, sind die 4 Dirndln unter Schwester Emma’s Schutze bei Mitzi“... ...“Heute brachte mir Herr Lauterbacher den Zins XXX per 350 fl. ich legte das Geld vorläufig in unsere Kasse, da ich nicht weiß, ob du dasselbe ganz oder teilweise in die Sparkasse legen willst. Ich habe vor der Hand noch Geld; da ich den Lohn auszahlte habe ich noch etwa 30-40 fl. Ich wünsche lebheft, du mögenst kommen, ehe ich dies ausgebe...“ ...“Otto III. spricht lustig drauf los. Hanna öfters eigensinnig. Roserl war heute sehr zornig /: Prügel:/ Toni wird hoffentlich morgen fleißiger sein. Franzi ist im ganzen brav und ordentlich. Nun behüt dich Gott du Lieber, grüße alle Bekanntn und behalte lieb deine Alte. Heute bekam ich eine Karte von Maria Spängler in Linz.“
    
ohne Datum [1886], Brief: „Liebe Fanni! In Fortsetzung des gestigen Briefes,der hoffentlich heute in deine Hände gelangt ist... mir fehlte Toni’s einzelner Strumpf... Ich bitte mir darüber Mitteilung zu geben... ich bitte auch hierüber um Antwort. Das neue Clavieraufgabenheftchen kann ich nirgends finden; im Clavier liegt nur das alte; vielleicht erinnert sich Franzi, wo sie es hingelegt hat... Ich freue mich zu hören, daß es mit dem Schwimmen der Kinder vorwärts geht; erinnere nur die Toni immer wieder, daß sie die Sache als Lernen, und nicht bloß als Unterhaltung behandle... täglich Aufgaben zu geben... lesen oder schreiben zu lassen... Vergiß nicht den Lohn vom Juli auszuzahlen... Franz“
 
ohne Datum [1886], Brief: „Liebe Fanni! In Fortsetzung des gestigen Briefes,der hoffentlich heute in deine Hände gelangt ist... mir fehlte Toni’s einzelner Strumpf... Ich bitte mir darüber Mitteilung zu geben... ich bitte auch hierüber um Antwort. Das neue Clavieraufgabenheftchen kann ich nirgends finden; im Clavier liegt nur das alte; vielleicht erinnert sich Franzi, wo sie es hingelegt hat... Ich freue mich zu hören, daß es mit dem Schwimmen der Kinder vorwärts geht; erinnere nur die Toni immer wieder, daß sie die Sache als Lernen, und nicht bloß als Unterhaltung behandle... täglich Aufgaben zu geben... lesen oder schreiben zu lassen... Vergiß nicht den Lohn vom Juli auszuzahlen... Franz“
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==== Städtisches Museum Carolino-Augusteum betr. Fanny Kobler Verlassenschaft ====
 
==== Städtisches Museum Carolino-Augusteum betr. Fanny Kobler Verlassenschaft ====
betr. FANNY KOBLER (25.9.1796-12.7.1886; Nr.79) Briefkopf: Städtisches Museum Carolino-Augusteum in Salzburg/ P.Z. 1515/ Hochgeehrter Herr! Dem Museum Carolino-Augusteum in Salzburg sind aus der Verlassenschaft der seligen Frau Franziska Kobler nachstehende Gegenstände zum Geschenk von Ihnen, sehr geehrter Herr, übergeben worden: 1. Ein Holzlöffel mit Silberstiel mit den eingravierten Buchstaben A.R./ 2. Ein Messingsiegelstempel mit dem Monogramm A.W./ 3. Zwei salzburgische Einquartierungszettel aus dem Jahre 1800. [so ein Meldezettel siehe oben, 1840]/ 4. Zwei weitere salzburgische Drucksorten Posttarif und Einladungskarte./ 5. Eine Pergamenturkunde XXX der Marie Hueber, Bierbrauerin in Salzburg 1714./ 6. 2 Faszikel Aktenstücke betreffend XXX bezüglich des Durchganges neben der Michaeler Kirche 1874-40./ 7. 5 Sanitätsberichte der Stadtphisiken in Salzburg 1858-61 und 1863, sowie andere Sanitätsreferate. [Richard Schlegel ist Stadtarzt in Salzburg.]/ 8. Ein Aktenstück, die Armen XXX XXX betreffend./ 9. [...] 25.8.1886. [Im Gegensatz dazu habe ich 2003 vergeblich versucht, das lebensgroße, wunderschöne Porträt der Fanny Kobler in Salzburg unterzubringen. Das Nobel-Hotel Höllbräu [Altstadthotel Radisson] wollte es nicht, das Museum reagierte auf mehrmalige Anfragen überhaupt nicht. Jetzt behalten wir es!]
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betr. Fanny Kobler (25.9.1796-12.7.1886; Nr.79) Briefkopf: Städtisches Museum Carolino-Augusteum in Salzburg/ P.Z. 1515/ Hochgeehrter Herr! Dem Museum Carolino-Augusteum in Salzburg sind aus der Verlassenschaft der seligen Frau Franziska Kobler nachstehende Gegenstände zum Geschenk von Ihnen, sehr geehrter Herr, übergeben worden: 1. Ein Holzlöffel mit Silberstiel mit den eingravierten Buchstaben A.R./ 2. Ein Messingsiegelstempel mit dem Monogramm A.W./ 3. Zwei salzburgische Einquartierungszettel aus dem Jahre 1800. [so ein Meldezettel siehe oben, 1840]/ 4. Zwei weitere salzburgische Drucksorten Posttarif und Einladungskarte./ 5. Eine Pergamenturkunde XXX der Marie Hueber, Bierbrauerin in Salzburg 1714./ 6. 2 Faszikel Aktenstücke betreffend XXX bezüglich des Durchganges neben der Michaeler Kirche 1874-40./ 7. 5 Sanitätsberichte der Stadtphisiken in Salzburg 1858-61 und 1863, sowie andere Sanitätsreferate. [Richard Schlegel ist Stadtarzt in Salzburg.]/ 8. Ein Aktenstück, die Armen XXX XXX betreffend./ 9. [...] 25.8.1886. [Im Gegensatz dazu habe ich 2003 vergeblich versucht, das lebensgroße, wunderschöne Porträt der Fanny Kobler in Salzburg unterzubringen. Das Nobel-Hotel Höllbräu [Altstadthotel Radisson] wollte es nicht, das Museum reagierte auf mehrmalige Anfragen überhaupt nicht. Jetzt behalten wir es!]
    
==== Katharina Arrigler an Fanni Spängler ====
 
==== Katharina Arrigler an Fanni Spängler ====
an FANNI SPÄNGLER: Brief, ein Blatt, von KATHARINA ARRIGLER, verh. SCHLEGEL (zweite Frau von Nr.38 Richard Schlegel): 9.6. [ohne Ort und Jahr: 1886]: Liebe Fani [Spängler]! Was wirst du dir gedacht haben, daß ich heuer ganz auf deinen Geburtstag vergaß, nim die Wünsche also noch nachträglich an...“ vergesse alles, viele Sorgen, Gedanken an den Enkel und Franz [Fanni und Franz Spängler]... „unser Leben geht recht sehr still dahin...“ „Liebe Fani ich kann nicht mehr schreiben soeben brachte mein Vater das Telegram daß Schwester Louise todt ist u. gestern um halb zehn Uhr verschied. Lebt wohl es grüßt euch herzlich Eure betrübte Mutter Kath. Sch. Grüße mir Franz. Grüße die Kinder. - undatiertes Foto „Kat. Schlegel geb. Arigler [Arrigler]“
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an Fanni Spängler: Brief, ein Blatt, von KATHARINA ARRIGLER, verh. SCHLEGEL (zweite Frau von Nr.38 Richard Schlegel): 9.6. [ohne Ort und Jahr: 1886]: Liebe Fani [Spängler]! Was wirst du dir gedacht haben, daß ich heuer ganz auf deinen Geburtstag vergaß, nim die Wünsche also noch nachträglich an...“ vergesse alles, viele Sorgen, Gedanken an den Enkel und Franz [Fanni und Franz Spängler]... „unser Leben geht recht sehr still dahin...“ „Liebe Fani ich kann nicht mehr schreiben soeben brachte mein Vater das Telegram daß Schwester Louise todt ist u. gestern um halb zehn Uhr verschied. Lebt wohl es grüßt euch herzlich Eure betrübte Mutter Kath. Sch. Grüße mir Franz. Grüße die Kinder. - undatiertes Foto „Kat. Schlegel geb. Arigler [Arrigler]“
    
==== Katharina Arrigler an Franz Spängler ====
 
==== Katharina Arrigler an Franz Spängler ====
KATHARINA SCHLEGEL, Brief, ein Bogen, Salzburg 1.12. [ohne Jahr, 1886 oder früher] an FRANZ SPÄNGLER: dankt für gute Wünsche, grüßt zum Namenstag, „auch Dank für alles Liebe, was die Rose bei Euch hat“, wir gesund, besonders der Vater fühlt sich recht wohl. Von Vater, Großmutter und Kindern viele Grüße... deine aufrichtige Mutter Kathi Sch. – Liebe Fani! dankt für Wünsche, Gottlob gesund, besonders der Vater, Großmutter grüßt, Dank für Präsent, Betti auch in Linz... Hr. Major Kaserer und Fl. Eslinger sind gestorben. Viele Grüße an Alle, deine aufrichtige Mutter Kathi. Sch.[Schlegel]
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KATHARINA SCHLEGEL, Brief, ein Bogen, Salzburg 1.12. [ohne Jahr, 1886 oder früher] an Franz Spängler: dankt für gute Wünsche, grüßt zum Namenstag, „auch Dank für alles Liebe, was die Rose bei Euch hat“, wir gesund, besonders der Vater fühlt sich recht wohl. Von Vater, Großmutter und Kindern viele Grüße... deine aufrichtige Mutter Kathi Sch. – Liebe Fani! dankt für Wünsche, Gottlob gesund, besonders der Vater, Großmutter grüßt, Dank für Präsent, Betti auch in Linz... Hr. Major Kaserer und Fl. Eslinger sind gestorben. Viele Grüße an Alle, deine aufrichtige Mutter Kathi. Sch.[Schlegel]
    
=== 1887 ===  
 
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==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
 
