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==== Fanny Kobler „Großmutter“ an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler „Großmutter“ an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER (1796-1886) „Großmutter“, an FANNI SPÄNGLER: Brief [Prägestempel englisches Staatswappen], Salzburg 19.4.1872, an „Fani“ (Spängler): Dank für Zeilen aus Kufstein, aber wenig, von allen Seiten gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“, beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht.“ ... „Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen.“ ... „Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr.Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat.“ ... „Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“
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FANNY KOBLER (1796-1886) „Großmutter“, an Fanni Spängler: Brief [Prägestempel englisches Staatswappen], Salzburg 19.4.1872, an „Fani“ (Spängler): Dank für Zeilen aus Kufstein, aber wenig, von allen Seiten gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“, beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht.“ ... „Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen.“ ... „Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr.Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat.“ ... „Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“
    
===== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz und an Fanni ====
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 14te Dez: 1872./ Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 14te Dez: 1872./ Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten
    
=== 1873 ===
 
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==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
1874 Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg 3.4.74: Meine innigstgeliebten Theuren! Nun nahen sich Feste- an Feste am 8te wird es 2 Jahre das Ihr das ehliche Band geschloßen- ich denke immer schon zurük, an diese Zeit wie wir zu thun hatten um alles zu ordnen- wie wir schon von einen Tag auf den andern warteten bis du endlich gekommen bist, es sind dieß alles angenehme Erinnerungen. Gott gebe das Ihr meine Lieben in 25 Jahren noch eben so glücklich seid, wie heute.- - will der liebe Gott noch eine Zugabe Euch bescheren- - so wird es mich freuen,- wen nicht, so müßen wir uns ergeben, und denken, es wird so beßer sein. der Wille des Herrn gesche[he]. Es thut mir sehr leid das Ihr nicht auf Ostern kommt Es wäre so schön, Euern Hochzeitstag, und meines lieben Franz geburtstag [! nicht der Namenstag, wie sonst üblich] hierin gefallen, und wir hätten denselben mitsammen feyern können, was mich schon gefreut hätte, da man solche Feste immer am liebsten- und glücklichsten mit seinen Kindern feyert. Lieber Franz Gottes reichsten Segen sey mit dir, der liebe Gott möge dir alles geben, was dich beglücken kann, in jeder Richtung besonders wünsche ich Euch beiden imer die beste Gesundheit, nur behalte immer deine Liebe. Vielleicht kommt Ihr doch noch im Frühjahr ich würde mich herzlich darüber freuen. Otto Louise und die Kindlein wünschen dir herzlich Glück zu beyden Festen, nebst herzlichen Grüßen. - - Das Unglück welches die Braunauer getroffen ist wohl sehr hart. Hoffrichter Katrin [?] ist mit Seiner Famil noch zimlich glücklich darauß gekommen, er har alles außgebracht es sind ihm auch 2 Zimmer und die Kanzlei geblieben, aber einige Hundert Gulden hat er doch Schaden gehabt, vielen ist alles verbrannt so auch der Bezirksrichter Gasner währens andern wie auß durch einen Brief erfahren, welche die Hofrichter i[nzwi]schen erhalten werden. Heute sind in Siehausen 3 Heuser und die Gazeln [Gasse] abgebrant wo die Gemeinde ihre Andachten hielt, eben um Mittag, es ist wohl sehr traurig, ich glaube, gewiß die Leute gehen zu leichtsinig um mit dem Licht. Es ist dieß so schrecklich das durch einen Menschen so viele Unglücklich werden, der Jamer in Braunau soll grenzenlos sein. Bey gattermeyer geht es immer so zimmlich gleich nicht beßer und auch nicht schlechter. - - Großmutter [Fanny Kobler] geht es gottlob gut, so auch bey Schlegl [Schlegel]. Franz Spängler mit seiner Frau ist hier, sie soll wider ganz gut außsehen. Die Marlin Weiß sieht sehr übel auß es scheint fast als ob sie die Außzehrung hätte, der Weiß will nun gehen sagt er und will in die Nähe von Wien Ziehen, die Leute wollen ihm nicht recht glauben schenken obwohl sie froh wären. Lebt recht wohl meine lieben, ich wünsche Euch gute Sonntage. bringt diese 2 Festtage [Ostern] gut zu seid herzlich gegrüßt und gesegnet von Eurer treuen Mutter Spángler. - „Franz Spängler“ wohl: Franz Seraphin Spängler (1837-1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr.18) Franz Xaver Spängler.
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1874 Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg 3.4.74: Meine innigstgeliebten Theuren! Nun nahen sich Feste- an Feste am 8te wird es 2 Jahre das Ihr das ehliche Band geschloßen- ich denke immer schon zurük, an diese Zeit wie wir zu thun hatten um alles zu ordnen- wie wir schon von einen Tag auf den andern warteten bis du endlich gekommen bist, es sind dieß alles angenehme Erinnerungen. Gott gebe das Ihr meine Lieben in 25 Jahren noch eben so glücklich seid, wie heute.- - will der liebe Gott noch eine Zugabe Euch bescheren- - so wird es mich freuen,- wen nicht, so müßen wir uns ergeben, und denken, es wird so beßer sein. der Wille des Herrn gesche[he]. Es thut mir sehr leid das Ihr nicht auf Ostern kommt Es wäre so schön, Euern Hochzeitstag, und meines lieben Franz geburtstag [! nicht der Namenstag, wie sonst üblich] hierin gefallen, und wir hätten denselben mitsammen feyern können, was mich schon gefreut hätte, da man solche Feste immer am liebsten- und glücklichsten mit seinen Kindern feyert. Lieber Franz Gottes reichsten Segen sey mit dir, der liebe Gott möge dir alles geben, was dich beglücken kann, in jeder Richtung besonders wünsche ich Euch beiden imer die beste Gesundheit, nur behalte immer deine Liebe. Vielleicht kommt Ihr doch noch im Frühjahr ich würde mich herzlich darüber freuen. Otto Louise und die Kindlein wünschen dir herzlich Glück zu beyden Festen, nebst herzlichen Grüßen. - - Das Unglück welches die Braunauer getroffen ist wohl sehr hart. Hoffrichter Katrin [?] ist mit Seiner Famil noch zimlich glücklich darauß gekommen, er har alles außgebracht es sind ihm auch 2 Zimmer und die Kanzlei geblieben, aber einige Hundert Gulden hat er doch Schaden gehabt, vielen ist alles verbrannt so auch der Bezirksrichter Gasner währens andern wie auß durch einen Brief erfahren, welche die Hofrichter i[nzwi]schen erhalten werden. Heute sind in Siehausen 3 Heuser und die Gazeln [Gasse] abgebrant wo die Gemeinde ihre Andachten hielt, eben um Mittag, es ist wohl sehr traurig, ich glaube, gewiß die Leute gehen zu leichtsinig um mit dem Licht. Es ist dieß so schrecklich das durch einen Menschen so viele Unglücklich werden, der Jamer in Braunau soll grenzenlos sein. Bey gattermeyer geht es immer so zimmlich gleich nicht beßer und auch nicht schlechter. - - Großmutter [Fanny Kobler] geht es gottlob gut, so auch bey Schlegl [Schlegel]. Franz Spängler mit seiner Frau ist hier, sie soll wider ganz gut außsehen. Die Marlin Weiß sieht sehr übel auß es scheint fast als ob sie die Außzehrung hätte, der Weiß will nun gehen sagt er und will in die Nähe von Wien Ziehen, die Leute wollen ihm nicht recht glauben schenken obwohl sie froh wären. Lebt recht wohl meine lieben, ich wünsche Euch gute Sonntage. bringt diese 2 Festtage [Ostern] gut zu seid herzlich gegrüßt und gesegnet von Eurer treuen Mutter Spángler. - „Franz Spängler“ wohl: Franz Seraphin Spängler (1837-1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr.18) Franz Xaver Spängler.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.6.74 [1874]: Meine inigst geliebten Theuren! [verkehrt: Otto Louise grüßen Euch recht herzlich.] Dießmal muß auch ich mich entschuldigen, wegen des langen Stielschweigen, aber es kamm immer so viel dazwischen, das ich nie zum schreiben kamm, doch heute bin ich von der Kirche nachhauße gegangen, ohne einen Besuch zu machen, und setze mich zum schreiben damit ich doch einmal zu recht komme. bey Otto oben [im selben Haus] gab es so viel unwohl sein, das ich in der that ihnen viel nützlich sein konnte, die kleine Louise war 2 mal sehr krank dan lag die Kleine über 4 Wochen zu Hause krank dan kamm sie ins Spital wo auch täglich jemand hinauß ging um zu fragen wie es geht, es nahm auch viele Zeit in Anspruch sie nahmen wohl eine Außhülfe, die eine alte Person konte es auch nicht lange dermachen, dan wurde die Marie krank an einer starken Halsentzündung mit geschwühr, nun ist die Klara nach St gilgen gefahren, aber es mußte jemmand mit fahren und ein Bett hiere [?], da fuhr die Marie mit und blieb 2 Tage weg da hatten sie oben schon eine ordentliche Köchin aufgenohmen aber es waren halt doch nun 2 Mägde zu Hauße und dieser Tage hatten sie Mauern Tapeziren, und eine Kleidermacherin also läßt es sich leicht denken das man bey solcher Arbeit vor allem sucht die Kinder fortzubringen, so ging ich bald mit den 2 größeren Kindern, oder mit allen 4 Kindern und der Pezi auß wie es kamm- dann hatte ich auch einige Glückwünsche auf Konti und so vergeht mir die Zeit schnel und angenehm vorbey. - Bey Duregger bin ich auch gewöhnlich 3 mal in der Woche Abends geladen, da gehe ich gewöhnlich um 5 Uhr hinauß und genieße noch die herliche Luft in freyen. So sehr mich die Uhr als Geschenk freute so sehr bedaure ich, daß sie noch keinen Tag richtig gegangen ist, ich habe sie schon wider über 8 Tage dort [zur Reparatur], es ist doch schade, wenn man so viel geld für eine Sag[ch]e hergiebt, und man kann keine Freude haben weil sie nie recht geht. Auch ist der Zweck nicht ereicht. Heute werde ich sie wider hollen, und ich gebe so acht darauf, und es bekömmt sie niemand anderes in die Hände. Für die Glückwünsche zu meinen Nammenstag meinen herzlichsten Dank, der liebe Gott möge sie erfüllen ich war zu Mittag bey Otto und Abends bey Duregger, und am Tag darauf bey der Toda. - Wir hatten für Euch recht bange da Otto in der Presse gelesen das in Mödling und Baden ein Wolkenbruch nidergegangen mit starken Hagel bekleidet so das in einer Seite der langen gaße, alle Fenster eingeschlagen wurden, aber Ihr habt ja doch meistens die Palcken [Fensterläden] geschloßen, so hoffe ich wird es Euch nicht so stark getroffen haben. Heute haben wir den 30te und ich komm erst dazu diesen Brief zu schließen, es kamm neulich als ich gerade im Schreiben war die [!] Anton Spängler von Braunau und, ich mußte diese 2 Tage fast immer mit ihnen zubringen, bis sie gestern Abend fort reisten, und wie ich nachhauße kamm war schon wieder die Post da, ich bin bey Duregger zum Spielen geladen. Gestern Abends traf ich Otto und Louise draußen, welche mir sagten das es dich auch mit den Fenstern getroffen hat, ich bedauere Euch sehr. Bey XXX geht es beßer, gottlob es haben alle die Flecken [!] [verkehrt:] Lebt wohl mit 1000 Küßen Eure euch herzlich küßende Mutter Spángler - „Toda“ auch in einem Brief der Antonia Spängler vom 16.3.1872 genannt; nicht näher identifiziert.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.6.74 [1874]: Meine inigst geliebten Theuren! [verkehrt: Otto Louise grüßen Euch recht herzlich.] Dießmal muß auch ich mich entschuldigen, wegen des langen Stielschweigen, aber es kamm immer so viel dazwischen, das ich nie zum schreiben kamm, doch heute bin ich von der Kirche nachhauße gegangen, ohne einen Besuch zu machen, und setze mich zum schreiben damit ich doch einmal zu recht komme. bey Otto oben [im selben Haus] gab es so viel unwohl sein, das ich in der that ihnen viel nützlich sein konnte, die kleine Louise war 2 mal sehr krank dan lag die Kleine über 4 Wochen zu Hause krank dan kamm sie ins Spital wo auch täglich jemand hinauß ging um zu fragen wie es geht, es nahm auch viele Zeit in Anspruch sie nahmen wohl eine Außhülfe, die eine alte Person konte es auch nicht lange dermachen, dan wurde die Marie krank an einer starken Halsentzündung mit geschwühr, nun ist die Klara nach St gilgen gefahren, aber es mußte jemmand mit fahren und ein Bett hiere [?], da fuhr die Marie mit und blieb 2 Tage weg da hatten sie oben schon eine ordentliche Köchin aufgenohmen aber es waren halt doch nun 2 Mägde zu Hauße und dieser Tage hatten sie Mauern Tapeziren, und eine Kleidermacherin also läßt es sich leicht denken das man bey solcher Arbeit vor allem sucht die Kinder fortzubringen, so ging ich bald mit den 2 größeren Kindern, oder mit allen 4 Kindern und der Pezi auß wie es kamm- dann hatte ich auch einige Glückwünsche auf Konti und so vergeht mir die Zeit schnel und angenehm vorbey. - Bey Duregger bin ich auch gewöhnlich 3 mal in der Woche Abends geladen, da gehe ich gewöhnlich um 5 Uhr hinauß und genieße noch die herliche Luft in freyen. So sehr mich die Uhr als Geschenk freute so sehr bedaure ich, daß sie noch keinen Tag richtig gegangen ist, ich habe sie schon wider über 8 Tage dort [zur Reparatur], es ist doch schade, wenn man so viel geld für eine Sag[ch]e hergiebt, und man kann keine Freude haben weil sie nie recht geht. Auch ist der Zweck nicht ereicht. Heute werde ich sie wider hollen, und ich gebe so acht darauf, und es bekömmt sie niemand anderes in die Hände. Für die Glückwünsche zu meinen Nammenstag meinen herzlichsten Dank, der liebe Gott möge sie erfüllen ich war zu Mittag bey Otto und Abends bey Duregger, und am Tag darauf bey der Toda. - Wir hatten für Euch recht bange da Otto in der Presse gelesen das in Mödling und Baden ein Wolkenbruch nidergegangen mit starken Hagel bekleidet so das in einer Seite der langen gaße, alle Fenster eingeschlagen wurden, aber Ihr habt ja doch meistens die Palcken [Fensterläden] geschloßen, so hoffe ich wird es Euch nicht so stark getroffen haben. Heute haben wir den 30te und ich komm erst dazu diesen Brief zu schließen, es kamm neulich als ich gerade im Schreiben war die [!] Anton Spängler von Braunau und, ich mußte diese 2 Tage fast immer mit ihnen zubringen, bis sie gestern Abend fort reisten, und wie ich nachhauße kamm war schon wieder die Post da, ich bin bey Duregger zum Spielen geladen. Gestern Abends traf ich Otto und Louise draußen, welche mir sagten das es dich auch mit den Fenstern getroffen hat, ich bedauere Euch sehr. Bey XXX geht es beßer, gottlob es haben alle die Flecken [!] [verkehrt:] Lebt wohl mit 1000 Küßen Eure euch herzlich küßende Mutter Spángler - „Toda“ auch in einem Brief der Antonia Spängler vom 16.3.1872 genannt; nicht näher identifiziert.
    
26.7.1874, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel, Flugschrift]
 
26.7.1874, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel, Flugschrift]
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER (1796-1886) an FANNI SPÄNGLER: 27.7.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! [darüber:] Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K.Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr XXX böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.
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FANNY KOBLER (1796-1886) an Fanni Spängler: 27.7.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! [darüber:] Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K.Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr XXX böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 15.8.74 [1874]: [verkehrt:] Sind sie bey Langer für ganz von Mödling weggekommen? Viele grüße von allen Bekannten. Lürzer Leopold von Hopfgarten ist am 3 dieses Monnaths an Lungenleiden gestorben. - Meine inigst geliebten Theuren! Es ist schon so lange, seit ich den letzten Brief erhalten von Euch, das, ich wen ich nicht zufällinger Weise, von dort, und da, etwas hörte, und mir auch die Versuchung [Versicherung] geben, das Ihr beide sehr gut außseht, so müßte mir bange werden, aber so denke ich mir, keines wird gerne schreiben, und so kömmt man ins [auf]schieben, ich weiß dieses von mir selbst. Wie mir Otto sagte so willst du mit Otto mir den Regenkragen [Wetterfleck] kauffen, ich traue dem Otto nicht recht, ich fürchte er hat dich aufgefordert die hälfte zu zahlen, ich habe ihm fest gesagt, ich zahle die hälfte davon, und nun sagte er auf einmal du wollest die Hälfte zahlen zum Nammenstag, was ich wohl nicht annehmen kann, da die Fanny auf wiederholtes bitten, sie möchte sich doch in meinem Nahmen etwas kauffen was sie freut und braucht, es nicht gethan hat. Ich bath sie, sie möge so gut sein, es dem Franz zu sagen, damit ich mit Otto dan abrechnen kann. - Wie geht es Euch meine Lieben geht Ihr recht viel spatzieren! Ich gehe halt sehr viel in Duregger Hof [Mozartplatz 4 mit kleinem Innenhof]. am Mittwoch gehen Otto Louise die 2 größeren Kinder ins Pußterthal nach Meystatt es ist inner Brunnecken [bei Bruneck/Südtirol], die Fammile Duregger geht auch mit. Sie freuen sich schon alle, er will bis 8te Septemmber wider hier sein. Gott gebe das alles gut vorüber gehe. – Heute den 17te bis hierher schrieb ich vorgestern mitlerweile wurde die kleine Louise wider an einer Halsentzündung krank, es ist daher wider unbestimmt ob sie so weit gehen, und wann sie gehen wie die Louise nicht beßer ist, kan davon nicht die Rede sein, sie will sich ja nichts anthun lassen, und nichts nehmen, sie hatte auch von einigen Tagen eine Halsentzündung es ging aber schnel vorüber. Dießmal scheint aber das Übel tiefer zu sitzen, wie wollen das beßere hoffen. - Gestern war ich bey der großmutter [Fanny Kobler] es geht ihr gottlob gut bis auf öfters Herzklopfen. Die Großmutter scheint doch so bald sie kan nach Mödling zu gehen; ihre Partey [Mieter] geht bis 1 September fort, dan muß sie erst den Maurer und anstreicher nehmen für die Küche, dan denke ich wird nicht mehr viel im Wege liegen, Wie mir scheint möchte sie mit Louise fahren. Ich denke gerade auf, wenn die Großmutter es mitnehmen könnte, so schücke ich Euch ein Glaß, schönster eingesottener Ribisel [Johannisbeeren], ich werde schon die Großmutter darum bitten. Otto und Louise lassen Euch recht herzlich grüßen. Nun sind wider die Schissel beyde hier er war in Bad, in Baden, in der Schweitz, und hat ihm sehr gut gethan. Sie werden noch, einige Tage hier bleiben. die Frau direktor Reitlechner war vor ein paar Tagen auf besuch bey mir, bat mich aber nicht mehr zu ihr zu kommen in dem sie den volgenden Tag ziehen sie weiß nicht wohin da in ihrem Hauß in ein paar Tagen alles gepfändet wird, und so war mir sehr leid ihr keinen gegenbesuch machen zu können. die Späth ist schon längere Zeit an einen Magenkatahr [-katarrh] krank und oft sehr schwach. Lebt recht wohl meine lieben theuren lasset recht bald etwas von Euch hören Eure Euch treu liebende Mutter Spángler
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 15.8.74 [1874]: [verkehrt:] Sind sie bey Langer für ganz von Mödling weggekommen? Viele grüße von allen Bekannten. Lürzer Leopold von Hopfgarten ist am 3 dieses Monnaths an Lungenleiden gestorben. - Meine inigst geliebten Theuren! Es ist schon so lange, seit ich den letzten Brief erhalten von Euch, das, ich wen ich nicht zufällinger Weise, von dort, und da, etwas hörte, und mir auch die Versuchung [Versicherung] geben, das Ihr beide sehr gut außseht, so müßte mir bange werden, aber so denke ich mir, keines wird gerne schreiben, und so kömmt man ins [auf]schieben, ich weiß dieses von mir selbst. Wie mir Otto sagte so willst du mit Otto mir den Regenkragen [Wetterfleck] kauffen, ich traue dem Otto nicht recht, ich fürchte er hat dich aufgefordert die hälfte zu zahlen, ich habe ihm fest gesagt, ich zahle die hälfte davon, und nun sagte er auf einmal du wollest die Hälfte zahlen zum Nammenstag, was ich wohl nicht annehmen kann, da die Fanny auf wiederholtes bitten, sie möchte sich doch in meinem Nahmen etwas kauffen was sie freut und braucht, es nicht gethan hat. Ich bath sie, sie möge so gut sein, es dem Franz zu sagen, damit ich mit Otto dan abrechnen kann. - Wie geht es Euch meine Lieben geht Ihr recht viel spatzieren! Ich gehe halt sehr viel in Duregger Hof [Mozartplatz 4 mit kleinem Innenhof]. am Mittwoch gehen Otto Louise die 2 größeren Kinder ins Pußterthal nach Meystatt es ist inner Brunnecken [bei Bruneck/Südtirol], die Fammile Duregger geht auch mit. Sie freuen sich schon alle, er will bis 8te Septemmber wider hier sein. Gott gebe das alles gut vorüber gehe. – Heute den 17te bis hierher schrieb ich vorgestern mitlerweile wurde die kleine Louise wider an einer Halsentzündung krank, es ist daher wider unbestimmt ob sie so weit gehen, und wann sie gehen wie die Louise nicht beßer ist, kan davon nicht die Rede sein, sie will sich ja nichts anthun lassen, und nichts nehmen, sie hatte auch von einigen Tagen eine Halsentzündung es ging aber schnel vorüber. Dießmal scheint aber das Übel tiefer zu sitzen, wie wollen das beßere hoffen. - Gestern war ich bey der großmutter [Fanny Kobler] es geht ihr gottlob gut bis auf öfters Herzklopfen. Die Großmutter scheint doch so bald sie kan nach Mödling zu gehen; ihre Partey [Mieter] geht bis 1 September fort, dan muß sie erst den Maurer und anstreicher nehmen für die Küche, dan denke ich wird nicht mehr viel im Wege liegen, Wie mir scheint möchte sie mit Louise fahren. Ich denke gerade auf, wenn die Großmutter es mitnehmen könnte, so schücke ich Euch ein Glaß, schönster eingesottener Ribisel [Johannisbeeren], ich werde schon die Großmutter darum bitten. Otto und Louise lassen Euch recht herzlich grüßen. Nun sind wider die Schissel beyde hier er war in Bad, in Baden, in der Schweitz, und hat ihm sehr gut gethan. Sie werden noch, einige Tage hier bleiben. die Frau direktor Reitlechner war vor ein paar Tagen auf besuch bey mir, bat mich aber nicht mehr zu ihr zu kommen in dem sie den volgenden Tag ziehen sie weiß nicht wohin da in ihrem Hauß in ein paar Tagen alles gepfändet wird, und so war mir sehr leid ihr keinen gegenbesuch machen zu können. die Späth ist schon längere Zeit an einen Magenkatahr [-katarrh] krank und oft sehr schwach. Lebt recht wohl meine lieben theuren lasset recht bald etwas von Euch hören Eure Euch treu liebende Mutter Spángler
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 24.12.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung [Umzug von Mödling nach Wien] beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel [Vater Richard Schlegel, Arzt] ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter [Spängler] erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung [Umzug] gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden. Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: 24.12.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung [Umzug von Mödling nach Wien] beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel [Vater Richard Schlegel, Arzt] ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter [Spängler] erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung [Umzug] gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden. Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.
    
==== Otto Spänger an Bruder Franz Spängler ====
 
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==== Fanni Spänger an Fanny Kobler ====
 
