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Nr. 36 Franz Xaver Spängler (1793-1854), Salzburg                Nr. 39 Zäzilia Amalia Kobler (1821-1848)
 
Nr. 36 Franz Xaver Spängler (1793-1854), Salzburg                Nr. 39 Zäzilia Amalia Kobler (1821-1848)
 
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Nr. 37 Maria Antonia Lürzer v. Zehendthal (1803-1882)            Nr. 38 Richard Schlegel (1811-1881),
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Nr. 37 Maria Antonia Lürzer v. Zehendthal (* 1803; † 1882)            Nr. 38 Richard Schlegel (1811-1881),
 
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=== 1858 ===  
 
=== 1858 ===  
Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, an den Bruder Otto aus Graz nach Salzburg: 3.4.1859 „Liebster Otto! – mais j’avais déjà voulu depuis longtemps vous écrire en français... zum Schluss wieder deutsch... dein(em) dich liebender Bruder FXSpaengler. NB. [in Steno].“ – Graz 8.5.1859 ...dein dich aufrichtig liebender Bruder Franz. – 22.5.59 auf Französisch ...votre fidèle frère François. – 28.6.59 auf Französisch. – 27.10.59 deutsch. – 24.11.59 auf Französisch. – Graz 4.12.59 auf Französisch: Otto Spengler à Salzbourg. – 16.2.1860 auf Französisch. – Gracè 5.4.1860 auf Französisch. – Gracè 25.4.60 auf Französisch. – Graz 6.5.60 auf Französisch. – Graz 21.5.60 auf Französisch. – Graz 27.5.60: „Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler. / An Herr Otto Spaengler... k.k. Gymnasium zu Salzburg. durch Güte.“ – 10.6. [ohne Jahr] auf Französisch. – 17.6.60 auf Französisch. – Wien 24.6.1862 deutsch. – ohne Datum, deutsch. – ohne Datum, deutsch. – An die Mutter, ohne Datum, zweite Seite ohne Anfang; mit finanziellen Berechnungen, Einnahmen = Monatsgeld April/Mai 42 fl. [Gulden], andere Einnahmen ca. 40 fl.; Ausgaben = u.a. Zimmergeld April/Mai 6 fl., Wiener Reise 21 fl., sonstige Verpflegung 8 fl., Spazierstock 1,5 fl., zusammen 45 fl., Rest 37 fl. [ca.-Zahlen]. – Schnipsel hier beigelegt „Agordo 2.2.51“ mit (leider nur) dem Rest einer Zeichnung [die Venedigreise mit Eder war 1853]. – An die Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, 1803-1882, Graz 28.9.1858 „Liebste theuerste Mutter! Zum ersten Male ist es heute, dß ich aus der Fremde an Sie schreibe... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler“ – Graz 13.4.1859. – Wien 29.4.1859 „An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb. v.Lürzer zu Salzburg“ (mit undeutlichem Poststempel). – Graz 8.5.1859 [ohne Schluss]. – Wien 5.11.1861. – Wien 5.7.1862. – ohne Datum. – ohne Datum, Anfang fehlt: „Blatt III“ und „IV“ an Otto Spängler. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter und an den Bruder Franz, Wien 24.12.1861 „Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!) [ausgeschrieben]. – 1.1.1862 an Franz. – Salzburg 4.4.62 an Franz. – Salzburg 29.4.62 an Franz [Schluss felhlt]. – Salzburg 25.5.62 an Franz. – Innsbruck 29.6.62 [Anfang und Schluss fehlen]. – Salzburg 9.7.62 Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an Franz. – 5.11. [ohne Jahr] Otto an die Mutter. – ohne Datum, Mutter und Otto an Franz. – Lofer 10.8. [ohne Jahr], Otto und „Mutter Spängler“ an Franz nach Gmunden. – Franz Spängler Liste „Correspondenz 1861/62“, 1861 an u.a. die Mutter, Otto, Cousine Resi, J.Plazer [Julius Ritter von Plazer], Anton und Heb. Sattler und „Photographien a) Empfangen... [54 Stück] ...Gegeben am... [38 Stück]. – Auf blauem Papier „Lieber Franz....“, ohne Datum. – Auszug aus dem Testamente der Frau XX [unleserlich] Schaupp für Frl. Pepi Reisige [... nach deren Tod alles an die Lürzerischen]. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an den Bruder Franz 5.5.1870, mit Bleistift angefügt „Lieber Onkel Franz! Dein kleiner Otto“, mit Abrechnung, u.a. Monatsgeld für die Mutter 10 [welche Währung?]. – Otto an Franz ohne Datum. – 24.6.1870 Otto an Franz. – 4.7.70 Schwägerin Luise Spängler an Franz zusammen mit Otto an Franz. – Otto an Franz, ohne Datum. – Briefbogen „Dr.Otto Spängler Salzburg“, Otto an Franz ohne Datum, Berechnungen von Aktienerträgen. – Otto an Franz, ohne Datum.
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Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, an den Bruder Otto aus Graz nach Salzburg: 3.4.1859 „Liebster Otto! – mais j’avais déjà voulu depuis longtemps vous écrire en français... zum Schluss wieder deutsch... dein(em) dich liebender Bruder FXSpaengler. NB. [in Steno].“ – Graz 8.5.1859 ...dein dich aufrichtig liebender Bruder Franz. – 22.5.59 auf Französisch ...votre fidèle frère François. – 28.6.59 auf Französisch. – 27.10.59 deutsch. – 24.11.59 auf Französisch. – Graz 4.12.59 auf Französisch: Otto Spengler à Salzbourg. – 16.2.1860 auf Französisch. – Gracè 5.4.1860 auf Französisch. – Gracè 25.4.60 auf Französisch. – Graz 6.5.60 auf Französisch. – Graz 21.5.60 auf Französisch. – Graz 27.5.60: „Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler. / An Herr Otto Spaengler... k.k. Gymnasium zu Salzburg. durch Güte.“ – 10.6. [ohne Jahr] auf Französisch. – 17.6.60 auf Französisch. – Wien 24.6.1862 deutsch. – ohne Datum, deutsch. – ohne Datum, deutsch. – An die Mutter, ohne Datum, zweite Seite ohne Anfang; mit finanziellen Berechnungen, Einnahmen = Monatsgeld April/Mai 42 fl. [Gulden], andere Einnahmen ca. 40 fl.; Ausgaben = u.a. Zimmergeld April/Mai 6 fl., Wiener Reise 21 fl., sonstige Verpflegung 8 fl., Spazierstock 1,5 fl., zusammen 45 fl., Rest 37 fl. [ca.-Zahlen]. – Schnipsel hier beigelegt „Agordo 2.2.51“ mit (leider nur) dem Rest einer Zeichnung [die Venedigreise mit Eder war 1853]. – An die Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, * 1803; † 1882, Graz 28.9.1858 „Liebste theuerste Mutter! Zum ersten Male ist es heute, dß ich aus der Fremde an Sie schreibe... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler“ – Graz 13.4.1859. – Wien 29.4.1859 „An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb. v.Lürzer zu Salzburg“ (mit undeutlichem Poststempel). – Graz 8.5.1859 [ohne Schluss]. – Wien 5.11.1861. – Wien 5.7.1862. – ohne Datum. – ohne Datum, Anfang fehlt: „Blatt III“ und „IV“ an Otto Spängler. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter und an den Bruder Franz, Wien 24.12.1861 „Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!) [ausgeschrieben]. – 1.1.1862 an Franz. – Salzburg 4.4.62 an Franz. – Salzburg 29.4.62 an Franz [Schluss felhlt]. – Salzburg 25.5.62 an Franz. – Innsbruck 29.6.62 [Anfang und Schluss fehlen]. – Salzburg 9.7.62 Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an Franz. – 5.11. [ohne Jahr] Otto an die Mutter. – ohne Datum, Mutter und Otto an Franz. – Lofer 10.8. [ohne Jahr], Otto und „Mutter Spängler“ an Franz nach Gmunden. – Franz Spängler Liste „Correspondenz 1861/62“, 1861 an u.a. die Mutter, Otto, Cousine Resi, J.Plazer [Julius Ritter von Plazer], Anton und Heb. Sattler und „Photographien a) Empfangen... [54 Stück] ...Gegeben am... [38 Stück]. – Auf blauem Papier „Lieber Franz....“, ohne Datum. – Auszug aus dem Testamente der Frau XX [unleserlich] Schaupp für Frl. Pepi Reisige [... nach deren Tod alles an die Lürzerischen]. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an den Bruder Franz 5.5.1870, mit Bleistift angefügt „Lieber Onkel Franz! Dein kleiner Otto“, mit Abrechnung, u.a. Monatsgeld für die Mutter 10 [welche Währung?]. – Otto an Franz ohne Datum. – 24.6.1870 Otto an Franz. – 4.7.70 Schwägerin Luise Spängler an Franz zusammen mit Otto an Franz. – Otto an Franz, ohne Datum. – Briefbogen „Dr.Otto Spängler Salzburg“, Otto an Franz ohne Datum, Berechnungen von Aktienerträgen. – Otto an Franz, ohne Datum.
    
==== Franz Spängler an Antonia Spängler ====
 
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siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
 
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
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1860, Brief von [Nr. 18 a] Otto Spängler und [Nr. 37] Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Bruder bzw. Sohn [Nr. 18] Franz Spängler: [Salzburg, ohne Datum/ um 1860:] Theuerster Franz! Als ich die letzten Zeilen an dich schrieb, glaubte ich denselben durch Frau v Schaffner zu senden; aber der Brief kam zu spät. der heutige aber geht mit Konfekt und Kalhefers [?] brief heute durch die Güte der Frau v.Schafner. Gestern als am 20 ten hatte Kalhster [?] Ausgang und ich verbrachte 2 recht angenehme Nachmittagsstunden mit ihm und Rothenbuchner bei feinen Leuten. Von 6 Uhr an spielte bei uns Tarok, denn wir hatten Spiel und der Konrad ging um 6 Uhr. Abends 8 ½ Uhr ging ich noch zu Obermüller, wo die Auscultanten geladen waren, und es herzlich langweilig war. Quamquæm praesentia mea bene incepit, brevi mutata eft; mater me vidit intrantem in domum ejus et infernale spectaculum incepit, quum fila in conclave intrasset. Ne forte credas, matrem [nicht weiter gelesen; Latein... was ich nicht alles verstehe, außer dass er offenbar schnell aus diesem Haus schnell wieder verschwindet...] Hodie die veneris ibo ad veterem. Quelle change! Saluez de mon part Tenzl et Vozarye [?], Guttenberg, Daeltrer [?] etc. – Ton fidele frère Otto. - - [die Mutter:] Lieber guter Franz. Wen ich auch recht viel zu thun habe, so will doch den Brief nicht fort gehen lassen, ohne ein paar Zeilen an dich zu schreiben. Lieber Franz hier sende ich dir ein wenig Konfekt, den XXX liegt gerade hier XXX bekommst du XXX durch die Post oder es bringt die selben der Wassinger. Als weiteres geschenk lasse ich dir den Mantel neu füllen ich glaube das dir dieses auch gut taugen wird. Wir sprechen wohl oft von dir, laufe dich fei(n) nicht zu sehr ab, und sey XXXling in allen was du thust, und gebe das geld nicht leicht hinaus. Lebe recht wohl es küßt dich mit inniger Liebe dich in Schutz gottes empfehlend und dich von ganzen Herzen Segnend deine treue Mutter Spángler – An alle Bekanten viele Empfehlungen nebst vielen Dank besonders bei Franzl und guttenberg lasse ich gute Feyertag wünschen. Alle hier grüßen dich recht herzlich. An lozarign [Lorinser?] viele herzliche Grüße. Die Therese läßt dich auch herzlich grüßen. - „#Guttenberg“: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“; „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, die Schwiegertochter, Freundinnen, ebenfalls genannt in mehreren Briefen. – Wahrscheinlich ein relativ früher Brief; Franz Spängler studiert in Graz bis zum WS 1858/59, das SS 1862 in Wien, die erste Staatsprüfung ist in Wien im Juni 1862. Geburstag hat Franz Spängler am 10.4. - Foto von Lida Guttenberg bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln.
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1860, Brief von [Nr. 18 a] Otto Spängler und [Nr. 37] Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Bruder bzw. Sohn [Nr. 18] Franz Spängler: [Salzburg, ohne Datum/ um 1860:] Theuerster Franz! Als ich die letzten Zeilen an dich schrieb, glaubte ich denselben durch Frau v Schaffner zu senden; aber der Brief kam zu spät. der heutige aber geht mit Konfekt und Kalhefers [?] brief heute durch die Güte der Frau v.Schafner. Gestern als am 20 ten hatte Kalhster [?] Ausgang und ich verbrachte 2 recht angenehme Nachmittagsstunden mit ihm und Rothenbuchner bei feinen Leuten. Von 6 Uhr an spielte bei uns Tarok, denn wir hatten Spiel und der Konrad ging um 6 Uhr. Abends 8 ½ Uhr ging ich noch zu Obermüller, wo die Auscultanten geladen waren, und es herzlich langweilig war. Quamquæm praesentia mea bene incepit, brevi mutata eft; mater me vidit intrantem in domum ejus et infernale spectaculum incepit, quum fila in conclave intrasset. Ne forte credas, matrem [nicht weiter gelesen; Latein... was ich nicht alles verstehe, außer dass er offenbar schnell aus diesem Haus schnell wieder verschwindet...] Hodie die veneris ibo ad veterem. Quelle change! Saluez de mon part Tenzl et Vozarye [?], Guttenberg, Daeltrer [?] etc. – Ton fidele frère Otto. - - [die Mutter:] Lieber guter Franz. Wen ich auch recht viel zu thun habe, so will doch den Brief nicht fort gehen lassen, ohne ein paar Zeilen an dich zu schreiben. Lieber Franz hier sende ich dir ein wenig Konfekt, den XXX liegt gerade hier XXX bekommst du XXX durch die Post oder es bringt die selben der Wassinger. Als weiteres geschenk lasse ich dir den Mantel neu füllen ich glaube das dir dieses auch gut taugen wird. Wir sprechen wohl oft von dir, laufe dich fei(n) nicht zu sehr ab, und sey XXXling in allen was du thust, und gebe das geld nicht leicht hinaus. Lebe recht wohl es küßt dich mit inniger Liebe dich in Schutz gottes empfehlend und dich von ganzen Herzen Segnend deine treue Mutter Spángler – An alle Bekanten viele Empfehlungen nebst vielen Dank besonders bei Franzl und guttenberg lasse ich gute Feyertag wünschen. Alle hier grüßen dich recht herzlich. An lozarign [Lorinser?] viele herzliche Grüße. Die Therese läßt dich auch herzlich grüßen. - „#Guttenberg“: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“; „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, die Schwiegertochter, Freundinnen, ebenfalls genannt in mehreren Briefen. – Wahrscheinlich ein relativ früher Brief; Franz Spängler studiert in Graz bis zum WS 1858/59, das SS 1862 in Wien, die erste Staatsprüfung ist in Wien im Juni 1862. Geburstag hat Franz Spängler am 10.4. - Foto von Lida Guttenberg bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln.
    
„Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27.10.1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v.Lürzer?]; 19.5.1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14.6.1862; Salzburg 13.12.1868 Freund KoXX; Ried 2.2.1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30.6.1870 Freund Al. KXX; Lainz 14.9.1871 Freund Fr.Fenzl; Wien 24.9.1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1.10.1871 Vetter Adolf; Zara 13.10.1871 Vetter LoXX; Salzburg 1.12.1871 Anna Lanser; Wien 12.4.1872 Freund Kaserer; Mödling 12.4.1872; mit Umschlag Salzburg 10.10.1872 Wappensiegel Weiß (?); Salzburg Januar 1873 Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler, gedruckte Einladung und Brief „Aloys“ Spängler u. Therese; Wien 27.9.1874; Wien 19.7.1878. – Bei diesen Briefen wurde bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - [„1“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20.2.XX) „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17.9.1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30.3.1866 (1,5 Bogen); Linz 19.4.1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19.6.1866 Verehrtester Freund...; Freising 26.10.1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o.O.u.J. Verehrter Freund.... – [„2“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19.1.XX; rotes Siegel) „Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14.7. o.J. Verehrtester Freund...; 20.2.1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4.3.1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21.4.1867; 5.7.1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30.10. ohne Jahr; Linz 17.6.1868. – [„3“] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o.O.u.J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5.1.1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14.1.1870 Lieber Doktor...; Linz 19.1.1870 blaues Papier, „Herrn Baron Seiller zur Einsicht.“; 31.12.1870; beigelegt gedruckte, kleine „Einladung zum Abiturienten-Valete im Kaserer-Hof am 5.August 1858“. – Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben [„mehrere Briefe 1865 bis 1870“]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer.
 
„Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27.10.1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v.Lürzer?]; 19.5.1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14.6.1862; Salzburg 13.12.1868 Freund KoXX; Ried 2.2.1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30.6.1870 Freund Al. KXX; Lainz 14.9.1871 Freund Fr.Fenzl; Wien 24.9.1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1.10.1871 Vetter Adolf; Zara 13.10.1871 Vetter LoXX; Salzburg 1.12.1871 Anna Lanser; Wien 12.4.1872 Freund Kaserer; Mödling 12.4.1872; mit Umschlag Salzburg 10.10.1872 Wappensiegel Weiß (?); Salzburg Januar 1873 Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler, gedruckte Einladung und Brief „Aloys“ Spängler u. Therese; Wien 27.9.1874; Wien 19.7.1878. – Bei diesen Briefen wurde bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - [„1“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20.2.XX) „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17.9.1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30.3.1866 (1,5 Bogen); Linz 19.4.1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19.6.1866 Verehrtester Freund...; Freising 26.10.1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o.O.u.J. Verehrter Freund.... – [„2“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19.1.XX; rotes Siegel) „Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14.7. o.J. Verehrtester Freund...; 20.2.1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4.3.1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21.4.1867; 5.7.1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30.10. ohne Jahr; Linz 17.6.1868. – [„3“] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o.O.u.J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5.1.1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14.1.1870 Lieber Doktor...; Linz 19.1.1870 blaues Papier, „Herrn Baron Seiller zur Einsicht.“; 31.12.1870; beigelegt gedruckte, kleine „Einladung zum Abiturienten-Valete im Kaserer-Hof am 5.August 1858“. – Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben [„mehrere Briefe 1865 bis 1870“]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer.
    
=== 1861 ===
 
=== 1861 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 14.4.1861 bis 1.7.1861 und vom 7.4.1862 bis 16.7.1862; insgesamt 15 Briefe, 1 Umschlag nach Wien.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 14.4.1861 bis 1.7.1861 und vom 7.4.1862 bis 16.7.1862; insgesamt 15 Briefe, 1 Umschlag nach Wien.
    
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
 
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
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Brief von (Nr. 18 a) Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter (Nr. 37) Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, und an den Bruder (Nr. 18) Franz Xaver Spängler, 1839-1912 (liegt bei den Kobler-Spängler-Briefen, Bündel „1858 bis 1862 und 1870“)
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Brief von (Nr. 18 a) Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter (Nr. 37) Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, und an den Bruder (Nr. 18) Franz Xaver Spängler, 1839-1912 (liegt bei den Kobler-Spängler-Briefen, Bündel „1858 bis 1862 und 1870“)
 
Meiner lieben Mutter Frau Antonia Spängler Salzburg. dG. [durch Güte, d.h. wohl durch Boten]
 
Meiner lieben Mutter Frau Antonia Spängler Salzburg. dG. [durch Güte, d.h. wohl durch Boten]
 
[Briefbogen mit Prägestempel „O.S.“]                         
 
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siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
 
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
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25.6.1862, Brief ohne Umschlag von [Nr. 18] Franz Spängler (1839-1912) aus Wien an die Mutter Antonia Spängler [Nr. 37] (1803-1882; der Vater ist bereits 1854 gestorben): Liebste Mutter! Wie Sie hoffentlich d[urc]h meinen Brief erfahren haben, habe ich die Staatsprüfung glü[c]klich bestanden, u. zwar mit Auszeichnung aus 3 Gegenständen, aus dem bürgerlichen Gese[t]zbuche, u. dem Verfahren in und außer Streitsachen, auch aus dem Strafrechte hätte ich sie bekommen, wenn nicht der Prüfungscommissär so streng am [auf dem] Wortlaute bestanden hätte. Ich bin sehr froh d[a]ß sie glü[c]klich vorüber ist, u. wünsche nur, d[a]ß auch die andern Prüfungen u. Rigorosen ebensogut vorübergehen. Ich hoffe auch, dß Sie mit dem Resultate zufrieden sein werden; mich freut es, dß ich auch hier ein glükliches Resultat erreicht habe, u. wünsche, dß mir das Zeugnis auch für die Zukunft von Vortheil sein dürfte. Den Abend nach der Staatsprüfung (denn ich hatte sie von 4-7 Uhr) brachte ich bei Gut{t]enberg recht angenehm zu; auch bei Plachetka war ich noch am selben Abend; sie waren alle sehr erfreut über das Resultat; ebenso bei Gengl [?], wo ich noch am Abende vor der Staatsprüfung eingeladen war; ich habe es doch angenommen, weil ich mich wirklich sehnte zwischen den Stunden wo ich studierte, eine kleine Abwechslung zu haben, die le[t]zten 14 Tagen seit Pfingstmittwoch habe ich sehr fleißig gearbeitet, um die Gegenst[än]de nochmals zu wiederholen; doch fühlte ich mich recht wohl, und d[urc]haus nicht angegriffen; ich habe mir ja nebenbei immer einige Erholung gegönnt, und mir nichts abgehen lassen. – Daß Böhm [?] plözlich wieder nicht kommt, hat uns sehr überrascht; er hätte es wirklich etwas früher uns mittheilen können; denn das hätte er ja früher auch sich schon überlegen können. Wir hatten schon die Bettstelle aufstellen lassen und alles hergerichtet, ihm auch eine Schublade ausgeräumt. Ich habe aber seine übrigen Aufträge noch nicht vollführen können, da ich die betreffenden Studierunden noch nicht sah, ich werde es aber ehestens thun u. kann es mündlich nicht sein, so thue ich es schriftlich. Ich bitte ihm das einstweilen mitzutheilen. – 25/6 1862 Abends. – Nun zu den Hauptgegenständen meines heutigen Briefes. Erstens, da ich durch die drei Auszeichnungen bei der 2. Staatsprüfung die gesetzlichen Bedingungen erfüllt habe, um im Juli noch die 3te Staatsprüfung zu machen, so war ich heute bei Ministerialrath Thomaschek, dem Präses der betreffenden Commission, u. bat um Zulassung zu denselben im Juli, ich werde also hier bleiben bis Ende Juli u. werde fleißig studieren, um die drei Gegenstände der Prüfung zu vollenden; sollte ich für die hiesigen Anforderungen mich aber nicht gewachsen fühlen, so mache ich sie in Innsbruck, wo ich für diesen Fall d[urc]h Otto [der Bruder] habe Vorbereitungen treffen lassen. Ich bin dann auf diese Art ganz fertig und kann dann mit ganzem Eifer für die Rigorosen arbeiten. Ich hoffe dß Sie diesem Plan Ihre Zustimmung geben; dann seze ich ihn durch, so ist es mir ein großer Vortheil; u. was mein Befinden anbelangt, so kann ich es schon unternehmen, noch die 4 Wochen fleißig zu arbeiten; ich fühle mich ja nicht im geringsten erschöpft u. sollte es sich zeigen, dß ich ohne zu große Anstrengung nicht fertig werde, so kann ich noch immer jeden Augenblick zurücktreten. – 2tens. Ich war heute auch bei Minister Lasser mit meinem Zeugniße; er war sehr freundlich, gab mir den Rath, doch lieber zur Justiz zu gehen, u. gab mir seine Karte mit der Anweisung an 2 Ministerial-Räthe des Justizministeriums, von denen ich alle nöthige Auskunft erhalten würde, wo ich am ehesten mit Aussicht auf ein Adjutum [Referendariat] unterkommen könnte; zu diesen konnte ich aber heute nicht mehr gehen, ich werde aber morgen od. übermorgen hingehen, u. Ihnen entweder noch in diesem od. im nächsten Briefe berichten, damit wird dann noch ein Brief an Hrn. Finanzrath Barchetti [später, 1886, eingeheiratet in Spängler-Verwandtschaft, Bank-Linie] [.] – 3. Auch werde ich Ihnen ein Gesuch an die Landesregierung sammt einer Abschrift des Zeugnißes schiken, worin ich um den Fortgenuß des Stipendiums bitte. Ich bitte Sie dieses dann zu überreichen, u. falls außer dem Zeugniße noch Belege nöthig sein sollten es mir sogleich zu schreiben [.] NB. Das 1. Verleih[ung]sdekret werde ich etwa auch mitschiken. – 4. Wenn Sie also meinen Plan wegen der 3. Staatsprüf[un]g, wie ich nicht zweifle, genehmigen, so bitte ich Sie mir den noch oben befindlichen Junicoupon sowie den bald fälligen Julicoupon zu schiken, u. ebenso bitte ich um das Monatgeld für Juli; mein Bargeld ist nämlich nicht reichlich mehr; u die 70 fl Obligationen die ich noch habe, könnte ich diesen Augenblik nur mit Nachtheil verkaufen. – 5. Bei Franz Spängler [Franz Seraphin Spängler, 1837-1913, älterer Cousin; Landgerichtsrat in Salzburg] bitte ich zu sagen, dß ich heute mit Herrn Prälaten gesprochen, der mir sagte, dß er in der Angelegenheit der Gabriele mit Min. Lasser geprochen, u. dß er Hoffnung auf ein günstiges Resultat habe. – Wie ich heute aus einem Briefe der Frau v Dresler [?] entnahm, erwartete sie schon heut einen Brief von mir; ich habe doch am Samst[a]g d[urc]h meinen Collegen Hefner Ihnen einen Brief geschikt, den Sie wie es scheint dienstags noch nicht hatte, während Sie ihn doch hätten Sonntags schon erhalten können. – Er wird hoffentlich einstweilen in Ihre Hände gekommen sein. – Den Augenbalsam werde ich kaufen, u. da es, ihn selbst mitzubringen, zu spät sein dürfte, ihn bei nächster Gelegenheit schiken [.] – Wie kommt es dß Lürzer Otto [Cousin?] heute sobald fertig wird? Was wird er im nächsten Jahre machen? Was u. wo wird er studieren? – 26.6. Ich konnte leider die beiden Ministerialräthe heute nicht XXXchen; da ich aber den Brief doch abschiken möchte, so behalte ich mir für’s nächste Mal vor, Ihnen das Resultat zu schreiben. Wie gesagt bitte ich also um baldige Antwort; damit ich bis 7.es wegen des Quartiers auch weiß; denn ginge ich fort, so würde Weiß die 2.Hälfte des Juli zu Sparge [?] ziehen, damit dieser nicht allein das Quartier zahlen muß. An alle Bekannten alles Schöne; von meiner Unterred[un]g mit Min. Lasser bitte ich weiter keinen Gebrauch zu machen; denn solche Dinge will ich nicht gern weiter verbreitet haben. – Mit der Hoffnung, Sie recht bald, längstens bis Montag einen Brief zu erhalten u sie [!] recht bald, od längstens in 5 Wochen zu sehen verbleibe ich um Ihre mütterliche Liebe u. Ihren Segen bittende Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler
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25.6.1862, Brief ohne Umschlag von [Nr. 18] Franz Spängler (1839-1912) aus Wien an die Mutter Antonia Spängler [Nr. 37] (* 1803; † 1882; der Vater ist bereits 1854 gestorben): Liebste Mutter! Wie Sie hoffentlich d[urc]h meinen Brief erfahren haben, habe ich die Staatsprüfung glü[c]klich bestanden, u. zwar mit Auszeichnung aus 3 Gegenständen, aus dem bürgerlichen Gese[t]zbuche, u. dem Verfahren in und außer Streitsachen, auch aus dem Strafrechte hätte ich sie bekommen, wenn nicht der Prüfungscommissär so streng am [auf dem] Wortlaute bestanden hätte. Ich bin sehr froh d[a]ß sie glü[c]klich vorüber ist, u. wünsche nur, d[a]ß auch die andern Prüfungen u. Rigorosen ebensogut vorübergehen. Ich hoffe auch, dß Sie mit dem Resultate zufrieden sein werden; mich freut es, dß ich auch hier ein glükliches Resultat erreicht habe, u. wünsche, dß mir das Zeugnis auch für die Zukunft von Vortheil sein dürfte. Den Abend nach der Staatsprüfung (denn ich hatte sie von 4-7 Uhr) brachte ich bei Gut{t]enberg recht angenehm zu; auch bei Plachetka war ich noch am selben Abend; sie waren alle sehr erfreut über das Resultat; ebenso bei Gengl [?], wo ich noch am Abende vor der Staatsprüfung eingeladen war; ich habe es doch angenommen, weil ich mich wirklich sehnte zwischen den Stunden wo ich studierte, eine kleine Abwechslung zu haben, die le[t]zten 14 Tagen seit Pfingstmittwoch habe ich sehr fleißig gearbeitet, um die Gegenst[än]de nochmals zu wiederholen; doch fühlte ich mich recht wohl, und d[urc]haus nicht angegriffen; ich habe mir ja nebenbei immer einige Erholung gegönnt, und mir nichts abgehen lassen. – Daß Böhm [?] plözlich wieder nicht kommt, hat uns sehr überrascht; er hätte es wirklich etwas früher uns mittheilen können; denn das hätte er ja früher auch sich schon überlegen können. Wir hatten schon die Bettstelle aufstellen lassen und alles hergerichtet, ihm auch eine Schublade ausgeräumt. Ich habe aber seine übrigen Aufträge noch nicht vollführen können, da ich die betreffenden Studierunden noch nicht sah, ich werde es aber ehestens thun u. kann es mündlich nicht sein, so thue ich es schriftlich. Ich bitte ihm das einstweilen mitzutheilen. – 25/6 1862 Abends. – Nun zu den Hauptgegenständen meines heutigen Briefes. Erstens, da ich durch die drei Auszeichnungen bei der 2. Staatsprüfung die gesetzlichen Bedingungen erfüllt habe, um im Juli noch die 3te Staatsprüfung zu machen, so war ich heute bei Ministerialrath Thomaschek, dem Präses der betreffenden Commission, u. bat um Zulassung zu denselben im Juli, ich werde also hier bleiben bis Ende Juli u. werde fleißig studieren, um die drei Gegenstände der Prüfung zu vollenden; sollte ich für die hiesigen Anforderungen mich aber nicht gewachsen fühlen, so mache ich sie in Innsbruck, wo ich für diesen Fall d[urc]h Otto [der Bruder] habe Vorbereitungen treffen lassen. Ich bin dann auf diese Art ganz fertig und kann dann mit ganzem Eifer für die Rigorosen arbeiten. Ich hoffe dß Sie diesem Plan Ihre Zustimmung geben; dann seze ich ihn durch, so ist es mir ein großer Vortheil; u. was mein Befinden anbelangt, so kann ich es schon unternehmen, noch die 4 Wochen fleißig zu arbeiten; ich fühle mich ja nicht im geringsten erschöpft u. sollte es sich zeigen, dß ich ohne zu große Anstrengung nicht fertig werde, so kann ich noch immer jeden Augenblick zurücktreten. – 2tens. Ich war heute auch bei Minister Lasser mit meinem Zeugniße; er war sehr freundlich, gab mir den Rath, doch lieber zur Justiz zu gehen, u. gab mir seine Karte mit der Anweisung an 2 Ministerial-Räthe des Justizministeriums, von denen ich alle nöthige Auskunft erhalten würde, wo ich am ehesten mit Aussicht auf ein Adjutum [Referendariat] unterkommen könnte; zu diesen konnte ich aber heute nicht mehr gehen, ich werde aber morgen od. übermorgen hingehen, u. Ihnen entweder noch in diesem od. im nächsten Briefe berichten, damit wird dann noch ein Brief an Hrn. Finanzrath Barchetti [später, 1886, eingeheiratet in Spängler-Verwandtschaft, Bank-Linie] [.] – 3. Auch werde ich Ihnen ein Gesuch an die Landesregierung sammt einer Abschrift des Zeugnißes schiken, worin ich um den Fortgenuß des Stipendiums bitte. Ich bitte Sie dieses dann zu überreichen, u. falls außer dem Zeugniße noch Belege nöthig sein sollten es mir sogleich zu schreiben [.] NB. Das 1. Verleih[ung]sdekret werde ich etwa auch mitschiken. – 4. Wenn Sie also meinen Plan wegen der 3. Staatsprüf[un]g, wie ich nicht zweifle, genehmigen, so bitte ich Sie mir den noch oben befindlichen Junicoupon sowie den bald fälligen Julicoupon zu schiken, u. ebenso bitte ich um das Monatgeld für Juli; mein Bargeld ist nämlich nicht reichlich mehr; u die 70 fl Obligationen die ich noch habe, könnte ich diesen Augenblik nur mit Nachtheil verkaufen. – 5. Bei Franz Spängler [Franz Seraphin Spängler, 1837-1913, älterer Cousin; Landgerichtsrat in Salzburg] bitte ich zu sagen, dß ich heute mit Herrn Prälaten gesprochen, der mir sagte, dß er in der Angelegenheit der Gabriele mit Min. Lasser geprochen, u. dß er Hoffnung auf ein günstiges Resultat habe. – Wie ich heute aus einem Briefe der Frau v Dresler [?] entnahm, erwartete sie schon heut einen Brief von mir; ich habe doch am Samst[a]g d[urc]h meinen Collegen Hefner Ihnen einen Brief geschikt, den Sie wie es scheint dienstags noch nicht hatte, während Sie ihn doch hätten Sonntags schon erhalten können. – Er wird hoffentlich einstweilen in Ihre Hände gekommen sein. – Den Augenbalsam werde ich kaufen, u. da es, ihn selbst mitzubringen, zu spät sein dürfte, ihn bei nächster Gelegenheit schiken [.] – Wie kommt es dß Lürzer Otto [Cousin?] heute sobald fertig wird? Was wird er im nächsten Jahre machen? Was u. wo wird er studieren? – 26.6. Ich konnte leider die beiden Ministerialräthe heute nicht XXXchen; da ich aber den Brief doch abschiken möchte, so behalte ich mir für’s nächste Mal vor, Ihnen das Resultat zu schreiben. Wie gesagt bitte ich also um baldige Antwort; damit ich bis 7.es wegen des Quartiers auch weiß; denn ginge ich fort, so würde Weiß die 2.Hälfte des Juli zu Sparge [?] ziehen, damit dieser nicht allein das Quartier zahlen muß. An alle Bekannten alles Schöne; von meiner Unterred[un]g mit Min. Lasser bitte ich weiter keinen Gebrauch zu machen; denn solche Dinge will ich nicht gern weiter verbreitet haben. – Mit der Hoffnung, Sie recht bald, längstens bis Montag einen Brief zu erhalten u sie [!] recht bald, od längstens in 5 Wochen zu sehen verbleibe ich um Ihre mütterliche Liebe u. Ihren Segen bittende Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler
    
bei den Kobler-Spängler-Briefen [rot verschnürt, nicht gelesen]: Poesiebuch / Gedicht-Sammlung ohne Datum und ohne Bezugsperson, versch. Handschriften = u.a. Fastnachtsrede für Salzhausen; A.Grün; Herwegh; Körner; Hohenhausen; Blumauer; Die Kindsmörderin. – Handschriftliche Faschingsansprache Salzburg 1878; handschriftl. Faschingsfestlied Salzburg 1874; gedrucktes Gedicht Winterfeld; gedruckte Beschreibung der St.Lorenz-Kirche in Nürnberg; dito St.Sebald [gehört vielleicht zur Bayreuth-Reise 1889]; handschriftl. Schnaderhüpfl; gedruckter Studentenschwank, Wien 1862; „Aus der Heimath“ (handschriftliche Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]), Salzburg, Nr. 1-2, 1862 (u.a. F.X.Sp. [Spängler]; Franz Plachetka).
 
bei den Kobler-Spängler-Briefen [rot verschnürt, nicht gelesen]: Poesiebuch / Gedicht-Sammlung ohne Datum und ohne Bezugsperson, versch. Handschriften = u.a. Fastnachtsrede für Salzhausen; A.Grün; Herwegh; Körner; Hohenhausen; Blumauer; Die Kindsmörderin. – Handschriftliche Faschingsansprache Salzburg 1878; handschriftl. Faschingsfestlied Salzburg 1874; gedrucktes Gedicht Winterfeld; gedruckte Beschreibung der St.Lorenz-Kirche in Nürnberg; dito St.Sebald [gehört vielleicht zur Bayreuth-Reise 1889]; handschriftl. Schnaderhüpfl; gedruckter Studentenschwank, Wien 1862; „Aus der Heimath“ (handschriftliche Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]), Salzburg, Nr. 1-2, 1862 (u.a. F.X.Sp. [Spängler]; Franz Plachetka).
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=== 1870 ===
 
=== 1870 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
    
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
 
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
    
==== Von Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler ====
 
==== Von Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler ====
Brief von [Nr. 37] Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn [Nr. 18] Franz Spängler, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg den 2.10.70. Mein innigst geliebter theuerster Franz! Was wirst du dir denken das ich heute noch nicht geschrieben habe, und dir nicht einmal gedankt für die so hübsche Jop[p]e welche mir so gute Dienste leistet, ich habe sie heute in die Kirche zum erstenmahl angezogen sie steht zu jedem Kleid. Ich danke dir also recht herzlich dafür. Otto [der andere Sohn] und Louise sind glücklich hier angekommen, und grüßen dich recht herzlich. Wie gut hat es Otto das er dich nun öfter sehen kann. Die starken Stiefel werde ich dir im November [be]vor er hinunter geht schücken, so darf [braucht] man niemand fremden plagen. Otto sagte mir du siehst recht gut auß was mich sehr freut. Otto hat also die Stelle nicht angenohmen; mir ist es ganz recht, weil er zu wenig Sicherheit [für] sich gesehen, ich meine er soll jetzt so bald wie möglich die Advokaten Prüfung machen dan kann er wenigstens Advokat werden, wen wie man sagt alle Strücke reissen. Hier lassen dich eine menge Leute recht herzlich grüßen. Die Zeller ist mit Emma und Pfaundler Loni nach Ischl und geXXXden auf einige Tage. Die Stipitz ist wie ich höre in der Hoffnung. Die Ida von den Schlögelhofer ist verlobt mit den jungen Erlach. Die Betti Langer ist noch in Linz, die Frau läßt dich recht herzlich grüßen. Der kleine Otto [Otto Spänglers Sohn] spricht recht viel von dir, und die kleine Paula [Tochter] sagt auch ihn wen man sie fragt wer das ist auf dem Bild der Papa und dan frage ich ist dies Onkl Franz, dan sagt sie ja; die Kinder sind zimlich oft bey mein freunden, diese Tage seit sie zurück sind war ich so viel Oben weil es so viel zu thun gab sie hatten eben große Wasch, da gab es für die Mägde zu bügeln und ich war viel bey denen Kindern besonde[r]s bey den kleinen Max, welcher nun auch schon auf gelagt wird, und recht frezig ist. Diesen Tage war ich gar in Bertolsgrund [?], aber nicht in See mit den Fräulein Rosa Gunauer [?] welche die Frau v Danegger [Duregger?] die Fräulein Rosalie Henf und mich eingeladen hat, es war ein wunderschöner Tag, die Gegend, und die vielen Landha[ä]user wunderschön, wird haben uns sehr gut unterhalten, und gut gelebt. Die Leopoldin Spängler ist gestern mit Herman nach Kremsmünster gereißt, wo sie heute Nacht zurück kommen wird es ist ihr wohl etwas schwer angekommen, es war einmal beschloßen, und konte nicht mehr geändert werden, er ging ganz gerne. Ich bin doch sehr begierig ob Leopold Lürzer würklich seine Heußmine heurathet, es wär doch zu dum, aber die Schwester Therese fürchtet es, den er thut sehr lieb mit ihr, mir thäte es für den jungen Leopold leid weil dieser dan um sein Erbtheil kömmt, und zuletzt noch für die Stiefmutter sorgen müßte. Lebe recht wohl mein lieber Franz noch einmal recht vielen herzlichen Dank für die so hübsche Jacke. Sey recht innigst gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler – Otto Lovinser und die Kinder grüßen dich herzlich. Heute ist die Kepsa [Kobsa] mit den Kindern bey Sauter. – „Betti Langer/Linz“: Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [später Wien]. - „Rosalie Henf“: Frl. Rosalie Henf wird z.B. in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6.12.1871 genannt und in „Verteilte Andenken“ an die Mutter Spängler am 10.4.1882 bedacht. - Die Rechtschreibung der Mutter Spängler ist zumeist unkonventionell und eher an Mündlichkeit orientiert. Sie schreibt durchgehend deutsche Schrift, außer bei ihrem eigenen Namen „Spángler“ und einigen anderen, die lateinische Buchstaben bekommen. - „Kobsa / #Sauter“: Marie Steiner, geb. Kobsa, Ehefrau von Friedrich Steiner (1849-1901, Prag); offenbar gute Bekannte [und über Lürzer Verwandte, so 2015], vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Philomena Bamberger, geb. Sauter, Wien (1836-1897), aus Innsbruck. - Anna Payr, geb. Sauter ( -1908) [u.a. Bruder: Eduard von Sauter, k.k.Vizepräsident] in Lans/Innsbruck. - Karl Payr, Univ.-Prof. Innsbruck (1835-1907) [Ehefrau: Anna Payr, geb. Sauter]. - Eduard Sauter Edler von Riedenegg, k.k.Vizepräsident [Finanzverwaltung] (1839-1910), Innsbruck. - Friedrich Steiner (1849-1901), Prag [Schwester: Tochter Payr]. - Vgl. Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872].
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Brief von [Nr. 37] Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn [Nr. 18] Franz Spängler, 1872 verh. mit Fanni Schlegel]: Salzburg den 2.10.70. Mein innigst geliebter theuerster Franz! Was wirst du dir denken das ich heute noch nicht geschrieben habe, und dir nicht einmal gedankt für die so hübsche Jop[p]e welche mir so gute Dienste leistet, ich habe sie heute in die Kirche zum erstenmahl angezogen sie steht zu jedem Kleid. Ich danke dir also recht herzlich dafür. Otto [der andere Sohn] und Louise sind glücklich hier angekommen, und grüßen dich recht herzlich. Wie gut hat es Otto das er dich nun öfter sehen kann. Die starken Stiefel werde ich dir im November [be]vor er hinunter geht schücken, so darf [braucht] man niemand fremden plagen. Otto sagte mir du siehst recht gut auß was mich sehr freut. Otto hat also die Stelle nicht angenohmen; mir ist es ganz recht, weil er zu wenig Sicherheit [für] sich gesehen, ich meine er soll jetzt so bald wie möglich die Advokaten Prüfung machen dan kann er wenigstens Advokat werden, wen wie man sagt alle Strücke reissen. Hier lassen dich eine menge Leute recht herzlich grüßen. Die Zeller ist mit Emma und Pfaundler Loni nach Ischl und geXXXden auf einige Tage. Die Stipitz ist wie ich höre in der Hoffnung. Die Ida von den Schlögelhofer ist verlobt mit den jungen Erlach. Die Betti Langer ist noch in Linz, die Frau läßt dich recht herzlich grüßen. Der kleine Otto [Otto Spänglers Sohn] spricht recht viel von dir, und die kleine Paula [Tochter] sagt auch ihn wen man sie fragt wer das ist auf dem Bild der Papa und dan frage ich ist dies Onkl Franz, dan sagt sie ja; die Kinder sind zimlich oft bey mein freunden, diese Tage seit sie zurück sind war ich so viel Oben weil es so viel zu thun gab sie hatten eben große Wasch, da gab es für die Mägde zu bügeln und ich war viel bey denen Kindern besonde[r]s bey den kleinen Max, welcher nun auch schon auf gelagt wird, und recht frezig ist. Diesen Tage war ich gar in Bertolsgrund [?], aber nicht in See mit den Fräulein Rosa Gunauer [?] welche die Frau v Danegger [Duregger?] die Fräulein Rosalie Henf und mich eingeladen hat, es war ein wunderschöner Tag, die Gegend, und die vielen Landha[ä]user wunderschön, wird haben uns sehr gut unterhalten, und gut gelebt. Die Leopoldin Spängler ist gestern mit Herman nach Kremsmünster gereißt, wo sie heute Nacht zurück kommen wird es ist ihr wohl etwas schwer angekommen, es war einmal beschloßen, und konte nicht mehr geändert werden, er ging ganz gerne. Ich bin doch sehr begierig ob Leopold Lürzer würklich seine Heußmine heurathet, es wär doch zu dum, aber die Schwester Therese fürchtet es, den er thut sehr lieb mit ihr, mir thäte es für den jungen Leopold leid weil dieser dan um sein Erbtheil kömmt, und zuletzt noch für die Stiefmutter sorgen müßte. Lebe recht wohl mein lieber Franz noch einmal recht vielen herzlichen Dank für die so hübsche Jacke. Sey recht innigst gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler – Otto Lovinser und die Kinder grüßen dich herzlich. Heute ist die Kepsa [Kobsa] mit den Kindern bey Sauter. – „Betti Langer/Linz“: Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [später Wien]. - „Rosalie Henf“: Frl. Rosalie Henf wird z.B. in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6.12.1871 genannt und in „Verteilte Andenken“ an die Mutter Spängler am 10.4.1882 bedacht. - Die Rechtschreibung der Mutter Spängler ist zumeist unkonventionell und eher an Mündlichkeit orientiert. Sie schreibt durchgehend deutsche Schrift, außer bei ihrem eigenen Namen „Spángler“ und einigen anderen, die lateinische Buchstaben bekommen. - „Kobsa / #Sauter“: Marie Steiner, geb. Kobsa, Ehefrau von Friedrich Steiner (1849-1901, Prag); offenbar gute Bekannte [und über Lürzer Verwandte, so 2015], vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Philomena Bamberger, geb. Sauter, Wien (1836-1897), aus Innsbruck. - Anna Payr, geb. Sauter ( -1908) [u.a. Bruder: Eduard von Sauter, k.k.Vizepräsident] in Lans/Innsbruck. - Karl Payr, Univ.-Prof. Innsbruck (1835-1907) [Ehefrau: Anna Payr, geb. Sauter]. - Eduard Sauter Edler von Riedenegg, k.k.Vizepräsident [Finanzverwaltung] (1839-1910), Innsbruck. - Friedrich Steiner (1849-1901), Prag [Schwester: Tochter Payr]. - Vgl. Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872].
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
FANNI SCHLEGEL (1848-1905) [Nr. 19], verh. Spängler 1872, an [Nr. 18] Franz Spängler:
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Fanni Schlegel (* 1848; † 1905) [Nr. 19], verh. Spängler 1872, an [Nr. 18] Franz Spängler:
 