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FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Krems 17 April 1887/ Liebste Fanni! Ich habe dir heute nur eine Karte geschickt, da ich mit dem Brief aus verschiedenen Gründen nicht fertig zu werden glaube u ich dich nicht ohne Nachricht lassen will. Und nun zur Wohnungsfrage. Ich habe also gestern Abends mit Hauptmann Hartmann conferirt, u. das Resultat ist folgendes: Er behält mit Rücksicht darauf dß er möglicher Weise im Herbste wieder hierher transferirt wird die Wohnung als Miether, ist aber bereit vom Mai-Termin an die Wohnung bis Aug od[er] Nov 1887 zu überlassen; falls er nicht hierher zurückkäme, könnten wir dieselbe dann ganz übernehmen; falls er aber hierher zurückkäme, müßten wir dieselbe räumen. Das ist nun freilich keine angeneme Aussicht! Anderseits wurde mir von mehrer Seiten gesagt, dß, so empfehlenswerth die Wohnung für den Sommer sei, dieselbe doch im Winter wegen der einsamen Lage u des geringen Verkehrs in dieser Gegend der Stadt manches unangenehme habe; da wäre es also vielleicht doch nicht so böse, wenn wir im Herbste in eine andere Wohnung ziehen müßten. - Die gestrige Karte, in der ich dir von der Wohnung in der Alleegaße 25 schrieb, hast du hoffentlich erhalten; diese Wohnung hätte manches für sich; ich füge hier eine Skizze bei, mit f. sind die Fenster, mit t die Thüren bezeichnet, die Alleegasse ist durch die Anlagen von der Stadt getrennt, aber die Entfernung ist auch nicht groß. - [hier Skizze in den Text eingefügt: 3 Zimmer + Eßzimmer + Küche + Cabinet + Vorzimmer + Vorratsraum (?) + Abort] - Garten ist bei dieser Wohnung freilich keiner, wohl eben ein Hof, in dem sich die Kinder herumtummeln könnten/ Diese Herzog’schen Häuser sollen wie ich hörte auch 2 Unannehmlichkeiten haben, namlich einerseits dß die Wände u. Böden so dünn sind, dß man von einer Wohnung in die andere alles lautere Gespräch hören soll, u. dß die Kanäle dort nur sehr geringes Gefälle haben, u daher im Sommer ziemlich riechen. - Nun ist mir heute von einer Wohnung in der Stadt, in der Gasse zwischen Hirschen u Kreisgericht gesagt worden, die auch bis Mai frei werden soll; hierüber werde ich erst morgen näheres erfahren, u. dann dir gleich darüber schreiben/ Heute habe ich meine Besuche begonnen, u. war bei allen Advokaten (bis auf einen, zu dem ich morgen gehen werde) bei den 2 Notaren, dem Probste, der Frau Präsidentin u. der einen Familie Kreza, aber zufällig gerade bei jener, an welche der Brief nicht gerichtet war. Ich werde überall recht freundlich empfangen, u es haben mir auch die sämtlichen Herren einen ganz günstigen Eindruck gemacht. Die Frau Präsidentin ist eine lebhafte Frau von Anfangs 40, recht freundlich, u. so wie auch der Präsident, durchaus nicht stolz. Sie hat gesagt, dß ich dich gewiß ihr aufführen soll, - (was sich ja von selbst versteht.) Wie ich höre, ladet sie die Frauen der Räthe ab [gestrichen?] öfters zu einer Cafevisite, der Präsident mitunter die Herren für Abends zu einer Spielparthie ein. - Der Probst ist ein einfacher würdiger Herr mit dem sich vielleicht auch ein geselliger Verkehr entwickeln kann. Jene Frau Kreza, die ich besuchte, scheint sehr nobel zu sein, u. kennt Zieken [?] nur oberflächlich; wenn nicht die andere Familie Kreza entgegenkommender ist, wird sich kaum ein näherer Verkehr entwickeln. - Bei Tscheheer [?] war ich schon am Tage deiner Abreise; er ist im Gesundheitszustande besser, als ich erwartet hatte, u. erinnerte sich in freundlicher Weise deines sel. Vaters. - Auch im Gasthause habe ich durch Präsident Schreer [?] u Rath Vogel, welche donnerstags Abends zum Hirschen kommen, u. mit den ich auch gestern Abends in einem anderen Gasthause zusammen war, unsere Herren von hier kennen gelernt, darunter den hiesigen Bürgermeister/ den Gymnasial Direktor (Piarist)/ den Realschuldirektor u. den Bürgerschuldirektor, dann einen ehemaligen Kaufmann Schumacher, Bruder des verstorbenen Professors in Salzburg. Auch ist einer der Direktoren, Namens Eberle, ein Salzburger, u. mit Alexi verwandt. Daneben sich auch 2 Wiener Schulinspektoren hier, die neben mir wohnen u. mit denen ich ebenfalls bekannt wurde. Neulich war ich in Stein, das übrigens ein Nest ersten Ranges ist, u. wo ich mir nicht denken kann, dß ordentliche Wohnungen zu haben wären; ich habe daher dort auch gar nicht nachgefragt - Montag 18 April - Soeben habe ich die Wohnung/ von der ich dir gestern schrieb angesehen. Sie besteht aus einem großen 1 kleineren Zimmer 1 Cabinet 1 Vorzimmner eine finstere Kammer 1 Küche; hat Fußboden mit harten KrXXzen (wie Parquetten), aber mit weißer Füllung, daher ziemlich uneben, schlechte Öfen, in der Küche gehört der Sparherd der Parthei; es ist überhaupt ein altes Haus. Die Wohnung wäre uns jedenfalls zu klein; ob eine der XXßenden Wohnungen, von welchen die eine sich die an einen Professor in Wien verheiratete Hausbesizerin als AbsteigeQuartier vorbehalten hat/ und die andere der Hausmeister innehat, dazr [?] zu bekommen wäre, kann ich erst in einigen Tagen erfahren; da der Advokat D Frestl [?], deshalb an die Hausbesitzerin schrieb/ Uebrigens wäre auch diese Wohnung erst bis August zu haben. - Was soll ich also machen? Soll ich mit Hptm. [Hauptmann] Hartmann auch auf die Gefahr hin bis November ausziehen zu müßen, abschließen? od[er] willst du mit der Uebersiedlung bis August warten? Soll ich den Garten dazu nehmen od[er] nicht? Wenn wir die Hartmann’sche Wohnung nehmen, so müßte die Uebersiedlung in der Woche zwischen 1. u. 8. Mai geschehen, da am 8 Mai d[er] eine der Räthe auf Urlaub geht, u ich daher denselben zu suppliren habe, daher am 8. jedenfalls wieder her sein müßte. - Mit Neunherz [?] habe ich verhandelt, u ich werde ihm wohl die Spedition übertragen; er glaubt, dß wir mit 2 Waggons ausreichen u meint, wir sollen den etwaigen Rest der Sachen - Kisten - als gewöhnliche Fracht aufgeben. - Es ist hohe Zeit, dß wir über die Wohnungsfrage endlich schlüßig werden. Mir wäre es am liebsten, wenn du selbst die noch in Frage stehenden Wohnungen ansehen würdest u. ich mit dir die Sache mündlich besprechen könnte. Wenn es dir also möglich wäre, an einem der nächsten Tage etwa donnerstags hierher zu kommen, wäre es mir sehr angenehm; ich bitte nur in diesem Falle um briefliche, eventuell telegrafische Nachricht/ - NB. Auf dem Schreibtische muß meine Aufs(ch)tellung über die abgesendeten Dankschreiben liegen geblieben sein; vielleicht kannst du sie mir in einem Briefe schiken, od[er] du bringst mir selben mit; auch der Glückwunsch-brief od[er] Karte von Pf Wiegand von Furth fehlt mir; du hast mir denselben eingegeben/ darüber ob Bügelofen u Wäschwelle [Wäschemangel] in der Wehrmannschen Villa vorhanden sind, mag ich erst genau durch Augenschein mich überzeugen gehen, da ich eben wegen der Wohnung dort noch nichts definitives sagen könnte. Deine mir heute zugekommene Karte hast du offenbar im Halbschlaf geschrieben; ich konnte mehreres garnicht lesen. - Daß die beiden Franzeln brav sind, freut mich zu hören; dagegen bin ich mit Rosa sehr unzufrieden, dß sie gar strafweise in der Schule bleiben mußte; ich laße ihr sagen, dß das nicht mehr vorkommen darf. - Sei samt den Kindern herzlich gegrüßt u geküßt von deinem trauen Franz - Krems 18/4 1887 - Dr.Spängler und Familie sind 1887 eben dabei, nach Krems umzuziehen; der erste von drei fortlaufenden Briefen innerhalb weniger Tage (siehe auch die folgenden beiden Briefe). Vor allem bei der Schreibung einiger Familiennamen bin ich unsicher. Insgesamt ist die Schrift reichlich flüchtig, häufig abgekürzt, vielfach sind mehrere Wörter zusammengeschrieben; oft scheinen Wörter für den Zusammenhang zu fehlen, manches ist auch angeschrieben und dann ausgestrichen (hier nicht vermerkt). - „die beiden Franzeln“: Franziska, geb. 1877; Franz Xaver, geb. 1883; „Rosa“ geb. 1880.
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Franz Spängler an Fanni Spängler: Krems 17 April 1887/ Liebste Fanni! Ich habe dir heute nur eine Karte geschickt, da ich mit dem Brief aus verschiedenen Gründen nicht fertig zu werden glaube u ich dich nicht ohne Nachricht lassen will. Und nun zur Wohnungsfrage. Ich habe also gestern Abends mit Hauptmann Hartmann conferirt, u. das Resultat ist folgendes: Er behält mit Rücksicht darauf dß er möglicher Weise im Herbste wieder hierher transferirt wird die Wohnung als Miether, ist aber bereit vom Mai-Termin an die Wohnung bis Aug od[er] Nov 1887 zu überlassen; falls er nicht hierher zurückkäme, könnten wir dieselbe dann ganz übernehmen; falls er aber hierher zurückkäme, müßten wir dieselbe räumen. Das ist nun freilich keine angeneme Aussicht! Anderseits wurde mir von mehrer Seiten gesagt, dß, so empfehlenswerth die Wohnung für den Sommer sei, dieselbe doch im Winter wegen der einsamen Lage u des geringen Verkehrs in dieser Gegend der Stadt manches unangenehme habe; da wäre es also vielleicht doch nicht so böse, wenn wir im Herbste in eine andere Wohnung ziehen müßten. - Die gestrige Karte, in der ich dir von der Wohnung in der Alleegaße 25 schrieb, hast du hoffentlich erhalten; diese Wohnung hätte manches für sich; ich füge hier eine Skizze bei, mit f. sind die Fenster, mit t die Thüren bezeichnet, die Alleegasse ist durch die Anlagen von der Stadt getrennt, aber die Entfernung ist auch nicht groß. - [hier Skizze in den Text eingefügt: 3 Zimmer + Eßzimmer + Küche + Cabinet + Vorzimmer + Vorratsraum (?) + Abort] - Garten ist bei dieser Wohnung freilich keiner, wohl eben ein Hof, in dem sich die Kinder herumtummeln könnten/ Diese Herzog’schen Häuser sollen wie ich hörte auch 2 Unannehmlichkeiten haben, namlich einerseits dß die Wände u. Böden so dünn sind, dß man von einer Wohnung in die andere alles lautere Gespräch hören soll, u. dß die Kanäle dort nur sehr geringes Gefälle haben, u daher im Sommer ziemlich riechen. - Nun ist mir heute von einer Wohnung in der Stadt, in der Gasse zwischen Hirschen u Kreisgericht gesagt worden, die auch bis Mai frei werden soll; hierüber werde ich erst morgen näheres erfahren, u. dann dir gleich darüber schreiben/ Heute habe ich meine Besuche begonnen, u. war bei allen Advokaten (bis auf einen, zu dem ich morgen gehen werde) bei den 2 Notaren, dem Probste, der Frau Präsidentin u. der einen Familie Kreza, aber zufällig gerade bei jener, an welche der Brief nicht gerichtet war. Ich werde überall recht freundlich empfangen, u es haben mir auch die sämtlichen Herren einen ganz günstigen Eindruck gemacht. Die Frau Präsidentin ist eine lebhafte Frau von Anfangs 40, recht freundlich, u. so wie auch der Präsident, durchaus nicht stolz. Sie hat gesagt, dß ich dich gewiß ihr aufführen soll, - (was sich ja von selbst versteht.) Wie ich höre, ladet sie die Frauen der Räthe ab [gestrichen?] öfters zu einer Cafevisite, der Präsident mitunter die Herren für Abends zu einer Spielparthie ein. - Der Probst ist ein einfacher würdiger Herr mit dem sich vielleicht auch ein geselliger Verkehr entwickeln kann. Jene Frau Kreza, die ich besuchte, scheint sehr nobel zu sein, u. kennt Zieken [?] nur oberflächlich; wenn nicht die andere Familie Kreza entgegenkommender ist, wird sich kaum ein näherer Verkehr entwickeln. - Bei Tscheheer [?] war ich schon am Tage deiner Abreise; er ist im Gesundheitszustande besser, als ich erwartet hatte, u. erinnerte sich in freundlicher Weise deines sel. Vaters. - Auch im Gasthause habe ich durch Präsident Schreer [?] u Rath Vogel, welche donnerstags Abends zum Hirschen kommen, u. mit den ich auch gestern Abends in einem anderen Gasthause zusammen war, unsere Herren von hier kennen gelernt, darunter den hiesigen Bürgermeister/ den Gymnasial Direktor (Piarist)/ den Realschuldirektor u. den Bürgerschuldirektor, dann einen ehemaligen Kaufmann Schumacher, Bruder des verstorbenen Professors in Salzburg. Auch ist einer der Direktoren, Namens Eberle, ein Salzburger, u. mit Alexi verwandt. Daneben sich auch 2 Wiener Schulinspektoren hier, die neben mir wohnen u. mit denen ich ebenfalls bekannt wurde. Neulich war ich in Stein, das übrigens ein Nest ersten Ranges ist, u. wo ich mir nicht denken kann, dß ordentliche Wohnungen zu haben wären; ich habe daher dort auch gar nicht nachgefragt - Montag 18 April - Soeben habe ich die Wohnung/ von der ich dir gestern schrieb angesehen. Sie besteht aus einem großen 1 kleineren Zimmer 1 Cabinet 1 Vorzimmner eine finstere Kammer 1 Küche; hat Fußboden mit harten KrXXzen (wie Parquetten), aber mit weißer Füllung, daher ziemlich uneben, schlechte Öfen, in der Küche gehört der Sparherd der Parthei; es ist überhaupt ein altes Haus. Die Wohnung wäre uns jedenfalls zu klein; ob eine der XXßenden Wohnungen, von welchen die eine sich die an einen Professor in Wien verheiratete Hausbesizerin als AbsteigeQuartier vorbehalten hat/ und die andere der Hausmeister innehat, dazr [?] zu bekommen wäre, kann ich erst in einigen Tagen erfahren; da der Advokat D Frestl [?], deshalb an die Hausbesitzerin schrieb/ Uebrigens wäre auch diese Wohnung erst bis August zu haben. - Was soll ich also machen? Soll ich mit Hptm. [Hauptmann] Hartmann auch auf die Gefahr hin bis November ausziehen zu müßen, abschließen? od[er] willst du mit der Uebersiedlung bis August warten? Soll ich den Garten dazu nehmen od[er] nicht? Wenn wir die Hartmann’sche Wohnung nehmen, so müßte die Uebersiedlung in der Woche zwischen 1. u. 8. Mai geschehen, da am 8 Mai d[er] eine der Räthe auf Urlaub geht, u ich daher denselben zu suppliren habe, daher am 8. jedenfalls wieder her sein müßte. - Mit Neunherz [?] habe ich verhandelt, u ich werde ihm wohl die Spedition übertragen; er glaubt, dß wir mit 2 Waggons ausreichen u meint, wir sollen den etwaigen Rest der Sachen - Kisten - als gewöhnliche Fracht aufgeben. - Es ist hohe Zeit, dß wir über die Wohnungsfrage endlich schlüßig werden. Mir wäre es am liebsten, wenn du selbst die noch in Frage stehenden Wohnungen ansehen würdest u. ich mit dir die Sache mündlich besprechen könnte. Wenn es dir also möglich wäre, an einem der nächsten Tage etwa donnerstags hierher zu kommen, wäre es mir sehr angenehm; ich bitte nur in diesem Falle um briefliche, eventuell telegrafische Nachricht/ - NB. Auf dem Schreibtische muß meine Aufs(ch)tellung über die abgesendeten Dankschreiben liegen geblieben sein; vielleicht kannst du sie mir in einem Briefe schiken, od[er] du bringst mir selben mit; auch der Glückwunsch-brief od[er] Karte von Pf Wiegand von Furth fehlt mir; du hast mir denselben eingegeben/ darüber ob Bügelofen u Wäschwelle [Wäschemangel] in der Wehrmannschen Villa vorhanden sind, mag ich erst genau durch Augenschein mich überzeugen gehen, da ich eben wegen der Wohnung dort noch nichts definitives sagen könnte. Deine mir heute zugekommene Karte hast du offenbar im Halbschlaf geschrieben; ich konnte mehreres garnicht lesen. - Daß die beiden Franzeln brav sind, freut mich zu hören; dagegen bin ich mit Rosa sehr unzufrieden, dß sie gar strafweise in der Schule bleiben mußte; ich laße ihr sagen, dß das nicht mehr vorkommen darf. - Sei samt den Kindern herzlich gegrüßt u geküßt von deinem trauen Franz - Krems 18/4 1887 - Dr.Spängler und Familie sind 1887 eben dabei, nach Krems umzuziehen; der erste von drei fortlaufenden Briefen innerhalb weniger Tage (siehe auch die folgenden beiden Briefe). Vor allem bei der Schreibung einiger Familiennamen bin ich unsicher. Insgesamt ist die Schrift reichlich flüchtig, häufig abgekürzt, vielfach sind mehrere Wörter zusammengeschrieben; oft scheinen Wörter für den Zusammenhang zu fehlen, manches ist auch angeschrieben und dann ausgestrichen (hier nicht vermerkt). - „die beiden Franzeln“: Franziska, geb. 1877; Franz Xaver, geb. 1883; „Rosa“ geb. 1880.
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
 