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1875 FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Wien 3/7.1875/ Meine liebe Großmutter! Verzeihe, daß ich dich mit dieser Sendung belästige, aber ich denke Ida kommt ohnehin oft zu dir, und da ich nicht weiß ob sie häufig zu Hause ist, dachte ich, es ist beßer wenn die Franzen an dich kommen. Ich glaube, die Franzen sind für ihre Schönheit nicht theuer. Ida hat mir einen ziemlich traurigen Brief geschrieben. Ich würde ihre die Angelegenheit sobald als möglich zu entscheiden führen, wenn ich an ihrer Stelle wäre./ Selbst die traurigste Gewißheit wäre minder peinlich als dieses ewige Hin und Her. Ich glaube du bist auch dieser Ansicht. Liebe Großmutter ich lege eine weiße Schürze bei, welche dem Fräulein Lina Schmelzing gehört, sie wurde mir durch Trudwin [?] Duscher übergeben, bei welcher das Fräulein die Schürze vergeßen hat. Bitte schicke die Liesa zu Frau von Schmelzing. Wenn Lotti nicht mehr in Salzburg sein sollte so sei so gut und schicke meinen Brief an sie./ Zur angenehmen Neuigkeit kann ich berichten, daß Franzl gestern schriftlich seinen 4 wochentlichen Urlaub zugesichert bekommen hat. Wir werden Wien in den letzten Tagen dieses Monates, möglicherweise erst am 2. August verlaßen. Unser Reiseplan steht noch immer nicht fest, doch denken wir ohngefähr eine Woche zu reisen. Gestern begegnete ich in der Stadt Frau von Taube und ihre Tante, sie sehen Beide recht gut aus. Sie erkundigten sich sogleich nach dir, und empfehlen/ sich dir aufs Beste. Letzten Sonnt Feiertag waren wir in Dornbach, wo wir den dort weilenden Cardinal von Salzburg unsere ergebenste Aufwartung machten. Wir wurden sehr freundlich empfangen[.] Tante Alois ist hier bei Angermeyer, sie ist doch ziemlich ruhig und wol. Mittwoch waren alle hiesigen Spängler sowie Angermeyer bei uns. Es waren unser 11 Personen. Es war ganz lustig. Und nun lebe recht wol. Franzl grüßt dich, Rosi küßt die Hand und auf baldiges frohes und langes Wiedersehn freut sich ungeheuer deine dankbare Enkelin Fanni [am Rand:] Unseren Gruß an Theres, geht es ihr wieder gut? An Allem Alle die herzlichsten Gruße/ Ist zur Hochzeit unser Telegramm rechtzeitig gekommen? - Der Brief liegt in der kleinen Schatztruhe, die [auch bei uns] „neben der Spängler-Uhr steht“. Im Umschlag liegt ebenfalls dort eine Rechnung des „Hôtel de la Poste, Genève“, für Mon[sier]. Spängler, ohne erkennbares Datum, kommt von der im Brief erwähnten „Reise“. Seit 1874 sind die Spängler in Wien. – Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.; zur Verlobung gratuliert „Maria Spängler“ 1871 aus Ried.
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1875 Fanni Spängler an FANNY KOBLER: Wien 3/7.1875/ Meine liebe Großmutter! Verzeihe, daß ich dich mit dieser Sendung belästige, aber ich denke Ida kommt ohnehin oft zu dir, und da ich nicht weiß ob sie häufig zu Hause ist, dachte ich, es ist beßer wenn die Franzen an dich kommen. Ich glaube, die Franzen sind für ihre Schönheit nicht theuer. Ida hat mir einen ziemlich traurigen Brief geschrieben. Ich würde ihre die Angelegenheit sobald als möglich zu entscheiden führen, wenn ich an ihrer Stelle wäre./ Selbst die traurigste Gewißheit wäre minder peinlich als dieses ewige Hin und Her. Ich glaube du bist auch dieser Ansicht. Liebe Großmutter ich lege eine weiße Schürze bei, welche dem Fräulein Lina Schmelzing gehört, sie wurde mir durch Trudwin [?] Duscher übergeben, bei welcher das Fräulein die Schürze vergeßen hat. Bitte schicke die Liesa zu Frau von Schmelzing. Wenn Lotti nicht mehr in Salzburg sein sollte so sei so gut und schicke meinen Brief an sie./ Zur angenehmen Neuigkeit kann ich berichten, daß Franzl gestern schriftlich seinen 4 wochentlichen Urlaub zugesichert bekommen hat. Wir werden Wien in den letzten Tagen dieses Monates, möglicherweise erst am 2. August verlaßen. Unser Reiseplan steht noch immer nicht fest, doch denken wir ohngefähr eine Woche zu reisen. Gestern begegnete ich in der Stadt Frau von Taube und ihre Tante, sie sehen Beide recht gut aus. Sie erkundigten sich sogleich nach dir, und empfehlen/ sich dir aufs Beste. Letzten Sonnt Feiertag waren wir in Dornbach, wo wir den dort weilenden Cardinal von Salzburg unsere ergebenste Aufwartung machten. Wir wurden sehr freundlich empfangen[.] Tante Alois ist hier bei Angermeyer, sie ist doch ziemlich ruhig und wol. Mittwoch waren alle hiesigen Spängler sowie Angermeyer bei uns. Es waren unser 11 Personen. Es war ganz lustig. Und nun lebe recht wol. Franzl grüßt dich, Rosi küßt die Hand und auf baldiges frohes und langes Wiedersehn freut sich ungeheuer deine dankbare Enkelin Fanni [am Rand:] Unseren Gruß an Theres, geht es ihr wieder gut? An Allem Alle die herzlichsten Gruße/ Ist zur Hochzeit unser Telegramm rechtzeitig gekommen? - Der Brief liegt in der kleinen Schatztruhe, die [auch bei uns] „neben der Spängler-Uhr steht“. Im Umschlag liegt ebenfalls dort eine Rechnung des „Hôtel de la Poste, Genève“, für Mon[sier]. Spängler, ohne erkennbares Datum, kommt von der im Brief erwähnten „Reise“. Seit 1874 sind die Spängler in Wien. – Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.; zur Verlobung gratuliert „Maria Spängler“ 1871 aus Ried.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.10.75 [1875]: Meine innigst geliebten Theuren! Ich hatte schon große Sensucht, von Euch meine Lieben einen Brief zu erhalten, endlich am Montag wurde ich mit einer Nachricht erfreut, und zwar doppelt erfreulich, weil ich nun mit aller Ruhe hoffen kann das alles in Ordnung ist. Der liebe Gott gebe seinen Segen dazu: Ich bitte dich liebe Fany [Fanni] schon dich- thue ja nichts was dir oder den Kinde nachtheilig sein könte. Besonders Verkühlung ist sehr nachtheilig. Wie froh bin ich daß du so heiter und ruhig bist, so hoffe ich wird auch das Kindlein so werden. Ich habe bey durchlesung des Briefes Freudenthränen vergoßen. Ich freue mich schon auf das Kindlein. Gott gebe das alles glücklich Vorübergehe, dan werden wir uns alle im stillen glück erfreuen. Liebe Fany ich bin schon immer jetzt schon sehr bedacht auf meine Gesundheit und auch auf meine Kraft das ich Euch meine wenige Kraft bieten kann, auch giebt der liebe Gott für besodere Fälle auch besondere Kräfte, und dieß erwarte auch ich, von den lieben Gott. Wie schnel wird die Zeit, diese wenigen Monathe vorüber gehen bis ich fort reise von hier. Ich habe nun schon angefangen an den Leibchen zu strücken und Morgen nehmen wir bey der Großmutter eine restliche durchschau der Kindswasch vor, auch nehme ich Wückelthuch und unterlegel mit und so binderln wie man sie nimmt wen man die Kinder nicht mehr fatscht [eng in Binden wickelt] einen Flanel nehme ich auch mit damit sie alles sieht, wie es die Louise hat. Du hast gewiß schon manches gemacht, für das Kindlein. 1 Barterl werde ich auch minehmen. - Otto kömmt nicht nach Wien man weiß nicht wem es eingefallen ist so etwas hinein setzen zu lassen [in die Zeitung] er hat es auch schon wider ruffen lasen. Wegen Hechen [?] Beschau wirst du wie alle hier sehr erfreut geweßen sein besonders die Holzschu Fräulein welche so kümmerlich leben mußten diese können nun wen sie dieses Geld bekommen ganz anständig leben. Sie haben bey einer Außbeute [Rente, Zinsen] 57 fl [Gulden] mit der Außbeute welche auch zugleich mit der großen Zahlung vereint wird bekommen die Holzschuischen bey 3000 fl nebst dem wird auch beantragt, das ferner 6 bis 7 Außbeuten, allzahnlich sind. Dieß ist wohl ein großes Glück, für die gesellschaft. Die Großmutter ist Gottlob zimmlich wohl, im ganzen hält dies Klopfen nicht mehr so lange an wie sonst. Ich habe zu Otto gesagt wen Ihr die Zahlung von der Hannerau [?] bekömmt so wäre es sehr angezeugt wen Ihr für den guten Vater einen Grabstein setzen laßen würdet. Lebt recht wohl meine innigstgeliebten Euch segnend und herzlich grüßend verbleibe ich Eure Euch treuliebende Mutter Antonia Spángler. – Otto und Louise grüßen Euich herzlich.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.10.75 [1875]: Meine innigst geliebten Theuren! Ich hatte schon große Sensucht, von Euch meine Lieben einen Brief zu erhalten, endlich am Montag wurde ich mit einer Nachricht erfreut, und zwar doppelt erfreulich, weil ich nun mit aller Ruhe hoffen kann das alles in Ordnung ist. Der liebe Gott gebe seinen Segen dazu: Ich bitte dich liebe Fany [Fanni] schon dich- thue ja nichts was dir oder den Kinde nachtheilig sein könte. Besonders Verkühlung ist sehr nachtheilig. Wie froh bin ich daß du so heiter und ruhig bist, so hoffe ich wird auch das Kindlein so werden. Ich habe bey durchlesung des Briefes Freudenthränen vergoßen. Ich freue mich schon auf das Kindlein. Gott gebe das alles glücklich Vorübergehe, dan werden wir uns alle im stillen glück erfreuen. Liebe Fany ich bin schon immer jetzt schon sehr bedacht auf meine Gesundheit und auch auf meine Kraft das ich Euch meine wenige Kraft bieten kann, auch giebt der liebe Gott für besodere Fälle auch besondere Kräfte, und dieß erwarte auch ich, von den lieben Gott. Wie schnel wird die Zeit, diese wenigen Monathe vorüber gehen bis ich fort reise von hier. Ich habe nun schon angefangen an den Leibchen zu strücken und Morgen nehmen wir bey der Großmutter eine restliche durchschau der Kindswasch vor, auch nehme ich Wückelthuch und unterlegel mit und so binderln wie man sie nimmt wen man die Kinder nicht mehr fatscht [eng in Binden wickelt] einen Flanel nehme ich auch mit damit sie alles sieht, wie es die Louise hat. Du hast gewiß schon manches gemacht, für das Kindlein. 1 Barterl werde ich auch minehmen. - Otto kömmt nicht nach Wien man weiß nicht wem es eingefallen ist so etwas hinein setzen zu lassen [in die Zeitung] er hat es auch schon wider ruffen lasen. Wegen Hechen [?] Beschau wirst du wie alle hier sehr erfreut geweßen sein besonders die Holzschu Fräulein welche so kümmerlich leben mußten diese können nun wen sie dieses Geld bekommen ganz anständig leben. Sie haben bey einer Außbeute [Rente, Zinsen] 57 fl [Gulden] mit der Außbeute welche auch zugleich mit der großen Zahlung vereint wird bekommen die Holzschuischen bey 3000 fl nebst dem wird auch beantragt, das ferner 6 bis 7 Außbeuten, allzahnlich sind. Dieß ist wohl ein großes Glück, für die gesellschaft. Die Großmutter ist Gottlob zimmlich wohl, im ganzen hält dies Klopfen nicht mehr so lange an wie sonst. Ich habe zu Otto gesagt wen Ihr die Zahlung von der Hannerau [?] bekömmt so wäre es sehr angezeugt wen Ihr für den guten Vater einen Grabstein setzen laßen würdet. Lebt recht wohl meine innigstgeliebten Euch segnend und herzlich grüßend verbleibe ich Eure Euch treuliebende Mutter Antonia Spángler. – Otto und Louise grüßen Euich herzlich.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 11.9.75 [1875]: Meine lieben Theuren! Wie lange habe ich mir schon vorgenohmen, an Euch meine lieben zu schreiben, und erst heute komme ich zur Außführung. Ich bin viel auf dem Land bald bey Otto, und bald bei Duregger, dan wird im Hauß in allen 3 Stöcken die Wasserleitung gerichtet wo ich besonders im 3te Stock oft nachschauen muß in meinem Spiegel wurden auch 3 Löcher zu Röhrenlegung durchgebrochen, ist aber noch nicht ganz fertig, es giebt so manchmal unangenehme dabey. Daß Ihr glücklich und wohlbehalten in Wien angekommen seit freute mich sehr, und ich hoffe es wird alles in Ordnung bleiben. Fany [Fanni, schwanger] soll sich nun halten, und besonders nicht schwer heben, und nicht zu weite S[p]atziergänge machen. Besonders bevor die ersten 4 Monnathe vorbey sind muß man in jeder Beziehung vorsichtig sein. Seit 2 Tagen geht es der Natalie, auch beßer, sie hatt Fieber die Mama wird sehr viele angst außgestanden haben, das Kindlein soll sehr gedeien. - Die Großmutter [Fanny Kobler] ist im ganzen zimmlich gleich, bald beßer, dan muß sie wider einige Stunden liegen, nach und nach wird es sich schon geben. Dermalen hat die Großmutter noch gar nichts von der Wasch [große Wäsche] gesprochen, es ist wohl auch noch Zeit. Die Großmutter hat neulich der Conto [Rechnung] gebracht, von dem Herrn Joseph Müllner, welcher das Bild [Foto] für dich ferfertigt hat, es mach[t] 2 f 75 der Otto wird es schon berichtigen wie es zeit hat, ich lasse ihm nicht vergeßen. Wegen der Pezi im Hoff ist es schon wie wir gesehen, es ist ihr bis 1te Ocktober aufgesagt. Vieleicht heurathet er sie bis dahin, noch weiß man nichts, er ist nicht hier, er muß aber dieser Tage kommen, weil die Stelle beginnt am 16te. Die Angermeier gehen Heute von hier fort sommit weil Ihr so nahe wohnt gebe ich ihn diesen Brief mit. Die Zeit läuft so schnel, wie bald werden auch wieder diese Monathe vergehen bis wir uns widersehen. Nicht wahr, ich dachte es mir, wie wohl dir wider gewesen sein wird, in deinen eigenen Haußwesen zu dirXXXnen zu könen. Es ist überal gut aber zu Hauße amm besten. - Den Herrn Prälaten habe ich noch nicht gesprochen. Das dir das viele Abstossen nichts getahn, ist ein großes Glück. auch ein Beweiß das es festen Sitz genohmen hat. Lida Plachetka ist eine ganz glückliche Braut. Im November ist die Vermählung. Auch Frau Auer soll verlobt sein mit dem jungen Weber. Ob wahr oder nicht kann ich nicht behaupten. Otto und Louise grüßen Euch recht herzlich Otto wird schon alles besorgen. Otto kann noch nicht herein Ziehen weil wir noch keine Wasser zum putzen haben das neue ist nicht fertig und das alte kömmt nicht mehr. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spángler von allen Bekanten herzliche Grüße.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 11.9.75 [1875]: Meine lieben Theuren! Wie lange habe ich mir schon vorgenohmen, an Euch meine lieben zu schreiben, und erst heute komme ich zur Außführung. Ich bin viel auf dem Land bald bey Otto, und bald bei Duregger, dan wird im Hauß in allen 3 Stöcken die Wasserleitung gerichtet wo ich besonders im 3te Stock oft nachschauen muß in meinem Spiegel wurden auch 3 Löcher zu Röhrenlegung durchgebrochen, ist aber noch nicht ganz fertig, es giebt so manchmal unangenehme dabey. Daß Ihr glücklich und wohlbehalten in Wien angekommen seit freute mich sehr, und ich hoffe es wird alles in Ordnung bleiben. Fany [Fanni, schwanger] soll sich nun halten, und besonders nicht schwer heben, und nicht zu weite S[p]atziergänge machen. Besonders bevor die ersten 4 Monnathe vorbey sind muß man in jeder Beziehung vorsichtig sein. Seit 2 Tagen geht es der Natalie, auch beßer, sie hatt Fieber die Mama wird sehr viele angst außgestanden haben, das Kindlein soll sehr gedeien. - Die Großmutter [Fanny Kobler] ist im ganzen zimmlich gleich, bald beßer, dan muß sie wider einige Stunden liegen, nach und nach wird es sich schon geben. Dermalen hat die Großmutter noch gar nichts von der Wasch [große Wäsche] gesprochen, es ist wohl auch noch Zeit. Die Großmutter hat neulich der Conto [Rechnung] gebracht, von dem Herrn Joseph Müllner, welcher das Bild [Foto] für dich ferfertigt hat, es mach[t] 2 f 75 der Otto wird es schon berichtigen wie es zeit hat, ich lasse ihm nicht vergeßen. Wegen der Pezi im Hoff ist es schon wie wir gesehen, es ist ihr bis 1te Ocktober aufgesagt. Vieleicht heurathet er sie bis dahin, noch weiß man nichts, er ist nicht hier, er muß aber dieser Tage kommen, weil die Stelle beginnt am 16te. Die Angermeier gehen Heute von hier fort sommit weil Ihr so nahe wohnt gebe ich ihn diesen Brief mit. Die Zeit läuft so schnel, wie bald werden auch wieder diese Monathe vergehen bis wir uns widersehen. Nicht wahr, ich dachte es mir, wie wohl dir wider gewesen sein wird, in deinen eigenen Haußwesen zu dirXXXnen zu könen. Es ist überal gut aber zu Hauße amm besten. - Den Herrn Prälaten habe ich noch nicht gesprochen. Das dir das viele Abstossen nichts getahn, ist ein großes Glück. auch ein Beweiß das es festen Sitz genohmen hat. Lida Plachetka ist eine ganz glückliche Braut. Im November ist die Vermählung. Auch Frau Auer soll verlobt sein mit dem jungen Weber. Ob wahr oder nicht kann ich nicht behaupten. Otto und Louise grüßen Euch recht herzlich Otto wird schon alles besorgen. Otto kann noch nicht herein Ziehen weil wir noch keine Wasser zum putzen haben das neue ist nicht fertig und das alte kömmt nicht mehr. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spángler von allen Bekanten herzliche Grüße.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 25.11.[18]75: [verkehrt:] Die Länge dieses Schiiel [?] ist die größe von den Unterlegeln ganz 4 XXX zum Saume ist schon zugegeben. - Meine lieben- lieben Theuren. Hiemit meinen herzlichen innigen Dank für Eure Wünsche zum 49te Hochzeitstag, es ist mir dieser Tag immer ein Tag, selliger Erinnerung- und Schmerz- das mir mein Glück so bald zu Grabe ging. Der Vater war mehr als gut wir lebten sehr glücklich. Nun seit Er tod ist suche ich mein Glück, im Glücke meiner Kinder. Nun will ich genau der lieben Fany [Fanni] ihre Fragen beantworten wegen der Kindswasch [Kinderwäsche, Ausstattung]. Im ganzen bin ich zufrieden was ich für dich liebe Fany errungen habe. Am schlechtesten geht es mit den Wückeltüchern und Unterlegeln es sind in der Zahl 26 Wückeltücher aber nur 9 haben die größe von der Louise ihren Muster. die anderen sind halt viel kürzer. Unterlegeln sind es 42 Stück, 13 davon sehr schon [schön] und groß, die U[e]brigen, kann ich mir nicht recht denken das wir sie brauchen können. Die Großmutter giebt mir aber immer zur Antwort, sind 2 Kinder damit groß geworden so wird diß Kind sie auch brauchen können. Ich mag sie nicht böse machen, sonst kauft sie uns die anderen Sachen zuletzt auch nicht mehr. Wir haben 4 ganz neue gute Flanell gekauft 5 Ell [Ellen] für 4 Stück die El 1 f 20 X [Gulden/Kreuzer] dan recht sehr liebe Bens [?] auf deckerl und duchentziehen [Bettüberzüge] fürs Bett. dan 4 Kapenleintücheln, und ich hoffe auch noch 4 Unterleinlicherln [?] dan 3 Einbinddeckerln. eines davon ist sehr lieb dan bekömmst du 4 recht gute Leibchen neue 2 kleine Leibchen. Dan einen Pfleiben-Sack als Unterbett im Korb, und darauf eine Matratze von Seegraß. und Polster. Vieleicht köntest du einmal ein Maß von der größe des Korbes, in Lange und Breite schücken. damit alles ordentlich wird. - Fatschpolster Kappe und Zieher bekömmst du auch hinunter. Wegen den Unterlegeln glaube ich wir sollen gar nichts sagen ich schücke die an den Santemetter [Centimeter] abgemeßen ganz genau die länge sie sind 4 ekicht. Ich bitte dich in der 27 X Handlung auf meine Rechnung 12 Ell Leinwand zu kaufen und zu machen, und es von mir als Christgeschenk zu nehmen, für dich und statt Franz etwas zu schücken kaufe dir Gutaberger Einlage für das Bett. Sie kostet auch ein paar gulden. Den sie bedeckt beynahe den ganzen Korb. So wären gute und Sachen gedeckt. Sage aber der großmutter nichts davon, weil sie es nicht zugiebt das die Unterlegeln nichts taugen. 2 Einlagen für die Einbinddeckerln gab mir die Louise für dich die nehme ich dan mit, oder wen ich mit deinen Leibchen fertig werde, schücke ich alles zusammen auf Weihnachten mit der Großmutter ihren Sachen. Otto ist Heute und Gestern in Achthall [Achtal] er läßt dich recht herzlich grüßen. Wie froh bin ich immer zu hören das es dir liebe Fany recht gut geht, so wird gewiß auch dan alles recht gut und glücklich vorüber gehen. Gieb auch vor Verkühlung recht obacht. Lebe recht wohl es küßt und Segnet Euch alle 3 Euere Euch von ganzen Herzen liebende Mutter Spángler. - „Hochzeitstag“: Vermählung mit Franz Xaver Spängler am 14.11.1826; Ehemann gestorben am 1.3.1854.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 25.11.[18]75: [verkehrt:] Die Länge dieses Schiiel [?] ist die größe von den Unterlegeln ganz 4 XXX zum Saume ist schon zugegeben. - Meine lieben- lieben Theuren. Hiemit meinen herzlichen innigen Dank für Eure Wünsche zum 49te Hochzeitstag, es ist mir dieser Tag immer ein Tag, selliger Erinnerung- und Schmerz- das mir mein Glück so bald zu Grabe ging. Der Vater war mehr als gut wir lebten sehr glücklich. Nun seit Er tod ist suche ich mein Glück, im Glücke meiner Kinder. Nun will ich genau der lieben Fany [Fanni] ihre Fragen beantworten wegen der Kindswasch [Kinderwäsche, Ausstattung]. Im ganzen bin ich zufrieden was ich für dich liebe Fany errungen habe. Am schlechtesten geht es mit den Wückeltüchern und Unterlegeln es sind in der Zahl 26 Wückeltücher aber nur 9 haben die größe von der Louise ihren Muster. die anderen sind halt viel kürzer. Unterlegeln sind es 42 Stück, 13 davon sehr schon [schön] und groß, die U[e]brigen, kann ich mir nicht recht denken das wir sie brauchen können. Die Großmutter giebt mir aber immer zur Antwort, sind 2 Kinder damit groß geworden so wird diß Kind sie auch brauchen können. Ich mag sie nicht böse machen, sonst kauft sie uns die anderen Sachen zuletzt auch nicht mehr. Wir haben 4 ganz neue gute Flanell gekauft 5 Ell [Ellen] für 4 Stück die El 1 f 20 X [Gulden/Kreuzer] dan recht sehr liebe Bens [?] auf deckerl und duchentziehen [Bettüberzüge] fürs Bett. dan 4 Kapenleintücheln, und ich hoffe auch noch 4 Unterleinlicherln [?] dan 3 Einbinddeckerln. eines davon ist sehr lieb dan bekömmst du 4 recht gute Leibchen neue 2 kleine Leibchen. Dan einen Pfleiben-Sack als Unterbett im Korb, und darauf eine Matratze von Seegraß. und Polster. Vieleicht köntest du einmal ein Maß von der größe des Korbes, in Lange und Breite schücken. damit alles ordentlich wird. - Fatschpolster Kappe und Zieher bekömmst du auch hinunter. Wegen den Unterlegeln glaube ich wir sollen gar nichts sagen ich schücke die an den Santemetter [Centimeter] abgemeßen ganz genau die länge sie sind 4 ekicht. Ich bitte dich in der 27 X Handlung auf meine Rechnung 12 Ell Leinwand zu kaufen und zu machen, und es von mir als Christgeschenk zu nehmen, für dich und statt Franz etwas zu schücken kaufe dir Gutaberger Einlage für das Bett. Sie kostet auch ein paar gulden. Den sie bedeckt beynahe den ganzen Korb. So wären gute und Sachen gedeckt. Sage aber der großmutter nichts davon, weil sie es nicht zugiebt das die Unterlegeln nichts taugen. 2 Einlagen für die Einbinddeckerln gab mir die Louise für dich die nehme ich dan mit, oder wen ich mit deinen Leibchen fertig werde, schücke ich alles zusammen auf Weihnachten mit der Großmutter ihren Sachen. Otto ist Heute und Gestern in Achthall [Achtal] er läßt dich recht herzlich grüßen. Wie froh bin ich immer zu hören das es dir liebe Fany recht gut geht, so wird gewiß auch dan alles recht gut und glücklich vorüber gehen. Gieb auch vor Verkühlung recht obacht. Lebe recht wohl es küßt und Segnet Euch alle 3 Euere Euch von ganzen Herzen liebende Mutter Spángler. - „Hochzeitstag“: Vermählung mit Franz Xaver Spängler am 14.11.1826; Ehemann gestorben am 1.3.1854.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 21.12.[18]75: [verkehrt:] Otto Louise grüßen Euch recht herzlich, mit Kindern [und] Bekannten. - Meine lieben Theuren! Soeben erhielt ich Euren lieben theuren Brief und danke schon im vorauß für das zu bekommende Weihnachts geschenk, der liebe Gott wolle mich gesund erhalten, das ich Euch an den so wichtigen Zeitpunkt, einige Hülfe leisten kann. Auch danke ich recht schön, das Ihr beschloßen, Ihr wollet mir in Zukunft jeden 11 fl Papier [11 Gulden Papiergeld] geben statt 10 f [monatliche Unterstützung beider Brüder], was mir bleibt gehört ja wieder Euch meine lieben Kinder. Die Louise sagte neulich das eine Gutenberger einlage über 2 f [Gulden] kostet, so dachte ich mir damit Ihr das Geld nicht dafür auß geben dürftet wil ich sie als Christgeschenk kauffen lassen nun hat sie aber eine schöne große gekauft und hat be[i]weiten nicht das gekostet. Nun glaube ich Franz soll sich lieber in meine Rech[n]ung beziehend 6 Hals krägen [Hemdkragen] kaufen wie er sie brauchen kann, oder was er sonst brauchen kann, es würde mich freuen, wen du etwas kaufen würdest was dir eine Freude oder Nutzen bringt. - Heute haben wir bey der Großmutter die Sachen gepackt für den kleinen Ankömling auch von mir sind 2 Heubchen und 2 Leibchen dabey du wirst sie schon kenen, sie sind, in den Ermeln roth und Blau eingezogen, und des gleichen auch die Hëubchen. Eines hoffe ich noch zu strücken welches ich selbst mitbringe. Die Großmutter hat sich schrecklich viel Mühe gegeben, bis sie alles so beysammen hatte,- und endlich eingepackt wurde; Ich hoffe es wird alles glücklich dort angelangen, sehet ja die Kiste so bald als moglich auf zu machen damit die Würste nicht verderben, welche die Großmutter / wie ich hoffe noch zur rechten Zeit bekommen hat / [und] bey packt. Die Großmutter hat sich viel kosten lassen, bis sie alles hat machen lassen. Gieb ja beim Außpacken obacht es liegt in den Bettdeckeln Ein Dutten [vielleicht Retorte, Destillierkolben? „Dutte“ ist aber auch die weibliche Brust; ist es eine Art Schnuller? Ich habe an versch. Stelle nachgefragt, leider vergeblich.], und die Schale zum Dizerlwasser [vielleicht destilliertes Wasser?] samt deckel, das es nicht zerbrechen wird, auch glaubt die Großmutter du solst die Sachen wen du sie angesehen, wieder in die Kiste geben bis man sie braucht damit du nicht schon jetzt den Platz verlierst. Die Kiste solst du ja nicht zusammen schlagen, da sie eine so gute ist. 22 h [Uhr] Die Großmutter war soeben bey mir und sagte das sie die Kiste soeben aufgegeben hat, und man sagte ihr das selbe Morgen schon nach Wien kömt, ich schücke daher heute noch diesen Brief ab dammit Ihr von der Kiste in Kentniß seid die Würste hat sie auch noch bekommen für die Kiste dürft Ihr nicht mehr zahlen, den die Großmutter hat die Fracht schon hier bezahlt. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen- gute Feyertage und guten Apetit zu den Würsten wünschen. - Wie sie kann wird sie Euch schreiben- jetzt muß sie einmal ein paar Tage rasten, den sie ist dermalen sehr auf geregt, aber im ganzen nicht übel. Im ganzen ist die Gesundheit der Großmutter beßer, da das Klopfen [Herzklopfen] nicht so lange anhält als früher. Liebe Fany du wirst wirst mich schon verstanden haben wegen denen Unterlegeln das du auf meine Rechnung 12 Stück kaufen solst und Franz 6 Krägen oder wen er sonst etwas nothwendig braucht ein gutes Meßer oder dergleichen, dann wen alles gekauft ist mit den Otto verrechnen. Du wirst schon sehen das es nothwendig ist den diese denke ich kann man wie sie sind nicht gebrauchen. bitte nur dir Nantalin [?] das sie dir ein Unterlegel leiht, dan weist du gleich schon was zu machen ist. Meine lieben gute glückliche Feyertage und ein gutes gutes neues Jahr, und ein frisches Kindlein mit krausten Hare. Gott Segen Euch und uns alle Mit Liebe Eure Euch herzlich liebende. Mutter Spángler - Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. Siehe auch Brief vom 17.11.1877.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 21.12.[18]75: [verkehrt:] Otto Louise grüßen Euch recht herzlich, mit Kindern [und] Bekannten. - Meine lieben Theuren! Soeben erhielt ich Euren lieben theuren Brief und danke schon im vorauß für das zu bekommende Weihnachts geschenk, der liebe Gott wolle mich gesund erhalten, das ich Euch an den so wichtigen Zeitpunkt, einige Hülfe leisten kann. Auch danke ich recht schön, das Ihr beschloßen, Ihr wollet mir in Zukunft jeden 11 fl Papier [11 Gulden Papiergeld] geben statt 10 f [monatliche Unterstützung beider Brüder], was mir bleibt gehört ja wieder Euch meine lieben Kinder. Die Louise sagte neulich das eine Gutenberger einlage über 2 f [Gulden] kostet, so dachte ich mir damit Ihr das Geld nicht dafür auß geben dürftet wil ich sie als Christgeschenk kauffen lassen nun hat sie aber eine schöne große gekauft und hat be[i]weiten nicht das gekostet. Nun glaube ich Franz soll sich lieber in meine Rech[n]ung beziehend 6 Hals krägen [Hemdkragen] kaufen wie er sie brauchen kann, oder was er sonst brauchen kann, es würde mich freuen, wen du etwas kaufen würdest was dir eine Freude oder Nutzen bringt. - Heute haben wir bey der Großmutter die Sachen gepackt für den kleinen Ankömling auch von mir sind 2 Heubchen und 2 Leibchen dabey du wirst sie schon kenen, sie sind, in den Ermeln roth und Blau eingezogen, und des gleichen auch die Hëubchen. Eines hoffe ich noch zu strücken welches ich selbst mitbringe. Die Großmutter hat sich schrecklich viel Mühe gegeben, bis sie alles so beysammen hatte,- und endlich eingepackt wurde; Ich hoffe es wird alles glücklich dort angelangen, sehet ja die Kiste so bald als moglich auf zu machen damit die Würste nicht verderben, welche die Großmutter / wie ich hoffe noch zur rechten Zeit bekommen hat / [und] bey packt. Die Großmutter hat sich viel kosten lassen, bis sie alles hat machen lassen. Gieb ja beim Außpacken obacht es liegt in den Bettdeckeln Ein Dutten [vielleicht Retorte, Destillierkolben? „Dutte“ ist aber auch die weibliche Brust; ist es eine Art Schnuller? Ich habe an versch. Stelle nachgefragt, leider vergeblich.], und die Schale zum Dizerlwasser [vielleicht destilliertes Wasser?] samt deckel, das es nicht zerbrechen wird, auch glaubt die Großmutter du solst die Sachen wen du sie angesehen, wieder in die Kiste geben bis man sie braucht damit du nicht schon jetzt den Platz verlierst. Die Kiste solst du ja nicht zusammen schlagen, da sie eine so gute ist. 22 h [Uhr] Die Großmutter war soeben bey mir und sagte das sie die Kiste soeben aufgegeben hat, und man sagte ihr das selbe Morgen schon nach Wien kömt, ich schücke daher heute noch diesen Brief ab dammit Ihr von der Kiste in Kentniß seid die Würste hat sie auch noch bekommen für die Kiste dürft Ihr nicht mehr zahlen, den die Großmutter hat die Fracht schon hier bezahlt. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen- gute Feyertage und guten Apetit zu den Würsten wünschen. - Wie sie kann wird sie Euch schreiben- jetzt muß sie einmal ein paar Tage rasten, den sie ist dermalen sehr auf geregt, aber im ganzen nicht übel. Im ganzen ist die Gesundheit der Großmutter beßer, da das Klopfen [Herzklopfen] nicht so lange anhält als früher. Liebe Fany du wirst wirst mich schon verstanden haben wegen denen Unterlegeln das du auf meine Rechnung 12 Stück kaufen solst und Franz 6 Krägen oder wen er sonst etwas nothwendig braucht ein gutes Meßer oder dergleichen, dann wen alles gekauft ist mit den Otto verrechnen. Du wirst schon sehen das es nothwendig ist den diese denke ich kann man wie sie sind nicht gebrauchen. bitte nur dir Nantalin [?] das sie dir ein Unterlegel leiht, dan weist du gleich schon was zu machen ist. Meine lieben gute glückliche Feyertage und ein gutes gutes neues Jahr, und ein frisches Kindlein mit krausten Hare. Gott Segen Euch und uns alle Mit Liebe Eure Euch herzlich liebende. Mutter Spángler - Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. Siehe auch Brief vom 17.11.1877.
    
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FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 22.12.1875 [erst 1877 wird Franzi, die älteste der Spängler-Geschwister, geboren, vgl. folgenden Brief vom 15.4.1876; es ist ein totgeborenes {?} Kind davor gemeint], Brief 1,5 Bogen ohne Umschlag aus Salzburg an: „Liebe Fanni! „Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882, Nr.37; Fannis eigene Mutter stirbt bei der Geburt der Tochter 1848; auch deshalb ist die Verbindung zur Großmutter besonders eng] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr [zweites Blatt, Prägestempel „Bath“] zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“ – Beigelegt [von mir; gehört nicht unbedingt hierher] zwei Visitenkarten „Fanni Kobler. Private“.
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: 22.12.1875 [erst 1877 wird Franzi, die älteste der Spängler-Geschwister, geboren, vgl. folgenden Brief vom 15.4.1876; es ist ein totgeborenes {?} Kind davor gemeint], Brief 1,5 Bogen ohne Umschlag aus Salzburg an: „Liebe Fanni! „Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882, Nr.37; Fannis eigene Mutter stirbt bei der Geburt der Tochter 1848; auch deshalb ist die Verbindung zur Großmutter besonders eng] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr [zweites Blatt, Prägestempel „Bath“] zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“ – Beigelegt [von mir; gehört nicht unbedingt hierher] zwei Visitenkarten „Fanni Kobler. Private“.
    