5.10.1870, Brief mit Umschlag [von anderer Hand und ‚falsch’] „Frl. F.Schlögl 12 Brusle [?]“ aus Salzburg an: Mein lieber Franz! [...Dank für Brief]; Sonett habe ich gelesen und finde es sehr lieb. Was das lesen in den Hebelschen Gedichten betrifft, bin ich einverstanden daß wir jedesmal 2 Gedichte lesen, und werde damit am Samstag beginnen: Frühlingsoffenbarung und drei Bitten; schickt Fotos, Musterbilder, je 12 Stück, bringt der Mutter Spängler die Fotos, auch meiner Großmutter [Kobler] und meinem Vater [Richard Schlegel] [...] Minna ist bei Lida, und ich soll nun auch hinüberkommen [...] Großmutter grüßt dich. Lebe recht wohl und behalte mich lieb. Mit herzlichem Gruß und Kuß deine Fanni. - undatiertes Foto Fanni Spängler und Lida Guttenberg (im schwarzen Kleid)
 
5.10.1870, Brief mit Umschlag [von anderer Hand und ‚falsch’] „Frl. F.Schlögl 12 Brusle [?]“ aus Salzburg an: Mein lieber Franz! [...Dank für Brief]; Sonett habe ich gelesen und finde es sehr lieb. Was das lesen in den Hebelschen Gedichten betrifft, bin ich einverstanden daß wir jedesmal 2 Gedichte lesen, und werde damit am Samstag beginnen: Frühlingsoffenbarung und drei Bitten; schickt Fotos, Musterbilder, je 12 Stück, bringt der Mutter Spängler die Fotos, auch meiner Großmutter [Kobler] und meinem Vater [Richard Schlegel] [...] Minna ist bei Lida, und ich soll nun auch hinüberkommen [...] Großmutter grüßt dich. Lebe recht wohl und behalte mich lieb. Mit herzlichem Gruß und Kuß deine Fanni. - undatiertes Foto Fanni Spängler und Lida Guttenberg (im schwarzen Kleid)
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==== Antonia Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Franz Spängler ====
[Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler]: Salzburg 13.11.70: Mein innigst geliebter Franz! Schon wider vergingen einige Tage bevor ich dazu komm dir zu schreiben, ich weiß es selbst nicht wie es kömmt, aber bey Otto war alles der Reihe nach krank, da war ich viel Oben, und diese Zeit wo ich zu Hauße bin, habe ich für uns wider einiges zu thun was sich nicht aufschieben läßt. Otto ist dermalen noch immer unwohl an Halsweh. Konnte daher gar nicht nach Wien gehen. Wir freuten uns schon das du hättest mit Otto zusammen kommen können, und er mir sagen könte, wie er dich außsehen findet, ich bin immer so sehr erfreut wen dich Leute gut außsehen finden. ich bin außer einen starken Strauhe [die Strauchen, Katarrh, Schnupfen], welche ich bey deren Kindern erwischt habe ganz wohl. Die Lini war auch schon unwohl, da mußte unsere Kathi sehr viel oben sein, und so vergeht die Zeit so schnel. Diese Tage war ich mit den Zellner bey Eschenloon, die Mädchen waren bey Plachetka auf Besuch, somit war sie allein, und lud mich ein, es war ganz angenehm. Die Sattler wäre auch geladen geweßen wen sie nicht hätte von Swim[?]verein auß, hätte mit der Leiche den Branntspektor [?] Schmit gehen. Die Tage allen Heil eX waren sehr traurig und öde, die Lürzer hat immer noch Husten, und darf nur wenig außgehen, daher sie auch oft sehr Melancholisch ist. Ich konnte wenig auf die gottesacker gehen weil ich eben damals gar sehr die Strauhe hatte. Die Witterung war grenzenloos schlecht. Max war auch sehr leidend an Zahnwehen und Cartahr. Die Sachen gabuinden [?] wurde heute zum 2ten mahl verkündet mit den Consipianten Huber bey Gestimme [?]. Wen sie nicht neue Zulagen von Hauß bekommt, so darf sie schauen darauß zu kommen den es ist keine Kleinigkeit was man braucht um zu leben. Es wird dir ganz angenehm sein das Ludwich Sauter in Wien ist, den er ist ein ganz netter Mann lebt das Kind von Emil guttenberg? Die Lürzer hat ihre Pension noch nicht erledigt bekommen, hoft es eben alle Tage. Die Pepi will nun wieder vormund um die Prebende [Präbende, Pfründe] bitten. Vielleicht erreicht sie dieselben würdest du vielleicht gelegenheit haben zum Minister Taffe mit dem Bittgesuch zu gehen und zu bitten weil er um die ganze Sache recht gut weiß. Die Lürzer wird dir selbst schreiben. / auf den 17 en lasse ich für den Paten eine heil Meße lesen ich denke um Pathe auch für die Eltern lasse ich dieser Tage eine H Meße lesen. Dieser Tage habe ich die Duregger Familie Nachmittag geladen und am nächsten Dienstag die Zeller mit ihre Leute. für Carl Spängler lag kein Conte in meinem Brief bey. Ich heitze schon seit Mitte Oktober ich mache schon wieder Frühstück in meinem Ofen, Jause und Nachtsupe, es thut mir so wohl ein warmes Zimer. Lebe recht wohl mein lieber Franz: sehen wir uns auf Weihnachten? Es küßt und segnet dich im geiste deine treue Mutter Spängler / alle Bekante grüßen dich recht herzlich, der kleine Otto spricht oft von dir. - „die Lürzer... Pension“: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870 (siehe vorhergehenden Brief). - „Ludwig Sauter“, siehe Brief vom 2.10.1870.
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[Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]: Salzburg 13.11.70: Mein innigst geliebter Franz! Schon wider vergingen einige Tage bevor ich dazu komm dir zu schreiben, ich weiß es selbst nicht wie es kömmt, aber bey Otto war alles der Reihe nach krank, da war ich viel Oben, und diese Zeit wo ich zu Hauße bin, habe ich für uns wider einiges zu thun was sich nicht aufschieben läßt. Otto ist dermalen noch immer unwohl an Halsweh. Konnte daher gar nicht nach Wien gehen. Wir freuten uns schon das du hättest mit Otto zusammen kommen können, und er mir sagen könte, wie er dich außsehen findet, ich bin immer so sehr erfreut wen dich Leute gut außsehen finden. ich bin außer einen starken Strauhe [die Strauchen, Katarrh, Schnupfen], welche ich bey deren Kindern erwischt habe ganz wohl. Die Lini war auch schon unwohl, da mußte unsere Kathi sehr viel oben sein, und so vergeht die Zeit so schnel. Diese Tage war ich mit den Zellner bey Eschenloon, die Mädchen waren bey Plachetka auf Besuch, somit war sie allein, und lud mich ein, es war ganz angenehm. Die Sattler wäre auch geladen geweßen wen sie nicht hätte von Swim[?]verein auß, hätte mit der Leiche den Branntspektor [?] Schmit gehen. Die Tage allen Heil eX waren sehr traurig und öde, die Lürzer hat immer noch Husten, und darf nur wenig außgehen, daher sie auch oft sehr Melancholisch ist. Ich konnte wenig auf die gottesacker gehen weil ich eben damals gar sehr die Strauhe hatte. Die Witterung war grenzenloos schlecht. Max war auch sehr leidend an Zahnwehen und Cartahr. Die Sachen gabuinden [?] wurde heute zum 2ten mahl verkündet mit den Consipianten Huber bey Gestimme [?]. Wen sie nicht neue Zulagen von Hauß bekommt, so darf sie schauen darauß zu kommen den es ist keine Kleinigkeit was man braucht um zu leben. Es wird dir ganz angenehm sein das Ludwich Sauter in Wien ist, den er ist ein ganz netter Mann lebt das Kind von Emil guttenberg? Die Lürzer hat ihre Pension noch nicht erledigt bekommen, hoft es eben alle Tage. Die Pepi will nun wieder vormund um die Prebende [Präbende, Pfründe] bitten. Vielleicht erreicht sie dieselben würdest du vielleicht gelegenheit haben zum Minister Taffe mit dem Bittgesuch zu gehen und zu bitten weil er um die ganze Sache recht gut weiß. Die Lürzer wird dir selbst schreiben. / auf den 17 en lasse ich für den Paten eine heil Meße lesen ich denke um Pathe auch für die Eltern lasse ich dieser Tage eine H Meße lesen. Dieser Tage habe ich die Duregger Familie Nachmittag geladen und am nächsten Dienstag die Zeller mit ihre Leute. für Carl Spängler lag kein Conte in meinem Brief bey. Ich heitze schon seit Mitte Oktober ich mache schon wieder Frühstück in meinem Ofen, Jause und Nachtsupe, es thut mir so wohl ein warmes Zimer. Lebe recht wohl mein lieber Franz: sehen wir uns auf Weihnachten? Es küßt und segnet dich im geiste deine treue Mutter Spängler / alle Bekante grüßen dich recht herzlich, der kleine Otto spricht oft von dir. - „die Lürzer... Pension“: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870 (siehe vorhergehenden Brief). - „Ludwig Sauter“, siehe Brief vom 2.10.1870.
    
==== Dr. Otto Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Dr. Otto Spängler an Franz Spängler ====
Dr. Otto Spängler [Nr.18 a; 1841-1919; verh. mit Aloisia [LOUISE] Duregger, 1846-1915], Salzburg, später Direktor der Salzburger Sparkasse und Gemeinderat, ein Bruder von Franz Spängler (Nr.18, 1839-1912), an Franz Spängler: 13.11.1870; fügt eine Abrechnung an, wohl über Zinsen u.ä. von Aktien, die er für seinen Bruder verwaltet (siehe unten) - 24.11.1870: Weihnachten in Wien oder Salzburg, kommt wohl vorher nach Wien zur Generalversammlung der Forstbankaktionäre; Entschädigung für Wasserleitung; „einen schönen Gruß und Busserl vom kleinen Otto“ (ein Sohn, geb. 1868) - 23.12.1870: Franz kann also zu Weihnachten nicht nach Salzburg kommen; hat sich mehrmals mit Franz in Wien getroffen; kauft neue Vorhänge für die Mutter, Mutter hat gegen die Gabe „protestiert“, da sie von Franz eine „schöne Joppe“ erhielt [die Brüder unterstützen die Mutter, und Otto rechnet ab]
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Dr. Otto Spängler [Nr. 18 a; 1841-1919; verh. mit Aloisia [LOUISE] Duregger, 1846-1915], Salzburg, später Direktor der Salzburger Sparkasse und Gemeinderat, ein Bruder von Franz Spängler (Nr. 18, 1839-1912), an Franz Spängler: 13.11.1870; fügt eine Abrechnung an, wohl über Zinsen u.ä. von Aktien, die er für seinen Bruder verwaltet (siehe unten) - 24.11.1870: Weihnachten in Wien oder Salzburg, kommt wohl vorher nach Wien zur Generalversammlung der Forstbankaktionäre; Entschädigung für Wasserleitung; „einen schönen Gruß und Busserl vom kleinen Otto“ (ein Sohn, geb. 1868) - 23.12.1870: Franz kann also zu Weihnachten nicht nach Salzburg kommen; hat sich mehrmals mit Franz in Wien getroffen; kauft neue Vorhänge für die Mutter, Mutter hat gegen die Gabe „protestiert“, da sie von Franz eine „schöne Joppe“ erhielt [die Brüder unterstützen die Mutter, und Otto rechnet ab]
    
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[Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler]: Salzburg 24.11.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Es wird nun schon wieder 10 Tage sein seit ich dir zum letzten mal geschrieben habe, aber ich will heute schreiben damit du öfter Nachrichten von uns bekömmst wir sind dermalen gottlob wieder alle wohl. Die Kinder gehen wieder alle auß da die Wittrung so milde ist. Ich heitze nun im kleinen Öferl zum Frühstück Jause und abendsupe mit kleinen Stückchen Holz und habe viel die Fenster offen. Wir werden diese mülde Wittrung gut im Holz mercken, was ich sehr froh bin. Die Lürzer wird wie sie durch Chiari gehört die 333 Münz [Pension] bekommen weil er nicht den Kriegsrathstitel führte sie will noch in gnaden Weg eingeben um Erhöhung Chiari glaubt für die Pepi wird der gnadengehalt gut außfallen. Sie wissen nur nicht ob sie zuerst für die Pepi um die gnad eingeben sollen, oder für sie um Erhöhung. Lürzer Otto glaubt zuerst für die Pepi, ich weiß nicht, waß sie thun. Um die Prebende geben sie auch jetzt ein. Nun scheint die Frau doch ruhiger zu sein, sie nimt doch wieder an XXX theil, sie spielt auch wieder, es ist doch kurzweiliger. Otto wird nun wohl die 400 fl [Gulden] bekommen, was auch gut wäre dan wird er der Mutter 10 fl im Monath geben, was auch beßer ist, es muß halt eins zum anderen helfen. / Ich danke dir recht herzlich für deine guten Wünsche zum Hochzeits tag ich verbrachte denselben wie jeden anderen Tag Abends war ich bey Otto zum Essen und dann gingen wir zu den Duregger hinab. Den Xaveritag ist um 10 eine heil Meße im Domm für den Paten mache auch du deine Meinung, bis zu deinem Nammenstag schreibe ich wieder. Du hast es in deinem letzten Brief in zweifel gesetzt ob du um Weihnachten kömmst dies thäte mir sehr leid, weil ich mich schon so sehr auf dich freue, je nun wie gott will möge er es fügen - - Wens nicht sein so muß man es auch ertragen - - -. Wegen Rußland hoffe ich, haben wir nichts zu fürchten, sie werden sich wohl vergleichen. / geß[t]ern warn 3 Spänglermädchen bey mir Nachmittag wo wir der Lürzer ihren Namenstag feyerten auch die F Rosalie [Henf] war Abends da, zum Schluß wurd ich Abends Duregger zum Essen geladen bis ½ 8 Uhr wo dann alles außeinander ging Fräulein Rosalie ging dann auch zu Duregger. Heute war ich bey Hofrichter Spängler mit der Lürzer Pepi, wo es recht angenehm war, dan spielten wir noch bey Spängler Tarok wo die Lürzer auf die Pepi wartet, um 7 Uhr ging ich zu Hauße und nun habe ich an dich lieber Franz geschrieben. Lebe nun recht wohl mein lieber guter Franz sey recht inig gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) war Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint (so ebenfalls in einem Brief von 1885).
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[Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]: Salzburg 24.11.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Es wird nun schon wieder 10 Tage sein seit ich dir zum letzten mal geschrieben habe, aber ich will heute schreiben damit du öfter Nachrichten von uns bekömmst wir sind dermalen gottlob wieder alle wohl. Die Kinder gehen wieder alle auß da die Wittrung so milde ist. Ich heitze nun im kleinen Öferl zum Frühstück Jause und abendsupe mit kleinen Stückchen Holz und habe viel die Fenster offen. Wir werden diese mülde Wittrung gut im Holz mercken, was ich sehr froh bin. Die Lürzer wird wie sie durch Chiari gehört die 333 Münz [Pension] bekommen weil er nicht den Kriegsrathstitel führte sie will noch in gnaden Weg eingeben um Erhöhung Chiari glaubt für die Pepi wird der gnadengehalt gut außfallen. Sie wissen nur nicht ob sie zuerst für die Pepi um die gnad eingeben sollen, oder für sie um Erhöhung. Lürzer Otto glaubt zuerst für die Pepi, ich weiß nicht, waß sie thun. Um die Prebende geben sie auch jetzt ein. Nun scheint die Frau doch ruhiger zu sein, sie nimt doch wieder an XXX theil, sie spielt auch wieder, es ist doch kurzweiliger. Otto wird nun wohl die 400 fl [Gulden] bekommen, was auch gut wäre dan wird er der Mutter 10 fl im Monath geben, was auch beßer ist, es muß halt eins zum anderen helfen. / Ich danke dir recht herzlich für deine guten Wünsche zum Hochzeits tag ich verbrachte denselben wie jeden anderen Tag Abends war ich bey Otto zum Essen und dann gingen wir zu den Duregger hinab. Den Xaveritag ist um 10 eine heil Meße im Domm für den Paten mache auch du deine Meinung, bis zu deinem Nammenstag schreibe ich wieder. Du hast es in deinem letzten Brief in zweifel gesetzt ob du um Weihnachten kömmst dies thäte mir sehr leid, weil ich mich schon so sehr auf dich freue, je nun wie gott will möge er es fügen - - Wens nicht sein so muß man es auch ertragen - - -. Wegen Rußland hoffe ich, haben wir nichts zu fürchten, sie werden sich wohl vergleichen. / geß[t]ern warn 3 Spänglermädchen bey mir Nachmittag wo wir der Lürzer ihren Namenstag feyerten auch die F Rosalie [Henf] war Abends da, zum Schluß wurd ich Abends Duregger zum Essen geladen bis ½ 8 Uhr wo dann alles außeinander ging Fräulein Rosalie ging dann auch zu Duregger. Heute war ich bey Hofrichter Spängler mit der Lürzer Pepi, wo es recht angenehm war, dan spielten wir noch bey Spängler Tarok wo die Lürzer auf die Pepi wartet, um 7 Uhr ging ich zu Hauße und nun habe ich an dich lieber Franz geschrieben. Lebe nun recht wohl mein lieber guter Franz sey recht inig gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) war Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint (so ebenfalls in einem Brief von 1885).
    
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[Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler]: Salzburg 1.12.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Ich habe dir schon das letzte mahl versprochen dir zu deinem Namenstag wieder zu schreiben. Lieber Franz nim heute die herzlichsten aufrichtigsten Wünsche gütig an, und sey versichert, das mir dein Wohl und Weh immer recht nah am Herzen liegt, das ich recht oft für dich bethe, das dich der liebe gott recht glücklich werden lasse. – das Sein Göttlicher Segen immer bey dir verbleibe, - und das du so leben mögest, daß du für Zeit – und Ewigkeit gesichert seyst, der lieben gott wolle meine heißen Wünsche [...]. [über der Anrede, auf dem Kopf:] Kathi küßt deine Hände und wünscht alles gute zum Nammenstag. Denke dir ich kaufe öfter einen kleinen theil ein XXX XXX, wo man heuer auf den Mark bekömmt. / Das Nammensfestgeschenk bekömmst du zusammen zum Christkind – kömmst du so gebe ich dir es selbst – wo nicht so schücke ich es dir. Der kleine Otto läßt dir auch alles gute Wünschen, der war gestern mein Gast, Otto und Louise waren in Werfen und da habe ich ihn für einen Tag eingeladen, was er sehr wohl schon versteht, er spricht alles und weiß sich sehr gut außzudrücken, gestern sagte Otto bey Tisch: wen Onkl Franz kömmt dan lange dableiben, nicht gleich fortgehen, dan sagte ich ob ich dir es schreiben soll, dan sagte er, Otto auch schreiben, mit den Papa. Denke dir lieber Franz die Sauter in Inspruck war dieser Tage auf den Tod krank an einer Lungenentzündung es geht aber Gottlob beßer. Die Ida Schißl war so freundlich uns täglich durch eine Corespondenz-Karte uns das fortschreiten der Beßerung anzuzeigen gestern kam keine, daher hoffe ich sicherlich sie fand es nicht mehr für nöthig, jedoch heute erwarten wir schon eine es ist möglich ich gebe den Brief erst morgen auf, vieleicht kan ich dir dan das Befinden noch hinein setzen. Eduard Spängler ist bey der neuen Montan geselschaft nicht untergekommen, es ist glücklicherweise, in Hallstatt ganz zufrieden, und kann daher leicht zuwarten, bis etwas beßeres kömmt. Sie haben einige Beamte entlassen, und keine neuen angestellt. Otto ist gestern Abends wieder von Werfen zurück gekommen war in der Rückfahrt 3 Stund auf den Weg mit Halhofer beysammen er fuhr dan mit ihnen nach Hallein, wo diese dan nach Salzburg fuhren und er wieder nach Hauße ging. Heute haben wir den ersten Wintertag, aber in diesem Augenblück sehr schön, und heiter. Gestern war ich mit den Duregger, und Emile und Henf Rosalie in Kreutzbrückl zur Jause. Es war ganz angenehm. Ich soll dir von so vielen Bekannten zum Nammenstag alles Schöne bringen, besonders Fräulein Rosalie Spängler Lürzer Alois Spängler, Stipitz, Anhl [?], Otto. Lebe recht wohl noch einmal meinen Segen über dich, und alles was dein ist. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler. [auf dem Kopf:] Den 2.1. Nachricht ist keine gekommen von Inspruck. - Der „kleine Otto“ Spängler ist im Juni 1868 geboren, also zweieinhalb Jahre alt. – „#Sauter Innsbruck“: Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den „Vetter“ Ludwig Sauter; siehe Brief vom 2.10.1870. – „Eduard Spängler“ (1839-1883), ein Neffe der Mutter Spängler (Eduard Spängler wohnt zeitweise Alter Markt Nr.2 in Salzburg, eigenes Foto 2014)
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[Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]: Salzburg 1.12.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Ich habe dir schon das letzte mahl versprochen dir zu deinem Namenstag wieder zu schreiben. Lieber Franz nim heute die herzlichsten aufrichtigsten Wünsche gütig an, und sey versichert, das mir dein Wohl und Weh immer recht nah am Herzen liegt, das ich recht oft für dich bethe, das dich der liebe gott recht glücklich werden lasse. – das Sein Göttlicher Segen immer bey dir verbleibe, - und das du so leben mögest, daß du für Zeit – und Ewigkeit gesichert seyst, der lieben gott wolle meine heißen Wünsche [...]. [über der Anrede, auf dem Kopf:] Kathi küßt deine Hände und wünscht alles gute zum Nammenstag. Denke dir ich kaufe öfter einen kleinen theil ein XXX XXX, wo man heuer auf den Mark bekömmt. / Das Nammensfestgeschenk bekömmst du zusammen zum Christkind – kömmst du so gebe ich dir es selbst – wo nicht so schücke ich es dir. Der kleine Otto läßt dir auch alles gute Wünschen, der war gestern mein Gast, Otto und Louise waren in Werfen und da habe ich ihn für einen Tag eingeladen, was er sehr wohl schon versteht, er spricht alles und weiß sich sehr gut außzudrücken, gestern sagte Otto bey Tisch: wen Onkl Franz kömmt dan lange dableiben, nicht gleich fortgehen, dan sagte ich ob ich dir es schreiben soll, dan sagte er, Otto auch schreiben, mit den Papa. Denke dir lieber Franz die Sauter in Inspruck war dieser Tage auf den Tod krank an einer Lungenentzündung es geht aber Gottlob beßer. Die Ida Schißl war so freundlich uns täglich durch eine Corespondenz-Karte uns das fortschreiten der Beßerung anzuzeigen gestern kam keine, daher hoffe ich sicherlich sie fand es nicht mehr für nöthig, jedoch heute erwarten wir schon eine es ist möglich ich gebe den Brief erst morgen auf, vieleicht kan ich dir dan das Befinden noch hinein setzen. Eduard Spängler ist bey der neuen Montan geselschaft nicht untergekommen, es ist glücklicherweise, in Hallstatt ganz zufrieden, und kann daher leicht zuwarten, bis etwas beßeres kömmt. Sie haben einige Beamte entlassen, und keine neuen angestellt. Otto ist gestern Abends wieder von Werfen zurück gekommen war in der Rückfahrt 3 Stund auf den Weg mit Halhofer beysammen er fuhr dan mit ihnen nach Hallein, wo diese dan nach Salzburg fuhren und er wieder nach Hauße ging. Heute haben wir den ersten Wintertag, aber in diesem Augenblück sehr schön, und heiter. Gestern war ich mit den Duregger, und Emile und Henf Rosalie in Kreutzbrückl zur Jause. Es war ganz angenehm. Ich soll dir von so vielen Bekannten zum Nammenstag alles Schöne bringen, besonders Fräulein Rosalie Spängler Lürzer Alois Spängler, Stipitz, Anhl [?], Otto. Lebe recht wohl noch einmal meinen Segen über dich, und alles was dein ist. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler. [auf dem Kopf:] Den 2.1. Nachricht ist keine gekommen von Inspruck. - Der „kleine Otto“ Spängler ist im Juni 1868 geboren, also zweieinhalb Jahre alt. – „#Sauter Innsbruck“: Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den „Vetter“ Ludwig Sauter; siehe Brief vom 2.10.1870. – „Eduard Spängler“ (1839-1883), ein Neffe der Mutter Spängler (Eduard Spängler wohnt zeitweise Alter Markt Nr.2 in Salzburg, eigenes Foto 2014)
 
    
 
    
 
Salzburg Alter Markt 2, rechts fängt die Judengasse an (Gasthof Hölle)
 
Salzburg Alter Markt 2, rechts fängt die Judengasse an (Gasthof Hölle)
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==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler]: Salzburg 23.12.70: Mein innigstgeliebter Franz! Wie leid thut es mir, daß du diese Weihnachten nicht bey uns zubringen kannst, ich freute mich schon lange auf diese Zeit, in der Hoffnung meinen lieben Franz zu sehen- aber wie es in der Welt geht, man darf sich auf nichts freuen- in gottes Nahmen, man muß sich in das unabenderliche fügen. Alle bedauern schon dein nicht kommen, beyliegend sende ich dir eine ungesottene Zunge, vieleicht kannst du selbe in deinen Ofen sieden es ist auch die Suppe dann sehr gut. Ich hoffe es soll auch die Zunge sehr gut sein aber sie muß so lange gesotten werden bis sie weich ist und gut schellen [schälen] läßt warm essen ist viel gesünder als kalt, und grumberne [Kartoffeln] kann dazu. Lasse dir selbe recht gut schmecken. Auch sende ich anliegend 5 fl damit du dir kauffen kannst was du wilst auch habe ich die Stützeln gestrückt damit du zu die Komissionen etwas warmmes hast, die Stiefl wird Otto das nächste mahl bringen die Krägen zu ändern wird sehr schwer fallen weil in der Mitte Rückwerts ein Knopfloch ist alles weg zu nehmen wird zu viel sein, ich werde sehen was sich machen laßt. Ich denke sie sind beim Bügeln in die Weite gezogen worden. Lieber Franz es ist zu viel daß du mir noch etwas kaufen laßest, da du mir ja ohnehin schon die hübsche Jophe geschückt hast. Ich danke dir recht herzlich dafür. Ich wünsche dir von ganzen Herzen recht glückliche Feyertage, und auch ein recht glückliches neues Jahr, ich denke zwar daß wir bis dahin noch schreiben aber man kann nicht gewißes sagen ziehe frei ja jetzt die Wollenen Sechel an sowol Baumwoll als auch die Schafwollsocken. Den es ist hier sehr kalt, vieleicht ist es auch dort so. Lieber Franz dir noch herzlich dankend und dir noch alles gute wünschend verbleibe ich in aller Liebe deine dich segnende Mutter Spängler – Alle Bekanten bedauern dein nicht kommen die beiden Langer haben schon verabredet wan sie dich einladen, so sagte sie mir von einer ¼ Stund. Der Kriefant [?] Minna wurde gestern Abends um ½ 9 Uhr [e]in neugemachter Mantl und eine hübsche Jophe gestollen vom Nagl an der Thür. – [Mit anderer Schrift; der Bruder Otto:] An meinen lieben Franz. Lieber Franz! Eben bei Schluß des Briefes fällt mir ein, wenn du etwa ein Klezenbrod wolltest, so bitte ich es zu vermelden; es würde mir ein Vergnügen sein, dir eins zu senden. - „Langer“: Familie von der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz].
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[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]: Salzburg 23.12.70: Mein innigstgeliebter Franz! Wie leid thut es mir, daß du diese Weihnachten nicht bey uns zubringen kannst, ich freute mich schon lange auf diese Zeit, in der Hoffnung meinen lieben Franz zu sehen- aber wie es in der Welt geht, man darf sich auf nichts freuen- in gottes Nahmen, man muß sich in das unabenderliche fügen. Alle bedauern schon dein nicht kommen, beyliegend sende ich dir eine ungesottene Zunge, vieleicht kannst du selbe in deinen Ofen sieden es ist auch die Suppe dann sehr gut. Ich hoffe es soll auch die Zunge sehr gut sein aber sie muß so lange gesotten werden bis sie weich ist und gut schellen [schälen] läßt warm essen ist viel gesünder als kalt, und grumberne [Kartoffeln] kann dazu. Lasse dir selbe recht gut schmecken. Auch sende ich anliegend 5 fl damit du dir kauffen kannst was du wilst auch habe ich die Stützeln gestrückt damit du zu die Komissionen etwas warmmes hast, die Stiefl wird Otto das nächste mahl bringen die Krägen zu ändern wird sehr schwer fallen weil in der Mitte Rückwerts ein Knopfloch ist alles weg zu nehmen wird zu viel sein, ich werde sehen was sich machen laßt. Ich denke sie sind beim Bügeln in die Weite gezogen worden. Lieber Franz es ist zu viel daß du mir noch etwas kaufen laßest, da du mir ja ohnehin schon die hübsche Jophe geschückt hast. Ich danke dir recht herzlich dafür. Ich wünsche dir von ganzen Herzen recht glückliche Feyertage, und auch ein recht glückliches neues Jahr, ich denke zwar daß wir bis dahin noch schreiben aber man kann nicht gewißes sagen ziehe frei ja jetzt die Wollenen Sechel an sowol Baumwoll als auch die Schafwollsocken. Den es ist hier sehr kalt, vieleicht ist es auch dort so. Lieber Franz dir noch herzlich dankend und dir noch alles gute wünschend verbleibe ich in aller Liebe deine dich segnende Mutter Spängler – Alle Bekanten bedauern dein nicht kommen die beiden Langer haben schon verabredet wan sie dich einladen, so sagte sie mir von einer ¼ Stund. Der Kriefant [?] Minna wurde gestern Abends um ½ 9 Uhr [e]in neugemachter Mantl und eine hübsche Jophe gestollen vom Nagl an der Thür. – [Mit anderer Schrift; der Bruder Otto:] An meinen lieben Franz. Lieber Franz! Eben bei Schluß des Briefes fällt mir ein, wenn du etwa ein Klezenbrod wolltest, so bitte ich es zu vermelden; es würde mir ein Vergnügen sein, dir eins zu senden. - „Langer“: Familie von der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz].
    
=== 1871 ===
 
=== 1871 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
    
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ====
[1871; Brief von Nr.37 Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg 4.1.71: Mein innigstgeliebter Franz! Vor allen meinen herzlichsten Dank für deinen glückwunsch zum neuen Jahr. Möge der liebe gott alle deine Wünsche in Erfühlung bringen. Leute kammen genug mir kamm es vor, als wen die Leute wieder anfingen die Neujahr-Wünsche zu erneuern. Ich darf erst jetzt noch einige Nachzuhollen, welche erst um ½ 1 Uhr Mittag kammen unter andern auch die Hedwich Langer [?], ich war bey ihr noch nicht dort den[n] gestern und heute hatte ich noch nicht zeit. Du hast wie mir scheint den heil Abend doch gottlob ganz gut zugebracht. Bey Spängler war es auch ganz angenehm. Ich bekamm auß Scherz eine alte Hrer [?] scho[ö]n verzirt mit rothen Bändern und neue Tarokkarte ich konte beydes brauchen. ich kaufte für die Ida ein sehr hübsches Portmonn. Bey Otto bekamm ich einen sehr hübschen und warmen Schwanz seiden Gaprschen [?] welcher mir sehr gut taugt dan[n] sehr hübsche Vorhänge für das hübsche Zimmer welche mich auch sehr freuen, wen[n] du einmal kömmst dan[n] werden sie Baredizen [? z.T. latein geschrieben] ich gab der Louise so Spulben Poletirte welche sie auf den Tisch stellen und herab strüken sie hat sie sich gewunschen und ein paar hübsche Handschuhe, den großen Otto habe ich zum Siglring 5 fl dazu gegeben, und damit war es fertig, den Kindern strükte ich jeden ein paar hochrothe Strümpfe jeden 1 paar Stützerln den [kleinen] Otto kaufte ich ein Schachtel Soltaten der Paula eine Schachtel holzernes Kichengeschirr. den Maxl einen hübschen Hanswurst zum Ziehen. Am Weihnachtstag war ich zu Mittag bey Duregger geladen. Am letzten Montag habe ich sammtliche Famile nebst Schißtl [?] Nachmittag bey mir. Am Abend am Weihnachts Tag wurde ich wider bey Duregger geholt zum spillen, und am Silfester Abend war ich auch zum speisen und Punsch geladen, wo es sehr angenehm war. 5te Gestern konnte ich nicht weiter schreiben. Morgen bin ich bey der Ida für Nachmittag geladen. Heute Abends kömt Fräulein Rosalie [Henf] welche sich dir bestens empfiehlt. Gestern und Vorgestern war ich den ganzen Nachmittag bey den Kindern oben, und so vergehen mir die Tage immer zu schnell. Denke dir zu Neujahr schrieb mir die Schwester Theunser [?] das sie auf einem Au den schwarzen Staar habe, und gar nichts sieht darauf, und der Doktor fürchtet auch für das 2te Aug, die Lizzi ist sonst recht hinfällig. Es ist halt ein Kreutz, wen man alt wird. Die Sauter Charlotte ist auch sehr krank an einer Lungenentzündung gestern ist es etwas besser gegangen heute weiß ich es noch nicht. Ich hoffe zu gott, das es sich wieder beßern wird. Ist es bey Euch auch so kalt, bey uns ist es sehr kalt ich heitze den ganzen Tag und auch im außeren Zimer damit es bey uns leichter ergibt. Allen war sehr leid das du nicht gekommen bist, für den Heil Abend. Wo warst du den am Neujahrstag? Ich war bey den F Rosalie [Henf] geladen. Ich habe schon recht fleißig für dich gebethet, daß du in jeder Beziehung recht glücklich wirst. Die Stiefleten wird Otto schon mitnehmen wen er nach Wien geht die Krägen habe ich der Weitzner Pepi gegeben ich getraue sie mir nicht zu machen sie sagt sie wird sehen was sich machen läßt wird was so bekömmst du dieselben durch Otto. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich deine dich treuliebende Mutter Spängler / Alle Bekante grüßen dich recht herzlich. - „Langer“: Familie der Frau von einem Cousin von Franz, Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz]. – Den Namen „Spängler“ schreibt sie wie ihre eigene Unterschrift als Familiennamen in ihrer sonst deutschen Schrift lateinisch. – „bei den Kindern oben“: Familie des Sohns Otto Spängler, wohnt im selben Haus, Mozartplatz 4 [Salzburgwiki.at:] Das [[Antretterhaus]] am Mozartplatz Nr.4 in der Salzburger Altstadt ist das ehemalige Stadtpalais des Adelsgeschlechtes Rehlingen mit der Hauskapelle Mariae Himmelfahrt. Daran schließt das 1620 erbaute niedrige Imhofstöckl an. Der gut gegliederte Bau mit seinen zwei Höfen und dem reich gegliederten Korbbogenportal entstand in der Zeit zwischen dem 16. und 18.Jh. Die Fassaden mit den gekurvten Fensterumrahmungen stammen aus den Jahren um 1760.
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[1871; Brief von Nr.37 Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1872 verh. mit Fanni Schlegel]: Salzburg 4.1.71: Mein innigstgeliebter Franz! Vor allen meinen herzlichsten Dank für deinen glückwunsch zum neuen Jahr. Möge der liebe gott alle deine Wünsche in Erfühlung bringen. Leute kammen genug mir kamm es vor, als wen die Leute wieder anfingen die Neujahr-Wünsche zu erneuern. Ich darf erst jetzt noch einige Nachzuhollen, welche erst um ½ 1 Uhr Mittag kammen unter andern auch die Hedwich Langer [?], ich war bey ihr noch nicht dort den[n] gestern und heute hatte ich noch nicht zeit. Du hast wie mir scheint den heil Abend doch gottlob ganz gut zugebracht. Bey Spängler war es auch ganz angenehm. Ich bekamm auß Scherz eine alte Hrer [?] scho[ö]n verzirt mit rothen Bändern und neue Tarokkarte ich konte beydes brauchen. ich kaufte für die Ida ein sehr hübsches Portmonn. Bey Otto bekamm ich einen sehr hübschen und warmen Schwanz seiden Gaprschen [?] welcher mir sehr gut taugt dan[n] sehr hübsche Vorhänge für das hübsche Zimmer welche mich auch sehr freuen, wen[n] du einmal kömmst dan[n] werden sie Baredizen [? z.T. latein geschrieben] ich gab der Louise so Spulben Poletirte welche sie auf den Tisch stellen und herab strüken sie hat sie sich gewunschen und ein paar hübsche Handschuhe, den großen Otto habe ich zum Siglring 5 fl dazu gegeben, und damit war es fertig, den Kindern strükte ich jeden ein paar hochrothe Strümpfe jeden 1 paar Stützerln den [kleinen] Otto kaufte ich ein Schachtel Soltaten der Paula eine Schachtel holzernes Kichengeschirr. den Maxl einen hübschen Hanswurst zum Ziehen. Am Weihnachtstag war ich zu Mittag bey Duregger geladen. Am letzten Montag habe ich sammtliche Famile nebst Schißtl [?] Nachmittag bey mir. Am Abend am Weihnachts Tag wurde ich wider bey Duregger geholt zum spillen, und am Silfester Abend war ich auch zum speisen und Punsch geladen, wo es sehr angenehm war. 5te Gestern konnte ich nicht weiter schreiben. Morgen bin ich bey der Ida für Nachmittag geladen. Heute Abends kömt Fräulein Rosalie [Henf] welche sich dir bestens empfiehlt. Gestern und Vorgestern war ich den ganzen Nachmittag bey den Kindern oben, und so vergehen mir die Tage immer zu schnell. Denke dir zu Neujahr schrieb mir die Schwester Theunser [?] das sie auf einem Au den schwarzen Staar habe, und gar nichts sieht darauf, und der Doktor fürchtet auch für das 2te Aug, die Lizzi ist sonst recht hinfällig. Es ist halt ein Kreutz, wen man alt wird. Die Sauter Charlotte ist auch sehr krank an einer Lungenentzündung gestern ist es etwas besser gegangen heute weiß ich es noch nicht. Ich hoffe zu gott, das es sich wieder beßern wird. Ist es bey Euch auch so kalt, bey uns ist es sehr kalt ich heitze den ganzen Tag und auch im außeren Zimer damit es bey uns leichter ergibt. Allen war sehr leid das du nicht gekommen bist, für den Heil Abend. Wo warst du den am Neujahrstag? Ich war bey den F Rosalie [Henf] geladen. Ich habe schon recht fleißig für dich gebethet, daß du in jeder Beziehung recht glücklich wirst. Die Stiefleten wird Otto schon mitnehmen wen er nach Wien geht die Krägen habe ich der Weitzner Pepi gegeben ich getraue sie mir nicht zu machen sie sagt sie wird sehen was sich machen läßt wird was so bekömmst du dieselben durch Otto. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich deine dich treuliebende Mutter Spängler / Alle Bekante grüßen dich recht herzlich. - „Langer“: Familie der Frau von einem Cousin von Franz, Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz]. – Den Namen „Spängler“ schreibt sie wie ihre eigene Unterschrift als Familiennamen in ihrer sonst deutschen Schrift lateinisch. – „bei den Kindern oben“: Familie des Sohns Otto Spängler, wohnt im selben Haus, Mozartplatz 4 [Salzburgwiki.at:] Das [[Antretterhaus]] am Mozartplatz Nr.4 in der Salzburger Altstadt ist das ehemalige Stadtpalais des Adelsgeschlechtes Rehlingen mit der Hauskapelle Mariae Himmelfahrt. Daran schließt das 1620 erbaute niedrige Imhofstöckl an. Der gut gegliederte Bau mit seinen zwei Höfen und dem reich gegliederten Korbbogenportal entstand in der Zeit zwischen dem 16. und 18.Jh. Die Fassaden mit den gekurvten Fensterumrahmungen stammen aus den Jahren um 1760.
    
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Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler: Salzburg den 13.2.[18]71/ Mein liebster theuerster Franz! Daß ich von dir einen Brief erhalten habe ist schon sehr lange, und wie mir scheint nimt dich der Fasching so sehr in Anspruch. Den[n] wie wir durch Pireago [?] erfahren solst du jede Woche 2 Bälle in Wien mitmachen/ das ist doch gewiß, sehr viel -/ mir wird oft recht bange für deine Gesundheit, - und ich danke den lieben Gott, wen[n] der Fasching vorüber ist, Otto und Louise sind nirgens hingegangen, die Voch [Woche] wen[n] nur einmal, auf ein paar Stunden, ins [fehlt ein Wort?] schauen. Ich bin sehr froh, das die Krägen recht sind, so bist du in dieser Beziehung gut bestehlt. - Die Sachen wen ich sie bekomme werde ich sogleich außnähen, ich habe auch jetzt leichter Zeit, da der kleine Max nicht mehr lebt bin ich im bewirten mehr wieder für mich. Die Spängler Oma geht heuer gar auf keinen Ball, Sie sagt, sie müßte sich alles neu anschaffen und das freut sie nicht. Die Frau von glanz [?] ist neulich ganz je gestorben als sie ins Bett gestiegen/ die guggenbühler ist auch zum sterben, man hat ihr heute Nacht schon 3 mal das Licht eingehalten im Wochenbett. Die Prohascha soll auch sehr schlecht sein in Wochenbett. Ich freue mich den Adolf seine Gattin kennen zu lernen. Den Fasching Montag Abends bin ich bey Hothschizkas eingeladen und am Fasching dienstag bey dureggers so gott will das alles gesund bleibt, Was man nie sagen kann, Wie ich hoffe bist du lieber Franz gesund, ich hatte schon lange einen Husten und Schnupfen noch im[m]er, und gehe Abends sehr wenig auß/ bey Schmelzing sind beyde Unwohl, er hat starken Husten Sie liegt. schon lange an der Gicht. Eben höre ich das die Junge Wolfstein an den Folgen des Wochenbett sehr krank sein soll. Wegen: LXX Betti [Katzinger] lasse ich es den Otto üben es zu schreiben. Nun ist die Zahl der hübschen heurathsmeßigen Frauenzimmer nicht mehr groß. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz schon deine Gesundheit, und sey recht herzlich gegrüßt und geküßt von deiner treuen Mutter Spängler/ Ein menge Bekante grüßen dich recht herzlich. Otto der kleine läßt dich recht schön grüßen, er glaubt immer du schreibst an ihm großmutter lies mir den Brief vor sagt er oft. - Vielfach ist kein Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen „d“ zu sehen; kleines „d“ auch im Satzanfang wurde entsprechend nicht korrigiert [sollte aber vielleicht doch stehen]. Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [geb. Lürzer; Nr.37], geb. 1803, verh. mit Franz Spängler [Nr.36]; gest. 1882 in Salzburg. Sie wohnen im Haus „Nr.48“, heute Mozartplatz 4 in Salzburg. Geschrieben an den Sohn Franz Spängler, geb. 1839 [Nr.18]; 1870 am Gericht in Mödling (1874 dann in Wien). - „Fasching“: bereits das Tagebuch von Franz Spängler von 1860/61 beginnt mit sehr ausführlichen Schilderungen der Tanzveranstaltungen in der Faschingszeit. Franz Spängler notiert genau, mit wem er welchen Tanz hatte, und das über viele Stunden hinweg. - „Otto und Louise“: Bruder Otto Spängler, verh. Aloisia Duregger; „Prohascha“: wahrscheinlich Prochaska (vgl. Dopsch, 1996, S. 698, Anm.154); „der kleine Max“: Bruder von [dem kleinen] Otto, geb. 1870, gest. 26.1 1871; „die Spängler Oma“: wohl Fanny Kobler [?], geb. 1796, siehe Briefschreiberin unten. - „Duregger“: Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette Bolland (sie: 1810-1892; zu dem Bankhaus Duregger-Spängler vgl. Dopsch, 1996, S. 409); „Otto der kleine“: Otto Spängler, geb. 1868.  
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Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler: Salzburg den 13.2.[18]71/ Mein liebster theuerster Franz! Daß ich von dir einen Brief erhalten habe ist schon sehr lange, und wie mir scheint nimt dich der Fasching so sehr in Anspruch. Den[n] wie wir durch Pireago [?] erfahren solst du jede Woche 2 Bälle in Wien mitmachen/ das ist doch gewiß, sehr viel -/ mir wird oft recht bange für deine Gesundheit, - und ich danke den lieben Gott, wen[n] der Fasching vorüber ist, Otto und Louise sind nirgens hingegangen, die Voch [Woche] wen[n] nur einmal, auf ein paar Stunden, ins [fehlt ein Wort?] schauen. Ich bin sehr froh, das die Krägen recht sind, so bist du in dieser Beziehung gut bestehlt. - Die Sachen wen ich sie bekomme werde ich sogleich außnähen, ich habe auch jetzt leichter Zeit, da der kleine Max nicht mehr lebt bin ich im bewirten mehr wieder für mich. Die Spängler Oma geht heuer gar auf keinen Ball, Sie sagt, sie müßte sich alles neu anschaffen und das freut sie nicht. Die Frau von glanz [?] ist neulich ganz je gestorben als sie ins Bett gestiegen/ die guggenbühler ist auch zum sterben, man hat ihr heute Nacht schon 3 mal das Licht eingehalten im Wochenbett. Die Prohascha soll auch sehr schlecht sein in Wochenbett. Ich freue mich den Adolf seine Gattin kennen zu lernen. Den Fasching Montag Abends bin ich bey Hothschizkas eingeladen und am Fasching dienstag bey dureggers so gott will das alles gesund bleibt, Was man nie sagen kann, Wie ich hoffe bist du lieber Franz gesund, ich hatte schon lange einen Husten und Schnupfen noch im[m]er, und gehe Abends sehr wenig auß/ bey Schmelzing sind beyde Unwohl, er hat starken Husten Sie liegt. schon lange an der Gicht. Eben höre ich das die Junge Wolfstein an den Folgen des Wochenbett sehr krank sein soll. Wegen: LXX Betti [Katzinger] lasse ich es den Otto üben es zu schreiben. Nun ist die Zahl der hübschen heurathsmeßigen Frauenzimmer nicht mehr groß. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz schon deine Gesundheit, und sey recht herzlich gegrüßt und geküßt von deiner treuen Mutter Spängler/ Ein menge Bekante grüßen dich recht herzlich. Otto der kleine läßt dich recht schön grüßen, er glaubt immer du schreibst an ihm großmutter lies mir den Brief vor sagt er oft. - Vielfach ist kein Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen „d“ zu sehen; kleines „d“ auch im Satzanfang wurde entsprechend nicht korrigiert [sollte aber vielleicht doch stehen]. Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [geb. Lürzer; Nr.37], geb. 1803, verh. mit Franz Spängler [Nr.36]; gest. 1882 in Salzburg. Sie wohnen im Haus „Nr.48“, heute Mozartplatz 4 in Salzburg. Geschrieben an den Sohn Franz Spängler, geb. 1839 [Nr. 18]; 1870 am Gericht in Mödling (1874 dann in Wien). - „Fasching“: bereits das Tagebuch von Franz Spängler von 1860/61 beginnt mit sehr ausführlichen Schilderungen der Tanzveranstaltungen in der Faschingszeit. Franz Spängler notiert genau, mit wem er welchen Tanz hatte, und das über viele Stunden hinweg. - „Otto und Louise“: Bruder Otto Spängler, verh. Aloisia Duregger; „Prohascha“: wahrscheinlich Prochaska (vgl. Dopsch, 1996, S. 698, Anm.154); „der kleine Max“: Bruder von [dem kleinen] Otto, geb. 1870, gest. 26.1 1871; „die Spängler Oma“: wohl Fanny Kobler [?], geb. 1796, siehe Briefschreiberin unten. - „Duregger“: Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette Bolland (sie: 1810-1892; zu dem Bankhaus Duregger-Spängler vgl. Dopsch, 1996, S. 409); „Otto der kleine“: Otto Spängler, geb. 1868.  
    
==== Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
Franz Spängler [Nr.18] an FANNI SCHLEGEL [Nr.19]: Brief heute früh zu meiner Freude erhalten, ausführliche Antwort nächstens. - Mdlg [Mödling] 24.6.1871 - Postkarte von Franz Spängler [Nr.18] aus Mödling an seine spätere Frau [Nr.19], „Frl Fanny Schlegel, Marktplatz, Salzburg“, gestempelt Mödling, ohne Datum, und Salzburg 25.6.71.
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Franz Spängler [Nr. 18] an Fanni Schlegel [Nr.19]: Brief heute früh zu meiner Freude erhalten, ausführliche Antwort nächstens. - Mdlg [Mödling] 24.6.1871 - Postkarte von Franz Spängler [Nr. 18] aus Mödling an seine spätere Frau [Nr.19], „Frl Fanny Schlegel, Marktplatz, Salzburg“, gestempelt Mödling, ohne Datum, und Salzburg 25.6.71.
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Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, 1848-1905, an Franz = Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen (z.T. auf- und ausgerissen, z.T. fehlen Briefmarken usw.) „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“: 1.7.1871. – 25.7.71. – 17.9.71 von einem Freund aus Reutlingen. – 19.9.71. – 6.10.71 Karte. – 6.10.71 Brief. – 10.10.71. – Entsprechende Briefe von Franz = Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ = heute Alter Markt Nr.10; durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, insgesamt gut erhalten: 29.8.71 von einer Freundin (?), d.G. [durch Boten]. – 30.8.71 nach Bad Adelholzen in Bayern. – 20.12.71. – 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. – Angefügt: Brief ohne Umschlag 9.3.72 von Ludwig Zeller, Salzburg. – 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. – 24.9. ohne Jahr [1880er Jahre] von ?, Dank für Kinderfotos.
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Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, * 1848; † 1905, an Franz = Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen (z.T. auf- und ausgerissen, z.T. fehlen Briefmarken usw.) „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“: 1.7.1871. – 25.7.71. – 17.9.71 von einem Freund aus Reutlingen. – 19.9.71. – 6.10.71 Karte. – 6.10.71 Brief. – 10.10.71. – Entsprechende Briefe von Franz = Nr. 18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ = heute Alter Markt Nr.10; durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, insgesamt gut erhalten: 29.8.71 von einer Freundin (?), d.G. [durch Boten]. – 30.8.71 nach Bad Adelholzen in Bayern. – 20.12.71. – 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. – Angefügt: Brief ohne Umschlag 9.3.72 von Ludwig Zeller, Salzburg. – 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. – 24.9. ohne Jahr [1880er Jahre] von ?, Dank für Kinderfotos.
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Briefe u.ä. [rot verschnürt, nicht gelesen] von verschiedenen Personen an Nr.18 Franz Spängler: Blatt unbekannter Herkunft mit Beschreibung „...[Salzburg] Nachtwandler... Dr.Franz Spängler in Gedanken tief versunken... Marktplatz dann Milchgassel...“; Bleistiftzeichnung ohne Hinweise: Franz Sp. verspeist ein Ferkel [Foto bei Nr.18]; kleines Blatt „Meinem guten lieben Dr. Franz... treu ergebener Schlögelhofer“; Salzburg 21.8.1843 [?]... Die Hofrichtrischen [Spängler] lassen dich ganz besonders grüßen.“; Salzburg 6.6.1867 [?]... Franz Zeller“; Salzburg 2.8.1871... , ... Lanser, beiliegend Visitenkarte „Madame Auguste d’Engerth née Lanser de Moos et Festenstein.“; „A.K.“ Kuchl 30.11.1871, Mein lieber Freund!... dein stets dankschuldiger Freund Al. Kalhofer Caaej. [? Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = „Alois Kalhofer, 1854“]; Wien 28.6.1872 mit Umschlag ...Dr.Franz Spaengler... Mödling... „Geehrter Herr!... Eduard Herbst [?]; Postkarte Wien 3.11.1874 an Franz Sp. Mödling... Glückwünsche; Postkarte Kitzbichl 14.8.1893 an Familie Spängler Salzburg „Haus zur Hölle Judengasse“ von Familie A. „...im Namen aller Elsa“. [keine Verweise geschrieben] – Von mir zusammengebunden mit: Briefe [nicht gelesen] an 18 von Nr.18 a Otto Spängler: „Donnerstag früh. Lieber Franz!... finanzielle Abrechnungen 1872; Briefbogen „Regierungsrat Dr.Otto Spängler Salzburg“ „Lieber Franz!... [ohne Datum] dein treuer Otto“. - Von mir zusammengebunden mit: Briefe u.ä. [nicht gelesen], Nr.18 betreffend: Notizen von Franz Sp.: „Georg Spängler, Bürger. Wirt u Gastgeb in Stertzing / dessen Bruder Hanß Spangler Wirt u Gastgeb am Sandt in der Herrschaft Tauffers / Georg Spängler Weingutbesitzer in Dietenheim bei Bruneck (geb. um 1681) Sohn Franz Anton geb 1705“;  finanzielle Notizen, ohne Jahr; Briefrest ...“behalte lieb deinen treuen Franz“ und Auflistung 20.Jänner mit einem Gedicht [?]...; Brief Mödling 18.1.1872 „Meine liebe Fanny!... [ohne Ende?]; Blatt „13“ bis 1.März“ mit Liebesbeteuerungen [?]; dito mit Bleistift „10.“ bis „30.“ und 31. Nachtrag 1833...1846“; mit Bleistift Notizen= Gästeliste [?]: Fanny / Franz / Großmutter [Fanny Kobler] / Mutter / Dr.Schlegel / u Frau / Dr.Otto Spängler / Louise / alte Laschenky / Frau Schneeberger / Richard / Rosa / Lida Schlegel / Dr.Scumacher / u Frau Emma / Wahl / Wahlin / Onkel Alois / u Tante / Tante Lürzer / Angest u. Anna / Resi Spängler / Praelat / Aichinger / Carl Spängler / Leopoldine u / Rudolf Spgl / Marie  / Lorinser Mina / Carl Laschensky / Gattermayr / Ludwig Zeller / Anna Spängl / Ida; Blatt mit Wohnungsskizze; Correspondenzliste 1860/61; kleiner Briefumschlag aufgerissen an Fanny Schlegel Hier Marktplaz, Franz Sp. Salzburg Aschermittwoch 1869, „Bitte“ in Mundart, zwei beschriebene Visitenkarten Franz Sp. Salzburg/Mödling 1871, „Liebe Lida u. Fanny!... Marie Wahl [?] 3.6.1871. [Keine Verweise zu den anderen Jahreszahlen geschrieben.]
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Briefe u.ä. [rot verschnürt, nicht gelesen] von verschiedenen Personen an Nr. 18 Franz Spängler: Blatt unbekannter Herkunft mit Beschreibung „...[Salzburg] Nachtwandler... Dr.Franz Spängler in Gedanken tief versunken... Marktplatz dann Milchgassel...“; Bleistiftzeichnung ohne Hinweise: Franz Sp. verspeist ein Ferkel [Foto bei Nr. 18]; kleines Blatt „Meinem guten lieben Dr. Franz... treu ergebener Schlögelhofer“; Salzburg 21.8.1843 [?]... Die Hofrichtrischen [Spängler] lassen dich ganz besonders grüßen.“; Salzburg 6.6.1867 [?]... Franz Zeller“; Salzburg 2.8.1871... , ... Lanser, beiliegend Visitenkarte „Madame Auguste d’Engerth née Lanser de Moos et Festenstein.“; „A.K.“ Kuchl 30.11.1871, Mein lieber Freund!... dein stets dankschuldiger Freund Al. Kalhofer Caaej. [? Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = „Alois Kalhofer, 1854“]; Wien 28.6.1872 mit Umschlag ...Dr.Franz Spaengler... Mödling... „Geehrter Herr!... Eduard Herbst [?]; Postkarte Wien 3.11.1874 an Franz Sp. Mödling... Glückwünsche; Postkarte Kitzbichl 14.8.1893 an Familie Spängler Salzburg „Haus zur Hölle Judengasse“ von Familie A. „...im Namen aller Elsa“. [keine Verweise geschrieben] – Von mir zusammengebunden mit: Briefe [nicht gelesen] an 18 von Nr. 18 a Otto Spängler: „Donnerstag früh. Lieber Franz!... finanzielle Abrechnungen 1872; Briefbogen „Regierungsrat Dr.Otto Spängler Salzburg“ „Lieber Franz!... [ohne Datum] dein treuer Otto“. - Von mir zusammengebunden mit: Briefe u.ä. [nicht gelesen], Nr. 18 betreffend: Notizen von Franz Sp.: „Georg Spängler, Bürger. Wirt u Gastgeb in Stertzing / dessen Bruder Hanß Spangler Wirt u Gastgeb am Sandt in der Herrschaft Tauffers / Georg Spängler Weingutbesitzer in Dietenheim bei Bruneck (geb. um 1681) Sohn Franz Anton geb 1705“;  finanzielle Notizen, ohne Jahr; Briefrest ...“behalte lieb deinen treuen Franz“ und Auflistung 20.Jänner mit einem Gedicht [?]...; Brief Mödling 18.1.1872 „Meine liebe Fanny!... [ohne Ende?]; Blatt „13“ bis 1.März“ mit Liebesbeteuerungen [?]; dito mit Bleistift „10.“ bis „30.“ und 31. Nachtrag 1833...1846“; mit Bleistift Notizen= Gästeliste [?]: Fanny / Franz / Großmutter [Fanny Kobler] / Mutter / Dr.Schlegel / u Frau / Dr.Otto Spängler / Louise / alte Laschenky / Frau Schneeberger / Richard / Rosa / Lida Schlegel / Dr.Scumacher / u Frau Emma / Wahl / Wahlin / Onkel Alois / u Tante / Tante Lürzer / Angest u. Anna / Resi Spängler / Praelat / Aichinger / Carl Spängler / Leopoldine u / Rudolf Spgl / Marie  / Lorinser Mina / Carl Laschensky / Gattermayr / Ludwig Zeller / Anna Spängl / Ida; Blatt mit Wohnungsskizze; Correspondenzliste 1860/61; kleiner Briefumschlag aufgerissen an Fanny Schlegel Hier Marktplaz, Franz Sp. Salzburg Aschermittwoch 1869, „Bitte“ in Mundart, zwei beschriebene Visitenkarten Franz Sp. Salzburg/Mödling 1871, „Liebe Lida u. Fanny!... Marie Wahl [?] 3.6.1871. [Keine Verweise zu den anderen Jahreszahlen geschrieben.]
    
==== Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
Franz Spängler an FANNI SCHLEGEL: Mödling 4 Sept. 1871/ Meine liebe Fanny! Heute Morgens 8 ½ Uhr - früher als ich gehofft hatte - erhielt ich Ihren lieben Brief, u. ich fühle mich verpflichtet, Ihnen insbesondere zu danken, d[a]ß Sie die lezten Augenblike Ihres Aufenthaltes in Adelholzen noch der Correspondenz mit mir widmeten, u. dann in Salzburg angelangt, sobald dieselbe fortsezten. - Daß Sie glüklich heimgekommen sind, freute mich zu hören, doch hatte ich dieß ohnehin gehofft. Auch danke ich Ihnen für die Beantwortung meiner Fragen, u. bin doppelt befriedigt dß jenes Ereigniß vom Fasching Dienstag 1869 Ihnen wieder eine angeneme Erinnerung verursacht, noch irgend welche Folgen nach sich gezogen hat. - Was die junge Baronin Haan betrifft so hoffe ich, dß Sie sich seinerzeit selbst überzeugen werden, dß eine „Schwärmerei“ für dieselbe bei mir dann doch nicht vorhanden ist, u. dß Sie keine Ursache zu einer Eifersucht haben werden/ Uebrigens neme ich die Versicherung, dß Sie zu dieser Leidenschaft keine Anlage in sich verspüren mit Vergnügen zur Kenntniß; u. ich kann nur den Wunsch u[nd] die Hoffnung aussprechen, dß dieß eine Kapitel nie, das nie im Ernst zwischen uns verhandelt werden möge. - Ich glaube auch, dß dieselbe wir im Stadium glüklichen Besize ganz fremd sein werde, wenn gleich ich nicht behaupten will, dß sie mir bisher ganz fremd geblieben sei; denn insbes. zu jener Zeit, wo ich, - sei es mit Recht od[er] Unrecht, - Karl Schmid von Lida für bevorzugt hielt, war sie in mir ziemlich rege. Doch das liegt nun als längst vergangen u. abgeschloßen hinter mir, u[nd] soll auch auf sich beruhen. - Heute haben wir die Landtagswal gehabt, u der von uns aufgestellte verfassungstreue Candidat ist hier sowol, als in den 3. andern Orten, die zu unserm Walbezirk gehören, mit großer Majorität gewält worden. Hiermit ist auch die Funktion des Walcomité zu Ende/ das glüklicher Weise ohnehin nicht gar viel zu thun hatte, u uns ist die Sache - was mir sehr angenem ist, so abgelaufen, dß ich nicht einmal in die Notwendigkeit kam, meiner Opposition gegen das jezige Ministerium öffentlichen Ausdruk zu geben. - Wenn ich noch etwas aus meinen hiesigen Verhältnißen heute bespreche/ so ist es das, dß die von mir ausgedrükte Befürchtung einer Störung des bisherigen collegialen Verhältnißes im Amte nicht dahin geht, dß der neue College sich unaufrichtig od falsch gegen uns benemen, od sich Verdrehungen, od Verhezungen schuldig machen werde/ sondern dahin, daß er nicht gerne arbeitet, u daher stets bemüht sein wird, so viel Arbeit als möglich von sich u auf uns hinüber zu wälzen. - Denn das ist eine Eigenschaft so vieler junger Leute, besonders derer die in sehr günstigen Vermögensverhältnissen aufgewachsen sind, zu glauben, dß sie dies Arbeiten anderen überlassen können/ dß sie für eine regelmäßige od gar angestrengte Thätigkeit zu gut seien. - Ich bin Gottlob dafür erzogen u auch durch meine bisherigen Verhältniße dazu geführt worden, die ehrliche Arbeit u. eine regelmäßige ernste, möglichst auch für andere Nuzen bringende Thätigkeit als eine Hpt[Haupt]aufgabe des Menschen anzusehen, treu dem schönen Worte Schillers. - Arbeit ist des Bürgers Zierde/ Segen ist der Mühe Preis/ Ehrt den König seine Würde,/ Ehret uns der Hände Fleiß. - Darin finde ich jene echte Bürgertugend, die den Staat u die menschliche Gesellschaft erhält u. stets neu belebt. Und ich hoffe u. erwarte, ja ich verlange von meiner Lebensgefährtin die gleiche Gesinnung, dieselbe echt bürgerliche Lebensanschauung u. diese Anschauung soll auch in meiner Familie - so Gott will - fortgepflanzt werden. - Diese Lebensauffassung ist aber gerade in Wien, wo es so viele mühelos reichgewordene Leute gibt, in manchen Kreisen abhanden gekommen, u gerade so häufig trifft man es daß die Söhne solcher Männer, die sich durch sich selbst durch ihre eigene Thätigkeit u. Zünftigkeit emporgebracht u. zu günstigen Vermögensverhältnißen u. einer schönen Lebensstellung erschwungen haben, statt nun den Genuß des von den Eltern erworbenen im Auge zu haben, aber es nicht mehr für nothwendig halten, diejenigen Eigenschaften ihres Vaters in sich zu pflegen, u. fortzu üben, durch die er u. mit ihm auch sie selbst das geworden sind was sie nun sind. - 5 Sept 1871 früh./ Wir haben nun wenigstens die Zusicherung einer Aushilfe erhalten, u ich hoffe daß der Auskultant der hieher kömmt, im Laufe dieser Woche kommen wird, u. dß er verwendbar ist; hievon wird es abhängen, ob ich noch Ende dieser Woche werde abkommen können, doch hoffe ich wenigstens das als gesichert betrachten zu dürfen, dß ich im Laufe des September nach Salzburg kommen kann. Wenn es möglich ist, werde ich sicher bis Freitag od Sonntag nach Salzburg [zu] kommen. Ich bitte Sie daher die Antwort auf diesen Brief mir entweder wo möglich schon bis Donnerstag hieher zu kommen zu lassen, od sonst ihn erst am Freitag, wenn ich nicht inzwischen nach Salzburg gekommen sein sollte abzusenden. Soll ich es Ihnen noch zuvor anzeigen, ob und wann ich komme? - Wenn ich mich nun auch so sehr freue, das zur festen Gestaltung gelangen zu sehen, was vor nun vollen 3 Monaten begonnen wurde, so kann ich mich doch öfters des Gedankens nicht erwehren/ ob ich denn wol Sie glüklich zu machen im Stande sein werde ob nicht so manche Eigenschaft sich in mir finden wird, die Ihnen mißfallen wird/ ob endlich nicht jene Stimmung, die schon einmal in einer Sie beunruhigenden Weise in einem meiner Briefe Ausdruk fand, u. die manchesmal - wenn auch nur vorübergehend - auch später noch sich einstellte, jene Stimmung in der ich von einem nicht auf ein würdiges Ziel gerichteten Ehrgeize, von einer zu großen Wertschäzung bloß an Äußerlichkeiten befangen, ja vielleicht geneigt war, selbst von jener echt bürger[lichen] Gesinnung/ die ich oben betonte, abzuweichen, sich in störender Weise wieder geltend machen könnte, u. Ihnen Schmerz bereiten könnte. Nemen Sie diese offenheit nicht übel, mißdeuten Sie diese Worte nicht; ich mußte dieß sagen, um offen gegen Sie zu sein; ich hoffe aber, dß insbesondere auch diese lezte Befürcht[un]g sich als grundlos herausstellen werde; ich hoffe, dß die getroffene glükliche Entscheidung u. Ihre Liebe mir die Kraft geben wird, solche Störungen, wenn sie überhaupt noch hereintreten sollten glüklich zu beseitigen. Gott gebe dazu die Gnade! - Doch ich muß mich für heute dem Schluße zuwenden; baldige Fortsetzung, sei es mündlich od schriftlich! - Zum Schluße nun noch das eine, dß mir die Mutter in ihrem lezten Briefe mittheilte, daß in Salzburg bereits von uns als Brautpaar gesprochen würde. Mein Bruder, den die Mutter vor kurzer Zeit die Sache mittheilte, hat mir auch bereits in diesem Sinne gratuliert/ Nun leben Sie recht wol, schreiben Sie mir recht bald, grüßen Sie die Großmutter u. seien Sie herzlichst gegrüßt u geküßt von Ihrem treuen/ D[r] Spängler - Franz Spängler (Mödling, Wien) an seine spätere Frau Fanni [er schreibt Fanny] Schlegel (Salzburg). Viele Wörter zusammengeschrieben (hier nicht vermerkt); Abkürzungen (‘u’ bzw. ‘u.’ für ‘und’; ‘od’ für ‘oder’) sind belassen; mehrfach ‘k’ für [heute] ‘ck’, ebenso belassen. Briefumschlag, ohne Absender, gestempelt Mödling 5.9.71, Wien 5.9.71 und Salzburg 6.9.71: „Fräulein Fanny Schlegel, Salzburg, Marktplatz N 10, II Stok“. „Lida“ [Guttenberg; Freundin]), auch genannt in weiteren Briefen. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Schlegel in jungen Jahren
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Franz Spängler an Fanni Schlegel: Mödling 4 Sept. 1871/ Meine liebe Fanny! Heute Morgens 8 ½ Uhr - früher als ich gehofft hatte - erhielt ich Ihren lieben Brief, u. ich fühle mich verpflichtet, Ihnen insbesondere zu danken, d[a]ß Sie die lezten Augenblike Ihres Aufenthaltes in Adelholzen noch der Correspondenz mit mir widmeten, u. dann in Salzburg angelangt, sobald dieselbe fortsezten. - Daß Sie glüklich heimgekommen sind, freute mich zu hören, doch hatte ich dieß ohnehin gehofft. Auch danke ich Ihnen für die Beantwortung meiner Fragen, u. bin doppelt befriedigt dß jenes Ereigniß vom Fasching Dienstag 1869 Ihnen wieder eine angeneme Erinnerung verursacht, noch irgend welche Folgen nach sich gezogen hat. - Was die junge Baronin Haan betrifft so hoffe ich, dß Sie sich seinerzeit selbst überzeugen werden, dß eine „Schwärmerei“ für dieselbe bei mir dann doch nicht vorhanden ist, u. dß Sie keine Ursache zu einer Eifersucht haben werden/ Uebrigens neme ich die Versicherung, dß Sie zu dieser Leidenschaft keine Anlage in sich verspüren mit Vergnügen zur Kenntniß; u. ich kann nur den Wunsch u[nd] die Hoffnung aussprechen, dß dieß eine Kapitel nie, das nie im Ernst zwischen uns verhandelt werden möge. - Ich glaube auch, dß dieselbe wir im Stadium glüklichen Besize ganz fremd sein werde, wenn gleich ich nicht behaupten will, dß sie mir bisher ganz fremd geblieben sei; denn insbes. zu jener Zeit, wo ich, - sei es mit Recht od[er] Unrecht, - Karl Schmid von Lida für bevorzugt hielt, war sie in mir ziemlich rege. Doch das liegt nun als längst vergangen u. abgeschloßen hinter mir, u[nd] soll auch auf sich beruhen. - Heute haben wir die Landtagswal gehabt, u der von uns aufgestellte verfassungstreue Candidat ist hier sowol, als in den 3. andern Orten, die zu unserm Walbezirk gehören, mit großer Majorität gewält worden. Hiermit ist auch die Funktion des Walcomité zu Ende/ das glüklicher Weise ohnehin nicht gar viel zu thun hatte, u uns ist die Sache - was mir sehr angenem ist, so abgelaufen, dß ich nicht einmal in die Notwendigkeit kam, meiner Opposition gegen das jezige Ministerium öffentlichen Ausdruk zu geben. - Wenn ich noch etwas aus meinen hiesigen Verhältnißen heute bespreche/ so ist es das, dß die von mir ausgedrükte Befürchtung einer Störung des bisherigen collegialen Verhältnißes im Amte nicht dahin geht, dß der neue College sich unaufrichtig od falsch gegen uns benemen, od sich Verdrehungen, od Verhezungen schuldig machen werde/ sondern dahin, daß er nicht gerne arbeitet, u daher stets bemüht sein wird, so viel Arbeit als möglich von sich u auf uns hinüber zu wälzen. - Denn das ist eine Eigenschaft so vieler junger Leute, besonders derer die in sehr günstigen Vermögensverhältnissen aufgewachsen sind, zu glauben, dß sie dies Arbeiten anderen überlassen können/ dß sie für eine regelmäßige od gar angestrengte Thätigkeit zu gut seien. - Ich bin Gottlob dafür erzogen u auch durch meine bisherigen Verhältniße dazu geführt worden, die ehrliche Arbeit u. eine regelmäßige ernste, möglichst auch für andere Nuzen bringende Thätigkeit als eine Hpt[Haupt]aufgabe des Menschen anzusehen, treu dem schönen Worte Schillers. - Arbeit ist des Bürgers Zierde/ Segen ist der Mühe Preis/ Ehrt den König seine Würde,/ Ehret uns der Hände Fleiß. - Darin finde ich jene echte Bürgertugend, die den Staat u die menschliche Gesellschaft erhält u. stets neu belebt. Und ich hoffe u. erwarte, ja ich verlange von meiner Lebensgefährtin die gleiche Gesinnung, dieselbe echt bürgerliche Lebensanschauung u. diese Anschauung soll auch in meiner Familie - so Gott will - fortgepflanzt werden. - Diese Lebensauffassung ist aber gerade in Wien, wo es so viele mühelos reichgewordene Leute gibt, in manchen Kreisen abhanden gekommen, u gerade so häufig trifft man es daß die Söhne solcher Männer, die sich durch sich selbst durch ihre eigene Thätigkeit u. Zünftigkeit emporgebracht u. zu günstigen Vermögensverhältnißen u. einer schönen Lebensstellung erschwungen haben, statt nun den Genuß des von den Eltern erworbenen im Auge zu haben, aber es nicht mehr für nothwendig halten, diejenigen Eigenschaften ihres Vaters in sich zu pflegen, u. fortzu üben, durch die er u. mit ihm auch sie selbst das geworden sind was sie nun sind. - 5 Sept 1871 früh./ Wir haben nun wenigstens die Zusicherung einer Aushilfe erhalten, u ich hoffe daß der Auskultant der hieher kömmt, im Laufe dieser Woche kommen wird, u. dß er verwendbar ist; hievon wird es abhängen, ob ich noch Ende dieser Woche werde abkommen können, doch hoffe ich wenigstens das als gesichert betrachten zu dürfen, dß ich im Laufe des September nach Salzburg kommen kann. Wenn es möglich ist, werde ich sicher bis Freitag od Sonntag nach Salzburg [zu] kommen. Ich bitte Sie daher die Antwort auf diesen Brief mir entweder wo möglich schon bis Donnerstag hieher zu kommen zu lassen, od sonst ihn erst am Freitag, wenn ich nicht inzwischen nach Salzburg gekommen sein sollte abzusenden. Soll ich es Ihnen noch zuvor anzeigen, ob und wann ich komme? - Wenn ich mich nun auch so sehr freue, das zur festen Gestaltung gelangen zu sehen, was vor nun vollen 3 Monaten begonnen wurde, so kann ich mich doch öfters des Gedankens nicht erwehren/ ob ich denn wol Sie glüklich zu machen im Stande sein werde ob nicht so manche Eigenschaft sich in mir finden wird, die Ihnen mißfallen wird/ ob endlich nicht jene Stimmung, die schon einmal in einer Sie beunruhigenden Weise in einem meiner Briefe Ausdruk fand, u. die manchesmal - wenn auch nur vorübergehend - auch später noch sich einstellte, jene Stimmung in der ich von einem nicht auf ein würdiges Ziel gerichteten Ehrgeize, von einer zu großen Wertschäzung bloß an Äußerlichkeiten befangen, ja vielleicht geneigt war, selbst von jener echt bürger[lichen] Gesinnung/ die ich oben betonte, abzuweichen, sich in störender Weise wieder geltend machen könnte, u. Ihnen Schmerz bereiten könnte. Nemen Sie diese offenheit nicht übel, mißdeuten Sie diese Worte nicht; ich mußte dieß sagen, um offen gegen Sie zu sein; ich hoffe aber, dß insbesondere auch diese lezte Befürcht[un]g sich als grundlos herausstellen werde; ich hoffe, dß die getroffene glükliche Entscheidung u. Ihre Liebe mir die Kraft geben wird, solche Störungen, wenn sie überhaupt noch hereintreten sollten glüklich zu beseitigen. Gott gebe dazu die Gnade! - Doch ich muß mich für heute dem Schluße zuwenden; baldige Fortsetzung, sei es mündlich od schriftlich! - Zum Schluße nun noch das eine, dß mir die Mutter in ihrem lezten Briefe mittheilte, daß in Salzburg bereits von uns als Brautpaar gesprochen würde. Mein Bruder, den die Mutter vor kurzer Zeit die Sache mittheilte, hat mir auch bereits in diesem Sinne gratuliert/ Nun leben Sie recht wol, schreiben Sie mir recht bald, grüßen Sie die Großmutter u. seien Sie herzlichst gegrüßt u geküßt von Ihrem treuen/ D[r] Spängler - Franz Spängler (Mödling, Wien) an seine spätere Frau Fanni [er schreibt Fanny] Schlegel (Salzburg). Viele Wörter zusammengeschrieben (hier nicht vermerkt); Abkürzungen (‘u’ bzw. ‘u.’ für ‘und’; ‘od’ für ‘oder’) sind belassen; mehrfach ‘k’ für [heute] ‘ck’, ebenso belassen. Briefumschlag, ohne Absender, gestempelt Mödling 5.9.71, Wien 5.9.71 und Salzburg 6.9.71: „Fräulein Fanny Schlegel, Salzburg, Marktplatz N 10, II Stok“. „Lida“ [Guttenberg; Freundin]), auch genannt in weiteren Briefen. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Schlegel in jungen Jahren
 
   
 
   
[bei den Briefen von Nr.37 Antonia Spängler, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1872 verh. mit „Fany“, FANNI SCHLEGEL]: 7.9.1871 Telegramm aus Mödling an: Antonia Spaengler, Mozartplatz 73, Salzburg: Ich komme morgen frueh. Benachrichtigen Sie auch Fany = Dr Spaengler.
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[bei den Briefen von Nr.37 Antonia Spängler, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1872 verh. mit „Fany“, Fanni Schlegel]: 7.9.1871 Telegramm aus Mödling an: Antonia Spaengler, Mozartplatz 73, Salzburg: Ich komme morgen frueh. Benachrichtigen Sie auch Fany = Dr Spaengler.
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Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] Nr.18 Franz Spängler an Nr.19, alle mit Briefumschlägen, aufgedruckterBriefmarke und dem Siegel „F. Sp.“, von Mödling an „Fräulein Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz 10. II Stok.“ =18.9.1871; Postkarte 21.9.; 22.9. Einschreiben, beiliegend Visitenkarte Franz Spängler; 25.9.; 28./29.9.; 2./3.10.; 5.10. ohne Umschlag; 8.10.; 12./13.10.; 16.10.; 19./20.10.; 21.10. Einschreiben, ausführlich mit Wohnungsgrundrissen; 22.10. Wohnung; 28./29.10.1871.
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Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] Nr. 18 Franz Spängler an Nr.19, alle mit Briefumschlägen, aufgedruckterBriefmarke und dem Siegel „F. Sp.“, von Mödling an „Fräulein Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz 10. II Stok.“ =18.9.1871; Postkarte 21.9.; 22.9. Einschreiben, beiliegend Visitenkarte Franz Spängler; 25.9.; 28./29.9.; 2./3.10.; 5.10. ohne Umschlag; 8.10.; 12./13.10.; 16.10.; 19./20.10.; 21.10. Einschreiben, ausführlich mit Wohnungsgrundrissen; 22.10. Wohnung; 28./29.10.1871.
    
====  Fanni Schlegel an Fanni von „Lonchen Ziegler“ ====
 
====  Fanni Schlegel an Fanni von „Lonchen Ziegler“ ====
21.9.1871 an FANNI SCHLEGEL (1848-1905; Nr.19), verh. Spängler 1872: Brief aus Würzburg an Fanni von „Lonchen Ziegler“ [nicht gelesen]; dito 11.1.1872; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Frau von Kobler und Fräulein Fanny unsere herzlichsten Glückwünsche“; Karte handschriftlich „C.A.Ziegler wohnt im Hause des Herrn Hofrath Dr.Riencker kgl. Universitäts Professor Würzburg.“; Gedichtezettel „Ob Du auf stolzer Burg...“, gedruckt Salzburg o.J.; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Fräulein Fanny Schlegel; herzlichen Dank für außerordentlich liebe Zeilen und innigste Grüße an sie und Frau von Kobler von Ziegler und Frau, Würzburg 27.10.1871“; Glückwunsch mit 2 Bildchen „Juristen lieben ‚die Fälle’ und je interessanter solche sind, desto pikanter für den Herrn Rechtsgelehrten. – die schönsten der Fälle sind aber doch immer die: ‚bis tief ins Herz hinein’! Drum meinen Glückwunsch für Sie und den Mann, der ein so herzig’ Kind lieben kann! Würzburg 22.9.71 Ziegler“. Alles im Umschlag „Wohlgeboren Fräulein Fanni Schlegel [bei] Frau Fanni von Kobler Salzburg“ [Briefmarke entfernt; Siegel] „C.A.Z.“
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21.9.1871 an Fanni Schlegel (* 1848; † 1905; Nr.19), verh. Spängler 1872: Brief aus Würzburg an Fanni von „Lonchen Ziegler“ [nicht gelesen]; dito 11.1.1872; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Frau von Kobler und Fräulein Fanny unsere herzlichsten Glückwünsche“; Karte handschriftlich „C.A.Ziegler wohnt im Hause des Herrn Hofrath Dr.Riencker kgl. Universitäts Professor Würzburg.“; Gedichtezettel „Ob Du auf stolzer Burg...“, gedruckt Salzburg o.J.; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Fräulein Fanny Schlegel; herzlichen Dank für außerordentlich liebe Zeilen und innigste Grüße an sie und Frau von Kobler von Ziegler und Frau, Würzburg 27.10.1871“; Glückwunsch mit 2 Bildchen „Juristen lieben ‚die Fälle’ und je interessanter solche sind, desto pikanter für den Herrn Rechtsgelehrten. – die schönsten der Fälle sind aber doch immer die: ‚bis tief ins Herz hinein’! Drum meinen Glückwunsch für Sie und den Mann, der ein so herzig’ Kind lieben kann! Würzburg 22.9.71 Ziegler“. Alles im Umschlag „Wohlgeboren Fräulein Fanni Schlegel [bei] Frau Fanni von Kobler Salzburg“ [Briefmarke entfernt; Siegel] „C.A.Z.“
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Briefe von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 24.9. „Herrn Doctor Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, Stempel auf 15 Kr. Salzburg 24.9.1871, Einschreiben, rotes Lacksiegel „F. S.“ [Fanni Schlegel], Vermerke Franz Sp. „XXIII. erh[alten] 25/9 beantw[ortet] 25/9“: Salzburg 23.September 1871, 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich muß schon bei dieser Aufschrift bleiben, da ich sehe, daß sie dir Vergnügen macht, sonst hätte ich mit „Hochgeehrter Herr Doktor“ meinen Brief überschrieben. Deinem Briefe, für den ich dir herzlichst danke, hatte ich schon recht ungeduldig entgegen gesehen, da ich mich schon gestern auf Nachricht von dir gefreut hatte. Ich danke dir aber auch für die Aufmerksamkeit, mir mittels Postkarte den Empfang meines Briefes zu bestätigen, sowie für die beiden Ansichten meiner künftigen Residenz. – Beiliegend folgen die zwei Fotografien, damit du vergleichen kannst, ich bin neugierig, dein Urtheil zu hören. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich keine besonders gut finde. Ich bitte dich zugleich, mir zu sagen, wie viele Exemplare ich von der einen oder der anderen bestellen soll? Deine gute Mutter hat beide gesehen und findet beide schlecht, so daß sie meint, wir sollen gar keine kopieren laßen. Jedenfalls, meine ich, lassen wir nicht viele Abdrücke machen. Bestimme nur wie viel du brauchen wirst. – Die Brustbilder von dir wurden, so weit es möglich ist, ein wenig dunkler gemacht, ich war heute im Vorbeigehen bei Baldi. Gegen Ende der nächsten Woche werde ich die Brustbilder bekommen. Ich freue mich, daß meine Mahnungen zur Geduld gefruchtet und du nun einsiehst, daß es nicht thunlich wäre vor dem nächsten Frühling an Hochzeit zu denken. – Zum Lohn dafür will ich dir auch erzählen, daß ich mit allem Eifer an die Ausstattung gehe und gestern bereits eine ganze Menge Namen ausgetrennt habe, eine durchaus nicht geistanstrengende, dafür aber ziemlich mühevolle Arbeit. Wie oft dabei meine Gedanken in die Zukunft schweifen, kannst du dir vorstellen. – Auch mir wird mancher Winterabend recht lang werden, wenn ich bei einem Buche oder irgend einer Arbeit sitzen werde, doch nehme ich mir vor, recht fleißig an der Einrichtung des künftigen, eigenen Nestchens mitzuhelfen. – Heute Nachmittag kauften wir in Gesellschaft deiner Mutter Leinwand ein. Die gute Mutter trug mir viele Grüße an dich auf, da ich sagte, daß ich dir heute Abend schreibe. – Auch in meine Hände gelangten mehrere Glückwünsche, unsere Verlobung betreffend, so von Fr: Maria Spängler, geb. Bernstein [Pernstein, Frau von Franz Seraphin Spängler, Cousin], von Lotti Katzinger ein besonders lieber Brief, in dem sich ihre Freude ausdrückt, daß die Festung doch endlich kapituliert hat, dann Karten von Direktor Dauner [?] u. Frau aus Ellwangen und ein lieber Brief von Fr: Ziegler und Gemal aus Würzburg, die sich auch dir empfehlen. Daß ich von Fr. v. Dauner kürzlich einen Brief bekam, glaube ich schon geschrieben zu haben. – Ich mußte lachen bei der Erzählung, was die Leute Alles in meinem Gesichte lesen wollen und fühle mich sehr geschmeichelt daß man mich für so jung hält. Nur meine ich, du sollst die Neugier der Leute auf meine werthe Person nicht so reizen, sonst sind sie zu sehr enttäuscht wenn das Original erscheint. – Drum fände ich es auch ganz und gar überflüßig, ihre Neugierde auch noch mit Zeugnissen meiner selig entschlafenen Muße zu unterhalten [von ihr existieren einige Gedichte, im Poesiealbum und ohne Namen, von denen ich bereits vorher vermutete, es seien eigene Texte], und ich bin froh, daß sich Nichts hiervon in deinen Händen befindet, und werde mich wol hüten etwas davon an dich gelangen zu laßen, damit du es mitthe[i]len könntest. – Ich beherzige gar sehr, was Elise Polko [?] über den Punkt des Dichtens bei Frauen und Mädchen sagte, und bitte dich recht herzlich, Niemand davon zu erzählen, und jenen die davon wißen, recht in Erinnerung zu bringen, daß es zu den verklungenen Dingen gehört, daß ich einst Verse machte. - - - Ich bin dir sehr dankbar, daß du in solcher Weise bei Buschmann mich vertheidigt hast. Von dem Aufenthalt meines Vaters weiß ich nichts, er hat an die Mutter nur einmal geschrieben, daß es ihm u. seiner Begleitung gut geht und daß sie irgendwo in die Schweiz reisen, aber daß er nicht weiß, wohin er einen Brief schicken laßen sollte. Ich denke die 3 Doctoren werden bis Dienstag heim kommen, weil am selben Tag Minna Lorinser von Wien kommt, sie wird dann einige Zeit bei uns bleiben. Ich freue mich sehr auf sie. Auch von ihr bekam ich einen lieben Brief. Morgen wenn es schön ist, gehen Lida u. ich mit Zeller über Glanegg nach Reichenhall, daher ich heute schon meinen Brief schließe, sonst hätte ich noch morgen etwas hinzugefügt. Lebe recht wol und behalte lieb deine treue Fanni. Good night – Großmutter grüßt dich/ Meine Mutter grüßt dich. Hr: Rudolf [Franz Seraphin; „Rudolf“ ist mit Marie Weinwurm verh.] Spängler u. Frau Maria Sp: geb. Bernstein [Pernstein] grüßen gleichfalls. - [1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von: „Emil Ritter von #Guttenberg k.k.Rittmeister“ (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter“); „Minna von Guttenberg née de Launsperg“ (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet); „Stephanie de La Croix Langenheim“ (p.f.); „Georg Adensamer“ (p.f.); „Johanna Adensamer“ (p.f.); „Josef Adensamer“ (p.f.). – Vgl. undatiertes Foto Fanni Spängler und Freundin Lida Guttenberg, auch genannt in mehreren Briefen. Sonstige Personen nicht identifiziert.
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Briefe von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 24.9. „Herrn Doctor Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, Stempel auf 15 Kr. Salzburg 24.9.1871, Einschreiben, rotes Lacksiegel „F. S.“ [Fanni Schlegel], Vermerke Franz Sp. „XXIII. erh[alten] 25/9 beantw[ortet] 25/9“: Salzburg 23.September 1871, 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich muß schon bei dieser Aufschrift bleiben, da ich sehe, daß sie dir Vergnügen macht, sonst hätte ich mit „Hochgeehrter Herr Doktor“ meinen Brief überschrieben. Deinem Briefe, für den ich dir herzlichst danke, hatte ich schon recht ungeduldig entgegen gesehen, da ich mich schon gestern auf Nachricht von dir gefreut hatte. Ich danke dir aber auch für die Aufmerksamkeit, mir mittels Postkarte den Empfang meines Briefes zu bestätigen, sowie für die beiden Ansichten meiner künftigen Residenz. – Beiliegend folgen die zwei Fotografien, damit du vergleichen kannst, ich bin neugierig, dein Urtheil zu hören. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich keine besonders gut finde. Ich bitte dich zugleich, mir zu sagen, wie viele Exemplare ich von der einen oder der anderen bestellen soll? Deine gute Mutter hat beide gesehen und findet beide schlecht, so daß sie meint, wir sollen gar keine kopieren laßen. Jedenfalls, meine ich, lassen wir nicht viele Abdrücke machen. Bestimme nur wie viel du brauchen wirst. – Die Brustbilder von dir wurden, so weit es möglich ist, ein wenig dunkler gemacht, ich war heute im Vorbeigehen bei Baldi. Gegen Ende der nächsten Woche werde ich die Brustbilder bekommen. Ich freue mich, daß meine Mahnungen zur Geduld gefruchtet und du nun einsiehst, daß es nicht thunlich wäre vor dem nächsten Frühling an Hochzeit zu denken. – Zum Lohn dafür will ich dir auch erzählen, daß ich mit allem Eifer an die Ausstattung gehe und gestern bereits eine ganze Menge Namen ausgetrennt habe, eine durchaus nicht geistanstrengende, dafür aber ziemlich mühevolle Arbeit. Wie oft dabei meine Gedanken in die Zukunft schweifen, kannst du dir vorstellen. – Auch mir wird mancher Winterabend recht lang werden, wenn ich bei einem Buche oder irgend einer Arbeit sitzen werde, doch nehme ich mir vor, recht fleißig an der Einrichtung des künftigen, eigenen Nestchens mitzuhelfen. – Heute Nachmittag kauften wir in Gesellschaft deiner Mutter Leinwand ein. Die gute Mutter trug mir viele Grüße an dich auf, da ich sagte, daß ich dir heute Abend schreibe. – Auch in meine Hände gelangten mehrere Glückwünsche, unsere Verlobung betreffend, so von Fr: Maria Spängler, geb. Bernstein [Pernstein, Frau von Franz Seraphin Spängler, Cousin], von Lotti Katzinger ein besonders lieber Brief, in dem sich ihre Freude ausdrückt, daß die Festung doch endlich kapituliert hat, dann Karten von Direktor Dauner [?] u. Frau aus Ellwangen und ein lieber Brief von Fr: Ziegler und Gemal aus Würzburg, die sich auch dir empfehlen. Daß ich von Fr. v. Dauner kürzlich einen Brief bekam, glaube ich schon geschrieben zu haben. – Ich mußte lachen bei der Erzählung, was die Leute Alles in meinem Gesichte lesen wollen und fühle mich sehr geschmeichelt daß man mich für so jung hält. Nur meine ich, du sollst die Neugier der Leute auf meine werthe Person nicht so reizen, sonst sind sie zu sehr enttäuscht wenn das Original erscheint. – Drum fände ich es auch ganz und gar überflüßig, ihre Neugierde auch noch mit Zeugnissen meiner selig entschlafenen Muße zu unterhalten [von ihr existieren einige Gedichte, im Poesiealbum und ohne Namen, von denen ich bereits vorher vermutete, es seien eigene Texte], und ich bin froh, daß sich Nichts hiervon in deinen Händen befindet, und werde mich wol hüten etwas davon an dich gelangen zu laßen, damit du es mitthe[i]len könntest. – Ich beherzige gar sehr, was Elise Polko [?] über den Punkt des Dichtens bei Frauen und Mädchen sagte, und bitte dich recht herzlich, Niemand davon zu erzählen, und jenen die davon wißen, recht in Erinnerung zu bringen, daß es zu den verklungenen Dingen gehört, daß ich einst Verse machte. - - - Ich bin dir sehr dankbar, daß du in solcher Weise bei Buschmann mich vertheidigt hast. Von dem Aufenthalt meines Vaters weiß ich nichts, er hat an die Mutter nur einmal geschrieben, daß es ihm u. seiner Begleitung gut geht und daß sie irgendwo in die Schweiz reisen, aber daß er nicht weiß, wohin er einen Brief schicken laßen sollte. Ich denke die 3 Doctoren werden bis Dienstag heim kommen, weil am selben Tag Minna Lorinser von Wien kommt, sie wird dann einige Zeit bei uns bleiben. Ich freue mich sehr auf sie. Auch von ihr bekam ich einen lieben Brief. Morgen wenn es schön ist, gehen Lida u. ich mit Zeller über Glanegg nach Reichenhall, daher ich heute schon meinen Brief schließe, sonst hätte ich noch morgen etwas hinzugefügt. Lebe recht wol und behalte lieb deine treue Fanni. Good night – Großmutter grüßt dich/ Meine Mutter grüßt dich. Hr: Rudolf [Franz Seraphin; „Rudolf“ ist mit Marie Weinwurm verh.] Spängler u. Frau Maria Sp: geb. Bernstein [Pernstein] grüßen gleichfalls. - [1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von: „Emil Ritter von #Guttenberg k.k.Rittmeister“ (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter“); „Minna von Guttenberg née de Launsperg“ (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet); „Stephanie de La Croix Langenheim“ (p.f.); „Georg Adensamer“ (p.f.); „Johanna Adensamer“ (p.f.); „Josef Adensamer“ (p.f.). – Vgl. undatiertes Foto Fanni Spängler und Freundin Lida Guttenberg, auch genannt in mehreren Briefen. Sonstige Personen nicht identifiziert.
    