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FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni! Ich habe dir heute morgen hierherkommend nicht telegrafirt, weil ich wegen der Linde’schen Wohnung mich noch umsehen u. dir darüber schreiben wollte. - Ich habe selbe nun angesehen, u. berichte dir folgendes. - Die Wohnung ist im 2.Stocke in der Nähe der Realschule in einem ziemlich neugebauten Hause, hoch, hell troken, u mit schöner Aussicht; die Stiegen sind jedoch von Holz, u. daher eventuell feuergefährlich. Die Wohnung selbst besteht aus einem großen 2fenstrigen Zimmer, 2 Cabineten welche als solche ziemlich geräumig sind, einem Vorzimmer, sehr geräumer [?] heller Küche, u. einem abgesonderten kleinen Cabinete, ist also wohl ziemlich klein, wäre aber sogleich zu beziehen u. kostet inclusive Zinskreuzer 220 fl. - Ich füge auch hier eine Planskizze bei. [hier Skizze] Jedes Cabinet ist heizbar. Es ist wohl beim Hause ein kleiner Garten aber nicht zur Benutzung. Dagegen ist gerade vom Hause gegenüber der Park, der zwischen Realschule u Turnhalle liegt. - Der Abort ist ein gewöhnlicher, ist außerhalb der Wohnung u. stinkt, wie ich mich heute überzeugte, sehr stark. Die Wohnung würde nur sehr knapp für uns ausreichen. - Ich soll innerhalb einiger Tage dem LGR Linde Antwort geben. - Wie es bezüglich der Möglichkeit der Vergrößerung der Wohnung am „täglichen Markte“ von der ich dir auch schrieb, stehe, habe ich noch nichts erfahren. - Also was thun? Kanst du freitags kommen, so wäre es mir sehr recht; denn wenn die Uebersiedlung in der 1.Mai-Woche geschehen soll, muß die Wohnungsfrage baldigst erledigt werden u. die Vereinbarung mit dem Spediteur getroffen werden. - Ich bitte dich, mir morgen nach Erhalt dieses Briefes baldmöglich zu telgrafiren, ob du am Freitag kommst; dann würde ich, wenn du kommst, mit dem Abschluße mit dem Hauptmann bis Freitag warten; andernfalls würde ich morgen oder freitags also doch mit Hptm Hartmann od dessen Frau abschließen. Was den Preis betrifft, so wird wohl schwerlich etwas abzuhandeln sein, besonders da wir ja hinsichtlich der Wohnung im Gedränge sind. Wegen der Wohnung Alleegasse 25 muß dich noch aufmerksam machen, dß nicht ungewiß, sondern nur wahrscheinlich ist, dß sie bis August frei wird; ich kann also bezüglich dieser Wohnung vorläufig nicht abschließen, habe aber von der Hptmannsfrau u von der Hausverwaltung das Versprechen, dß ich sofort verständigt werde, wenn die Wohnung wirklich frei wird. - Noch muß ich beifügen, dß es mir auch hinsichtlich der Uebersiedlung selbst angenehm wäre, wenn ich mit dir u. Neueferz [?] die Sache besprechen könnte. Wenn es dir also möglich ist, so komm freitags. Fahrst du aber nicht lieber über St Pölten? Du könntest dann am Rückweg dich in Wien aufhalten u zu Mina gehen. - Nun lebe wohl für heute! Hoffentlich übermorgen auf Wiedersehen. Morgen habe ich die 1. Verhandlung als Vorsizender zu führen! Dich und die Kinder herzlich grüßend und küßend - dein treuer Franz - Krems 20/4 1887
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Franz Spängler an Fanni Spängler: Liebste Fanni! Ich habe dir heute morgen hierherkommend nicht telegrafirt, weil ich wegen der Linde’schen Wohnung mich noch umsehen u. dir darüber schreiben wollte. - Ich habe selbe nun angesehen, u. berichte dir folgendes. - Die Wohnung ist im 2.Stocke in der Nähe der Realschule in einem ziemlich neugebauten Hause, hoch, hell troken, u mit schöner Aussicht; die Stiegen sind jedoch von Holz, u. daher eventuell feuergefährlich. Die Wohnung selbst besteht aus einem großen 2fenstrigen Zimmer, 2 Cabineten welche als solche ziemlich geräumig sind, einem Vorzimmer, sehr geräumer [?] heller Küche, u. einem abgesonderten kleinen Cabinete, ist also wohl ziemlich klein, wäre aber sogleich zu beziehen u. kostet inclusive Zinskreuzer 220 fl. - Ich füge auch hier eine Planskizze bei. [hier Skizze] Jedes Cabinet ist heizbar. Es ist wohl beim Hause ein kleiner Garten aber nicht zur Benutzung. Dagegen ist gerade vom Hause gegenüber der Park, der zwischen Realschule u Turnhalle liegt. - Der Abort ist ein gewöhnlicher, ist außerhalb der Wohnung u. stinkt, wie ich mich heute überzeugte, sehr stark. Die Wohnung würde nur sehr knapp für uns ausreichen. - Ich soll innerhalb einiger Tage dem LGR Linde Antwort geben. - Wie es bezüglich der Möglichkeit der Vergrößerung der Wohnung am „täglichen Markte“ von der ich dir auch schrieb, stehe, habe ich noch nichts erfahren. - Also was thun? Kanst du freitags kommen, so wäre es mir sehr recht; denn wenn die Uebersiedlung in der 1.Mai-Woche geschehen soll, muß die Wohnungsfrage baldigst erledigt werden u. die Vereinbarung mit dem Spediteur getroffen werden. - Ich bitte dich, mir morgen nach Erhalt dieses Briefes baldmöglich zu telgrafiren, ob du am Freitag kommst; dann würde ich, wenn du kommst, mit dem Abschluße mit dem Hauptmann bis Freitag warten; andernfalls würde ich morgen oder freitags also doch mit Hptm Hartmann od dessen Frau abschließen. Was den Preis betrifft, so wird wohl schwerlich etwas abzuhandeln sein, besonders da wir ja hinsichtlich der Wohnung im Gedränge sind. Wegen der Wohnung Alleegasse 25 muß dich noch aufmerksam machen, dß nicht ungewiß, sondern nur wahrscheinlich ist, dß sie bis August frei wird; ich kann also bezüglich dieser Wohnung vorläufig nicht abschließen, habe aber von der Hptmannsfrau u von der Hausverwaltung das Versprechen, dß ich sofort verständigt werde, wenn die Wohnung wirklich frei wird. - Noch muß ich beifügen, dß es mir auch hinsichtlich der Uebersiedlung selbst angenehm wäre, wenn ich mit dir u. Neueferz [?] die Sache besprechen könnte. Wenn es dir also möglich ist, so komm freitags. Fahrst du aber nicht lieber über St Pölten? Du könntest dann am Rückweg dich in Wien aufhalten u zu Mina gehen. - Nun lebe wohl für heute! Hoffentlich übermorgen auf Wiedersehen. Morgen habe ich die 1. Verhandlung als Vorsizender zu führen! Dich und die Kinder herzlich grüßend und küßend - dein treuer Franz - Krems 20/4 1887
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
 
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FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: 27.4.1887, Brief aus Krems an Fanni: „Heute habe ich gar keine Nachricht von dir erhalten, doch will ich hoffen, daß du sammt den Kindern wohl bist...“ verschicken einer Kiste, Schlüssel, Koffer... „Was die Geldesendung betrifft, so möchte ich gerne dir am 1. aus meinem Gehalte den Betrag von 100 fl. schicken; ich glaube es wird ja auch früh genug sein, so brauche ich nicht vor dem 1.5. Geld aus dem Postsparkassenbuch herauszunehmen, u. verliere daher auch keine Zinsen. Solltest du aber das Geld früher und mehr benöthigen, so schreibe es mir.“ ... „Dieser Tage habe ich an Otto und auch an die Mutter Schlegel geschrieben u. ihr ausführlich berichtet.“ ... „Dich und die Kinder herzlichst grüßen u. küßend dein treuer Franz.“
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Franz Spängler an Fanni Spängler: 27.4.1887, Brief aus Krems an Fanni: „Heute habe ich gar keine Nachricht von dir erhalten, doch will ich hoffen, daß du sammt den Kindern wohl bist...“ verschicken einer Kiste, Schlüssel, Koffer... „Was die Geldesendung betrifft, so möchte ich gerne dir am 1. aus meinem Gehalte den Betrag von 100 fl. schicken; ich glaube es wird ja auch früh genug sein, so brauche ich nicht vor dem 1.5. Geld aus dem Postsparkassenbuch herauszunehmen, u. verliere daher auch keine Zinsen. Solltest du aber das Geld früher und mehr benöthigen, so schreibe es mir.“ ... „Dieser Tage habe ich an Otto und auch an die Mutter Schlegel geschrieben u. ihr ausführlich berichtet.“ ... „Dich und die Kinder herzlichst grüßen u. küßend dein treuer Franz.“
    
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FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni! Auch deine Karte vom Mittwoch habe ich erst heute früh erhalten, war daher unmöglich in der Lage/ dir bis heute Nachm. noch Nachricht zukommen zu lassen in betreff der Concert-Eintrittskarten vom Fahnweihfeste. Wir haben dieselben bisher aufgehoben, um sie vielleicht ein anderes Mal wieder zu verwenden; bisher fanden sie keine Verwendung, u werden wahrscheinlich auch später keine mehr finden; von mir aus kann darüber nach Belieben verfügt werden; mir wäre es aber angenehm, wenn du noch den Steuereinnehmer des Vereinskassier fragen würdest, ob er Werth darauf legt, diese Karten noch weiter aufzuheben; in diesem Falle bitte ich sie ihm zu übergeben, andernfalls kannst du sie der Frau v ThXXten [?] ausfolgen, vielleicht ein Paar zur Erinnerung zurückbehalten/ den Einkauf des schwarzen Lüster [?] kann ich in Wien nicht besorgen, da ich mich keinen falls länger in Wien aufhalte, als vom Abendzuge bis zum 1. Zuge, der donnerstags früh nach Pottenstein geht. - Was von den Sachen packst du einstweilen schon? Mir wäre es angenem, wenn du die Sachen in dem Bücherkasten dann in den beiden oberen Laden meines Kastens mir zum Packen lassen würdest. - Bei Neueferz [?] war ich heute/ Karl [?] konnte ich aber nicht treffen/ weil er in Wien ist; vielleicht kommt er ohnehin heute od morgen nach Pottenstein. - Ich werde morgen wieder versuchen, mit ihm sprechen zu können. - Was machts du hinsichtl des Claviers? Ich bin schon mehr dafür, dß du dasselbe in die Kiste geben lassen sollst. Vergiß nicht, die Bücher, welche noch ausgeliehen sind, in Empfang zu nehmen. Auch wegen der noch versprochenen Photographien erinnere bei Gelegenheit die betreffenden Personen. - In betreff der Frage, in welche Schule wir die Kinder hier schiken sollen, habe ich noch nichts beschloßen. ich werde mich aber in diesen Tagen noch erkundigen, da wir doch, wenn wir halbwegs in Ordnung find[en]/ die Kinder sogleich wieder in die Schule schiken sollen, u. wollen/ Hast du mit dem Herr[n] Jerre [?] schon verhandelt? - Lebe wohl u. sei sammt den Kindern, die ich erinnern lasse brav zu sein, herzlich gegrüßt u. geküßt von - deinem treuen Franz/ Kems 29/4 1887
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Franz Spängler an Fanni Spängler: Liebste Fanni! Auch deine Karte vom Mittwoch habe ich erst heute früh erhalten, war daher unmöglich in der Lage/ dir bis heute Nachm. noch Nachricht zukommen zu lassen in betreff der Concert-Eintrittskarten vom Fahnweihfeste. Wir haben dieselben bisher aufgehoben, um sie vielleicht ein anderes Mal wieder zu verwenden; bisher fanden sie keine Verwendung, u werden wahrscheinlich auch später keine mehr finden; von mir aus kann darüber nach Belieben verfügt werden; mir wäre es aber angenehm, wenn du noch den Steuereinnehmer des Vereinskassier fragen würdest, ob er Werth darauf legt, diese Karten noch weiter aufzuheben; in diesem Falle bitte ich sie ihm zu übergeben, andernfalls kannst du sie der Frau v ThXXten [?] ausfolgen, vielleicht ein Paar zur Erinnerung zurückbehalten/ den Einkauf des schwarzen Lüster [?] kann ich in Wien nicht besorgen, da ich mich keinen falls länger in Wien aufhalte, als vom Abendzuge bis zum 1. Zuge, der donnerstags früh nach Pottenstein geht. - Was von den Sachen packst du einstweilen schon? Mir wäre es angenem, wenn du die Sachen in dem Bücherkasten dann in den beiden oberen Laden meines Kastens mir zum Packen lassen würdest. - Bei Neueferz [?] war ich heute/ Karl [?] konnte ich aber nicht treffen/ weil er in Wien ist; vielleicht kommt er ohnehin heute od morgen nach Pottenstein. - Ich werde morgen wieder versuchen, mit ihm sprechen zu können. - Was machts du hinsichtl des Claviers? Ich bin schon mehr dafür, dß du dasselbe in die Kiste geben lassen sollst. Vergiß nicht, die Bücher, welche noch ausgeliehen sind, in Empfang zu nehmen. Auch wegen der noch versprochenen Photographien erinnere bei Gelegenheit die betreffenden Personen. - In betreff der Frage, in welche Schule wir die Kinder hier schiken sollen, habe ich noch nichts beschloßen. ich werde mich aber in diesen Tagen noch erkundigen, da wir doch, wenn wir halbwegs in Ordnung find[en]/ die Kinder sogleich wieder in die Schule schiken sollen, u. wollen/ Hast du mit dem Herr[n] Jerre [?] schon verhandelt? - Lebe wohl u. sei sammt den Kindern, die ich erinnern lasse brav zu sein, herzlich gegrüßt u. geküßt von - deinem treuen Franz/ Kems 29/4 1887
    
Abbildung = Foto der Familie mit den sechs Kindern, um 1888/89; Beschriftung hinten von Traudl Saska:
 
Abbildung = Foto der Familie mit den sechs Kindern, um 1888/89; Beschriftung hinten von Traudl Saska:
 
   
 
   
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
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FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Krems, Kreisgericht, aus Salzburg Karten-Brief 18.8.1887: Liebster Mann! [Briefmarke herausgeschnitten] ...sind Gott sei Dank glücklich und ohne Abentheuer [hier] angelangt. Vor der Hand konnten wir nur ein Zimmer mit 5 Betten bekommen. Hoffentlich wird morgen das 2te Zimmer frei. Wie bist du heim gekommen? Ich bin schon neugierig, zu hören wie es mit der Arbeit in der Wohnung steht? Bist du bei der Heimfahrt doch nicht recht naß geworden? Heute sah ich Vetter Julius und Rudolfine. Tante Lida mit Mann u. Kinder ist hier, ich traf sie auch schon. Die Kinder und ich haben jetzt geschlafen; die Nacht war zwar gut, wir konnten bis Salzburg I.Klasse fahren, aber müde waren wir doch. Du Liebster, wie ich mich freue, wenn du kommst, kann ich dir nicht sagen! Das Wetter ist unfreundlich, gebe Gott, daß es schöner wird. Behüt dich Gott, morgen hoffe ich von dir zu hören. Grüße Maria von uns allen und sei geküßt von deiner Alten.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Krems, Kreisgericht, aus Salzburg Karten-Brief 18.8.1887: Liebster Mann! [Briefmarke herausgeschnitten] ...sind Gott sei Dank glücklich und ohne Abentheuer [hier] angelangt. Vor der Hand konnten wir nur ein Zimmer mit 5 Betten bekommen. Hoffentlich wird morgen das 2te Zimmer frei. Wie bist du heim gekommen? Ich bin schon neugierig, zu hören wie es mit der Arbeit in der Wohnung steht? Bist du bei der Heimfahrt doch nicht recht naß geworden? Heute sah ich Vetter Julius und Rudolfine. Tante Lida mit Mann u. Kinder ist hier, ich traf sie auch schon. Die Kinder und ich haben jetzt geschlafen; die Nacht war zwar gut, wir konnten bis Salzburg I.Klasse fahren, aber müde waren wir doch. Du Liebster, wie ich mich freue, wenn du kommst, kann ich dir nicht sagen! Das Wetter ist unfreundlich, gebe Gott, daß es schöner wird. Behüt dich Gott, morgen hoffe ich von dir zu hören. Grüße Maria von uns allen und sei geküßt von deiner Alten.
    
dito 20.8. [1887]: Lieber Mann! ...bitte dich um Vergebung, daß ich die erste [Karte] so spät schrieb, ich war gar so müde und schlief bis gegen 5 Uhr am Donnerstag. Heute ist wol schon der recommandierte Brief in deiner Hand, Maria wird gleichzeitig auch den Brief ihres Vaters bekommen haben, der schon einige Tage bei Otto lag. Ich schrieb auf dessen Außenseite, ob Maria vielleicht lieber für die Zeit unseres Hierseins nach Hause fahren will. Wenn die Arme recht traurig ist wegen des Todes ihrer Mutter, so soll sie allenfalls nach Hause fahren, das Reisegeld wird ziemlich gleich viel sein, und ich komme mit Anna ganz gut hier aus. Laß es also Maria wählen, wohin sie fahren will. Ob es gehen wird, die Böden der ganzen Wohnung zu streichen weiß ich doch nicht recht. Halte Maria nicht mehr zu lange auf, sonst steht es nicht dafür, daß sie weg fährt, und wenn sie hieher kommt habe ich es recht bequem. Sonst geht es uns gut, heute ist es schön, wir waren heute auf dem Friedhof von St:Sebastian am Grabe meiner guten Großmutter. Die Grabstätte sieht recht hübsch aus. Dann gingen wir in den Curpark, dort war Emma, Lina und Frau Leopoldine Gotter. Emma sieht sehr mager aus, Frau Gotter ist noch immer sehr hübsch, ihre jüngster Tochter sieht ihr ganz gleich, ihr Sohn hat schon die Matura gemacht und geht gänzlich zum Militair. Möglicher Weise fahren wir heute nach Hellbrunn oder gehen schwimmen. Für morgen ist großer Kinderausflug Schumacher Gantenberg Spängler in Kreuzbrückl. Gearbeitet habe ich noch nicht viel. Wie freue ich mich auf dein Kommen! Bis dahin sei 10 000 mal gegrüßt von den Kindern und deiner Alten.
 