=== 1876 ===
 
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==== Ida Schlöglhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Ida Schlöglhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
1876 Ida, verh. Schlögelhofer [eine Freundin von Fanni] und „Großmutter“, FANNY KOBLER, an FANNI SPÄNGLER: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter./ [Nr.79, Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni. [Dieser Brief liegt ausnahmsweise in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben); von ihm sind Fotos in der Datei „FamArchiv“ und Text und Fotos habe ich für Salzburgwiki.at (Kobler-Spängler-Briefe) verwendet. Die anderen Kobler-Briefe liegen in der Spängler-Holzkiste.]
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1876 Ida, verh. Schlögelhofer [eine Freundin von Fanni] und „Großmutter“, FANNY KOBLER, an Fanni Spängler: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter./ [Nr.79, Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni. [Dieser Brief liegt ausnahmsweise in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben); von ihm sind Fotos in der Datei „FamArchiv“ und Text und Fotos habe ich für Salzburgwiki.at (Kobler-Spängler-Briefe) verwendet. Die anderen Kobler-Briefe liegen in der Spängler-Holzkiste.]
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 6te März 1876./ Liebe Fanni! Worin meine meine inigsten aufrichtigen Wünsche bestehen weißt du ohnehin, dießmal [schließt] sich noch ein Wunsch an, ich bethe täglich Gott, dich eine recht glückliche Mutter werden zu lassen. Gott möge dir die Gnade verlein das du ein gesundes Kind in deine Arme schlüßen kannst. Das die gute Mutter gesund bey auch angelang [?] ist, bin recht/ bin ich recht erfreud, sage ihm von mir herzlich Grüße und Küße; so auch deinen guten Mann. Mein Befinden ist ziemlich gut, gestern bin ich nach 3 Wochen das erst mal wieder in die Kirche gegangen; ich konte ja keinen Schuh vertragen. Lorinser Mina die Vermählungsanzeige geschickt. Das Preßent wirst du ihr wohl schon überschückt haben. Schreibe mir was du da für ausgegeben hast. Die Ida hat mir für die Franzen die 6 f gegeben/ sage mir mit kurzen Worten wenn du das was ich für dich ausgeben abziehst was ich dir in barem zu zahlen habe, damit ich dir das Geld schücken kann. Den Brief wo du mir das geschrieben hast den hab ich verlegt. Ich werde dann wie gewöhnlich zu deinem Namenstag die 10 f bey legen. Die Muster vom Schlafrock gefählt mir gut. wieviel Ellen hast du gebraucht und was hat die Elle gekostet. Heute geht das Schreiben wieder garnicht. Lebe wohl liebe Fanni meine Wünsche werden hollent [?] umarmt und küßt dich deine Großmutter Fanni Kobler. Ther ses [Theres] wünscht dir alles Gute - Geschrieben mit 80 Jahren von Fanny Kobler, geb. 1796 in Salzburg, gest. 1886. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Kobler als würdige, ältere Dame
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 6te März 1876./ Liebe Fanni! Worin meine meine inigsten aufrichtigen Wünsche bestehen weißt du ohnehin, dießmal [schließt] sich noch ein Wunsch an, ich bethe täglich Gott, dich eine recht glückliche Mutter werden zu lassen. Gott möge dir die Gnade verlein das du ein gesundes Kind in deine Arme schlüßen kannst. Das die gute Mutter gesund bey auch angelang [?] ist, bin recht/ bin ich recht erfreud, sage ihm von mir herzlich Grüße und Küße; so auch deinen guten Mann. Mein Befinden ist ziemlich gut, gestern bin ich nach 3 Wochen das erst mal wieder in die Kirche gegangen; ich konte ja keinen Schuh vertragen. Lorinser Mina die Vermählungsanzeige geschickt. Das Preßent wirst du ihr wohl schon überschückt haben. Schreibe mir was du da für ausgegeben hast. Die Ida hat mir für die Franzen die 6 f gegeben/ sage mir mit kurzen Worten wenn du das was ich für dich ausgeben abziehst was ich dir in barem zu zahlen habe, damit ich dir das Geld schücken kann. Den Brief wo du mir das geschrieben hast den hab ich verlegt. Ich werde dann wie gewöhnlich zu deinem Namenstag die 10 f bey legen. Die Muster vom Schlafrock gefählt mir gut. wieviel Ellen hast du gebraucht und was hat die Elle gekostet. Heute geht das Schreiben wieder garnicht. Lebe wohl liebe Fanni meine Wünsche werden hollent [?] umarmt und küßt dich deine Großmutter Fanni Kobler. Ther ses [Theres] wünscht dir alles Gute - Geschrieben mit 80 Jahren von Fanny Kobler, geb. 1796 in Salzburg, gest. 1886. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Kobler als würdige, ältere Dame
 
    
 
    
 
==== Antonia von Lürzer an Franz Spängler und Fanni ====
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 15.4.1876, Brief ohne Umschlag: „Nach langen 3 Wochen sind meine Augen wieder so daß es mir möglich ist ein paar Zeilen an dich zu schreiben, wie vieles hätte ich dich zu fragen, leider kann ich das nicht. Den lieben Gott tausent Dank das er dir deine Gesundheit wieder geschänkt hat, deine Kräfte werden wieder kommen wenn das Wetter es erlaubt die frische Luft wieder zu grüßen Noch mal tausent Dank der guten umsichtigen Mutter [Spängler] und und deinen lieben Mann, über allen die dich in den bangen Stunden umgeben haben – Ich kann leider deine lieben Briefe nicht beantworten ich kann das von mir geschriebene nicht mehr lesen, wie schwer mir das ist kannst du dir gar nicht denken so mußt du mit meinem Geschreibsel schon zufrieden sein, und dir alles selbst zu samen denken. Wie leid es mir ist das ich weder Kistel noch Bücher deinem Mann aufbewahren kann ist selbstverständlich. Ich bekome in die zwey Zimmer neben mir, bis 1 May einem Herrn Oberkriegscomisär von Graz, Herrn Qualler, welche jetzt in Salzburg leben wollen. Sie werden mehrere Möbel selbst mitbringen daher ich von meinen Möbeln mehreres raus nehmen muß, da kan im Kammerl nichts untergebracht werden, unser beschra[ä]nkter Durchboden ist dir bekant. Frau v: Bauernfeid [Paurnfeind] liegt 4 Monate schon an ihren Fußleiden Dr: Günther vertröst[et] sie immer mit dem besseren Wetter sie ist oft recht verzagt hat viele Schmerzen, grüßt auch alle vie[l]mals. Oma Gattermayer geht es immer gleich, die linke Seite ist beynahe unbeweglich, so sind meine Freundinnen zusammengeschmolzen, die Rosi ist trauXXX Mein Befinden ist wied[er] ziemlich gut ich bin sehr hoch in die 70 [sie ist 79] was kann man da soch [?] ansprächen. Der alten Baschenzky [?] geht es gut bis auf ihren gewöhnlichen Zustand. Bitte alle Bekannten grüßen mich herzlich. Die SchXXberger ist oft unwohl. Ich wünsche recht gute Feyertage Grüß herzliche Grüße an die gute Mutter, an deinen Mann und vielen Dank für seine Nachrichten während deinen Wochenbett Lebe wohl liebe Fanni es umarmt euch Euere Großmutter Fanni“ [ganzen Brief übertragen] – „Wochenbett“: sie heiraten 1872, Fanny Kobler ist 1796 geboren, Franzi Spängler wird 1877 in Wien geboren. Hier muss es ein (totes) Kind geben, von dem ich nichts Näheres weiß (siehe auch Brief vom Febr. und folgende Briefe!).
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: 15.4.1876, Brief ohne Umschlag: „Nach langen 3 Wochen sind meine Augen wieder so daß es mir möglich ist ein paar Zeilen an dich zu schreiben, wie vieles hätte ich dich zu fragen, leider kann ich das nicht. Den lieben Gott tausent Dank das er dir deine Gesundheit wieder geschänkt hat, deine Kräfte werden wieder kommen wenn das Wetter es erlaubt die frische Luft wieder zu grüßen Noch mal tausent Dank der guten umsichtigen Mutter [Spängler] und und deinen lieben Mann, über allen die dich in den bangen Stunden umgeben haben – Ich kann leider deine lieben Briefe nicht beantworten ich kann das von mir geschriebene nicht mehr lesen, wie schwer mir das ist kannst du dir gar nicht denken so mußt du mit meinem Geschreibsel schon zufrieden sein, und dir alles selbst zu samen denken. Wie leid es mir ist das ich weder Kistel noch Bücher deinem Mann aufbewahren kann ist selbstverständlich. Ich bekome in die zwey Zimmer neben mir, bis 1 May einem Herrn Oberkriegscomisär von Graz, Herrn Qualler, welche jetzt in Salzburg leben wollen. Sie werden mehrere Möbel selbst mitbringen daher ich von meinen Möbeln mehreres raus nehmen muß, da kan im Kammerl nichts untergebracht werden, unser beschra[ä]nkter Durchboden ist dir bekant. Frau v: Bauernfeid [Paurnfeind] liegt 4 Monate schon an ihren Fußleiden Dr: Günther vertröst[et] sie immer mit dem besseren Wetter sie ist oft recht verzagt hat viele Schmerzen, grüßt auch alle vie[l]mals. Oma Gattermayer geht es immer gleich, die linke Seite ist beynahe unbeweglich, so sind meine Freundinnen zusammengeschmolzen, die Rosi ist trauXXX Mein Befinden ist wied[er] ziemlich gut ich bin sehr hoch in die 70 [sie ist 79] was kann man da soch [?] ansprächen. Der alten Baschenzky [?] geht es gut bis auf ihren gewöhnlichen Zustand. Bitte alle Bekannten grüßen mich herzlich. Die SchXXberger ist oft unwohl. Ich wünsche recht gute Feyertage Grüß herzliche Grüße an die gute Mutter, an deinen Mann und vielen Dank für seine Nachrichten während deinen Wochenbett Lebe wohl liebe Fanni es umarmt euch Euere Großmutter Fanni“ [ganzen Brief übertragen] – „Wochenbett“: sie heiraten 1872, Fanny Kobler ist 1796 geboren, Franzi Spängler wird 1877 in Wien geboren. Hier muss es ein (totes) Kind geben, von dem ich nichts Näheres weiß (siehe auch Brief vom Febr. und folgende Briefe!).
    
==== Briefumschlag ohne Marke ====
 
==== Briefumschlag ohne Marke ====
Stempel Wien-Josefstadt 1876; „Dem Herrn Doctor Franz Spängler [Nr.18] kk Gerichtsadjunkt in Wien VIII Schlößelgasse Nr.8, II.Stock, Thür 14“, enthaltend: FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler und zurück: 11.7.1876 Postkarte, Bleistift, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! in Frankenmarkt gut angelangt, fange schon an einigen Hunger zu kriegen, auf Nachricht von dir freue ich mich sehr, es wird schön sein wieder bei dir zu sein, Maria Plain in Sicht [im Zug vor Salzburg], ich hoffe dir heut noch zu schreiben, grüße alle Bekannten, grüße Rosi [Hausangestellte].
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Stempel Wien-Josefstadt 1876; „Dem Herrn Doctor Franz Spängler [Nr.18] kk Gerichtsadjunkt in Wien VIII Schlößelgasse Nr.8, II.Stock, Thür 14“, enthaltend: Fanni Spängler an Franz Spängler und zurück: 11.7.1876 Postkarte, Bleistift, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! in Frankenmarkt gut angelangt, fange schon an einigen Hunger zu kriegen, auf Nachricht von dir freue ich mich sehr, es wird schön sein wieder bei dir zu sein, Maria Plain in Sicht [im Zug vor Salzburg], ich hoffe dir heut noch zu schreiben, grüße alle Bekannten, grüße Rosi [Hausangestellte].
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 11.7. [1876] ein Bogen Brief von Salzburg [verblasste Tinte]: Mein lieber Franzl! Meine Karte hast du hoffentlich erhalten, die dir beweisen sollte, daß ich glücklich ankam; ich benütze nun die erste ruhige Minute, um mit dir zu plaudern, und gedenke überhaupt meine freien Augenblicke zu diesem Geschäfte fleißig zu benützen. Also den Reisebericht: Ich fuhr recht angenehm mit der Familie, die du gesehen hast, den Namen habe ich nicht erfahren; es war Großmutter, Tochter und Enkelin. In Wels stieg Frl. Agathe aus und Frl. Lotte Lungenschneid ein. Wir erkannten uns anfangs gegenseitig nicht, dann war natürlich das Weiberl dasjenige, welche keine Idee hatte, wen sie vor sich hatte. Nach geschehener Erkennung haben wir gemütlich geplauscht. [am Rand, oben und unten:]/Die Ränder dieser Epistel sind auf gewohnte Weise beschrieben./ Hat dir Rosi gut gekocht? Großmutter u. Mutter grüßen sehr herzlich, auch ich natürlich. Allen Verwandten unseren Gruß. Am Bahnhof nahmen mich deine Mutter und meine Stiefmutter u. Schwägerin Luise [Louise Spängler] in Empfang. Wir wanderten zu Fuße in die Stadt. Meinen Koffer beförderte der Omnibus von Raith /: nun mehr Hutêl Haas [?]:/ Die Großmutter nahm mich mit Freuden auf und installirte mich in unser Fremdenzimmer. Es ist mir sehr lieb, mein eigenes Zimmer zu haben. Und somit wäre Alles schön und gut, wenn ich auch nur meinen herzlieben Franzl da hätte! Und wie kommt es denn dir vor, ohne deinen Plagegeist. Recht erfreut war Großmutter über das Mitbringen meiner Zither. Nach Tische waren wir beim Vater [Richard Schlegel, Arzt], der sehr zufrieden mit meinem Aussehen ist. Alle grüßen dich herzlichst, Großmutter läßt dir noch ganz besonders danken daß du mich geschickt hast. Wenn ich doch Abends nur 10 Minuten bei meinem lieben, lieben Franzl sein könnte. Deine Mutter sieht wieder recht gut aus. Meine Mutter [Kathi Schlegel, geb. Arrigler; Stiefmutter] ist nahezu ergraut, die Großmutter [Fanny Kobler] sieht weit besser aus, als ich es zu hoffen wagte. Ihre Stimmung ist ziemlich verbittert, ihr Ton gegen Theres [Hausangestellte] ist derselbe wie vor einem Jahre. Ich habe mir vorgenommen, meine Ohren und meinen Schnabel nach Möglichkeit zu zubehalten. Ein kluger Vorsatz, nicht wahr? Wenn er nur auch gehalten wird! Es gefällt mir hier gar nicht übel, aber daß ich mich schon aufs Heimreisen freue, kannst du glauben. Ich werde mich jetzt beeilen, den Brief auf die Post zu bringen und bitte dich, mir zu schreiben, ob du denselben noch rechtzeitig, d.h. morgen, den 12. bekommen hast. Wie freue ich mich auf einen Brief von dir, du Lieber! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, wenn ich dir sage, daß die neuen Blumen schon auf meinem Hute sind. Großmutter hat mich schon ihrer Parthei [Untermieter] aufgeführt. Es ist der kk. Kriegskomissär Daler u. Frau. Es scheinen wirklich sehr liebe Menschen zu sein. – Das Thema von unserem armen kleinen Engel [totes Kind] ist schon vielseitig variirt worden. Ich zeige mich so heiter und getröstet als ich es zusammenbringe. – Als wir von meinen Eltern weggingen, begegnete ich Nathalie. Sie war recht lieb, und sieht wirklich überraschend gut aus. Ich habe mich recht gefreut, sie ist ordentlich rosig. Sie grüßt dich freundlich. Ich will nun den Versuch machen, deine Mutter zu treffen. Bei Karl Baschensky ist vor wenigen Tagen ein Mädchen gekommen. Ich werde, um nicht meine Stiefmutter immer mit diesem üblichen Worte bezeichnen zu müssen, dieselbe kurz meine Mutter, und deine Mutter unsere Mutter nennen, einverstanden? So nun siehst du, wie dein Weiberl an dich schreibt. Ich hoffe bald auf einen Brief von dir. Behüt’ dich Gott, du Lieber, sei 100000erte mal geküßt von deiner treuen Frau Fanni Sp. [Spängler]/[am Rand:] Die KuXXX [Coupons; Zinsen auf Wertpapiere] sind ausgezahlt, und sollen auch die heurigen bald ausgezahlt werden. Soll Otto das Geld schicken?
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 11.7. [1876] ein Bogen Brief von Salzburg [verblasste Tinte]: Mein lieber Franzl! Meine Karte hast du hoffentlich erhalten, die dir beweisen sollte, daß ich glücklich ankam; ich benütze nun die erste ruhige Minute, um mit dir zu plaudern, und gedenke überhaupt meine freien Augenblicke zu diesem Geschäfte fleißig zu benützen. Also den Reisebericht: Ich fuhr recht angenehm mit der Familie, die du gesehen hast, den Namen habe ich nicht erfahren; es war Großmutter, Tochter und Enkelin. In Wels stieg Frl. Agathe aus und Frl. Lotte Lungenschneid ein. Wir erkannten uns anfangs gegenseitig nicht, dann war natürlich das Weiberl dasjenige, welche keine Idee hatte, wen sie vor sich hatte. Nach geschehener Erkennung haben wir gemütlich geplauscht. [am Rand, oben und unten:]/Die Ränder dieser Epistel sind auf gewohnte Weise beschrieben./ Hat dir Rosi gut gekocht? Großmutter u. Mutter grüßen sehr herzlich, auch ich natürlich. Allen Verwandten unseren Gruß. Am Bahnhof nahmen mich deine Mutter und meine Stiefmutter u. Schwägerin Luise [Louise Spängler] in Empfang. Wir wanderten zu Fuße in die Stadt. Meinen Koffer beförderte der Omnibus von Raith /: nun mehr Hutêl Haas [?]:/ Die Großmutter nahm mich mit Freuden auf und installirte mich in unser Fremdenzimmer. Es ist mir sehr lieb, mein eigenes Zimmer zu haben. Und somit wäre Alles schön und gut, wenn ich auch nur meinen herzlieben Franzl da hätte! Und wie kommt es denn dir vor, ohne deinen Plagegeist. Recht erfreut war Großmutter über das Mitbringen meiner Zither. Nach Tische waren wir beim Vater [Richard Schlegel, Arzt], der sehr zufrieden mit meinem Aussehen ist. Alle grüßen dich herzlichst, Großmutter läßt dir noch ganz besonders danken daß du mich geschickt hast. Wenn ich doch Abends nur 10 Minuten bei meinem lieben, lieben Franzl sein könnte. Deine Mutter sieht wieder recht gut aus. Meine Mutter [Kathi Schlegel, geb. Arrigler; Stiefmutter] ist nahezu ergraut, die Großmutter [Fanny Kobler] sieht weit besser aus, als ich es zu hoffen wagte. Ihre Stimmung ist ziemlich verbittert, ihr Ton gegen Theres [Hausangestellte] ist derselbe wie vor einem Jahre. Ich habe mir vorgenommen, meine Ohren und meinen Schnabel nach Möglichkeit zu zubehalten. Ein kluger Vorsatz, nicht wahr? Wenn er nur auch gehalten wird! Es gefällt mir hier gar nicht übel, aber daß ich mich schon aufs Heimreisen freue, kannst du glauben. Ich werde mich jetzt beeilen, den Brief auf die Post zu bringen und bitte dich, mir zu schreiben, ob du denselben noch rechtzeitig, d.h. morgen, den 12. bekommen hast. Wie freue ich mich auf einen Brief von dir, du Lieber! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, wenn ich dir sage, daß die neuen Blumen schon auf meinem Hute sind. Großmutter hat mich schon ihrer Parthei [Untermieter] aufgeführt. Es ist der kk. Kriegskomissär Daler u. Frau. Es scheinen wirklich sehr liebe Menschen zu sein. – Das Thema von unserem armen kleinen Engel [totes Kind] ist schon vielseitig variirt worden. Ich zeige mich so heiter und getröstet als ich es zusammenbringe. – Als wir von meinen Eltern weggingen, begegnete ich Nathalie. Sie war recht lieb, und sieht wirklich überraschend gut aus. Ich habe mich recht gefreut, sie ist ordentlich rosig. Sie grüßt dich freundlich. Ich will nun den Versuch machen, deine Mutter zu treffen. Bei Karl Baschensky ist vor wenigen Tagen ein Mädchen gekommen. Ich werde, um nicht meine Stiefmutter immer mit diesem üblichen Worte bezeichnen zu müssen, dieselbe kurz meine Mutter, und deine Mutter unsere Mutter nennen, einverstanden? So nun siehst du, wie dein Weiberl an dich schreibt. Ich hoffe bald auf einen Brief von dir. Behüt’ dich Gott, du Lieber, sei 100000erte mal geküßt von deiner treuen Frau Fanni Sp. [Spängler]/[am Rand:] Die KuXXX [Coupons; Zinsen auf Wertpapiere] sind ausgezahlt, und sollen auch die heurigen bald ausgezahlt werden. Soll Otto das Geld schicken?
    
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
 
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Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 11.7. [1876] ein Bogen Brief aus Wien: Morgens ½ 7 [Uhr]. Meine liebe Fanny! So sitze ich denn allein im Zimmer da, u. mußte aufstehen, ohne dich mit einem Buße [Bussi] aufgewekt zu haben, u. harre des Café, ohne dß ich dich dabei ans Aufstehen erinnern kann! Guten Morgen meine Liebe! Ich hoffe du hast während der Fahrt gut geschlafen, u. näherst dich jetzt der Salzburg’schen Grenze... habe schon die Uhren gerichtet... das fehlende Knöpfchen angenäht, bemühe mich, die ganze Wirtschaft und die Wohnung in möglichster Ordnung zu erhalten. – ¾ 6 [Uhr] Abends... Zeitungslektüre, hoffe die Nachrichten zu erhalten, wie dir die Reise bekommen hat... Befinden der Großmutter, der Mutter etc. – Was ich heute Abends anfangen werde, weiß ich noch nicht... Rosi [Hausangestellte] läßt dir die Hand küßen, Minerl läßt dich grüßen. Ich schließe für heute... Mit Herzlichen Gruße und Kuße, dein treuer Franz. [nicht alles gelesen]
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 11.7. [1876] ein Bogen Brief aus Wien: Morgens ½ 7 [Uhr]. Meine liebe Fanny! So sitze ich denn allein im Zimmer da, u. mußte aufstehen, ohne dich mit einem Buße [Bussi] aufgewekt zu haben, u. harre des Café, ohne dß ich dich dabei ans Aufstehen erinnern kann! Guten Morgen meine Liebe! Ich hoffe du hast während der Fahrt gut geschlafen, u. näherst dich jetzt der Salzburg’schen Grenze... habe schon die Uhren gerichtet... das fehlende Knöpfchen angenäht, bemühe mich, die ganze Wirtschaft und die Wohnung in möglichster Ordnung zu erhalten. – ¾ 6 [Uhr] Abends... Zeitungslektüre, hoffe die Nachrichten zu erhalten, wie dir die Reise bekommen hat... Befinden der Großmutter, der Mutter etc. – Was ich heute Abends anfangen werde, weiß ich noch nicht... Rosi [Hausangestellte] läßt dir die Hand küßen, Minerl läßt dich grüßen. Ich schließe für heute... Mit Herzlichen Gruße und Kuße, dein treuer Franz. [nicht alles gelesen]
    
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FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 12.7. [1876] zwei Bogen Brief von Salzburg: Mein herzlieber Franzl! Mit dem Wunsch und der Hoffnung, heute von dir zu hören, etwas nach 7 Uhr aufgestanden, angekleidet, Franziskanerkirche, nachher „warf ich mich in Staat und ging zur Mutter u Schwägerin Luise [Louise Spängler]“, dann zu Plachetka, 12 Uhr nach Hause, fand deine lieben Zeilen, „recht herzlichen Kuß, oder noch lieber, recht viele Küsse dafür“, „deine Fotografie bekommt schon welche, aber dir bleiben ja unvermindert. Schau auch beim Schreiben ist dein Weiberl das alte verliebte Katzerl, du wirst gewiß lachen über mein Geschreibsel.“ Freue mich auf gemütliches Heim, „Gegen Otto’s Prachtwohnung haben wir haben wir freilich ein nur gar enges Nestchen, aber es ist gar so traulich.“ Otto [Spängler, Bruder von Franz] noch nicht gesehen, die Kinder sind allerliebst, grüßen Onkel Franz... Im Dureggerschen Hause [Mozartplatz 4: Otto Spängler; die Großmutter wohnt in der ‚Hölle’] wird noch immer gebaut, vor Karls Wohnung über dem einstigen Holzlager eine große Veranda, gerade dem Fenster unserer Mutter gegenüber. Der armen Ida bei Karl geht es heute wieder gar nicht gut, Schmerzen im Rücken und klagt über Kälte. Bekannte getroffen, Besuche bei Schneeberger und Plachetka. – 13.7. 7 ¾ Uhr. Guten Morgen, du Lieber! Dein Faulenzerl hat bis 6 ½ Uhr geschlafen wie ein Murmeltier, „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen und Kein Harm darf uns kränken, denn uns hält ein treu Gedenken“, du denkst oft an dein kindisches Weiberl, die Leute finden, dass 14 Tage ein kurzer Urlaub sei, doch ich zähle jeden Tag, bis ich wieder bei dir bin. Großmutter grüßt herzlich, ist aber einsichtsvoll genug, um keine Verlängerung zu begehren. – [2.Bogen] 11 Uhr Mittags. Karte erhalten, danke, dass du fleißig schreibst, besseres Wetter, nachmittags nach Moos, Frau von Bauernfeind [Paurnfeind] und Frau Gattermayer sind in Ludwigsbad. „Gestern Abend spielte ich auf der Zither, die Großmutter will aber immer die alten Stücke lieber hören, die neuen Sachen gefallen ihr nicht.“ Ehepaar von Daler bringt hübsches Bouquet mit Stiefmütterchen [zwei Blüten liegen bei]... er hat etwas Ritterliches in seinem Wesen. Nun bist du noch nicht eifersüchtig. - - - ...du beim Schwurgericht, wann wirst du kommen? Seit 11 Uhr Tisch gedeckt, obwohl wir erst nach 12 Uhr essen, die Wirtschaft ist schon wunderbar bei uns, Großmutter will so viel als möglich selber machen, doch Augenschwäche. „Nur so viel ist gewiß, daß ich einen schweren Stand hier hätte, wenn ich einmal mit einem kleinen Wuzi [Kind] hier wäre. Hoffe bald auf ein Kind. Karl Spängler geht es besser. – 1 Uhr Nachmittag. Freue mich auf deinen Brief. „Unsere Mutter hat gelacht über dein Versprechen, die Wirtschaft in Ordnung zu halten und gemeint, die Rosi müsste wohl das Beste tun. Wie bei Silveri unterhalten? Meine Mutter [Schlegel] über Hose und Überzieher sehr erfreut, dankt. Otto flüchtig auf der Straße gesehen, grüßt. Behalte lieb deine treuergebene Alte, grüße Rosi, der Minerl auch einen Gruß. – „Bauernfeind“: Partezettel für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt gestorben 1860, Sohn des Hotelbesitzers, Hotel „Erzherzog Carl“ in Salzburg, und für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 12.7. [1876] zwei Bogen Brief von Salzburg: Mein herzlieber Franzl! Mit dem Wunsch und der Hoffnung, heute von dir zu hören, etwas nach 7 Uhr aufgestanden, angekleidet, Franziskanerkirche, nachher „warf ich mich in Staat und ging zur Mutter u Schwägerin Luise [Louise Spängler]“, dann zu Plachetka, 12 Uhr nach Hause, fand deine lieben Zeilen, „recht herzlichen Kuß, oder noch lieber, recht viele Küsse dafür“, „deine Fotografie bekommt schon welche, aber dir bleiben ja unvermindert. Schau auch beim Schreiben ist dein Weiberl das alte verliebte Katzerl, du wirst gewiß lachen über mein Geschreibsel.“ Freue mich auf gemütliches Heim, „Gegen Otto’s Prachtwohnung haben wir haben wir freilich ein nur gar enges Nestchen, aber es ist gar so traulich.“ Otto [Spängler, Bruder von Franz] noch nicht gesehen, die Kinder sind allerliebst, grüßen Onkel Franz... Im Dureggerschen Hause [Mozartplatz 4: Otto Spängler; die Großmutter wohnt in der ‚Hölle’] wird noch immer gebaut, vor Karls Wohnung über dem einstigen Holzlager eine große Veranda, gerade dem Fenster unserer Mutter gegenüber. Der armen Ida bei Karl geht es heute wieder gar nicht gut, Schmerzen im Rücken und klagt über Kälte. Bekannte getroffen, Besuche bei Schneeberger und Plachetka. – 13.7. 7 ¾ Uhr. Guten Morgen, du Lieber! Dein Faulenzerl hat bis 6 ½ Uhr geschlafen wie ein Murmeltier, „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen und Kein Harm darf uns kränken, denn uns hält ein treu Gedenken“, du denkst oft an dein kindisches Weiberl, die Leute finden, dass 14 Tage ein kurzer Urlaub sei, doch ich zähle jeden Tag, bis ich wieder bei dir bin. Großmutter grüßt herzlich, ist aber einsichtsvoll genug, um keine Verlängerung zu begehren. – [2.Bogen] 11 Uhr Mittags. Karte erhalten, danke, dass du fleißig schreibst, besseres Wetter, nachmittags nach Moos, Frau von Bauernfeind [Paurnfeind] und Frau Gattermayer sind in Ludwigsbad. „Gestern Abend spielte ich auf der Zither, die Großmutter will aber immer die alten Stücke lieber hören, die neuen Sachen gefallen ihr nicht.“ Ehepaar von Daler bringt hübsches Bouquet mit Stiefmütterchen [zwei Blüten liegen bei]... er hat etwas Ritterliches in seinem Wesen. Nun bist du noch nicht eifersüchtig. - - - ...du beim Schwurgericht, wann wirst du kommen? Seit 11 Uhr Tisch gedeckt, obwohl wir erst nach 12 Uhr essen, die Wirtschaft ist schon wunderbar bei uns, Großmutter will so viel als möglich selber machen, doch Augenschwäche. „Nur so viel ist gewiß, daß ich einen schweren Stand hier hätte, wenn ich einmal mit einem kleinen Wuzi [Kind] hier wäre. Hoffe bald auf ein Kind. Karl Spängler geht es besser. – 1 Uhr Nachmittag. Freue mich auf deinen Brief. „Unsere Mutter hat gelacht über dein Versprechen, die Wirtschaft in Ordnung zu halten und gemeint, die Rosi müsste wohl das Beste tun. Wie bei Silveri unterhalten? Meine Mutter [Schlegel] über Hose und Überzieher sehr erfreut, dankt. Otto flüchtig auf der Straße gesehen, grüßt. Behalte lieb deine treuergebene Alte, grüße Rosi, der Minerl auch einen Gruß. – „Bauernfeind“: Partezettel für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt gestorben 1860, Sohn des Hotelbesitzers, Hotel „Erzherzog Carl“ in Salzburg, und für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878.
    
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 13.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! Du bist sehr brav dß du fleißig schreibst, doch will ich auch wieder brav sein, u. dir heute einen, wenn auch wegen der vorgerükten Zeit nur kurzen Brief schreiben. – Vorerst kann ich dir nichts berichten; ich bin auch außer gestern Abends bei Silveri [Lokal] noch mit Niemanden von unseren Bekannten zusammengetroffen. Am Dienstag war ich Abends zu Hause, gestern mit Angermayer, Julius, Schadet u. Maria bei Silveri; Bertha hatte nicht Zeit wegen des Waschtages, Franz, weil er zu Hause arbeitete. Alle grüßen dich bestens. Haben übrigens, als ich ihnen sagte, dß du mir so fleißig schreibst, ihre Bemerkungen gemacht dß so etwas nur bei einem so „jungen“ Ehepaar vorzukommen pflege. – Heute war ich bis 4 ¼ Uhr bei der Schwurgerichts verhandlung; Rosi hat natürlich früher gegessen. Morgen u. Samstag wird es voraussichtlich noch länger dauern. Die Wirtschaft geht ganz friedlich, nur hat die Rosi heute zu viel gekauft; unsere Wirtschaft ist übrigens auch sehr billig; ich habe noch keinen Tag viel mehr als einen Gulden der Rosi gezahlt. Gestern habe ich selbst von dem Greisler in der Klostergasse frische Butter geholt. Ich bitte um gebührende Anerkennung. Auch habe ich gestern früh mich zur Sparkasse begeben um die 20 fl [Gulden] heraus zu nemen, muß aber das Abholen des Buches bis Montag früh versschieben; ich gedenke bis dorthin ganz gut auszukommen. – Genug dieser prosaischen Mittheilungen, die ich dir als „pflichtschuldigen“ Rechenschaftsbericht sende, wie es einem „wohlerzogenen“ Ehemann geziemmt. – Es freut mich sehr, zu hören, dß du dich wohlbefindest, u. besonders dß auch der Vater dein Aussehen zufriedenstellend fand. Grüße mir alle bestens. Daß [du] die Blumen schon auf den Hut gegeben, lobe ich; hoffentlich hast du dich überzeugt dß es nicht überflüssig war. Was ist mit den Kleidern geschehen, die du von mir mitnahmst? Spielst du wohl fleißig auf der Zither? Was sagt die Mutter wegen der Visiten? Ich schließe für heute mit dem Wunsche dß Ihr alle Euch wohlbefindet, u. mit der Bitte alle von mir bestens zu grüßen. Vergiß nicht auf Dr.Mallmanns Namenstag, u. auf den der Frau v.Euruggen. Hast du XXX mitgenommen? – Lebe recht wohl, schreibe mir bald wieder, u. sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von deinem treuen Franz.
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 13.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! Du bist sehr brav dß du fleißig schreibst, doch will ich auch wieder brav sein, u. dir heute einen, wenn auch wegen der vorgerükten Zeit nur kurzen Brief schreiben. – Vorerst kann ich dir nichts berichten; ich bin auch außer gestern Abends bei Silveri [Lokal] noch mit Niemanden von unseren Bekannten zusammengetroffen. Am Dienstag war ich Abends zu Hause, gestern mit Angermayer, Julius, Schadet u. Maria bei Silveri; Bertha hatte nicht Zeit wegen des Waschtages, Franz, weil er zu Hause arbeitete. Alle grüßen dich bestens. Haben übrigens, als ich ihnen sagte, dß du mir so fleißig schreibst, ihre Bemerkungen gemacht dß so etwas nur bei einem so „jungen“ Ehepaar vorzukommen pflege. – Heute war ich bis 4 ¼ Uhr bei der Schwurgerichts verhandlung; Rosi hat natürlich früher gegessen. Morgen u. Samstag wird es voraussichtlich noch länger dauern. Die Wirtschaft geht ganz friedlich, nur hat die Rosi heute zu viel gekauft; unsere Wirtschaft ist übrigens auch sehr billig; ich habe noch keinen Tag viel mehr als einen Gulden der Rosi gezahlt. Gestern habe ich selbst von dem Greisler in der Klostergasse frische Butter geholt. Ich bitte um gebührende Anerkennung. Auch habe ich gestern früh mich zur Sparkasse begeben um die 20 fl [Gulden] heraus zu nemen, muß aber das Abholen des Buches bis Montag früh versschieben; ich gedenke bis dorthin ganz gut auszukommen. – Genug dieser prosaischen Mittheilungen, die ich dir als „pflichtschuldigen“ Rechenschaftsbericht sende, wie es einem „wohlerzogenen“ Ehemann geziemmt. – Es freut mich sehr, zu hören, dß du dich wohlbefindest, u. besonders dß auch der Vater dein Aussehen zufriedenstellend fand. Grüße mir alle bestens. Daß [du] die Blumen schon auf den Hut gegeben, lobe ich; hoffentlich hast du dich überzeugt dß es nicht überflüssig war. Was ist mit den Kleidern geschehen, die du von mir mitnahmst? Spielst du wohl fleißig auf der Zither? Was sagt die Mutter wegen der Visiten? Ich schließe für heute mit dem Wunsche dß Ihr alle Euch wohlbefindet, u. mit der Bitte alle von mir bestens zu grüßen. Vergiß nicht auf Dr.Mallmanns Namenstag, u. auf den der Frau v.Euruggen. Hast du XXX mitgenommen? – Lebe recht wohl, schreibe mir bald wieder, u. sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von deinem treuen Franz.
    