==== Bruno an Fanni Schlegel ====
 
==== Bruno an Fanni Schlegel ====
25.9.1871, an FANNI SCHLEGEL Brief aus St.Johann [im Pongau]: „Liebe Fanni! Als altem Bekannten und Spielkameraden wirst du mir wol erlauben, dass ich dich auch noch heute ‚du’ nenne, wo ich dir schreibe, um dir nebst meinem Danke für die Verlobungsanzeige meinen aufrichtigen Glückwunsch zu der von dir getroffenen Wahl auszusprechen u. dich zu bitten, denselben auch deinem Bräutigam zu entrichten... wie ich gehört habe, kommst du nach Wien; ich bin dir darum unbeschreiblich neidig... Wie gehts der Großmutter?... Mit den herzlichsten Glückwünschen grüßt dich Dein Bruno XXX. Auch an deinen Vetter und Lorinser viele Empfehlungen!!“  
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25.9.1871, an Fanni Schlegel Brief aus St.Johann [im Pongau]: „Liebe Fanni! Als altem Bekannten und Spielkameraden wirst du mir wol erlauben, dass ich dich auch noch heute ‚du’ nenne, wo ich dir schreibe, um dir nebst meinem Danke für die Verlobungsanzeige meinen aufrichtigen Glückwunsch zu der von dir getroffenen Wahl auszusprechen u. dich zu bitten, denselben auch deinem Bräutigam zu entrichten... wie ich gehört habe, kommst du nach Wien; ich bin dir darum unbeschreiblich neidig... Wie gehts der Großmutter?... Mit den herzlichsten Glückwünschen grüßt dich Dein Bruno XXX. Auch an deinen Vetter und Lorinser viele Empfehlungen!!“  
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Briefe von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 27.9. dito 5 Kr. gestempelt: Lieber Franz! Mit großer Freude empfing ich gestern deinen lieben Brief und danke dir hiefür herzlichst. Daß du so viel Glück im Scheibenschießen hattest, freut mich, das ist ja ein ganz neu entdecktes Talent. Du hast auch Recht, daß ich dir ganz gewiß nicht böse bin, weil du dich vom Tanze nicht ausgeschloßen, ich weiß ja doch, daß du recht oft meiner gedenkst, wenn auch Vergnügen oder Arbeit Ansprüche an dich erheben. Und daß ich dann überzeugt bin u. sein darf, macht mich glücklich, denn herzliches, unbedingtes Vertrauen gehört meiner Meinung nach zu dem rechten Glücke. Nich[t] wahr, du bist auch überzeugt, daß ich oft, recht oft liebend dein gedenke, auch mitten in der schönsten Prosa des täglichen Lebens und im Kreise der um mich versammelten Freunde? – Der am Sonntag unternommene Ausflug von Glanegg nach Reichenhall war recht hübsch, wir waren alle recht heiter, und es wurde öfters von dir gesprochen, noch öfter beschäftigten sich meine Gedanken mit dir. Daß es nicht ohne obligate Neckerei abging [siehe unten, am Rand], kannst du dir denken. Jetzt scheint auch Ludwig wieder heiterer zu werden, wenigstens am Sonntag war er recht lustig und freundlich. Das Resultat der Parthie für mich ist ein kleiner Husten, den ich mir wol durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen habe. Ich muß daher heute zu Hause bleiben, obwol Minna seit gestern Abend bei uns ist. – Mein Vater und die beiden Doktoren sind heiter und wolbehalten von ihrer Reise zurückgekehrt. Meinen guten Vater hat es sichtbar sehr gut gethan, daß er einmal wieder draußen war aus der täglichen Arbeit. – Daß man in Wien auch schon von meinem Zitherspielen weiß, und am Ende weiß Gott was davon erwartet, macht mich fast bange. Bitte, sage den Leuten doch, daß sie sich nur ja keine großartige Vorstellung von meinen Leistungen machen sollen, sonst bin ich, wenn ich je einmal veranlaßt sein sollte vor Fremden zu spielen, so ängstlich, daß ich gar nichts kann. Damit du siehst, daß ich in dein Versprechen, über meine „selige Muße“ gegen Niemand etwas zu erwähnen, volles Vertrauen se[t]ze, sende ich dir beiliegendes Blatt [liegt nicht bei], worauf ich in Eile etwas abgeschrieben habe, aber nicht wahr, Niemand zeigen. Bitte, bitte. – Ich lese gewissenhaft jeden Abend das bestimmte Gedicht in deinem Buche, darnach gewöhnlich noch zwei oder drei andere. Für heute Abend trifft Einkehr Seite 20. – [am Rand verkehrt:] Minna sagt „Sie gratuliert dir zu der garstigen Frau, die du an mir kriegst! – Ich habe neulich vergeßen, über das Kapitel von der „Pantoffelherrschaft“ zu sprechen. Sei es denn heute! Ich habe ganz und gar nicht den Wunsch, einen Pantoffelhelden zum Mann zu bekommen, und kenne und anerkenne das Wort der hl. Schrift „Und er soll dein Herr sein.“ Wie es um meine Energie dir gegenüber bestellt ist, davon habe ich im Punkte des Dusagens einen recht hübschen Beweis geliefert sollte ich meinen. - - - Übrigens bin ich gewillt, den äußeren Lebensverhältnissen mit der notwendigen Energie entgegen zu treten und hoffe auch, daß zuweilen auch das Wort der Frau im häuslichen Rath wird gelten dürfen nicht wahr? Es bleibt dabei! – Es ist mir nur möglich eine Verlobungskarte zu schicken, weil ich auf den besonderen Wunsch an den Bürgermeister Mertens [die Freundin Camilla ist die Verlobte von dessen Sohn Demeter Mertens] eine Anzeige schicken mußte. Wegen der „bösen Zungen kann ich dir leider nur ungenügend dienen. Meine Großmutter findet dermalen die Nummer welche wir haben, nicht, wenn sie dieselbe findet, werde ich sie dir schicken. Doch glaube ich sicher zu wißen, daß in dieser Nummer nichts über Mödling steht. Sobald es mir möglich ist, werde ich bei Hr: Rudolf Spängler [Cousin, geb. 1830, Apotheker und Vizebürgermeister] die Nummer und genaue Adresse zu erfahren suchen. – Von der Gruppenfotografie werde ich nur ganz wenige Exemplare bestellen, lieber nur ½ Dutzend, ich muß aber selbst mit dem Fotografen sprechen. – Wegen der Wiener Reise werde ich mein Bestes thun, ich würde mich ja selber so sehr freuen, wenn ich nach Wien käme! – Neulich kamen Beglückwünschungen in meine Hände von Maiersfels in Enns, vom Hofrat Schroff von Frl: Helene Schreiber aus Stuttgart und von Willi Gattermayer aus St.Johann, der sich dir empfiehlt und auch dir gratuliert. Er schreibt, daß du bei den St.Johannser Frauen noch immer im besten Andenken stehst. Aber werde nur nicht zu eitel deßwegen! – Ich schließe mit der Bitte mir wieder recht bald zu schreiben. Es umarmt dich deine treue Fanni. Grüße von Großmutter Vater u. Mutter u. v. Minna Lorinser. - „#Mertens“: vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (1819-1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens, kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (1810-1872), Schwiegertochter: Camilla.
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1871 Briefe von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 27.9. dito 5 Kr. gestempelt: Lieber Franz! Mit großer Freude empfing ich gestern deinen lieben Brief und danke dir hiefür herzlichst. Daß du so viel Glück im Scheibenschießen hattest, freut mich, das ist ja ein ganz neu entdecktes Talent. Du hast auch Recht, daß ich dir ganz gewiß nicht böse bin, weil du dich vom Tanze nicht ausgeschloßen, ich weiß ja doch, daß du recht oft meiner gedenkst, wenn auch Vergnügen oder Arbeit Ansprüche an dich erheben. Und daß ich dann überzeugt bin u. sein darf, macht mich glücklich, denn herzliches, unbedingtes Vertrauen gehört meiner Meinung nach zu dem rechten Glücke. Nich[t] wahr, du bist auch überzeugt, daß ich oft, recht oft liebend dein gedenke, auch mitten in der schönsten Prosa des täglichen Lebens und im Kreise der um mich versammelten Freunde? – Der am Sonntag unternommene Ausflug von Glanegg nach Reichenhall war recht hübsch, wir waren alle recht heiter, und es wurde öfters von dir gesprochen, noch öfter beschäftigten sich meine Gedanken mit dir. Daß es nicht ohne obligate Neckerei abging [siehe unten, am Rand], kannst du dir denken. Jetzt scheint auch Ludwig wieder heiterer zu werden, wenigstens am Sonntag war er recht lustig und freundlich. Das Resultat der Parthie für mich ist ein kleiner Husten, den ich mir wol durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen habe. Ich muß daher heute zu Hause bleiben, obwol Minna seit gestern Abend bei uns ist. – Mein Vater und die beiden Doktoren sind heiter und wolbehalten von ihrer Reise zurückgekehrt. Meinen guten Vater hat es sichtbar sehr gut gethan, daß er einmal wieder draußen war aus der täglichen Arbeit. – Daß man in Wien auch schon von meinem Zitherspielen weiß, und am Ende weiß Gott was davon erwartet, macht mich fast bange. Bitte, sage den Leuten doch, daß sie sich nur ja keine großartige Vorstellung von meinen Leistungen machen sollen, sonst bin ich, wenn ich je einmal veranlaßt sein sollte vor Fremden zu spielen, so ängstlich, daß ich gar nichts kann. Damit du siehst, daß ich in dein Versprechen, über meine „selige Muße“ gegen Niemand etwas zu erwähnen, volles Vertrauen se[t]ze, sende ich dir beiliegendes Blatt [liegt nicht bei], worauf ich in Eile etwas abgeschrieben habe, aber nicht wahr, Niemand zeigen. Bitte, bitte. – Ich lese gewissenhaft jeden Abend das bestimmte Gedicht in deinem Buche, darnach gewöhnlich noch zwei oder drei andere. Für heute Abend trifft Einkehr Seite 20. – [am Rand verkehrt:] Minna sagt „Sie gratuliert dir zu der garstigen Frau, die du an mir kriegst! – Ich habe neulich vergeßen, über das Kapitel von der „Pantoffelherrschaft“ zu sprechen. Sei es denn heute! Ich habe ganz und gar nicht den Wunsch, einen Pantoffelhelden zum Mann zu bekommen, und kenne und anerkenne das Wort der hl. Schrift „Und er soll dein Herr sein.“ Wie es um meine Energie dir gegenüber bestellt ist, davon habe ich im Punkte des Dusagens einen recht hübschen Beweis geliefert sollte ich meinen. - - - Übrigens bin ich gewillt, den äußeren Lebensverhältnissen mit der notwendigen Energie entgegen zu treten und hoffe auch, daß zuweilen auch das Wort der Frau im häuslichen Rath wird gelten dürfen nicht wahr? Es bleibt dabei! – Es ist mir nur möglich eine Verlobungskarte zu schicken, weil ich auf den besonderen Wunsch an den Bürgermeister Mertens [die Freundin Camilla ist die Verlobte von dessen Sohn Demeter Mertens] eine Anzeige schicken mußte. Wegen der „bösen Zungen kann ich dir leider nur ungenügend dienen. Meine Großmutter findet dermalen die Nummer welche wir haben, nicht, wenn sie dieselbe findet, werde ich sie dir schicken. Doch glaube ich sicher zu wißen, daß in dieser Nummer nichts über Mödling steht. Sobald es mir möglich ist, werde ich bei Hr: Rudolf Spängler [Cousin, geb. 1830, Apotheker und Vizebürgermeister] die Nummer und genaue Adresse zu erfahren suchen. – Von der Gruppenfotografie werde ich nur ganz wenige Exemplare bestellen, lieber nur ½ Dutzend, ich muß aber selbst mit dem Fotografen sprechen. – Wegen der Wiener Reise werde ich mein Bestes thun, ich würde mich ja selber so sehr freuen, wenn ich nach Wien käme! – Neulich kamen Beglückwünschungen in meine Hände von Maiersfels in Enns, vom Hofrat Schroff von Frl: Helene Schreiber aus Stuttgart und von Willi Gattermayer aus St.Johann, der sich dir empfiehlt und auch dir gratuliert. Er schreibt, daß du bei den St.Johannser Frauen noch immer im besten Andenken stehst. Aber werde nur nicht zu eitel deßwegen! – Ich schließe mit der Bitte mir wieder recht bald zu schreiben. Es umarmt dich deine treue Fanni. Grüße von Großmutter Vater u. Mutter u. v. Minna Lorinser. - „#Mertens“: vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (1819-1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens, kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (1810-1872), Schwiegertochter: Camilla.
    
==== Antonia Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler: Salzburg den 29.9.[18]71/ Mein inigstgeliebter Franz! Schon lange wollte ich dir schreiben, allein die Zeit mangelt mir immer, ich weiß oft nicht wo anfangen, wir haben schon sehr viel gekauft, und brauchen doch noch eine Menge. Otto wird dir geschrieben haben wie viel wir schon geld außgegeben, aber wir brauchen gewiß noch mehr mehr als 100 fl [Florin: Gulden]. Ich sage dir in ganz kurzen. ob es dir recht ist die Junge Fany hat 30 Stück Sacktuchen ganz neue von den Mama [?] gerade in der größe wie du sie wünschest, sie möchte kleine und ich fürchte, keine so großen zu bekommen wie du sie wünschest, die Fany würde 30 Stück kleiner kauffen, und würde den dieselben ihn bezahlen, und ich die ande[r]n 30 Stück für dich merken lassen, und noch 6 Stück dazu kauffen damit es 36 sind, die Nachthemten habe ich schon zugeschnitten und eines haben wir schon in machen auch auf 6 Taghemten habe gekauft. Ich bin froh das es dir gut geht, und ich denke, es wird dir die Zeit auch nicht zu lange werden/ besonders wen du um Weihnachten wieder kämst. Die Fany hat auch sehr viel zu thun, sie möchte auch gerne deine Leintücher machen, und auch das Tischtuch, und die 12 Servieten säumen damit alles gleich wird, sehr hübsch ist das Tischzeug eben so die Handtücher/ der Fany welche dabei war wie ich es kaufte, gefällt es sehr gut zusammen 25 fl die Leintücher 23 fl zu denen Zirheln [?] hat es auch 8 fl 98 gekostet und so ist alle Augenblicke etwas anders. Die Bomberger ist hier sie läßt dich recht herzlich grüßen. Lebe recht wohl für heute muß ich schließen/ es grüßt dich recht herzlich im geiste deine treue Mutter Spängler. - Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr.37] an den Sohn Franz Spängler [Nr.18], 1870 in Mödling . „Otto“: Bruder von Franz, geb. 1841, verh. Duregger; „Fany“: Franziska (Fanni) Schlegel, geb. 1848, dann 1872 verh. mit Franz Spängler.
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Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler: Salzburg den 29.9.[18]71/ Mein inigstgeliebter Franz! Schon lange wollte ich dir schreiben, allein die Zeit mangelt mir immer, ich weiß oft nicht wo anfangen, wir haben schon sehr viel gekauft, und brauchen doch noch eine Menge. Otto wird dir geschrieben haben wie viel wir schon geld außgegeben, aber wir brauchen gewiß noch mehr mehr als 100 fl [Florin: Gulden]. Ich sage dir in ganz kurzen. ob es dir recht ist die Junge Fany hat 30 Stück Sacktuchen ganz neue von den Mama [?] gerade in der größe wie du sie wünschest, sie möchte kleine und ich fürchte, keine so großen zu bekommen wie du sie wünschest, die Fany würde 30 Stück kleiner kauffen, und würde den dieselben ihn bezahlen, und ich die ande[r]n 30 Stück für dich merken lassen, und noch 6 Stück dazu kauffen damit es 36 sind, die Nachthemten habe ich schon zugeschnitten und eines haben wir schon in machen auch auf 6 Taghemten habe gekauft. Ich bin froh das es dir gut geht, und ich denke, es wird dir die Zeit auch nicht zu lange werden/ besonders wen du um Weihnachten wieder kämst. Die Fany hat auch sehr viel zu thun, sie möchte auch gerne deine Leintücher machen, und auch das Tischtuch, und die 12 Servieten säumen damit alles gleich wird, sehr hübsch ist das Tischzeug eben so die Handtücher/ der Fany welche dabei war wie ich es kaufte, gefällt es sehr gut zusammen 25 fl die Leintücher 23 fl zu denen Zirheln [?] hat es auch 8 fl 98 gekostet und so ist alle Augenblicke etwas anders. Die Bomberger ist hier sie läßt dich recht herzlich grüßen. Lebe recht wohl für heute muß ich schließen/ es grüßt dich recht herzlich im geiste deine treue Mutter Spängler. - Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr.37] an den Sohn Franz Spängler [Nr. 18], 1870 in Mödling . „Otto“: Bruder von Franz, geb. 1841, verh. Duregger; „Fany“: Franziska (Fanni) Schlegel, geb. 1848, dann 1872 verh. mit Franz Spängler.
    
==== Leopold von Lürzer an Richard Schlegel ====
 
==== Leopold von Lürzer an Richard Schlegel ====
30.9.1871, Brief von Leopold von Lürzer an Nr.38 Richard Schlegel: Hall [Tirol] am 30te Septbr 1871. - Euer Wohlgeborener! – Sehr erfreut war ich bei meiner Rückkehr aus Achenthal, wo ich einige Zeit zubrachte, über Ihre freundliche Mittheilung der Verlobung Ihrer Fräulein Tochter Fani [Nr.19 Fanni Schlegel] mit meinem lieben Neffen Franz Späng[l]er [Nr.18], welche Sie mir nebst meinem herzlichen Glückswunsche schönstens und vielmals grüßen wollen. – Indem ich Ihnen für diese Nachricht vielmals danke in der Hoffnung daß sich seiner Zeit die Gelegenheit biethen dürfte das Vergnügen zu haben Sie persönlich kennen zu lernen sowie deren verehrte Familie welche ich mich empfehlen lasse, zeichne ich mit Hochachtung – Euer Wohlgeborener – ergebener künftiger Vet[t]er Leop. von Lürzer [37 c Leopold Lürzer von Zehendthal] von mir beigebunden anderen Briefen zur Verlobung: Briefe (rot verschnürt) an Nr.19 Fanni Schlegel (1848-1905) zur Verlobung 1871 von u.a. Anna Lori (Lorinser?; München), Helene Schreiber (Stuttgart; siehe auch Klaiber ?), Wilhelm Kobler, Franz und Maria (Ried), Schwiegermutter Spängler (mit Verlobungsanzeige von Betti von Lanser mit August von Engerth, Salzburg 1871). Helene Klaiber (? geb. Schreiber; Göppingen, und weitere Briefe mit Fotos und aus Ellwangen), Christian Auer Mayer (Neumarkt), Wilhelm Fenzl, Onkel Vinzenz (Schlegel; kathol. Pfarrer in Leipzig), Freundin Lentli (? Ottmersheim), Hermann Lielermann, Anna Schof (?) und – bereits übertragen – von Leopold von Lürzer 30.9.1871. - Beigebunden versch. gedruckte Blätter zu Theater und Veranstaltungen in Salzburg: „Gültig für Herrn Kobler und Familie“, schwarz gedruckt, Einladung zum Gesellschafts-Ball... 17.1.1841 im Museumssaale. – [2 Hefte:] Programm zur Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich, Innsbruck 1863. – Sylvester-Abend 1867 im Handels-Casino in Salzburg (mit handschriftlichen Notizen mit den Namen der Ausführenden, u.a. auch Dr.Franz Spängler) [doppelt]. – Programm der Abend-Unterhaltung im Handels-Casino... 15.3.1869, zwei Theaterstücke, mit handschriftlichen Notizen der Namen der Ausführenden, u.a. Fanni Schlegel. – Theaterzettel ohne Jahr. – [Heft:] Festspiel... gespielt von den Enkeln... Goldene Hochzeit... Alois und Therese Spängler, Salzburg 1873. – [Flugschrift:] A Brief von Franz vo Piesenham... 26.7.1874.
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30.9.1871, Brief von Leopold von Lürzer an Nr.38 Richard Schlegel: Hall [Tirol] am 30te Septbr 1871. - Euer Wohlgeborener! – Sehr erfreut war ich bei meiner Rückkehr aus Achenthal, wo ich einige Zeit zubrachte, über Ihre freundliche Mittheilung der Verlobung Ihrer Fräulein Tochter Fani [Nr.19 Fanni Schlegel] mit meinem lieben Neffen Franz Späng[l]er [Nr. 18], welche Sie mir nebst meinem herzlichen Glückswunsche schönstens und vielmals grüßen wollen. – Indem ich Ihnen für diese Nachricht vielmals danke in der Hoffnung daß sich seiner Zeit die Gelegenheit biethen dürfte das Vergnügen zu haben Sie persönlich kennen zu lernen sowie deren verehrte Familie welche ich mich empfehlen lasse, zeichne ich mit Hochachtung – Euer Wohlgeborener – ergebener künftiger Vet[t]er Leop. von Lürzer [37 c Leopold Lürzer von Zehendthal] von mir beigebunden anderen Briefen zur Verlobung: Briefe (rot verschnürt) an Nr.19 Fanni Schlegel (* 1848; † 1905) zur Verlobung 1871 von u.a. Anna Lori (Lorinser?; München), Helene Schreiber (Stuttgart; siehe auch Klaiber ?), Wilhelm Kobler, Franz und Maria (Ried), Schwiegermutter Spängler (mit Verlobungsanzeige von Betti von Lanser mit August von Engerth, Salzburg 1871). Helene Klaiber (? geb. Schreiber; Göppingen, und weitere Briefe mit Fotos und aus Ellwangen), Christian Auer Mayer (Neumarkt), Wilhelm Fenzl, Onkel Vinzenz (Schlegel; kathol. Pfarrer in Leipzig), Freundin Lentli (? Ottmersheim), Hermann Lielermann, Anna Schof (?) und – bereits übertragen – von Leopold von Lürzer 30.9.1871. - Beigebunden versch. gedruckte Blätter zu Theater und Veranstaltungen in Salzburg: „Gültig für Herrn Kobler und Familie“, schwarz gedruckt, Einladung zum Gesellschafts-Ball... 17.1.1841 im Museumssaale. – [2 Hefte:] Programm zur Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich, Innsbruck 1863. – Sylvester-Abend 1867 im Handels-Casino in Salzburg (mit handschriftlichen Notizen mit den Namen der Ausführenden, u.a. auch Dr.Franz Spängler) [doppelt]. – Programm der Abend-Unterhaltung im Handels-Casino... 15.3.1869, zwei Theaterstücke, mit handschriftlichen Notizen der Namen der Ausführenden, u.a. Fanni Schlegel. – Theaterzettel ohne Jahr. – [Heft:] Festspiel... gespielt von den Enkeln... Goldene Hochzeit... Alois und Therese Spängler, Salzburg 1873. – [Flugschrift:] A Brief von Franz vo Piesenham... 26.7.1874.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
30.9.1871, Brief mit Umschlag FANNI SCHLEGEL, Salzburg, an k.k. Gerichtsadjunkt Dr.Franz Spängler, Mödling bei Wien: Sie ist „still zufrieden und daß ich für unser künftiges Heim einiges selbst arbeiten kann“; möchte nach Wien kommen, „noch ist aber wenig Aussicht vorhanden, daß Großmutter diesen Wunsch erfüllen wird“; fortgesetzt Sonntag, 1.10., „du frägst, mein Lieber, ob ich der Engel sein will, der sich an deine Seele schmiegt [ach der Engel ist nur ein armes, schwaches Menschenkind, das wol allerlei gute Vorsätze, aber sehr viele menschliche Schwächen und Fehler hat und von englischen Eigenschaften gar wenig in sich verspürt. [...] Ich will dir einmal eine recht böse Eigenschaft von mir bekennen. Sieh, wenn ich die Großmutter um etwas bitte, erlaubt sie es mir meist nicht sogleich, sondern schlägt manchmal meine Bitte rundweg ab. Hätte ich die Geduld, meine Bitte zu wiederholen, so würde mir dieselbe in vielen Fällen gewährt.“ Man hat ihr gesagt, dass sie als Frau nicht mehr freien Willen haben wird, denn als Mädchen jetzt... „allzeit wird der Mann sie beherrschen“ [...] ‚Und er soll dein Herr sein.’ - Bekam einen Brief von Pfarrer Vinzenz Schlegel, sie hat von der Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz gerade auf Ferien war. – Hat aus Zeitmangel die Singstunden aufgegeben. Sollte Franz das dennoch wünschen, so müßte er drei Jahre warten (bis sioe wieder Zeit hat). „Ich bitte mir in diesem Punkte deinen Willen bekannt zu machen.“ Dagegen bekommt sie jetzt mehr englische Stunden; „derweilen spreche ich manchmal mit Minna englisch.“ Minna erzählt ihr über Wiener Verhältnisse; Fanni fühlt sich ratlos gegenüber den möglichen Verhältnissen in Wien, macht sich auf „allerlei größere oder kleinere Ungeschicklichkeiten gefaßt, ehe der Haushalt seinen regelrechten Gang bekommen wird.“
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30.9.1871, Brief mit Umschlag Fanni Schlegel, Salzburg, an k.k. Gerichtsadjunkt Dr.Franz Spängler, Mödling bei Wien: Sie ist „still zufrieden und daß ich für unser künftiges Heim einiges selbst arbeiten kann“; möchte nach Wien kommen, „noch ist aber wenig Aussicht vorhanden, daß Großmutter diesen Wunsch erfüllen wird“; fortgesetzt Sonntag, 1.10., „du frägst, mein Lieber, ob ich der Engel sein will, der sich an deine Seele schmiegt [ach der Engel ist nur ein armes, schwaches Menschenkind, das wol allerlei gute Vorsätze, aber sehr viele menschliche Schwächen und Fehler hat und von englischen Eigenschaften gar wenig in sich verspürt. [...] Ich will dir einmal eine recht böse Eigenschaft von mir bekennen. Sieh, wenn ich die Großmutter um etwas bitte, erlaubt sie es mir meist nicht sogleich, sondern schlägt manchmal meine Bitte rundweg ab. Hätte ich die Geduld, meine Bitte zu wiederholen, so würde mir dieselbe in vielen Fällen gewährt.“ Man hat ihr gesagt, dass sie als Frau nicht mehr freien Willen haben wird, denn als Mädchen jetzt... „allzeit wird der Mann sie beherrschen“ [...] ‚Und er soll dein Herr sein.’ - Bekam einen Brief von Pfarrer Vinzenz Schlegel, sie hat von der Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz gerade auf Ferien war. – Hat aus Zeitmangel die Singstunden aufgegeben. Sollte Franz das dennoch wünschen, so müßte er drei Jahre warten (bis sioe wieder Zeit hat). „Ich bitte mir in diesem Punkte deinen Willen bekannt zu machen.“ Dagegen bekommt sie jetzt mehr englische Stunden; „derweilen spreche ich manchmal mit Minna englisch.“ Minna erzählt ihr über Wiener Verhältnisse; Fanni fühlt sich ratlos gegenüber den möglichen Verhältnissen in Wien, macht sich auf „allerlei größere oder kleinere Ungeschicklichkeiten gefaßt, ehe der Haushalt seinen regelrechten Gang bekommen wird.“
    
====Oktober bis Dezember 1871 ====
 
====Oktober bis Dezember 1871 ====
„1871 und 1884, 1887“ Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, 1848-1905,  an Franz = Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, 10. und 11.10.1871. – 14./15.10. – 18.10. – 22./23.10. – 26./27.10. mit Einschreiben. – Briefe von Franz = Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ fast durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, 30.10.1871. – 4.11. ohne Umschlag. – 9.11. Einschreiben, mit zwei Blumensträußchen [Foto bei Nr.18]. – 13.11. – 17.11. – 22.11. – 25.11. – 29.11. - 3.12. – 5.12. – 6.12. ohne Umschlag. – 8.12. – 12.12. – 13.12. - 16.12.1871. – Abschiedsgedicht der „Geburtsfrau“ [Hebamme] vor dem Umzug nach Pottenstein. – Brief eines Freundes Albert ohne Datum. – Brief 24.4.1871 aus Linz von Rudolf Handel. – Brief 6.7.1871 aus Salzburg von Hedwig L. – Briefe von Kollegen, Salzburg 1887 mit Brief von Fanni in Pottenstein an Franz in Krems mit Umschlag „1887“. – Brief 30.12.1881/31.12. von Franz und Fanni, Pottenstein, an die Großmutter in Salzburg Nr.79 Fanny Kobler. – Karten-Brief Pottenstein 6.4.1887 Fanni an Franz. - „August 1884“ mit mehreren Briefen in einem Umschlag von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler „Wolgeboren Doctor Franz Spängler kk. Bezirksrichter in Pottenstein a.d. Triesting“ = Salzburg 1.8. – 2.8. mit zweieinhalb Bogen „...behalte lieb deine Alte“, Erlebnisse von der Reise nach Salzburg zur Urgroßmutter. – 2.8. bis 5.8. einenhalb Bogen Franzi (geb. 1877; Nr.9 a Franziska Spängler, 1877-1962) und Fanni. – 12.8. „deine alte Fanni“. –13.8. Franzi, Postkarte mit kleinem, gedruckten Bild von Salzburg. – 17.8. Fanni. – 17.8. Franzi. – 20.8. Fanni.
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„1871 und 1884, 1887“ Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, * 1848; † 1905,  an Franz = Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, 10. und 11.10.1871. – 14./15.10. – 18.10. – 22./23.10. – 26./27.10. mit Einschreiben. – Briefe von Franz = Nr. 18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ fast durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, 30.10.1871. – 4.11. ohne Umschlag. – 9.11. Einschreiben, mit zwei Blumensträußchen [Foto bei Nr. 18]. – 13.11. – 17.11. – 22.11. – 25.11. – 29.11. - 3.12. – 5.12. – 6.12. ohne Umschlag. – 8.12. – 12.12. – 13.12. - 16.12.1871. – Abschiedsgedicht der „Geburtsfrau“ [Hebamme] vor dem Umzug nach Pottenstein. – Brief eines Freundes Albert ohne Datum. – Brief 24.4.1871 aus Linz von Rudolf Handel. – Brief 6.7.1871 aus Salzburg von Hedwig L. – Briefe von Kollegen, Salzburg 1887 mit Brief von Fanni in Pottenstein an Franz in Krems mit Umschlag „1887“. – Brief 30.12.1881/31.12. von Franz und Fanni, Pottenstein, an die Großmutter in Salzburg Nr.79 Fanny Kobler. – Karten-Brief Pottenstein 6.4.1887 Fanni an Franz. - „August 1884“ mit mehreren Briefen in einem Umschlag von Nr.19 Fanni Spängler an Nr. 18 Franz Spängler „Wolgeboren Doctor Franz Spängler kk. Bezirksrichter in Pottenstein a.d. Triesting“ = Salzburg 1.8. – 2.8. mit zweieinhalb Bogen „...behalte lieb deine Alte“, Erlebnisse von der Reise nach Salzburg zur Urgroßmutter. – 2.8. bis 5.8. einenhalb Bogen Franzi (geb. 1877; Nr.9 a Franziska Spängler, 1877-1962) und Fanni. – 12.8. „deine alte Fanni“. –13.8. Franzi, Postkarte mit kleinem, gedruckten Bild von Salzburg. – 17.8. Fanni. – 17.8. Franzi. – 20.8. Fanni.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 3.11. dito, 5 ½ Abends: Mein lieber Franz! Heute empfing ich deinen lieben Brief, als wir uns eben bereit machten, zur Seelenmesse der armen Marie zu gehen. Ich konnte denselben nur in großer Eile durchlesen, erst nach Tisch fand ich dann Zeit, deine lieben Zeilen ordentlich durchzustudiren, wie es sich gehört. Daß du, obgleich viel beschäftigt, so fleißig an mich schreibst, macht mir große Freude, und ich bin dir dafür herzlich dankbar. An den Tagen, wo ich einen Brief zu bekommen hoffe, bin ich meist von der Frühe an voll Erwartung, was ich von dir hören werde. Und wenn ich dann den Briefträger kommen höre, ich erkenne meist seinen Tritt, stehe ich oft schon an der Thüre um ja bald in Besitze des Schreibens zu sein. Da ist es dann manchmal eine rechte Geduldprüfung, wenn eine nicht aufzuschiebende Arbeit mir nicht gestattet, gleich an die Lektüre zu gehen. Eröffnet wird aber der Brief gewöhnlich sofort. – Gestern besuchte uns Willi Gattermay[e]r, er empfiehlt sich dir freundlich. Er sagte, daß unsere Verlobung ihn sehr überrascht aber auch recht erfreut habe. Ich war zuerst nicht zu Hause, und da erzählte ihm die Großmutter, in welcher Weise unsere Verbindung sich anbahnte, und zugleich, daß ich öfters den Wunsch ausgesprochen habe, er sollte mein Brautführer sein. Obgleich jetzt kein Zeitpunkt ist für ihn, derlei zu besprechen, zeigte er sich doch wohlgeneigt, dieses Amt zu übernehmen. Es frägt sich nur, ob sein Vater, der bekanntlich manchmal ziemlich eigen ist, nichts dagegen hat. Ich muß sagen, daß es mich freuen würde, da Willi zu meinen besten Jugendbekannten zählt, ja eigentlich ist er und seine Schwestern von unserer Kindheit meine Spielgenossen gewesen. Da darüber werden wir zu Weihnachten mehr sprechen, er hofft nämlich da für 8-14 Tage kommen zu können. – Da sagst, es sei doch zu viel, wenn ich aus Theilnahme für fremdes Leid kaum den Gedanken an mein, an unser Glück recht zu faßen wagte. Ich meine, gerade das eigene Glück macht uns geneigter, dem Schmerz des Nächsten tieferes Mitgefühl zu widmen, wir denken uns ernster in die Lage des Unglücklichen, der uns im Vergleich mit unserer eigenen so viel trauriger erscheint, je heller und schöner das Leben vor unsern Blicken liegt. Einerseits aber bringt ein trauriges Ereignis uns auch die Wandelbarkeit irdischen Glückes in Erinnerung, und in diesem Sinne meine ich, wagen wir kaum das eigene Glück recht zu durchdenken, indem wir an unserem Nächsten erfahren, wie rasch ein trauriger Wehsel eintritt. – Du mußt aber nach diesem nicht glauben, ich schaue so düster und furchtsam in die Zukunft, ich vertraue auf Gottes Güte, die uns sicher durch alle Vorfälle des Erdenlebens führen kann und wird. Für heute muß ich schließen, da ich die Singakademie besuchen will. Es wird für ein Concert am Cäcilienfeste studirt, wo ich mitsingen werde, vielleicht zum letzten Mal. Erinnerst du dich an die Concertprobe, welchem du bei deinem Aufenthalte zu Pfingsten beinerhatest [?]? – 4.11. ½ 9 Uhr früh. Auf deine Frage wegen Schumacher und Emma weiß ich keine bestimmte Antwort. Emma [Emma Seehofer; Freundin; Foto bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln] sagte mir neulich, daß sie doch hoffentlich im Laufe des nächsten Sommers heirathen werden. Sie bedauert, daß ich wahrscheinlich nicht bei ihrer Hochzeit sein werde. Ich erwiderte, sie sollte eine geschickte Zeit zu ihrer Vermählung aussuchen, dann kommen wir Beide, du u. ich per Dampf angefahren an ihrem Hochzeitstag. Findest du vielleicht besser, daß wir warten, damit ich ihre Brautjungfer sein kann? Damit wärst du wol nicht einverstanden, oder? – Mir scheint, du wirst ohnehin ungeduldig genug bis zum April, aber denke an das „Wort der Frau: Es bleibt dabei. Und es bleibt dabei, sagt auch die Großmutter bezüglich der Hochzeitsreise, die wir im Februar noch keinesfalls machen dürften, weder nach Italien noch auch sonst wohin. Also Geduld. – Wo Albert und Emma sich niederlaßen werden, scheint auch noch nicht bestimmt, doch wird häufig von Wien gesprochen. Das wäre recht hübsch, wenn wir so nahe zusammen kämen. Minna Lorinser freut sich auch schon, wenn ich einmal für immer nach Wien komme, sie schrieb neulich, wenn ich komme, wird ihr sein, als ob ein Stück Salzburg in ihr Staubnest käme. So ungebührlich beliebt sie die alte Kaiserstadt zu betiteln, für die sie eben gar keine Sympathie hat. Ich weiß nicht, womit ich es verdiene, daß Minna, so wenig wir uns früher verstanden, mich nun so lieb hat, und so gern bei mir ist. – Nun heute sind noch 50 Tage bis zum Weihnachtsabend, siehst du, ich bin wie ein Kind, und zähle die Tage bis zu dem lieben, schönen Fest. Ich gehöre aber nicht zu den braven Kindern, die an das Christkind schreiben dürfen. Am Ende würde eine solche Correspondenz auch unseren Briefwechsel beeinträchtigen und das wäre wieder dir nicht recht, ich bilde mir sogar ein, daß dich meine Briefe mehr erfreuen, als sie das Christkindl freuen würden, das doch so sehr viele Briefe von viel braveren Kindern kriegt. – Mittwoch 1.Nov. schrieb ich an Frau v.Danner, bin neugierig, wann ich eine Antwort bekomme. – An meine sogenannte böhmische Großmutter schrieb ich zu ihrem Namenstag, sie heißt Therese [Schlegel], und schickte ihr die Fotografien von uns, die Brustbilder. Sie hatte Freude daran und findet auch, daß wir gut zusammen passen. Das finden wir auch, nicht wahr? – Am Allerseelentage ging ich allein in die Franziskanerkirche, nach der hl:Messe besuchte ich am St.Peterfriedhofe die Gräber. Zuerst das deines sel: Vater, wo ich mich auch erinnerte, wie wir Beide an derselben Stelle standen. Was dein guter Vater wol sagen würde wenn er mich sehen könnte. Dann besuchte ich das Grab der armen Fanni Plachetka. Obwohl ich sie nicht kannte, ich sah sie nur einmal, habe ich doch Sympathie für sie, als die Schwester meiner lieben Lida. Zuletzt stand ich einige Augenblicke an dem neuen Grabhügel der armen Marie Gattermay[e]r. Bei Gelegenheit ihres Todes trat mir der Gedanke nahe, wie trostreich der Glaube an ein Fortleben der Seele, an ein einstiges Wiedersehen ist. Resi Gattermay[e]r sagte am Todestag ihrer Schwester, nun uns die gute Marie vorangegangen ist, kann ich mich freuen auf das Hinübergehen ins Jenseits, weil ich weiß, daß ich dort die verklärte Marie wiederfinden werde. Wieviel größer muß der Schmerz der Trennung für Jene sein, die den seligen Glauben an ein künftiges Leben aufgegeben haben! – Doch genug hiervon. – Ich freue mich, daß du soviel Talent zeigst, ein recht guter Ehemann zu werden, doch daran zweifelte ich ohnehin nicht. Ich erkläre mich auch bereit, als deine treue Lebensgefährtin dich auf den verschiedenen Lebenswegen zu begleiten, auch auf denen die Abends ins Gasthaus führen. Wenn wir zum Einkaufe der Möbel u.s.f. im Februar nach Wien kommen, freue ich mich schon, mit dir recht viel Schönes und Neues sehen zu können. Ich werde auch eigens für diese Zeit recht schöne Theaterstücke zur Aufführung bestellen. Hoffentlich wird man mir zu Ehren auch eine Festvorstellung veranstalten, natürlich mit Beleuchtung des äußeren Schauplatzes, meinst du nicht? – Was die Fotografien betrifft, habe ich bereits die Rechnung verlangt, aber noch nicht bekommen, heute will ich wieder danach fragen, wenn ich in die englische Stunde gehe. Ich bitte dann Großmutter, daß sie einstweilen alles berichtigt, wenn du dann zu Weihnachten kommst, werden wir uns ausgleichen. So ist es am einfachsten. Ich bin nun schon sehr neugierig auf unsere Wohnung. Dieselbe früher zu beziehen, wie du vor hast, mußt du doch noch überlegen, hast du denn Jemand zu Bedienung dort? abgesehen davon, daß du im Anfang wenigstens auch mit den Möbeln schlecht versehen sein wirst. Doch das alles läßt sich viel besser mündlich besprechen, darum komme nur ganz gewiß zu Weihnachten, und suche von Herrn Bezirksrichter einen recht langen Urlaub zu erhalten. Sag ihm, ich laße schön bitten! Lebe wol ich freue mich schon so aufs Wiedersehen das kannst du glauben. Es umarmt dich deine Fanni/das Kind/. Großmutter grüßt. – „Marie #Gattermayer“: Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, gestorben 30.Okt.1871.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 3.11. dito, 5 ½ Abends: Mein lieber Franz! Heute empfing ich deinen lieben Brief, als wir uns eben bereit machten, zur Seelenmesse der armen Marie zu gehen. Ich konnte denselben nur in großer Eile durchlesen, erst nach Tisch fand ich dann Zeit, deine lieben Zeilen ordentlich durchzustudiren, wie es sich gehört. Daß du, obgleich viel beschäftigt, so fleißig an mich schreibst, macht mir große Freude, und ich bin dir dafür herzlich dankbar. An den Tagen, wo ich einen Brief zu bekommen hoffe, bin ich meist von der Frühe an voll Erwartung, was ich von dir hören werde. Und wenn ich dann den Briefträger kommen höre, ich erkenne meist seinen Tritt, stehe ich oft schon an der Thüre um ja bald in Besitze des Schreibens zu sein. Da ist es dann manchmal eine rechte Geduldprüfung, wenn eine nicht aufzuschiebende Arbeit mir nicht gestattet, gleich an die Lektüre zu gehen. Eröffnet wird aber der Brief gewöhnlich sofort. – Gestern besuchte uns Willi Gattermay[e]r, er empfiehlt sich dir freundlich. Er sagte, daß unsere Verlobung ihn sehr überrascht aber auch recht erfreut habe. Ich war zuerst nicht zu Hause, und da erzählte ihm die Großmutter, in welcher Weise unsere Verbindung sich anbahnte, und zugleich, daß ich öfters den Wunsch ausgesprochen habe, er sollte mein Brautführer sein. Obgleich jetzt kein Zeitpunkt ist für ihn, derlei zu besprechen, zeigte er sich doch wohlgeneigt, dieses Amt zu übernehmen. Es frägt sich nur, ob sein Vater, der bekanntlich manchmal ziemlich eigen ist, nichts dagegen hat. Ich muß sagen, daß es mich freuen würde, da Willi zu meinen besten Jugendbekannten zählt, ja eigentlich ist er und seine Schwestern von unserer Kindheit meine Spielgenossen gewesen. Da darüber werden wir zu Weihnachten mehr sprechen, er hofft nämlich da für 8-14 Tage kommen zu können. – Da sagst, es sei doch zu viel, wenn ich aus Theilnahme für fremdes Leid kaum den Gedanken an mein, an unser Glück recht zu faßen wagte. Ich meine, gerade das eigene Glück macht uns geneigter, dem Schmerz des Nächsten tieferes Mitgefühl zu widmen, wir denken uns ernster in die Lage des Unglücklichen, der uns im Vergleich mit unserer eigenen so viel trauriger erscheint, je heller und schöner das Leben vor unsern Blicken liegt. Einerseits aber bringt ein trauriges Ereignis uns auch die Wandelbarkeit irdischen Glückes in Erinnerung, und in diesem Sinne meine ich, wagen wir kaum das eigene Glück recht zu durchdenken, indem wir an unserem Nächsten erfahren, wie rasch ein trauriger Wehsel eintritt. – Du mußt aber nach diesem nicht glauben, ich schaue so düster und furchtsam in die Zukunft, ich vertraue auf Gottes Güte, die uns sicher durch alle Vorfälle des Erdenlebens führen kann und wird. Für heute muß ich schließen, da ich die Singakademie besuchen will. Es wird für ein Concert am Cäcilienfeste studirt, wo ich mitsingen werde, vielleicht zum letzten Mal. Erinnerst du dich an die Concertprobe, welchem du bei deinem Aufenthalte zu Pfingsten beinerhatest [?]? – 4.11. ½ 9 Uhr früh. Auf deine Frage wegen Schumacher und Emma weiß ich keine bestimmte Antwort. Emma [Emma Seehofer; Freundin; Foto bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln] sagte mir neulich, daß sie doch hoffentlich im Laufe des nächsten Sommers heirathen werden. Sie bedauert, daß ich wahrscheinlich nicht bei ihrer Hochzeit sein werde. Ich erwiderte, sie sollte eine geschickte Zeit zu ihrer Vermählung aussuchen, dann kommen wir Beide, du u. ich per Dampf angefahren an ihrem Hochzeitstag. Findest du vielleicht besser, daß wir warten, damit ich ihre Brautjungfer sein kann? Damit wärst du wol nicht einverstanden, oder? – Mir scheint, du wirst ohnehin ungeduldig genug bis zum April, aber denke an das „Wort der Frau: Es bleibt dabei. Und es bleibt dabei, sagt auch die Großmutter bezüglich der Hochzeitsreise, die wir im Februar noch keinesfalls machen dürften, weder nach Italien noch auch sonst wohin. Also Geduld. – Wo Albert und Emma sich niederlaßen werden, scheint auch noch nicht bestimmt, doch wird häufig von Wien gesprochen. Das wäre recht hübsch, wenn wir so nahe zusammen kämen. Minna Lorinser freut sich auch schon, wenn ich einmal für immer nach Wien komme, sie schrieb neulich, wenn ich komme, wird ihr sein, als ob ein Stück Salzburg in ihr Staubnest käme. So ungebührlich beliebt sie die alte Kaiserstadt zu betiteln, für die sie eben gar keine Sympathie hat. Ich weiß nicht, womit ich es verdiene, daß Minna, so wenig wir uns früher verstanden, mich nun so lieb hat, und so gern bei mir ist. – Nun heute sind noch 50 Tage bis zum Weihnachtsabend, siehst du, ich bin wie ein Kind, und zähle die Tage bis zu dem lieben, schönen Fest. Ich gehöre aber nicht zu den braven Kindern, die an das Christkind schreiben dürfen. Am Ende würde eine solche Correspondenz auch unseren Briefwechsel beeinträchtigen und das wäre wieder dir nicht recht, ich bilde mir sogar ein, daß dich meine Briefe mehr erfreuen, als sie das Christkindl freuen würden, das doch so sehr viele Briefe von viel braveren Kindern kriegt. – Mittwoch 1.Nov. schrieb ich an Frau v.Danner, bin neugierig, wann ich eine Antwort bekomme. – An meine sogenannte böhmische Großmutter schrieb ich zu ihrem Namenstag, sie heißt Therese [Schlegel], und schickte ihr die Fotografien von uns, die Brustbilder. Sie hatte Freude daran und findet auch, daß wir gut zusammen passen. Das finden wir auch, nicht wahr? – Am Allerseelentage ging ich allein in die Franziskanerkirche, nach der hl:Messe besuchte ich am St.Peterfriedhofe die Gräber. Zuerst das deines sel: Vater, wo ich mich auch erinnerte, wie wir Beide an derselben Stelle standen. Was dein guter Vater wol sagen würde wenn er mich sehen könnte. Dann besuchte ich das Grab der armen Fanni Plachetka. Obwohl ich sie nicht kannte, ich sah sie nur einmal, habe ich doch Sympathie für sie, als die Schwester meiner lieben Lida. Zuletzt stand ich einige Augenblicke an dem neuen Grabhügel der armen Marie Gattermay[e]r. Bei Gelegenheit ihres Todes trat mir der Gedanke nahe, wie trostreich der Glaube an ein Fortleben der Seele, an ein einstiges Wiedersehen ist. Resi Gattermay[e]r sagte am Todestag ihrer Schwester, nun uns die gute Marie vorangegangen ist, kann ich mich freuen auf das Hinübergehen ins Jenseits, weil ich weiß, daß ich dort die verklärte Marie wiederfinden werde. Wieviel größer muß der Schmerz der Trennung für Jene sein, die den seligen Glauben an ein künftiges Leben aufgegeben haben! – Doch genug hiervon. – Ich freue mich, daß du soviel Talent zeigst, ein recht guter Ehemann zu werden, doch daran zweifelte ich ohnehin nicht. Ich erkläre mich auch bereit, als deine treue Lebensgefährtin dich auf den verschiedenen Lebenswegen zu begleiten, auch auf denen die Abends ins Gasthaus führen. Wenn wir zum Einkaufe der Möbel u.s.f. im Februar nach Wien kommen, freue ich mich schon, mit dir recht viel Schönes und Neues sehen zu können. Ich werde auch eigens für diese Zeit recht schöne Theaterstücke zur Aufführung bestellen. Hoffentlich wird man mir zu Ehren auch eine Festvorstellung veranstalten, natürlich mit Beleuchtung des äußeren Schauplatzes, meinst du nicht? – Was die Fotografien betrifft, habe ich bereits die Rechnung verlangt, aber noch nicht bekommen, heute will ich wieder danach fragen, wenn ich in die englische Stunde gehe. Ich bitte dann Großmutter, daß sie einstweilen alles berichtigt, wenn du dann zu Weihnachten kommst, werden wir uns ausgleichen. So ist es am einfachsten. Ich bin nun schon sehr neugierig auf unsere Wohnung. Dieselbe früher zu beziehen, wie du vor hast, mußt du doch noch überlegen, hast du denn Jemand zu Bedienung dort? abgesehen davon, daß du im Anfang wenigstens auch mit den Möbeln schlecht versehen sein wirst. Doch das alles läßt sich viel besser mündlich besprechen, darum komme nur ganz gewiß zu Weihnachten, und suche von Herrn Bezirksrichter einen recht langen Urlaub zu erhalten. Sag ihm, ich laße schön bitten! Lebe wol ich freue mich schon so aufs Wiedersehen das kannst du glauben. Es umarmt dich deine Fanni/das Kind/. Großmutter grüßt. – „Marie #Gattermayer“: Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, gestorben 30.Okt.1871.
 