dito 20.8. [1887]: Lieber Mann! ...bitte dich um Vergebung, daß ich die erste [Karte] so spät schrieb, ich war gar so müde und schlief bis gegen 5 Uhr am Donnerstag. Heute ist wol schon der recommandierte Brief in deiner Hand, Maria wird gleichzeitig auch den Brief ihres Vaters bekommen haben, der schon einige Tage bei Otto lag. Ich schrieb auf dessen Außenseite, ob Maria vielleicht lieber für die Zeit unseres Hierseins nach Hause fahren will. Wenn die Arme recht traurig ist wegen des Todes ihrer Mutter, so soll sie allenfalls nach Hause fahren, das Reisegeld wird ziemlich gleich viel sein, und ich komme mit Anna ganz gut hier aus. Laß es also Maria wählen, wohin sie fahren will. Ob es gehen wird, die Böden der ganzen Wohnung zu streichen weiß ich doch nicht recht. Halte Maria nicht mehr zu lange auf, sonst steht es nicht dafür, daß sie weg fährt, und wenn sie hieher kommt habe ich es recht bequem. Sonst geht es uns gut, heute ist es schön, wir waren heute auf dem Friedhof von St:Sebastian am Grabe meiner guten Großmutter. Die Grabstätte sieht recht hübsch aus. Dann gingen wir in den Curpark, dort war Emma, Lina und Frau Leopoldine Gotter. Emma sieht sehr mager aus, Frau Gotter ist noch immer sehr hübsch, ihre jüngster Tochter sieht ihr ganz gleich, ihr Sohn hat schon die Matura gemacht und geht gänzlich zum Militair. Möglicher Weise fahren wir heute nach Hellbrunn oder gehen schwimmen. Für morgen ist großer Kinderausflug Schumacher Gantenberg Spängler in Kreuzbrückl. Gearbeitet habe ich noch nicht viel. Wie freue ich mich auf dein Kommen! Bis dahin sei 10 000 mal gegrüßt von den Kindern und deiner Alten.
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==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Correspondenz-Karte, Marke herausgeschnitten, an Franz Spängler, Krems, aus Salzburg 22.8. [1887] ...hatte ich mehr Nachrichten gehofft. ...[u]msonst. Hier ist große Überschwem[mung. D]ie Salzach ist ganz ausgetreten, bei der Hölle steht das Sudwerk [Brauerei], weil alles voll Wasser ist. Bei Taxenbach soll ein Wolkenbruch nieder gegangen sein. Der Bahnverkehr über Hallein ist unterbrochen, weil bei Glasenbach eine Brücke weggerissen wurde. Nonnthal sitzt im Wasser, die Localbahn verkehrt nicht. Soll ich dir Mittwoch Nachts einen Wagen zur Bahn schicken? Die Kellnerin sagt wol, daß ohnehin Wagen beim Eilzug seien. Uns geht es sonst gut nur Regen ohne Ende. Grüße Maria. Deine Alte.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Correspondenz-Karte, Marke herausgeschnitten, an Franz Spängler, Krems, aus Salzburg 22.8. [1887] ...hatte ich mehr Nachrichten gehofft. ...[u]msonst. Hier ist große Überschwem[mung. D]ie Salzach ist ganz ausgetreten, bei der Hölle steht das Sudwerk [Brauerei], weil alles voll Wasser ist. Bei Taxenbach soll ein Wolkenbruch nieder gegangen sein. Der Bahnverkehr über Hallein ist unterbrochen, weil bei Glasenbach eine Brücke weggerissen wurde. Nonnthal sitzt im Wasser, die Localbahn verkehrt nicht. Soll ich dir Mittwoch Nachts einen Wagen zur Bahn schicken? Die Kellnerin sagt wol, daß ohnehin Wagen beim Eilzug seien. Uns geht es sonst gut nur Regen ohne Ende. Grüße Maria. Deine Alte.
    
dito 23.8. [1887]: ...ter Mann! ...[wa]ren heute den ganzen Tag mit ...Schwester in Maria Plein, komme daher erst jezt 8 Uhr Abends zum Schreiben. Mir ist Leid, daß noch keine Ordnung zu hoffen ist. Die erste Nacht müßen wir halt allenfalls auf dem Boden schlafen. So Gott will übermorgen auf Wiedersehen bis dahin 1000 Grüße deine Alte.
 
dito 23.8. [1887]: ...ter Mann! ...[wa]ren heute den ganzen Tag mit ...Schwester in Maria Plein, komme daher erst jezt 8 Uhr Abends zum Schreiben. Mir ist Leid, daß noch keine Ordnung zu hoffen ist. Die erste Nacht müßen wir halt allenfalls auf dem Boden schlafen. So Gott will übermorgen auf Wiedersehen bis dahin 1000 Grüße deine Alte.
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: 20.8.1887, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten] aus Krems an Fanni in Salzburg, Gasthof zum Höllbräuer: Franz schreibt aus der Kanzlei, im Besuchszimmer [zu Hause] sind Arbeiten begonnen, die Küche ist fertig, Kammerl und Vorzimmer ebenso, Hofzimmer in Ordnung, ebenso im Abort die „Spänglerarbeiten“ [!]. Marias [wohl Dienstmädchen] Mutter in Salzburg gestorben, will aber nicht nach Hause fahren. - - 22.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - dito ohne Datum, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - 23.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: Franz reist morgen ab, Arbeiten langsam, der Mal hat das Zimmer „mehr chokolatfarb als XXgrün gemacht“; Eßzimmer, das Zimmer der Kinder und das Cabinet gestrichen; keinen Wagen zum Eilzug schicken, da er nicht bestimmt weiß, wann er ankommt, Eilzug oder Postzug, wird einen Hotelwagen draußen finden [der Bahnhof liegt etwas außerhalb der Innenstadt], dein treuer Franz
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Franz Spängler an Fanni Spängler: 20.8.1887, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten] aus Krems an Fanni in Salzburg, Gasthof zum Höllbräuer: Franz schreibt aus der Kanzlei, im Besuchszimmer [zu Hause] sind Arbeiten begonnen, die Küche ist fertig, Kammerl und Vorzimmer ebenso, Hofzimmer in Ordnung, ebenso im Abort die „Spänglerarbeiten“ [!]. Marias [wohl Dienstmädchen] Mutter in Salzburg gestorben, will aber nicht nach Hause fahren. - - 22.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - dito ohne Datum, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - 23.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: Franz reist morgen ab, Arbeiten langsam, der Mal hat das Zimmer „mehr chokolatfarb als XXgrün gemacht“; Eßzimmer, das Zimmer der Kinder und das Cabinet gestrichen; keinen Wagen zum Eilzug schicken, da er nicht bestimmt weiß, wann er ankommt, Eilzug oder Postzug, wird einen Hotelwagen draußen finden [der Bahnhof liegt etwas außerhalb der Innenstadt], dein treuer Franz
    
==== Verschiedene Korrespondenz ====
 
==== Verschiedene Korrespondenz ====
 
Briefe und Postkarten von/ an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1887, Mutter (und Vater) Spängler schreiben aus Gloggnitz an „Fräulein Franziska Spängler, Krems, Alleestraße Nr.7“ (Postkarte)
 
Briefe und Postkarten von/ an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1887, Mutter (und Vater) Spängler schreiben aus Gloggnitz an „Fräulein Franziska Spängler, Krems, Alleestraße Nr.7“ (Postkarte)
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Kartenbrief, Marke herausgeschnitten, an FRANZ SPÄNGLER, Krems, aus Pottenstein 31.12.1887: Sehr verehrter Herr Doktor! Besten Dank für Ihre u. Ihrer Frau Gemahlin freundliche Erinnerung. - ...Glückwünsche zum Jahreswechsel... Halsleiden, Spezialist in Wien, Arzt in Krems empfohlen, Namen vergessen... Photografien folgen demnächst... Wünsche, ihr ergener XXX [unleserlich, kein Absender]
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Kartenbrief, Marke herausgeschnitten, an Franz Spängler, Krems, aus Pottenstein 31.12.1887: Sehr verehrter Herr Doktor! Besten Dank für Ihre u. Ihrer Frau Gemahlin freundliche Erinnerung. - ...Glückwünsche zum Jahreswechsel... Halsleiden, Spezialist in Wien, Arzt in Krems empfohlen, Namen vergessen... Photografien folgen demnächst... Wünsche, ihr ergener XXX [unleserlich, kein Absender]
    
=== 1888 ===
 
=== 1888 ===
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==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====
 