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==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 15.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein lieber Franzl! 12 Uhr Mittags. Von lauter Nichtsthun habe ich gestern nicht einmal Zeit gefunden, diesen Brief an dich zu beginnen, wie ich es so gern gethan hätte. Auch heute konnte ich noch nicht dazu kommen. Großmutter, die dich herzlich grüßt, hat verschiedene Geschäfte für mich, die ich natürlich bereitwilligst verrichte; bei denselben bedarf es aber mancher Erklärungen ihrerseits, die nicht immer leicht u. schnell zu erlangen sind, da wird oft Zeit vertrödelt, die ich so gerne zu einer kleinen Plauderei mit dir, du Lieber, verwerthen möchte. Nun laß dir vorerst danken für deinen Brief vom 13.7.: ich kann nicht sagen, wie jede Zeile von dir, du Lieber, mich freut. Morgen, nicht wahr, kommt wieder Nachricht von dir. Die Fragen, welche dein Brief enthält, sind ohnehin schon beantwortet, Karten von mir habe ich mit. Die Leute sollen sich nur lustig machen über unseren Briefwechsel, deßhalb schreibe ich doch fleißig. Wie freu ich mich, wenn ich dir wieder vorplauschen kann. Dein Wirtschaftsbericht hat mich befriedigt, hat Rosi schon Marillenknödel gekocht? Hier kostet eine Marille noch 4 Xr [Kreuzer], da ist’s vor der Hand Nichts mit den Knödeln. Rosi grüße recht schön von mir, und sage ihr, daß ich mich schon auf einen Brief von ihr freue, ich werde ihr dann auch antworten. Um dir von meinem Treiben zu berichten. Vorgestern waren wir im Ludwigsbad, wohin wir auch morgen für den ganzen Tag wollen, was mir ganz recht ist, da Resi Gattermayer auch oben sein wird. Frau Gattermayer hat sich wunderbar erholt. Gestern gingen wir in Gesellschaft unserer Mutter über den Nonn- [Nonnberg] u. Mönchsberg. Heute Vormittag war ich im warmen Bade, was mir sehr behaglich war, doch bin ich etwas müde davon. Ich glaube ich fühle den Unterschied der Luft. Sonst bin ich sehr wol, man sagt mir, daß ich gut aussehe. Viele behaupten ich sei noch gewachsen. Von unsern Verwandten habe ich schon Viele begegnet und gesprochen; gestern unter Anderen Bamberger u Frau sowie Rudolf u Maria. Alle grüßen dich. Vetter Bamberger fand mich so jung aussehend, daß er glaubte, ich sei meine Schwester. Schmeichelhaft, was? Auch unsere Mutter sagt, ich sehe gut u jung aus. Mutter und alle sind froh, daß Otto’s damalige Idee wegen der Wohnung nicht ausgeführt wurde. Frl: Lürzer [Verwandte, Lürzer von Zechenthall] wohnt jetzt bei uns im 4.Stock, sie ist sehr zufrieden mit ihrer Wohnung. Ich unterbreche, um zum Vater zu gehen. – 3 Uhr Nachmittag. – Während ich hier dem geschäftigen Müßiggange mich ergebe, sitzt du mal wieder im grauen Hause und mußt arbeiten. Wenn die frische, würzige Luft mir wohlthut, denke ich immer daran, wie du indeß die heiße, staubige Wiener Luft genießen mußt. Ja, wenn ich dich hier hätte, wie schön wäre das! Übrigens werden wir, wenn wir im Herbste hieher kommen, auch in der Geduld uns üben müßen. Großmutter hat im verfloßenen Jahre wahrlich nicht an Fügsamkeit zugenommen. - Ich habe mir übrigens ziemlich viel persönliche Freizeit hier gewahrt, darf auch viel sagen, ohne Großmutter zu erzürnen. Wenn nur ihr Verhältniß zur Theres ein leidlicheres wäre. Nun ich werde dir mündlich einiges erzählen. Ich begreife eigentlich kaum, daß ich es doch so aushalte ohne meinen lieben Franzl. Es ist wol nur die Aussicht, wieder bald bei dir sein zu dürfen. – Ich nehme mir aber auch fest vor, dich du Guter, nicht mehr so mit übler Laune zu plagen, wie ich es leider schon so oft gethan habe. Das Medaillon mit deinem Bilde kommt selten von meinem Halse. Ich bilde mir ein, du seist bei mir, wenn ich wenigstens dein Bild bei mir trage. – Das Wetter ist prachtvoll jetzt, ohne daß es besonders heiß wäre. Heute wollen wir die Emma besuchen, sie ist im Hofe draußen. Es wird mir der Anblick ihrer Kinder mal wieder ein wenig Herzweh machen. – Heute habe ich Frau v Lürzer begegnet, sie sagte mir, daß ihre Schwiegertochter noch immer sehr traurig über den Verlust ihres zweiten Kindes sei. Ich entschuldige mich überall, daß ich gar keine Besuche mache, und es geben mir Alle vollständig Recht. Wenn wir im Herbste hier sein werden, können wir uns aber aufs Besuchemachen freuen! Mit Lektüre bin ich mehr versorgt, als notwendig ist, Frau von Daler gab mir die Gartenlaube zu lesen, ich komme aber nur Abends vor dem Einschlafen ein wenig zum Lesen. – Die Mutter läßt dir sagen, daß ihr mein schwarzes Überkleid mit dem grauen Rock sehr gut gefällt, ich habe ihr nämlich erzählt, daß du diesen Anzug für nicht mehr hübsch genug hälst. Großmutter u Mutter sagen, ich soll die Zither nur in Salzburg laßen, bis wir wieder kommen, ich weiß eigentlich selbst nicht, warum sie das wollen. Soll ich? – Morgen werde ich wol bis Abends warten müßen, wenn dein Brief nicht schon um 8 Uhr früh kommt, da wir ja schon um 10 Uhr nach Moos fahren werden. – Wie ich mich wieder auf Nachricht von dir freue. Heute hoffte ich halb u halb eine Korrespondenzkarte, vielleicht kommt morgen ein langer Brief. – Heute wird allenthalben in den Häusern angesagt, daß Fahnen sollen aufgesteckt werden, da am Dienstag der Kaiser hieher kommt. – Und nun du Lieber, Guter, behüte dich Gott, bald wird die halbe Zeit meines Hierseins vorüber gehen. Hast du doch auch ein klein wenig Sehnsucht nach deinem allzeit getreuen, verliebten Weiberl?
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 15.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein lieber Franzl! 12 Uhr Mittags. Von lauter Nichtsthun habe ich gestern nicht einmal Zeit gefunden, diesen Brief an dich zu beginnen, wie ich es so gern gethan hätte. Auch heute konnte ich noch nicht dazu kommen. Großmutter, die dich herzlich grüßt, hat verschiedene Geschäfte für mich, die ich natürlich bereitwilligst verrichte; bei denselben bedarf es aber mancher Erklärungen ihrerseits, die nicht immer leicht u. schnell zu erlangen sind, da wird oft Zeit vertrödelt, die ich so gerne zu einer kleinen Plauderei mit dir, du Lieber, verwerthen möchte. Nun laß dir vorerst danken für deinen Brief vom 13.7.: ich kann nicht sagen, wie jede Zeile von dir, du Lieber, mich freut. Morgen, nicht wahr, kommt wieder Nachricht von dir. Die Fragen, welche dein Brief enthält, sind ohnehin schon beantwortet, Karten von mir habe ich mit. Die Leute sollen sich nur lustig machen über unseren Briefwechsel, deßhalb schreibe ich doch fleißig. Wie freu ich mich, wenn ich dir wieder vorplauschen kann. Dein Wirtschaftsbericht hat mich befriedigt, hat Rosi schon Marillenknödel gekocht? Hier kostet eine Marille noch 4 Xr [Kreuzer], da ist’s vor der Hand Nichts mit den Knödeln. Rosi grüße recht schön von mir, und sage ihr, daß ich mich schon auf einen Brief von ihr freue, ich werde ihr dann auch antworten. Um dir von meinem Treiben zu berichten. Vorgestern waren wir im Ludwigsbad, wohin wir auch morgen für den ganzen Tag wollen, was mir ganz recht ist, da Resi Gattermayer auch oben sein wird. Frau Gattermayer hat sich wunderbar erholt. Gestern gingen wir in Gesellschaft unserer Mutter über den Nonn- [Nonnberg] u. Mönchsberg. Heute Vormittag war ich im warmen Bade, was mir sehr behaglich war, doch bin ich etwas müde davon. Ich glaube ich fühle den Unterschied der Luft. Sonst bin ich sehr wol, man sagt mir, daß ich gut aussehe. Viele behaupten ich sei noch gewachsen. Von unsern Verwandten habe ich schon Viele begegnet und gesprochen; gestern unter Anderen Bamberger u Frau sowie Rudolf u Maria. Alle grüßen dich. Vetter Bamberger fand mich so jung aussehend, daß er glaubte, ich sei meine Schwester. Schmeichelhaft, was? Auch unsere Mutter sagt, ich sehe gut u jung aus. Mutter und alle sind froh, daß Otto’s damalige Idee wegen der Wohnung nicht ausgeführt wurde. Frl: Lürzer [Verwandte, Lürzer von Zechenthall] wohnt jetzt bei uns im 4.Stock, sie ist sehr zufrieden mit ihrer Wohnung. Ich unterbreche, um zum Vater zu gehen. – 3 Uhr Nachmittag. – Während ich hier dem geschäftigen Müßiggange mich ergebe, sitzt du mal wieder im grauen Hause und mußt arbeiten. Wenn die frische, würzige Luft mir wohlthut, denke ich immer daran, wie du indeß die heiße, staubige Wiener Luft genießen mußt. Ja, wenn ich dich hier hätte, wie schön wäre das! Übrigens werden wir, wenn wir im Herbste hieher kommen, auch in der Geduld uns üben müßen. Großmutter hat im verfloßenen Jahre wahrlich nicht an Fügsamkeit zugenommen. - Ich habe mir übrigens ziemlich viel persönliche Freizeit hier gewahrt, darf auch viel sagen, ohne Großmutter zu erzürnen. Wenn nur ihr Verhältniß zur Theres ein leidlicheres wäre. Nun ich werde dir mündlich einiges erzählen. Ich begreife eigentlich kaum, daß ich es doch so aushalte ohne meinen lieben Franzl. Es ist wol nur die Aussicht, wieder bald bei dir sein zu dürfen. – Ich nehme mir aber auch fest vor, dich du Guter, nicht mehr so mit übler Laune zu plagen, wie ich es leider schon so oft gethan habe. Das Medaillon mit deinem Bilde kommt selten von meinem Halse. Ich bilde mir ein, du seist bei mir, wenn ich wenigstens dein Bild bei mir trage. – Das Wetter ist prachtvoll jetzt, ohne daß es besonders heiß wäre. Heute wollen wir die Emma besuchen, sie ist im Hofe draußen. Es wird mir der Anblick ihrer Kinder mal wieder ein wenig Herzweh machen. – Heute habe ich Frau v Lürzer begegnet, sie sagte mir, daß ihre Schwiegertochter noch immer sehr traurig über den Verlust ihres zweiten Kindes sei. Ich entschuldige mich überall, daß ich gar keine Besuche mache, und es geben mir Alle vollständig Recht. Wenn wir im Herbste hier sein werden, können wir uns aber aufs Besuchemachen freuen! Mit Lektüre bin ich mehr versorgt, als notwendig ist, Frau von Daler gab mir die Gartenlaube zu lesen, ich komme aber nur Abends vor dem Einschlafen ein wenig zum Lesen. – Die Mutter läßt dir sagen, daß ihr mein schwarzes Überkleid mit dem grauen Rock sehr gut gefällt, ich habe ihr nämlich erzählt, daß du diesen Anzug für nicht mehr hübsch genug hälst. Großmutter u Mutter sagen, ich soll die Zither nur in Salzburg laßen, bis wir wieder kommen, ich weiß eigentlich selbst nicht, warum sie das wollen. Soll ich? – Morgen werde ich wol bis Abends warten müßen, wenn dein Brief nicht schon um 8 Uhr früh kommt, da wir ja schon um 10 Uhr nach Moos fahren werden. – Wie ich mich wieder auf Nachricht von dir freue. Heute hoffte ich halb u halb eine Korrespondenzkarte, vielleicht kommt morgen ein langer Brief. – Heute wird allenthalben in den Häusern angesagt, daß Fahnen sollen aufgesteckt werden, da am Dienstag der Kaiser hieher kommt. – Und nun du Lieber, Guter, behüte dich Gott, bald wird die halbe Zeit meines Hierseins vorüber gehen. Hast du doch auch ein klein wenig Sehnsucht nach deinem allzeit getreuen, verliebten Weiberl?
    
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 15.7. [1876] aus Wien Visitenkarte „Dr.Franz Spängler, k.k. Gerichtsadjunkt“: Liebe Fanny! keine Correspondenzkarte zu Hause, Schwurgerichtssitzung, in der Zwischenpause etwas gegessen, gestern nicht mehr Zeit, dir zu schreiben, entschuldige bitte... Ich grüße alle herzlich u. freue mich auf Nachrichten und fröhliches Wiedersehen, dein treuer Franz.
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 15.7. [1876] aus Wien Visitenkarte „Dr.Franz Spängler, k.k. Gerichtsadjunkt“: Liebe Fanny! keine Correspondenzkarte zu Hause, Schwurgerichtssitzung, in der Zwischenpause etwas gegessen, gestern nicht mehr Zeit, dir zu schreiben, entschuldige bitte... Ich grüße alle herzlich u. freue mich auf Nachrichten und fröhliches Wiedersehen, dein treuer Franz.
    
dito 16.7. [1876] Abends, ein Bogen Brief von Wien: Meine liebe theure Fanny, du bist schon viel fleissiger im Briefschreiben, als ich es bin, u. ich muß daher nicht bloß dir herzlich für deine lieben und so ausführlichen Briefe danken, sondern auch um Entschuldigung bitten, daß ich minder fleissig bin. Du wirst hoffentlich heute (Sonntags) meinen gestern während des Essens geschriebene Karte erhalten haben, u. könntest mit Fug und Recht für Montags einen Brief von mir erwarten, doch kam ich in Folge dessen, dß ich heute Journal hatte, u. daher nicht bloß Vormittags 2 Stunden im Bureau war, nicht dazu einen Brief an dich zu schreiben, u. ich versparte es mir daher lieber für den Abend, da ich nun mehr Muße habe. Deine Biefe machen mir immer sehr große Freude, denn ich ersehe daraus jedesmal neuerdings wie lieb du mich hast, u. entneme überdies daraus, dß es dir geht geht. Es war mir insbesondere sehr angenem, zu hören, dß man dich in Salzburg allgemein gut aussehend findet. Wenn dir dieses gute u. jugendliche Aussehen einige Galanterien u. Aufmerksamkeiten des Herrn v.Daler einträgt, so freut es mich, aber eifersüchtig wirst du mich gewiß nicht machen; dazu habe ich keine Anlage, u. noch weniger eine wirkliche Ursache. – Du fragst mich, was du wegen der Zither thun sollst; ich muß, bevor ich eine Antwort gebe, die Gegenfrage an dich richten, ob du dann einstweilen auf der anderen Zither spielen wirst? U. auch alles das, was du auf der Elegie [?]-Zither spielst spielen kannst; ist das der Fall, so magst du ja die Elegie-Zither in Salzburg lassen wiewohl ich keinen hinlänglichen Grund dafür finde, da wir ja, wenn wir auf Urlaub gehen, u. eine Reise machen, doch wieder einen Koffer mit Sachen nach Salzburg direkt schicken würden; trifft aber die oben aufgestellte Voraussetzung nicht ein, dann nimm doch lieber die Zither mit dir hieher, da mir für dich u. mich leid wäre, wenn du in der ganzen Zeit bis Mitte September nicht spielen würdest. – Daß auch dritte Personen die Unterlassung aller weiteren Besuche natürlich finden, ist mir sehr angenem; nur auf eines mache ich dich aufmerksam, dß du vielleicht doch – sei es allein, sei es mit der Großmutter od. der Mutter zur Frau v Fenzl gehst; bitte sei aber hiebei direkt u entschieden, dß sie sich mit einem Gegenbesuche nicht anstrengen soll. Ich füge dieß deßhalb bei, weil Roll mir sagte, dß ihr das Stiegensteigen beschwerlich falle. Gute Nacht für heute mein lieber Schatz! Morgen früh Fortsetzung! – 17 Juli 1876 Morgens. Guten Morgen! Soeben habe ich mit Rosi den Küchenzettel verabredet, auf welchem heute die Marillenknödel stehen. Weil ich gerade bei einer Bücher Angelegenheit bin, so füge ich noch sogleich die Anfrage der Rosi bei, ob sie vielleicht weil es jetzt recht schöne Ribisel 9-10 Xr [Kreuzer] pr ½ Kilogr bekäme, Ribisel einsieden soll; ich bitte um Antwort im nächsten Briefe u eventuell um Weisung hinsichtlich der Menge. – Nachm ½ 7. In Folge des leidigen Journaldienstes welche die ganze Woche andauert aber dann erst in circa ¼ J wiederkehrt bin ich heute nicht dazu gekommen, dir weiter zu schreiben, u ich beeile mich nur diesen Brief noch rechtzeitig zur Post zu bringen. An Neuigkeiten theile ich dir mit, dß heute um ½ 2 Uhr ein ganz merkl Erdbeben hier war u dß Demeter Mertens mit ; Weißmayer verlobt ist. Heute Abends bin ich bei Glaier [?], Morgen Fortsetzung Dein treuer Franz - Undatiertes Foto Fanni Schlegel (in Tracht mit Fächer) und Camilla Mertens (Goldhaube, weißes Kleid) vor Alpen-Kulisse beim Fotografen (in einer der roten Schachteln); dito mit zwei anderen; Schwiegervater Mertens ist Bürgermeister, vgl. Brief vom 27.9.1871.
 
dito 16.7. [1876] Abends, ein Bogen Brief von Wien: Meine liebe theure Fanny, du bist schon viel fleissiger im Briefschreiben, als ich es bin, u. ich muß daher nicht bloß dir herzlich für deine lieben und so ausführlichen Briefe danken, sondern auch um Entschuldigung bitten, daß ich minder fleissig bin. Du wirst hoffentlich heute (Sonntags) meinen gestern während des Essens geschriebene Karte erhalten haben, u. könntest mit Fug und Recht für Montags einen Brief von mir erwarten, doch kam ich in Folge dessen, dß ich heute Journal hatte, u. daher nicht bloß Vormittags 2 Stunden im Bureau war, nicht dazu einen Brief an dich zu schreiben, u. ich versparte es mir daher lieber für den Abend, da ich nun mehr Muße habe. Deine Biefe machen mir immer sehr große Freude, denn ich ersehe daraus jedesmal neuerdings wie lieb du mich hast, u. entneme überdies daraus, dß es dir geht geht. Es war mir insbesondere sehr angenem, zu hören, dß man dich in Salzburg allgemein gut aussehend findet. Wenn dir dieses gute u. jugendliche Aussehen einige Galanterien u. Aufmerksamkeiten des Herrn v.Daler einträgt, so freut es mich, aber eifersüchtig wirst du mich gewiß nicht machen; dazu habe ich keine Anlage, u. noch weniger eine wirkliche Ursache. – Du fragst mich, was du wegen der Zither thun sollst; ich muß, bevor ich eine Antwort gebe, die Gegenfrage an dich richten, ob du dann einstweilen auf der anderen Zither spielen wirst? U. auch alles das, was du auf der Elegie [?]-Zither spielst spielen kannst; ist das der Fall, so magst du ja die Elegie-Zither in Salzburg lassen wiewohl ich keinen hinlänglichen Grund dafür finde, da wir ja, wenn wir auf Urlaub gehen, u. eine Reise machen, doch wieder einen Koffer mit Sachen nach Salzburg direkt schicken würden; trifft aber die oben aufgestellte Voraussetzung nicht ein, dann nimm doch lieber die Zither mit dir hieher, da mir für dich u. mich leid wäre, wenn du in der ganzen Zeit bis Mitte September nicht spielen würdest. – Daß auch dritte Personen die Unterlassung aller weiteren Besuche natürlich finden, ist mir sehr angenem; nur auf eines mache ich dich aufmerksam, dß du vielleicht doch – sei es allein, sei es mit der Großmutter od. der Mutter zur Frau v Fenzl gehst; bitte sei aber hiebei direkt u entschieden, dß sie sich mit einem Gegenbesuche nicht anstrengen soll. Ich füge dieß deßhalb bei, weil Roll mir sagte, dß ihr das Stiegensteigen beschwerlich falle. Gute Nacht für heute mein lieber Schatz! Morgen früh Fortsetzung! – 17 Juli 1876 Morgens. Guten Morgen! Soeben habe ich mit Rosi den Küchenzettel verabredet, auf welchem heute die Marillenknödel stehen. Weil ich gerade bei einer Bücher Angelegenheit bin, so füge ich noch sogleich die Anfrage der Rosi bei, ob sie vielleicht weil es jetzt recht schöne Ribisel 9-10 Xr [Kreuzer] pr ½ Kilogr bekäme, Ribisel einsieden soll; ich bitte um Antwort im nächsten Briefe u eventuell um Weisung hinsichtlich der Menge. – Nachm ½ 7. In Folge des leidigen Journaldienstes welche die ganze Woche andauert aber dann erst in circa ¼ J wiederkehrt bin ich heute nicht dazu gekommen, dir weiter zu schreiben, u ich beeile mich nur diesen Brief noch rechtzeitig zur Post zu bringen. An Neuigkeiten theile ich dir mit, dß heute um ½ 2 Uhr ein ganz merkl Erdbeben hier war u dß Demeter Mertens mit ; Weißmayer verlobt ist. Heute Abends bin ich bei Glaier [?], Morgen Fortsetzung Dein treuer Franz - Undatiertes Foto Fanni Schlegel (in Tracht mit Fächer) und Camilla Mertens (Goldhaube, weißes Kleid) vor Alpen-Kulisse beim Fotografen (in einer der roten Schachteln); dito mit zwei anderen; Schwiegervater Mertens ist Bürgermeister, vgl. Brief vom 27.9.1871.
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 17.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl. Elf Uhr schon vorbei: und noch hoffe ich vergebens auf deinen lieben Brief, du glaubst nicht, wie ungeduldig ich bin, etwas von dir, du Lieber und von deinem Thun zu erfahren! Du fehlst mir ja so sehr, wie freu ich mich, wenn ich wieder bei dir sein werde! Am Ende aber gehe ich dir gar noch nicht ab? Und ich freu mich schon so, wenn meine 14 Tage vorüber sind! Es ist ordentlich undankbar von mir, daß ich mich so fort freue, hier kommt man mir ja mit so viel Freundlichkeit entgegen. – Vorgestern waren wir im Zeller Hof. Emma sieht wirklich sehr gut aus, ihr Buberl ist nicht sehr stark, doch gedeiht es jetzt besser. Albert sieht sehr gut aus, nun ich glaube, er braucht sich nicht viel zu plagen. Liderl ist ein allerliebstes Kind, sie hat wunderschöne Auge. Das Herzweh beim ersten Anblick der Schumacherischen Kinder ist also auch überstanden, denke dir, das Buberl heißt Franz. - - - Im Herzen ist meine Stimmung heiter, nur ab und zu kommt eine kleine Anwandlung von Trauer. So eben jetzt, wo Frau Kockauer [?] geb: Marie [?] bei mir war, und ohne unseren Verlust zu ahnen, nach meinem Kinde frug. Das hat wieder recht weh gethan! Wenn ich nur schon einen Brief von dir hätte, das wäre wieder der beste Trost. Ich fürchte immer, du strengst dich gar zu sehr an. Wie ich es dir gönnen wollte, wenn du wieder einmal etwas freie Zeit hättest. Im August ist hier der deutsche Juristentag, wirst du da nicht nach Salzburg kommen? Man bereitet schon allenthalben Wohnungen für die Juristen-Gäste. – Gestern waren wir mit Plachetka im Moos. Wir fuhren bis Marienbad, gingen dann zu Fuße ins Ludwigsbad und nach längerem Sitzen dort über Leopoldskron nach Hause. Wie oft habe ich da an dich gedacht! Heute Nachmittag gehen wir zu Zillner, Abends sind wir bei Otto. Unsere Mutter läßt dir sagen, du sollst die Rumänier [Aktien] nicht auszuwechseln vergeßen. Für die Coupons vom vorigen Jahre bekommst du 24 Mark d. ist 7 fl [Gulden] 20 Kr. Ich laße mir wenn es dir recht ist, das Geld vom Otto geben, um beihändiges Geld zu haben; Großmutter [hat] wol einmal vom Reisegeld gesagt, aber bekommen habe ich noch nichts. Am 2.August gehen Otto und Luise [Louise Spängler] und Kochs nach Unken. Fr.v.Duregger und unsere Mutter folgen ihnen nach. Fr:v.D: hat Mutter eingeladen mit ihr zu reisen und wird auch das Zimmer mit Mutter gemeinschäftlich haben. Unsere Mutter wird noch ganz kühn im Reisen. Ich freue mich, daß Mutter diese Erholung haben kann. – Nun wird aber kein Buchstabe mehr geschrieben, bis ich einen Brief von dir in Händen habe! die Ungethüme. Wie kann man denn das Weiberl solche Sehnsucht leiden lassen! [zweites Blatt Fortsetzung nach dem folgenden Gegenbrief]
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 17.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl. Elf Uhr schon vorbei: und noch hoffe ich vergebens auf deinen lieben Brief, du glaubst nicht, wie ungeduldig ich bin, etwas von dir, du Lieber und von deinem Thun zu erfahren! Du fehlst mir ja so sehr, wie freu ich mich, wenn ich wieder bei dir sein werde! Am Ende aber gehe ich dir gar noch nicht ab? Und ich freu mich schon so, wenn meine 14 Tage vorüber sind! Es ist ordentlich undankbar von mir, daß ich mich so fort freue, hier kommt man mir ja mit so viel Freundlichkeit entgegen. – Vorgestern waren wir im Zeller Hof. Emma sieht wirklich sehr gut aus, ihr Buberl ist nicht sehr stark, doch gedeiht es jetzt besser. Albert sieht sehr gut aus, nun ich glaube, er braucht sich nicht viel zu plagen. Liderl ist ein allerliebstes Kind, sie hat wunderschöne Auge. Das Herzweh beim ersten Anblick der Schumacherischen Kinder ist also auch überstanden, denke dir, das Buberl heißt Franz. - - - Im Herzen ist meine Stimmung heiter, nur ab und zu kommt eine kleine Anwandlung von Trauer. So eben jetzt, wo Frau Kockauer [?] geb: Marie [?] bei mir war, und ohne unseren Verlust zu ahnen, nach meinem Kinde frug. Das hat wieder recht weh gethan! Wenn ich nur schon einen Brief von dir hätte, das wäre wieder der beste Trost. Ich fürchte immer, du strengst dich gar zu sehr an. Wie ich es dir gönnen wollte, wenn du wieder einmal etwas freie Zeit hättest. Im August ist hier der deutsche Juristentag, wirst du da nicht nach Salzburg kommen? Man bereitet schon allenthalben Wohnungen für die Juristen-Gäste. – Gestern waren wir mit Plachetka im Moos. Wir fuhren bis Marienbad, gingen dann zu Fuße ins Ludwigsbad und nach längerem Sitzen dort über Leopoldskron nach Hause. Wie oft habe ich da an dich gedacht! Heute Nachmittag gehen wir zu Zillner, Abends sind wir bei Otto. Unsere Mutter läßt dir sagen, du sollst die Rumänier [Aktien] nicht auszuwechseln vergeßen. Für die Coupons vom vorigen Jahre bekommst du 24 Mark d. ist 7 fl [Gulden] 20 Kr. Ich laße mir wenn es dir recht ist, das Geld vom Otto geben, um beihändiges Geld zu haben; Großmutter [hat] wol einmal vom Reisegeld gesagt, aber bekommen habe ich noch nichts. Am 2.August gehen Otto und Luise [Louise Spängler] und Kochs nach Unken. Fr.v.Duregger und unsere Mutter folgen ihnen nach. Fr:v.D: hat Mutter eingeladen mit ihr zu reisen und wird auch das Zimmer mit Mutter gemeinschäftlich haben. Unsere Mutter wird noch ganz kühn im Reisen. Ich freue mich, daß Mutter diese Erholung haben kann. – Nun wird aber kein Buchstabe mehr geschrieben, bis ich einen Brief von dir in Händen habe! die Ungethüme. Wie kann man denn das Weiberl solche Sehnsucht leiden lassen! [zweites Blatt Fortsetzung nach dem folgenden Gegenbrief]
    