   
 
   
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
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1871 bei den Briefen von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 8.11. Correspondenz-Karte von Salzburg nach Mödling, 9 Uhr früh: Sendung soeben erhalten, sehr erfreut, herzlichen Dank dafür. Brief wird heut Abend geschrieben. F. S.
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1871 bei den Briefen von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 8.11. Correspondenz-Karte von Salzburg nach Mödling, 9 Uhr früh: Sendung soeben erhalten, sehr erfreut, herzlichen Dank dafür. Brief wird heut Abend geschrieben. F. S.
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 8.11. Brief 5 Kr. gestempelt, von Salzburg nach Mödling, ¼ nach 8 Uhr Abends: Mein lieber Franz! Wie gern hätte ich heute früh gleich nach dem Empfang deiner Sendung meine Freude und meinen Dank ausgesprochen, allein ich hatte durchaus nicht Zeit zum Schreiben, und mußte mich begnügen, die Postkarte mit den wenigen Worten abzusenden, die hoffentlich in deine Hände kommt. So nun einen herzlichen Dank sowol für deinen lieben Brief als auch für das schöne Buch, womit du mich überraschtest. – Ich brauche dir wo[h]l nicht zu versichern, daß ich auch so daran gedacht habe, daß ich nun schon volle zwei Monate deine Braut bin, ebenso wenig wirst du zweifeln, daß ich große Freude mit deinem schönen Hute habe. Ich erinnere mich wol im Allgemeinen an jene Aufführung der Frithiofsage, doch ist mir das Werk in seinen Einzelheiten fremd geblieben. Ich werde bald mit der Lektüre beginnen, obwohl ich recht wenig Zeit zum Lesen habe. Neben den Arbeiten für die Ausstattung haben wir nun auch die Näherin, ich denke, du wirst seinerzeit auch einmal die Erfahrung machen, was das zu bedeuten hat. Die Anwesenheit der Näherin ist auch Ursache, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, sonst würde ich ganz gewiß heut Früh geschrieben haben damit die Verzögerung des Briefwechsels aufgehoben worden wäre, denn, wie du schon gesehen haben wirst, habe ich erst heute dein Paket erhalten, wo ich schon gestern [auf] einen Brief gehofft hatte. – Um nicht zu vergeßen, muß ich gleich jetzt einem Auftrag des Dr.Kanisch nachkommen. Er ersuchte mich nämlich bei Gelegenheit seines Abschiedsbesuches, dich von ihm freundlich zu grüßen, und dich zu ersuchen, du möchtest ihn wißen laßen, wann und wo er dich in Wien treffen könne, da er sehr wünscht, dich zu sehen. Er wird bis gegen Mitte Dezember in Wien bleiben, wenn du also im Laufe der nächsten Wochen einmal einen Tag in Wien zuzubringen gedenkest sei so freundlich etwa zwei Tage früher den Dr.Kanisch davon zu verständigen. Der betreffende Brief wäre an das allgemeine Krankenhaus zu adressiren. Dr.K: hat mir schon seine Fotografie gegeben, er wäre auch bereit gewesen, für dich ein Exemplar zu hinterlegen, doch dankte ich ihm dafür, ich meine wir sind mit dem einem Bild zufrieden, nicht wahr? – Es ist gut, daß du mir jetzt schon sagst, daß du zu Weihnachten das „Wort der Frau“ umzustoßen suchen willst, ich werde mich gefaßt machen, recht fest dabei stehen zu bleiben, schon um Standhaftigkeit zu beweisen. So lange ich zu Hause bin, wird meine Widerstandsfähigkeit größer sein, besonders wenn ich meine Großmutter als Verbündete weiß, aber später fürchte ich wird es mir manch liebes Mal gehen, wie bei der Affaire vom du sagen. Da mußte ich auch bald klein beigeben. – Ich stimme daneben durchaus für den April [für den Hochzeitstermin], länger möchte ich aber doch auch nicht warten. Wenn die Emma mich als Brautjungfrau will, muß sie sich schon beeilen. Frau Marie, denke ich, hat deine Aufträge an Emma entrichtet, sie hat auch mir gesagt von deinem Briefe. – Für morgen Nachmittag haben sich die Zellerischen bei uns angesagt. Wie oft denke ich an das nächste Weihnachten und freue mich, wenn wir wieder beisammen sein werden! Wie viel giebt es doch zu besprechen, wozu man auch bei noch häufigerem Briefverkehr nicht kommt. – Mit deiner guten Mutter kommen wir jetzt nicht häufig zusammen, sie ist ja viel in Anspruch genommen. Für heute aber „Gute Nacht, mein Lieber, morgen werde ich wol nur wenig noch schreiben können, dann es ist eben wieder die Näherin schuld. – Die Großmutter, welche dich grüßt, ist über das Befinden des Briefträgers nun auch beruhigt. – 9.Nov. ½ 8 Uhr früh. Ich kann wirklich nicht mit Ruhe weiter schreiben, und bitte dich, mich zu entschuldigen. Mein nächster Brief wird hoffentlich wieder länger. Schreib nur recht bald wieder und behalte lieb deine treue Fanni. – Mein Vater läßt dich grüßen.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 8.11. Brief 5 Kr. gestempelt, von Salzburg nach Mödling, ¼ nach 8 Uhr Abends: Mein lieber Franz! Wie gern hätte ich heute früh gleich nach dem Empfang deiner Sendung meine Freude und meinen Dank ausgesprochen, allein ich hatte durchaus nicht Zeit zum Schreiben, und mußte mich begnügen, die Postkarte mit den wenigen Worten abzusenden, die hoffentlich in deine Hände kommt. So nun einen herzlichen Dank sowol für deinen lieben Brief als auch für das schöne Buch, womit du mich überraschtest. – Ich brauche dir wo[h]l nicht zu versichern, daß ich auch so daran gedacht habe, daß ich nun schon volle zwei Monate deine Braut bin, ebenso wenig wirst du zweifeln, daß ich große Freude mit deinem schönen Hute habe. Ich erinnere mich wol im Allgemeinen an jene Aufführung der Frithiofsage, doch ist mir das Werk in seinen Einzelheiten fremd geblieben. Ich werde bald mit der Lektüre beginnen, obwohl ich recht wenig Zeit zum Lesen habe. Neben den Arbeiten für die Ausstattung haben wir nun auch die Näherin, ich denke, du wirst seinerzeit auch einmal die Erfahrung machen, was das zu bedeuten hat. Die Anwesenheit der Näherin ist auch Ursache, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, sonst würde ich ganz gewiß heut Früh geschrieben haben damit die Verzögerung des Briefwechsels aufgehoben worden wäre, denn, wie du schon gesehen haben wirst, habe ich erst heute dein Paket erhalten, wo ich schon gestern [auf] einen Brief gehofft hatte. – Um nicht zu vergeßen, muß ich gleich jetzt einem Auftrag des Dr.Kanisch nachkommen. Er ersuchte mich nämlich bei Gelegenheit seines Abschiedsbesuches, dich von ihm freundlich zu grüßen, und dich zu ersuchen, du möchtest ihn wißen laßen, wann und wo er dich in Wien treffen könne, da er sehr wünscht, dich zu sehen. Er wird bis gegen Mitte Dezember in Wien bleiben, wenn du also im Laufe der nächsten Wochen einmal einen Tag in Wien zuzubringen gedenkest sei so freundlich etwa zwei Tage früher den Dr.Kanisch davon zu verständigen. Der betreffende Brief wäre an das allgemeine Krankenhaus zu adressiren. Dr.K: hat mir schon seine Fotografie gegeben, er wäre auch bereit gewesen, für dich ein Exemplar zu hinterlegen, doch dankte ich ihm dafür, ich meine wir sind mit dem einem Bild zufrieden, nicht wahr? – Es ist gut, daß du mir jetzt schon sagst, daß du zu Weihnachten das „Wort der Frau“ umzustoßen suchen willst, ich werde mich gefaßt machen, recht fest dabei stehen zu bleiben, schon um Standhaftigkeit zu beweisen. So lange ich zu Hause bin, wird meine Widerstandsfähigkeit größer sein, besonders wenn ich meine Großmutter als Verbündete weiß, aber später fürchte ich wird es mir manch liebes Mal gehen, wie bei der Affaire vom du sagen. Da mußte ich auch bald klein beigeben. – Ich stimme daneben durchaus für den April [für den Hochzeitstermin], länger möchte ich aber doch auch nicht warten. Wenn die Emma mich als Brautjungfrau will, muß sie sich schon beeilen. Frau Marie, denke ich, hat deine Aufträge an Emma entrichtet, sie hat auch mir gesagt von deinem Briefe. – Für morgen Nachmittag haben sich die Zellerischen bei uns angesagt. Wie oft denke ich an das nächste Weihnachten und freue mich, wenn wir wieder beisammen sein werden! Wie viel giebt es doch zu besprechen, wozu man auch bei noch häufigerem Briefverkehr nicht kommt. – Mit deiner guten Mutter kommen wir jetzt nicht häufig zusammen, sie ist ja viel in Anspruch genommen. Für heute aber „Gute Nacht, mein Lieber, morgen werde ich wol nur wenig noch schreiben können, dann es ist eben wieder die Näherin schuld. – Die Großmutter, welche dich grüßt, ist über das Befinden des Briefträgers nun auch beruhigt. – 9.Nov. ½ 8 Uhr früh. Ich kann wirklich nicht mit Ruhe weiter schreiben, und bitte dich, mich zu entschuldigen. Mein nächster Brief wird hoffentlich wieder länger. Schreib nur recht bald wieder und behalte lieb deine treue Fanni. – Mein Vater läßt dich grüßen.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 11.11. dito, Brief 5 Kr. aufgedruckt, von Salzburg nach Mödling: 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Freudig überrascht empfing ich deinen lieben Brief. Ich hatte erst für morgen einen erwartet. Ich danke dir für denselben herzlichst, ebenfalls für die hübschen Blumen, die mir sagen, daß du auch inmitten der Arbeit liebevoll mir gedenkest. Ich werde sie sorgfältig aufbewahren und an ihrem Anblick mich öfters erfreuen. Denke dir, heut Nacht träumte ich, du seist gekommen, und empfand innige Freude darüber. Wie schön wird es sein, wenn dieser Traum zur Wahrheit wird. Hoffentlich liegen nur noch 6 kurze Wochen zwischen heute und dem Tage des Wiedersehens. – Kurze Wochen sage ich, denn mir verfließt die Zeit rasend schnell. Wenn ich zurückdenke scheint mir die Zeit vom 3.Juni [da hat er um ihre Hand angehalten; vgl. Brief vom 6.12. Ihr Geburtstag ist der 1.6.; die Verlobung war im September; in einem anderen Brief am 27.8.71 wird noch „Sie“ geschrieben, nicht geduzt] wie eine kurze Reihe von Wochen, nicht wie 5 Monate. Und auch die 5 Monate bis zum 10.April werden rasch verfloßen sein, wenn du nur etwas mehr Geduld haben wolltest. Denke nur, kommt erst Weihnachten, wo wir wenigstens einige Tage beisammen sein werden, so wird bis zu unserer Vereinigung für immer, keine so lange Trennung mehr stattfinden wie die nunmehrige, denn Mitte Februar hoffe ich die Großmutter zur Wiener Reise bewegen zu können, also sind nur 6 Wochen, und von Wien zurückgekehrt, bleiben mir ebenfalls nur noch 6 bis 7 kurze Wochen, um Alles für die Hochzeit und die Umsiedlung zu bereiten. Und wie viel wird es da noch zu besorgen geben! Darum empfehle ich dir, anstatt immer wieder am „Wort der Frau“ zu rütteln, lieber heilsame und nützliche Betrachtungen über das Thema Geduld anzustellen und dir einige Sentenzen zu Gemüt zu führen, z.B. Geduld überwindet Alles, oder mit Geduld und Zeit wird aus dem Maulbeerblatt ein Atlaskleid u. so fort. Ich erinnere mich, dir schon einmal Ähnliches angerathen zu haben als Beruhigungsmittel bei Anfällen von Ungeduldsfieber. – Für heute schließe ich mit dieser Ermahnung, ich werde morgen um 7 oder ½ 8 Uhr in die Kirche gehen, so bleibt mir eine ruhige Zeit um Vormittags den Brief zu vollenden. Heute Nacht, du lieber, vielleicht träume ich wieder von dir! Wie froh macht es mich doch, zu wißen, daß du mich lieb hast! Gute Nacht! – 12. Nov: ½ 9 Uhr früh. Guten Morgen! Hast du gut geschlafen? Ich war wirklich um 7 Uhr in der hl. Messe und habe für uns Beide gebetet. Mit dem Träumen von dir aber war es Nichts diese Nacht, ich werde das Versäumte mit offenen Augen nachholen, was oft genug vorkommt. Thust du es auch? Heute über 6 Wochen hoffe ich dich in Salzburg begrüßen zu dürfen! Heute Nachmittag ist wieder Konzertprobe im Landtagsaale. Es wird „Athalie“ [nach Racine] von Mendelssohn einstudiert. Professor Maier spricht den verbindenden Text, die Musik ist wunderschön. Ich liebe Mendelssohn, ich finde seine Musik liegt auch dem Verständnis des musikalisch wenig Unterrichtetem mehr. Ich war meines Erinnerns nicht mehr im Landtagssaal seit jenem Conzert am 1.Juni. Die Probe muß am 30. o. 31.Mai gewesen sein. Ich erinnere mich, daß ich damals wol bemerkte, daß deine Blicke häufig auf mir ruhten und du warst mir sehr aufmerksam gegen mich vorgekommen, aber ahnungslos wie ich war, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber. Ich hegte ja damals die Meinung um mich bekümmert sich Niemand. Aber nun weiß ich ja daß sich Jemand um mich bekümmert und nicht nur dies, sondern daß mich dieser Jemand auch noch lieb hat. Und daß ich dieses weiß macht mich so glücklich. – Am 16 November sind es zwei Jahre, daß Großmutters Leiden mit der Hand anfing. Es begann damals eine rechte Schule des Lebensernstes für mich, und wenn ich darüber nachdenke, so muß ich mir sagen, daß ich nicht ohne Vortheil dieselbe durchmachte. Bis dahin war ich mir nur vorübergehend der ernsten Seite des Lebens bewußt geworden, und ich war in der Lage gewesen meine moralische Kraft zu erproben. In den langen Leidenswochen mußte ich lernen meinen Mut und meine Thatkraft aufrecht zu halten, und es wäre mir damals leichter gewesen selbst körperlich zu leiden, als den fortgesetzten Anblick des Leidens zu ertragen, und dabei so viel als möglich die mir sonst eigene Heiterkeit zu bewahren. Freilich meinte ich damals oft, so harmlos lustig wie ich gewesen, könne ich nimmer werden. Dann kam unser Aufenthalt im Weinbründl und die Zeit wo, du weißt es ja, in mir der Wunsch und der Glaube lebte L.Z. [Ludwig Zellner?] denke mit mehr als nur freundschaftlichem Interesse an mich. Du erinnerst dich wol daß ich dir sagte, auch diese Zeit innerer Erregung sei nicht ohne Vortheil für mich gewesen. Ich fand damals nicht recht Worte, diese sonderbare Behauptung zu erklären, ich will es heute versuchen. Es zeigte sich bald, daß ich keinen Grund hatte, dem Gedanken nach L. in solcher Weise nachzuhängen, doch wollte ich nicht so rasch dran glauben. Im täglichen Verkehr mit der ganzen Familie Z. kam mir freilich auch erst allmählich und später, die Überzeugung, daß ich nicht die Eigenschaften habe, für dieses Haus zu passen. Ich mußte auch lernen mich völlig zu beherrschen, denn ich war stolz genug, Niemand zu zeigen wie es mit mir war. Nur Lida wußte davon, die ich aber gerade in der Zeit ziemlich selten allein sah. So konnte ich auch, nachdem ich klar genug sah, daß L. entweder nie in solcher Weise wie ich gemeint, an mich gedacht hatte, oder daß er eingesehen hatte, daß wir nicht zueinander passen würden, den gewohnten freundlichen Ton gegen ihn festhalten, der hoffentlich fortbestehen wird, daß ich aber den Mut hatte, einer unerwiderten Neigung wegen nicht mich selbst für unglücklich zu halten, daß ich die Kraft hinzu[neh]men hatte, das nenne ich den Vortheil, von welchem ich sprach. Mit kurzen Worten, durch diese Sache ist mein Charakter fester, bewußter geworden. Daß ich nun geliebt werde und die Neigung erwidern kann, nehme ich als ein unverdientes Glück an und will nur suchen mich desselben nicht unwert zu zeigen. Ich will deine Liebe, du Lieber, Guter, zu verdienen suchen, indem ich so viel als möglich das sein werde, was du von mir erwartest, eine treue, liebende Gefährtin für dich, durch unser Leben. - Ich wurde hier unterbrochen, und ehe ich wieder zu schreiben beginne las ich auch das Vorstehende wieder durch. Es kommt dir vielleicht eigen vor, daß ich so schreibe, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Punkt einmal zu besprechen. Und damit genug davon. Weißt du, unser erstes und gemeinschaftliches Eigenthum sind vielleicht die Alpenblumen, die ich von jenem Alpenfeste am 8.September heimbrachte und davon einen Theil ich dir dann gab. Hast du sie noch? Nächsten Sommer werden wir wol mitsammen Blumen suchen, wenn du mich spazieren führst, oder auf geschäftlichen Ausflügen mitnimmst. Ob wir wirklich zu englischen Studien kommen? Wir wollen sehen! Du mußt schon deswegen bis zum April warten, damit ich in der englischen Conversation gewandter werde. Ich bilde mir ein, ich bemerke doch, daß ich etwas fließender englisch spreche, seit ich zu Miß Ung gehe. Auch englisch Lesen übe ich mich. Es ist nun 12 Uhr und ich schließe meine Zeilen, indem ich genau wie du rechne, wann ich wieder einen Brief erhalte. Lebe wol und behalte lieb deine Fanni. Großmutter grüßt.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 11.11. dito, Brief 5 Kr. aufgedruckt, von Salzburg nach Mödling: 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Freudig überrascht empfing ich deinen lieben Brief. Ich hatte erst für morgen einen erwartet. Ich danke dir für denselben herzlichst, ebenfalls für die hübschen Blumen, die mir sagen, daß du auch inmitten der Arbeit liebevoll mir gedenkest. Ich werde sie sorgfältig aufbewahren und an ihrem Anblick mich öfters erfreuen. Denke dir, heut Nacht träumte ich, du seist gekommen, und empfand innige Freude darüber. Wie schön wird es sein, wenn dieser Traum zur Wahrheit wird. Hoffentlich liegen nur noch 6 kurze Wochen zwischen heute und dem Tage des Wiedersehens. – Kurze Wochen sage ich, denn mir verfließt die Zeit rasend schnell. Wenn ich zurückdenke scheint mir die Zeit vom 3.Juni [da hat er um ihre Hand angehalten; vgl. Brief vom 6.12. Ihr Geburtstag ist der 1.6.; die Verlobung war im September; in einem anderen Brief am 27.8.71 wird noch „Sie“ geschrieben, nicht geduzt] wie eine kurze Reihe von Wochen, nicht wie 5 Monate. Und auch die 5 Monate bis zum 10.April werden rasch verfloßen sein, wenn du nur etwas mehr Geduld haben wolltest. Denke nur, kommt erst Weihnachten, wo wir wenigstens einige Tage beisammen sein werden, so wird bis zu unserer Vereinigung für immer, keine so lange Trennung mehr stattfinden wie die nunmehrige, denn Mitte Februar hoffe ich die Großmutter zur Wiener Reise bewegen zu können, also sind nur 6 Wochen, und von Wien zurückgekehrt, bleiben mir ebenfalls nur noch 6 bis 7 kurze Wochen, um Alles für die Hochzeit und die Umsiedlung zu bereiten. Und wie viel wird es da noch zu besorgen geben! Darum empfehle ich dir, anstatt immer wieder am „Wort der Frau“ zu rütteln, lieber heilsame und nützliche Betrachtungen über das Thema Geduld anzustellen und dir einige Sentenzen zu Gemüt zu führen, z.B. Geduld überwindet Alles, oder mit Geduld und Zeit wird aus dem Maulbeerblatt ein Atlaskleid u. so fort. Ich erinnere mich, dir schon einmal Ähnliches angerathen zu haben als Beruhigungsmittel bei Anfällen von Ungeduldsfieber. – Für heute schließe ich mit dieser Ermahnung, ich werde morgen um 7 oder ½ 8 Uhr in die Kirche gehen, so bleibt mir eine ruhige Zeit um Vormittags den Brief zu vollenden. Heute Nacht, du lieber, vielleicht träume ich wieder von dir! Wie froh macht es mich doch, zu wißen, daß du mich lieb hast! Gute Nacht! – 12. Nov: ½ 9 Uhr früh. Guten Morgen! Hast du gut geschlafen? Ich war wirklich um 7 Uhr in der hl. Messe und habe für uns Beide gebetet. Mit dem Träumen von dir aber war es Nichts diese Nacht, ich werde das Versäumte mit offenen Augen nachholen, was oft genug vorkommt. Thust du es auch? Heute über 6 Wochen hoffe ich dich in Salzburg begrüßen zu dürfen! Heute Nachmittag ist wieder Konzertprobe im Landtagsaale. Es wird „Athalie“ [nach Racine] von Mendelssohn einstudiert. Professor Maier spricht den verbindenden Text, die Musik ist wunderschön. Ich liebe Mendelssohn, ich finde seine Musik liegt auch dem Verständnis des musikalisch wenig Unterrichtetem mehr. Ich war meines Erinnerns nicht mehr im Landtagssaal seit jenem Conzert am 1.Juni. Die Probe muß am 30. o. 31.Mai gewesen sein. Ich erinnere mich, daß ich damals wol bemerkte, daß deine Blicke häufig auf mir ruhten und du warst mir sehr aufmerksam gegen mich vorgekommen, aber ahnungslos wie ich war, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber. Ich hegte ja damals die Meinung um mich bekümmert sich Niemand. Aber nun weiß ich ja daß sich Jemand um mich bekümmert und nicht nur dies, sondern daß mich dieser Jemand auch noch lieb hat. Und daß ich dieses weiß macht mich so glücklich. – Am 16 November sind es zwei Jahre, daß Großmutters Leiden mit der Hand anfing. Es begann damals eine rechte Schule des Lebensernstes für mich, und wenn ich darüber nachdenke, so muß ich mir sagen, daß ich nicht ohne Vortheil dieselbe durchmachte. Bis dahin war ich mir nur vorübergehend der ernsten Seite des Lebens bewußt geworden, und ich war in der Lage gewesen meine moralische Kraft zu erproben. In den langen Leidenswochen mußte ich lernen meinen Mut und meine Thatkraft aufrecht zu halten, und es wäre mir damals leichter gewesen selbst körperlich zu leiden, als den fortgesetzten Anblick des Leidens zu ertragen, und dabei so viel als möglich die mir sonst eigene Heiterkeit zu bewahren. Freilich meinte ich damals oft, so harmlos lustig wie ich gewesen, könne ich nimmer werden. Dann kam unser Aufenthalt im Weinbründl und die Zeit wo, du weißt es ja, in mir der Wunsch und der Glaube lebte L.Z. [Ludwig Zellner?] denke mit mehr als nur freundschaftlichem Interesse an mich. Du erinnerst dich wol daß ich dir sagte, auch diese Zeit innerer Erregung sei nicht ohne Vortheil für mich gewesen. Ich fand damals nicht recht Worte, diese sonderbare Behauptung zu erklären, ich will es heute versuchen. Es zeigte sich bald, daß ich keinen Grund hatte, dem Gedanken nach L. in solcher Weise nachzuhängen, doch wollte ich nicht so rasch dran glauben. Im täglichen Verkehr mit der ganzen Familie Z. kam mir freilich auch erst allmählich und später, die Überzeugung, daß ich nicht die Eigenschaften habe, für dieses Haus zu passen. Ich mußte auch lernen mich völlig zu beherrschen, denn ich war stolz genug, Niemand zu zeigen wie es mit mir war. Nur Lida wußte davon, die ich aber gerade in der Zeit ziemlich selten allein sah. So konnte ich auch, nachdem ich klar genug sah, daß L. entweder nie in solcher Weise wie ich gemeint, an mich gedacht hatte, oder daß er eingesehen hatte, daß wir nicht zueinander passen würden, den gewohnten freundlichen Ton gegen ihn festhalten, der hoffentlich fortbestehen wird, daß ich aber den Mut hatte, einer unerwiderten Neigung wegen nicht mich selbst für unglücklich zu halten, daß ich die Kraft hinzu[neh]men hatte, das nenne ich den Vortheil, von welchem ich sprach. Mit kurzen Worten, durch diese Sache ist mein Charakter fester, bewußter geworden. Daß ich nun geliebt werde und die Neigung erwidern kann, nehme ich als ein unverdientes Glück an und will nur suchen mich desselben nicht unwert zu zeigen. Ich will deine Liebe, du Lieber, Guter, zu verdienen suchen, indem ich so viel als möglich das sein werde, was du von mir erwartest, eine treue, liebende Gefährtin für dich, durch unser Leben. - Ich wurde hier unterbrochen, und ehe ich wieder zu schreiben beginne las ich auch das Vorstehende wieder durch. Es kommt dir vielleicht eigen vor, daß ich so schreibe, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Punkt einmal zu besprechen. Und damit genug davon. Weißt du, unser erstes und gemeinschaftliches Eigenthum sind vielleicht die Alpenblumen, die ich von jenem Alpenfeste am 8.September heimbrachte und davon einen Theil ich dir dann gab. Hast du sie noch? Nächsten Sommer werden wir wol mitsammen Blumen suchen, wenn du mich spazieren führst, oder auf geschäftlichen Ausflügen mitnimmst. Ob wir wirklich zu englischen Studien kommen? Wir wollen sehen! Du mußt schon deswegen bis zum April warten, damit ich in der englischen Conversation gewandter werde. Ich bilde mir ein, ich bemerke doch, daß ich etwas fließender englisch spreche, seit ich zu Miß Ung gehe. Auch englisch Lesen übe ich mich. Es ist nun 12 Uhr und ich schließe meine Zeilen, indem ich genau wie du rechne, wann ich wieder einen Brief erhalte. Lebe wol und behalte lieb deine Fanni. Großmutter grüßt.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 13.11. ein Blatt ohne Umschlag [Vermerk Franz Spängler:] XL 15/11 1871 beantw mit XLI 18/11 1871. – Mein lieber Franz! Ich kann diese Gelegenheit nicht vorüber gehen laßen, ohne wenigstens einige Worte des Grußes beizufügen. Deine Mutter ist soeben bei uns, und ersuchte mich ihren Brief zu adressiren. Eben war Emma bei mir, um mir zu sagen, daß Albert an Stelle des kürzlich verstorbenen Dr.Gstöttner nach Hallein kommt und zwar binnen 8 bis 14 Tagen. Somit wird Emma wahrscheinlich auch im nächsten Frühjahr heirathen. Emma ist natürlich sehr erfreut. Lebe wol und behalte mich lieb. Übermorgen hoffe ich [auf] einen Brief. Es umarmt dich herzlich deine treue Fanni.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 13.11. ein Blatt ohne Umschlag [Vermerk Franz Spängler:] XL 15/11 1871 beantw mit XLI 18/11 1871. – Mein lieber Franz! Ich kann diese Gelegenheit nicht vorüber gehen laßen, ohne wenigstens einige Worte des Grußes beizufügen. Deine Mutter ist soeben bei uns, und ersuchte mich ihren Brief zu adressiren. Eben war Emma bei mir, um mir zu sagen, daß Albert an Stelle des kürzlich verstorbenen Dr.Gstöttner nach Hallein kommt und zwar binnen 8 bis 14 Tagen. Somit wird Emma wahrscheinlich auch im nächsten Frühjahr heirathen. Emma ist natürlich sehr erfreut. Lebe wol und behalte mich lieb. Übermorgen hoffe ich [auf] einen Brief. Es umarmt dich herzlich deine treue Fanni.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 15.11. Brief 5 Kr. aufgedruckt. „XLI erh 17/11 beantw 18/11“. Herrn Doctor Franz Spängler...: 5 ¾ Uhr. Mein lieber Franz! Wenn dieser Brief etwas verwirrt sein sollte, so bitte ich, dich hierüber nicht zu wundern, da die holde Näherin an meiner Seite sitzt und ab und zu mit mir spricht. – Für deinen lieben Brief meinen besten Dank, hast du noch nichts über das Befinden deines Hrn: Collegen erfahren, weißt du, sein Wol liegt mir sehr am Herzen, und ich wünsche innig seine Genesung vor Weihnachten! Das klingt sehr edel, nicht wahr, und doch ist es der reine Egoismus, der aus mir spricht, denn ich möchte dich so gerne für länger hier haben zu Weihnachten, und so sollten nur wenige Tage des Beisammenseins uns gegönnt sein. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß du doch eine Woche hier zubringen wirst können. O wie ich mich freue! Meine Großmutter ist soeben sehr böse auf mich, doch fühlt sich mein Gewissen ganz ruhig darüber. Verzeihe wenn ich dir so unwichtiges erzähle. Erinnerst du dich, als wir am 16 September bei der Überfuhr [Fähre] waren, wurde davon gesprochen, daß im Laufe dieses Winters regelmäßige Leseabende bei Ludwig Zellner stattfinden sollten. Meines Wissens wurde auch später die Großmutter unterrichtet. Seither war keine Rede mehr und ich dachte mit den Leseabenden wird es Nichts. Heute früh nun meldet sich Lida daß heute der erste Leseabend in Ludwigs Wohnung sein werde. Ich dachte gleich, daß Großmutter nicht damit einverstanden sein werde und wagte heute den ganzen Tag nicht davon zu sprechen. Gegen 4 Uhr kommt Mama Zellner und macht für heute und jeden 6.Tag die Einladung. Großmutter sagt zu meiner Verwunderung ziemlich freundlich zu. Mittlerweile kam deine gute Mutter mit dem kleinen Otto, und ich ahnte nichts Schlimmes. Kaum waren wir aber allein, als Großmutter schrecklich mit mir zankte, daß ich nicht früher etwas gesagt habe X [eingefügt] daß ich ein falsches Geschöpf bin X ferners daß ich keinen Sinn für Häuslichkeit habe, sondern immer fortlaufen will u. s. fort. Ich blieb ganz ruhig Gott sei Dank, aber gekränkt haben die Vorwürfe mich doch. Ich gestehe, daß ich ganz gern an den Lesungen teilnehmen würde, wenn nicht die Großmutter so böse darüber wäre. Sie will jetzt überhaupt gar nicht, daß ich irgendwohin gehe, am wenigsten daß ich einen Abend außer dem Hause zubringe. Was wird sie thun, wenn ich einmal ganz fort bin. O, ich habe Angst vor dem Abschiede, ich fürchte, sie wird sich sehr schwer an meine Abwesenheit gewöhnen, wenngleich sie mir in der Aufregung heute versicherte, sie sei froh, wenn ich fort bin. – Liebster Freund, sei nicht böse über dieses Geschreibsel, es war mir eine Erleichterung, denn daß ich durch so etwas nicht erheitert werde, kannst du dir denken. Ich kann es nicht ertragen, Jemand gegen mich aufgebracht zu wißen und ich werde auch jetzt mein Bestes thun, daß Großmutter wieder gut wird. Um deine Frage der Wahrheit gemäß zu beantworten, will ich nur gestehen, aber ganz heimlich, daß es mir wol gar viel lieber ist, wenn du mit Ungeduld den Tag herbeisehnst, wen[n] ich dein werde, als wenn du allzu gleichmüthig sein Herankommen erwartest, und ich meine, auch ich würde mehr Ungeduld empfinden, sähe ich nicht noch so sehr viel zu thun vor mir, daß ich oft meine, es ist gar nicht möglich, daß Alles fertig wird. Wenn nur erst Weihnachten ist! Nun ich deine Frage beantwortet habe, möchte ich ganz gehorsamst um eine nützliche Auskunft bitten, und zwar, ob du mir sagen könntest, wie man von Mödling Correspondenzkarten am sichersten an Frau Antonia Spängler in Salzburg [Mutter vom Franz, „unsere Mutter“] befördert? Indem man sie ohne Adresse anschreibt, nicht wahr? – Nun muß ich mich zum Leseabend rüsten, daher lebe wol, mein Lieber. [auf dem Kopf:] Großmutter grüßt. Deine gute Mutter trug mir auch gestern viele Grüße auf. – 16. November ½ 10 Uhr früh. Nachdem ich meine Pflichten am Bügelbrett erfüllte, gestatte ich mir, ein halbes Stündchen mit dir zu plaudern. Vorerst muß ich berichten, daß Großmutter heute wieder ziemlich gut ist. Der gestrige Leseabend war ganz hübsch. Es wurde aus dem Buche „über menschliche Schwächen“ gelesen, weißt du, wir haben es bei Zellner mitsammen durchblättert. Ich malte mir gestern aus, wie hübsch es sein wird, wenn wir in unserer eigenen behaglich eingerichteten Wohnung miteinander lesen werden. – Letzten Samstag begann ich die Frithiofssage zu lesen, bin aber erst bis zum 3.Gesang gekommen, da ich die für jeden Abschnitt treffenden Erklärungen gleich mitlas. Es ist mir interessant, daß soviel über die nordische Götterlehre in dem Buche enthalten ist, ich hatte längst gewünscht den altgermanischen Sagenkreis etwas näher kennen zu lernen. – Heute treffen aus Geibels Gedichten [Emanuel Geibel, 1815-1884]: Sehnsucht u. das Sonett: Dichterleben, ich hoffe wir sind bezüglich der Gedichte in der Ordnung [gemeinsame parallele Lektüre]. – Die Sammlung deiner lieben Briefe ist für mich ein liebes Eigenthum, und es geschieht wol in freien Minuten, daß ich mich an dem Anblick des stattlichen Paketes erfreue, auch wenn ich Zeit habe, einen oder den anderen Brief durchlese. – Das habe ich im Leben nie gedacht daß ich einmal so viele Briefe schreiben werde, und daß mir diese Beschäftigung so lieb werden könne, denn bis zum Juni 1871 hatte ich wenig Lust am Briefschreiben. Es ist gut, daß ich mich im Briefschreiben übe, da ich von hier fortkomme, werde ich wol ziemlich oft die Feder zur Hand nehmen, um nicht ganz aus dem Verkehr mit meinen hiesigen Bekannten zu kommen. – Doch ich darf nicht mehr weiter schreiben, sondern muß wieder nach meiner Arbeit sehen. Jetzt sind noch 21 Wochen bis Anfang April. – Daß du für den nächsten Brief mehr Muße findest wünscht herzlich deine treue Fanni – „Frithiofssage“: wohl „Frithiofs saga“ in 24 Gesängen von Esaias Tegnér, 1825; aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen 1826 und 1841 (und neuere Übersetzungen). Mit „Aufführung“ ist vielleicht ein Leseabend gemeint.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 15.11. Brief 5 Kr. aufgedruckt. „XLI erh 17/11 beantw 18/11“. Herrn Doctor Franz Spängler...: 5 ¾ Uhr. Mein lieber Franz! Wenn dieser Brief etwas verwirrt sein sollte, so bitte ich, dich hierüber nicht zu wundern, da die holde Näherin an meiner Seite sitzt und ab und zu mit mir spricht. – Für deinen lieben Brief meinen besten Dank, hast du noch nichts über das Befinden deines Hrn: Collegen erfahren, weißt du, sein Wol liegt mir sehr am Herzen, und ich wünsche innig seine Genesung vor Weihnachten! Das klingt sehr edel, nicht wahr, und doch ist es der reine Egoismus, der aus mir spricht, denn ich möchte dich so gerne für länger hier haben zu Weihnachten, und so sollten nur wenige Tage des Beisammenseins uns gegönnt sein. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß du doch eine Woche hier zubringen wirst können. O wie ich mich freue! Meine Großmutter ist soeben sehr böse auf mich, doch fühlt sich mein Gewissen ganz ruhig darüber. Verzeihe wenn ich dir so unwichtiges erzähle. Erinnerst du dich, als wir am 16 September bei der Überfuhr [Fähre] waren, wurde davon gesprochen, daß im Laufe dieses Winters regelmäßige Leseabende bei Ludwig Zellner stattfinden sollten. Meines Wissens wurde auch später die Großmutter unterrichtet. Seither war keine Rede mehr und ich dachte mit den Leseabenden wird es Nichts. Heute früh nun meldet sich Lida daß heute der erste Leseabend in Ludwigs Wohnung sein werde. Ich dachte gleich, daß Großmutter nicht damit einverstanden sein werde und wagte heute den ganzen Tag nicht davon zu sprechen. Gegen 4 Uhr kommt Mama Zellner und macht für heute und jeden 6.Tag die Einladung. Großmutter sagt zu meiner Verwunderung ziemlich freundlich zu. Mittlerweile kam deine gute Mutter mit dem kleinen Otto, und ich ahnte nichts Schlimmes. Kaum waren wir aber allein, als Großmutter schrecklich mit mir zankte, daß ich nicht früher etwas gesagt habe X [eingefügt] daß ich ein falsches Geschöpf bin X ferners daß ich keinen Sinn für Häuslichkeit habe, sondern immer fortlaufen will u. s. fort. Ich blieb ganz ruhig Gott sei Dank, aber gekränkt haben die Vorwürfe mich doch. Ich gestehe, daß ich ganz gern an den Lesungen teilnehmen würde, wenn nicht die Großmutter so böse darüber wäre. Sie will jetzt überhaupt gar nicht, daß ich irgendwohin gehe, am wenigsten daß ich einen Abend außer dem Hause zubringe. Was wird sie thun, wenn ich einmal ganz fort bin. O, ich habe Angst vor dem Abschiede, ich fürchte, sie wird sich sehr schwer an meine Abwesenheit gewöhnen, wenngleich sie mir in der Aufregung heute versicherte, sie sei froh, wenn ich fort bin. – Liebster Freund, sei nicht böse über dieses Geschreibsel, es war mir eine Erleichterung, denn daß ich durch so etwas nicht erheitert werde, kannst du dir denken. Ich kann es nicht ertragen, Jemand gegen mich aufgebracht zu wißen und ich werde auch jetzt mein Bestes thun, daß Großmutter wieder gut wird. Um deine Frage der Wahrheit gemäß zu beantworten, will ich nur gestehen, aber ganz heimlich, daß es mir wol gar viel lieber ist, wenn du mit Ungeduld den Tag herbeisehnst, wen[n] ich dein werde, als wenn du allzu gleichmüthig sein Herankommen erwartest, und ich meine, auch ich würde mehr Ungeduld empfinden, sähe ich nicht noch so sehr viel zu thun vor mir, daß ich oft meine, es ist gar nicht möglich, daß Alles fertig wird. Wenn nur erst Weihnachten ist! Nun ich deine Frage beantwortet habe, möchte ich ganz gehorsamst um eine nützliche Auskunft bitten, und zwar, ob du mir sagen könntest, wie man von Mödling Correspondenzkarten am sichersten an Frau Antonia Spängler in Salzburg [Mutter vom Franz, „unsere Mutter“] befördert? Indem man sie ohne Adresse anschreibt, nicht wahr? – Nun muß ich mich zum Leseabend rüsten, daher lebe wol, mein Lieber. [auf dem Kopf:] Großmutter grüßt. Deine gute Mutter trug mir auch gestern viele Grüße auf. – 16. November ½ 10 Uhr früh. Nachdem ich meine Pflichten am Bügelbrett erfüllte, gestatte ich mir, ein halbes Stündchen mit dir zu plaudern. Vorerst muß ich berichten, daß Großmutter heute wieder ziemlich gut ist. Der gestrige Leseabend war ganz hübsch. Es wurde aus dem Buche „über menschliche Schwächen“ gelesen, weißt du, wir haben es bei Zellner mitsammen durchblättert. Ich malte mir gestern aus, wie hübsch es sein wird, wenn wir in unserer eigenen behaglich eingerichteten Wohnung miteinander lesen werden. – Letzten Samstag begann ich die Frithiofssage zu lesen, bin aber erst bis zum 3.Gesang gekommen, da ich die für jeden Abschnitt treffenden Erklärungen gleich mitlas. Es ist mir interessant, daß soviel über die nordische Götterlehre in dem Buche enthalten ist, ich hatte längst gewünscht den altgermanischen Sagenkreis etwas näher kennen zu lernen. – Heute treffen aus Geibels Gedichten [Emanuel Geibel, 1815-1884]: Sehnsucht u. das Sonett: Dichterleben, ich hoffe wir sind bezüglich der Gedichte in der Ordnung [gemeinsame parallele Lektüre]. – Die Sammlung deiner lieben Briefe ist für mich ein liebes Eigenthum, und es geschieht wol in freien Minuten, daß ich mich an dem Anblick des stattlichen Paketes erfreue, auch wenn ich Zeit habe, einen oder den anderen Brief durchlese. – Das habe ich im Leben nie gedacht daß ich einmal so viele Briefe schreiben werde, und daß mir diese Beschäftigung so lieb werden könne, denn bis zum Juni 1871 hatte ich wenig Lust am Briefschreiben. Es ist gut, daß ich mich im Briefschreiben übe, da ich von hier fortkomme, werde ich wol ziemlich oft die Feder zur Hand nehmen, um nicht ganz aus dem Verkehr mit meinen hiesigen Bekannten zu kommen. – Doch ich darf nicht mehr weiter schreiben, sondern muß wieder nach meiner Arbeit sehen. Jetzt sind noch 21 Wochen bis Anfang April. – Daß du für den nächsten Brief mehr Muße findest wünscht herzlich deine treue Fanni – „Frithiofssage“: wohl „Frithiofs saga“ in 24 Gesängen von Esaias Tegnér, 1825; aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen 1826 und 1841 (und neuere Übersetzungen). Mit „Aufführung“ ist vielleicht ein Leseabend gemeint.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 19.11. dito 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude empfing ich zur gewohnten Stunde deinen lieben Brief für welchen ich dir bestens danke. Ich fühle mich sehr geschmeichelt von deiner Versicherung, daß dir, tro[t]z des vielen Schreibens, welches deine Stellung mit sich bringt, der Briefwechsel mit mir nicht zur Beschwerde wird. Ich wünsche mir auch, daß dir meine Briefe eben solche Freude machen mögen, wie die deinen mir. Dabei muß ich auch bemerken, daß mein „ich darf nicht mehr weiter schreiben nur so gemeint war, daß ich mir selbst nicht mehr erlaubte, weiter zu schreiben, sondern mich verpflichtet fühlte eine Arbeit zur Hand zu nehmen. In dem Punkte des Schreibens ist meine Großmutter ganz tolerant Sie sieht eben gut genug ein, daß unser lebhafter brieflicher Verkehr die einzige Entschädigung für unser Getrenntsein ist. Es ist schon recht gut, daß keines von uns im Kaukasus ist! – Heute über 5 Wochen um diese Zeit sind wir hoffentlich recht glücklich und froh beisammen. Wie viel werden wir uns zu sagen haben! Wenn nur dein Hr: College gewiß gesund wird. – Seit dem Sturm vom Mittwoch [Großmutter ärgerlich] der aber am Donnerstag noch ein ziemlich heftiges Nachspiel hatte, ist die Luft wieder rein, und sind Großmutter und ich wieder auf dem gewohnten freundlichen Fuße. Ob ich an den besprochenen unangenehmen XXX ganz unschuldig bin, wage ich nicht zu entscheiden, meine Sanftmut, weißt du, ist eben nicht unbesiegbar, aber für falsch halte ich mich wirklich selbst nicht, und hoffe, du wirst dich dereinst von meiner Wahrheitsliebe überzeugen. Doch das klingt fast wie Selbstlob, ich hoffe, du wirst es nicht so auf[fassen.] – Die Trennung wird mir immerhin schwer genug bleiben, obwohl ich gut einsehe, daß es für uns Allen besser ist, wenn wir, du u. ich nach unserer Weise uns einrichten können, und dieses ist nur möglich wenn wir ganz unabhängig von unseren Angehörigen leben. Man wünscht mir vielseitig Glück, daß Mödling mein nächster Aufenthalt sein wird, ich bin schon sehr neugierig wie unsere Residenz aussieht. – Was das Schreiben betrifft, glaube ich gerne, daß du nach vollendeter Tagesarbeit keine besondere Lust mehr dazu hast, und bin gar bereit, seinerzeit einen guten Theil der Korrespondenz zu übernehmen, und ich denke, ich werde einen ziemlich ausgebreiteten Briefwechsel zu unterhalten haben, um mit allen meinen hiesigen lieben Bekannten ein wenig in Verkehr zu bleiben. – Wegen der Hebelschen Geschichten bitte ich dich, in deinem nächsten Brief den Tag zu bestimmen, an welchem ich beginnen soll, je drei Geschichten zu lesen. – Heute wurde also das Konzert abgehalten, zu meiner Verwunderung ging es besser als ich gehofft hatte. Am Freitage bei der Generalprobe war noch nicht Alles gut gegangen. Es war heute ein sehr elegantes Publikum. Auch Erzherzogin Sofie war zugegen. Unweit unseres Platzes saß auch Abt Eder. Ich mußte an Allerlei denken, als ich ihn so betrachtete. Einmal bildete ich mir auch ein, er faße mich ziemlich aufmerksam ins Auge. Vielleicht bin ich ihm etwas bekannt vorgekommen. Vielleicht habe ich mich übrigens auch getäuscht. Am Freitag Abend war mir ein großer musikalischer Genuß zu Theil, nämlich ich durfte einer Soirée des bekannten Florentiner Quartetts beiwohnen. Diese Soirée fand im Saal des Oser [?] Hofes statt und war vorzüglich schön. Eine Serenade von Haydn und ein Scherzo von Beethoven entzückten mich besonders. – Emma ist natürlich sehr glücklich, daß das Ziel ihrer Wünsche so nahe gerückt ist. Ich freue mich für sie und wünsche herzlich, daß Albert in Hallein eine recht angenehme und einträgliche Stellung erlangt. Ich bin nur neugierig ob ich Emmas Brautjungfrau werde oder Emma die meine. Ich denke, es wird sich kaum um mehr als um einige Wochen handeln. Am gleichen Tage Hochzeit zu halten, wäre wol nicht gut ausführbar, schon deshalb, weil Emmas Hochzeit jedenfalls in ihrem eigenen Haus gefeiert werden wird. Dies ist auch der Grund, daß Emma bis zum Frühjahr warten wird, damit die Hochzeit im Hofe gehalten werden kann. – Es ist nun ½ 10 Uhr und ich schließe meine Zeilen, und werde wol morgen früh nur ganz wenig mehr beifügen, da die Stunden wo es helle ist, jetzt so wenige sind, die ich daher um so gewißenhafter benützen muß, sonst wird wirklich nur 1 Stück in jeder Woche fertig. Gute Nacht lieber Freund daß du recht gut schläfst, wünscht herzlich deine treue Fanni. – 20 Nov: ¾ auf 8 Uhr. Ich füge nur noch einen freundlichen Morgengruß bei und die Bitte, behalte mich lieb. Es umarmt dich, du Lieber deine aufrichtige Fanni. – Grüße von Großmutter und Vater. Ich bin sehr einverstanden, wenn mein künftiger Haushalt zuweilen vom k.Jagdamt versorgt wird. - „Abt Eder“: neben einem Partezettel für Peter Paul Eder ( -1851), Hallein, und Maria Th.Eder ( -1865) liegt ein Gruß „Zum XVI.Geburtstage“ von „Benediktiner P.Albert Eder“ [später Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder] als „Freund und Bruder“ [Franz Spängler, siehe: Briefe 1853 (und 1876,1883].
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 19.11. dito 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude empfing ich zur gewohnten Stunde deinen lieben Brief für welchen ich dir bestens danke. Ich fühle mich sehr geschmeichelt von deiner Versicherung, daß dir, tro[t]z des vielen Schreibens, welches deine Stellung mit sich bringt, der Briefwechsel mit mir nicht zur Beschwerde wird. Ich wünsche mir auch, daß dir meine Briefe eben solche Freude machen mögen, wie die deinen mir. Dabei muß ich auch bemerken, daß mein „ich darf nicht mehr weiter schreiben nur so gemeint war, daß ich mir selbst nicht mehr erlaubte, weiter zu schreiben, sondern mich verpflichtet fühlte eine Arbeit zur Hand zu nehmen. In dem Punkte des Schreibens ist meine Großmutter ganz tolerant Sie sieht eben gut genug ein, daß unser lebhafter brieflicher Verkehr die einzige Entschädigung für unser Getrenntsein ist. Es ist schon recht gut, daß keines von uns im Kaukasus ist! – Heute über 5 Wochen um diese Zeit sind wir hoffentlich recht glücklich und froh beisammen. Wie viel werden wir uns zu sagen haben! Wenn nur dein Hr: College gewiß gesund wird. – Seit dem Sturm vom Mittwoch [Großmutter ärgerlich] der aber am Donnerstag noch ein ziemlich heftiges Nachspiel hatte, ist die Luft wieder rein, und sind Großmutter und ich wieder auf dem gewohnten freundlichen Fuße. Ob ich an den besprochenen unangenehmen XXX ganz unschuldig bin, wage ich nicht zu entscheiden, meine Sanftmut, weißt du, ist eben nicht unbesiegbar, aber für falsch halte ich mich wirklich selbst nicht, und hoffe, du wirst dich dereinst von meiner Wahrheitsliebe überzeugen. Doch das klingt fast wie Selbstlob, ich hoffe, du wirst es nicht so auf[fassen.] – Die Trennung wird mir immerhin schwer genug bleiben, obwohl ich gut einsehe, daß es für uns Allen besser ist, wenn wir, du u. ich nach unserer Weise uns einrichten können, und dieses ist nur möglich wenn wir ganz unabhängig von unseren Angehörigen leben. Man wünscht mir vielseitig Glück, daß Mödling mein nächster Aufenthalt sein wird, ich bin schon sehr neugierig wie unsere Residenz aussieht. – Was das Schreiben betrifft, glaube ich gerne, daß du nach vollendeter Tagesarbeit keine besondere Lust mehr dazu hast, und bin gar bereit, seinerzeit einen guten Theil der Korrespondenz zu übernehmen, und ich denke, ich werde einen ziemlich ausgebreiteten Briefwechsel zu unterhalten haben, um mit allen meinen hiesigen lieben Bekannten ein wenig in Verkehr zu bleiben. – Wegen der Hebelschen Geschichten bitte ich dich, in deinem nächsten Brief den Tag zu bestimmen, an welchem ich beginnen soll, je drei Geschichten zu lesen. – Heute wurde also das Konzert abgehalten, zu meiner Verwunderung ging es besser als ich gehofft hatte. Am Freitage bei der Generalprobe war noch nicht Alles gut gegangen. Es war heute ein sehr elegantes Publikum. Auch Erzherzogin Sofie war zugegen. Unweit unseres Platzes saß auch Abt Eder. Ich mußte an Allerlei denken, als ich ihn so betrachtete. Einmal bildete ich mir auch ein, er faße mich ziemlich aufmerksam ins Auge. Vielleicht bin ich ihm etwas bekannt vorgekommen. Vielleicht habe ich mich übrigens auch getäuscht. Am Freitag Abend war mir ein großer musikalischer Genuß zu Theil, nämlich ich durfte einer Soirée des bekannten Florentiner Quartetts beiwohnen. Diese Soirée fand im Saal des Oser [?] Hofes statt und war vorzüglich schön. Eine Serenade von Haydn und ein Scherzo von Beethoven entzückten mich besonders. – Emma ist natürlich sehr glücklich, daß das Ziel ihrer Wünsche so nahe gerückt ist. Ich freue mich für sie und wünsche herzlich, daß Albert in Hallein eine recht angenehme und einträgliche Stellung erlangt. Ich bin nur neugierig ob ich Emmas Brautjungfrau werde oder Emma die meine. Ich denke, es wird sich kaum um mehr als um einige Wochen handeln. Am gleichen Tage Hochzeit zu halten, wäre wol nicht gut ausführbar, schon deshalb, weil Emmas Hochzeit jedenfalls in ihrem eigenen Haus gefeiert werden wird. Dies ist auch der Grund, daß Emma bis zum Frühjahr warten wird, damit die Hochzeit im Hofe gehalten werden kann. – Es ist nun ½ 10 Uhr und ich schließe meine Zeilen, und werde wol morgen früh nur ganz wenig mehr beifügen, da die Stunden wo es helle ist, jetzt so wenige sind, die ich daher um so gewißenhafter benützen muß, sonst wird wirklich nur 1 Stück in jeder Woche fertig. Gute Nacht lieber Freund daß du recht gut schläfst, wünscht herzlich deine treue Fanni. – 20 Nov: ¾ auf 8 Uhr. Ich füge nur noch einen freundlichen Morgengruß bei und die Bitte, behalte mich lieb. Es umarmt dich, du Lieber deine aufrichtige Fanni. – Grüße von Großmutter und Vater. Ich bin sehr einverstanden, wenn mein künftiger Haushalt zuweilen vom k.Jagdamt versorgt wird. - „Abt Eder“: neben einem Partezettel für Peter Paul Eder ( -1851), Hallein, und Maria Th.Eder ( -1865) liegt ein Gruß „Zum XVI.Geburtstage“ von „Benediktiner P.Albert Eder“ [später Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder] als „Freund und Bruder“ [Franz Spängler, siehe: Briefe 1853 (und 1876,1883].
    