==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====
OTTO SPÄNGLER [Bruder] an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, Juli 1890?] Liebe Franz! Hoffentlich hast du meine Karte, welche ich dir vor einiger Zeit, bevor ich auf einige Tage verreiste, schrieb/ erhalten. Endlich komme ich dazu, nach langem Interwall die Korrespondenz wieder aufzunehmen u muß mich vor allem anfragen, was es denn mit Eurem Hierherkommen eigentlich ist? - Wir gehen übermorgen oder längstens Samstag nach St Gilgen, wo uns unsere 4 kleinen Kinder mit Marie schon seit 12 Tagen sind. Dort beabsichtigen wir ca 8 Tage zu bleiben u fahren dann wieder nach Salzburg zurück. Späterhin wollen wir noch einmal nach Aschthal [?] gehen u von dort aus unsere Ausflüge machen: Adalholzen, Reißeralm, Höglwört [?] etc. - Sei so gut, mir deine Urlaubs u. Ferienpläne, wenn du in den ersten Tagen August mir noch antwortest, nach St Gilgen auf die Post zu senden; u. späterhin wieder nach Salzburg. - Otto geht in der 2.Hälfte August nach Kitzbühel zu Herrn Pfarrer Lechner. - Aus den Zeitungen entnahm ich Euer großes Sängerfest; du wirst durch die Vorbereitungen u das Fest hattest [?] jedenfalls sehr viel in Anspruch genommen gewesen sein. Die Coupons werden wir bei deinem hiersein ordnen; denn kommen wirst du doch jedenfalls. - Mit herzlichen Grüßen an all’ die deinen von all’ den meinen dein treuer Otto. - Mittwoch früh. - „großes Sängerfest“: Sängerbundesfest in Wien 1890 (?).
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Otto Spängler [Bruder] an Franz Spängler: [Salzburg, Juli 1890?] Liebe Franz! Hoffentlich hast du meine Karte, welche ich dir vor einiger Zeit, bevor ich auf einige Tage verreiste, schrieb/ erhalten. Endlich komme ich dazu, nach langem Interwall die Korrespondenz wieder aufzunehmen u muß mich vor allem anfragen, was es denn mit Eurem Hierherkommen eigentlich ist? - Wir gehen übermorgen oder längstens Samstag nach St Gilgen, wo uns unsere 4 kleinen Kinder mit Marie schon seit 12 Tagen sind. Dort beabsichtigen wir ca 8 Tage zu bleiben u fahren dann wieder nach Salzburg zurück. Späterhin wollen wir noch einmal nach Aschthal [?] gehen u von dort aus unsere Ausflüge machen: Adalholzen, Reißeralm, Höglwört [?] etc. - Sei so gut, mir deine Urlaubs u. Ferienpläne, wenn du in den ersten Tagen August mir noch antwortest, nach St Gilgen auf die Post zu senden; u. späterhin wieder nach Salzburg. - Otto geht in der 2.Hälfte August nach Kitzbühel zu Herrn Pfarrer Lechner. - Aus den Zeitungen entnahm ich Euer großes Sängerfest; du wirst durch die Vorbereitungen u das Fest hattest [?] jedenfalls sehr viel in Anspruch genommen gewesen sein. Die Coupons werden wir bei deinem hiersein ordnen; denn kommen wirst du doch jedenfalls. - Mit herzlichen Grüßen an all’ die deinen von all’ den meinen dein treuer Otto. - Mittwoch früh. - „großes Sängerfest“: Sängerbundesfest in Wien 1890 (?).
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): [Stempel:] Salzburg, 30.8.[18]90 - Krems 31.8.90: An Frau Fanni Spängler LGR [Landesgerichtsrats] Gattin in Krems Alleegasse 7 - Liebe Fanni/ Salzburg 30/8/1890/ Wir sind gestern Ab[en]ds wohlbehalten angekommen, u. wurden von Otto u Louise, u. Tochter Bertha in freundlichster Weise am Bahnhofe erwartet. Heute waren wir schon am Grabe der Eltern, dann mit dem elektr. Aufzuge auf d Mönchsberge, jetzt sind wir bei den Tanten, die Euch alle, wie auch wir, herzlichst grüßen/ das Wetter ist kalt u. regnerisch. Wir sind wohl. Behalte lieb deinen Franz - Herzlichen Gruß u. Kuß Franz - Karte von Franz Spängler [Nr.18] an seine Frau Fanni. - Zu Besuch bei Otto Spängler, Frau Aloisia (Louise) und Tochter Bertha, geb. 1877; die Eltern sind 1854 und 1882 gestorben, begraben auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg [Grabplatten heute in der Mauer neben dem Eingang zu den Katakomben]. - „Tanten“ könten sein: die Geschwister Franziska (1821-1906; „Franzi“), Elisabeth (1829-1905) und Anna (geb. 1843), alle unverh. und Töchter von Josef Spängler (1786-1861), dem ältesten Bruder des Vaters Spängler. - Siehe auch folgenden, gleichzeitigen Gegenbrief.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): [Stempel:] Salzburg, 30.8.[18]90 - Krems 31.8.90: An Frau Fanni Spängler LGR [Landesgerichtsrats] Gattin in Krems Alleegasse 7 - Liebe Fanni/ Salzburg 30/8/1890/ Wir sind gestern Ab[en]ds wohlbehalten angekommen, u. wurden von Otto u Louise, u. Tochter Bertha in freundlichster Weise am Bahnhofe erwartet. Heute waren wir schon am Grabe der Eltern, dann mit dem elektr. Aufzuge auf d Mönchsberge, jetzt sind wir bei den Tanten, die Euch alle, wie auch wir, herzlichst grüßen/ das Wetter ist kalt u. regnerisch. Wir sind wohl. Behalte lieb deinen Franz - Herzlichen Gruß u. Kuß Franz - Karte von Franz Spängler [Nr.18] an seine Frau Fanni. - Zu Besuch bei Otto Spängler, Frau Aloisia (Louise) und Tochter Bertha, geb. 1877; die Eltern sind 1854 und 1882 gestorben, begraben auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg [Grabplatten heute in der Mauer neben dem Eingang zu den Katakomben]. - „Tanten“ könten sein: die Geschwister Franziska (1821-1906; „Franzi“), Elisabeth (1829-1905) und Anna (geb. 1843), alle unverh. und Töchter von Josef Spängler (1786-1861), dem ältesten Bruder des Vaters Spängler. - Siehe auch folgenden, gleichzeitigen Gegenbrief.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
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FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Krems, 30/8 1890/ Liebster Mann! Indem ich dir das verlangte Buch sammt dem Touristenzeichen sende, benachrichtige ich dich, daß wir gestern wohlbehalten hier ankamen/ Ich danke dir für die genußreichen Tage, welche wir im lieben Triestingthale zubrachten, ich werde stets mich gern ihrer erinnern. Ich habe mich so gefreut, wieder einmal mehr mit dir sein zu können. - Wir sind Alle sehr zufrieden, daß wir wieder daheim sind. Es ist mir lieb, daß ich sehr beschäftigt bin, sonst käme es mir gar zu öde vor, da du nicht hier bist. Auch Franzi fehlt mir. Übrigens haben wir heute schon gekocht, wol sehr einfach, aber zu allseitiger Zufriedenheit. - Von dir und Franzi hoffe ich, daß Ihr vergnügt und wol in Salzburg seid. Eben erhielt ich von meiner Schwester Anna einen Brief, in welchem sie mir anzeigt, daß sie unsere Einladung nach Krems annimmt. - Heute waren wir Otto ausgenommen in der 8 Uhr Messe, dan gieng ich mit den Mädchen einschreiben in die Schule. Was macht dein Fuß, ich sorge mich, daß er schlechter wird. Bitte gehe nicht auf’s Hochkar! - Hier war das Wetter viel schlechter als im Triestingthale, die Donau ist so hoch, daß Wasser in den Auen steht. Dabei ist es so kalt daß ans Baden nicht zu denken ist und die Kinder morgen die Filzhüte ohne Bedenken aufsetzen können. Meine Zeit erlaubt mir nicht, länger zu schreiben. Frau Aigner ist hier und ich muß die Sendung fortschicken. - Guße [Küsse/Grüße] Franzi von mir, sobald ich Zeit habe schreibe ich ihr. Unterhaltet Euch recht gut grüßt Alle und seid gekßt von Eurer Mutter Fanni. - Hansi liegt im Bette, sie scheint sich etwas verkühlt zu haben/ Kein Fieber! - Es scheiner [? scheint] Aphten [?] zu kommen. Wohin soll ich schreiben? Wieder nach Innsbruck? - „Triestingthale“: Pottenstein an der Triesting, Wohnort 1880-1887. „Franzi“ (13 Jahre) ist noch beim Vater; „Hansi“ [Johanna] ist 8 Jahre alt, „Otto“ vier Jahre.
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Fanni Spängler an Franz Spängler: Krems, 30/8 1890/ Liebster Mann! Indem ich dir das verlangte Buch sammt dem Touristenzeichen sende, benachrichtige ich dich, daß wir gestern wohlbehalten hier ankamen/ Ich danke dir für die genußreichen Tage, welche wir im lieben Triestingthale zubrachten, ich werde stets mich gern ihrer erinnern. Ich habe mich so gefreut, wieder einmal mehr mit dir sein zu können. - Wir sind Alle sehr zufrieden, daß wir wieder daheim sind. Es ist mir lieb, daß ich sehr beschäftigt bin, sonst käme es mir gar zu öde vor, da du nicht hier bist. Auch Franzi fehlt mir. Übrigens haben wir heute schon gekocht, wol sehr einfach, aber zu allseitiger Zufriedenheit. - Von dir und Franzi hoffe ich, daß Ihr vergnügt und wol in Salzburg seid. Eben erhielt ich von meiner Schwester Anna einen Brief, in welchem sie mir anzeigt, daß sie unsere Einladung nach Krems annimmt. - Heute waren wir Otto ausgenommen in der 8 Uhr Messe, dan gieng ich mit den Mädchen einschreiben in die Schule. Was macht dein Fuß, ich sorge mich, daß er schlechter wird. Bitte gehe nicht auf’s Hochkar! - Hier war das Wetter viel schlechter als im Triestingthale, die Donau ist so hoch, daß Wasser in den Auen steht. Dabei ist es so kalt daß ans Baden nicht zu denken ist und die Kinder morgen die Filzhüte ohne Bedenken aufsetzen können. Meine Zeit erlaubt mir nicht, länger zu schreiben. Frau Aigner ist hier und ich muß die Sendung fortschicken. - Guße [Küsse/Grüße] Franzi von mir, sobald ich Zeit habe schreibe ich ihr. Unterhaltet Euch recht gut grüßt Alle und seid gekßt von Eurer Mutter Fanni. - Hansi liegt im Bette, sie scheint sich etwas verkühlt zu haben/ Kein Fieber! - Es scheiner [? scheint] Aphten [?] zu kommen. Wohin soll ich schreiben? Wieder nach Innsbruck? - „Triestingthale“: Pottenstein an der Triesting, Wohnort 1880-1887. „Franzi“ (13 Jahre) ist noch beim Vater; „Hansi“ [Johanna] ist 8 Jahre alt, „Otto“ vier Jahre.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
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FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Krems, 1.9.1890/ Liebster Mann! liebes Dirndl! Ich mache hiermit den Versuch, Euch einen herzlichen Gruß zu senden, Pater Liely hat mir die Adresse gegeben. Für die verschiedenen Karten besten dank, bin glücklich ein Lebenszeichen zu erhalten. Vor allem wünsche ich, daß Ihr günstiges Wetter für Mittwoch habt, hier ist es abscheulich kalt. Aigners u. wir waren gestern bei Stoadinger [?] in Rehberg. Aigner’s grüßen Euch. Den Gehalt hat Aigner beheben [?], der [?] Wirtschaft geht recht gut, die Kinder senden 10000 Küsse, sie sind ganz leidlich brav Gerne wüßte ich, was der Fuß macht. Geh doch nicht aufs Hochkaar, darum bist nicht denn Alte [?] - [Kartenbrief:] An Herrn Doctor Franz Spängler kk. Landesgerichtsrat derzeit/ Oberammergau in Baiern/ bei Herrn Franz Hantle [?] N. 47/ Adresat abgereißt wohin unbekannt [Unterschrift: Hippler]/ Stempel: Krems 1.9.90/ Oberammergau 3. Sep 90/ Krems 6.9.90.
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Fanni Spängler an Franz Spängler: Krems, 1.9.1890/ Liebster Mann! liebes Dirndl! Ich mache hiermit den Versuch, Euch einen herzlichen Gruß zu senden, Pater Liely hat mir die Adresse gegeben. Für die verschiedenen Karten besten dank, bin glücklich ein Lebenszeichen zu erhalten. Vor allem wünsche ich, daß Ihr günstiges Wetter für Mittwoch habt, hier ist es abscheulich kalt. Aigners u. wir waren gestern bei Stoadinger [?] in Rehberg. Aigner’s grüßen Euch. Den Gehalt hat Aigner beheben [?], der [?] Wirtschaft geht recht gut, die Kinder senden 10000 Küsse, sie sind ganz leidlich brav Gerne wüßte ich, was der Fuß macht. Geh doch nicht aufs Hochkaar, darum bist nicht denn Alte [?] - [Kartenbrief:] An Herrn Doctor Franz Spängler kk. Landesgerichtsrat derzeit/ Oberammergau in Baiern/ bei Herrn Franz Hantle [?] N. 47/ Adresat abgereißt wohin unbekannt [Unterschrift: Hippler]/ Stempel: Krems 1.9.90/ Oberammergau 3. Sep 90/ Krems 6.9.90.
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von und an FANNI SPÄNGLER: 1.9.1890, Postkarte an Franzi in Krems aus Innsbruck: „Liebe Mutter! Wir befinden uns sehr wohl“, wohnen bei Cousine Louise und Robert... „Nächster Brief: München poste restante. Franzi und Vater“
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von und an Fanni Spängler: 1.9.1890, Postkarte an Franzi in Krems aus Innsbruck: „Liebe Mutter! Wir befinden uns sehr wohl“, wohnen bei Cousine Louise und Robert... „Nächster Brief: München poste restante. Franzi und Vater“
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
 
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FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Seefeld 2/9 1890/ Liebe Mutter. Im eingeheizten Zimmer des Gasthauses v. Seefeld, umgeben von schneebedeckten [!] Feldern u. Wäldern sitzen wir bei einer Schale Suppe um uns zu erwärmen u. grüßen Euch alle. Seit wir Tiroler Boden betreten haben wir fast ununterbrochen Regen. Gestern Nachm waren wir in Hall bei Tante Therese, die dich herzlich grüßt/ dein treuer Franz - - Correspondenz-Karte an: Frau Franziska Spängler/ Landesgerichtsrathsgattin/ in Krems a.d. Donau/ N. Österr. Gestempelt Seefeld 3.9. und Krems 4.9. - Die Lürzer von Zehendthal (so geboren die Mutter des Briefschreibers; in Salzburg, gest. 1882) kommen aus Hall in Tirol.
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Franz Spängler an Fanni Spängler: Seefeld 2/9 1890/ Liebe Mutter. Im eingeheizten Zimmer des Gasthauses v. Seefeld, umgeben von schneebedeckten [!] Feldern u. Wäldern sitzen wir bei einer Schale Suppe um uns zu erwärmen u. grüßen Euch alle. Seit wir Tiroler Boden betreten haben wir fast ununterbrochen Regen. Gestern Nachm waren wir in Hall bei Tante Therese, die dich herzlich grüßt/ dein treuer Franz - - Correspondenz-Karte an: Frau Franziska Spängler/ Landesgerichtsrathsgattin/ in Krems a.d. Donau/ N. Österr. Gestempelt Seefeld 3.9. und Krems 4.9. - Die Lürzer von Zehendthal (so geboren die Mutter des Briefschreibers; in Salzburg, gest. 1882) kommen aus Hall in Tirol.
    
==== Franz Spängler und Kinder an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler und Kinder an Fanni Spängler ====
FRANZ SPÄNGLER und Kinder an FANNI SPÄNGLER: 3.9.1890, Postkarte aus Oberammergau [Bleistift]: „Liebe Mutter! Wir sind gestern abends in Oberammergau eingetroffen ... Franzi“ Quer darüber „der Vater grüßt Euch Alle“ - 4.9.1890, Postkarte aus München [Bleistift]: „Liebe Fanni Wir sind statt gestern Abend erst heute Nachm. hier angekommen...“ Eisenbahn bei Murnau unterbrochen, 100 Reisende mußten in Murnau über Nacht bleiben, Nachtquartier in einem Bauernhaus... „Dein treuer Franz“
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Franz Spängler und Kinder an Fanni Spängler: 3.9.1890, Postkarte aus Oberammergau [Bleistift]: „Liebe Mutter! Wir sind gestern abends in Oberammergau eingetroffen ... Franzi“ Quer darüber „der Vater grüßt Euch Alle“ - 4.9.1890, Postkarte aus München [Bleistift]: „Liebe Fanni Wir sind statt gestern Abend erst heute Nachm. hier angekommen...“ Eisenbahn bei Murnau unterbrochen, 100 Reisende mußten in Murnau über Nacht bleiben, Nachtquartier in einem Bauernhaus... „Dein treuer Franz“
    
==== An Franziska Spängler ====
 
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== 1896 ==
 
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==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====  
 
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FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 2.8., farbig illustrierte Karte „5.Deutsches Sängerfest, Stuttgart 1.-3.August 1896, an Franziska Spängler, Krems „vom 1.Festconcerte...“, Franz mit Gesangverein und u.a. Holzapfel [Rupert H.; späterer Schwiegersohn] - 2.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: hoffe auf Nachricht, Weiterfahrpläne nach Heidelberg, Darmstaft, Frankfurt, Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel, „das Fest ist mit dem heutigen Concerte zu Ende... ich schreibe diese Zeilen, während die anderen ‚Huheissa mein Dirndl’ singen. Wir gedenken bei Champagner unseren Lieben... kolossale Überfüllung in einem Nebenraum einer Weinwirtschaft“, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., Ansichtskarte Heidelberg: im überfüllten Wagen, aber in bester Stimmung, zufällig Studentenfest, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Heidelberg“: Dank für Karte, „Heidelberg wunderschön, die Lage erinnert an Salzburg“, Franz und u.a. Holzapfel - 5.8., ill. Karte „Gruß aus Frankfurt a/M“, Franz und u.a. Holzapfel - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß vom National-Denkmal“ (Rüdesheim): „in gehobener Stimmung“, Franz und u.a. Holzapfel / [nachträglich: 5.8. Rechnung des „Hotel Landsberg“ in Frankfurt/M für „6 Logement und 6 Café compl“ mit Bleistiftnotizen von Fr.Spängler zu den Einzelsummen für die Teilnehmer: Holzapfel usw.; liegt bei Nr.18 im Fam.archiv] - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Coblenz“: Dank für Kartenbrief, „wir sind Gottlob sehr wohl“, Franz. und u.a. Holzapfel] - 7.8., ill. Karte „Gruß aus Köln“: „die großartigste Schöpfung deutscher Baukunst bewundert“, Franz und u.a. Holzapfel - 8.8., ill. Karte „Gruß aus Mainz“: Franz und u.a. Holzapfel - 9.8., ill. Karte „Gruß aus Worms“: auf dem Weg nach Speyer und Straßburg, Franz und u.a. Holzapfel - 18.8., farbig ill. Karte „Gruss aus Baden-Baden“, Franz und u.a. Holzapfel - 10.8.1896, ill. Karte „Gruß aus Straßburg“ an Franziska Spängler, [Wels]: Franz u.a.
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Franz Spängler an Fanni Spängler (Nr.19): 2.8., farbig illustrierte Karte „5.Deutsches Sängerfest, Stuttgart 1.-3.August 1896, an Franziska Spängler, Krems „vom 1.Festconcerte...“, Franz mit Gesangverein und u.a. Holzapfel [Rupert H.; späterer Schwiegersohn] - 2.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: hoffe auf Nachricht, Weiterfahrpläne nach Heidelberg, Darmstaft, Frankfurt, Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel, „das Fest ist mit dem heutigen Concerte zu Ende... ich schreibe diese Zeilen, während die anderen ‚Huheissa mein Dirndl’ singen. Wir gedenken bei Champagner unseren Lieben... kolossale Überfüllung in einem Nebenraum einer Weinwirtschaft“, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., Ansichtskarte Heidelberg: im überfüllten Wagen, aber in bester Stimmung, zufällig Studentenfest, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Heidelberg“: Dank für Karte, „Heidelberg wunderschön, die Lage erinnert an Salzburg“, Franz und u.a. Holzapfel - 5.8., ill. Karte „Gruß aus Frankfurt a/M“, Franz und u.a. Holzapfel - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß vom National-Denkmal“ (Rüdesheim): „in gehobener Stimmung“, Franz und u.a. Holzapfel / [nachträglich: 5.8. Rechnung des „Hotel Landsberg“ in Frankfurt/M für „6 Logement und 6 Café compl“ mit Bleistiftnotizen von Fr.Spängler zu den Einzelsummen für die Teilnehmer: Holzapfel usw.; liegt bei Nr.18 im Fam.archiv] - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Coblenz“: Dank für Kartenbrief, „wir sind Gottlob sehr wohl“, Franz. und u.a. Holzapfel] - 7.8., ill. Karte „Gruß aus Köln“: „die großartigste Schöpfung deutscher Baukunst bewundert“, Franz und u.a. Holzapfel - 8.8., ill. Karte „Gruß aus Mainz“: Franz und u.a. Holzapfel - 9.8., ill. Karte „Gruß aus Worms“: auf dem Weg nach Speyer und Straßburg, Franz und u.a. Holzapfel - 18.8., farbig ill. Karte „Gruss aus Baden-Baden“, Franz und u.a. Holzapfel - 10.8.1896, ill. Karte „Gruß aus Straßburg“ an Franziska Spängler, [Wels]: Franz u.a.
    