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Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 18.7. [1876] aus Wien eineinhalb Bogen Brief: Meine liebe Fanny! ...Demeter Mertens Verlobungsanzeige... Erdbeben wohl schon in den Zeitungen, keine Unglücksfälle bekannt, in der Kanzlei spürten ziemlich starkes Schütteln... Geld Sparkasse, wie steht es mit dir? von der Großmutter oder von Otto aus den in seiner Verwahrung befindl Gulden? – schon 8 Tage in Salzburg, in weiteren 8 Tagen hoffe ich dich wieder hier zu haben... Ich weiß nicht wie es kommt, dß ich zu Hause nichts rechtes ausrichte, u auch zum Spazierengehen keine besondere Passion habe; es geht mir halt offenbar jemand ab, u. dieser Jemand scheint mein liebes Weiberl zu sein... Hast du den neugewählten Erzbischof nicht gesehen [Franz Albert, siehe „Briefe 1860 ff. an Nr.18 Franz Spängler“, 1883]? Ich habe ihm noch immer nicht geschrieben, vielleicht komme ich heute Abends dazu. – deine Karte erhalten... nicht Zeit gehabt, um dir einen ordentlichen Brief zu schreiben... Rosi läßt dir „alle Hand küßen“... grüße Großmutter, Mutter u. Otto... dein treuer Franz. – Nachschrift... [nicht alles gelesen]. - Zu Mertens vgl. Brief vom 27.9.1871.
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 18.7. [1876] aus Wien eineinhalb Bogen Brief: Meine liebe Fanny! ...Demeter Mertens Verlobungsanzeige... Erdbeben wohl schon in den Zeitungen, keine Unglücksfälle bekannt, in der Kanzlei spürten ziemlich starkes Schütteln... Geld Sparkasse, wie steht es mit dir? von der Großmutter oder von Otto aus den in seiner Verwahrung befindl Gulden? – schon 8 Tage in Salzburg, in weiteren 8 Tagen hoffe ich dich wieder hier zu haben... Ich weiß nicht wie es kommt, dß ich zu Hause nichts rechtes ausrichte, u auch zum Spazierengehen keine besondere Passion habe; es geht mir halt offenbar jemand ab, u. dieser Jemand scheint mein liebes Weiberl zu sein... Hast du den neugewählten Erzbischof nicht gesehen [Franz Albert, siehe „Briefe 1860 ff. an Nr.18 Franz Spängler“, 1883]? Ich habe ihm noch immer nicht geschrieben, vielleicht komme ich heute Abends dazu. – deine Karte erhalten... nicht Zeit gehabt, um dir einen ordentlichen Brief zu schreiben... Rosi läßt dir „alle Hand küßen“... grüße Großmutter, Mutter u. Otto... dein treuer Franz. – Nachschrift... [nicht alles gelesen]. - Zu Mertens vgl. Brief vom 27.9.1871.
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): [zweites Blatt vom obigen Brief 17.7.1876 aus Salzburg:] 18.7. ¾ 12 Uhr Mittags. Herzlieber Franzl! Sehnsüchtig, wie ein Kind seinen Weihnachtsbaum habe ich deinen Brief erwartet, und, was nie in der Brautzeit vorgekommen ist, kostete es mich eben frische Thränen, da ich zu fürchten begann, ich werde auch heute Nichts von dir hören, und meine so leicht bewegte Fantasie dich schon krank wähnte. Das sieht wieder deinem kindischen Weiberl gleich, nicht wahr? Daß ich dir nunmehr herzlichst für deine lieben Zeilen danke, brauche ich kaum zu sagen. Nun bin ich ja wieder ganz vergnügt. N.B.: Von den eben erwähnten Thränen hat Niemand etwas zu sehen gekriegt, dieß zu meiner Beschönigung:/. Bei Frau von Fenzl gedenke ich mit Großmutter heute oder allernächstens einen Besuch zu machen. Über Verlobung und Erdbeben war ich gleicher Weise erstaunt. Wegen der Ribisel sage der Rosi, die ich schön grüße, daß sie 2 bis 3 Kilo einsieden kann, daß sie dieselben aber entweder gar nicht passieren soll, oder aber zuerst ohne Zucker überkochen dann passieren und erst den Saft mit Zucker einkochen soll. Sonst bleibt so viel Zucker im Rückstand der Ribisel. Haben dir die Marillenknödel geschmeckt? Nun bin ich schon eine volle Woche hier, ich weiß gar nicht wo die Zeit hinkommt! Gestern habe ich wieder einmal gespielt, was ich mit der Zither machen werde, weiß ich vor der Hand noch nicht, spielen kann ich Alles auf der kleinen Zither ich müßte dieselbe nur wieder herrichten. Großmutter hat oft allerlei Ansichten, wer weiß, ob sie ihre Meinung nicht wieder ändert. Großmutter ist recht wol, ärgert sich auch mitunter, besonders ist das Thema von einer Kindermagt ein ziemlich gefährliches. – Nach dem Grundsatze, daß man selten Jemand kennen lernt, mit welchem man nicht gemeinsame Bekannte hat, kennt Frau v Daler auch deinen Freund Plager in Graz und neulich im Moos traf ich die Gesellschäfterin der Frau v Tschusi, die wieder den Stigner recht gut kennt. Hast du von Ehepaar Kaserer nichts gesehen? – Also, das Reisegeld, glaube ich, zahlt Großmutter, wenigstens sprach sie gestern davon. Wenn ich dich recht verstehe, so darf ich mich morgen auf einen Brief freuen. Vederemo! Heute hätte ich eigentlich Lust zu schwimmen, da es wirklich heiß ist. Leidest du doch nicht recht von Hitze? – Wir wollen heute Tante Alois besuchen, trafen sie aber nicht. – Manchmal überkommt mich eine große Sehnsucht nach dir, du Lieber, mag es hier noch so schön sein bei dir ist’s doch viel schöner. – Und nun behüte dich Gott mein Herzens Franzl behalte lieb dein kindisches verliebtes Weiberl. – Alle grüßen dich auf’s Beste, auch Otto’s Kinder. Paula u Luise hingen gestern wie die Kletten an mir. Die kleine Emilie ist noch nicht recht warm geworden. – Nochmals lebe wol und sei tausendmal geküßt von deiner alten, treuen Fanni.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): [zweites Blatt vom obigen Brief 17.7.1876 aus Salzburg:] 18.7. ¾ 12 Uhr Mittags. Herzlieber Franzl! Sehnsüchtig, wie ein Kind seinen Weihnachtsbaum habe ich deinen Brief erwartet, und, was nie in der Brautzeit vorgekommen ist, kostete es mich eben frische Thränen, da ich zu fürchten begann, ich werde auch heute Nichts von dir hören, und meine so leicht bewegte Fantasie dich schon krank wähnte. Das sieht wieder deinem kindischen Weiberl gleich, nicht wahr? Daß ich dir nunmehr herzlichst für deine lieben Zeilen danke, brauche ich kaum zu sagen. Nun bin ich ja wieder ganz vergnügt. N.B.: Von den eben erwähnten Thränen hat Niemand etwas zu sehen gekriegt, dieß zu meiner Beschönigung:/. Bei Frau von Fenzl gedenke ich mit Großmutter heute oder allernächstens einen Besuch zu machen. Über Verlobung und Erdbeben war ich gleicher Weise erstaunt. Wegen der Ribisel sage der Rosi, die ich schön grüße, daß sie 2 bis 3 Kilo einsieden kann, daß sie dieselben aber entweder gar nicht passieren soll, oder aber zuerst ohne Zucker überkochen dann passieren und erst den Saft mit Zucker einkochen soll. Sonst bleibt so viel Zucker im Rückstand der Ribisel. Haben dir die Marillenknödel geschmeckt? Nun bin ich schon eine volle Woche hier, ich weiß gar nicht wo die Zeit hinkommt! Gestern habe ich wieder einmal gespielt, was ich mit der Zither machen werde, weiß ich vor der Hand noch nicht, spielen kann ich Alles auf der kleinen Zither ich müßte dieselbe nur wieder herrichten. Großmutter hat oft allerlei Ansichten, wer weiß, ob sie ihre Meinung nicht wieder ändert. Großmutter ist recht wol, ärgert sich auch mitunter, besonders ist das Thema von einer Kindermagt ein ziemlich gefährliches. – Nach dem Grundsatze, daß man selten Jemand kennen lernt, mit welchem man nicht gemeinsame Bekannte hat, kennt Frau v Daler auch deinen Freund Plager in Graz und neulich im Moos traf ich die Gesellschäfterin der Frau v Tschusi, die wieder den Stigner recht gut kennt. Hast du von Ehepaar Kaserer nichts gesehen? – Also, das Reisegeld, glaube ich, zahlt Großmutter, wenigstens sprach sie gestern davon. Wenn ich dich recht verstehe, so darf ich mich morgen auf einen Brief freuen. Vederemo! Heute hätte ich eigentlich Lust zu schwimmen, da es wirklich heiß ist. Leidest du doch nicht recht von Hitze? – Wir wollen heute Tante Alois besuchen, trafen sie aber nicht. – Manchmal überkommt mich eine große Sehnsucht nach dir, du Lieber, mag es hier noch so schön sein bei dir ist’s doch viel schöner. – Und nun behüte dich Gott mein Herzens Franzl behalte lieb dein kindisches verliebtes Weiberl. – Alle grüßen dich auf’s Beste, auch Otto’s Kinder. Paula u Luise hingen gestern wie die Kletten an mir. Die kleine Emilie ist noch nicht recht warm geworden. – Nochmals lebe wol und sei tausendmal geküßt von deiner alten, treuen Fanni.
    
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==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 20.7. [1876] aus „Wien“ [richtig: Salzburg] eineinhalb Bogen Brief: Mein Herzensfranzl! Dein gestriger so lieber und ausführlicher Brief hat mir doppelte Freude gemacht, einmal durch seine Länge, und dann, weil ich ihn nicht zu hoffen gewagt hatte. Also meinen herzinnigen Dank für die lieben Zeilen, in weniger als einer Woche hoffe ich wieder bei dir zu sein. Heute habe ich dir allerlei zu berichten. Erstens folgt die Verrechnung mit, wobei Otto dir bemerken läßt, daß selbstverständlich nur die zweite Seite, wo die 14 fl [Gulden] Kassirrest obenan stehen, dir neu ist. Wie du siehst, hat Otto für dich 20 fl 4 Xr; wenn es dir recht ist, nehme ich dieses Geld mit, nur mußt du dann im September dem Otto das Geld für die Mutter geben. /:Schau, was ich für ein Esel bin:/ [der Brief beginnt auf Seite 2 des Bogens, was sie beim Umblättern bemerkt] Ich meine, es soll dir recht sein wenn ich die 20 fl bringe, da ja im August der fatale Zins zu zahlen ist. Ich bitte dich mir jedenfalls bald hierüber zu schreiben. Die doppelte Hannoverer Ausbeute [Aktien] liegt in Mark bei Otto, ist in die Verrechnung nicht einbezogen, soll ich dir dieselbe auch bringen? – Und nun mein Herzensfranzl muß ich dir auch mittheilen, daß ich von deiner Erlaubniß Gebrauch gemacht, und heute meine Schwester Rosa eingeladen habe, mit mir nach Wien zu reisen, und einige Wochen bei uns zu bleiben. Vater giebt ihr das Reisegeld, wir fahren über Tag, aber dritte Klaße. – Ich habe erst mit Großmutter darüber gesprochen, die, was ich kaum erwartete, ganz dafür war, dann sprach ich mit dem Vater und mit der Mutter. Beide sind sichtlich erfreut. Während ich mit Minna und Maria im neuen Schulhause die oben aufgelegten Zeichnungen ansah, hat Vater der Rosa die Erlaubnis zur Reise ertheilt. Bei meiner Rückkehr fand ich das arme Mädchen zitternd vor Aufregung u Freude. Rosa sieht nicht gut aus, ich hoffe Luftveränderung und Zerstreuung werden ihr gut thun. Du Guter Lieber hast mir ja selbst die erste Idee eingegeben, eine meiner Schwestern mitzunehmen, und ich halte mich wirklich für überzeugt, daß es für Rosa recht gut sein wird. – Ich hoffe, unser Wirtschaftsbudget wird nicht allzusehr belastet werden, da Rosa ein sehr bescheidenes Mädchen ist. Ich habe ihr schon gesagt, daß sie mit unserer Rosi das Zimmer theilen muß, somit macht ihr Ankunft keinerlei Umstände. Sage der Rosi, die ich schön grüße, daß meine Schwester mit mir kommt. und daß ich die Bettwäsche sogleich nach meiner Ankunft hergeben werde, da ich nur um das Nöthige in meinen Kasten zu langen brauche, wo ich sonst eine ganze Beschreibung brauchen würde. Bis wir schlafen gehen ist ja längst Alles in Ordnung. Ich denke, es wird beim nächsten Mittwoch bleiben, mit der Abreise. Großmutter ist schon für den Dienstag vorbereitet, ich habe immer gesagt, daß ich nur 14 Tage Urlaub habe. Großmutter läßt dich herzlich grüßen und dir sagen, daß, falls Rosa und ich dir zu viel Unruhe machen sollten, du nur deine Frau, „die alte Schachtel“ hieher zurück schicken sollst, sie nimmt dieselbe auch auf länger als 14 Tage auf. Was meinst, mein Herzensmann? – Ich habe mit dem Vater auch gesprochen, ob er etwas Eisen für mich für zuträglich hielte, er sagt aber, es sei überflüßig, wenn ich auch nicht blutreich bin, so könne er mich doch nicht blutarm nennen. Ich bin natürlich froh. Ich befinde mich ganz wol, mir fehlt nichts als nur mein lieber Franzl, der eben mein Alles ist. Von den Eltern, Mutter und Otto die besten Grüße. Dich küßt x mal dein verliebtes Weiberl. - Gott sei mir dir. – Eduard Zillner ist schon hier. – Heute habe ich mit Erna Lauser gesprochen, sie war recht lieb, hat mich abermals mit du angesprochen, und ich habe ihr einfach auch du gesagt. – Heute sind wir bei Zillner für den Nachmittag, zuerst will ich zu Fenzl gehen. Salzburg ist noch geflagt, was sich aber bei dem regnerischen Wetter nicht besonders gut ausnimmt. Die Dekoration ist natürlich mir zu Ehren, zufällig ist auch der Kaiser hier. Den neuen Erzbischof habe ich noch nicht gesehen. Die Mutter tituliert ihn auf Ottos Wunsch „hochfürstlich Gnaden“. – Vom Erdbeben hatte ich noch nichts Näheres gehört, war aber nachträglich noch verschreckt darüber. - Mutter ist zufrieden, durch mich von dir zu hören. Nächster Tage kommt ihre Pepi zu Schiestl nach Innsbruck. [auf dem Kopf:] Allen Bekannten u. Verwandten meine besten Grüße.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 20.7. [1876] aus „Wien“ [richtig: Salzburg] eineinhalb Bogen Brief: Mein Herzensfranzl! Dein gestriger so lieber und ausführlicher Brief hat mir doppelte Freude gemacht, einmal durch seine Länge, und dann, weil ich ihn nicht zu hoffen gewagt hatte. Also meinen herzinnigen Dank für die lieben Zeilen, in weniger als einer Woche hoffe ich wieder bei dir zu sein. Heute habe ich dir allerlei zu berichten. Erstens folgt die Verrechnung mit, wobei Otto dir bemerken läßt, daß selbstverständlich nur die zweite Seite, wo die 14 fl [Gulden] Kassirrest obenan stehen, dir neu ist. Wie du siehst, hat Otto für dich 20 fl 4 Xr; wenn es dir recht ist, nehme ich dieses Geld mit, nur mußt du dann im September dem Otto das Geld für die Mutter geben. /:Schau, was ich für ein Esel bin:/ [der Brief beginnt auf Seite 2 des Bogens, was sie beim Umblättern bemerkt] Ich meine, es soll dir recht sein wenn ich die 20 fl bringe, da ja im August der fatale Zins zu zahlen ist. Ich bitte dich mir jedenfalls bald hierüber zu schreiben. Die doppelte Hannoverer Ausbeute [Aktien] liegt in Mark bei Otto, ist in die Verrechnung nicht einbezogen, soll ich dir dieselbe auch bringen? – Und nun mein Herzensfranzl muß ich dir auch mittheilen, daß ich von deiner Erlaubniß Gebrauch gemacht, und heute meine Schwester Rosa eingeladen habe, mit mir nach Wien zu reisen, und einige Wochen bei uns zu bleiben. Vater giebt ihr das Reisegeld, wir fahren über Tag, aber dritte Klaße. – Ich habe erst mit Großmutter darüber gesprochen, die, was ich kaum erwartete, ganz dafür war, dann sprach ich mit dem Vater und mit der Mutter. Beide sind sichtlich erfreut. Während ich mit Minna und Maria im neuen Schulhause die oben aufgelegten Zeichnungen ansah, hat Vater der Rosa die Erlaubnis zur Reise ertheilt. Bei meiner Rückkehr fand ich das arme Mädchen zitternd vor Aufregung u Freude. Rosa sieht nicht gut aus, ich hoffe Luftveränderung und Zerstreuung werden ihr gut thun. Du Guter Lieber hast mir ja selbst die erste Idee eingegeben, eine meiner Schwestern mitzunehmen, und ich halte mich wirklich für überzeugt, daß es für Rosa recht gut sein wird. – Ich hoffe, unser Wirtschaftsbudget wird nicht allzusehr belastet werden, da Rosa ein sehr bescheidenes Mädchen ist. Ich habe ihr schon gesagt, daß sie mit unserer Rosi das Zimmer theilen muß, somit macht ihr Ankunft keinerlei Umstände. Sage der Rosi, die ich schön grüße, daß meine Schwester mit mir kommt. und daß ich die Bettwäsche sogleich nach meiner Ankunft hergeben werde, da ich nur um das Nöthige in meinen Kasten zu langen brauche, wo ich sonst eine ganze Beschreibung brauchen würde. Bis wir schlafen gehen ist ja längst Alles in Ordnung. Ich denke, es wird beim nächsten Mittwoch bleiben, mit der Abreise. Großmutter ist schon für den Dienstag vorbereitet, ich habe immer gesagt, daß ich nur 14 Tage Urlaub habe. Großmutter läßt dich herzlich grüßen und dir sagen, daß, falls Rosa und ich dir zu viel Unruhe machen sollten, du nur deine Frau, „die alte Schachtel“ hieher zurück schicken sollst, sie nimmt dieselbe auch auf länger als 14 Tage auf. Was meinst, mein Herzensmann? – Ich habe mit dem Vater auch gesprochen, ob er etwas Eisen für mich für zuträglich hielte, er sagt aber, es sei überflüßig, wenn ich auch nicht blutreich bin, so könne er mich doch nicht blutarm nennen. Ich bin natürlich froh. Ich befinde mich ganz wol, mir fehlt nichts als nur mein lieber Franzl, der eben mein Alles ist. Von den Eltern, Mutter und Otto die besten Grüße. Dich küßt x mal dein verliebtes Weiberl. - Gott sei mir dir. – Eduard Zillner ist schon hier. – Heute habe ich mit Erna Lauser gesprochen, sie war recht lieb, hat mich abermals mit du angesprochen, und ich habe ihr einfach auch du gesagt. – Heute sind wir bei Zillner für den Nachmittag, zuerst will ich zu Fenzl gehen. Salzburg ist noch geflagt, was sich aber bei dem regnerischen Wetter nicht besonders gut ausnimmt. Die Dekoration ist natürlich mir zu Ehren, zufällig ist auch der Kaiser hier. Den neuen Erzbischof habe ich noch nicht gesehen. Die Mutter tituliert ihn auf Ottos Wunsch „hochfürstlich Gnaden“. – Vom Erdbeben hatte ich noch nichts Näheres gehört, war aber nachträglich noch verschreckt darüber. - Mutter ist zufrieden, durch mich von dir zu hören. Nächster Tage kommt ihre Pepi zu Schiestl nach Innsbruck. [auf dem Kopf:] Allen Bekannten u. Verwandten meine besten Grüße.
    
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
 
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Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 21.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Partezettel von Nina Griemauer erhalten; sie ist gestern Früh ihrem Leiden erlegen... Journaldienst... Wirst du Mittwoch kommen?... Es ist doch allein recht langweilig zu Hause u. mein Leben nach dem eines Junggesellen einzurichten habe ich auch keine Lust! Also bleibe nicht mehr gar zu lange weg... von deinem Franz. Rosi grüßt... [nicht alles gelesen]
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 21.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Partezettel von Nina Griemauer erhalten; sie ist gestern Früh ihrem Leiden erlegen... Journaldienst... Wirst du Mittwoch kommen?... Es ist doch allein recht langweilig zu Hause u. mein Leben nach dem eines Junggesellen einzurichten habe ich auch keine Lust! Also bleibe nicht mehr gar zu lange weg... von deinem Franz. Rosi grüßt... [nicht alles gelesen]
    
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FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 21.7. [1876] aus Salzburg ein Bogen Brief: Lieber Franz! Heute habe ich eine große Bitte. Fani hat uns angetragen die Rosa mitzunehmen ein zwei Wochen u. da der Vater glaubt, daß das ihr gut thut u. Rosa sich so freut so nehmen wir es an u. plagen Euch so. ich bitte dich aber macht gewiß, wie Ihr sonst lebt nichts anderes, es wäre uns leid, wenn Ihr gestört wäret, es macht so schon eine große Aenderung, auch Rosa läßt dich bitten. Indem wir dich herzlich grüßen verbleibe ich deine Mutter Kathi Sch.[Schlegel] – 23.7. Mein herzlieber Mann! Beiliegenden, beßer gesagt vorstehenden Brief kann ich nicht fortschicken, ohne dir, du Lieber wieder etwas vorgeplauscht zu haben. Vorerst danke ich dir, daß du mir heute eine Karte zukommen liesest, ich [bin] schon gerade wie jener Jude, der sich durch die Überschrift der Adresse von dem Wol der Seinen überzeugte. Eine Korrespondenzkarte von dir wirkt wie ein nervenberuhigendes Mittel bei mir; der Anblick deiner Schrift gibt mir die Versicherung, daß es dir gut geht, und daß du an mich denkst. – Heute hoffe ich wirst du mit Vetter Leopold in’s Fonie [?] gehen, unterhalte dich nur recht gut du Lieber. – Nächsten Samstag machen wir, so Gott will, wieder zusammen einen Ausflug, wie wird das hübsch sein! Du glaubst nicht, wie ich mich wieder freue, dich meinen Herzensfranzl zu umarmen. Ob ich wirklich Mittwoch Salzburg verlaße, werde ich dir endgiltig am Dienstag zu wißen machen, ich habe nicht die Absicht eine Zugabe zu machen, da ich fühle, daß Großmutter sich stündlich mehr an meine Anwesenheit gewöhnt, so daß, je länger ich hier bleibe, desto schwerer für sie der Abschied wird. – Rosa ist sehr glücklich über die Wiener Reise. – Ida Spängler flößt meiner schweren Besorgniß ein, die Ohnmachten wiederholen sich, sogar ein leichter Starrkrampf ist einmal eingetretten. Alles ist sehr in Sorge. - Morgen wollen wir für den ganzen Tag nach Maria Plain. Unsere Mutter fährt auch mit. Plachetka kommen nach. Tante Alois wollte auch mit, doch Idas Befinden hält sie ab. – Heute war Mutter, Tante Alois, Herr v.Zillner und Anna u. Cousine und Pepi Angermayer bei mir. Alle grüßen dich. – Gestern waren wir also wieder im Moos, Frau v.Gattermayer kann bereits allein gehen. – Dr.Zillner sagt, es sei wunderbar, wie diese Frau sich erholt, der Bluterguß hat in der gefährlichsten Parthie des Gehirns stattgefunden. Eingehinderter Trettnisse wegen komme ich nicht zum Baden. Die Luftveränderung mag an der Verfrühung schuld sein. X [auf dem Kopf:] Es küßt dich innig deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich. Grüße Rosi. [quer:] Grüße Vetter Leopold und alle Anderen. Dienstag kommt kein Brief von mir. - „Pepi“: Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh., deren Sohn heißt Josef, geb. 1853.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 21.7. [1876] aus Salzburg ein Bogen Brief: Lieber Franz! Heute habe ich eine große Bitte. Fani hat uns angetragen die Rosa mitzunehmen ein zwei Wochen u. da der Vater glaubt, daß das ihr gut thut u. Rosa sich so freut so nehmen wir es an u. plagen Euch so. ich bitte dich aber macht gewiß, wie Ihr sonst lebt nichts anderes, es wäre uns leid, wenn Ihr gestört wäret, es macht so schon eine große Aenderung, auch Rosa läßt dich bitten. Indem wir dich herzlich grüßen verbleibe ich deine Mutter Kathi Sch.[Schlegel] – 23.7. Mein herzlieber Mann! Beiliegenden, beßer gesagt vorstehenden Brief kann ich nicht fortschicken, ohne dir, du Lieber wieder etwas vorgeplauscht zu haben. Vorerst danke ich dir, daß du mir heute eine Karte zukommen liesest, ich [bin] schon gerade wie jener Jude, der sich durch die Überschrift der Adresse von dem Wol der Seinen überzeugte. Eine Korrespondenzkarte von dir wirkt wie ein nervenberuhigendes Mittel bei mir; der Anblick deiner Schrift gibt mir die Versicherung, daß es dir gut geht, und daß du an mich denkst. – Heute hoffe ich wirst du mit Vetter Leopold in’s Fonie [?] gehen, unterhalte dich nur recht gut du Lieber. – Nächsten Samstag machen wir, so Gott will, wieder zusammen einen Ausflug, wie wird das hübsch sein! Du glaubst nicht, wie ich mich wieder freue, dich meinen Herzensfranzl zu umarmen. Ob ich wirklich Mittwoch Salzburg verlaße, werde ich dir endgiltig am Dienstag zu wißen machen, ich habe nicht die Absicht eine Zugabe zu machen, da ich fühle, daß Großmutter sich stündlich mehr an meine Anwesenheit gewöhnt, so daß, je länger ich hier bleibe, desto schwerer für sie der Abschied wird. – Rosa ist sehr glücklich über die Wiener Reise. – Ida Spängler flößt meiner schweren Besorgniß ein, die Ohnmachten wiederholen sich, sogar ein leichter Starrkrampf ist einmal eingetretten. Alles ist sehr in Sorge. - Morgen wollen wir für den ganzen Tag nach Maria Plain. Unsere Mutter fährt auch mit. Plachetka kommen nach. Tante Alois wollte auch mit, doch Idas Befinden hält sie ab. – Heute war Mutter, Tante Alois, Herr v.Zillner und Anna u. Cousine und Pepi Angermayer bei mir. Alle grüßen dich. – Gestern waren wir also wieder im Moos, Frau v.Gattermayer kann bereits allein gehen. – Dr.Zillner sagt, es sei wunderbar, wie diese Frau sich erholt, der Bluterguß hat in der gefährlichsten Parthie des Gehirns stattgefunden. Eingehinderter Trettnisse wegen komme ich nicht zum Baden. Die Luftveränderung mag an der Verfrühung schuld sein. X [auf dem Kopf:] Es küßt dich innig deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich. Grüße Rosi. [quer:] Grüße Vetter Leopold und alle Anderen. Dienstag kommt kein Brief von mir. - „Pepi“: Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh., deren Sohn heißt Josef, geb. 1853.
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 22.7.[1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl! Sicher hoffend, heute von dir, du Lieber zu hören, beginne ich diesen Brief, um ihn gewiß heute als Antwort auf deine Zeilen noch fortschicken zu können. Ich hoffe, du bist mir nicht böse darüber, daß ich in eigener Machtvollkommenheit Schwester Rosa eingeladen habe zu uns, das Mädchen ist so erfreut darüber, und ich hoffe, sie wird sich mit ihrer stillen anspruchslosen Weise recht gut in unser kleines Heim hineinfügen. Ich bin schon so neugierig welchen Eindruck die Großstadt auf Rosa machen wird. – Vorgestern waren Großmutter und ich bei Frau v.Fenzl. Wir wurden sehr freundlich empfangen, ich glaube es hat Frau v.Fenzl und Frau v.Biragki wirklich gefreut. Sie empfehlen sich dir bestens. Frau v.Biragki sieht sehr gut aus, auch die Kinder, Frau v.Fenzl ist aber immer noch recht angegriffen, und sieht ziemlich übel aus. Daß Koll als Auskultant nach Salzburg kommt, weißt du natürlich. Herzensfranzl, einen innigen Kuß für deinen lieben Brief, den ich vor ¼ Stunde erhalten habe. – Nach Enigl gingen wir zu Zillner, und zwar an der Johannesapotheke vorbei, wo ich mir den Pepi Angermayer holen ließ um ihn zu sehen. Es geht ihm gut, er läßt dich grüßen. Bei Zillner wurde es gemütlich wie immer. Herr von Peterwandl /: der Messerfex [?]:/ kam auch für kurze Zeit, wir waren recht heiter. Eduard hat eine kleine Reich von Wien gebracht, ein allerliebstes 13jähriges Mädchen mit wahren Rehaugen. Emilie Reich bleibt über die Ferien hier. Gestern nach der h.Messe, ich gehe meistens um 8 ½ Uhr in die Franziskanerkirche, machte ich einen Gang über den Friedhof von St:Peter, wo ich mich am Grab unseres guten Vaters [Spängler], an dem der armen Maria Gattermayer und der armen Schlögelhofer in kurzem Gebete aufhielt. Meine arme, verstorbene Mutter [Amalia Kobler, verh. Schlegel] habe ich noch nicht besucht, vielleicht komm ich morgen dazu. Nachmittag war ich bei Schumacher, dann im oberen Hof bei der Wahlin. Maria sieht übel aus, ist häufig leidend, zudem in anderen Umständen. Aus einigen Äußerungen der Emma sehe ich, daß auch ihre Ehe nicht die allervergnüglichste ist. Ihre Kinder sah ich nicht. Emmas Lida ist ein reizendes Geschöpf so klug und zutraulich [Emma Seehofer; Freundin]. - - - Abends waren Großmutter und ich bei deiner guten Mutter eingeladen. Otto u. Luise [Louise Spängler] waren da u. Maria Koch. Alle grüßen dich herzlich. Gestern begegnete uns der Herr Domkapitular Klingler, er war recht lieb mit mir, empfiehlt sich dir. Bei der Mutter war es hübsch und gemütlich wie jedesmal, die Heiterkeit wurde durch das Leiden der armen Ida, welches das Hauptthema des Gespräches bildete, einigermaßen beeinträchtigt. Die Arme ist so schwach, daß das Rücken eines ihrer Kopfkissen sie für mehrere Minuten ohnmächtig machte. Die Krämpfe kehren auch immer wieder. Trotzdem geben die Ärzte Hoffnung, auch Pater Alois aus Steyr, der eben hier ist. – Mit meinem Entschluße, Rosa mit mir zu nehmen, sind Alle sehr einverstanden. Alle gönnen ihr so sehr eine kleine Erheiterung. Vater u. Mutter sind sehr erfreut. Bruder Richard [Schlegel; 1853-1878] ist gestern nach Gmunden abgereist, wo er bei der Materialverwaltung der Eisenbahn eine Stelle bekommen hat. Er hat außer freier Wohnung 50 fl. [Gulden] monatlich, wenn er befriedigt bekommt er mehr und hat dabei die Aussicht, Beamter der Bahn zu werden. Gott gebe, daß es ihm dort gut gehe. Die Stelle im Saullich’schen Cement-Geschäft mußte er durch die Übersiedlung des Geschäftes nach Wien, wobei das Personal vermindert wurde, verlieren. Ich werde mir also vom Otto das Geld geben laßen, schon deshalb, weil ich nicht darauf angewiesen sein möchte, ob Großmutter mir Reisegeld giebt. Ausgegeben habe ich hier etwa 2-3 fl [Gulden], doch muß ich noch für Rosi etwas kaufen, der Theres gebe ich 1 Kilo Käse [?] u. der Luise ein Trinkgeld. Die arme Lina Griesenauer hat also auch vollendet. Schade um das liebenswürdige, talentvolle Mädchen. Per Marie brauchst du mir nichts zu schicken, in wenigen Tagen packe ich ja ohnehin unsere 7 Sachen zusammen. O, wie ich mich auf dich freue, mein lieber Franzl. Wie viel werde ich dir zu erzählen haben. Ich bin fest entschloßen, Mittwoch früh Salzburg zu verlaßen, ich möchte, abgesehen davon, daß ich mich ja so sehr auf dich freue, meine Heimreise schon der Großmutter wegen nicht verzögern, denn ja länger ich hier bin, desto mehr gewöhnt sie sich wieder an mich. Ich ersehe mit Freuden, daß ich dir doch ein wenig fehle, es ist sehr lieb von dir, daß du dein altes Hauskreuz so gern hast. – Doch nun heißt es schließen, wir unternehmen heute abermals eine kühne Fahrt per „Arche Noah“ vulgo Stellwagen, nach Moos. Ach Franzl behalte mich lieb und schreibe bald u viel deinem über den Kopf verliebten Weiberl. – Von Großmutter die schönsten Grüße. Wir grüßen auch Rosi. – Hat sie Ribisel eingesotten? – „Schlögelhofer“: Partezettel für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-2.5.1875.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 22.7.[1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl! Sicher hoffend, heute von dir, du Lieber zu hören, beginne ich diesen Brief, um ihn gewiß heute als Antwort auf deine Zeilen noch fortschicken zu können. Ich hoffe, du bist mir nicht böse darüber, daß ich in eigener Machtvollkommenheit Schwester Rosa eingeladen habe zu uns, das Mädchen ist so erfreut darüber, und ich hoffe, sie wird sich mit ihrer stillen anspruchslosen Weise recht gut in unser kleines Heim hineinfügen. Ich bin schon so neugierig welchen Eindruck die Großstadt auf Rosa machen wird. – Vorgestern waren Großmutter und ich bei Frau v.Fenzl. Wir wurden sehr freundlich empfangen, ich glaube es hat Frau v.Fenzl und Frau v.Biragki wirklich gefreut. Sie empfehlen sich dir bestens. Frau v.Biragki sieht sehr gut aus, auch die Kinder, Frau v.Fenzl ist aber immer noch recht angegriffen, und sieht ziemlich übel aus. Daß Koll als Auskultant nach Salzburg kommt, weißt du natürlich. Herzensfranzl, einen innigen Kuß für deinen lieben Brief, den ich vor ¼ Stunde erhalten habe. – Nach Enigl gingen wir zu Zillner, und zwar an der Johannesapotheke vorbei, wo ich mir den Pepi Angermayer holen ließ um ihn zu sehen. Es geht ihm gut, er läßt dich grüßen. Bei Zillner wurde es gemütlich wie immer. Herr von Peterwandl /: der Messerfex [?]:/ kam auch für kurze Zeit, wir waren recht heiter. Eduard hat eine kleine Reich von Wien gebracht, ein allerliebstes 13jähriges Mädchen mit wahren Rehaugen. Emilie Reich bleibt über die Ferien hier. Gestern nach der h.Messe, ich gehe meistens um 8 ½ Uhr in die Franziskanerkirche, machte ich einen Gang über den Friedhof von St:Peter, wo ich mich am Grab unseres guten Vaters [Spängler], an dem der armen Maria Gattermayer und der armen Schlögelhofer in kurzem Gebete aufhielt. Meine arme, verstorbene Mutter [Amalia Kobler, verh. Schlegel] habe ich noch nicht besucht, vielleicht komm ich morgen dazu. Nachmittag war ich bei Schumacher, dann im oberen Hof bei der Wahlin. Maria sieht übel aus, ist häufig leidend, zudem in anderen Umständen. Aus einigen Äußerungen der Emma sehe ich, daß auch ihre Ehe nicht die allervergnüglichste ist. Ihre Kinder sah ich nicht. Emmas Lida ist ein reizendes Geschöpf so klug und zutraulich [Emma Seehofer; Freundin]. - - - Abends waren Großmutter und ich bei deiner guten Mutter eingeladen. Otto u. Luise [Louise Spängler] waren da u. Maria Koch. Alle grüßen dich herzlich. Gestern begegnete uns der Herr Domkapitular Klingler, er war recht lieb mit mir, empfiehlt sich dir. Bei der Mutter war es hübsch und gemütlich wie jedesmal, die Heiterkeit wurde durch das Leiden der armen Ida, welches das Hauptthema des Gespräches bildete, einigermaßen beeinträchtigt. Die Arme ist so schwach, daß das Rücken eines ihrer Kopfkissen sie für mehrere Minuten ohnmächtig machte. Die Krämpfe kehren auch immer wieder. Trotzdem geben die Ärzte Hoffnung, auch Pater Alois aus Steyr, der eben hier ist. – Mit meinem Entschluße, Rosa mit mir zu nehmen, sind Alle sehr einverstanden. Alle gönnen ihr so sehr eine kleine Erheiterung. Vater u. Mutter sind sehr erfreut. Bruder Richard [Schlegel; 1853-1878] ist gestern nach Gmunden abgereist, wo er bei der Materialverwaltung der Eisenbahn eine Stelle bekommen hat. Er hat außer freier Wohnung 50 fl. [Gulden] monatlich, wenn er befriedigt bekommt er mehr und hat dabei die Aussicht, Beamter der Bahn zu werden. Gott gebe, daß es ihm dort gut gehe. Die Stelle im Saullich’schen Cement-Geschäft mußte er durch die Übersiedlung des Geschäftes nach Wien, wobei das Personal vermindert wurde, verlieren. Ich werde mir also vom Otto das Geld geben laßen, schon deshalb, weil ich nicht darauf angewiesen sein möchte, ob Großmutter mir Reisegeld giebt. Ausgegeben habe ich hier etwa 2-3 fl [Gulden], doch muß ich noch für Rosi etwas kaufen, der Theres gebe ich 1 Kilo Käse [?] u. der Luise ein Trinkgeld. Die arme Lina Griesenauer hat also auch vollendet. Schade um das liebenswürdige, talentvolle Mädchen. Per Marie brauchst du mir nichts zu schicken, in wenigen Tagen packe ich ja ohnehin unsere 7 Sachen zusammen. O, wie ich mich auf dich freue, mein lieber Franzl. Wie viel werde ich dir zu erzählen haben. Ich bin fest entschloßen, Mittwoch früh Salzburg zu verlaßen, ich möchte, abgesehen davon, daß ich mich ja so sehr auf dich freue, meine Heimreise schon der Großmutter wegen nicht verzögern, denn ja länger ich hier bin, desto mehr gewöhnt sie sich wieder an mich. Ich ersehe mit Freuden, daß ich dir doch ein wenig fehle, es ist sehr lieb von dir, daß du dein altes Hauskreuz so gern hast. – Doch nun heißt es schließen, wir unternehmen heute abermals eine kühne Fahrt per „Arche Noah“ vulgo Stellwagen, nach Moos. Ach Franzl behalte mich lieb und schreibe bald u viel deinem über den Kopf verliebten Weiberl. – Von Großmutter die schönsten Grüße. Wir grüßen auch Rosi. – Hat sie Ribisel eingesotten? – „Schlögelhofer“: Partezettel für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-2.5.1875.
    