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 24.11. dito 6 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Du mußt doch den Brief zu spät aufgegeben haben, da er erst heute früh 8 Uhr in meine Hände kam. Wie du dir denken kannst, hatte ich um so ungeduldiger auf seine Ankunft gewartet. Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen. Deinen Rath, mir keine zu großartige Vorstellung von Mödling zu machen, will ich getreulich befolgen, ich hatte es übrigens bis jetzt auch noch gar nicht versucht, viel öfter male ich mir aus, wie ich meinen künftigen Haushalt einrichten werde, wie sich unsere Lebensweise gestalten wird. Häufig auch begehre ich den Rath der Großmutter für diesen oder jenen möglichen Fall, damit ich als Frau nicht ganz unvorbereitet den täglichen Vorkommnissen gegenüber stehe. Du würdest lachen müßen, wenn du hören könntest, wie ich mich oft um manche Kleinigkeiten bekümmere deren Vorhandensein sonst kaum von mir bemerkt wurden, die aber aufhörten für mich bedeutungslos zu sein, seit ich weiß, daß ich mich in nicht zu ferner Zeit damit beschäftigen müßen werde. – Ob ich Heimweh bekommen werde? Vielleicht; vor Langeweile fürchte ich mich nicht, ich denke, ich werde mich wol in den Stunden, wo du nicht bei mir sein wirst, zu beschäftigen wißen. Kommt manchmal eine Stunde, wo ich die bisher gewohnte Umgebung vermiße, und zuweilen wird früher eine kommen, so bitte ich dich schon jetzt um Geduld, ich hoffe solche Stimmungen sollen rasch vorübergehen. In dieser Hinsicht halte ich es für entschieden besser, wenn ich erst im Frühjahr meine bisherige Heimat mit der neuen vertausche, ich meine, wenn alles um mich grünt und blüht, werde ich auch leichter Wurzel faßen können in fremder Erden. Und dann, denke ich auch, wird deine Liebe zu mir der Sonnenschein sein, den die Pflanze so nöthig hat, zum Gedeihen. Es ist nun Emma’s Hochzeit für den Monat Februar festgesetzt. Siehst du – jetzt werde doch ich ihre Kranzjungfrau. Wahrscheinlich wird Emma am 10.Februar heirathen, die Hochzeit wird also in der Stadt im eigenen Hause gehalten. Zu unserer Hochzeit kommen dann Albert und Emma schon als ehrsame Eheleute. Es ist eigentlich nicht mehr also billig, daß die Beiden vor uns heirathen, sie warten ja schon mehr Jahre lang aufeinander als wir Monate. Im Hause Zeller giebt es nun auch Vieles noch zu thun, bis Emmas Haushalt vollständig eingerichtet sein wird. – Daß du an deiner Mutter eine Bundesgenossin hast, habe ich längst gewußt, ich weiß nicht warum sie mit solcher Ungeduld unsere Vereinigung erwartet. – Ich denke nach deinem Vorschlag wird sich Alles gut ordnen. Wie viel wird es noch zu besorgen geben, die letzten Tage vor der Trauung! – Wohin uns die Hochzeitsreise führen wird, bin ich neugierig, wenn du zu Weihnachten hier bist, wollen wir Reisepläne machen. Mit Freude vernehme ich, daß deine College sich auf dem Wege der Besserung befindet, und also Aussicht ist, daß du doch mehrere Tage hier bleiben kannst. Wie schön wird es sein, wenn wir dann gemüthlich mitsammen plaudern können! Wie manches [Mal] möchte ich oft sagen, wenn du bei mir wärst, bis ich zum Schreiben komme, ist bereits wieder ein ganz anderer Gedankengang gekommen und, was ich aussprechen oder fragen wollte, bleibt unausgesprochen. – Nun ist die Fasanparthie auch vorüber, hast du dich gut unterhalten? Ich werde also am 29. mit den drei Gedichten beginnen. Die für jeden Abend bestimmten Gedichte zu lesen ist mir eine liebe Gewohnheit geworden, ich denke dabei immer, nun begegnen sich vielleicht unsere Gedanken. Besonders hübsch habe ich das „Zauberschloß“ gefunden. Wenn ich die beiden Gedichte gelesen habe, nehme ich die Frithiofssage zu Hand, ich bin gestern mitten im 8.Gesang stehen geblieben. Je weiter ich lese, desto besser gefällt mir das Buch. – Ich werde achtgeben auf das von dir erwähnte Feuilleton der neuen freien Presse, doch wird es wol erst in etwa 8 Tagen in meine Hände kommen. Das Volksblatt haben wir aufgegeben, wir mochten die fortwährenden Zänkereien mit der Chronik nicht leiden. – Was das Schlittschuhlaufen betrifft, will ich heuer wol zum Abschied dieses Vergnügen noch genießen, oft werde ich freilich nicht nach Leopoldskron kommen, da drei Nachmittage durch die englische Stunde verkürzt werden und ich die übrigen 3 Nachmittage in der Woche mir wol nicht für das Schlittschuhlaufen gönnen werde. So bleibt nur der Sonntag. Manchmal werde ich freilich troz dieser soliden Vorsätze auch an Werktagen hinausspazieren, es ist gar so lustig so über das glänzende Eis hinzufliegen. Die englische Conversation ist jetzt auch in der Wohnung der Wihsthory [?], bis ich da in das Podstatzky’sche Haus und wieder nach der Stunde heim komme, gehn mehr als 1 ½ Stunde dahin. – Doch die hierdurch bedingte Bewegung ist auch nützlich. – Wir haben seit mehreren Tagen jene leise Kälte und seit gestern viel Schnee. Wenn es so fortgeht wird der Leopoldskroner Weiher wirklich bald fest genug gefroren sein. – Am Dienstag war wieder Leseabend bei Zeller, diesesmal ohne vorhergehenden Sturm. Auch Albert war dabei; er ist am selben Tag von Wien angekommen, und wird nun auch bald seinen neuen Posten beziehen. – Bist du schon mir Dr Stanisch beisammen gewesen? Wenn du ihn siehst, kannst du ihm erzählen, daß es hier heißt, Fräulein Lina Spaztenegger sei seine Braut. – Doch ich schließe nun mit vielen herzlichen Grüßen, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Viele Grüße von Großmutter, ebenso von deiner Mutter. Gute Nacht, du Lieber schlafe wol. – Von heute über einen Monat ist der Weihnachtsabend, noch 30 Tage. – „#Zeller“: Partezettel für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg 1838-1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für „Ludwig Zeller“; „Zeller“ und die „Zellerischen“ mehrfach in den Briefen. - „Spatzenegger“: vgl. undatierte Visitenkarte „Pfr. Dr. Spatzenegger und Frau“.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 24.11. dito 6 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Du mußt doch den Brief zu spät aufgegeben haben, da er erst heute früh 8 Uhr in meine Hände kam. Wie du dir denken kannst, hatte ich um so ungeduldiger auf seine Ankunft gewartet. Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen. Deinen Rath, mir keine zu großartige Vorstellung von Mödling zu machen, will ich getreulich befolgen, ich hatte es übrigens bis jetzt auch noch gar nicht versucht, viel öfter male ich mir aus, wie ich meinen künftigen Haushalt einrichten werde, wie sich unsere Lebensweise gestalten wird. Häufig auch begehre ich den Rath der Großmutter für diesen oder jenen möglichen Fall, damit ich als Frau nicht ganz unvorbereitet den täglichen Vorkommnissen gegenüber stehe. Du würdest lachen müßen, wenn du hören könntest, wie ich mich oft um manche Kleinigkeiten bekümmere deren Vorhandensein sonst kaum von mir bemerkt wurden, die aber aufhörten für mich bedeutungslos zu sein, seit ich weiß, daß ich mich in nicht zu ferner Zeit damit beschäftigen müßen werde. – Ob ich Heimweh bekommen werde? Vielleicht; vor Langeweile fürchte ich mich nicht, ich denke, ich werde mich wol in den Stunden, wo du nicht bei mir sein wirst, zu beschäftigen wißen. Kommt manchmal eine Stunde, wo ich die bisher gewohnte Umgebung vermiße, und zuweilen wird früher eine kommen, so bitte ich dich schon jetzt um Geduld, ich hoffe solche Stimmungen sollen rasch vorübergehen. In dieser Hinsicht halte ich es für entschieden besser, wenn ich erst im Frühjahr meine bisherige Heimat mit der neuen vertausche, ich meine, wenn alles um mich grünt und blüht, werde ich auch leichter Wurzel faßen können in fremder Erden. Und dann, denke ich auch, wird deine Liebe zu mir der Sonnenschein sein, den die Pflanze so nöthig hat, zum Gedeihen. Es ist nun Emma’s Hochzeit für den Monat Februar festgesetzt. Siehst du – jetzt werde doch ich ihre Kranzjungfrau. Wahrscheinlich wird Emma am 10.Februar heirathen, die Hochzeit wird also in der Stadt im eigenen Hause gehalten. Zu unserer Hochzeit kommen dann Albert und Emma schon als ehrsame Eheleute. Es ist eigentlich nicht mehr also billig, daß die Beiden vor uns heirathen, sie warten ja schon mehr Jahre lang aufeinander als wir Monate. Im Hause Zeller giebt es nun auch Vieles noch zu thun, bis Emmas Haushalt vollständig eingerichtet sein wird. – Daß du an deiner Mutter eine Bundesgenossin hast, habe ich längst gewußt, ich weiß nicht warum sie mit solcher Ungeduld unsere Vereinigung erwartet. – Ich denke nach deinem Vorschlag wird sich Alles gut ordnen. Wie viel wird es noch zu besorgen geben, die letzten Tage vor der Trauung! – Wohin uns die Hochzeitsreise führen wird, bin ich neugierig, wenn du zu Weihnachten hier bist, wollen wir Reisepläne machen. Mit Freude vernehme ich, daß deine College sich auf dem Wege der Besserung befindet, und also Aussicht ist, daß du doch mehrere Tage hier bleiben kannst. Wie schön wird es sein, wenn wir dann gemüthlich mitsammen plaudern können! Wie manches [Mal] möchte ich oft sagen, wenn du bei mir wärst, bis ich zum Schreiben komme, ist bereits wieder ein ganz anderer Gedankengang gekommen und, was ich aussprechen oder fragen wollte, bleibt unausgesprochen. – Nun ist die Fasanparthie auch vorüber, hast du dich gut unterhalten? Ich werde also am 29. mit den drei Gedichten beginnen. Die für jeden Abend bestimmten Gedichte zu lesen ist mir eine liebe Gewohnheit geworden, ich denke dabei immer, nun begegnen sich vielleicht unsere Gedanken. Besonders hübsch habe ich das „Zauberschloß“ gefunden. Wenn ich die beiden Gedichte gelesen habe, nehme ich die Frithiofssage zu Hand, ich bin gestern mitten im 8.Gesang stehen geblieben. Je weiter ich lese, desto besser gefällt mir das Buch. – Ich werde achtgeben auf das von dir erwähnte Feuilleton der neuen freien Presse, doch wird es wol erst in etwa 8 Tagen in meine Hände kommen. Das Volksblatt haben wir aufgegeben, wir mochten die fortwährenden Zänkereien mit der Chronik nicht leiden. – Was das Schlittschuhlaufen betrifft, will ich heuer wol zum Abschied dieses Vergnügen noch genießen, oft werde ich freilich nicht nach Leopoldskron kommen, da drei Nachmittage durch die englische Stunde verkürzt werden und ich die übrigen 3 Nachmittage in der Woche mir wol nicht für das Schlittschuhlaufen gönnen werde. So bleibt nur der Sonntag. Manchmal werde ich freilich troz dieser soliden Vorsätze auch an Werktagen hinausspazieren, es ist gar so lustig so über das glänzende Eis hinzufliegen. Die englische Conversation ist jetzt auch in der Wohnung der Wihsthory [?], bis ich da in das Podstatzky’sche Haus und wieder nach der Stunde heim komme, gehn mehr als 1 ½ Stunde dahin. – Doch die hierdurch bedingte Bewegung ist auch nützlich. – Wir haben seit mehreren Tagen jene leise Kälte und seit gestern viel Schnee. Wenn es so fortgeht wird der Leopoldskroner Weiher wirklich bald fest genug gefroren sein. – Am Dienstag war wieder Leseabend bei Zeller, diesesmal ohne vorhergehenden Sturm. Auch Albert war dabei; er ist am selben Tag von Wien angekommen, und wird nun auch bald seinen neuen Posten beziehen. – Bist du schon mir Dr Stanisch beisammen gewesen? Wenn du ihn siehst, kannst du ihm erzählen, daß es hier heißt, Fräulein Lina Spaztenegger sei seine Braut. – Doch ich schließe nun mit vielen herzlichen Grüßen, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Viele Grüße von Großmutter, ebenso von deiner Mutter. Gute Nacht, du Lieber schlafe wol. – Von heute über einen Monat ist der Weihnachtsabend, noch 30 Tage. – „#Zeller“: Partezettel für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg 1838-1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für „Ludwig Zeller“; „Zeller“ und die „Zellerischen“ mehrfach in den Briefen. - „Spatzenegger“: vgl. undatierte Visitenkarte „Pfr. Dr. Spatzenegger und Frau“.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 27.11. dito 6 Uhr Abd: Meiner lieber Franz! Es ist recht lieb von dir, daß du mich heute schon mit einem so lieben Briefe erfreust, zur Entschädigung für mein längeres Warten auf dein letztes Schreiben. Nun kommt das ersehnte Weihnachtsfest schon näher und näher, bald werden wir sagen können in diesem Moment würden wir uns wiedersehn. Wie sehr freue ich mich auf die Tage, die wir dann zusammen erleben werden! Ich bedaure, daß du dich so wenig behaglich fühlst daheim, einerseits freue ich mich aber bei dem Gedanken, daß es wol hauptsächlich der Wunsch ist, mich bald als Gefährtin bei dir zu wißen, was dir dein bisheriges Leben ungenügend erscheinen läßt. Gebe Gott, daß ich dir dein Heim recht angenehm und behaglich zu machen vermag. Daß du mir so viel Vertrauen schenkest und alles Gute von mir erwartest, macht mich stolz, und ich wünsche innig, daß ich dein Vertrauen rechtfertigen möge. – Aus allen deinen Andeutungen scheint hervor zu gehen, daß du Talent zu einem recht soliden Ehemann hast, der seiner Frau gerne manche freie Stunden schenken wird. Da meine ich auch, wird sich das Heimweh nicht zu sehr einstellen. Ob ich Anlage hiezu habe, kann ich wirklich nicht beurtheilen wenn ich von hier weg war habe ich bis jezt noch nie welches empfunden, nur hat mir regelmäßig nach meiner Heimkunft Salzburg doppelt gut gefallen. – Für heute lebe recht wol, es ist wieder Leseabend/: ohne Donnerwetter so Gott will :/ - 28.November 8 ½ Uhr früh. Daß du in Mödling keinen eigentlichen Freund hast, schriebst du mir nach Adelholzen mit der Bemerkung, du würdest nun auch keinen suchen, sondern warten, bis du die Freundin bei dir hättest. Geduld, liebster Freund in wenigen Monaten wird sie bei dir sein, und wird suchen, so gut sie es kann, eine treue, theilnehmende Gefährtin zu sein, so wie sie in dir, du Lieber ihren besten, innigen Freund gefunden zu haben glaubt. Und gebe der liebe Gott, daß zwischen uns allzeit inniges Vertrauen, vollste Offenheit und unbedingte Wahrheit bestehe. „Einander ganz sich schließen ein, sich nie ein Wort verhehlen.“ Daran wollen wir festhalten, nicht wahr? – Daß du am vergangenen Mittwoch einen heiteren gemütlichen Abend verlebtest, freut mich für dich. Ich freue mich auch, daß Ihr Euch meiner freundlich erinnert habt, und danke für den mir gebrachten Toast! An die beiden Ehepaare, Angermay[e]r und Spängler bitte ich dich bei Gelegenheit freundliche Empfehlungen meinerseits zu entrichten. Emma ist natürlich sehr froh, daß ihr so lange erwartetes Ziel auf einmal so nahe gerückt ist. Gestern hielt Albert seinen Einzug in Hallein, ich glaube, er bekommt vorläufig zwei Zimmer von der Wohnung des kürzlich verstorbenen Dr: Gstöttner für seinen neu zu gründenden Haushalt mit Emma ist noch keine Wohnung ermittelt. Mama Zeller und Emma gehen schon Möbel aussuchen, und belustigen sich an dem Gedanken, daß sie am Ende für die ausgewählten Einrichtungsstücke kein Zimmer haben. Wie es Stielitz geht, habe ich in neuerer Zeit nicht erfahren, gestern mochte ich das Gespräch nicht auf dieses traurige Thema bringen. – Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: „Athen“ und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang „Frithiofs Rückkehr“ stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der „Salzburger Landeskunde“ hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 27.11. dito 6 Uhr Abd: Meiner lieber Franz! Es ist recht lieb von dir, daß du mich heute schon mit einem so lieben Briefe erfreust, zur Entschädigung für mein längeres Warten auf dein letztes Schreiben. Nun kommt das ersehnte Weihnachtsfest schon näher und näher, bald werden wir sagen können in diesem Moment würden wir uns wiedersehn. Wie sehr freue ich mich auf die Tage, die wir dann zusammen erleben werden! Ich bedaure, daß du dich so wenig behaglich fühlst daheim, einerseits freue ich mich aber bei dem Gedanken, daß es wol hauptsächlich der Wunsch ist, mich bald als Gefährtin bei dir zu wißen, was dir dein bisheriges Leben ungenügend erscheinen läßt. Gebe Gott, daß ich dir dein Heim recht angenehm und behaglich zu machen vermag. Daß du mir so viel Vertrauen schenkest und alles Gute von mir erwartest, macht mich stolz, und ich wünsche innig, daß ich dein Vertrauen rechtfertigen möge. – Aus allen deinen Andeutungen scheint hervor zu gehen, daß du Talent zu einem recht soliden Ehemann hast, der seiner Frau gerne manche freie Stunden schenken wird. Da meine ich auch, wird sich das Heimweh nicht zu sehr einstellen. Ob ich Anlage hiezu habe, kann ich wirklich nicht beurtheilen wenn ich von hier weg war habe ich bis jezt noch nie welches empfunden, nur hat mir regelmäßig nach meiner Heimkunft Salzburg doppelt gut gefallen. – Für heute lebe recht wol, es ist wieder Leseabend/: ohne Donnerwetter so Gott will :/ - 28.November 8 ½ Uhr früh. Daß du in Mödling keinen eigentlichen Freund hast, schriebst du mir nach Adelholzen mit der Bemerkung, du würdest nun auch keinen suchen, sondern warten, bis du die Freundin bei dir hättest. Geduld, liebster Freund in wenigen Monaten wird sie bei dir sein, und wird suchen, so gut sie es kann, eine treue, theilnehmende Gefährtin zu sein, so wie sie in dir, du Lieber ihren besten, innigen Freund gefunden zu haben glaubt. Und gebe der liebe Gott, daß zwischen uns allzeit inniges Vertrauen, vollste Offenheit und unbedingte Wahrheit bestehe. „Einander ganz sich schließen ein, sich nie ein Wort verhehlen.“ Daran wollen wir festhalten, nicht wahr? – Daß du am vergangenen Mittwoch einen heiteren gemütlichen Abend verlebtest, freut mich für dich. Ich freue mich auch, daß Ihr Euch meiner freundlich erinnert habt, und danke für den mir gebrachten Toast! An die beiden Ehepaare, Angermay[e]r und Spängler bitte ich dich bei Gelegenheit freundliche Empfehlungen meinerseits zu entrichten. Emma ist natürlich sehr froh, daß ihr so lange erwartetes Ziel auf einmal so nahe gerückt ist. Gestern hielt Albert seinen Einzug in Hallein, ich glaube, er bekommt vorläufig zwei Zimmer von der Wohnung des kürzlich verstorbenen Dr: Gstöttner für seinen neu zu gründenden Haushalt mit Emma ist noch keine Wohnung ermittelt. Mama Zeller und Emma gehen schon Möbel aussuchen, und belustigen sich an dem Gedanken, daß sie am Ende für die ausgewählten Einrichtungsstücke kein Zimmer haben. Wie es Stielitz geht, habe ich in neuerer Zeit nicht erfahren, gestern mochte ich das Gespräch nicht auf dieses traurige Thema bringen. – Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: „Athen“ und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang „Frithiofs Rückkehr“ stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der „Salzburger Landeskunde“ hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 1.12. dito [mit im Umschlag des folgenden Briefes] 4 Uhr Nachmittag: Mein lieber Franz! Wenn ich heute gegen meine sonstige Gewohnheit, so bald nach Empfang deines lieben Briefes an dessen Beantwortung gehe, so ist es die Hoffnung und der Wunsch, diese Zeilen sollten dich morgen noch ehe du nach Wien fährst, treffen, da ich für dieselben die gewohnte Adresse vorziehe. Deinen Brief erhielt ich nämlich erst nach 2 Uhr. – Für dein so sehr liebes Schreiben meinen herzlichsten Dank, ich kann nur die oft ausgesprochene Bitte an den Allmächtigen wiederholen, es möge die Zukunft Alles das erfüllen, was wir Beide jezt erwarten. Könnte ich am Sonntag anstatt mit diesen wenigen Zeilen, aus der Ferne dir zu deinem lieben Namensfeste zu gratuliren, vor dich hintreten und Aug in Aug meine Wünsche dir sagen, ich müßte immer wiederholen, daß es mein erster innigster Wunsch ist, dir das sein zu können, wast du von mir hoffest, eine treue, liebende Frau, die es vermag, dich so recht glücklich zu machen. Sehe ich dieses Ziel erreicht, dann will auch ich mich glücklich nennen. Daß sich diesem ersten und größten noch manche andere gute Wünsche anreihen, die an Tagen wie der 3.Dez. mehr als sonst zum Ausdruck gelangen möchten, wirst du mir glauben, so aber auch, daß diese Wünsche fort und fort in meiner Seele leben. Beiliegende freilich so sehr bescheidene Gabe, deren Stickerei ein recht mangelhaftes Werk meiner Hand ist, nimm freundlich als ein kleines Zeichen liebender Erinnerung. Möchten sich diese leeren Blätter mit recht vielen guten Aufzeichnungen bedecken! Deinen nächsten Namenstag werden wir, so Gott will, mitsammen als ein liebes, häusliches Fest feiern. Ich freue mich darauf, wenn es mir gelingt, dich nach des Tages Mühe und Beschwerde zu erheitern, und mit liebender Hand auf deiner Stirn die Falten des Unmutes zu zerstr vertilgen, die geschäftliche Sorgen und Unannehmlichkeiten darauf gesammelt haben. Ach, auch mir wird es oft schwer, zu glauben, daß jene Bilder stillen Glückes Wahrheit werden können die oft in unbestimmten Umrissen meinem inneren Auge vorschwebten, die nun um so mehr zu festerer Gestaltung kommen, je tiefer der Glaube an deine treue Liebe an unsere Zusammengehörigkeit in meiner Seele Wurzel faßt. Die Liebe sei blind, sagen die Menschen, sie sehe nicht die etwaigen Fehler des Geliebten; ich meine aber, es bedürfe nicht der Blindheit um diese zu ertragen, sondern nur der Duldsamkeit, die ja eine Eigenschaft der wahren Liebe ist. Ich stelle dem Worte, die Liebe ist blind das Wort entgegen: Wahre Liebe erträgt alles. Darum, sollten wir Eins am Anderen dereinst Fehler und Schwächen sehen, für deren Erkenntnis wir jetzt kein Auge haben so wollen wir mit Schonung und Nachsicht einerseits und mit dem ehrlichen Willen, dieselbe zu bessern andererseits dagegen zu Felde ziehen, und es wird gewiß gut werden. Ich wende mich diesmal zum Schluße, obwol noch Allerlei in deinem Briefe zu erledigen bleibt, damit das Paketchen heute noch fortkommt. Siehst du, jezt können wir schon sagen, in diesem Monat werden wir uns wiedersehen! Mit dem Wunsche du sollst deinen Namenstag recht heiter feiern, umarmt dich innig deine treue Fanni. – Großmutter grüßt dich und gratulirt auch.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 1.12. dito [mit im Umschlag des folgenden Briefes] 4 Uhr Nachmittag: Mein lieber Franz! Wenn ich heute gegen meine sonstige Gewohnheit, so bald nach Empfang deines lieben Briefes an dessen Beantwortung gehe, so ist es die Hoffnung und der Wunsch, diese Zeilen sollten dich morgen noch ehe du nach Wien fährst, treffen, da ich für dieselben die gewohnte Adresse vorziehe. Deinen Brief erhielt ich nämlich erst nach 2 Uhr. – Für dein so sehr liebes Schreiben meinen herzlichsten Dank, ich kann nur die oft ausgesprochene Bitte an den Allmächtigen wiederholen, es möge die Zukunft Alles das erfüllen, was wir Beide jezt erwarten. Könnte ich am Sonntag anstatt mit diesen wenigen Zeilen, aus der Ferne dir zu deinem lieben Namensfeste zu gratuliren, vor dich hintreten und Aug in Aug meine Wünsche dir sagen, ich müßte immer wiederholen, daß es mein erster innigster Wunsch ist, dir das sein zu können, wast du von mir hoffest, eine treue, liebende Frau, die es vermag, dich so recht glücklich zu machen. Sehe ich dieses Ziel erreicht, dann will auch ich mich glücklich nennen. Daß sich diesem ersten und größten noch manche andere gute Wünsche anreihen, die an Tagen wie der 3.Dez. mehr als sonst zum Ausdruck gelangen möchten, wirst du mir glauben, so aber auch, daß diese Wünsche fort und fort in meiner Seele leben. Beiliegende freilich so sehr bescheidene Gabe, deren Stickerei ein recht mangelhaftes Werk meiner Hand ist, nimm freundlich als ein kleines Zeichen liebender Erinnerung. Möchten sich diese leeren Blätter mit recht vielen guten Aufzeichnungen bedecken! Deinen nächsten Namenstag werden wir, so Gott will, mitsammen als ein liebes, häusliches Fest feiern. Ich freue mich darauf, wenn es mir gelingt, dich nach des Tages Mühe und Beschwerde zu erheitern, und mit liebender Hand auf deiner Stirn die Falten des Unmutes zu zerstr vertilgen, die geschäftliche Sorgen und Unannehmlichkeiten darauf gesammelt haben. Ach, auch mir wird es oft schwer, zu glauben, daß jene Bilder stillen Glückes Wahrheit werden können die oft in unbestimmten Umrissen meinem inneren Auge vorschwebten, die nun um so mehr zu festerer Gestaltung kommen, je tiefer der Glaube an deine treue Liebe an unsere Zusammengehörigkeit in meiner Seele Wurzel faßt. Die Liebe sei blind, sagen die Menschen, sie sehe nicht die etwaigen Fehler des Geliebten; ich meine aber, es bedürfe nicht der Blindheit um diese zu ertragen, sondern nur der Duldsamkeit, die ja eine Eigenschaft der wahren Liebe ist. Ich stelle dem Worte, die Liebe ist blind das Wort entgegen: Wahre Liebe erträgt alles. Darum, sollten wir Eins am Anderen dereinst Fehler und Schwächen sehen, für deren Erkenntnis wir jetzt kein Auge haben so wollen wir mit Schonung und Nachsicht einerseits und mit dem ehrlichen Willen, dieselbe zu bessern andererseits dagegen zu Felde ziehen, und es wird gewiß gut werden. Ich wende mich diesmal zum Schluße, obwol noch Allerlei in deinem Briefe zu erledigen bleibt, damit das Paketchen heute noch fortkommt. Siehst du, jezt können wir schon sagen, in diesem Monat werden wir uns wiedersehen! Mit dem Wunsche du sollst deinen Namenstag recht heiter feiern, umarmt dich innig deine treue Fanni. – Großmutter grüßt dich und gratulirt auch.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 2.12. dito, Spängler... „Abgabe bei Sr. Wolgeboren Herrn Landesgerichtsrath Angermayer VIII Bezirk, Schmidgasse N:3, Thür 20. III Stock“ Mein lieber Franz! Hoffentlich kommt heute mein gestern abgeschicktes Packetchen in deine Hände, um aber deinen Wunsch zu erfüllen, beginne ich hier einen zweiten Brief, den ich unter der vor dir angegebenen Adresse nach Wien sende, damit du morgen früh auch einen Brief von mir findest. Durch die größere Eile, mit der ich gestern Abend schrieb, war ich auch verhindert, deine lieben Zeilen eingehender zu beantworten. Nimm daher diesen Brief als Fortsetzung des gestrigen. Daß ich doch morgen persönlich unter der Zahl Jener sein dürfte, die dir freundliche, herzliche Wünsche darbringen! So muß ich mich begnügen, dir im Geiste nahe zu sein, und kann nur in Gedanken den morgigen Tag mit dir feiern. – Bis zum nächsten Jahr wird das anders sein, und da hoffe ich auch dir freudig bestätigen zu können, daß du wirklich Talent zum guten Ehemanne hast, und du wirst auch bis dahin wißen, ob ich deinen Anforderungen einigermaßen entspreche. Was das Stadtgespräch wegen dem Ehepaar Engroth betrifft, hoffe auch ich, daß kein eigentlicher Grund dazu vorhanden ist obwol solche Sch[w]ätzereien denkbarerweise nicht ganz ohne Grund entstehen können. Freilich wird aus der Mücke ein Elephant gemacht. Obwol ich Betty nur sehr flüchtig kenne, würde ich sie herzlich bedauern, und hat mich die Geschichte auch gar sehr befremdet. Hast du schon gehört, daß Wilhelm Fenzl gestorben ist? Wenn du Jemand von der Familie Fenzl siehst, entrichte mein aufrichtiges Beileid. – Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das „Alter der Liebe“ Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der „Gartenlaube“? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das „Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr „Schlafhaube“. Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 2.12. dito, Spängler... „Abgabe bei Sr. Wolgeboren Herrn Landesgerichtsrath Angermayer VIII Bezirk, Schmidgasse N:3, Thür 20. III Stock“ Mein lieber Franz! Hoffentlich kommt heute mein gestern abgeschicktes Packetchen in deine Hände, um aber deinen Wunsch zu erfüllen, beginne ich hier einen zweiten Brief, den ich unter der vor dir angegebenen Adresse nach Wien sende, damit du morgen früh auch einen Brief von mir findest. Durch die größere Eile, mit der ich gestern Abend schrieb, war ich auch verhindert, deine lieben Zeilen eingehender zu beantworten. Nimm daher diesen Brief als Fortsetzung des gestrigen. Daß ich doch morgen persönlich unter der Zahl Jener sein dürfte, die dir freundliche, herzliche Wünsche darbringen! So muß ich mich begnügen, dir im Geiste nahe zu sein, und kann nur in Gedanken den morgigen Tag mit dir feiern. – Bis zum nächsten Jahr wird das anders sein, und da hoffe ich auch dir freudig bestätigen zu können, daß du wirklich Talent zum guten Ehemanne hast, und du wirst auch bis dahin wißen, ob ich deinen Anforderungen einigermaßen entspreche. Was das Stadtgespräch wegen dem Ehepaar Engroth betrifft, hoffe auch ich, daß kein eigentlicher Grund dazu vorhanden ist obwol solche Sch[w]ätzereien denkbarerweise nicht ganz ohne Grund entstehen können. Freilich wird aus der Mücke ein Elephant gemacht. Obwol ich Betty nur sehr flüchtig kenne, würde ich sie herzlich bedauern, und hat mich die Geschichte auch gar sehr befremdet. Hast du schon gehört, daß Wilhelm Fenzl gestorben ist? Wenn du Jemand von der Familie Fenzl siehst, entrichte mein aufrichtiges Beileid. – Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das „Alter der Liebe“ Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der „Gartenlaube“? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das „Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr „Schlafhaube“. Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 4.12. dito, kleinerer Umschlag mit aufgeklebter Marke 5 Kr., 5 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Für deine lieben Zeilen meine besten Dank. Es ist mir lieb, daß ich am Samstag einen Brief nach Wien schrieb, da mein Schreiben vom Freitag sich verspätete. Es muß eine Ahnung gewesen sein, was mich bestimmte, auch am Samstag zu schreiben, denn ich hatte sicher darauf gerechnet, daß du meinen ersten Brief noch vor der Fahrt nach Wien bekommst. – Also die Zusammenkunft der Salzburger hatte eine solche „Anwandlung“ zur Folge! und auch noch andere unschuldige Seelen hast du verführt, in mitternächtiger Stunde die öffentliche Halle des edlen Mokka mit dir zu besuchen, anstatt friedlich zu ihren Privaten heimzukehren. Oh Oh, was hören meine Augen, sehen meine Ohren. Doch da bekanntlich ein freimüthiges Geständnis ein großer Milderungsgrund ist, so will ich die „Anwandlung“ mit sehr milden Blicke betrachten, und sogar lobend hervorheben, daß troz alledem Geibel nicht hintergesezt wurde, sondern die 3 Gedichte obgleich zu etwas ungewöhnlicher Zeit und wahrscheinlich mit müden Augen von dir gelesen wurden. In Ernst, ich freue mich, daß du einen vergnügten Abend zubrachtest und höre gern, daß du so heiter warst, und wünsche dir zugleich öfters so gemüthliche Abende. Wie hast du den gestrigen Tag zugebracht? Wir waren von der Familie Zeller aufgefordert gewesen zu einer Schlittenfahrt nach Hallein, lehnten es aber ab, und so war ich still zu Hause. Oft weilten meine Gedanken bei dir, du Lieber. Gegend Abend gingen wir zu Gattermayer. – Von den G‘[eibel]schen Gedichten treffen heute: Beim Feste, das Mädchen im Hades und Hirsch und Reh. Meiner Rechnung nach werden wir den 22. Dez. fertig. Bald kommt nun Weihnachten, wie freue ich mich darauf! Hast du Nichts mehr über das Befinden deines Herrn Collegen gehört? Wirst du denn alle Arbeit die du dir vornimmst, bewältigen können. Gar so sehr sollst du dich doch nicht anstrengen! Heute werde ich die Frithiofssage auslesen, wol auch erst etwas später da heute wieder Leseabend ist. Diesen Brief werde ich morgen Vormittag schließen, vielleicht ist dann wieder dein Brief in meinen Händen. Für jezt, behüt dich Gott! – 5.12. 12 ½ Uhr Mittag. Da ich bis jezt deinen für heute gehofften Brief noch nicht erhielt, will ich diesen nun schließen, damit du ihn morgen bekommst. Du wirst gestern wol nicht Zeit gehabt haben, mir zu schreiben, da will ich den[n] mit Geduld auf deinen nächsten Brief warten. – Der gestrige Leseabend verlief ohne besondere Ereigniße. Im Bette las ich noch die Gedichte, war aber dann zu müde, um die Frithiofs sage noch auszulesen. – Emma hat noch immer keine Wohnung in Hallein finden können die ihr gefällt. Es sind da oben überhaupt wenig annehmbare Quartiere. Albert wartet auf Patienten. Es wird viel geneckt, daß er den Leuten anstatt wie bisher beim Abschied zu sagen, leben Sie wol, bleiben Sie gesund, lieber wünschen möchte, werden Sie bald krank u.s.f. Immerhin ist es schwer, als Arzt seine Stellung zu gründen, Albert hat aber auch noch keinen Namen als Doktor. Emma hat auch etwas bange. Mit Stiebitz geht es ziemlich gleich, manchen Tag ist er natürlicher und besser, manchmal ist er so voll Einbildungen. Dazu wird natürlich von den Leuten wieder alles mögliche Unsinn zusammen gewschwätzt. Nachsten Sonntag wird Athalia [Athalie] wiederholt. Von dort sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, wie freue ich mich, wenn wir beisammen sein werden. Indem ich mich auf baldiges frohes Wiedersehen freue bleibe ich deine treue Fanni. Großmutter grüßt.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 4.12. dito, kleinerer Umschlag mit aufgeklebter Marke 5 Kr., 5 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Für deine lieben Zeilen meine besten Dank. Es ist mir lieb, daß ich am Samstag einen Brief nach Wien schrieb, da mein Schreiben vom Freitag sich verspätete. Es muß eine Ahnung gewesen sein, was mich bestimmte, auch am Samstag zu schreiben, denn ich hatte sicher darauf gerechnet, daß du meinen ersten Brief noch vor der Fahrt nach Wien bekommst. – Also die Zusammenkunft der Salzburger hatte eine solche „Anwandlung“ zur Folge! und auch noch andere unschuldige Seelen hast du verführt, in mitternächtiger Stunde die öffentliche Halle des edlen Mokka mit dir zu besuchen, anstatt friedlich zu ihren Privaten heimzukehren. Oh Oh, was hören meine Augen, sehen meine Ohren. Doch da bekanntlich ein freimüthiges Geständnis ein großer Milderungsgrund ist, so will ich die „Anwandlung“ mit sehr milden Blicke betrachten, und sogar lobend hervorheben, daß troz alledem Geibel nicht hintergesezt wurde, sondern die 3 Gedichte obgleich zu etwas ungewöhnlicher Zeit und wahrscheinlich mit müden Augen von dir gelesen wurden. In Ernst, ich freue mich, daß du einen vergnügten Abend zubrachtest und höre gern, daß du so heiter warst, und wünsche dir zugleich öfters so gemüthliche Abende. Wie hast du den gestrigen Tag zugebracht? Wir waren von der Familie Zeller aufgefordert gewesen zu einer Schlittenfahrt nach Hallein, lehnten es aber ab, und so war ich still zu Hause. Oft weilten meine Gedanken bei dir, du Lieber. Gegend Abend gingen wir zu Gattermayer. – Von den G‘[eibel]schen Gedichten treffen heute: Beim Feste, das Mädchen im Hades und Hirsch und Reh. Meiner Rechnung nach werden wir den 22. Dez. fertig. Bald kommt nun Weihnachten, wie freue ich mich darauf! Hast du Nichts mehr über das Befinden deines Herrn Collegen gehört? Wirst du denn alle Arbeit die du dir vornimmst, bewältigen können. Gar so sehr sollst du dich doch nicht anstrengen! Heute werde ich die Frithiofssage auslesen, wol auch erst etwas später da heute wieder Leseabend ist. Diesen Brief werde ich morgen Vormittag schließen, vielleicht ist dann wieder dein Brief in meinen Händen. Für jezt, behüt dich Gott! – 5.12. 12 ½ Uhr Mittag. Da ich bis jezt deinen für heute gehofften Brief noch nicht erhielt, will ich diesen nun schließen, damit du ihn morgen bekommst. Du wirst gestern wol nicht Zeit gehabt haben, mir zu schreiben, da will ich den[n] mit Geduld auf deinen nächsten Brief warten. – Der gestrige Leseabend verlief ohne besondere Ereigniße. Im Bette las ich noch die Gedichte, war aber dann zu müde, um die Frithiofs sage noch auszulesen. – Emma hat noch immer keine Wohnung in Hallein finden können die ihr gefällt. Es sind da oben überhaupt wenig annehmbare Quartiere. Albert wartet auf Patienten. Es wird viel geneckt, daß er den Leuten anstatt wie bisher beim Abschied zu sagen, leben Sie wol, bleiben Sie gesund, lieber wünschen möchte, werden Sie bald krank u.s.f. Immerhin ist es schwer, als Arzt seine Stellung zu gründen, Albert hat aber auch noch keinen Namen als Doktor. Emma hat auch etwas bange. Mit Stiebitz geht es ziemlich gleich, manchen Tag ist er natürlicher und besser, manchmal ist er so voll Einbildungen. Dazu wird natürlich von den Leuten wieder alles mögliche Unsinn zusammen gewschwätzt. Nachsten Sonntag wird Athalia [Athalie] wiederholt. Von dort sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, wie freue ich mich, wenn wir beisammen sein werden. Indem ich mich auf baldiges frohes Wiedersehen freue bleibe ich deine treue Fanni. Großmutter grüßt.
    