==== Diverse Korrespondenz ====
 
==== Diverse Korrespondenz ====
Correspondenz-Karte 31.7.1896 in St.Pölten, Bahnhof, abgestempelt, von FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an seine Frau: Liebe Fanni! [jetzt schreibt er „Fanni“, früher eher „Fanny“] Nach einem prächtigen Bade in der hiesigen Schwimmschule sitzen wir beim Mittagessen in der Ernst’schen Wirtstube. Herzliche Grüße an dich und die Kinder u. alle Bekannten dein Franz. [und:] Holzapfel, Kaufmann, I.Prey, Karl Rappl, Heindl, Jünger, Winterperger [Kremser Gesangverein]
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Correspondenz-Karte 31.7.1896 in St.Pölten, Bahnhof, abgestempelt, von Franz Spängler (Nr.18) an seine Frau: Liebe Fanni! [jetzt schreibt er „Fanni“, früher eher „Fanny“] Nach einem prächtigen Bade in der hiesigen Schwimmschule sitzen wir beim Mittagessen in der Ernst’schen Wirtstube. Herzliche Grüße an dich und die Kinder u. alle Bekannten dein Franz. [und:] Holzapfel, Kaufmann, I.Prey, Karl Rappl, Heindl, Jünger, Winterperger [Kremser Gesangverein]
    
dito 1.8. [1896] aus Ried [gestempelt im Zug Simbach-Wels] an Franz Spängler... Oberer des Kremser Gesangvereines, Sängerfest Stuttgart, Sängerfestplatz: Lieber Freund! ...Heil Krems. Dr.Spängler... die entrüsteten Wetterhexen Elsa, Annerl, alte Anna. [unbekannt]
 
dito 1.8. [1896] aus Ried [gestempelt im Zug Simbach-Wels] an Franz Spängler... Oberer des Kremser Gesangvereines, Sängerfest Stuttgart, Sängerfestplatz: Lieber Freund! ...Heil Krems. Dr.Spängler... die entrüsteten Wetterhexen Elsa, Annerl, alte Anna. [unbekannt]
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==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
Karten-Brief 7.8. [1896] aus Krems, FANNY SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER, Straßburg postlagernd: Liebster Mann! Ich bin sehr glücklich, daß du mir täglich Nachricht sendest und xxxbei auch noch so hübsche Ansichtskarten. Ebenso bin ich erfreut, daß deine getreuen Begleiter stets an uns sich erinnern und ich bitte dich, ihnen unsere besten Grüße zu sagen. Hoffentlich habt Ihr heute besseres Wetter als wir, hier ist ein Schnürlregen, der sich getrost in Salzburg könnte sehen lassen. Heute brachte mir die Post nebst deiner 2.Karte aus Heidelberg eine Karte von Emma Wessely, die auf meine Anfrage, ob wir sie 12.8. in Wels treffen würden, freudiges Ja brachte. Wir gedenken also, falls du mir keine andere Weisung sendest, Dienstag den 11.8. mit dem Frühzuge abzufahren, und in Wels bis zum letzten Zuge, der nach Salzburg geht, zu bleiben. An Frau Schrems schreibe ich recht zeitig, soll ich auch für deine Herren Wohnung in der Hölle bestellen? Und werden wir uns in Wels oder erst in Salzburg treffen? Das Packet habe ich durch Herrn Zorn empfangen. Die Kinder grüßen dich, es geht alles in der gewohnten Ordnung /: Auch das Streiten:/ Auf baldiges Wiedersehen freut sich deine Alte. Heute bekam ich auch einen Brief v. Prof. Walter, er hat deine Karte erhalten. Franzl schickt tausend Busserln.
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Karten-Brief 7.8. [1896] aus Krems, FANNY SPÄNGLER an Franz Spängler, Straßburg postlagernd: Liebster Mann! Ich bin sehr glücklich, daß du mir täglich Nachricht sendest und xxxbei auch noch so hübsche Ansichtskarten. Ebenso bin ich erfreut, daß deine getreuen Begleiter stets an uns sich erinnern und ich bitte dich, ihnen unsere besten Grüße zu sagen. Hoffentlich habt Ihr heute besseres Wetter als wir, hier ist ein Schnürlregen, der sich getrost in Salzburg könnte sehen lassen. Heute brachte mir die Post nebst deiner 2.Karte aus Heidelberg eine Karte von Emma Wessely, die auf meine Anfrage, ob wir sie 12.8. in Wels treffen würden, freudiges Ja brachte. Wir gedenken also, falls du mir keine andere Weisung sendest, Dienstag den 11.8. mit dem Frühzuge abzufahren, und in Wels bis zum letzten Zuge, der nach Salzburg geht, zu bleiben. An Frau Schrems schreibe ich recht zeitig, soll ich auch für deine Herren Wohnung in der Hölle bestellen? Und werden wir uns in Wels oder erst in Salzburg treffen? Das Packet habe ich durch Herrn Zorn empfangen. Die Kinder grüßen dich, es geht alles in der gewohnten Ordnung /: Auch das Streiten:/ Auf baldiges Wiedersehen freut sich deine Alte. Heute bekam ich auch einen Brief v. Prof. Walter, er hat deine Karte erhalten. Franzl schickt tausend Busserln.
    
==== Aus Krems an Franz Spängler ====
 
==== Aus Krems an Franz Spängler ====
dito 16.8. [1896] aus Krems [bzw. 15.8. Freischling am Manhartsberge] an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu: Verehrter Herr Vorstand! Wir sind schon wieder auf einer Sängerfahrt, einer Fahnenweihe. Soeben von dem obligaten Festzuge, diesmal um die verschiedenen Düngerhaufen des Festortes herum, zurückgekehrt, sitzen wir bei „guter Musik“ u. ebensolchem Gesange in einem für das Fest adaptierten Holzschupfen, u. die Stuttgarter gedenken, still vergleichend, der schönen Stuttgarter Tage, u. die nicht mit dort waren, ärgern sich heute darüber. Mit treuem deutschen Sängergruß und besten Dank für die Erinnerungszeichen Dein Freund XXX, Riedl, Koller, Vögl, Woraczek, Holzapfel, Winterperger, Kaufmann
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dito 16.8. [1896] aus Krems [bzw. 15.8. Freischling am Manhartsberge] an Franz Spängler, Salzburg, Höllbräu: Verehrter Herr Vorstand! Wir sind schon wieder auf einer Sängerfahrt, einer Fahnenweihe. Soeben von dem obligaten Festzuge, diesmal um die verschiedenen Düngerhaufen des Festortes herum, zurückgekehrt, sitzen wir bei „guter Musik“ u. ebensolchem Gesange in einem für das Fest adaptierten Holzschupfen, u. die Stuttgarter gedenken, still vergleichend, der schönen Stuttgarter Tage, u. die nicht mit dort waren, ärgern sich heute darüber. Mit treuem deutschen Sängergruß und besten Dank für die Erinnerungszeichen Dein Freund XXX, Riedl, Koller, Vögl, Woraczek, Holzapfel, Winterperger, Kaufmann
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====  
Brief aus Salzburg, 19.8. [1896], FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER nach Krems [Umschlag ohne Marke, Stempel Krems 20.8.]: Liebster Mann! Zugleich mit deiner Karte, welche ich mit großer Freude empfing und für welche ich dir herzlichst danke, kam beifolgende Karte an Marie in meine Hände, welche die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter enthält. Ich bitte dich, sage der armen Marie mit einiger Schonung und Vorsicht die traurige Nachricht, sonst erschrikt sie so, daß sie krank wird. Zugleich bitte ich dich, sorge ein wenig, daß sie doch etwas ißt und daß sie sich beim Putzen ordentlich helfen läßt. Ich glaiube, es wäre gut, wenn Marie so bald als möglich hieher kommt. Mir erbarmt Maria wirklich, weil sie ihre Mutter so lieb hatte. - Von uns kann ich dir sagen, daß wir gestern schon das zweite große Zimmer bekommen und nun recht gut untergebracht sind. Wäre das Wetter besser, so ginge es uns ganz gut. Gestern wollte ich Otto u. Luise [Louise Spängler] aufsuchen, doch waren sie in Achthal, dann ging ich zu Tante Pepi. Es war mir eigen, wieder die Wohnung deiner guten unvergeßlichen Mutter zu betreten, um so mehr, als die Eintheilung fast ganz gleich ist, wie unsere gute Mutter sie hatte. Tante Pepi ist wohl traurig, aber doch gefaßt und war sehr lieb mit mir und den Kindern. Ich hatte Franzi, Rosa und Bubi mit mir. – Heute Nacht wurde 3 mal geschossen, doch war nur ein unbedeutendes Feuer bei einem Selcher in d. Dreifaltigkeitsgaße. Heute habe ich im Mülle großes Badewaschen mit den Kindern gehalten, denn es ist wenig Hoffnung, daß wir schwimmen können. Wenn du nur schon bald kommen könntest! Hoffentlich bringst du dann beßeres Wetter, denn es ist schon kalt hier und die Salzach ziemlich groß. – Die Kinder sind selig bei den Tanten. Marie und Rose habe ich noch nicht gesehen, da sie ja in Plain sind. Paula Biebl ist nun auch die Braut eines Leutnants den sie schon lange liebte. Im November wird geheirathet. Ich schließe für heute, und bitte dich nur, mir bald zu schreiben und behalte lieb deine Alte.
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Brief aus Salzburg, 19.8. [1896], Fanni Spängler an Franz Spängler nach Krems [Umschlag ohne Marke, Stempel Krems 20.8.]: Liebster Mann! Zugleich mit deiner Karte, welche ich mit großer Freude empfing und für welche ich dir herzlichst danke, kam beifolgende Karte an Marie in meine Hände, welche die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter enthält. Ich bitte dich, sage der armen Marie mit einiger Schonung und Vorsicht die traurige Nachricht, sonst erschrikt sie so, daß sie krank wird. Zugleich bitte ich dich, sorge ein wenig, daß sie doch etwas ißt und daß sie sich beim Putzen ordentlich helfen läßt. Ich glaiube, es wäre gut, wenn Marie so bald als möglich hieher kommt. Mir erbarmt Maria wirklich, weil sie ihre Mutter so lieb hatte. - Von uns kann ich dir sagen, daß wir gestern schon das zweite große Zimmer bekommen und nun recht gut untergebracht sind. Wäre das Wetter besser, so ginge es uns ganz gut. Gestern wollte ich Otto u. Luise [Louise Spängler] aufsuchen, doch waren sie in Achthal, dann ging ich zu Tante Pepi. Es war mir eigen, wieder die Wohnung deiner guten unvergeßlichen Mutter zu betreten, um so mehr, als die Eintheilung fast ganz gleich ist, wie unsere gute Mutter sie hatte. Tante Pepi ist wohl traurig, aber doch gefaßt und war sehr lieb mit mir und den Kindern. Ich hatte Franzi, Rosa und Bubi mit mir. – Heute Nacht wurde 3 mal geschossen, doch war nur ein unbedeutendes Feuer bei einem Selcher in d. Dreifaltigkeitsgaße. Heute habe ich im Mülle großes Badewaschen mit den Kindern gehalten, denn es ist wenig Hoffnung, daß wir schwimmen können. Wenn du nur schon bald kommen könntest! Hoffentlich bringst du dann beßeres Wetter, denn es ist schon kalt hier und die Salzach ziemlich groß. – Die Kinder sind selig bei den Tanten. Marie und Rose habe ich noch nicht gesehen, da sie ja in Plain sind. Paula Biebl ist nun auch die Braut eines Leutnants den sie schon lange liebte. Im November wird geheirathet. Ich schließe für heute, und bitte dich nur, mir bald zu schreiben und behalte lieb deine Alte.
    
nach 1896, Telegramm „10.8.“ aus Pressburg an Franziska Spängler, Krems: Treffen Franz in Salzburg
 
nach 1896, Telegramm „10.8.“ aus Pressburg an Franziska Spängler, Krems: Treffen Franz in Salzburg
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==== Unbekannter Schreiber an FRANZ SPÄNGLER ====
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==== Unbekannter Schreiber an Franz Spängler ====
 
Ried, 5./12. [18]96/ Liebster Franzl! Nachdem Dir mein Schwesterlein bereits nicht nur in Person, sondern auch sogar in Presir ihre Glückwünsche dargebracht hat, so ist es für mich schwer eine dritte Form zu finden in welcher ich meine Gratulation gebührend anbringen könnte. Ich muß Dich daher bitten, auch so von der Aufrichtigkeit und Herzlichkeit meiner Glückwünsche überzeugt zu sein, denen ich hiermit Ausdruck verleihe. Ich habe endlich die Freude mitempfunden, die dir das glückerreichte, mühsam errungene Ziel bereitet haben muß. Ach, liebster Franzl, wie kurze Zeit ist es doch erst, so scheint es mir wenigstens, als Du nach Deiner ersten Gesangsstunde glückstrahlend zu uns kamst und uns erzähltest, es sei Dir bereits ein Knopf aufgegangen, denn Du hättest nun einen Begriff von Kehlenstellung. Wie viele Knöpfe sind Dir wohl seit jenem Tag aufgegangen! Es war doch damals eine schöne, schöne Zeit! Für Dich ist sie jetzt wohl noch schöner aber in immer anderer Weise. Wir hier fühlen uns wohl auch äußerst behaglich, wie es bei einem so müsigen gleichmäßigem Leben wohl nicht anders möglich ist, doch wenn ich an jene Zeiten denke wo wir uns noch so für das Wesen, den frühesten Wunsch und Lebenszweck, Jemand ecl. interessierten, dann muß ich mir wohl gestehen, so wie damals ist es doch nicht mehr! - Was ist’s Franzl, werden wir auf’s Jahr nicht die Freude haben Euch allen unser Heim zeigen zu können. Ihr solltet Euch doch unsern Aufenthalt einmal anschauen dann hätten wir mehr Anknüpfungspunkte zu einem halbwegs inhaltsreichen Brief. Außerdem hättet Ihr ja das beneidenswerte Bewußtsein, dem reizenden Kind bald wieder den Rücken drehen zu können um nach unserm lieben Krems zurückzukehren! Überlegt Euch doch die Sache und bringt sie einmal an einem Sonntag auf’s Tapet, damit doch auch Prf. Walter und Basa [?] den Gedanken fassen. - Nimmst Du noch Gesangsstunden oder bist Du schon dazu auf einer zu hohen Stufe? Ich betreibe das Klavier mit ziemlichen Fleiß. Ich spiele täglich Scalen in allen möglichen und unmöglichen Arten, Etüden von Cremer u. Steffen Heller, Beethoven Sonaten und einige gefällige Vortragsstücke. Elsa singt fleißig Übungen, Lieder von Schubert und Robert Franz, die sie zum Namenstag bekam. Was machst Du denn für Weihnachten, ist das ein Geheimnis? Durch meine vielseitige Correspondenz vergesse ich leider immer, was ich den betreffenden im letzten Brief geschrieben habe, und so fürchte ich auch jetzt, Euch eine alte Geschichte aufzutischen, wenn ich Euch von unsern musikalischen Zusammenkünften mit Höss erzähle. Es ist dieß nämlich die Familie des hiesigen Raatsanwaltes, bestehend aus Papa, Mama und Sohn Theodor. Die beiden Herren spielen Violine und wir beiden begleiten sie dazu am Klavier. Es ist dieß eine ganz nette Zerstreuung für den Winter. - Daß wir unser altes Pianino verkauften, habe ich wohl auch schon einmal geschrieben? Mutter möchte auch noch zu diesem Brief dazuschreiben daher Schluß. Mit vielen, vielen Grüßen an unsere lieben Kremser Freunde umarme ich Dich innig als deine treue Anna. - Liebstes Franzerl. 5./12 [18]96/ Deinen lieben Eltern habe ich schon Glück gewünscht, nun nimm auch vorallem du selbst die aufrichtigsten herzlichsten Glückwünsche zur glücklich überstandenen Prüfung entgegen. Onkel Seh [?] schließt sich meinen Wünschen an, da er schwerlich dazukommen wird selbst zu schreiben/ Auch ich erinnere Euch alle an das Versprechen uns zu besuchen. Je größer die Zahl der Kremserbesuche desto lieber. Nimm einen herzlichen Kuß von deiner Tante Anna. - Franz Spängler ist in Krems in vielen Vereinen tätig, u.a. Ehrenmitglied des Wiener Sängerbundes und Aktiver der Liedertafel in Pottenstein und des „Gesang- und Orchestervereins“ in Krems (davon 25 Jahre als Vorstand). In seinem Nachlass befinden sich neben der Stimmpfeife u.a. Erinnerungen und Medaillen der Salzburger Liedertafel, des Niederösterreichischen Sängerbundes, des Wiener Lehrergesangvereins und der Sängerbundesfeste in Wien (1890) und Stuttgart (1896). [Medaillen gingen an der Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl]
 