==== Franz Spänger an Fanny Spängler ====
 
==== Franz Spänger an Fanny Spängler ====
Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 24.7.[1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Brief erhalten mit Zeilen der Mutter... Leopold Spängler gestern abgereist, vorher zusammen in Schönbrunn; Spingbrunnen, mit Hochquellenleitung gespeist, in bedeutende Höhe springen; schon 14 Tage, dß du mich allein läßt; hoffentlich kommst du bald wieder! Ich freue mich schon auf mein liebes Weiberl! – keine Neuigkeiten, die Wirtschaft geht in Ordnung; ich hoffe du wirst entzükt sein. Grüße... komm bald in die Arme, herzlich liebender Franz. [nicht alles gelesen]
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 24.7.[1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Brief erhalten mit Zeilen der Mutter... Leopold Spängler gestern abgereist, vorher zusammen in Schönbrunn; Spingbrunnen, mit Hochquellenleitung gespeist, in bedeutende Höhe springen; schon 14 Tage, dß du mich allein läßt; hoffentlich kommst du bald wieder! Ich freue mich schon auf mein liebes Weiberl! – keine Neuigkeiten, die Wirtschaft geht in Ordnung; ich hoffe du wirst entzükt sein. Grüße... komm bald in die Arme, herzlich liebender Franz. [nicht alles gelesen]
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 25.7. [1876] Postkarte, Tinte, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! Fahren Salzburg [mit dem Zug] ab 7 Uhr 42 Rosa [die jüngere Stiefschwester] und ich. „So Gott will also frohes Wiedersehen Abends in Wien“, danke für Brief, Grüße deine Fanni, grüße Rosi. „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen.“
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 25.7. [1876] Postkarte, Tinte, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! Fahren Salzburg [mit dem Zug] ab 7 Uhr 42 Rosa [die jüngere Stiefschwester] und ich. „So Gott will also frohes Wiedersehen Abends in Wien“, danke für Brief, Grüße deine Fanni, grüße Rosi. „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen.“
    
==== Erzbischof Albert Eder an Franz Spängler ====
 
==== Erzbischof Albert Eder an Franz Spängler ====
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==== Fanni Spängler an Richard Schlegel ====
 
==== Fanni Spängler an Richard Schlegel ====
1877 an FANNI SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard.
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1877 an Fanni Spängler (1848-1905; Nr.19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard.
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler und Fanny Kobler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler und Fanny Kobler ====
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==== Betti Katzinger an Fanni Kobler ====
 
==== Betti Katzinger an Fanni Kobler ====
BETTI KATZINGER [geb. Kobler] an FANNI SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa.
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BETTI KATZINGER [geb. Kobler] an Fanni Spängler (1848-1905; Nr.19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 26.7.1877; Brief ohne Umschlag, Wien, Fanni an Franz in Salzburg; das kleine Dirndl wird von der Hitze geplagt; trägt eine Schiene geduldig, Rosa [die Stiefschwester von Fanni] weint nicht mehr so viel wie sonst. „Der liebe Gott wird schon alles recht machen, ich vertraue auf ihn.“ [das Kind ist Franzi, die 18.6.1877 geboren wird], nennt das Kind mehrmals „Mastschweinchen“, ihre „Milchproduktion wird immer größer“, sie freut sich. „Rosa grüßt dich, Rosi küßt die Hand“.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 26.7.1877; Brief ohne Umschlag, Wien, Fanni an Franz in Salzburg; das kleine Dirndl wird von der Hitze geplagt; trägt eine Schiene geduldig, Rosa [die Stiefschwester von Fanni] weint nicht mehr so viel wie sonst. „Der liebe Gott wird schon alles recht machen, ich vertraue auf ihn.“ [das Kind ist Franzi, die 18.6.1877 geboren wird], nennt das Kind mehrmals „Mastschweinchen“, ihre „Milchproduktion wird immer größer“, sie freut sich. „Rosa grüßt dich, Rosi küßt die Hand“.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 29.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Franz kommt bald aus Salzburg zurück; ging mit dem Kind auch bei ‚Aprilwetter’ und „stoßweise“ Wind spazieren, nur eine Stunde lang... „Ich bin schon so neugierig, wie es dir gefallen wird, mit unserm Dirndl im selben Zimmer zu schlafen. Ich denke mir, du wirst anfangs ängstlich sein, wenn das Kind schreit, wenn du aber die Überzeugung gewonnen haben wirst, daß es keine Gefahr hat, wirst du dich schon daran gewöhnen.“ Seit zwei Tagen wendet die Kleine, den Kopf, wenn jemand laut neben ihr spricht, ihr Lachen ist nicht mehr so unwillkürlich, wie in der ersten Zeit, „Mastschweinchen“ ist jetzt 6 Wochen alt.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 29.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Franz kommt bald aus Salzburg zurück; ging mit dem Kind auch bei ‚Aprilwetter’ und „stoßweise“ Wind spazieren, nur eine Stunde lang... „Ich bin schon so neugierig, wie es dir gefallen wird, mit unserm Dirndl im selben Zimmer zu schlafen. Ich denke mir, du wirst anfangs ängstlich sein, wenn das Kind schreit, wenn du aber die Überzeugung gewonnen haben wirst, daß es keine Gefahr hat, wirst du dich schon daran gewöhnen.“ Seit zwei Tagen wendet die Kleine, den Kopf, wenn jemand laut neben ihr spricht, ihr Lachen ist nicht mehr so unwillkürlich, wie in der ersten Zeit, „Mastschweinchen“ ist jetzt 6 Wochen alt.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
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FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 31.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni [Wien]: freut sich auf die „Schilderungen“ von der Reise; „Frau Batsy [Name latein. geschrieben, sonst deutsche Schrift] machte mir und der kleinen feierlich ihren Besuch gestern, zum Schluß meiner Wochen.“ „Dann hörte ich die 12 Uhr Messe in St.Stefan. Ich habe für dich und der Kleinen recht herzlich gebetet. Sie schreibt während des Stillens; „Wenn mein Geschreibsel heute noch garstiger als sonst dir vorkommen sollte, so denke, daß Mastschweinchen noch immer sauft.“ „Ich habe schon von dir geträumt.“
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 31.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni [Wien]: freut sich auf die „Schilderungen“ von der Reise; „Frau Batsy [Name latein. geschrieben, sonst deutsche Schrift] machte mir und der kleinen feierlich ihren Besuch gestern, zum Schluß meiner Wochen.“ „Dann hörte ich die 12 Uhr Messe in St.Stefan. Ich habe für dich und der Kleinen recht herzlich gebetet. Sie schreibt während des Stillens; „Wenn mein Geschreibsel heute noch garstiger als sonst dir vorkommen sollte, so denke, daß Mastschweinchen noch immer sauft.“ „Ich habe schon von dir geträumt.“
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 2.8. [1877], 2 Bogen Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Mastschweinchen schläft; Rosi will heiraten und hat zum 1.Sept. gekündigt, freut sich für sie, hat Kündigung angenommen, „mit Gottes Hilfe werde ich schon wieder ein ordentliches Mädchen kriegen“; „wo Rosa [aus Salzburg mitgekommen] bei mir ist, ist mir gar nicht bange, wir werden mit der Arbeit schon fertig“. Mögliches Hochzeitsgeschenk für Rosi; rede aber in Salzburg „vielleicht gar nichts vom Magdwechsel, sonst gibt es wieder 10.000 Befürchtungen“. – Der Güterdirektor verlangt Wasserzins, sollen 2 fl 40 per Vierteljahr zahlen. – Erfreuliches, „daß Mastschweinchen sehr, sehr lieb u. brav ist.“ Morgen will sie mit Rosa zu Dr.Lorinser fahren, damit er das Füßchen anschaut „und mir sagt, ob ich die Schiene richtig anlege“. Waren im Brünnlebad, die frische Luft hat dem Kind behagt; gehen im Rathauspark spazieren; „Mastschweinchen schickt ein unbewußtes Bußerl“
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 2.8. [1877], 2 Bogen Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Mastschweinchen schläft; Rosi will heiraten und hat zum 1.Sept. gekündigt, freut sich für sie, hat Kündigung angenommen, „mit Gottes Hilfe werde ich schon wieder ein ordentliches Mädchen kriegen“; „wo Rosa [aus Salzburg mitgekommen] bei mir ist, ist mir gar nicht bange, wir werden mit der Arbeit schon fertig“. Mögliches Hochzeitsgeschenk für Rosi; rede aber in Salzburg „vielleicht gar nichts vom Magdwechsel, sonst gibt es wieder 10.000 Befürchtungen“. – Der Güterdirektor verlangt Wasserzins, sollen 2 fl 40 per Vierteljahr zahlen. – Erfreuliches, „daß Mastschweinchen sehr, sehr lieb u. brav ist.“ Morgen will sie mit Rosa zu Dr.Lorinser fahren, damit er das Füßchen anschaut „und mir sagt, ob ich die Schiene richtig anlege“. Waren im Brünnlebad, die frische Luft hat dem Kind behagt; gehen im Rathauspark spazieren; „Mastschweinchen schickt ein unbewußtes Bußerl“
    
==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877.
    
==== Richar Schlegel an Franz Spängler ====
 
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==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren.
    
=== 1878 ===
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni. Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida [Guttenberg] und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten [am schönsten?] grüße/ sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich; das ich ihn dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen [Mädchen] erinert mich sehr an dein Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Opa [?].
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni. Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida [Guttenberg] und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten [am schönsten?] grüße/ sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich; das ich ihn dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen [Mädchen] erinert mich sehr an dein Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Opa [?].
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 20.7.1879, Brief ohne Umschlag, Fanni in Salzburg: keine „Reiseabentheuer zu berichten“, Kinder schlafen (im Zug), „Franzi erwachte in Attnang und war von da an kreuzfidel“; bei der Großmutter untergebracht, die Schwestern [Stiefschwestern von Fanni] helfen „in jeder Hinsicht“, in Salzburg Fr.v.Kaserer samt Sohn getroffen, auf dem Weg nach Saalfelden. 9 Uhr in St.Peter bei der hl. Messe, „Franzi war recht brav“, Toni war auf dem Arm der Mutter, da diese sie nicht hinlegte, hat sie sie nass gemacht; „Großmutter entsetzt sich einigermaßen über unseren Hunger“; „die Luft wird uns Allen gut thun. Eben regnet es wieder.“; Franz soll einen Bekannten aus Salzburg in Wien beim Kauf einer Zither beraten, eine Halb Palisander Zither. - „Den Coupon ließ ich mir von Otto auszahlen“; Franz soll Stoff für Rosa kaufen; „Heute über 3 Wochen sind wir mit Gottes Hilfe wieder beisammen“; „Es küßt dich 100 mal deine Alte“ „Bußl von Franzi“ „Franzi und Toni schicken dir viele viele Bußerl. Kom bald nach Salzburg.“
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 20.7.1879, Brief ohne Umschlag, Fanni in Salzburg: keine „Reiseabentheuer zu berichten“, Kinder schlafen (im Zug), „Franzi erwachte in Attnang und war von da an kreuzfidel“; bei der Großmutter untergebracht, die Schwestern [Stiefschwestern von Fanni] helfen „in jeder Hinsicht“, in Salzburg Fr.v.Kaserer samt Sohn getroffen, auf dem Weg nach Saalfelden. 9 Uhr in St.Peter bei der hl. Messe, „Franzi war recht brav“, Toni war auf dem Arm der Mutter, da diese sie nicht hinlegte, hat sie sie nass gemacht; „Großmutter entsetzt sich einigermaßen über unseren Hunger“; „die Luft wird uns Allen gut thun. Eben regnet es wieder.“; Franz soll einen Bekannten aus Salzburg in Wien beim Kauf einer Zither beraten, eine Halb Palisander Zither. - „Den Coupon ließ ich mir von Otto auszahlen“; Franz soll Stoff für Rosa kaufen; „Heute über 3 Wochen sind wir mit Gottes Hilfe wieder beisammen“; „Es küßt dich 100 mal deine Alte“ „Bußl von Franzi“ „Franzi und Toni schicken dir viele viele Bußerl. Kom bald nach Salzburg.“
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 24.7. [1879], Brief ohne Umschlag: [Franzi ist knapp 2 Jahre alt:] „will immer bei ‚den Tanten’ sein. Madi jetzt den Vater schreiben: Lieber Vater komm bald zur Mutter und zur schlimmen Franzi und zu den schlimmen Tanten u. Toni [jüngere Schwester Toni, geb.30.3.1879; Nr.9 b]. Ich ein Bußi schicken. Behüt Gott, lieber Vater. Deine Franzi. Bußi [im Kreis]“... „Montag waren wir bei Luise [Louise Spängler], Franzi hat recht nett mit den Kindern gespielt, Toni lag meistens auf dem Bette der kl. Emilie und strampelte und lachte.“ Die Großmutter ‚entsetzt’ sich, dass Toni „so viel Freiheit für ihre Füßchen beansprucht“ und bemüht sich vergeblich, „die kleine Unruhe hübsch ordentlich in Flanell zu hüllen, aber ohne Erfolg“. – „Es ist schwer, die Kinder bei Otto [Spängler, Bruder vom Franz] sollen nichts vom Stillen wissen, so muß ich jedesmal mit Toni verschwinden, wenn ihr der Hunger kommt.“ „Der kleine Rudolf ist ein sehr starkes, hübsches Kind, doch wird er sehr viel wärmer gehalten als unsere Kinder, und was mich ganz besonders wundert, er hat einen Schnuller, ganz kunstgerecht nach alter Sitte gefertigt. Ich glaube, Luise [Louise Spängler] kam neulich ein wenig in Verlegenheit, als ich dieses Überbleibsel früherer Zeiten bemerkte. Die kleine Bertha ist etwas kleiner als Franzi, und spricht weniger deutlich...“ – „Bisher hat Großmutter mich noch nie etwas zahlen laßen, es wird auch ganz zu Hause gekocht, einfach aber vollständig genug.“ Hat aber Kaffee zum Frühstück aus Wien mit... Franz soll das der Anna [wohl die neue Magd] sagen, braucht evtl. noch Kaffee aus Wien... über Geld, sie kann ihm [!] schicken, kann mit Otto darüber sprechen... Großmutter (ist froh über) den Regenmantel [vgl. Brief von Otto Spängler] und grüßt.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 24.7. [1879], Brief ohne Umschlag: [Franzi ist knapp 2 Jahre alt:] „will immer bei ‚den Tanten’ sein. Madi jetzt den Vater schreiben: Lieber Vater komm bald zur Mutter und zur schlimmen Franzi und zu den schlimmen Tanten u. Toni [jüngere Schwester Toni, geb.30.3.1879; Nr.9 b]. Ich ein Bußi schicken. Behüt Gott, lieber Vater. Deine Franzi. Bußi [im Kreis]“... „Montag waren wir bei Luise [Louise Spängler], Franzi hat recht nett mit den Kindern gespielt, Toni lag meistens auf dem Bette der kl. Emilie und strampelte und lachte.“ Die Großmutter ‚entsetzt’ sich, dass Toni „so viel Freiheit für ihre Füßchen beansprucht“ und bemüht sich vergeblich, „die kleine Unruhe hübsch ordentlich in Flanell zu hüllen, aber ohne Erfolg“. – „Es ist schwer, die Kinder bei Otto [Spängler, Bruder vom Franz] sollen nichts vom Stillen wissen, so muß ich jedesmal mit Toni verschwinden, wenn ihr der Hunger kommt.“ „Der kleine Rudolf ist ein sehr starkes, hübsches Kind, doch wird er sehr viel wärmer gehalten als unsere Kinder, und was mich ganz besonders wundert, er hat einen Schnuller, ganz kunstgerecht nach alter Sitte gefertigt. Ich glaube, Luise [Louise Spängler] kam neulich ein wenig in Verlegenheit, als ich dieses Überbleibsel früherer Zeiten bemerkte. Die kleine Bertha ist etwas kleiner als Franzi, und spricht weniger deutlich...“ – „Bisher hat Großmutter mich noch nie etwas zahlen laßen, es wird auch ganz zu Hause gekocht, einfach aber vollständig genug.“ Hat aber Kaffee zum Frühstück aus Wien mit... Franz soll das der Anna [wohl die neue Magd] sagen, braucht evtl. noch Kaffee aus Wien... über Geld, sie kann ihm [!] schicken, kann mit Otto darüber sprechen... Großmutter (ist froh über) den Regenmantel [vgl. Brief von Otto Spängler] und grüßt.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 31. Juli 1879./ Mein Herzensfranzl! Wie sehr ich mich nun schon auf dich freue, kann ich dir nicht sagen. Noch 10 Tage, und dann wirst du, Lieber, doch wenigstens in demselben Bete mit mir sein, wenn schon nicht so bei mir u. den Kindern wie ich es gerne hätte. Nun, hoffentlich wird der Herr Doctor uns doch öfters die Ehre seines Besuches gönnen? Heute also bekam ich das Paket, und Rosa und ich danken dir für deine Mühe 1/8. Mutter hat Freude an dem Stoffe; Rosa dankt für die Bestellung zugleich auch für deine Namenstags gratulation, welche, da Rosa am 30: Aug: ist, sicherlich bald genug dran ist. Rosa hofft, doch im Laufe des kommenden Monats einmal mit dir sprechen zu können. - Deine Mutter war so gut mich schon für Sonntag den 10/8 mit den Kindern zu Mittag zu laden, so daß wir gleich am 1. Tage zusammen sein können! O, wie ich mich auf dich freue! - Uns geht es immer gut, die Kinder sehen Gottlob gut aus. Ich gehe aber auch an die Luft, so viel ich nur kann. Gestern sprach ich einen Augenblick mit Hr: Kalhofer [?], er ver[r]eist am 11./8. Hiermit sende ich dir das verlangte Sparkassen/buch, und erinnere dich bei dieser Gelegenheit daß du die Bücheln unsrer Kinder hierher mitnemen wolltest. Wie steht es denn mit dem Geld? Ob Großmutter unsere Zulage bekommt, weiß ich noch nicht. Soll ich dir durch Otto Geld schicken? Ich habe jedenfalls genug hier, bis du kommst, auch mal länger. - Sei doch so gut und sage der Anna, sie soll die Bettwäsche, worin Dr: Pohl geschlafen hat, ausschwemmen dann überbügeln und wieder auf das Bett geben. Dann soll Anna dir eine Büchse gebrannten Kafe mitgeben, mein Vorrath erreicht sein Ende, bis du kommst. Übrigens grüße ich Anna sowie alle Bekannten. Das Feuilleton über den Kuß finde ich eigenthümlich, ich habe gleich der Franzi ein wolüberlegtes Bußerl gegeben nur des Studiums wegen. Auch ich freue mich auf einige wolstudirte K.... - Heute gehe ich mit deiner Mutter zur Überfuhr. Es ist jezt sehr heiß hier. - Großmutter die dich grüßt, läßt dich bitten, ihr von Wien um 20 bis 30 f [fl: Gulden] Weinscharlzukerl [?] zu bringen, sie behauptet, sie bekomme hier keine, die einen ordentlichen Geschmack haben. Sei so gut und sieh ob du bei einem Konditor oder in einer Apotheke welche bekommst, die ziemlich säuerlich schmecken. Haben sie solche Sachen nicht auch beim schwarzen Hund? Sei nicht böse wenn ich schließe/ Toni wird unruhig. - Es küßt dich deine Alte - - Lieber Vater - Kom bald zu uns Franzi und Toni freuen sich sehr so sehr auf dich XXX [‘Unterschrift’] - Die älteste Tochter Franzi ist 2 Jahre alt, ihre Hand wurde offenbar zu einer etwas krakeligen Schrift geführt; Toni ist vier Monate alt.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 31. Juli 1879./ Mein Herzensfranzl! Wie sehr ich mich nun schon auf dich freue, kann ich dir nicht sagen. Noch 10 Tage, und dann wirst du, Lieber, doch wenigstens in demselben Bete mit mir sein, wenn schon nicht so bei mir u. den Kindern wie ich es gerne hätte. Nun, hoffentlich wird der Herr Doctor uns doch öfters die Ehre seines Besuches gönnen? Heute also bekam ich das Paket, und Rosa und ich danken dir für deine Mühe 1/8. Mutter hat Freude an dem Stoffe; Rosa dankt für die Bestellung zugleich auch für deine Namenstags gratulation, welche, da Rosa am 30: Aug: ist, sicherlich bald genug dran ist. Rosa hofft, doch im Laufe des kommenden Monats einmal mit dir sprechen zu können. - Deine Mutter war so gut mich schon für Sonntag den 10/8 mit den Kindern zu Mittag zu laden, so daß wir gleich am 1. Tage zusammen sein können! O, wie ich mich auf dich freue! - Uns geht es immer gut, die Kinder sehen Gottlob gut aus. Ich gehe aber auch an die Luft, so viel ich nur kann. Gestern sprach ich einen Augenblick mit Hr: Kalhofer [?], er ver[r]eist am 11./8. Hiermit sende ich dir das verlangte Sparkassen/buch, und erinnere dich bei dieser Gelegenheit daß du die Bücheln unsrer Kinder hierher mitnemen wolltest. Wie steht es denn mit dem Geld? Ob Großmutter unsere Zulage bekommt, weiß ich noch nicht. Soll ich dir durch Otto Geld schicken? Ich habe jedenfalls genug hier, bis du kommst, auch mal länger. - Sei doch so gut und sage der Anna, sie soll die Bettwäsche, worin Dr: Pohl geschlafen hat, ausschwemmen dann überbügeln und wieder auf das Bett geben. Dann soll Anna dir eine Büchse gebrannten Kafe mitgeben, mein Vorrath erreicht sein Ende, bis du kommst. Übrigens grüße ich Anna sowie alle Bekannten. Das Feuilleton über den Kuß finde ich eigenthümlich, ich habe gleich der Franzi ein wolüberlegtes Bußerl gegeben nur des Studiums wegen. Auch ich freue mich auf einige wolstudirte K.... - Heute gehe ich mit deiner Mutter zur Überfuhr. Es ist jezt sehr heiß hier. - Großmutter die dich grüßt, läßt dich bitten, ihr von Wien um 20 bis 30 f [fl: Gulden] Weinscharlzukerl [?] zu bringen, sie behauptet, sie bekomme hier keine, die einen ordentlichen Geschmack haben. Sei so gut und sieh ob du bei einem Konditor oder in einer Apotheke welche bekommst, die ziemlich säuerlich schmecken. Haben sie solche Sachen nicht auch beim schwarzen Hund? Sei nicht böse wenn ich schließe/ Toni wird unruhig. - Es küßt dich deine Alte - - Lieber Vater - Kom bald zu uns Franzi und Toni freuen sich sehr so sehr auf dich XXX [‘Unterschrift’] - Die älteste Tochter Franzi ist 2 Jahre alt, ihre Hand wurde offenbar zu einer etwas krakeligen Schrift geführt; Toni ist vier Monate alt.
    
==== Unbekannte Briefschreiberin an Fanni Spängler ====
 
==== Unbekannte Briefschreiberin an Fanni Spängler ====
unbekannte Briefschreiberin an FANNI SPÄNGLER: Grein am 5. Dezb. [18]79. [Monogramm: BK] Liebe gute Fanni! Sei so freundlich und entrichte nebst vielen Grüßen von mir und meinem Mann an Deinen Hr. Gemahl unsere besten aufrichtigsten Glückwünsche zu seinem Namensfeste. Möchtet ihre beyde sammt Euren herzigen Mädis stets recht gesund bleiben und froh und zufrieden dieß wünsche ich vom ganzem Herzen. - Heute erhielt ich von der guten Großmutter einige recht herzliche Zeilen, welche mich sehr erfreuten; ich bewundere daß sie so hübsch schreiben kann, so ganz ihre festen Schriftzüge wie sonst, dieß ist gewiß ein rechtes Glück was ich ihr so recht vom Herzen gönne, auch sonst ist sie außer dem fatalen Herzklopfen Gott sei dank gesund, der Theres geht es auch beßer schrieb sie mir, nur jetzt seit es so kalt ist, hat sie wieder öfters Schmerzen; der Winter hat halt so manches Unangenehme in seinem Gefolge. Uns geht es bis jetzt doch noch ziemlich gut, nur ich habe ein krankes Auge, doch wird es zum Glück schon etwas beßer. - Ich weis nicht ob Du Dich noch erinnern kannst liebe Fanni, an eine Verwandte von uns die Gerharlinger Fanni von Rind welche lange Zeit in Salzburg beym Bruder Paul war als er auch das Kaffeehaus hatte, sie war eine hübsche Brünette/ hat vor 5 Jahren einen Buchbinder Namens Beib [?] in Rind geheirathet war recht glücklich hatte ein Mädchen und 1 Knaben, und vor 8 Wochen ist sie wieder mit einem Mädchen entbunden ging alles gut vorüber/ sie hat sich aber dan zu wenig geschont und verkühlt und ist am 9.te Novb. gestorben. Die Kobler Paulin ist auch in Folge des Wochenbettes am 13.te Novb. gestorben so auch das Kind ein Bub, ihr Mann der Wechselwächter [Bahnwärter] in St.Johann in Tyrol ist hat mir geschrieben er bittet wir sollten uns seines 6 Jahre alten Mädchens Luise annehmen, weis sich mit dem Kind allein nicht zu helfen. So sehr mir das arme Kind erbarmt, so gen [?] traue ich mich doch meinen Mann nicht zu bitten und ihm diese Last aufzubürden, den wir haben ja selbst nichts Uebriges, und er müßte sich doch manche Entbehrung auferlegen, wenn er auch noch für ein Kind sorgen müßte, dan sind wir auch beyde schon so alt, aber der Haupthemmschuh ist das Geld. Mir thut das Herz weh wenn ich an das arme mutterlose Wesen in dem Wächterhäuschen denke, und bete täglich Gott möge sich derselben erbarmen; wenn es nur die Greisbergerischen in Salzburg die ebenso nahe verwandt sind zur Paulin wie ich, und auch keine Kinder haben, sich des kleinen Mädchens annehmen möchten, die könnten es leichter thun wie wir, da sie sehr wohlhabend sind! Die arme Paulin hat sehr viel Elend und Noth ausgestanden, und für ihren Leichtsin gewiß genug gebüßt, sie verlohr nichts am Leben, den sie hätte kaum noch ein beßeres Loos zu hoffen gehabt - aber das schuldlose Kind ist sehr zu bedauern. Du glaubst nicht liebe Fanni wie sehr mir das traurige Geschick Pauls und seines Kindes schon das Leben verkümmerte - was ich thun kann um ihm hie und da eine kleine Unterstützung zukommen zu laßen thue ich wohl, aber es hilft halt nicht viel, im Herbst war er einige Wochen in Steyeregg bey Wilhelm, da konnte er sich wieder ein wenig erholen und doch täglich satt essen - Wilhelm thut recht viel für ihn, aber ganz erhalten kann er ihn auch nicht den er hat ja selbst 3 Kinder. Wilhelm hat seinen größeren Buben Hans der 12 Jahre alt ist, im Herbst nach Linz gegeben wo er die Bürgerschule besucht, der Bub macht ihm viel Freude weil er so brav lernt. Gott gebe daß er so fortfährt in seinem Fleiß und auch sonst brav wird, Hans war und ist immer mein Liebling von meines Bruders Kindern! Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, daß in Wien so viele Kinder an den Masern erkrankt sind, im vorigen Jahr herschte in Grein diese zwar nicht gefährliche aber immerhin unangenehme Krankheit/ Gott gebe das Deine 2 Lieben herzigen Mädi welche ich vielmahls küße, davon verschont bleiben. Bin recht begirig wenn Du mir einmahl schreibst ob Du schon ein Hemd gemacht, und ob es zur vollen Zufriedenheit Deines gestrengen Herrn Gemahls ausgefallen ist? Das Du ein so gute Nähmaschin bekommen ist ein Glück das ich Dir sehr gönne, mich hat meine Maschin die ersten Jahre sehr oft segiert [sekiert, geärgert] und viele Thränen gekostet, jetzt bin ich zufrieden damit, wir haben uns nun schon zusammen gewöhnt. - Von meinem Leopold soll ich Dir viele Empfehlungen schreiben, Deine gute Schwester Rosa grüße vielmahls von mir, ich hoffe und wünsche das es Euch Allen recht wohl ergeht, denke sehr sehr oft an Alle besonders an die mir so sehr liebe Franzi! Lebe wohl gute theure Fanni, es küßt Dich innig Deine aufrichtige Betti. - Briefschreiberin Betti Katzinger [siehe unten]; in einem Brief 1871 ist „Betti“ genannt (siehe oben), ebenfalls 1880 (siehe unten). - Eine Tuschzeichnung auf Pergament unbekannter Herkunft liegt bei der Korrespondenz: Dr.Franz Spängler, ca.1880, als Kopf des österr. Doppeladlers, mit dem ‘Corpus Juris’ als Schild, umrahmt von vielen kleinen Kindern; in den Klauen das k.k. Bezirksgericht in Ottaking (Wien) und das k.k. Bezirksgericht in Pottenstein. Franz Spängler wird 1880 Bezirksrichter in Pottenstein an der Triesting (Nieder-Österreich). - Auf einer herausgeschnittenen Buchseite (bei den Briefen der Fanny Kobler) schreibt Fanny Kobler: „Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben.“ Betti ist die Tochter von Fannys Cousine. - Wilhelm Kobler in Linz ist Bettis Bruder, Fannys Neffe.
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unbekannte Briefschreiberin an Fanni Spängler: Grein am 5. Dezb. [18]79. [Monogramm: BK] Liebe gute Fanni! Sei so freundlich und entrichte nebst vielen Grüßen von mir und meinem Mann an Deinen Hr. Gemahl unsere besten aufrichtigsten Glückwünsche zu seinem Namensfeste. Möchtet ihre beyde sammt Euren herzigen Mädis stets recht gesund bleiben und froh und zufrieden dieß wünsche ich vom ganzem Herzen. - Heute erhielt ich von der guten Großmutter einige recht herzliche Zeilen, welche mich sehr erfreuten; ich bewundere daß sie so hübsch schreiben kann, so ganz ihre festen Schriftzüge wie sonst, dieß ist gewiß ein rechtes Glück was ich ihr so recht vom Herzen gönne, auch sonst ist sie außer dem fatalen Herzklopfen Gott sei dank gesund, der Theres geht es auch beßer schrieb sie mir, nur jetzt seit es so kalt ist, hat sie wieder öfters Schmerzen; der Winter hat halt so manches Unangenehme in seinem Gefolge. Uns geht es bis jetzt doch noch ziemlich gut, nur ich habe ein krankes Auge, doch wird es zum Glück schon etwas beßer. - Ich weis nicht ob Du Dich noch erinnern kannst liebe Fanni, an eine Verwandte von uns die Gerharlinger Fanni von Rind welche lange Zeit in Salzburg beym Bruder Paul war als er auch das Kaffeehaus hatte, sie war eine hübsche Brünette/ hat vor 5 Jahren einen Buchbinder Namens Beib [?] in Rind geheirathet war recht glücklich hatte ein Mädchen und 1 Knaben, und vor 8 Wochen ist sie wieder mit einem Mädchen entbunden ging alles gut vorüber/ sie hat sich aber dan zu wenig geschont und verkühlt und ist am 9.te Novb. gestorben. Die Kobler Paulin ist auch in Folge des Wochenbettes am 13.te Novb. gestorben so auch das Kind ein Bub, ihr Mann der Wechselwächter [Bahnwärter] in St.Johann in Tyrol ist hat mir geschrieben er bittet wir sollten uns seines 6 Jahre alten Mädchens Luise annehmen, weis sich mit dem Kind allein nicht zu helfen. So sehr mir das arme Kind erbarmt, so gen [?] traue ich mich doch meinen Mann nicht zu bitten und ihm diese Last aufzubürden, den wir haben ja selbst nichts Uebriges, und er müßte sich doch manche Entbehrung auferlegen, wenn er auch noch für ein Kind sorgen müßte, dan sind wir auch beyde schon so alt, aber der Haupthemmschuh ist das Geld. Mir thut das Herz weh wenn ich an das arme mutterlose Wesen in dem Wächterhäuschen denke, und bete täglich Gott möge sich derselben erbarmen; wenn es nur die Greisbergerischen in Salzburg die ebenso nahe verwandt sind zur Paulin wie ich, und auch keine Kinder haben, sich des kleinen Mädchens annehmen möchten, die könnten es leichter thun wie wir, da sie sehr wohlhabend sind! Die arme Paulin hat sehr viel Elend und Noth ausgestanden, und für ihren Leichtsin gewiß genug gebüßt, sie verlohr nichts am Leben, den sie hätte kaum noch ein beßeres Loos zu hoffen gehabt - aber das schuldlose Kind ist sehr zu bedauern. Du glaubst nicht liebe Fanni wie sehr mir das traurige Geschick Pauls und seines Kindes schon das Leben verkümmerte - was ich thun kann um ihm hie und da eine kleine Unterstützung zukommen zu laßen thue ich wohl, aber es hilft halt nicht viel, im Herbst war er einige Wochen in Steyeregg bey Wilhelm, da konnte er sich wieder ein wenig erholen und doch täglich satt essen - Wilhelm thut recht viel für ihn, aber ganz erhalten kann er ihn auch nicht den er hat ja selbst 3 Kinder. Wilhelm hat seinen größeren Buben Hans der 12 Jahre alt ist, im Herbst nach Linz gegeben wo er die Bürgerschule besucht, der Bub macht ihm viel Freude weil er so brav lernt. Gott gebe daß er so fortfährt in seinem Fleiß und auch sonst brav wird, Hans war und ist immer mein Liebling von meines Bruders Kindern! Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, daß in Wien so viele Kinder an den Masern erkrankt sind, im vorigen Jahr herschte in Grein diese zwar nicht gefährliche aber immerhin unangenehme Krankheit/ Gott gebe das Deine 2 Lieben herzigen Mädi welche ich vielmahls küße, davon verschont bleiben. Bin recht begirig wenn Du mir einmahl schreibst ob Du schon ein Hemd gemacht, und ob es zur vollen Zufriedenheit Deines gestrengen Herrn Gemahls ausgefallen ist? Das Du ein so gute Nähmaschin bekommen ist ein Glück das ich Dir sehr gönne, mich hat meine Maschin die ersten Jahre sehr oft segiert [sekiert, geärgert] und viele Thränen gekostet, jetzt bin ich zufrieden damit, wir haben uns nun schon zusammen gewöhnt. - Von meinem Leopold soll ich Dir viele Empfehlungen schreiben, Deine gute Schwester Rosa grüße vielmahls von mir, ich hoffe und wünsche das es Euch Allen recht wohl ergeht, denke sehr sehr oft an Alle besonders an die mir so sehr liebe Franzi! Lebe wohl gute theure Fanni, es küßt Dich innig Deine aufrichtige Betti. - Briefschreiberin Betti Katzinger [siehe unten]; in einem Brief 1871 ist „Betti“ genannt (siehe oben), ebenfalls 1880 (siehe unten). - Eine Tuschzeichnung auf Pergament unbekannter Herkunft liegt bei der Korrespondenz: Dr.Franz Spängler, ca.1880, als Kopf des österr. Doppeladlers, mit dem ‘Corpus Juris’ als Schild, umrahmt von vielen kleinen Kindern; in den Klauen das k.k. Bezirksgericht in Ottaking (Wien) und das k.k. Bezirksgericht in Pottenstein. Franz Spängler wird 1880 Bezirksrichter in Pottenstein an der Triesting (Nieder-Österreich). - Auf einer herausgeschnittenen Buchseite (bei den Briefen der Fanny Kobler) schreibt Fanny Kobler: „Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben.“ Betti ist die Tochter von Fannys Cousine. - Wilhelm Kobler in Linz ist Bettis Bruder, Fannys Neffe.
    
==== Betti Katzinger an Fanny Kobler ====
 
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FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 21. Juli 1880. [darüber, verkehrt:] Dank für deine Karte/ Lieber Mann! Ich hatte dir gestern eine Karte schreiben wollen, damit du schon heute Näheres über unsere Reise erfahren hättest, doch war es mir nicht möglich, da ich doch meine Sachen so viel als möglich in Ordnung bringen wollte, was mir auch ziemlich gelungen ist. Unsere Fahrt ist ganz außerordentlich gut von Statten gegangen, das Coupé wurde nicht weiter besezt und von Linz an hatte ich das Glück, mit den beiden Kindern allein zu bleiben bis hierher, so war ich also sehr bequem dran, habe mich auch hingelegt zum Schlafen. Die Kinder waren sehr brav, Toni erwachte in Breiten/schützing, Franzi erst in Attnang, dann hielten wir fröhlich Frühstück, und kamen wohlbehalten mit 1/2 stündiger Verspätung in Salzburg an, wo uns Rose u Minna in Empfang namen. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, Großmutter welche sehr gut aussieht, hat heuer große Freude an den Kindern; deine Mutter, die dich herzlich grüßt, findet Franzi sehr groß, Toni gefällt ihr aber besonders gut. Heute war ich bei deiner Mutter und wollte auch Schwägerin Luise [Louise Spängler] besuchen, traf sie aber nicht daheim. Franzi befindet sich sehr wol, besonders bei den Tanten, die auch ganz glücklich über die Kinder sind. - Dem Vater geht es Gott sei dank, wieder recht gut, er sieht wunderbar gut aus, und machte mir gestern die Freude, mich zu besuchen. Die Kinder sind recht freundlich, Franzi ist auch gar nicht scheu, nur nimmt sie weder von deiner Mutter noch vom Großpapa etwas zu essen an. - Als wir gestern ankamen, wollte Großmutter einen Kafe machen laßen, doch bat ich statt dessen um Würstel und Bier, was den Kindern ganz köstlich schmeckte. War in Wien auch in der Nacht auf gestern so ein starkes Gewitter? Wir hatten in Enns, und bis wir nach Linz kamen ein sehr heftiges Gewitter, und furchtbar Regen, doch darauf einen herrlichen Morgen. Es thut mir schon sehr wol, hier eine reine, kühlere Luft zu genießen. - Wegen deiner Stiefel habe ich es der Mutter gesagt, doch sie behauptet, du habest sie mitgenommen. Wenn die Stiefel in unserer Wohnung sind, so sind sie kaum anderswo, als in dem Kleiderkasten in Anna’s Zimmer, frage Anna, ich weiß nicht was mit den Stiefeln geschehen ist. - Hier bin ich untergebracht wie gewöhnlich/ daß ich einiges durchzusezen haben werde, wußte ich, doch bekomm ich, was ich will und brauche, nur mit einigen höchst überflüßigen Umständlichkeiten, übrigens befinde ich mich sehr wol, der Reiß hat mir ganz gut angeschlagen, nur war ich gestern sehr schläfrig und müd. Heute bin ich vollständig ausgeruht. Meine Schwestern helfen mir sehr fleißig bei den Kindern, was mir recht wol thut. - Und nun, du Lieber, wie geht es denn dir? ich freue mich schon sehr auf dich, Franzi schickt die viele Bußerl. Grüße Anna von mir und Franzi. Heute scheint es regnen zu wollen, dann werde ich fleißig nähen. - Nun lebe recht wol, und behalte lieb deine alte Fanni. Grüße alle Bekannten. - Von der Wahl’schen Geschichte scheint hier viel gesprochen zu werden, gestern soll er von hier fort sein. Herr von Zeller, gibt ihm monatlich 40 fl. [Florin: Gulden] Unterstützung. Ein recht angenehmer Schwiegersohn. Die neuen goldenen Knöpfe fand ich nicht, sollten sie dir unterkommen so nimm sie mit. Großmutter und Betti grüßen dich. - „eine reine, kühlere Luft“: das Salzburger Klima gilt traditionell als gesund; dieser Ruf ist mitbegründend für den Tourismus in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 469). „Toni“ geb.1879; „Franzi“ geb.1877; „Schwägerin Luise“: Aloisia/Louise, geb. Duregger, verh. Otto Spängler; „Großmutter“: wohl Fanny Kobler; der Mann, Franz Xaver Gregor Spängler, ist bereits 1854 gestorben (oder Schwiegermutter Antonia Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882; vgl. ihren Brief oben und Erwähnung unten). Fanni ist im 3.Monat, Rosl wird im Dezember 1880 geboren.
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg 21. Juli 1880. [darüber, verkehrt:] Dank für deine Karte/ Lieber Mann! Ich hatte dir gestern eine Karte schreiben wollen, damit du schon heute Näheres über unsere Reise erfahren hättest, doch war es mir nicht möglich, da ich doch meine Sachen so viel als möglich in Ordnung bringen wollte, was mir auch ziemlich gelungen ist. Unsere Fahrt ist ganz außerordentlich gut von Statten gegangen, das Coupé wurde nicht weiter besezt und von Linz an hatte ich das Glück, mit den beiden Kindern allein zu bleiben bis hierher, so war ich also sehr bequem dran, habe mich auch hingelegt zum Schlafen. Die Kinder waren sehr brav, Toni erwachte in Breiten/schützing, Franzi erst in Attnang, dann hielten wir fröhlich Frühstück, und kamen wohlbehalten mit 1/2 stündiger Verspätung in Salzburg an, wo uns Rose u Minna in Empfang namen. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, Großmutter welche sehr gut aussieht, hat heuer große Freude an den Kindern; deine Mutter, die dich herzlich grüßt, findet Franzi sehr groß, Toni gefällt ihr aber besonders gut. Heute war ich bei deiner Mutter und wollte auch Schwägerin Luise [Louise Spängler] besuchen, traf sie aber nicht daheim. Franzi befindet sich sehr wol, besonders bei den Tanten, die auch ganz glücklich über die Kinder sind. - Dem Vater geht es Gott sei dank, wieder recht gut, er sieht wunderbar gut aus, und machte mir gestern die Freude, mich zu besuchen. Die Kinder sind recht freundlich, Franzi ist auch gar nicht scheu, nur nimmt sie weder von deiner Mutter noch vom Großpapa etwas zu essen an. - Als wir gestern ankamen, wollte Großmutter einen Kafe machen laßen, doch bat ich statt dessen um Würstel und Bier, was den Kindern ganz köstlich schmeckte. War in Wien auch in der Nacht auf gestern so ein starkes Gewitter? Wir hatten in Enns, und bis wir nach Linz kamen ein sehr heftiges Gewitter, und furchtbar Regen, doch darauf einen herrlichen Morgen. Es thut mir schon sehr wol, hier eine reine, kühlere Luft zu genießen. - Wegen deiner Stiefel habe ich es der Mutter gesagt, doch sie behauptet, du habest sie mitgenommen. Wenn die Stiefel in unserer Wohnung sind, so sind sie kaum anderswo, als in dem Kleiderkasten in Anna’s Zimmer, frage Anna, ich weiß nicht was mit den Stiefeln geschehen ist. - Hier bin ich untergebracht wie gewöhnlich/ daß ich einiges durchzusezen haben werde, wußte ich, doch bekomm ich, was ich will und brauche, nur mit einigen höchst überflüßigen Umständlichkeiten, übrigens befinde ich mich sehr wol, der Reiß hat mir ganz gut angeschlagen, nur war ich gestern sehr schläfrig und müd. Heute bin ich vollständig ausgeruht. Meine Schwestern helfen mir sehr fleißig bei den Kindern, was mir recht wol thut. - Und nun, du Lieber, wie geht es denn dir? ich freue mich schon sehr auf dich, Franzi schickt die viele Bußerl. Grüße Anna von mir und Franzi. Heute scheint es regnen zu wollen, dann werde ich fleißig nähen. - Nun lebe recht wol, und behalte lieb deine alte Fanni. Grüße alle Bekannten. - Von der Wahl’schen Geschichte scheint hier viel gesprochen zu werden, gestern soll er von hier fort sein. Herr von Zeller, gibt ihm monatlich 40 fl. [Florin: Gulden] Unterstützung. Ein recht angenehmer Schwiegersohn. Die neuen goldenen Knöpfe fand ich nicht, sollten sie dir unterkommen so nimm sie mit. Großmutter und Betti grüßen dich. - „eine reine, kühlere Luft“: das Salzburger Klima gilt traditionell als gesund; dieser Ruf ist mitbegründend für den Tourismus in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 469). „Toni“ geb.1879; „Franzi“ geb.1877; „Schwägerin Luise“: Aloisia/Louise, geb. Duregger, verh. Otto Spängler; „Großmutter“: wohl Fanny Kobler; der Mann, Franz Xaver Gregor Spängler, ist bereits 1854 gestorben (oder Schwiegermutter Antonia Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882; vgl. ihren Brief oben und Erwähnung unten). Fanni ist im 3.Monat, Rosl wird im Dezember 1880 geboren.
    
==== Richard Schlegel an Franz Spängler ====
 
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1881 FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg den 18te Januar 1881/ Liebe Fani! Beinahe ein ganzes Mant [Monat] ist verflossen und ich habe kein Wort von Euren Befinden gehört; noch mehr wie ich findet sich dein Vater, der sehr schwer krank ist, und allein Anschein auch nicht gesund werden wird gekränkt das du dich schriftlich dich nach seinem Befinden erkundiget hast. Er sagte erst vor kurzem, von allen Bekannten kommen Nachfragen nur von der Fanni nicht. - Du hättest recht gut wie ihn vor kurzen dein Man geschrieben hat ein paar Zeilen beyfügen können. Erweun [erwähn] nichts von diesem Brief, und entschuldige so gut du kannst. Ich hoffe das ihr alle Gesund seyd seyd [!] Ich Gott sey Dank, bin zufrieden/ Lebe recht wohl, küße und grüße meine 3 Urenkeln, so auch deinen Mann. Soeben war d Opa da und sagte das dem Vater sehr schlecht ist, sie sind darauf gefaßt ihn bald nicht mehr zu haben. Lebe wohl dieß wünscht deine Großmutter Fanni - „Vater“: Richard Schlegel stirbt am 1.3.1881.
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1881 Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Salzburg den 18te Januar 1881/ Liebe Fani! Beinahe ein ganzes Mant [Monat] ist verflossen und ich habe kein Wort von Euren Befinden gehört; noch mehr wie ich findet sich dein Vater, der sehr schwer krank ist, und allein Anschein auch nicht gesund werden wird gekränkt das du dich schriftlich dich nach seinem Befinden erkundiget hast. Er sagte erst vor kurzem, von allen Bekannten kommen Nachfragen nur von der Fanni nicht. - Du hättest recht gut wie ihn vor kurzen dein Man geschrieben hat ein paar Zeilen beyfügen können. Erweun [erwähn] nichts von diesem Brief, und entschuldige so gut du kannst. Ich hoffe das ihr alle Gesund seyd seyd [!] Ich Gott sey Dank, bin zufrieden/ Lebe recht wohl, küße und grüße meine 3 Urenkeln, so auch deinen Mann. Soeben war d Opa da und sagte das dem Vater sehr schlecht ist, sie sind darauf gefaßt ihn bald nicht mehr zu haben. Lebe wohl dieß wünscht deine Großmutter Fanni - „Vater“: Richard Schlegel stirbt am 1.3.1881.
    
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==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
 
==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Brief aus Pottenstein 26.10.1881: „Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.“ [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, „doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen“. Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl.“
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Fanni Spängler an FANNY KOBLER: Brief aus Pottenstein 26.10.1881: „Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.“ [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, „doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen“. Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl.“
    
==== Franziska Spängler an Antonia Lürzer ====
 
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==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
15.3. [1882] FANNI SPÄNGLER, Pottenstein, ohne Umschlag an Franz Spängler, Salzburg: 2 Uhr Nachm. - Mein lieber Franz! Kurz nach 12 Uhr Mittags ist das [erste] Telegramm an mich gelangt, ich danke dir herzlich dafür. Ich hatte mit Spannung auf eine Nachricht gewartet, ach, es ist leider eine schmerzliche gewesen. Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, es ist mir sehr schwer, daß ich jezt nicht bei dir sein kann, wo du so Trauriges erleben mußt. Morgen hoffe ich einige Zeilen von dir. Gott möge dir Kraft und Trost senden in diesen bangen Stunden, meine Gedanken sind unabläßig bei dir. Wenn unsere gute, gute Mutter meiner oder der Kinder gedenkt, so sage ihr, daß Franzi und Toni ihr ein Bußerl schicken und mit mir für sie beten. Von mir sage ihr noch tausend Dank für all die Liebe und Güte, die sie mir stets bewiesen hat, und küße sie in meinem Namen. Wie oft habe ich heute Nacht an dich gedacht, mich quälte die Befürchtung, du könntest schon zu spät gekommen sein, und ich danke Gott daß dem nicht so ist. Du guter, lieber Mann, sei versichert, daß ich, wenn auch entfernt von dir, getreulich diese Stunden mit dir durchlebe. Noch bitte ich dir, mich sofort telegrafisch zu verständigen, wenn das Gefürchtete, Traurige wirklich eintreten sollte. Das Telegramm soll mich vollständig gefaßt finden, sei deshalb ohne Sorge um mich, ich bin ganz wol. [Sie ist etwa im 7 Monat schwanger mit Johanna, „Hansimutti“, geb. 16.5.1882.] – Deinen Auftrag konnte ich gestern nicht mehr bestellen, da Herr von Hoffinger nicht mehr in der Kanzlei war, heute übergab ich ihm Stempel und Notizen schon um 8 ½ Uhr früh. Nach Tisch holte Herr von Hoffinger den Sessionsschlüßel, weil er Sparkassebücheln in die Kasse legen will. Abend wird er den Schlüßel wieder mir bringen. Er jammert, daß er schrecklich viel zu thun hat. – 2 ½ Uhr. Du lieber, lieber Guter! Eben habe ich dir Trauernachricht erhalten, obwol gefaßt darauf, habe ich doch mit Zittern das Telegramm geöffnet So haben wir denn die beste, liebevollste Mutter verloren. Gott tröste dich, mein liebster Franz, ich kann es nicht, ich kann nur mit dir weinen. Sage auch Otto und seiner Familie mein Beileid, sie werden noch viel mehr unsere arme, unvergeßliche Mutter vermißen, da sie ja stets bei ihr waren. Ein, wenn auch trauriger Trost ist es mir, daß ich annehmen zu können glaube, daß die lezte Krankheit der lieben Hingegangenen ohne Schmerz für sie war. Mit unserer guten, unvergeßlichen Mutter ist wol ein selten reiches, lauteres Frauengemüth der Erde entrückt, und nicht allzuviele Frauen können so auf eine wolangewendete Lebenszeit zurückblicken, wie es unserer Mutter vergönnt war. Kaum je ist mir der Glaube an ein Leben im Jenseits tröstlicher und schöner erschienen, als in dieser Stunde, wo ich mit dir diesen schmerzlichen Verlust beklage. Lebe nun wol, Franzi und Toni senden dir viele Bußerl. - Den Anfang des Briefes hätte ich dir nicht geschickt, wenn nicht die paar geschäftlichen Notizen schon voran geschrieben gewesen. – Sei innig umarmt von deiner mit dir trauernden Fanni.
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15.3. [1882] Fanni Spängler, Pottenstein, ohne Umschlag an Franz Spängler, Salzburg: 2 Uhr Nachm. - Mein lieber Franz! Kurz nach 12 Uhr Mittags ist das [erste] Telegramm an mich gelangt, ich danke dir herzlich dafür. Ich hatte mit Spannung auf eine Nachricht gewartet, ach, es ist leider eine schmerzliche gewesen. Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, es ist mir sehr schwer, daß ich jezt nicht bei dir sein kann, wo du so Trauriges erleben mußt. Morgen hoffe ich einige Zeilen von dir. Gott möge dir Kraft und Trost senden in diesen bangen Stunden, meine Gedanken sind unabläßig bei dir. Wenn unsere gute, gute Mutter meiner oder der Kinder gedenkt, so sage ihr, daß Franzi und Toni ihr ein Bußerl schicken und mit mir für sie beten. Von mir sage ihr noch tausend Dank für all die Liebe und Güte, die sie mir stets bewiesen hat, und küße sie in meinem Namen. Wie oft habe ich heute Nacht an dich gedacht, mich quälte die Befürchtung, du könntest schon zu spät gekommen sein, und ich danke Gott daß dem nicht so ist. Du guter, lieber Mann, sei versichert, daß ich, wenn auch entfernt von dir, getreulich diese Stunden mit dir durchlebe. Noch bitte ich dir, mich sofort telegrafisch zu verständigen, wenn das Gefürchtete, Traurige wirklich eintreten sollte. Das Telegramm soll mich vollständig gefaßt finden, sei deshalb ohne Sorge um mich, ich bin ganz wol. [Sie ist etwa im 7 Monat schwanger mit Johanna, „Hansimutti“, geb. 16.5.1882.] – Deinen Auftrag konnte ich gestern nicht mehr bestellen, da Herr von Hoffinger nicht mehr in der Kanzlei war, heute übergab ich ihm Stempel und Notizen schon um 8 ½ Uhr früh. Nach Tisch holte Herr von Hoffinger den Sessionsschlüßel, weil er Sparkassebücheln in die Kasse legen will. Abend wird er den Schlüßel wieder mir bringen. Er jammert, daß er schrecklich viel zu thun hat. – 2 ½ Uhr. Du lieber, lieber Guter! Eben habe ich dir Trauernachricht erhalten, obwol gefaßt darauf, habe ich doch mit Zittern das Telegramm geöffnet So haben wir denn die beste, liebevollste Mutter verloren. Gott tröste dich, mein liebster Franz, ich kann es nicht, ich kann nur mit dir weinen. Sage auch Otto und seiner Familie mein Beileid, sie werden noch viel mehr unsere arme, unvergeßliche Mutter vermißen, da sie ja stets bei ihr waren. Ein, wenn auch trauriger Trost ist es mir, daß ich annehmen zu können glaube, daß die lezte Krankheit der lieben Hingegangenen ohne Schmerz für sie war. Mit unserer guten, unvergeßlichen Mutter ist wol ein selten reiches, lauteres Frauengemüth der Erde entrückt, und nicht allzuviele Frauen können so auf eine wolangewendete Lebenszeit zurückblicken, wie es unserer Mutter vergönnt war. Kaum je ist mir der Glaube an ein Leben im Jenseits tröstlicher und schöner erschienen, als in dieser Stunde, wo ich mit dir diesen schmerzlichen Verlust beklage. Lebe nun wol, Franzi und Toni senden dir viele Bußerl. - Den Anfang des Briefes hätte ich dir nicht geschickt, wenn nicht die paar geschäftlichen Notizen schon voran geschrieben gewesen. – Sei innig umarmt von deiner mit dir trauernden Fanni.
    
liegt dem obigen Brief [1882] bei, Handschrift von Franz Spängler, ohne Datum: Barschaft – 100/ Aus der Sparkasse behoben 374/ Kleingeld 11/ Herauszahlung bei Renten Umtausch 12.20/ Möbel Erlkös 47.9/ [Summe:] 544.29 - Ausgaben für die Armen 25 fl [Gulden]/ Dank in der Zeitg 2.50/ Leichenkasten Rechnung 406.94/ der Näherin 1.90/ Stempel zum Dienstzeugniß der AXXX -.15/ für Grablampen 2.-/ Wohnungsmiethe 29.25/ Wäscherei 3.72/ für Paken u Expedition der Kisten 2.60/ für die Gedenkbilder 16.50/ VergolderXXX 13.60/ Große Kiste 7.-/ Grabstein 29.81/ [Summe:] 540.97/ Kassarest 3.32
 
liegt dem obigen Brief [1882] bei, Handschrift von Franz Spängler, ohne Datum: Barschaft – 100/ Aus der Sparkasse behoben 374/ Kleingeld 11/ Herauszahlung bei Renten Umtausch 12.20/ Möbel Erlkös 47.9/ [Summe:] 544.29 - Ausgaben für die Armen 25 fl [Gulden]/ Dank in der Zeitg 2.50/ Leichenkasten Rechnung 406.94/ der Näherin 1.90/ Stempel zum Dienstzeugniß der AXXX -.15/ für Grablampen 2.-/ Wohnungsmiethe 29.25/ Wäscherei 3.72/ für Paken u Expedition der Kisten 2.60/ für die Gedenkbilder 16.50/ VergolderXXX 13.60/ Große Kiste 7.-/ Grabstein 29.81/ [Summe:] 540.97/ Kassarest 3.32
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
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ohne Datum [15.3.1882], Franz Spängler, Salzburg, an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen. – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St.Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht
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ohne Datum [15.3.1882], Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler: Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen. – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St.Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht
    
[bei den Briefen von (Nr.37) Maria Antonia Spängler, geb. LÜRZER VON ZEHENDTHAL (1803-1882)]: 15.3.1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. „Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“
 