Ried, 5./12. [18]96/ Liebster Franzl! Nachdem Dir mein Schwesterlein bereits nicht nur in Person, sondern auch sogar in Presir ihre Glückwünsche dargebracht hat, so ist es für mich schwer eine dritte Form zu finden in welcher ich meine Gratulation gebührend anbringen könnte. Ich muß Dich daher bitten, auch so von der Aufrichtigkeit und Herzlichkeit meiner Glückwünsche überzeugt zu sein, denen ich hiermit Ausdruck verleihe. Ich habe endlich die Freude mitempfunden, die dir das glückerreichte, mühsam errungene Ziel bereitet haben muß. Ach, liebster Franzl, wie kurze Zeit ist es doch erst, so scheint es mir wenigstens, als Du nach Deiner ersten Gesangsstunde glückstrahlend zu uns kamst und uns erzähltest, es sei Dir bereits ein Knopf aufgegangen, denn Du hättest nun einen Begriff von Kehlenstellung. Wie viele Knöpfe sind Dir wohl seit jenem Tag aufgegangen! Es war doch damals eine schöne, schöne Zeit! Für Dich ist sie jetzt wohl noch schöner aber in immer anderer Weise. Wir hier fühlen uns wohl auch äußerst behaglich, wie es bei einem so müsigen gleichmäßigem Leben wohl nicht anders möglich ist, doch wenn ich an jene Zeiten denke wo wir uns noch so für das Wesen, den frühesten Wunsch und Lebenszweck, Jemand ecl. interessierten, dann muß ich mir wohl gestehen, so wie damals ist es doch nicht mehr! - Was ist’s Franzl, werden wir auf’s Jahr nicht die Freude haben Euch allen unser Heim zeigen zu können. Ihr solltet Euch doch unsern Aufenthalt einmal anschauen dann hätten wir mehr Anknüpfungspunkte zu einem halbwegs inhaltsreichen Brief. Außerdem hättet Ihr ja das beneidenswerte Bewußtsein, dem reizenden Kind bald wieder den Rücken drehen zu können um nach unserm lieben Krems zurückzukehren! Überlegt Euch doch die Sache und bringt sie einmal an einem Sonntag auf’s Tapet, damit doch auch Prf. Walter und Basa [?] den Gedanken fassen. - Nimmst Du noch Gesangsstunden oder bist Du schon dazu auf einer zu hohen Stufe? Ich betreibe das Klavier mit ziemlichen Fleiß. Ich spiele täglich Scalen in allen möglichen und unmöglichen Arten, Etüden von Cremer u. Steffen Heller, Beethoven Sonaten und einige gefällige Vortragsstücke. Elsa singt fleißig Übungen, Lieder von Schubert und Robert Franz, die sie zum Namenstag bekam. Was machst Du denn für Weihnachten, ist das ein Geheimnis? Durch meine vielseitige Correspondenz vergesse ich leider immer, was ich den betreffenden im letzten Brief geschrieben habe, und so fürchte ich auch jetzt, Euch eine alte Geschichte aufzutischen, wenn ich Euch von unsern musikalischen Zusammenkünften mit Höss erzähle. Es ist dieß nämlich die Familie des hiesigen Raatsanwaltes, bestehend aus Papa, Mama und Sohn Theodor. Die beiden Herren spielen Violine und wir beiden begleiten sie dazu am Klavier. Es ist dieß eine ganz nette Zerstreuung für den Winter. - Daß wir unser altes Pianino verkauften, habe ich wohl auch schon einmal geschrieben? Mutter möchte auch noch zu diesem Brief dazuschreiben daher Schluß. Mit vielen, vielen Grüßen an unsere lieben Kremser Freunde umarme ich Dich innig als deine treue Anna. - Liebstes Franzerl. 5./12 [18]96/ Deinen lieben Eltern habe ich schon Glück gewünscht, nun nimm auch vorallem du selbst die aufrichtigsten herzlichsten Glückwünsche zur glücklich überstandenen Prüfung entgegen. Onkel Seh [?] schließt sich meinen Wünschen an, da er schwerlich dazukommen wird selbst zu schreiben/ Auch ich erinnere Euch alle an das Versprechen uns zu besuchen. Je größer die Zahl der Kremserbesuche desto lieber. Nimm einen herzlichen Kuß von deiner Tante Anna. - Franz Spängler ist in Krems in vielen Vereinen tätig, u.a. Ehrenmitglied des Wiener Sängerbundes und Aktiver der Liedertafel in Pottenstein und des „Gesang- und Orchestervereins“ in Krems (davon 25 Jahre als Vorstand). In seinem Nachlass befinden sich neben der Stimmpfeife u.a. Erinnerungen und Medaillen der Salzburger Liedertafel, des Niederösterreichischen Sängerbundes, des Wiener Lehrergesangvereins und der Sängerbundesfeste in Wien (1890) und Stuttgart (1896). [Medaillen gingen an der Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl]
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=== 1897 ===
 
=== 1897 ===
 
==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====  
 
==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====  
OTTO SPÄNGLER [Bruder] an FRANZ SPÄNGLER [Nr.18] [gedruckter Briefkopf:] Dr. Otto Spängler Salzburg [1897] Mein lieber Franz! Zu deinem nahen Geburtstag insbesondere aber zu Eurem 25 jährigen Hochzeitstage sende ich dir u deiner lieben Frau im eigenen u im Namen meiner Angehörigen die innigsten Glück u. Segenswünsche. Möge Euch durch Eure Kinder eine zweite Reihe so schöner und glücklicher 25 Jahre zu Theil werden wie Ihr die ersten 25 Jahre Eures Lebensbundes zugebracht! - Wir aber wollen uns, wie bisher so auch fortan in treuer Anhänglichkeit zugetan bleiben! - Deiner lieben Einladung auf Sonntag kann ich leider nicht folgen; es geht mir geschäftlich nicht gut aus u. dann kommt die Lisel gerade am Samstag nach Salzburg zurück, nachdem sie 3 Wochen in München war. - Die Adresse meiner Emilie in Paris ist: Pension Mercier et Beauquis - Rue d’Amsterdam 49/ Es wird sie gewiß sehr freuen, einen Brief von Euch zu bekommen, sie ist sehr gerne dort, sieht viel interessantes; nur die Kost behagt ihr nicht. bei uns ist es durch den gleichzeitigen Abgang dreier Personen sehr still geworden. - Unser Haus schreitet rüstig der Vollendung entgegen u hoffe ich, dß wir ganz beruhigt auf Juli einziehen können. - bei der Mitteilung über die Fingerverlezung der Hanserl hat es mich ganz kalt überlaufen. Gute besserung! Nun lebe recht wol, mein lieber Franz, empfange noch einmal unsere innigsten Glückwünsche und sei auf das herzlichste gegrüßt von deinem treuen bruder Otto. - donnerstag Abends. - Regierungsrat Dr.Otto Spängler (1841-1919) ist Direktor der Salzburger Sparkasse und Ehrenbürger von Salzburg. Seine Frau Louise Spängler, geb. Duregger, stirbt 1915. Der Hochzeitstag des Bruders ist der 8.4.1872. - „Lisel“: Elisabeth, geb. 1881 (16 Jahre alt); „Emilie“, geb. 1874 (23 Jahre alt); „Hanserl“: Johanna Spängler, verh. Holzapfel, geb. 1882 (15 Jahre alt).
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Otto Spängler [Bruder] an Franz Spängler [Nr.18] [gedruckter Briefkopf:] Dr. Otto Spängler Salzburg [1897] Mein lieber Franz! Zu deinem nahen Geburtstag insbesondere aber zu Eurem 25 jährigen Hochzeitstage sende ich dir u deiner lieben Frau im eigenen u im Namen meiner Angehörigen die innigsten Glück u. Segenswünsche. Möge Euch durch Eure Kinder eine zweite Reihe so schöner und glücklicher 25 Jahre zu Theil werden wie Ihr die ersten 25 Jahre Eures Lebensbundes zugebracht! - Wir aber wollen uns, wie bisher so auch fortan in treuer Anhänglichkeit zugetan bleiben! - Deiner lieben Einladung auf Sonntag kann ich leider nicht folgen; es geht mir geschäftlich nicht gut aus u. dann kommt die Lisel gerade am Samstag nach Salzburg zurück, nachdem sie 3 Wochen in München war. - Die Adresse meiner Emilie in Paris ist: Pension Mercier et Beauquis - Rue d’Amsterdam 49/ Es wird sie gewiß sehr freuen, einen Brief von Euch zu bekommen, sie ist sehr gerne dort, sieht viel interessantes; nur die Kost behagt ihr nicht. bei uns ist es durch den gleichzeitigen Abgang dreier Personen sehr still geworden. - Unser Haus schreitet rüstig der Vollendung entgegen u hoffe ich, dß wir ganz beruhigt auf Juli einziehen können. - bei der Mitteilung über die Fingerverlezung der Hanserl hat es mich ganz kalt überlaufen. Gute besserung! Nun lebe recht wol, mein lieber Franz, empfange noch einmal unsere innigsten Glückwünsche und sei auf das herzlichste gegrüßt von deinem treuen bruder Otto. - donnerstag Abends. - Regierungsrat Dr.Otto Spängler (1841-1919) ist Direktor der Salzburger Sparkasse und Ehrenbürger von Salzburg. Seine Frau Louise Spängler, geb. Duregger, stirbt 1915. Der Hochzeitstag des Bruders ist der 8.4.1872. - „Lisel“: Elisabeth, geb. 1881 (16 Jahre alt); „Emilie“, geb. 1874 (23 Jahre alt); „Hanserl“: Johanna Spängler, verh. Holzapfel, geb. 1882 (15 Jahre alt).
    
==== Vater Spängler an Franziska Spängler ====
 
==== Vater Spängler an Franziska Spängler ====
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 22.5.1902: kommt Anfang August wieder nach Wien. „Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert.“ Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – „Landeg [Landeck]“ – St.Anton [am Arlberg] „ganz verschneit“ – Konstanz – „Schafhausen“ (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – „Studtgard“ (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – „Nekarthal“ Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. „Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr.Hein [hat das Altarbild in Unterach gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien“ nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. „Bin neugierig wie diese aussehen.“
 
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 22.5.1902: kommt Anfang August wieder nach Wien. „Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert.“ Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – „Landeg [Landeck]“ – St.Anton [am Arlberg] „ganz verschneit“ – Konstanz – „Schafhausen“ (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – „Studtgard“ (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – „Nekarthal“ Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. „Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr.Hein [hat das Altarbild in Unterach gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien“ nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. „Bin neugierig wie diese aussehen.“
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an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): X.9.1902, Ansichtskarte „Illbrücke“, Feldkirch an Franziska Spängler [und Toni], Krems: „Von unserer ersten Station...“, Franz, Franzi, Hansl - 4.9., Ansichtskarte „Taminaschlucht, Ragaz“ aus Pfäffers-Bad, Schweiz: „Wetter prachtvoll, Befinden sehr gut. Viele Grüße! Franz, Hansl, Franzi“ - 4.9., Ansichtskarte „Kloster Einsiedeln“: Franz, Hansl, Franzi - 5.9., Doppelkarte „Panorama vom Rigi“, „Dr.Spängler, Hansl, Franzi - 6.9., Ansichtskarte „Bellinzona“: wegen Regen mit der Bahn hierher, Franz, Hanls, Franzi - 7.9., Postkarte Luzern: Karte erhalten, Reise bisher folgende... Feldkirch, Ragaz, Pfäffers, Einsiedeln, Rigi, Altdorf, „wo es zu gießen anfing“. Göschenen, Bellinzona „bei strömenden Regen“, „Die zwei Mädchen sind ins Bad gegangen“. - 9.9., Ansichtskarte „Schynige Platte...“: Franz und Franzi - X.9., Ansichtskarte „Salève... Haute-Savoie“: „Rosl ist nicht mit uns, weil sie noch einiges zu XXX hat“; [sie haben vielleicht Rosl in Genf besucht; die Schwester Franzi ist 1901 in Genf] Franz und Hansl
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an Fanni Spängler (Nr.19): X.9.1902, Ansichtskarte „Illbrücke“, Feldkirch an Franziska Spängler [und Toni], Krems: „Von unserer ersten Station...“, Franz, Franzi, Hansl - 4.9., Ansichtskarte „Taminaschlucht, Ragaz“ aus Pfäffers-Bad, Schweiz: „Wetter prachtvoll, Befinden sehr gut. Viele Grüße! Franz, Hansl, Franzi“ - 4.9., Ansichtskarte „Kloster Einsiedeln“: Franz, Hansl, Franzi - 5.9., Doppelkarte „Panorama vom Rigi“, „Dr.Spängler, Hansl, Franzi - 6.9., Ansichtskarte „Bellinzona“: wegen Regen mit der Bahn hierher, Franz, Hanls, Franzi - 7.9., Postkarte Luzern: Karte erhalten, Reise bisher folgende... Feldkirch, Ragaz, Pfäffers, Einsiedeln, Rigi, Altdorf, „wo es zu gießen anfing“. Göschenen, Bellinzona „bei strömenden Regen“, „Die zwei Mädchen sind ins Bad gegangen“. - 9.9., Ansichtskarte „Schynige Platte...“: Franz und Franzi - X.9., Ansichtskarte „Salève... Haute-Savoie“: „Rosl ist nicht mit uns, weil sie noch einiges zu XXX hat“; [sie haben vielleicht Rosl in Genf besucht; die Schwester Franzi ist 1901 in Genf] Franz und Hansl
    
=== 1903 ===
 
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=== 1908 ===
 
=== 1908 ===
9.4.1908 Brief mit Umschlag aus [Wien] Hütteldorf von ROSL GRILL, geb. Spängler, an „Herrn Dr FRANZ SPÄNGLER, kk Oberlandesgerichtsrat, Krems Donau, Schillerstr 7.“: Lieber Vater! Zu deinem morgigen Geburtstag senden wir Hütteldorfer Dir die herzlichsten Grüße und wünschen Dir alles Gute und besonders die beste Gesundheit. – Es hat uns sehr gefreut, dass wir Dich letzthin doch endlich einmal bei uns gesehen haben! Hoffentlich hat es Dir bei uns heraußen gefallen und Du besuchst uns in nicht gar zu ferner Zeit wieder! Wie wir hören kommst Du oder kommt Ihr – mehrere zu Ostern hierher. Da kommt Ihr dann doch nach Hütteldorf heraus? Ich weiß jedoch nicht einmal ob wir da sein werden, denn wir warten nur eine Besserung des Wetters ab um dann allsogleich nach St.Nikola-Grein abzudampfen, wo Oswald einige Tage zu arbeiten hat. Es ist daher in den allernächsten Tagen nicht möglich, dass wir nach Krems kommen vielleicht jedoch auf unserm Heimweg von Nikola. Ich will auch in Nikola malen u. zeichnen, darauf freue ich mich schon, denn ich komme hier doch nicht dazu u. verlerne dann noch das Wenige, das ich konnte. Vor hatten wir schon morgen (10.IV) ab zu fahren, da aber das Wetter gar so kalt und elend ist, wird es sich nicht machen lassen (es schneit) umso mehr da Liutschy Pietschmann mit uns fahren wird!!! – Montag war also dieses Souper, zu welchem wir die Einladung bekamen, als Du hier warst. – Es waren nur 20 Pers. und daher viel gemütlicher als vorauszusetzen; freilich es war sehr fein u gut. Wir erreichten noch den Westbahnzug 12.50. – Vorgestern hatten wir Kremser besuch! Joh.Wuppinger war da u. plauschte mit uns längere Zeit. – Der „Rose Pilgerfahrt“ ist also sehr gut ausgefallen?! Und viel Draherei soll damit verbunden gewesen sein! – Die Kremser Jubiläums-Ausstellung wird erst im Mai sein! – Also dort werde ich auch in die Öffentlichkeit treten mit einer oder 2 Arbeiten!! – Oswald ist heute in Mödling bei der Itunde [?] u lässt sich entschuldigen dass er nicht selbst ein paar Worte schreibt! – Uns allen geht es sehr gut u. wir hoffen das gleiche von Euch allen! Nun nochmals besten Glückwunsch Dir lieber Vater, und herzl. Gruß von Deiner Rosl. – Bitte beiliegenden Zettel an Hans [! der Hans = Johanna, Hansimutti] oder Franzi übergeben - ! – Abbildung = Franz Spängler, ca. 1908
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9.4.1908 Brief mit Umschlag aus [Wien] Hütteldorf von ROSL GRILL, geb. Spängler, an „Herrn Dr Franz Spängler, kk Oberlandesgerichtsrat, Krems Donau, Schillerstr 7.“: Lieber Vater! Zu deinem morgigen Geburtstag senden wir Hütteldorfer Dir die herzlichsten Grüße und wünschen Dir alles Gute und besonders die beste Gesundheit. – Es hat uns sehr gefreut, dass wir Dich letzthin doch endlich einmal bei uns gesehen haben! Hoffentlich hat es Dir bei uns heraußen gefallen und Du besuchst uns in nicht gar zu ferner Zeit wieder! Wie wir hören kommst Du oder kommt Ihr – mehrere zu Ostern hierher. Da kommt Ihr dann doch nach Hütteldorf heraus? Ich weiß jedoch nicht einmal ob wir da sein werden, denn wir warten nur eine Besserung des Wetters ab um dann allsogleich nach St.Nikola-Grein abzudampfen, wo Oswald einige Tage zu arbeiten hat. Es ist daher in den allernächsten Tagen nicht möglich, dass wir nach Krems kommen vielleicht jedoch auf unserm Heimweg von Nikola. Ich will auch in Nikola malen u. zeichnen, darauf freue ich mich schon, denn ich komme hier doch nicht dazu u. verlerne dann noch das Wenige, das ich konnte. Vor hatten wir schon morgen (10.IV) ab zu fahren, da aber das Wetter gar so kalt und elend ist, wird es sich nicht machen lassen (es schneit) umso mehr da Liutschy Pietschmann mit uns fahren wird!!! – Montag war also dieses Souper, zu welchem wir die Einladung bekamen, als Du hier warst. – Es waren nur 20 Pers. und daher viel gemütlicher als vorauszusetzen; freilich es war sehr fein u gut. Wir erreichten noch den Westbahnzug 12.50. – Vorgestern hatten wir Kremser besuch! Joh.Wuppinger war da u. plauschte mit uns längere Zeit. – Der „Rose Pilgerfahrt“ ist also sehr gut ausgefallen?! Und viel Draherei soll damit verbunden gewesen sein! – Die Kremser Jubiläums-Ausstellung wird erst im Mai sein! – Also dort werde ich auch in die Öffentlichkeit treten mit einer oder 2 Arbeiten!! – Oswald ist heute in Mödling bei der Itunde [?] u lässt sich entschuldigen dass er nicht selbst ein paar Worte schreibt! – Uns allen geht es sehr gut u. wir hoffen das gleiche von Euch allen! Nun nochmals besten Glückwunsch Dir lieber Vater, und herzl. Gruß von Deiner Rosl. – Bitte beiliegenden Zettel an Hans [! der Hans = Johanna, Hansimutti] oder Franzi übergeben - ! – Abbildung = Franz Spängler, ca. 1908
 
   
 
   
 
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====  
 
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====  
[November 1908] Briefkopf „Regierungsrat Dr.Otto Spängler, Salzburg“ ohne Datum und Umschlag von Nr.18 a OTTO SPÄNGLER (1841-1919) an FRANZ SPÄNGLER (NR.18; 1839-1912): Lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude entnehme ich soeben der Zeitung die Nachricht von der dir gewordenen allerhöchsten Auszeichnung [mit der Pensionierung der k.k.Orden der eisernen Krone] und sende dir in unser aller Namen die herzlichsten Glückwünsche. Möge dir in Gesundheit und Zufriedenheit eine lange Ruhezeit beschieden sein! Von hier kann ich dir eigentlich nicht viel Gutes berichten. Georg [Mussoni, 1859- ; seit 1887 verh. mit der Tochter Paula Spängler, 1869- ] ist seelisch und geistig mehr herabgestimmt, als je; bildet sich alle möglichen Krankheiten, die nichts [?] mehr zu seien, ein. Es ist ein ganz schreklicher Zustand, unter dem wir natürlich alle, am meisten aber die arme Paula zu leiden hat, die auch schon sehr schlecht aussieht. Ferner liegt meine Frau seit ein paar Tagen wieder an Magenkrampf zu bette; sie hat sich höchstwahrscheinlich mit einem kalten Obste verdorben. – Planck [Konrad Planck von Planckburg, 1878-; seit 1902 verh. mit der jüngsten Tochter Maria, 1883- ] ist endlich am 1.November nach 8 Jahren Oberlieutenant geworden und bleibt vorderhand als Regimentsadjutant hier. Mama [die eigene Frau oder Schwiegermutter Duregger], Mila [Tochter Emilie, 1874- , 1902 verwitwet nach dem Salzburger Buchhändler Eduard Höllrigl] u. ich waren vorige Woche auf 2 Tage in Landshut auf Besuch bei Trammer [Prof.Otto Trammer, geb. 1878, heiratet 1912 die Tochter Emilie, fällt aber 1914] u. dann 2 Tage in München. – Meine Mitteilung über die bei mir erliegende Ausbeute [Dividende] per 90 MM hast du wol erhalten; noch habe ich aber keinen Auftrag von dir, was ich damit machen soll. – Deinen Kindern u. Schwiegersöhnen geht es hoffentlich gut. Elsa [Trammer?] thut es sehr leid, dß Rosl, die seinerzeit so viel bei Trammers verkehrte, sich in vollständiges Schweigen hüllt; sie würde mit großem Interesse wieder einmal etwas von ihr hören. – Nun lebe wol lieber Franz; sei noch einmal meiner freundlichen Anteilnahme an der dir zu Teil gewordenen hochverdienten Auszeichnung versichert! Mit herzlichen Grüßen Euch allen dein treuer Bruder Otto. Freitag Abends. – #Mussoni: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Albert Mussoni (St.Peter 1858).
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[November 1908] Briefkopf „Regierungsrat Dr.Otto Spängler, Salzburg“ ohne Datum und Umschlag von Nr.18 a Otto Spängler (1841-1919) an Franz Spängler (NR.18; 1839-1912): Lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude entnehme ich soeben der Zeitung die Nachricht von der dir gewordenen allerhöchsten Auszeichnung [mit der Pensionierung der k.k.Orden der eisernen Krone] und sende dir in unser aller Namen die herzlichsten Glückwünsche. Möge dir in Gesundheit und Zufriedenheit eine lange Ruhezeit beschieden sein! Von hier kann ich dir eigentlich nicht viel Gutes berichten. Georg [Mussoni, 1859- ; seit 1887 verh. mit der Tochter Paula Spängler, 1869- ] ist seelisch und geistig mehr herabgestimmt, als je; bildet sich alle möglichen Krankheiten, die nichts [?] mehr zu seien, ein. Es ist ein ganz schreklicher Zustand, unter dem wir natürlich alle, am meisten aber die arme Paula zu leiden hat, die auch schon sehr schlecht aussieht. Ferner liegt meine Frau seit ein paar Tagen wieder an Magenkrampf zu bette; sie hat sich höchstwahrscheinlich mit einem kalten Obste verdorben. – Planck [Konrad Planck von Planckburg, 1878-; seit 1902 verh. mit der jüngsten Tochter Maria, 1883- ] ist endlich am 1.November nach 8 Jahren Oberlieutenant geworden und bleibt vorderhand als Regimentsadjutant hier. Mama [die eigene Frau oder Schwiegermutter Duregger], Mila [Tochter Emilie, 1874- , 1902 verwitwet nach dem Salzburger Buchhändler Eduard Höllrigl] u. ich waren vorige Woche auf 2 Tage in Landshut auf Besuch bei Trammer [Prof.Otto Trammer, geb. 1878, heiratet 1912 die Tochter Emilie, fällt aber 1914] u. dann 2 Tage in München. – Meine Mitteilung über die bei mir erliegende Ausbeute [Dividende] per 90 MM hast du wol erhalten; noch habe ich aber keinen Auftrag von dir, was ich damit machen soll. – Deinen Kindern u. Schwiegersöhnen geht es hoffentlich gut. Elsa [Trammer?] thut es sehr leid, dß Rosl, die seinerzeit so viel bei Trammers verkehrte, sich in vollständiges Schweigen hüllt; sie würde mit großem Interesse wieder einmal etwas von ihr hören. – Nun lebe wol lieber Franz; sei noch einmal meiner freundlichen Anteilnahme an der dir zu Teil gewordenen hochverdienten Auszeichnung versichert! Mit herzlichen Grüßen Euch allen dein treuer Bruder Otto. Freitag Abends. – #Mussoni: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Albert Mussoni (St.Peter 1858).
    
=== 1909 ===
 
=== 1909 ===
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1915, 12.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems/D. an Hansi Holzapfel, dzt. Buchenort / Post Unterach a. Attersee / Sonntag früh. Liebe Hansi! Also bin ich wieder in Krems. Die Fahrt war recht schön u. verlief ganz programmgemäß. Um 1/4 9 waren wir in Krems. Abends besuchte ich die Tanten. Toni sah ich noch nicht. Sie kommt mittags zum Essen, das sie von der Frau Kramer hat. Bei uns ist heute ein herrlicher Morgen, hoffentl. auch bei Euch. Vielleicht bekommst Du doch bis Winter Wolle. Recht herzliche Grüße u. viele Küsse Euch allen! Dein Rupert. - Buchenort:  „Buchenort 25“ [Atterseestr. Nr.48] in Unterach am Attersee wird zum sommerlichen Treffpunkt der ganzen Fam. und vieler Freunde. Mitten zw. Unterach und dem Haus der Grills auf dem Kratzersberg 10 gelegen, ist es bereits Treffpunkt, „unser Haus“, bevor man das Haus tatsächlich erwirbt [wann?].
 
1915, 12.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems/D. an Hansi Holzapfel, dzt. Buchenort / Post Unterach a. Attersee / Sonntag früh. Liebe Hansi! Also bin ich wieder in Krems. Die Fahrt war recht schön u. verlief ganz programmgemäß. Um 1/4 9 waren wir in Krems. Abends besuchte ich die Tanten. Toni sah ich noch nicht. Sie kommt mittags zum Essen, das sie von der Frau Kramer hat. Bei uns ist heute ein herrlicher Morgen, hoffentl. auch bei Euch. Vielleicht bekommst Du doch bis Winter Wolle. Recht herzliche Grüße u. viele Küsse Euch allen! Dein Rupert. - Buchenort:  „Buchenort 25“ [Atterseestr. Nr.48] in Unterach am Attersee wird zum sommerlichen Treffpunkt der ganzen Fam. und vieler Freunde. Mitten zw. Unterach und dem Haus der Grills auf dem Kratzersberg 10 gelegen, ist es bereits Treffpunkt, „unser Haus“, bevor man das Haus tatsächlich erwirbt [wann?].
 
    
 
    
1915, 16.11., Ansichtskarte an Wohlgeb. Familie Holzapfel, Krems a/D. Ringstr.2, N.Ö. Viele Grüße und Küsse Euer Franzl [Nr.9 d FRANZ SPÄNGLER, 1883-1964] / Ich denke in 2 Tagen am Ziel zu sein. Bild: Lwów [Lviv] / Lemberg.
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1915, 16.11., Ansichtskarte an Wohlgeb. Familie Holzapfel, Krems a/D. Ringstr.2, N.Ö. Viele Grüße und Küsse Euer Franzl [Nr.9 d Franz Spängler, 1883-1964] / Ich denke in 2 Tagen am Ziel zu sein. Bild: Lwów [Lviv] / Lemberg.
    
=== 1919 ===
 
=== 1919 ===
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): ROSL GRILL (Nr.9 c) schreibt 1938 an ihre Schwester „Franzi Spängler, Musikpädagogin, Krems/Donau, Adolf Hitlerstr.43“ u.a. sie waren auf Besuch bei „Halle“, und der Sohn Heribert [1945 gefallen] war auch mit; „ich bin mit ihm auf der Maschine [Motorrad] heim – Oswald mit Hund auf d. Elektrischen. Und du warst lange bei Christl [Dafert ?] u kamst spät nach Krems?“
 
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): ROSL GRILL (Nr.9 c) schreibt 1938 an ihre Schwester „Franzi Spängler, Musikpädagogin, Krems/Donau, Adolf Hitlerstr.43“ u.a. sie waren auf Besuch bei „Halle“, und der Sohn Heribert [1945 gefallen] war auch mit; „ich bin mit ihm auf der Maschine [Motorrad] heim – Oswald mit Hund auf d. Elektrischen. Und du warst lange bei Christl [Dafert ?] u kamst spät nach Krems?“
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1938, 5.9., Ansichtskarte „Reichsparteitag Nürnberg 5.-12.9.“ 1938 an Frl. Franzi Spängler, Musik Pädagogin, Krems a/Donau, Nieder-Donau: Besten Dank für Olympiabuch und alles. Bin wunschlos glücklich und vollens begeistert / Heil Hitler / Franzl [Nr.9 d FRANZ SPÄNGLER, 1883-1964]
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1938, 5.9., Ansichtskarte „Reichsparteitag Nürnberg 5.-12.9.“ 1938 an Frl. Franzi Spängler, Musik Pädagogin, Krems a/Donau, Nieder-Donau: Besten Dank für Olympiabuch und alles. Bin wunschlos glücklich und vollens begeistert / Heil Hitler / Franzl [Nr.9 d Franz Spängler, 1883-1964]
    
=== Außerhalb des Briefwechsels ===
 
=== Außerhalb des Briefwechsels ===