[bei den Briefen von (Nr.37) Maria Antonia Spängler, geb. LÜRZER VON ZEHENDTHAL (1803-1882)]: 15.3.1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. „Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
16.3.[1882] ohne Umschlag, Pottenstein, FANNI SPÄNGLER an Franz Spängler, Salzburg: Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene „Mutter“ nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter „der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat“. Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen. – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa [Fannis jüngere Halbschwester] wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi. – Bunter Gebetszettel „Heiligtes Herz/ Süßes Herz...“, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“.
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16.3.[1882] ohne Umschlag, Pottenstein, Fanni Spängler an Franz Spängler, Salzburg: Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene „Mutter“ nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter „der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat“. Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen. – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa [Fannis jüngere Halbschwester] wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi. – Bunter Gebetszettel „Heiligtes Herz/ Süßes Herz...“, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“.
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
17.3.[1882] Franz Spängler, Salzburg, an FANNI SPÄNGLER: ½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher „Xaver“ unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden. – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[ängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet [so ist es heute noch]. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz
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17.3.[1882] Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler: ½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher „Xaver“ unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden. – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[ängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet [so ist es heute noch]. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
18.3.[1882] Franz Spängler an FANNI SPÄNGLER: Salzburg, Abends 7 Uhr. - Liebste Fanni! Durch verschiedenes heute in Ansprach genommen, finde ich nicht die Zeit dir einen ordentlichen Brief zu schreiben, u. beschränke mich auf wenige geschäftliche Mittheilungen. Zunächst theile ich dir mit, dß ich die Einkäufe bereits besorgt habe, u. zwar [habe] ich einen Baumwollstoff bekommen, der, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, ganz gleich mit deinem bisherigen Hausroke ist, zu dem wir vergeblich einen gleichen Stoff suchten. – Ferner theile ich dir mit, dß ich beinahe entschloßen bin, am Montag noch hier zu bleiben, u. erst Dienstag früh hinab zu kommen, jedoch nur unter Voraussezungen 1) dß du und die Kind wohl bist, u 2). dß Hoffinger, den du darum fragen wollest, dir bestätigt, dß zum Montag 20. Niemand vorgeladen ist, um dessentwillen meine persönliche Anwesenheit nothwendig wäre u. dß auch sonst nichts außergewöhnliches vorgefallen ist. Sei also so gut, u. erkundige dich morgen gleich nach Erhalt dieses Briefes bei Hoffinger; sollte aus häuslichen oder ämtlichen Gründen meine Anwesenheit in Pottenstein schon am Montag erforderlich sein, so bitte ich dir [dieses] sofort zu telefrafiren, u. dann reise ich morgen Abends ab u. komme Montag früh an; anderenfalls aber würde ich erst Montag Abends abreisen, u. am Dienstag früh ankommen. – Bezüglich der Stunde meiner Ankunft bemerke ich noch, dß dieselbe mit dem Frühzuge um ½ [Zeit fehlt] Uhr beabsichtigt ist, u. es würde sich dieselbe auf Mittags 1 ¼ Uhr nur in dem Falle verschieben, wenn der Zug der Westbahn solche Verspätung hätte, dß der Anschluß versäumt würde. Du brauchst dich also nicht zu sorgen, falls ich Montag [respektive] Dienstags nicht mit dem Frühzuge komme. – Ferner bitte ich dich Herrn von Hoffinger einstweilen meinen Dank für seinen freundlichen Brief auszusprechen. – Uebrigens war sein Brief der einzige, den ich heute aus Pottenstein erhielt; leider langte von dir keine Nachricht ein; vielleicht hast du dich mit der Aufgabe verspätet, u. ich erhalte dann wenigstens morgen früh eine Nachricht. – Großmutter, Mutter u. Geschwister Schlegel, Tante Alois, Familie Angermayer, Otto, Louise etc. lassen dich u die Kinder bestens grüßen. Mit herzlichem Gruße u Kuße dein Franz.
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18.3.[1882] Franz Spängler an Fanni Spängler: Salzburg, Abends 7 Uhr. - Liebste Fanni! Durch verschiedenes heute in Ansprach genommen, finde ich nicht die Zeit dir einen ordentlichen Brief zu schreiben, u. beschränke mich auf wenige geschäftliche Mittheilungen. Zunächst theile ich dir mit, dß ich die Einkäufe bereits besorgt habe, u. zwar [habe] ich einen Baumwollstoff bekommen, der, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, ganz gleich mit deinem bisherigen Hausroke ist, zu dem wir vergeblich einen gleichen Stoff suchten. – Ferner theile ich dir mit, dß ich beinahe entschloßen bin, am Montag noch hier zu bleiben, u. erst Dienstag früh hinab zu kommen, jedoch nur unter Voraussezungen 1) dß du und die Kind wohl bist, u 2). dß Hoffinger, den du darum fragen wollest, dir bestätigt, dß zum Montag 20. Niemand vorgeladen ist, um dessentwillen meine persönliche Anwesenheit nothwendig wäre u. dß auch sonst nichts außergewöhnliches vorgefallen ist. Sei also so gut, u. erkundige dich morgen gleich nach Erhalt dieses Briefes bei Hoffinger; sollte aus häuslichen oder ämtlichen Gründen meine Anwesenheit in Pottenstein schon am Montag erforderlich sein, so bitte ich dir [dieses] sofort zu telefrafiren, u. dann reise ich morgen Abends ab u. komme Montag früh an; anderenfalls aber würde ich erst Montag Abends abreisen, u. am Dienstag früh ankommen. – Bezüglich der Stunde meiner Ankunft bemerke ich noch, dß dieselbe mit dem Frühzuge um ½ [Zeit fehlt] Uhr beabsichtigt ist, u. es würde sich dieselbe auf Mittags 1 ¼ Uhr nur in dem Falle verschieben, wenn der Zug der Westbahn solche Verspätung hätte, dß der Anschluß versäumt würde. Du brauchst dich also nicht zu sorgen, falls ich Montag [respektive] Dienstags nicht mit dem Frühzuge komme. – Ferner bitte ich dich Herrn von Hoffinger einstweilen meinen Dank für seinen freundlichen Brief auszusprechen. – Uebrigens war sein Brief der einzige, den ich heute aus Pottenstein erhielt; leider langte von dir keine Nachricht ein; vielleicht hast du dich mit der Aufgabe verspätet, u. ich erhalte dann wenigstens morgen früh eine Nachricht. – Großmutter, Mutter u. Geschwister Schlegel, Tante Alois, Familie Angermayer, Otto, Louise etc. lassen dich u die Kinder bestens grüßen. Mit herzlichem Gruße u Kuße dein Franz.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
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18.3.[1882] FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Mein liebster Franz! Keine Liebe ersezt dem Kinde die Liebe der Mutter, denn Niemand kann so selbstlos lieben, wie die Mutter ihr Kind liebt bis zum lezten Athemzuge. - Wenn aber die Versicherung treuer, inniger Liebe, die ich für dich empfinde, und die mich bis zum Schluße meines irdischen Daseins erfüllen wird, dir in diesen traurigen Tagen tröstlich erscheint, so nimm diese Versicherung hin und gleichzeitig das Versprechen, daß es mein erstes Streben sein soll, meinen Kindern auch eine so gut, pflichtgetreue Mutter zu sein, wie die liebe Hingeschiedene es ihren Kindern war. Ihr Beispiel will ich stets vor Augen behalten, dann wird es mit Gottes Segen auch uns gegönnt sein, am Ende unseres Lebens auf so gute, rechtschaffene Kinder zurückblicken zu können, wie unsere unvergeßliche Mutter es konnte. Ferner bitte ich dich innig, wenn je wieder Heftigkeit oder Übellaune sich meiner bemächtigen sollten, mich an die sanfte, heitere Gemütsruhe zu erinnern, die deine Mutter besaß, du wirst sehen, daß ich mich bemühen werde, auch hierin ihr ähnlich zu werden. – Je herber der Verlust eines theuren Familiengliedes die Zurückbleibenden trifft, desto inniger schlinge sich das Band der Zusammengehörigkeit um die trauernd Zurückbleibenden, gegenseitige Liebe beruhigt am besten den gemeinsamen Schmerz. Wol habe ich gestern im Geiste an deiner Seite geweilt und von Minute zu Minute mir vorgestellt, wie bitter der Abschied von der irdischen Hülle der Heimgegangenen Euch sein wird, doch habe ich diese Stunde ruhiger verlebt, als ich mir vorgestellt hatte. Adelheid war bei den Kindern und so machte sich die kindliche Sorglosigkeit und Lust geltend, so daß unwillkürlich auch meine traurigen Gedanken etwas abgelenkt wurden. Gestern wohnte ich mit Franzi der hl: Messe des würdigen Dechants bei, heute besuchte ich um 6 ½ Uhr ebenfalls die hl. Messe, beidemale gedachte ich der guten Mutter und deiner in innigem Gebete. Heute kamen schon von vielen Seiten Beileidsbriefe und Karten, v. a. auch eine Karte mit einigen Worten von Hr. Präsidenten Schwaiger und ein sehr lieber gemütvoller Brief des Anton Sebbler [?]. Ich gestatte mir, die einlangenden Briefe zu öffnen, wenn sie auch an dich adressiert sind. – Ich freue mich schon unendlich, dich wieder bei mir zu haben, komm mir gesund wieder, und möge es mir gelingen, dich ein wenig zu erheitern und zu zerstreuen. Auch die Kinder freuen sich recht auf dich und fragen oft, wann denn der Vater kommt. – An Otto und Luise meine besten Grüße, und ich danke ihnen für alle die Freundlichkeit, die sie dir bezeigen, und bitte sie, mir auch ferner ihre geschwisterliche Liebe zu schenken. Allen Bekannten und Lieben viele Grüße. Luise möge bald wieder ganz wol sein. Es küßt dich innig deine treue Fanni.
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18.3.[1882] Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Mein liebster Franz! Keine Liebe ersezt dem Kinde die Liebe der Mutter, denn Niemand kann so selbstlos lieben, wie die Mutter ihr Kind liebt bis zum lezten Athemzuge. - Wenn aber die Versicherung treuer, inniger Liebe, die ich für dich empfinde, und die mich bis zum Schluße meines irdischen Daseins erfüllen wird, dir in diesen traurigen Tagen tröstlich erscheint, so nimm diese Versicherung hin und gleichzeitig das Versprechen, daß es mein erstes Streben sein soll, meinen Kindern auch eine so gut, pflichtgetreue Mutter zu sein, wie die liebe Hingeschiedene es ihren Kindern war. Ihr Beispiel will ich stets vor Augen behalten, dann wird es mit Gottes Segen auch uns gegönnt sein, am Ende unseres Lebens auf so gute, rechtschaffene Kinder zurückblicken zu können, wie unsere unvergeßliche Mutter es konnte. Ferner bitte ich dich innig, wenn je wieder Heftigkeit oder Übellaune sich meiner bemächtigen sollten, mich an die sanfte, heitere Gemütsruhe zu erinnern, die deine Mutter besaß, du wirst sehen, daß ich mich bemühen werde, auch hierin ihr ähnlich zu werden. – Je herber der Verlust eines theuren Familiengliedes die Zurückbleibenden trifft, desto inniger schlinge sich das Band der Zusammengehörigkeit um die trauernd Zurückbleibenden, gegenseitige Liebe beruhigt am besten den gemeinsamen Schmerz. Wol habe ich gestern im Geiste an deiner Seite geweilt und von Minute zu Minute mir vorgestellt, wie bitter der Abschied von der irdischen Hülle der Heimgegangenen Euch sein wird, doch habe ich diese Stunde ruhiger verlebt, als ich mir vorgestellt hatte. Adelheid war bei den Kindern und so machte sich die kindliche Sorglosigkeit und Lust geltend, so daß unwillkürlich auch meine traurigen Gedanken etwas abgelenkt wurden. Gestern wohnte ich mit Franzi der hl: Messe des würdigen Dechants bei, heute besuchte ich um 6 ½ Uhr ebenfalls die hl. Messe, beidemale gedachte ich der guten Mutter und deiner in innigem Gebete. Heute kamen schon von vielen Seiten Beileidsbriefe und Karten, v. a. auch eine Karte mit einigen Worten von Hr. Präsidenten Schwaiger und ein sehr lieber gemütvoller Brief des Anton Sebbler [?]. Ich gestatte mir, die einlangenden Briefe zu öffnen, wenn sie auch an dich adressiert sind. – Ich freue mich schon unendlich, dich wieder bei mir zu haben, komm mir gesund wieder, und möge es mir gelingen, dich ein wenig zu erheitern und zu zerstreuen. Auch die Kinder freuen sich recht auf dich und fragen oft, wann denn der Vater kommt. – An Otto und Luise meine besten Grüße, und ich danke ihnen für alle die Freundlichkeit, die sie dir bezeigen, und bitte sie, mir auch ferner ihre geschwisterliche Liebe zu schenken. Allen Bekannten und Lieben viele Grüße. Luise möge bald wieder ganz wol sein. Es küßt dich innig deine treue Fanni.
    
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4.4.[1882] ohne Umschlag, Salzburg, Trauerrand, LOUISE SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebe Fani! Endlich sind wir nun mit dem packen der Kiste fertig, es war mir wirklich recht schwer die ganze Wohnung zu räumen, denn die Erinnerung an die liebe Großmutter kam immer wieder, und man sah mit welchem Fleiß sie die Ordnung überall aufrecht erhielt. Ich muß dir nun einiges über den Inhalt der Kiste schreiben. Wäsche, Kleidungsstücke, Bilder, Spiegel, sowie das Bett ist alles im Kasten, betreffs des Unterbeetes [!], welches du nicht geschickt haben wolltest will ich dir nun mittheilen, daß es mich zum verkaufen reute, ich habe mit deiner Mutter gesprochen, weilche meinte du sollst Kopfkißen daraus machen, ich habe es auch gethan und habe 5 Kißen bekommen, welche recht gut sind. Du wirst die Federn in 2 Reben [?] finden, das kommt daher weil ich Anfangs nur die Hälfte schicken wollte, dann aber wollte der Packer mehr Gegenstände um die Kiste zu füllen, und so gab ich die zweite Hälfte auch noch her. Deine Mutter bat mich es gewiß zu schicken. Das Spiel welches du in der Kiste findet [!], schicket meine Maman deinen Kindern; sie hatte an den Tellern mit grünen Rande welche wir ihr als Andenken an die Mutter gaben eine große Freude [vgl. Liste bei dem Brief vom 10.4.]. Die Bücher waren um sie in die Kiste zu legen zu schwer, wir packten sie in eine eigene Kiste, beide Kisten sind heute abgeschickt worden. Einige Küchen-Geräthe welche nicht schwer sind, haben wir auch inein gepackt. Ferner kommt noch die Couvertdecke nebst derselben Tischdecke, und 2 Bettdecken. Für den eingelegten Kasten, denn wir Euch schickten, haben wir uns einen Chiffonier und einen ordinären grauen Kasten behalten, welchen ich als Rumpelkasten benützen. Die Kiste haben wir liegend im Hofraume gepackt, und ich denke es wird auch wieder am Besten sein, wenn ihr sie in Eurem Hofe aufmachen und die Stücke hinauftragen laßt. Obenauf in der Kiste liegt noch Stroh was wir zum füllen des Kastens brauchten, die Casette mit Silber sowie das Kistchen mit Gläser und Schalen werdet ihr auch finden. 2 Dutz. Gedenkbilder der sel. Großmutter werdet ihr auch finden, wir finden sie sehr gut; es wird immer ein trauriges Andenken bleiben. Ich wünsche dir zu deiner Entbindung viel Glück; es würde mich freuen wenn es ein Knabe wäre. Wenn auch die Großmutter nicht mehr lebt so hoffe ich, daß wir deswegen einander nicht XXX XXX Grüße an die deinen von Otto den Kindern u. deine Schwägerin Luise [Louise Spängler, geb. Duregger]
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4.4.[1882] ohne Umschlag, Salzburg, Trauerrand, LOUISE SPÄNGLER an Fanni Spängler: Liebe Fani! Endlich sind wir nun mit dem packen der Kiste fertig, es war mir wirklich recht schwer die ganze Wohnung zu räumen, denn die Erinnerung an die liebe Großmutter kam immer wieder, und man sah mit welchem Fleiß sie die Ordnung überall aufrecht erhielt. Ich muß dir nun einiges über den Inhalt der Kiste schreiben. Wäsche, Kleidungsstücke, Bilder, Spiegel, sowie das Bett ist alles im Kasten, betreffs des Unterbeetes [!], welches du nicht geschickt haben wolltest will ich dir nun mittheilen, daß es mich zum verkaufen reute, ich habe mit deiner Mutter gesprochen, weilche meinte du sollst Kopfkißen daraus machen, ich habe es auch gethan und habe 5 Kißen bekommen, welche recht gut sind. Du wirst die Federn in 2 Reben [?] finden, das kommt daher weil ich Anfangs nur die Hälfte schicken wollte, dann aber wollte der Packer mehr Gegenstände um die Kiste zu füllen, und so gab ich die zweite Hälfte auch noch her. Deine Mutter bat mich es gewiß zu schicken. Das Spiel welches du in der Kiste findet [!], schicket meine Maman deinen Kindern; sie hatte an den Tellern mit grünen Rande welche wir ihr als Andenken an die Mutter gaben eine große Freude [vgl. Liste bei dem Brief vom 10.4.]. Die Bücher waren um sie in die Kiste zu legen zu schwer, wir packten sie in eine eigene Kiste, beide Kisten sind heute abgeschickt worden. Einige Küchen-Geräthe welche nicht schwer sind, haben wir auch inein gepackt. Ferner kommt noch die Couvertdecke nebst derselben Tischdecke, und 2 Bettdecken. Für den eingelegten Kasten, denn wir Euch schickten, haben wir uns einen Chiffonier und einen ordinären grauen Kasten behalten, welchen ich als Rumpelkasten benützen. Die Kiste haben wir liegend im Hofraume gepackt, und ich denke es wird auch wieder am Besten sein, wenn ihr sie in Eurem Hofe aufmachen und die Stücke hinauftragen laßt. Obenauf in der Kiste liegt noch Stroh was wir zum füllen des Kastens brauchten, die Casette mit Silber sowie das Kistchen mit Gläser und Schalen werdet ihr auch finden. 2 Dutz. Gedenkbilder der sel. Großmutter werdet ihr auch finden, wir finden sie sehr gut; es wird immer ein trauriges Andenken bleiben. Ich wünsche dir zu deiner Entbindung viel Glück; es würde mich freuen wenn es ein Knabe wäre. Wenn auch die Großmutter nicht mehr lebt so hoffe ich, daß wir deswegen einander nicht XXX XXX Grüße an die deinen von Otto den Kindern u. deine Schwägerin Luise [Louise Spängler, geb. Duregger]
    
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Franz Spängler (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): Pottenstein 2 Aug 1882/ Innigstgeliebte Fanni! Heute endlich finde ich Zeit, dir einen Brief zu schreiben; zunächst berichte ich dir, d[a]ß ich mich wohl befinde, u. freue mich, wieder gute Nachrichten zu erhalten. Auf den nun schon in mehreren Karten versprochenen langen Brief freue ich mich schon, u. ich hoffe, daraus auch näheres über die Reise-Erlebnisse zu erhalten. - Das gestrige Fest ist sehr gut ausgefallen; es hat sich alles recht gut unterhalten. Von Schwechat waren einschließlich der ganzen Familie Bechtel bis 40 Personen hier. Das Concert bei Mayer war sehr besucht, u. ist sehr gelungen. Das Wetter war sehr schön, in Folge dessen auch sehr heiß, so daß bei dem Concerte die ganze Gesellschaft unter Hitze ziemlich zu leiden hatte; es war zudem so voll, dß manche ohne den Eintritt zu versuchen wieder weggingen; wir konnten eben von den Nebenlokalitäten keine haben, da sie sämtlich vermiethet sind. Dr Bechtel und Frau lassen sich dir empfehlen; waren über meine Bitte so freundlich, das Clavier anzusehen u. zu versuchen, u. hat es für ganz gut u. preiswürdig erklärt, nur sei der Ton im Sopran etwas zu schwer gegenüber dem Baße, es [sind] die höchsten Töne ein wenig verstimmt. Dem lezten Mangel wird sich ja nöthigenfalls leicht abhelfen lassen. - Alle Bekannten lassen sich dir empfehlen, insbes. Defant, u. Frau Megel [?], Frl Zemsauer, Thernten [?], Frau Dr Laad, Haidl etc.; ebenso Frau Zinken, bei denen ich Samstags zu kurzem Besuche war; er ist wieder an einem Bronchialkatarrh erkrankt. Sie lud mich dringend ein, sobald ihr Gema[h]l besser sei, einen Abend bei ihnen zu verbringen, was ich auch zusagte. - Auch Herr Pittel und Frau empfehlen sich, sie waren ebenfalls beim Concerte. - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben? - Franz Spängler, seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - „Otto u dessen Familie“: Bruder Otto Spängler; „Schlegel“: Familie der Frau; „Maria“: vielleicht Angermayer (siehe unten); „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; „Carl“: Carl Spängler (1825-1902), verh. mit Leopoldine Duregger („Bank-Linie“ in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr.4); „Rudolf Spängler“ (1830-1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelkammerpräsident in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – „Mayer“ (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer, 1806-1878. - „Lanser“: vgl. Partezettel für Carl von Lanser (1805-1869 Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum].
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Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): Pottenstein 2 Aug 1882/ Innigstgeliebte Fanni! Heute endlich finde ich Zeit, dir einen Brief zu schreiben; zunächst berichte ich dir, d[a]ß ich mich wohl befinde, u. freue mich, wieder gute Nachrichten zu erhalten. Auf den nun schon in mehreren Karten versprochenen langen Brief freue ich mich schon, u. ich hoffe, daraus auch näheres über die Reise-Erlebnisse zu erhalten. - Das gestrige Fest ist sehr gut ausgefallen; es hat sich alles recht gut unterhalten. Von Schwechat waren einschließlich der ganzen Familie Bechtel bis 40 Personen hier. Das Concert bei Mayer war sehr besucht, u. ist sehr gelungen. Das Wetter war sehr schön, in Folge dessen auch sehr heiß, so daß bei dem Concerte die ganze Gesellschaft unter Hitze ziemlich zu leiden hatte; es war zudem so voll, dß manche ohne den Eintritt zu versuchen wieder weggingen; wir konnten eben von den Nebenlokalitäten keine haben, da sie sämtlich vermiethet sind. Dr Bechtel und Frau lassen sich dir empfehlen; waren über meine Bitte so freundlich, das Clavier anzusehen u. zu versuchen, u. hat es für ganz gut u. preiswürdig erklärt, nur sei der Ton im Sopran etwas zu schwer gegenüber dem Baße, es [sind] die höchsten Töne ein wenig verstimmt. Dem lezten Mangel wird sich ja nöthigenfalls leicht abhelfen lassen. - Alle Bekannten lassen sich dir empfehlen, insbes. Defant, u. Frau Megel [?], Frl Zemsauer, Thernten [?], Frau Dr Laad, Haidl etc.; ebenso Frau Zinken, bei denen ich Samstags zu kurzem Besuche war; er ist wieder an einem Bronchialkatarrh erkrankt. Sie lud mich dringend ein, sobald ihr Gema[h]l besser sei, einen Abend bei ihnen zu verbringen, was ich auch zusagte. - Auch Herr Pittel und Frau empfehlen sich, sie waren ebenfalls beim Concerte. - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben? - Franz Spängler, seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - „Otto u dessen Familie“: Bruder Otto Spängler; „Schlegel“: Familie der Frau; „Maria“: vielleicht Angermayer (siehe unten); „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; „Carl“: Carl Spängler (1825-1902), verh. mit Leopoldine Duregger („Bank-Linie“ in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr.4); „Rudolf Spängler“ (1830-1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelkammerpräsident in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – „Mayer“ (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer, 1806-1878. - „Lanser“: vgl. Partezettel für Carl von Lanser (1805-1869 Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum].
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
Franz Spängler an FANNI SPÄNGLER: Pottenstein 7 Aug 1882/ früh. 6 Uhr/ Liebste Fanni! Für deinen ausführlichen Brief nochmals meinen besten Dank! Ich freute mich daraus zu erfahren, dß Ihr dieses Reise-Abenteuer glüklich über standen habt u. dß die Kinder sich bei dieser ganzen Geschichte brav benommen haben. - Von mir kann ich nicht viel berichten. Am Montag Abends war ich mit Tomannty [?]; u. Staats-Amwalt [-anwalt] Hindezs [?] sammt Frau beim Bierbaumer; am Dienstag Nachm in Enzasfeld, u. Abends beim Hirschen, wo der 50ste GeburtsTag Schörbichlers mit einigen Bouteillen Wein gefeiert wurde; gestern (Mittwoch) Abends bei Thernten [?] zu einer Whistpartie. Alle empfehlen sich dir; Anna sagte sie werde dir nächstens schreiben. - [gleicher Brief:] Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz - „Mama Plachetka“: von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler.
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Franz Spängler an Fanni Spängler: Pottenstein 7 Aug 1882/ früh. 6 Uhr/ Liebste Fanni! Für deinen ausführlichen Brief nochmals meinen besten Dank! Ich freute mich daraus zu erfahren, dß Ihr dieses Reise-Abenteuer glüklich über standen habt u. dß die Kinder sich bei dieser ganzen Geschichte brav benommen haben. - Von mir kann ich nicht viel berichten. Am Montag Abends war ich mit Tomannty [?]; u. Staats-Amwalt [-anwalt] Hindezs [?] sammt Frau beim Bierbaumer; am Dienstag Nachm in Enzasfeld, u. Abends beim Hirschen, wo der 50ste GeburtsTag Schörbichlers mit einigen Bouteillen Wein gefeiert wurde; gestern (Mittwoch) Abends bei Thernten [?] zu einer Whistpartie. Alle empfehlen sich dir; Anna sagte sie werde dir nächstens schreiben. - [gleicher Brief:] Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz - „Mama Plachetka“: von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler.
    
==== „1882“ [und andere, bes. 1872 und 1878 ====
 
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==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler ====
Franz Spängler an FANNI SPÄNGLER: [Pottenstein, 19.8.1882] Liebste Fanni! In Beantwortung deiner letzten Karte inbetreff des Schlüßels möchte ich dir folgendes vorschlagen. - Da es Frl Rupi seit gestern um vieles bessergeht, so kann ich die Schlüssel dr Frl Anna Zemsauer [?] geben, u[nd] ich habe sie auch bereits darum gebeten, u sie es mir gestattet. Es frägt sich nur, welche Schlüßel? Soll ich insbes. auch jenen Schlüßel den jezt Frau Steinmayer hat derselben abverlangen u. dr Zemsauer geben? Was die Rückkunft der Anna betrifft so besteht doch keine Nothwendigkeit, d[a]ß sie mit dem lezten um 1/2 11 Uhr ankommenden Abendzuge hier eintrifft, sie kann ja bereits mit dem Zuge um 8 Uhr kommen, od[er] auch am Samstag früh, denn ich meine, dß es uns fast besser taugen wird, am Samstag im Gasthause zu essen, od schon zu Hause zu kochen. - Diese leztere Frage können wir übrigens auch noch mündlich besprechen, die erstere wegen der Schlüßel-Aufbewahrung ist aber schon teilweise erledigt; über die eben noch offengelassenen Punkte bitte ich umgehend um deine Willensmeinung. - Gestern Abends war ich bei Zink [?] eingeladen, beide lassen sich dir empfehlen/ Neues kann ich nichts berichten. Ich schließe für heute, u küße u grüße dich u die Kinder herzlichst. Dein treuer Franz - Pottenstein 19.8.1882.
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Franz Spängler an Fanni Spängler: [Pottenstein, 19.8.1882] Liebste Fanni! In Beantwortung deiner letzten Karte inbetreff des Schlüßels möchte ich dir folgendes vorschlagen. - Da es Frl Rupi seit gestern um vieles bessergeht, so kann ich die Schlüssel dr Frl Anna Zemsauer [?] geben, u[nd] ich habe sie auch bereits darum gebeten, u sie es mir gestattet. Es frägt sich nur, welche Schlüßel? Soll ich insbes. auch jenen Schlüßel den jezt Frau Steinmayer hat derselben abverlangen u. dr Zemsauer geben? Was die Rückkunft der Anna betrifft so besteht doch keine Nothwendigkeit, d[a]ß sie mit dem lezten um 1/2 11 Uhr ankommenden Abendzuge hier eintrifft, sie kann ja bereits mit dem Zuge um 8 Uhr kommen, od[er] auch am Samstag früh, denn ich meine, dß es uns fast besser taugen wird, am Samstag im Gasthause zu essen, od schon zu Hause zu kochen. - Diese leztere Frage können wir übrigens auch noch mündlich besprechen, die erstere wegen der Schlüßel-Aufbewahrung ist aber schon teilweise erledigt; über die eben noch offengelassenen Punkte bitte ich umgehend um deine Willensmeinung. - Gestern Abends war ich bei Zink [?] eingeladen, beide lassen sich dir empfehlen/ Neues kann ich nichts berichten. Ich schließe für heute, u küße u grüße dich u die Kinder herzlichst. Dein treuer Franz - Pottenstein 19.8.1882.
    
==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch [geschickt?] hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch [geschickt?] hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.
    
=== 1883 ===
 
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==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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FANNY KOBLER [Nr.79] an FANNI SPÄNGLER [Nr.19]: Salzburg 19te Januar 1883/ Liebe Fanni! Unser Briefwechsel ist ins Stocken geworden, fast einen ganzen Monat hab ich von Euch und euren Beidenn nichts mehr gehört. Ich hoffe ihr werdet euch alle wohl befinden? mir Gott sey dank, geht es auch so ziemlich gut. Die 84 Jahren drüken oft recht schwer. - Ich muß mir oft recht Gewalt an thun mich in der frischen Luft längere Zeit aufzuhalten. Deine 4 Dirndel werden dir Bewegung genug verschaffen. Aber Gott sey dank sie sind Gesund und gedei[he]n/ las dich keine Stunde reuen, die du für sie Verwendest. Wir haben einen schlechten Winter. Schnee fast gar keinen, Regen genug. - Grüße mir deinen Mann vielmals. Im Herbst hoffe ich euch alle bey mir zu seh’n. Die Rosa welche euch alle herzlich grüßt, ist immer etwas kränklicht. Lebt alle recht wohl und bleibt gesund. Dieß wünscht Eure Großmutter Fanni. - Von der Lisi einen Handkuß.
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FANNY KOBLER [Nr.79] an Fanni Spängler [Nr.19]: Salzburg 19te Januar 1883/ Liebe Fanni! Unser Briefwechsel ist ins Stocken geworden, fast einen ganzen Monat hab ich von Euch und euren Beidenn nichts mehr gehört. Ich hoffe ihr werdet euch alle wohl befinden? mir Gott sey dank, geht es auch so ziemlich gut. Die 84 Jahren drüken oft recht schwer. - Ich muß mir oft recht Gewalt an thun mich in der frischen Luft längere Zeit aufzuhalten. Deine 4 Dirndel werden dir Bewegung genug verschaffen. Aber Gott sey dank sie sind Gesund und gedei[he]n/ las dich keine Stunde reuen, die du für sie Verwendest. Wir haben einen schlechten Winter. Schnee fast gar keinen, Regen genug. - Grüße mir deinen Mann vielmals. Im Herbst hoffe ich euch alle bey mir zu seh’n. Die Rosa welche euch alle herzlich grüßt, ist immer etwas kränklicht. Lebt alle recht wohl und bleibt gesund. Dieß wünscht Eure Großmutter Fanni. - Von der Lisi einen Handkuß.
    
==== Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
 
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FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Pottenstein 1.8.1883: Liebe Großmutter! kündigt Ankunft in Salzburg mit dem Postzug für den 7.8. an; freuen „uns sehr auf den Aufenthalt in der lieben Heimat“; der Mann freut sich über die kleine Erholung, hat mit der „Anlegung der neuen Grundbücher“ viel zu tun, „die Kinder spielen stundenlang ‚Reise nach Salzburg’, 15 Stunden Reise, davon 3 Stungen Warten in St.Pölten; Kathi (Magd) begleitet sie. „Zugleich bitte ich dich, für Dienstag Nachmittag 3 Seitel Milch und 1 Seiten Obers [Sahne] zur Jause zu besorgen, da ich weiß, daß man nur in der Frühe Milch bekommt. Eben so viel brauche ich zum Frühstück. Roserl u. Hanna [Hansimutti, geb. 16.5.1882] bekommen nämlich zur Jause und Abends Cacao. [...] Sonntag oder Montag wird meine Kiste kommen, die ich nur in’s Zimmer zu stellen bitte. XXX
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Fanni Spängler an FANNY KOBLER: Pottenstein 1.8.1883: Liebe Großmutter! kündigt Ankunft in Salzburg mit dem Postzug für den 7.8. an; freuen „uns sehr auf den Aufenthalt in der lieben Heimat“; der Mann freut sich über die kleine Erholung, hat mit der „Anlegung der neuen Grundbücher“ viel zu tun, „die Kinder spielen stundenlang ‚Reise nach Salzburg’, 15 Stunden Reise, davon 3 Stungen Warten in St.Pölten; Kathi (Magd) begleitet sie. „Zugleich bitte ich dich, für Dienstag Nachmittag 3 Seitel Milch und 1 Seiten Obers [Sahne] zur Jause zu besorgen, da ich weiß, daß man nur in der Frühe Milch bekommt. Eben so viel brauche ich zum Frühstück. Roserl u. Hanna [Hansimutti, geb. 16.5.1882] bekommen nämlich zur Jause und Abends Cacao. [...] Sonntag oder Montag wird meine Kiste kommen, die ich nur in’s Zimmer zu stellen bitte. XXX
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 13. September [nach 1882/83] Liebe Fani. Du wirst nicht wißen warum auf dein Brief so lange keine Antwort bekommst, wir hatten das schöne Wetter benuzen müßen um die Betten in die Sonn zu bringen, du weist ja wie groß und schwer sie sind. Morgen wird der Bodenzezer [-setzer] kommen um die Böden einzulassen und zu beüsten [? beizen]. Wie geht es dir, deinem Mann und die Kinde/ Mit dem Pottografie [! Photo-] der kleinen Gesellschaft hast du mir eine große Freunde gemacht, ich danke dir vilmals dafür, sie sind alle gut getroffen. Mir Gott sey dank geht es so zimmlich gut. Ihr werdet woll oft von Salzburg und den schönen Bergen sprächen. - Du würst wohl nicht lange herumgehn? Gott gebe das alles gut vorübergeht/ Vor einigen Tagen hat sich die Feurwache hier Protezirt. d Lostin [?] ist recht schön. Von Linz, Wien, Tirol und Bömmen. Auch die Maschinen sehr zwekmeßig. Die Franzi sollte ja in der Schulle recht fleißig sein. Deinem Mann sage viele Grüße von mir. Lebt alle rech wohl dieß wünscht und bleibt gesund dieß wünscht euere Urgroßmutter Fani. - Meine Augen werden sehr schwach. Grüß Anna und Lotti. Die Liese küß die dir Hand. - Herr und Frau von König [?] haben mich vor einigen Tagen besucht, und haben mich ersucht wenn du einmal nach Wien hinein Fahren würdest sie zu besuchen. Sie sieht recht gut aus, hat einen kleinen Buben. Es scheind ihnen gut zu gehn. Ich denke er muß in Wien in der Akademi angestellt sein Aderweiße [?]. Sie wohnen den Zellfitur [?] gegenüber No 56. - „Die Kinder“ werden gegrüßt, und offenbar wird wieder eines erwartet: Rosa, das dritte Kind, wird 1880 geboren, Johanna 1882 [Nr.9]; Franzi, geb. 1877, ist bereits bzw. soll offenbar in die Schule.
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FANNY KOBLER an Fanni Spängler: Salzburg am 13. September [nach 1882/83] Liebe Fani. Du wirst nicht wißen warum auf dein Brief so lange keine Antwort bekommst, wir hatten das schöne Wetter benuzen müßen um die Betten in die Sonn zu bringen, du weist ja wie groß und schwer sie sind. Morgen wird der Bodenzezer [-setzer] kommen um die Böden einzulassen und zu beüsten [? beizen]. Wie geht es dir, deinem Mann und die Kinde/ Mit dem Pottografie [! Photo-] der kleinen Gesellschaft hast du mir eine große Freunde gemacht, ich danke dir vilmals dafür, sie sind alle gut getroffen. Mir Gott sey dank geht es so zimmlich gut. Ihr werdet woll oft von Salzburg und den schönen Bergen sprächen. - Du würst wohl nicht lange herumgehn? Gott gebe das alles gut vorübergeht/ Vor einigen Tagen hat sich die Feurwache hier Protezirt. d Lostin [?] ist recht schön. Von Linz, Wien, Tirol und Bömmen. Auch die Maschinen sehr zwekmeßig. Die Franzi sollte ja in der Schulle recht fleißig sein. Deinem Mann sage viele Grüße von mir. Lebt alle rech wohl dieß wünscht und bleibt gesund dieß wünscht euere Urgroßmutter Fani. - Meine Augen werden sehr schwach. Grüß Anna und Lotti. Die Liese küß die dir Hand. - Herr und Frau von König [?] haben mich vor einigen Tagen besucht, und haben mich ersucht wenn du einmal nach Wien hinein Fahren würdest sie zu besuchen. Sie sieht recht gut aus, hat einen kleinen Buben. Es scheind ihnen gut zu gehn. Ich denke er muß in Wien in der Akademi angestellt sein Aderweiße [?]. Sie wohnen den Zellfitur [?] gegenüber No 56. - „Die Kinder“ werden gegrüßt, und offenbar wird wieder eines erwartet: Rosa, das dritte Kind, wird 1880 geboren, Johanna 1882 [Nr.9]; Franzi, geb. 1877, ist bereits bzw. soll offenbar in die Schule.
    
==== Vater Spängler an Franziska Spängler ====
 
==== Vater Spängler an Franziska Spängler ====