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 6.12. dito 7 ¾ Uh Abend. Mein lieber Franz! Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen von gestern, wie du gesehen haben wirst, habe ich auch deinen Brief vom 3. richtig erhalten. Am Sonntag, obwol ich meine Gedanken so oft bei dir weilen ließ, hatte ich nicht daran gedacht, daß gerade ein halbes Jahr seit dem 3.Juni verfloßen ist, erst gestern oder vorgestern fiel es mir ein. Der 3.Juni ist für uns ein mindestens eben so wichtiger Tag wie der 8.September und wird als ein bedeutungsvolles Fest im Kalender unseres gemeinschaftlichen Lebens verzeichnet stehen, welches wir, so Gott will, auch nach manchem wechselvollen Jahr gerne als ein recht freudiges feiern werden. Wenn ich daran denke, welcher Sturm damals in mir sich erhoben hatte, will mir der 3.Juni eigentlich so wichtig vorkommen, daß nur der Tag der Trauung damit verglichen werden kann, denn das entscheidende Ja des Verlobungstages hatte sich im Laufe unserer Correspondenz allmälig vorbereitet, und ich hatte da auch wirklich eine weit geringere Aufregung als an jenem Nachmittag bei Zeller. Wer mir damals gesagt hätte, wie bedeutungsvoll die Gartenpromenade werden sollte. Ich fand, weißt du noch, das Wetter so gar nicht einladend zum Spazierengehen und hätte dir auch auf jenem Hügel beinahe nicht Stand halten wollen. Es kam mir überhaupt so eigen vor, daß du mit mir immer so aus der Nähe des Ehepaares Wahl zu kommen suchtest, aber doch ahnte ich nicht Arges. – Und der Schreck den du mir bereitetest war doch arg. – Wo wir am nächsten 3.Juni sein werden? Hoffentlich in Mödling. Weist du, heute beschäftigete mich ziemlich lebhaft der Gedanke, es wäre doch Schade, wenn wir, kaum in unserer hübschen Wohnung eingerichtet, wieder anfangen müßten, in Wien eine zu suchen, wer weiß ob uns da das Glück auch so günstig wäre. Doch, wir wollen uns deshalb noch nicht beunruhigen, es wird ja Alles recht werden. Mein nächster Wunsch ist dermalen, daß wir zu Weihnachten uns recht froh und glücklich wiedersehen, und daß es das Befinden deines Collegen erlaubt, daß du doch eine Woche bei mir bleibst. Frl. Fanni Stölzl war früh einen Augenblick bei uns, und ich ersuchte sie, an Ludwig zu entrichten, was du mir hinsichtlich Dr.Kanisch schreibst. Natürlich wirst du ihn nicht wieder bestellen. Wenn er dich gerne sehen will, soll er einmal nach Mödling fahren. Ist der von dir oft genannte Dr.Kaserer nicht ein Sohn des hier lebenden Rechnungsrathes Kaserer? Eine Tochter des Lezteren Frl: Maria ist ein Mitglied unserer englischen Conversation, die andere Theilnehmerin ist Fräulein Worderegger, eine Nicht von Frl: Henf [Rosalie Henf]. Frl: Worderegger ist ein sonderbares Geschöpf. Anfangs war mir ihre Art gar nicht sympathisch, und nun finde ich sie ganz interessant und empfinde eine Art von Theilnahme für sie, da aus ihren Reden sooft hervorleuchtet, daß sie wenig Liebe von ihrer Umgebung genoßen hat, überhaupt eine ziemlich freudlose Jugend verlebte, was sie mit einer gewißen Bitterkeit und mit wenig Glauben an das Gute in der Welt erfüllte. Frl: Kaserer ist noch etwas Backfischchen und würde im Falle, Psyche käme als Amorettenspenderin, etwa von N:2. der Beschenkten sich gebohren [?]. Welchen Platz würdest du mir etwa zuspielen? Zum Schluß muß ich dir noch mittheilen, daß wir F.J. Arma XXX Lida und ich, heute zum ersten Mal wieder am Eis waren, zwar nicht in Leopoldskron, sondern in der Nähe der Lederfabrik. Ich habe das Eislaufen nicht verlernt, doch scheint mir, ich werde es heuer nicht mit solcher Passion betreiben wie in den letzten Wintern. Indem ich mich auf deinen nächsten ausführlicheren Brief freue bleibe ich deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. - In der „grünen Mappe“ Briefchen an Franz Spängler, Glückwunsch 1871, auf Visitenkarte von Dr.Josef Kaserer. – „Nachmittag bei Zeller“: dazu Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. das Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“  
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 6.12. dito 7 ¾ Uh Abend. Mein lieber Franz! Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen von gestern, wie du gesehen haben wirst, habe ich auch deinen Brief vom 3. richtig erhalten. Am Sonntag, obwol ich meine Gedanken so oft bei dir weilen ließ, hatte ich nicht daran gedacht, daß gerade ein halbes Jahr seit dem 3.Juni verfloßen ist, erst gestern oder vorgestern fiel es mir ein. Der 3.Juni ist für uns ein mindestens eben so wichtiger Tag wie der 8.September und wird als ein bedeutungsvolles Fest im Kalender unseres gemeinschaftlichen Lebens verzeichnet stehen, welches wir, so Gott will, auch nach manchem wechselvollen Jahr gerne als ein recht freudiges feiern werden. Wenn ich daran denke, welcher Sturm damals in mir sich erhoben hatte, will mir der 3.Juni eigentlich so wichtig vorkommen, daß nur der Tag der Trauung damit verglichen werden kann, denn das entscheidende Ja des Verlobungstages hatte sich im Laufe unserer Correspondenz allmälig vorbereitet, und ich hatte da auch wirklich eine weit geringere Aufregung als an jenem Nachmittag bei Zeller. Wer mir damals gesagt hätte, wie bedeutungsvoll die Gartenpromenade werden sollte. Ich fand, weißt du noch, das Wetter so gar nicht einladend zum Spazierengehen und hätte dir auch auf jenem Hügel beinahe nicht Stand halten wollen. Es kam mir überhaupt so eigen vor, daß du mit mir immer so aus der Nähe des Ehepaares Wahl zu kommen suchtest, aber doch ahnte ich nicht Arges. – Und der Schreck den du mir bereitetest war doch arg. – Wo wir am nächsten 3.Juni sein werden? Hoffentlich in Mödling. Weist du, heute beschäftigete mich ziemlich lebhaft der Gedanke, es wäre doch Schade, wenn wir, kaum in unserer hübschen Wohnung eingerichtet, wieder anfangen müßten, in Wien eine zu suchen, wer weiß ob uns da das Glück auch so günstig wäre. Doch, wir wollen uns deshalb noch nicht beunruhigen, es wird ja Alles recht werden. Mein nächster Wunsch ist dermalen, daß wir zu Weihnachten uns recht froh und glücklich wiedersehen, und daß es das Befinden deines Collegen erlaubt, daß du doch eine Woche bei mir bleibst. Frl. Fanni Stölzl war früh einen Augenblick bei uns, und ich ersuchte sie, an Ludwig zu entrichten, was du mir hinsichtlich Dr.Kanisch schreibst. Natürlich wirst du ihn nicht wieder bestellen. Wenn er dich gerne sehen will, soll er einmal nach Mödling fahren. Ist der von dir oft genannte Dr.Kaserer nicht ein Sohn des hier lebenden Rechnungsrathes Kaserer? Eine Tochter des Lezteren Frl: Maria ist ein Mitglied unserer englischen Conversation, die andere Theilnehmerin ist Fräulein Worderegger, eine Nicht von Frl: Henf [Rosalie Henf]. Frl: Worderegger ist ein sonderbares Geschöpf. Anfangs war mir ihre Art gar nicht sympathisch, und nun finde ich sie ganz interessant und empfinde eine Art von Theilnahme für sie, da aus ihren Reden sooft hervorleuchtet, daß sie wenig Liebe von ihrer Umgebung genoßen hat, überhaupt eine ziemlich freudlose Jugend verlebte, was sie mit einer gewißen Bitterkeit und mit wenig Glauben an das Gute in der Welt erfüllte. Frl: Kaserer ist noch etwas Backfischchen und würde im Falle, Psyche käme als Amorettenspenderin, etwa von N:2. der Beschenkten sich gebohren [?]. Welchen Platz würdest du mir etwa zuspielen? Zum Schluß muß ich dir noch mittheilen, daß wir F.J. Arma XXX Lida und ich, heute zum ersten Mal wieder am Eis waren, zwar nicht in Leopoldskron, sondern in der Nähe der Lederfabrik. Ich habe das Eislaufen nicht verlernt, doch scheint mir, ich werde es heuer nicht mit solcher Passion betreiben wie in den letzten Wintern. Indem ich mich auf deinen nächsten ausführlicheren Brief freue bleibe ich deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. - In der „grünen Mappe“ Briefchen an Franz Spängler, Glückwunsch 1871, auf Visitenkarte von Dr.Josef Kaserer. – „Nachmittag bei Zeller“: dazu Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. das Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“  
    
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 8.12. dito 8 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Wie soll ich dir danken, du Lieber, für die mir heute zugekommene Sendung? Ich brauche dir wol nicht zu versichern daß ich dieselbe mit freudiger Überraschung in Empfang nahm. Auch für deine so sehr lieben Zeilen meinen besten Dank! Wie innig freue ich mich, aus jedem deiner Briefe zu sehen daß du mich so lieb hast. Ich weiß nur so gar nicht, wie ich diese Liebe verdiene, doch nein, sie läßt sich nicht verdienen, sondern ist ein freies Geschenk des Himmels. „Lieb ist Wunder, Lieb ist Gnade die wie der Thau vom Himmel fällt. singt ja unser Freund Geibel und ich will nur suchen mich diese[m] Glück auch wert zu zeigen so weit es in meiner Macht ist. – Denke dir, Amaranth ist mir bis auf einige Stellen ganz unbekannt, doch nun will ich bald recht gut damit bekannt werden. – Wolthuend ist mir die Überzeugung daß die Religion dir nicht wie es bei so vielen Anderen der Fall ist, zu den „überwindbaren Standpunkten“ gehört, sondern daß du dieselbe hoch und heilig hältst. So Gott will, werde auch ich all mein Leben lang festhalten an dem Glauben und in allen verschiedenen Lagen Mut und Trost im Gebete suchen. Um so unangenehmer berührt es mich oft, wenn ich sehe, wie so manche leere Ceremonien, wie viel unnützer Pomp und leider auch wie manche Mißbräuche die einfache, reine Christuslehre entstellt haben. Wer es vermöchte, sie von dem Schlechten zu befreien, und sie zu der einfachen Würde zurückzuführen, die in dem Wesen unserer hl: Religion begründet liegt! – Doch wohin bin ich jezt gekommen. Ich schließe für heute, morgen Vormittag Fortsezung. – Gute Nacht du Lieber, behalte mich lieb. – 9.12. ¾ 10 Uhr Vorm. Erst nachdem ich meinen Wirtschaftspflichten Genüge geleistet habe, komme ich zur Fortsezung meines Briefes. Großmutter kann nämlich heut beinahe 2 Wochen nicht ausgehen, da ihr eine Frostbeule am Fuße so zu schaffen macht, und so mußte ich auch heute die verschiedenen Einkäufe besorgen. – Bitte sage dem uns so freundlich gestimmten St: Nikolaus meinen besten Dank dafür, daß er sich so freundlich gütig um die Einrichtung unsers neuen Haushaltes besorgt zeigte. Wenn die Heiligen selbst an der Ausstattung unsers Hauses Theil nehmen, kann doch nichts Anderes als ein kleines Paradies daraus werden. Nur scheinen mir die himmlischen Hausgeräthe ein wenig zu zierlich für irdischen Gebrauch. Jedenfalls nimmt der himmlische Nudelwalger einen Ehrenplatz ein, da er im Archiv sorglich verwahrt liegt. – Auch ich bin jezt öfters ziemlich ernstgestimmt, im Grunde bin ich stiller als sonst, und oft und oft beschäftigen sich meine Gedanken mit der großen Veränderung die mir bevorsteht. Zuweilen empfinde ich etwas wie Furcht, namentlich um den bevorstehenden Abschied, doch auch dieser wieder vorübergehen und ich hoffe in meinem neuen Heim auch bald angewöhnt zu sein. – Endlich hat Emma eine Wohnung in Hallein, im Hause des Kaufmanns Hänsel, doch muß sehr viel von Herrn v.Zeller gerichtet werden. Freilich zahlen sie auch nur 130 fl Zins. Auch Emma denkt mit einiger Besorgnis an ihre herannahende Vermählung. Ihre Hauptsorge ist freilich, ob Albert hinreichend Beschäftigung finden wird. Gestern war ich bei Zeller und da hörte ich, daß sich Stiebitz doch auf dem Wege der Besserung zu befinden scheint. Wie ich es Allen wünsche, daß diese Sorge verschwindet. Für diesmal aber genug, ich muß in die Küche, da hätte ich keine Ruhe mehr. Heut über 14 Tage fährst du hoffentlich von Mödling fort. Wie freut sich auf ein fröhliches Wiedersehen deine treue Fanni. – Großmutter grüßt.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 8.12. dito 8 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Wie soll ich dir danken, du Lieber, für die mir heute zugekommene Sendung? Ich brauche dir wol nicht zu versichern daß ich dieselbe mit freudiger Überraschung in Empfang nahm. Auch für deine so sehr lieben Zeilen meinen besten Dank! Wie innig freue ich mich, aus jedem deiner Briefe zu sehen daß du mich so lieb hast. Ich weiß nur so gar nicht, wie ich diese Liebe verdiene, doch nein, sie läßt sich nicht verdienen, sondern ist ein freies Geschenk des Himmels. „Lieb ist Wunder, Lieb ist Gnade die wie der Thau vom Himmel fällt. singt ja unser Freund Geibel und ich will nur suchen mich diese[m] Glück auch wert zu zeigen so weit es in meiner Macht ist. – Denke dir, Amaranth ist mir bis auf einige Stellen ganz unbekannt, doch nun will ich bald recht gut damit bekannt werden. – Wolthuend ist mir die Überzeugung daß die Religion dir nicht wie es bei so vielen Anderen der Fall ist, zu den „überwindbaren Standpunkten“ gehört, sondern daß du dieselbe hoch und heilig hältst. So Gott will, werde auch ich all mein Leben lang festhalten an dem Glauben und in allen verschiedenen Lagen Mut und Trost im Gebete suchen. Um so unangenehmer berührt es mich oft, wenn ich sehe, wie so manche leere Ceremonien, wie viel unnützer Pomp und leider auch wie manche Mißbräuche die einfache, reine Christuslehre entstellt haben. Wer es vermöchte, sie von dem Schlechten zu befreien, und sie zu der einfachen Würde zurückzuführen, die in dem Wesen unserer hl: Religion begründet liegt! – Doch wohin bin ich jezt gekommen. Ich schließe für heute, morgen Vormittag Fortsezung. – Gute Nacht du Lieber, behalte mich lieb. – 9.12. ¾ 10 Uhr Vorm. Erst nachdem ich meinen Wirtschaftspflichten Genüge geleistet habe, komme ich zur Fortsezung meines Briefes. Großmutter kann nämlich heut beinahe 2 Wochen nicht ausgehen, da ihr eine Frostbeule am Fuße so zu schaffen macht, und so mußte ich auch heute die verschiedenen Einkäufe besorgen. – Bitte sage dem uns so freundlich gestimmten St: Nikolaus meinen besten Dank dafür, daß er sich so freundlich gütig um die Einrichtung unsers neuen Haushaltes besorgt zeigte. Wenn die Heiligen selbst an der Ausstattung unsers Hauses Theil nehmen, kann doch nichts Anderes als ein kleines Paradies daraus werden. Nur scheinen mir die himmlischen Hausgeräthe ein wenig zu zierlich für irdischen Gebrauch. Jedenfalls nimmt der himmlische Nudelwalger einen Ehrenplatz ein, da er im Archiv sorglich verwahrt liegt. – Auch ich bin jezt öfters ziemlich ernstgestimmt, im Grunde bin ich stiller als sonst, und oft und oft beschäftigen sich meine Gedanken mit der großen Veränderung die mir bevorsteht. Zuweilen empfinde ich etwas wie Furcht, namentlich um den bevorstehenden Abschied, doch auch dieser wieder vorübergehen und ich hoffe in meinem neuen Heim auch bald angewöhnt zu sein. – Endlich hat Emma eine Wohnung in Hallein, im Hause des Kaufmanns Hänsel, doch muß sehr viel von Herrn v.Zeller gerichtet werden. Freilich zahlen sie auch nur 130 fl Zins. Auch Emma denkt mit einiger Besorgnis an ihre herannahende Vermählung. Ihre Hauptsorge ist freilich, ob Albert hinreichend Beschäftigung finden wird. Gestern war ich bei Zeller und da hörte ich, daß sich Stiebitz doch auf dem Wege der Besserung zu befinden scheint. Wie ich es Allen wünsche, daß diese Sorge verschwindet. Für diesmal aber genug, ich muß in die Küche, da hätte ich keine Ruhe mehr. Heut über 14 Tage fährst du hoffentlich von Mödling fort. Wie freut sich auf ein fröhliches Wiedersehen deine treue Fanni. – Großmutter grüßt.
    
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 11.12. dito 9 ¼ Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Es ist sehr freundlich von dir, daß du mir schon gestern wieder einen so lieben Brief zukommen ließest und ich danke dir hiemit herzlichst dafür. – Der 3.Juni wird noch manchmal Stoff zu Gesprächen liefern, denke ich; ob wir zu Weihnachten den denkwürdigen Hügel besuchen werden, hängt wol zunächst von dem Wetter ab. – Sollte ein Tag schön genug sein, um einen Spaziergang zu machen, so möchte ich recht gern mit dir die Stelle besuchen, wo du mir solchen Schreck bereitetest. Wie du selbst sagst, habe ich mich dann gründlich erholt und begriff auch längst warum du immer auf einsamen Pfaden mit mir wandeltest. Jezt wundert mich nur, daß diese Promenade nicht einen göttlichen Schnupfen zur Folge hatte! Diesmal werden wir es wohl nicht wie eine Erleichterung empfinden, wenn uns Jemand beim traulichen Gespräche in den Weg kommt! – Dem Herrn Bez: Richter bin ich sehr dankbar, daß er dein Kommen bewilligte, und wünsche nur, daß du recht lange Urlaub bekommen möchtest. Tag wie Tag enteilt, und bald werden wir froh und glücklich beisammen sein. Wie ich mich auf den Augenblick des Wiedersehens freue! Aber der Sturmlauf, liebster Freund, wird nichts nützen, es bleibt doch dabei! Ganz im Ernst, ich finde selbst den April besser für unsere Hochzeit. Ich glaube im Winter wäre es mir auch schwerer meinen kleinen Haushalt in Gang zu bringen. Anfangs wo sowol der Magd als mir Alles neu und fremd sein wird, werde ich ja auch alle Einkäufe selber besorgen müßen, um die Verhältniße kennen zu lernen, und mancher Weg wird da auch doppelt gemacht werden, das wäre im Winter nicht besonders angenehm. Und der Hauptgrund bleibt immer die Hochzeitsreise, es wäre doch ewig schade, wenn wir mit unsern werthen Namen nicht an verschiedenen Orten die historischen Denkmäler vermehren helfen würden, denn wir dankbar wird sich die Nachwelt über unsere Autographen freuen. Glaubst du nicht das Straßburger Münster würde ein heiliger Schimmer durchzucken, wenn unser Namenszug seinem ehrwürdigen Gestein eingerizt würde, ähnlich wie Uhland von der Namensinschrift Goethe’s singt? – Die Fälschung meiner Namensunterschrift halte ich für ein schweres Vergehen, dessen einziger Milderungsgrund darin besteht, daß dadurch allen Erfahrungen zufolge, Niemandem ein nac[h]weisbarer Schade zugefügt wurde. Aber auch noch eine Vorlage für künftige Fälschungen zu liefern würde mich ja zur Mitschuldigen machen, da werde ich mich hüten! – Nach Tische. Wegen mir, bitte ich dich, in der Versezungsangelegenheit ganz nach deinem Ermessen zu handeln. Mir wäre es leid, wenn du aus Rücksicht für mich etwas versäumen solltest, was zur Erreichung dieses nächsten Zieles deiner Bestrebungen beiträgt. Ob wir zuerst nach Mödling oder sogleich nach Wien kommen, ist für mich doch im Grunde gleich. – Wo du bist, da will ich auch sein. – Die prosaische Wendung deines lezten Briefes gefiel mir ganz gut, und ich wäre von einer Erhöhung deines Gehaltes ganz angenehm berührt. Siehst du, ein wenig geldgierig bin ich auch. Es kommen immer neue Eigenschaften ans Tageslicht. – Vormittag war deine gute Mutter bei uns sie trug mir nebst vielen Grüßen noch Folgendes an dich auf: 1. Du sollst doch für die Heimreise einen Pelz auszuleihen suchen, vielleicht bei einem deiner Collegen oder einem Kürschner? 2. Wünscht deine Mutter, daß du Pelzstiefel für die Reise haben solltest u. 3. läßt sie dich an die wollenen Pulzwärmer erinnern, die du nicht nur zur Reise sondern auch so anziehen solltest. Ich möchte dich wol auch bitten, dich für die Reise recht gut zu versorgen. Bei dieser Kälte ist eine 12stündige Eisenbahnfahrt ohnehin ein sehr frisches Vergnügen. Mit der Bitte behalte mich lieb umarmt dich deine Fanni. – Großmutter grüßt.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 11.12. dito 9 ¼ Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Es ist sehr freundlich von dir, daß du mir schon gestern wieder einen so lieben Brief zukommen ließest und ich danke dir hiemit herzlichst dafür. – Der 3.Juni wird noch manchmal Stoff zu Gesprächen liefern, denke ich; ob wir zu Weihnachten den denkwürdigen Hügel besuchen werden, hängt wol zunächst von dem Wetter ab. – Sollte ein Tag schön genug sein, um einen Spaziergang zu machen, so möchte ich recht gern mit dir die Stelle besuchen, wo du mir solchen Schreck bereitetest. Wie du selbst sagst, habe ich mich dann gründlich erholt und begriff auch längst warum du immer auf einsamen Pfaden mit mir wandeltest. Jezt wundert mich nur, daß diese Promenade nicht einen göttlichen Schnupfen zur Folge hatte! Diesmal werden wir es wohl nicht wie eine Erleichterung empfinden, wenn uns Jemand beim traulichen Gespräche in den Weg kommt! – Dem Herrn Bez: Richter bin ich sehr dankbar, daß er dein Kommen bewilligte, und wünsche nur, daß du recht lange Urlaub bekommen möchtest. Tag wie Tag enteilt, und bald werden wir froh und glücklich beisammen sein. Wie ich mich auf den Augenblick des Wiedersehens freue! Aber der Sturmlauf, liebster Freund, wird nichts nützen, es bleibt doch dabei! Ganz im Ernst, ich finde selbst den April besser für unsere Hochzeit. Ich glaube im Winter wäre es mir auch schwerer meinen kleinen Haushalt in Gang zu bringen. Anfangs wo sowol der Magd als mir Alles neu und fremd sein wird, werde ich ja auch alle Einkäufe selber besorgen müßen, um die Verhältniße kennen zu lernen, und mancher Weg wird da auch doppelt gemacht werden, das wäre im Winter nicht besonders angenehm. Und der Hauptgrund bleibt immer die Hochzeitsreise, es wäre doch ewig schade, wenn wir mit unsern werthen Namen nicht an verschiedenen Orten die historischen Denkmäler vermehren helfen würden, denn wir dankbar wird sich die Nachwelt über unsere Autographen freuen. Glaubst du nicht das Straßburger Münster würde ein heiliger Schimmer durchzucken, wenn unser Namenszug seinem ehrwürdigen Gestein eingerizt würde, ähnlich wie Uhland von der Namensinschrift Goethe’s singt? – Die Fälschung meiner Namensunterschrift halte ich für ein schweres Vergehen, dessen einziger Milderungsgrund darin besteht, daß dadurch allen Erfahrungen zufolge, Niemandem ein nac[h]weisbarer Schade zugefügt wurde. Aber auch noch eine Vorlage für künftige Fälschungen zu liefern würde mich ja zur Mitschuldigen machen, da werde ich mich hüten! – Nach Tische. Wegen mir, bitte ich dich, in der Versezungsangelegenheit ganz nach deinem Ermessen zu handeln. Mir wäre es leid, wenn du aus Rücksicht für mich etwas versäumen solltest, was zur Erreichung dieses nächsten Zieles deiner Bestrebungen beiträgt. Ob wir zuerst nach Mödling oder sogleich nach Wien kommen, ist für mich doch im Grunde gleich. – Wo du bist, da will ich auch sein. – Die prosaische Wendung deines lezten Briefes gefiel mir ganz gut, und ich wäre von einer Erhöhung deines Gehaltes ganz angenehm berührt. Siehst du, ein wenig geldgierig bin ich auch. Es kommen immer neue Eigenschaften ans Tageslicht. – Vormittag war deine gute Mutter bei uns sie trug mir nebst vielen Grüßen noch Folgendes an dich auf: 1. Du sollst doch für die Heimreise einen Pelz auszuleihen suchen, vielleicht bei einem deiner Collegen oder einem Kürschner? 2. Wünscht deine Mutter, daß du Pelzstiefel für die Reise haben solltest u. 3. läßt sie dich an die wollenen Pulzwärmer erinnern, die du nicht nur zur Reise sondern auch so anziehen solltest. Ich möchte dich wol auch bitten, dich für die Reise recht gut zu versorgen. Bei dieser Kälte ist eine 12stündige Eisenbahnfahrt ohnehin ein sehr frisches Vergnügen. Mit der Bitte behalte mich lieb umarmt dich deine Fanni. – Großmutter grüßt.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 14.12. dito ¾ 10 Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Recht sehnsüchtig erwartete ich deinen lieben Brief, den ich vor eben einer halben Stunde erhalten habe. Ich hatte schon gestern auf ein Schreiben gehofft, und dein Brief hätte auch eigentlich gestern kommen sollen, da er schon am 12. geschrieben wurde. Um die Verzögerung wieder gut zu machen, schreibe ich schon jezt und werde den Brief noch vor Tische aufgeben. Ich weiß nicht, warum die Briefe jezt länger brauchen, allein deinen lezten Brief erhielt ich wirklich erst Sonntag den 10. früh. Ich hatte am Samstag eine Arbeit, nämlich die Kisseneinsätze fertig zu machen und schrieb darum erst am Montag, schickte den Brief aber noch bald genug fort, daß du ihn Dienstag hättest bekommen müßen. Hast du am Dienstag Abends meinen lezten Brief bekommen und wie du dir vornahmst, beantwortet, so glaube ich, ist es besser wenn du diese Zeilen nicht beantwortest, sondern meinen nächsten Brief abwartest, sonst kommen wir nicht in die Ordnung. Sobald ich deinen nächsten Brief erhalte, werde ich wieder schreiben. – Über 10 Tage ist nun schon der Weihnachtsabend da! – Ich habe schon nachgedacht, wie wir denselben zubringen werden. – Bisher haben wir die Weihnachtsabende sehr einfach zugebracht. Um 6 Uhr Abends ist der Christbaum bei meinen Eltern, dann blieben wir noch eine kurze Zeit beisammen, die Kinder werden bald zu Bette gebracht und wir verbrachten den Rest des Abends still zu Hause. Frl: Nainringer [?] und mein Bruder Richard warteten mit uns die Mitternachtsstunde, wo wir zur Mette gingen. Für heuer nun meinte ich, wirst du vielleicht mit uns bei der Bescherung zusehen und dann dachte ich, würde deine gute Mutter und du bei uns sein. So war mein bisheriges Programm. Wird etwas Anderes bestimmt, so können wir ja am hl: Abend noch darüber verhandeln. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir beide vergnügt beisammen sind. O wie ich den hl: Abend herbeiwünsche! - Jezt kommt wieder die liebe Prosa! Deine gute Mutter war eben bei uns; sie fügt den dir lezthin mitgetheilten Ermahnung nebst vielen Grüßen noch bei, du sollst dir zur Reise und auch wenn du sonst über Land mußt, doch eine Mütze von Astrachanstoff machen laßen, wie dein Bruder auch eine hat, und zwar mit Lappen für die Ohren, um dich so genug zu schützen von Erkältung. Ferners sollst du auch die wollenen Sachen [?] nicht vergeßen und falls dieselben schadhaft wären, solches allzugleich melden! Bitte diese Frage zu beantworten. – ½ 12 Uhr Mittag. Soeben erhielt ich auch deinen gestrigen Brief ich danke dir bestens dafür. Nun wird unser Briefwechsel ja wieder in Ordnung kommen. Bis zur Hochzeit wird das Hundert unserer Briefe sicher voll. Um diesen Brief rechtzeitig aufgeben zu können, füge ich nur noch in Kürze bei, daß Großmutter zwar jezt noch nicht ausgehen kann, doch ist ihr Fuß schon viel besser. Zu Weihnachten kann sie auch hoffentlich ausgehen. Deine Frage wegen dem Wirthschaftsgeld diene zur Antwort, daß mir die Großmutter doch keine freie Hand in der Eintheilung unserer Wirthschaft ließ, und ich daher baldigst das Portefeuille zurücklegte. Ich muß schon sehen, wie ich ohne diese Vorstudien mit meinem Finanzminister auf Gleich komme. – Was meinen künftigen Namen betrifft, so habe ich noch nie versucht, wie er aussehen wird und zeichne mich hiemit feierlich als deine treue Fanni Schlegel in Zukunft Fanni Spängler. – Großmutter grüßt.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 14.12. dito ¾ 10 Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Recht sehnsüchtig erwartete ich deinen lieben Brief, den ich vor eben einer halben Stunde erhalten habe. Ich hatte schon gestern auf ein Schreiben gehofft, und dein Brief hätte auch eigentlich gestern kommen sollen, da er schon am 12. geschrieben wurde. Um die Verzögerung wieder gut zu machen, schreibe ich schon jezt und werde den Brief noch vor Tische aufgeben. Ich weiß nicht, warum die Briefe jezt länger brauchen, allein deinen lezten Brief erhielt ich wirklich erst Sonntag den 10. früh. Ich hatte am Samstag eine Arbeit, nämlich die Kisseneinsätze fertig zu machen und schrieb darum erst am Montag, schickte den Brief aber noch bald genug fort, daß du ihn Dienstag hättest bekommen müßen. Hast du am Dienstag Abends meinen lezten Brief bekommen und wie du dir vornahmst, beantwortet, so glaube ich, ist es besser wenn du diese Zeilen nicht beantwortest, sondern meinen nächsten Brief abwartest, sonst kommen wir nicht in die Ordnung. Sobald ich deinen nächsten Brief erhalte, werde ich wieder schreiben. – Über 10 Tage ist nun schon der Weihnachtsabend da! – Ich habe schon nachgedacht, wie wir denselben zubringen werden. – Bisher haben wir die Weihnachtsabende sehr einfach zugebracht. Um 6 Uhr Abends ist der Christbaum bei meinen Eltern, dann blieben wir noch eine kurze Zeit beisammen, die Kinder werden bald zu Bette gebracht und wir verbrachten den Rest des Abends still zu Hause. Frl: Nainringer [?] und mein Bruder Richard warteten mit uns die Mitternachtsstunde, wo wir zur Mette gingen. Für heuer nun meinte ich, wirst du vielleicht mit uns bei der Bescherung zusehen und dann dachte ich, würde deine gute Mutter und du bei uns sein. So war mein bisheriges Programm. Wird etwas Anderes bestimmt, so können wir ja am hl: Abend noch darüber verhandeln. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir beide vergnügt beisammen sind. O wie ich den hl: Abend herbeiwünsche! - Jezt kommt wieder die liebe Prosa! Deine gute Mutter war eben bei uns; sie fügt den dir lezthin mitgetheilten Ermahnung nebst vielen Grüßen noch bei, du sollst dir zur Reise und auch wenn du sonst über Land mußt, doch eine Mütze von Astrachanstoff machen laßen, wie dein Bruder auch eine hat, und zwar mit Lappen für die Ohren, um dich so genug zu schützen von Erkältung. Ferners sollst du auch die wollenen Sachen [?] nicht vergeßen und falls dieselben schadhaft wären, solches allzugleich melden! Bitte diese Frage zu beantworten. – ½ 12 Uhr Mittag. Soeben erhielt ich auch deinen gestrigen Brief ich danke dir bestens dafür. Nun wird unser Briefwechsel ja wieder in Ordnung kommen. Bis zur Hochzeit wird das Hundert unserer Briefe sicher voll. Um diesen Brief rechtzeitig aufgeben zu können, füge ich nur noch in Kürze bei, daß Großmutter zwar jezt noch nicht ausgehen kann, doch ist ihr Fuß schon viel besser. Zu Weihnachten kann sie auch hoffentlich ausgehen. Deine Frage wegen dem Wirthschaftsgeld diene zur Antwort, daß mir die Großmutter doch keine freie Hand in der Eintheilung unserer Wirthschaft ließ, und ich daher baldigst das Portefeuille zurücklegte. Ich muß schon sehen, wie ich ohne diese Vorstudien mit meinem Finanzminister auf Gleich komme. – Was meinen künftigen Namen betrifft, so habe ich noch nie versucht, wie er aussehen wird und zeichne mich hiemit feierlich als deine treue Fanni Schlegel in Zukunft Fanni Spängler. – Großmutter grüßt.
    
==== Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler ====
[Brief von (Nr.37) Antonia Spängler an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler]: Salzburg 14.12.71: Mein innigstgeliebter Franz! Recht herzlich freute es mich, heute von dir einen Brief erhalten zu haben, deine Briefe sind selten aber ich kann es dir gar nicht verargen, da du so oft an deine Fany [Fanni] schreibst, und die Zeit dir ohnedieß oft sehr zugemeßen sein wird. Ich freue mich schon auf den 24te wo ich so Gott will [dich] in meine Arme werde schließen könen, mit Vergnügen nehme ich heute wahr besonders Abends das die große Kälte ein wenig nachläßt, seit 1830 war es nie mehr so kalt wie diese 3 Tage, man glaubte es sey nicht zum außhalten so hat es einen gebrant, wen man auß dem Hauß ging. Wie ich höre so bekömmt man für die Füße Wärm Flaschen, dieß ist doch beßer sonst könte man am Ende ganz steif werden. Ziehe ja jetzt oft die Schafwollsocken an, und das ist klar daß du die schlechten [Hemden] mit denen Krägen als Nachthemden hernimmst, du bekömmst ja ohnedieß 24 neue Taghemden und 6 neue Nachthemden also gewiß genug. Beyliegend sende ich dir die Fingerweite von der Fany [Fanni] mit, die groß Mutter glaubt, es würde sie ein solchen sihr [Ziehr?] freuen, weil der von ihrer Mamma ja gebrochen ist. Ich glaube schon das bey Carl eine Einladung ist, aber ich denke, man wird uns sagen, wir sollen uns nicht genieren, wen wir zur großmutter gehen wollen den ich glaube nicht, daß es Ihre Begehren [?] ist, wenn die groß mutter auch kömmt, die Fany [Fanni] allein würde sie vieleicht auch einladen, aber die großmutter hat heute gesagt sie wünscht den letzten Weihnachts Abend mit Fany [Fanni] zu zubringen, bey Schlägl [Schlegel] ist nur die Christvertheilung, ohne alles weiter. Die großmutter glaubt, wen nicht für sie auch eine Einladung kömmt, so wollen wir 2 den Abend bey ihr zubringen. Alles wird sich geben wen du kömmst. Wir richten uns nach Umständen. Die geldangelegenheit wird Otto schon bedenken wen er eines hat. Heute habe ich wieder um 51 X [Kreuzer] Knöpf gekauft zu die Duchend [Bettdecke] und Küßziehen. Das die Geschnitzer gestorben ist wird dir die Fany [Fanni] schon mitgetheilt haben, gestern war ihr Gottesdienst. Der Stipitz soll heute nach Linz gebracht worden sein in ein Institut, es ist dieß sehr traurig. Dieser Fall vom Stipitz kömmt mir nicht viel beßer vor als bey Egghofer [?]. Den letzten Samstag wo es glücklicherweise noch nicht so kalt war, war ich mit Otto und Louise in Hallein wo wir auch den Schumacher gesehen haben, nun hat er Geltenhaußen bekommen es ist doch etwas und wenn der Doktor FuhXX [?] in der Nacht geholt würde so, schückt an die Leute zu Schumacher es wird wohl nach und nach beßer werden. Lebe recht wohl mein lieber Franz es freut sich inig dich recht bald zu sehen deine treu dich zärtlich liebende Mutter Spängler. Sey versichert das ich dich gewiß täglich im Gebeth einschließe. / Lieber Franz! Die Mutter eilt schrecklich mit dem Absenden des Briefes, daher ich außer dem die Mutter betreffenden Weihnachtsgeschenk nichts anderes erörtern kann. Die Mutter braucht nothwendig einen Muff. Ich habe ihr ein Kleid gekauft. Wenn du circa 5 fl spediren willst, bekomme ich einen ordentlichen Muff. Wenn nicht einverstanden, bitte um Correspondenzkarte Dein Otto. - „Geschnitzer“: Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister, von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J.
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[Brief von (Nr.37) Antonia Spängler an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler]: Salzburg 14.12.71: Mein innigstgeliebter Franz! Recht herzlich freute es mich, heute von dir einen Brief erhalten zu haben, deine Briefe sind selten aber ich kann es dir gar nicht verargen, da du so oft an deine Fany [Fanni] schreibst, und die Zeit dir ohnedieß oft sehr zugemeßen sein wird. Ich freue mich schon auf den 24te wo ich so Gott will [dich] in meine Arme werde schließen könen, mit Vergnügen nehme ich heute wahr besonders Abends das die große Kälte ein wenig nachläßt, seit 1830 war es nie mehr so kalt wie diese 3 Tage, man glaubte es sey nicht zum außhalten so hat es einen gebrant, wen man auß dem Hauß ging. Wie ich höre so bekömmt man für die Füße Wärm Flaschen, dieß ist doch beßer sonst könte man am Ende ganz steif werden. Ziehe ja jetzt oft die Schafwollsocken an, und das ist klar daß du die schlechten [Hemden] mit denen Krägen als Nachthemden hernimmst, du bekömmst ja ohnedieß 24 neue Taghemden und 6 neue Nachthemden also gewiß genug. Beyliegend sende ich dir die Fingerweite von der Fany [Fanni] mit, die groß Mutter glaubt, es würde sie ein solchen sihr [Ziehr?] freuen, weil der von ihrer Mamma ja gebrochen ist. Ich glaube schon das bey Carl eine Einladung ist, aber ich denke, man wird uns sagen, wir sollen uns nicht genieren, wen wir zur großmutter gehen wollen den ich glaube nicht, daß es Ihre Begehren [?] ist, wenn die groß mutter auch kömmt, die Fany [Fanni] allein würde sie vieleicht auch einladen, aber die großmutter hat heute gesagt sie wünscht den letzten Weihnachts Abend mit Fany [Fanni] zu zubringen, bey Schlägl [Schlegel] ist nur die Christvertheilung, ohne alles weiter. Die großmutter glaubt, wen nicht für sie auch eine Einladung kömmt, so wollen wir 2 den Abend bey ihr zubringen. Alles wird sich geben wen du kömmst. Wir richten uns nach Umständen. Die geldangelegenheit wird Otto schon bedenken wen er eines hat. Heute habe ich wieder um 51 X [Kreuzer] Knöpf gekauft zu die Duchend [Bettdecke] und Küßziehen. Das die Geschnitzer gestorben ist wird dir die Fany [Fanni] schon mitgetheilt haben, gestern war ihr Gottesdienst. Der Stipitz soll heute nach Linz gebracht worden sein in ein Institut, es ist dieß sehr traurig. Dieser Fall vom Stipitz kömmt mir nicht viel beßer vor als bey Egghofer [?]. Den letzten Samstag wo es glücklicherweise noch nicht so kalt war, war ich mit Otto und Louise in Hallein wo wir auch den Schumacher gesehen haben, nun hat er Geltenhaußen bekommen es ist doch etwas und wenn der Doktor FuhXX [?] in der Nacht geholt würde so, schückt an die Leute zu Schumacher es wird wohl nach und nach beßer werden. Lebe recht wohl mein lieber Franz es freut sich inig dich recht bald zu sehen deine treu dich zärtlich liebende Mutter Spängler. Sey versichert das ich dich gewiß täglich im Gebeth einschließe. / Lieber Franz! Die Mutter eilt schrecklich mit dem Absenden des Briefes, daher ich außer dem die Mutter betreffenden Weihnachtsgeschenk nichts anderes erörtern kann. Die Mutter braucht nothwendig einen Muff. Ich habe ihr ein Kleid gekauft. Wenn du circa 5 fl spediren willst, bekomme ich einen ordentlichen Muff. Wenn nicht einverstanden, bitte um Correspondenzkarte Dein Otto. - „Geschnitzer“: Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister, von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
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1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 17.12. dito 9 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Um diese Stunde sitzen wir hoffentlich heute über 8 Tage längst vergnüglich beisammen; oh wie ich mich darauf freue, endlich wieder dich du Lieber hier begrüßen zu können. Heute sind es gerade 3 Monate, daß wir uns trennen mußten, eine lange Zeit, und doch wie traumhaft schnell verfloßen! Es ist so eigen, liegen vor uns Wochen, Monate bis zu einem ersehnten Ziel, so dehnt sich diese Zeit fast endlos vor unserem Auge, liegt eine ebenso lange Zeit hinter uns, so faßt unsere Erinnerung die vielen Tage und Stunden in eine einzige so schnell zu überblickende Reihe zusammen! – Wie schnell werden uns aber erst die wenigen Tage des Beisammenseins verfliegen, doch ich will nicht vom Scheiden sprechen vor dem Wiedersehn, und wir wollen uns dankbar auch des kurzen Beisammenseins freuen, im Hinblick auf ein langes ununterbrochenes, welches uns in Aussicht steht. – Ich vergaß lezthin in der Eile, deine Frage wegen den englischen Büchern zu beantworten. Ich erhielt kürzlich von Minna einen Brief, wo sie mit sagt daß ihr Vater ohnehin etwas früher zu senden hat, wo sie die Bücher beilegen wird, dieselben könnten übrigens wirklich gleich in Wien bleiben, da ich, wenn ich will, von Nihs Urry mit englischer Lektüre versehen werde. Ich werde von ihrer Güte auch Gebrauch machen und mir wieder etwas entlehnen. Jezt habe ich gerade eine recht nette englische Erzählung in der Arbeit, die ich vielleicht bis übermorgen auslesen werde. Abends lese ich mit großem Interesse „Amaranth“. Ich habe schon viele wunderhübsche Stellen gefunden. Heute las ich auch den von dir erwähnten Artikel über das Straßburger Münster, in der Gartenlaube[.] Deine gute Mutter werde ich zu beruhigen suchen, ich schrieb dir wortgetreu ihre Aufträge weil sie es dringend wünschte, daß du nicht alle befolgen wirst, habe ich ohnehin gedacht. /: Ich hätte es auch nicht gethan. :/ Ich fürchte nicht, daß du dich erkälten wirst, doch ist es schon gut, wenn du dich mit warmen Sachen versiehst, so eine Fahrt während einer kalten Winternacht ist ohnehin nicht erquicklich. – Wenn du doch nur gewiß bis Neujahr bleiben kannst, damit du dich nach dieser langen kalten Fahrt doch gehörig ausruhen kannst. So einige Feiertage werden dir nach der vielen Arbeit auch wol thun, nicht wahr? Nun bekomme ich nur noch einen einzigen Brief von dir, und meine Antwort wird gerade vor deiner Abreise von Mödling an dich kommen, dann kommt eine kleine Ruhepause für den Briefträger. Das ahnte er wo nicht, als er mir deinen ersten Brief brachte, daß wir ihn so in Thätigkeit setzen würden. Was er gedacht haben mag als er mir neulich am selben Tage zweeimal einen Brief von dir brachte? Ich hätte selbst nie gedacht, daß ich ja so viel und so gerne Briefe schreiben würde, ich glaube bis zum Juni 1871 hatte ich im Ganzen noch kein halbes Hundert Briefe geschrieben. Die Zukunftsunterschrift ist mir nicht schwer geworden, etwas ungewohnt freilich. Ich muß mir noch Visitkarten mit meinem bisherigen Namen machen laßen, aber blos ein halbes Hundert, dann kommt das von dir seinerzeit verfertigte Muster zur Ausführung. Hast du schon gehört, daß die Frau des Ludwig Zeller in Traunstein auf den Tod krank sein soll? Emmas Brautzeit wird zum Schluße nicht eben erheitert. Bei Zeller haben sie auch den Plan, Stiebitz nun doch in eine Heilanstalt zu bringen. – Doch nun behüt dich Gott. Es freut sich auf ein fröhliches und baldiges Wiedersehen deine treue Fanni. – Grüße von Plachetkas u. Großmutter.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 17.12. dito 9 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Um diese Stunde sitzen wir hoffentlich heute über 8 Tage längst vergnüglich beisammen; oh wie ich mich darauf freue, endlich wieder dich du Lieber hier begrüßen zu können. Heute sind es gerade 3 Monate, daß wir uns trennen mußten, eine lange Zeit, und doch wie traumhaft schnell verfloßen! Es ist so eigen, liegen vor uns Wochen, Monate bis zu einem ersehnten Ziel, so dehnt sich diese Zeit fast endlos vor unserem Auge, liegt eine ebenso lange Zeit hinter uns, so faßt unsere Erinnerung die vielen Tage und Stunden in eine einzige so schnell zu überblickende Reihe zusammen! – Wie schnell werden uns aber erst die wenigen Tage des Beisammenseins verfliegen, doch ich will nicht vom Scheiden sprechen vor dem Wiedersehn, und wir wollen uns dankbar auch des kurzen Beisammenseins freuen, im Hinblick auf ein langes ununterbrochenes, welches uns in Aussicht steht. – Ich vergaß lezthin in der Eile, deine Frage wegen den englischen Büchern zu beantworten. Ich erhielt kürzlich von Minna einen Brief, wo sie mit sagt daß ihr Vater ohnehin etwas früher zu senden hat, wo sie die Bücher beilegen wird, dieselben könnten übrigens wirklich gleich in Wien bleiben, da ich, wenn ich will, von Nihs Urry mit englischer Lektüre versehen werde. Ich werde von ihrer Güte auch Gebrauch machen und mir wieder etwas entlehnen. Jezt habe ich gerade eine recht nette englische Erzählung in der Arbeit, die ich vielleicht bis übermorgen auslesen werde. Abends lese ich mit großem Interesse „Amaranth“. Ich habe schon viele wunderhübsche Stellen gefunden. Heute las ich auch den von dir erwähnten Artikel über das Straßburger Münster, in der Gartenlaube[.] Deine gute Mutter werde ich zu beruhigen suchen, ich schrieb dir wortgetreu ihre Aufträge weil sie es dringend wünschte, daß du nicht alle befolgen wirst, habe ich ohnehin gedacht. /: Ich hätte es auch nicht gethan. :/ Ich fürchte nicht, daß du dich erkälten wirst, doch ist es schon gut, wenn du dich mit warmen Sachen versiehst, so eine Fahrt während einer kalten Winternacht ist ohnehin nicht erquicklich. – Wenn du doch nur gewiß bis Neujahr bleiben kannst, damit du dich nach dieser langen kalten Fahrt doch gehörig ausruhen kannst. So einige Feiertage werden dir nach der vielen Arbeit auch wol thun, nicht wahr? Nun bekomme ich nur noch einen einzigen Brief von dir, und meine Antwort wird gerade vor deiner Abreise von Mödling an dich kommen, dann kommt eine kleine Ruhepause für den Briefträger. Das ahnte er wo nicht, als er mir deinen ersten Brief brachte, daß wir ihn so in Thätigkeit setzen würden. Was er gedacht haben mag als er mir neulich am selben Tage zweeimal einen Brief von dir brachte? Ich hätte selbst nie gedacht, daß ich ja so viel und so gerne Briefe schreiben würde, ich glaube bis zum Juni 1871 hatte ich im Ganzen noch kein halbes Hundert Briefe geschrieben. Die Zukunftsunterschrift ist mir nicht schwer geworden, etwas ungewohnt freilich. Ich muß mir noch Visitkarten mit meinem bisherigen Namen machen laßen, aber blos ein halbes Hundert, dann kommt das von dir seinerzeit verfertigte Muster zur Ausführung. Hast du schon gehört, daß die Frau des Ludwig Zeller in Traunstein auf den Tod krank sein soll? Emmas Brautzeit wird zum Schluße nicht eben erheitert. Bei Zeller haben sie auch den Plan, Stiebitz nun doch in eine Heilanstalt zu bringen. – Doch nun behüt dich Gott. Es freut sich auf ein fröhliches und baldiges Wiedersehen deine treue Fanni. – Grüße von Plachetkas u. Großmutter.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 22.12.1871 „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt Mödling bei Wien“ 5 Kr. gestempelt „Salzburg Stadt 22.12.1871 11 [Uhr] Früh“, [Vermerk Franz Spängler:] „I,III erh[alten] 23/12 1871/ Abreise 23/12/ Salzburg 24/12 1871/ 1/1 1872“; rotes Lacksiegel, Stempel „Wien 23/12 1871“ [Briefpapier „FS“; hier in moderner Schreibung]: Salzburg, 21.Dezember 1871 8 ½ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich hatte heute nicht Zeit, deinen lieben Brief bald zu beantworten. Ahne, dass dir schon morgen mein Schreiben zukommen könnte. Meinen besten Dank für deine lieben Zeilen, den letzten in diesem Jahre, denn ich hoffe immer, du wirst doch die kommende Woche hier zubringen können. Endlich kommt der ersehnte Augenblick des Wiedersehens so nahe, und übermorgen um diese Stunde führt dich das Dampfross schon der lieben Heimat zu. Wie ich mich freue! Du sprichst die Erwartung aus, mich Sonntag am Bahnhof zu sehen, sei nicht böse, wenn ich diesen Wunsch dir nicht erfülle. Siehst du, ich finde es so viel schöner und, offen gesagt, auch passender, dich daheim erwarten und begrüßen zu dürfen. Ich meine auch, es ist für dich besser, wenn du nach der nächtlichen Fahrt so rasch als möglich einen Platz in einem Omnibus zu erreichen suchst, damit wir dann ungestört beisammen bleiben können. Freilich wird dadurch das Wiedersehen ein wenig verzögert und ich werde ungeduldig genug die Minuten zählen, bis ich mit herzinnigem Gruße in deine Arme eilen kann! Aber auch diese letzten Minuten werden verfließen und dann winkt uns ja eine kleine Weile seligen Beisammenseins! Und um noch einmal, nicht wahr, du zürnst mir nicht, dass ich dir so offen meinen Entschluss, nicht auf den Bahnhof zu gehen, darlege? Vor allem anderen muss ich dir berichten, dass sich vorgestern die Zahl meiner Geschwister um ein kleines Schwesterchen vergrößerte. Das kleine Prinzesschen befindet sich sehr wohl und wurde gestern auf den Namen Bertha Franziska Maria getauft. Die Mutter [Stiefmutter] ist Gott sei Dank auch ganz wohl. Heute Mittag wurde der arme Stiebitz in die Irrenanstalt nach Linz gebracht. Wahl begleitet ihn nebst einem Diener. Die arme Frau Rosa ist krank vor Aufregung, ist auch kein Wunder. Dr. Zillner gibt allerdings alle Hoffnung, dass Stiebitz wieder ganz gesund wird, allein Gott weiß, wie lange sein Leiden dauert. Weißt du, das neueste Brautpaar Frl. Resi Saullich ist die Braut eines Herrn Wöss, welcher Compagnon des Fritz Krockauer in der ehemals Volderauer’schen Handlung ist. Wie man hört, soll die Trauung im April stattfinden. Ich träume ziemlich oft von dir, dass du kommst und so fort. Sehr häufig spielt in meinen Träumen das Bewusstsein hinein, dass ich deine Braut bin. Kürzlich träumte ich, wir wären in Venedig gewesen und ich konnte dich beim Herabgehen vom Markusturm auf einmal nicht finden. Sind wir denn mit der Geschichte in der Ordnung? Meiner Rechnung nach trifft für heut: Muth, Im Grafenschlosse und Der Einsiedler. So werden wir gerade am Samstag fertig [sie lesen zeitgleich einen Roman]. Und nun du Lieber, gute Nacht, die Antwort auf diese Zeilen kannst du mir mündlich sagen, bis dahin behalte lieb deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich, es geht ihr gut.
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1871 Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 22.12.1871 „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt Mödling bei Wien“ 5 Kr. gestempelt „Salzburg Stadt 22.12.1871 11 [Uhr] Früh“, [Vermerk Franz Spängler:] „I,III erh[alten] 23/12 1871/ Abreise 23/12/ Salzburg 24/12 1871/ 1/1 1872“; rotes Lacksiegel, Stempel „Wien 23/12 1871“ [Briefpapier „FS“; hier in moderner Schreibung]: Salzburg, 21.Dezember 1871 8 ½ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich hatte heute nicht Zeit, deinen lieben Brief bald zu beantworten. Ahne, dass dir schon morgen mein Schreiben zukommen könnte. Meinen besten Dank für deine lieben Zeilen, den letzten in diesem Jahre, denn ich hoffe immer, du wirst doch die kommende Woche hier zubringen können. Endlich kommt der ersehnte Augenblick des Wiedersehens so nahe, und übermorgen um diese Stunde führt dich das Dampfross schon der lieben Heimat zu. Wie ich mich freue! Du sprichst die Erwartung aus, mich Sonntag am Bahnhof zu sehen, sei nicht böse, wenn ich diesen Wunsch dir nicht erfülle. Siehst du, ich finde es so viel schöner und, offen gesagt, auch passender, dich daheim erwarten und begrüßen zu dürfen. Ich meine auch, es ist für dich besser, wenn du nach der nächtlichen Fahrt so rasch als möglich einen Platz in einem Omnibus zu erreichen suchst, damit wir dann ungestört beisammen bleiben können. Freilich wird dadurch das Wiedersehen ein wenig verzögert und ich werde ungeduldig genug die Minuten zählen, bis ich mit herzinnigem Gruße in deine Arme eilen kann! Aber auch diese letzten Minuten werden verfließen und dann winkt uns ja eine kleine Weile seligen Beisammenseins! Und um noch einmal, nicht wahr, du zürnst mir nicht, dass ich dir so offen meinen Entschluss, nicht auf den Bahnhof zu gehen, darlege? Vor allem anderen muss ich dir berichten, dass sich vorgestern die Zahl meiner Geschwister um ein kleines Schwesterchen vergrößerte. Das kleine Prinzesschen befindet sich sehr wohl und wurde gestern auf den Namen Bertha Franziska Maria getauft. Die Mutter [Stiefmutter] ist Gott sei Dank auch ganz wohl. Heute Mittag wurde der arme Stiebitz in die Irrenanstalt nach Linz gebracht. Wahl begleitet ihn nebst einem Diener. Die arme Frau Rosa ist krank vor Aufregung, ist auch kein Wunder. Dr. Zillner gibt allerdings alle Hoffnung, dass Stiebitz wieder ganz gesund wird, allein Gott weiß, wie lange sein Leiden dauert. Weißt du, das neueste Brautpaar Frl. Resi Saullich ist die Braut eines Herrn Wöss, welcher Compagnon des Fritz Krockauer in der ehemals Volderauer’schen Handlung ist. Wie man hört, soll die Trauung im April stattfinden. Ich träume ziemlich oft von dir, dass du kommst und so fort. Sehr häufig spielt in meinen Träumen das Bewusstsein hinein, dass ich deine Braut bin. Kürzlich träumte ich, wir wären in Venedig gewesen und ich konnte dich beim Herabgehen vom Markusturm auf einmal nicht finden. Sind wir denn mit der Geschichte in der Ordnung? Meiner Rechnung nach trifft für heut: Muth, Im Grafenschlosse und Der Einsiedler. So werden wir gerade am Samstag fertig [sie lesen zeitgleich einen Roman]. Und nun du Lieber, gute Nacht, die Antwort auf diese Zeilen kannst du mir mündlich sagen, bis dahin behalte lieb deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich, es geht ihr gut.
    
=== 1872 ===
 
=== 1872 ===
Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ [...]: 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. [...]
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Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ [...]: 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. [...]
    
7.1.72 aus Wien, siehe: „!882“; 15.1.1872 aus Mödling, siehe: „1882“
 
7.1.72 aus Wien, siehe: „!882“; 15.1.1872 aus Mödling, siehe: „1882“
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
    
==== Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler ====
 
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[1872; Brief von Nr.37 Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg 15.1.72: Mein liebster, theuerster Franz! Es sind nun heute schon 15 Tage seit, du von uns fort bist, und ich habe noch keine Zeile an dich geschrieben, allein ich bekamm lange keinen Brief von dir, hörte aber von Fany [Fanni] schon wie es dir geht auch von Otto, der aber mit einen starken Lontach [?] nach Hauße kamm, geht ihm aber jetzt gottlob wieder beßer. Auch bey uns geht es gut. Wir arbeiten sehr fleißig, aber es giebt nicht so viel aus weil der Tag noch so kurz ist. Ich denke schon bis das Bett in Ordnung ist das noch bey 40 oder 50 fl aufgehen. Den Näherlohn trieft ja auch noch für 18 Hemden, und Joppenleintücher. Das Bett wird so groß, das ich werde Roßhaar- Schließ und dergleichen dazu kauffen müßen. Wegen der Loden hat dir Otto schon geschrieben, das Ihr das Geld bekömt, wird Euch schon recht sein, aber das die Pepi ohne jemand davon etwas zu sagen es gethan, und leicht hätte sie um 500 mehr bekommen können, ja der Riedl sagte zum Otto 5 Tausend 500 gebe ich, aber die Roch welche den Loden für die Grol [?] kaufte ging nicht mehr zurück. Wie schnell die Zeit vergeht – ehe wir uns es versehen wird die Zeit da sein wo die Hochzeit ist. Diese Zeit wo die beyden Fany [Großmutter und Enkelin] nach Wien reisen wird für dich eine sehr belebte sein bey Tag wirst du in Mödling sein die Abende wirst du bey, und mit Ihnen zubringen. Das die Wall schon 5 Monathe in gesegneten ist, wirst du vieleicht schon wissen. Der Pepi Zellner geht es wieder beßer die Zellner war neulich bey mir, aber sie war sehr betriebt, weil eben so vieles zusammen kömmt. Für deinen lieben Brief danke ich die recht herzlich, weiß der liebe Gott ob ich doch einmal zu Euch komme, ich denke immer ich kann mir zu wenig helfen auf einer so langen Reise. – Der Mensch denkt, der liebe Gott lenkt, verXXden [?] thue ich es nicht. Morgen Mittwoch sind die 2 Fany und ich, und die Roch bey der Louise eingeladen. Ich muß schließen Lebe recht wohl es küßt dich mit iniger Liebe deine dich herzlich liebende Mutter Spängler – Sey versichert das ich recht fleißig für dich bethe
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[1872; Brief von Nr.37 Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1872 verh. mit Fanni Schlegel]: Salzburg 15.1.72: Mein liebster, theuerster Franz! Es sind nun heute schon 15 Tage seit, du von uns fort bist, und ich habe noch keine Zeile an dich geschrieben, allein ich bekamm lange keinen Brief von dir, hörte aber von Fany [Fanni] schon wie es dir geht auch von Otto, der aber mit einen starken Lontach [?] nach Hauße kamm, geht ihm aber jetzt gottlob wieder beßer. Auch bey uns geht es gut. Wir arbeiten sehr fleißig, aber es giebt nicht so viel aus weil der Tag noch so kurz ist. Ich denke schon bis das Bett in Ordnung ist das noch bey 40 oder 50 fl aufgehen. Den Näherlohn trieft ja auch noch für 18 Hemden, und Joppenleintücher. Das Bett wird so groß, das ich werde Roßhaar- Schließ und dergleichen dazu kauffen müßen. Wegen der Loden hat dir Otto schon geschrieben, das Ihr das Geld bekömt, wird Euch schon recht sein, aber das die Pepi ohne jemand davon etwas zu sagen es gethan, und leicht hätte sie um 500 mehr bekommen können, ja der Riedl sagte zum Otto 5 Tausend 500 gebe ich, aber die Roch welche den Loden für die Grol [?] kaufte ging nicht mehr zurück. Wie schnell die Zeit vergeht – ehe wir uns es versehen wird die Zeit da sein wo die Hochzeit ist. Diese Zeit wo die beyden Fany [Großmutter und Enkelin] nach Wien reisen wird für dich eine sehr belebte sein bey Tag wirst du in Mödling sein die Abende wirst du bey, und mit Ihnen zubringen. Das die Wall schon 5 Monathe in gesegneten ist, wirst du vieleicht schon wissen. Der Pepi Zellner geht es wieder beßer die Zellner war neulich bey mir, aber sie war sehr betriebt, weil eben so vieles zusammen kömmt. Für deinen lieben Brief danke ich die recht herzlich, weiß der liebe Gott ob ich doch einmal zu Euch komme, ich denke immer ich kann mir zu wenig helfen auf einer so langen Reise. – Der Mensch denkt, der liebe Gott lenkt, verXXden [?] thue ich es nicht. Morgen Mittwoch sind die 2 Fany und ich, und die Roch bey der Louise eingeladen. Ich muß schließen Lebe recht wohl es küßt dich mit iniger Liebe deine dich herzlich liebende Mutter Spängler – Sey versichert das ich recht fleißig für dich bethe
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1872, Päckchen, zusammengeschnürt [erster Teil bis einschl. 9.Februar 1872], von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Correspondenz-Karte Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien; [Vermerk von Franz Spängler:] LIV erhalten 3/1 1872 beantwor[tet] 3/1: Salzburg 2 Jänner 1872 – Bis jetzt, ½ 5 Uhr Nachmittag erwartete ich vergebens die versprochene Postkarte; durch den morgen zu erwartenden Brief hoffe ich zu hören, daß die Reise recht gut zurückgelegt wurde. Ich konnte es nicht unterlaßen wenigstens in dieser Form tausend herzliche Grüße zu senden. Der nächste Brief wird ausführlich beantwortet werden. Mit herzlichem Lebewo[h]l F S.
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1872, Päckchen, zusammengeschnürt [erster Teil bis einschl. 9.Februar 1872], von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Correspondenz-Karte Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien; [Vermerk von Franz Spängler:] LIV erhalten 3/1 1872 beantwor[tet] 3/1: Salzburg 2 Jänner 1872 – Bis jetzt, ½ 5 Uhr Nachmittag erwartete ich vergebens die versprochene Postkarte; durch den morgen zu erwartenden Brief hoffe ich zu hören, daß die Reise recht gut zurückgelegt wurde. Ich konnte es nicht unterlaßen wenigstens in dieser Form tausend herzliche Grüße zu senden. Der nächste Brief wird ausführlich beantwortet werden. Mit herzlichem Lebewo[h]l F S.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LV erh 5/1 beantw 6/1 CorreXXX 7/1 mit L Fw (?) 8/1]; rotes Siegel „F. S.“; Prägestempel „englisches Staatswappen“, auch auf den folgenden Briefen]: Salzburg 3.Jänner 1872. Mein lieber Franz! Anstatt, wie es in den letzten, ach so rasch vergangenen Tagen geschah, Aug in Aug mit dir plaudern zu können, waffne ich meine Hand mit der Feder um einen neuen Cyclus von Schreibebriefen zu beginnen, wovon wo[h]l noch manches Exemplar die Reise nach Mödling wird antreten müßen, ehe ein fortdauerndes Zusammenleben die von dir erwähnte Abwechslung von Thätigkeit und Erholung gestatten wird. Es wird freilich sehr schön sein wenn wir nach vollbrachtem Tagwerk so gemütlich mitsammen am Sofa sitzen und einander die kleinen Erlebnisse des Tages mittheilen oder etwas lesen werden! Um wie viel süßer wird solche Ruhestunde sein, wenn der Tag in nützlicher Geschäftigkeit verging und die Reihe der Arbeitsstunden gleichsam eine Anweisung auf eine Weile der Erholung und Unterhaltung wird! Nach diesen Tagen absoluten Nichtsthuns will mir noch die Arbeit nicht recht von der Hand gehen, ich muß mich ordentlich erst wieder daran gewöhnen. Aber schön waren diese acht Tage wo du hier warst, nicht wahr? Ich werde mich allezeit gerne an die Weihnachtsfeiertage 1871 erinnern! Lebhafter als je bisher empfand ich in der Zeit deines Aufenthaltes hier unsere Zusammengehörigkeit, und bestärkte sich in mir die Zuversicht, daß wir zueinander passen. Gott segne unsern Bund! Freilich wirst du oft, recht oft Geduld mit mir haben müßen, doch soll es mir nie an gutem Willen fehlen, dir in Allem recht zu thun. – Am Abend des 1.Jänner unternahm ich nicht mehr viel, erst ordnete ich mein Schmuckkästchen das ziemlich in Unordnung gerathen war, nach Tisch las ich ein wenig und begab mich bald nach 9 Uhr zu Bette. Gestern begann ich wieder mein Alltagsleben, indem ich Vormittags bügelte und Nachmittag die englische Conversation besuchte. Abends war ich bei Lida, und ging wieder ziemlich früh zu Bette. Meine gestrige Postkarte hast du hoffentlich erhalten, deine bekam ich erst heute früh und zu Mittag 2 Uhr deinen Brief. Hoffentlich werden sich nun die Briefe wieder regelmäßig folgen. Ich freue mich schon recht bald wieder von dir zu hören! Willi G: war heute noch bei mir, er läßt dich vielmals grüßen. Heut früh schrieb ich an Maria Gutenberg. – Mit dem Siegel dieses Briefes weihe ich feierlichst meinen neuen Siegelring ein, bitte daher dem Siegel auch die gehörige Aufmerksamkeit zu widmen. Emmas [Seehofer] Hochzeit wird doch gegen Ende Februar stattfinden können. Hr: Wahl schrieb mir gestern einige Zeilen wo sie bedauert unsern Besuch versäumt zu haben und dich vielmals grüßt. Mit herzlichem Lebewo[h]l deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – „Lida“ [verh.] Guttenberg, enge Freundin von Fanni, auch Spängler-Bekanntschaft, häufig genannt in den Briefen seit 1860.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LV erh 5/1 beantw 6/1 CorreXXX 7/1 mit L Fw (?) 8/1]; rotes Siegel „F. S.“; Prägestempel „englisches Staatswappen“, auch auf den folgenden Briefen]: Salzburg 3.Jänner 1872. Mein lieber Franz! Anstatt, wie es in den letzten, ach so rasch vergangenen Tagen geschah, Aug in Aug mit dir plaudern zu können, waffne ich meine Hand mit der Feder um einen neuen Cyclus von Schreibebriefen zu beginnen, wovon wo[h]l noch manches Exemplar die Reise nach Mödling wird antreten müßen, ehe ein fortdauerndes Zusammenleben die von dir erwähnte Abwechslung von Thätigkeit und Erholung gestatten wird. Es wird freilich sehr schön sein wenn wir nach vollbrachtem Tagwerk so gemütlich mitsammen am Sofa sitzen und einander die kleinen Erlebnisse des Tages mittheilen oder etwas lesen werden! Um wie viel süßer wird solche Ruhestunde sein, wenn der Tag in nützlicher Geschäftigkeit verging und die Reihe der Arbeitsstunden gleichsam eine Anweisung auf eine Weile der Erholung und Unterhaltung wird! Nach diesen Tagen absoluten Nichtsthuns will mir noch die Arbeit nicht recht von der Hand gehen, ich muß mich ordentlich erst wieder daran gewöhnen. Aber schön waren diese acht Tage wo du hier warst, nicht wahr? Ich werde mich allezeit gerne an die Weihnachtsfeiertage 1871 erinnern! Lebhafter als je bisher empfand ich in der Zeit deines Aufenthaltes hier unsere Zusammengehörigkeit, und bestärkte sich in mir die Zuversicht, daß wir zueinander passen. Gott segne unsern Bund! Freilich wirst du oft, recht oft Geduld mit mir haben müßen, doch soll es mir nie an gutem Willen fehlen, dir in Allem recht zu thun. – Am Abend des 1.Jänner unternahm ich nicht mehr viel, erst ordnete ich mein Schmuckkästchen das ziemlich in Unordnung gerathen war, nach Tisch las ich ein wenig und begab mich bald nach 9 Uhr zu Bette. Gestern begann ich wieder mein Alltagsleben, indem ich Vormittags bügelte und Nachmittag die englische Conversation besuchte. Abends war ich bei Lida, und ging wieder ziemlich früh zu Bette. Meine gestrige Postkarte hast du hoffentlich erhalten, deine bekam ich erst heute früh und zu Mittag 2 Uhr deinen Brief. Hoffentlich werden sich nun die Briefe wieder regelmäßig folgen. Ich freue mich schon recht bald wieder von dir zu hören! Willi G: war heute noch bei mir, er läßt dich vielmals grüßen. Heut früh schrieb ich an Maria Gutenberg. – Mit dem Siegel dieses Briefes weihe ich feierlichst meinen neuen Siegelring ein, bitte daher dem Siegel auch die gehörige Aufmerksamkeit zu widmen. Emmas [Seehofer] Hochzeit wird doch gegen Ende Februar stattfinden können. Hr: Wahl schrieb mir gestern einige Zeilen wo sie bedauert unsern Besuch versäumt zu haben und dich vielmals grüßt. Mit herzlichem Lebewo[h]l deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – „Lida“ [verh.] Guttenberg, enge Freundin von Fanni, auch Spängler-Bekanntschaft, häufig genannt in den Briefen seit 1860.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVI 9/1 beantw mit LVII 11/1]; rotes Siegel „F.S.“ [so auch alle folgenden Briefe dieses Päckchens]: Salzburg 7.Jänner 1872. ¾ 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Besten Dank für deinen lieben Brief sowie auch für deine Zeilen vom 3. die ich deinem Wunsch gemäß unbeantwortet ließ. Heute hatte ich schon mit großer Ungeduld auf eine Nachricht gewartet, und freue mich zu sehen, daß auch dir die hier verlebten Tage schön erschienen sind. Was die Geduld betrifft, wird die Zukunft lehren, wer von uns mehr von diesem nützlichen Artikel in Anspruch nimmt, daß ich ein recht garstiges Ding bin zuweilen, habe ich dir längst gesagt, allein meine gutgemeinte Warnung hast du nicht berücksichtigt, da kannst du dann zusehen wie du mit deinem Hauskreuz fertig wirst. Mit der Pedanterie werde ich schon auf Gleich zu kommen suchen, und hoffe auch meinen lieben Pedanten die Grillen verzeihen zu können, wenn solche wirklich wagen sollten, sich im Reiche Bereiche meines Burgfriedens zu zeigen. Heiterer Sinn, mit dem die gütige Natur mich versorgte, soll eine recht tüchtige Waffe gegen diese kleinen Unholde sein. Wandelt mich aber bisweilen ein kleiner Mutwille an, so wird eine kleine XX geringe Dosis Pedanterie deinerseits gerade das rechte Gleichgewicht herstellen. Weißt du, heute vor 8 Tagen litt ich unter einer solchen Anwandlung, wo du sagtest, ich sekire [ärgere] dich. Jetzt sind schon ganze 8 7 Tage dahin, seit wir auf dem Bahnhofe Abschied nahmen! Wie doch die Zeit vergeht. Ich darf recht fleißig sein, wenn bis zum April Alles fertig sein soll. Morgen werde ich wahrscheinlich mein Reisekleid zuschneiden. Ich wählte zu diesem Zweck einen einfärbig grauen Stoff. Ich werde meine ganze Kunst aufbieten, damit ich zur Hochzeitsreise schön bin. Die Reisetour [-route] haben wir wirklich nicht festgestellt, während deinem Hiersein, vielleicht nimmst du einmal die Karte zur Hand, und theilst mir dann die voraussichtlichen Haupstationen mit? Wie war denn diesmal die Salzburger Versammlung? Hast du am Ende wieder Unschuldige zum Besuch des Kafehauses verleitet? wie neulich? Heute findet eine Redoute [Ball] zum Besten der Volksküche statt. Lida ist bei den Verkäuferinnen in der Conditorei. Für sie beginnt hiermit der Fasching. Ich komme mir ordentlich erhaben in meiner heurigen Solidität vor. Heute war ich beim Mozarteumskonzerte. Ein blinder Klavierspieler ließ sich hören, er spielte sehr brav, namentlich sehr weich. Mich ergriff bei seinem Anblick tiefes Mitleid. Ich hatte Gelegenheit, ihn zu beobachten, während eine Symfonie v. Beethoven aufgeführt wurde, und beobachtete, wie lebhaft die Musik ihn bewegte. Manchmal glitt ein zufriedenes Lächeln über seine Züge, während unrichtige Töne ihm offenbar Mißbehagen erregten. Seine Erscheinung ist sehr sonderbar, auch seine SprXXX ist kaum so groß wie ich und sieht ziemlich leidend aus. Deiner guten Mutter habe ich deine Grüße entrichtet, sie findet es verzeihlich, daß du mir früher und öfter schreibst als ihr. Gestern war ich mit Lida noch einmal in Leopolskron, doch ist das Eis schon schlecht. Vielleicht war ich gestern zum letzten Male auf dem Eis, nächstes Jahr komme ich wo[h]l kaum dazu. Bei vielen Gelegenheiten denke ich mir jetzt: Das geschieht hier wo[h]l nicht mehr von mir. Es ist wie ein langsames Loslösen von bisher gewohnten Dingen, ein wortloser Abschied. Doch empfinde ich deßwegen keinen Schmerz. Freilich vor dem le[t]zten Abschied, der mir bevorsteht, habe ich bange. Da wirst du schon ein wenig an mir trösten müßen, wenn wir miteinander von hier weg reisen! Doch genug für heute! gute Nacht. – 8.Jänner 9 Uhr Morgens. Ich füge noch einige Zeilen bei, sonst komme ich nicht zur Arbeit! Du sagst, du wirst mir wieder ein Buch schicken, ich danke dir im Voraus dafür und freue mich schon darauf um so mehr als ich wieder etwas von dir hören werde. Ich werde deine Zeilen jedenfalls beantworten so bald ich kann. Wenn die Witterung so milde bleibt wie je[t]zt, wo es vollständig thaut, wird auch die Reise nach Wien nicht zu weit hinausgeschoben werden. Wie schön wird es sein, wenn du mich auf dem Westbahnhof erwarten wirst! Wenn ich nur einmal wüßte wann Emmas Hochzeit ist! Mir wäre viel lieber wenn die Reise nach derselben stattfände. Nun lebe recht wo[h]l und bleibe gut deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt dich. Vorgestern schickte ich unsere Fotografien nach Würzburg. – „Emma“: In einem Brief von 1871 heißt es, dass die Freundin Emma [Seehofer] „im Laufe des nächsten Sommers heirathen“ werde, das ist der Sommer 1872 während der gelanten Hochzeitsreise von Fanni und Franz. – „Würzburg“: u.a. im September 1871 schreibt Fanni Freundin Lonchen Ziegler aus Würzburg.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVI 9/1 beantw mit LVII 11/1]; rotes Siegel „F.S.“ [so auch alle folgenden Briefe dieses Päckchens]: Salzburg 7.Jänner 1872. ¾ 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Besten Dank für deinen lieben Brief sowie auch für deine Zeilen vom 3. die ich deinem Wunsch gemäß unbeantwortet ließ. Heute hatte ich schon mit großer Ungeduld auf eine Nachricht gewartet, und freue mich zu sehen, daß auch dir die hier verlebten Tage schön erschienen sind. Was die Geduld betrifft, wird die Zukunft lehren, wer von uns mehr von diesem nützlichen Artikel in Anspruch nimmt, daß ich ein recht garstiges Ding bin zuweilen, habe ich dir längst gesagt, allein meine gutgemeinte Warnung hast du nicht berücksichtigt, da kannst du dann zusehen wie du mit deinem Hauskreuz fertig wirst. Mit der Pedanterie werde ich schon auf Gleich zu kommen suchen, und hoffe auch meinen lieben Pedanten die Grillen verzeihen zu können, wenn solche wirklich wagen sollten, sich im Reiche Bereiche meines Burgfriedens zu zeigen. Heiterer Sinn, mit dem die gütige Natur mich versorgte, soll eine recht tüchtige Waffe gegen diese kleinen Unholde sein. Wandelt mich aber bisweilen ein kleiner Mutwille an, so wird eine kleine XX geringe Dosis Pedanterie deinerseits gerade das rechte Gleichgewicht herstellen. Weißt du, heute vor 8 Tagen litt ich unter einer solchen Anwandlung, wo du sagtest, ich sekire [ärgere] dich. Jetzt sind schon ganze 8 7 Tage dahin, seit wir auf dem Bahnhofe Abschied nahmen! Wie doch die Zeit vergeht. Ich darf recht fleißig sein, wenn bis zum April Alles fertig sein soll. Morgen werde ich wahrscheinlich mein Reisekleid zuschneiden. Ich wählte zu diesem Zweck einen einfärbig grauen Stoff. Ich werde meine ganze Kunst aufbieten, damit ich zur Hochzeitsreise schön bin. Die Reisetour [-route] haben wir wirklich nicht festgestellt, während deinem Hiersein, vielleicht nimmst du einmal die Karte zur Hand, und theilst mir dann die voraussichtlichen Haupstationen mit? Wie war denn diesmal die Salzburger Versammlung? Hast du am Ende wieder Unschuldige zum Besuch des Kafehauses verleitet? wie neulich? Heute findet eine Redoute [Ball] zum Besten der Volksküche statt. Lida ist bei den Verkäuferinnen in der Conditorei. Für sie beginnt hiermit der Fasching. Ich komme mir ordentlich erhaben in meiner heurigen Solidität vor. Heute war ich beim Mozarteumskonzerte. Ein blinder Klavierspieler ließ sich hören, er spielte sehr brav, namentlich sehr weich. Mich ergriff bei seinem Anblick tiefes Mitleid. Ich hatte Gelegenheit, ihn zu beobachten, während eine Symfonie v. Beethoven aufgeführt wurde, und beobachtete, wie lebhaft die Musik ihn bewegte. Manchmal glitt ein zufriedenes Lächeln über seine Züge, während unrichtige Töne ihm offenbar Mißbehagen erregten. Seine Erscheinung ist sehr sonderbar, auch seine SprXXX ist kaum so groß wie ich und sieht ziemlich leidend aus. Deiner guten Mutter habe ich deine Grüße entrichtet, sie findet es verzeihlich, daß du mir früher und öfter schreibst als ihr. Gestern war ich mit Lida noch einmal in Leopolskron, doch ist das Eis schon schlecht. Vielleicht war ich gestern zum letzten Male auf dem Eis, nächstes Jahr komme ich wo[h]l kaum dazu. Bei vielen Gelegenheiten denke ich mir jetzt: Das geschieht hier wo[h]l nicht mehr von mir. Es ist wie ein langsames Loslösen von bisher gewohnten Dingen, ein wortloser Abschied. Doch empfinde ich deßwegen keinen Schmerz. Freilich vor dem le[t]zten Abschied, der mir bevorsteht, habe ich bange. Da wirst du schon ein wenig an mir trösten müßen, wenn wir miteinander von hier weg reisen! Doch genug für heute! gute Nacht. – 8.Jänner 9 Uhr Morgens. Ich füge noch einige Zeilen bei, sonst komme ich nicht zur Arbeit! Du sagst, du wirst mir wieder ein Buch schicken, ich danke dir im Voraus dafür und freue mich schon darauf um so mehr als ich wieder etwas von dir hören werde. Ich werde deine Zeilen jedenfalls beantworten so bald ich kann. Wenn die Witterung so milde bleibt wie je[t]zt, wo es vollständig thaut, wird auch die Reise nach Wien nicht zu weit hinausgeschoben werden. Wie schön wird es sein, wenn du mich auf dem Westbahnhof erwarten wirst! Wenn ich nur einmal wüßte wann Emmas Hochzeit ist! Mir wäre viel lieber wenn die Reise nach derselben stattfände. Nun lebe recht wo[h]l und bleibe gut deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt dich. Vorgestern schickte ich unsere Fotografien nach Würzburg. – „Emma“: In einem Brief von 1871 heißt es, dass die Freundin Emma [Seehofer] „im Laufe des nächsten Sommers heirathen“ werde, das ist der Sommer 1872 während der gelanten Hochzeitsreise von Fanni und Franz. – „Würzburg“: u.a. im September 1871 schreibt Fanni Freundin Lonchen Ziegler aus Würzburg.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVII erh 10/1 1872 beantw 11/1 „]: Salzburg, 9.Jänner 1872. ¾ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Heimkommend von meinem Besuche bei Zeller fand ich deine Liebesgabe und sitze nun fast eine halbe Stunde da, bereit, diese Zeilen an dich zu schreiben und blättere doch immer wieder neugierig im „Liebesfrühling[„ Gedichtsammlung]. Tausend Dank du Lieber, für Buch und Brief, welche mir so große Freude machen! Du hast meine kleine Büchersammlung schon mit so viel Schönem bereichert, ich habe deine Bücher vor mir liegen, und erfreue mich an ihrem Anblick. Von morgen an werde ich gewißenhaft täglich drei Gedichte lesen. Die von dir bezeichneten habe ich in aller Eile großentheils angesehen und mehrere wunderhübsch gefunden. Besonders lieb finde ich auch N:XIX, 5 ter Strauß. Auch N:75 ist reizend. 4:Strauß N:66 ist sehr wahr. Lida glaubt nun auch, daß wir uns wirklich lieb haben und freut sich darüber. Wie würde ich mich freuen, wenn sie in gleiche Lage mit mir käme. Sie hat doch so viel Anspruch auf das Glück, soll sie es nicht so finden, wie es nun einmal unsere Bestimmung ist? Wie oft mache ich mir diese Gedanken. Wenn N:33, I.Strauß, mir Antwort auf jene Frage sein soll deren ich mich sehr gut erinnere, so kann ich nur freylich wünschen du mögest all das Liebe und Gute, dessen Besi[t]z deine Liebe mir zuschreibt, auch an mir finden. Gewiß, ich wünsche oft, viel besser klüger und schöner zu sein, damit ich dir gefalle und genüge. Besser zu werden, will ich mich redlich bemühen, im Übrigen mußt du eben so mit mir vorlieb nehmen. Auf die Wiener Reise nehme ich natürlich das Buch mit, da können wir dann auch mitsammen lesen. Vor gestern über [in] 12 Wochen! 8.April [Hochzeitstermin], hast du schon nachgerechnet? Wenn wir nur Alles fertig kriegen! Die Aussicht, daß wir künftigen Sommer ruhig in Mödling sein können ist mir ganz angenehm. Wenn eine Übersiedlung dann notwendig wird habe ich mir wenigstens unsere kleine Wirthschaft schon eingerichtet. Bei Zeller geht es nicht sehr gut. Papa hat seine bekannten Anfälle von Athemnoth, und heute liegt die arme Mama, sie hat sich verkühlt, dazu kommen von Stiebitz [Stiepitz] keine guten Nachrichten. Emma [Seehofer] sagte mir, daß der Arme nicht nur geistig sondern auch körperlich krank ist. Die arme Emma hat eine traurige Brautzeit. Ich schließe um heute noch den Brief aufzugeben, vielleicht bekommst du ihn, ehe du morgen deinen Brief endest. Lebe wo[h]l du Lieber und bleib mir gut. deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. Ebenso deine Mutter. - „Zeller“: Familie Zeller häufig in den Briefen genannt seit 1870; Emma [Seehofer] ist die Freundin. Auch „Lida“ Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni. – „Stiebitz“, vgl. „Stiepitz“ in mehreren Briefen und besonders Brief vom 14.12.1871.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVII erh 10/1 1872 beantw 11/1 „]: Salzburg, 9.Jänner 1872. ¾ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Heimkommend von meinem Besuche bei Zeller fand ich deine Liebesgabe und sitze nun fast eine halbe Stunde da, bereit, diese Zeilen an dich zu schreiben und blättere doch immer wieder neugierig im „Liebesfrühling[„ Gedichtsammlung]. Tausend Dank du Lieber, für Buch und Brief, welche mir so große Freude machen! Du hast meine kleine Büchersammlung schon mit so viel Schönem bereichert, ich habe deine Bücher vor mir liegen, und erfreue mich an ihrem Anblick. Von morgen an werde ich gewißenhaft täglich drei Gedichte lesen. Die von dir bezeichneten habe ich in aller Eile großentheils angesehen und mehrere wunderhübsch gefunden. Besonders lieb finde ich auch N:XIX, 5 ter Strauß. Auch N:75 ist reizend. 4:Strauß N:66 ist sehr wahr. Lida glaubt nun auch, daß wir uns wirklich lieb haben und freut sich darüber. Wie würde ich mich freuen, wenn sie in gleiche Lage mit mir käme. Sie hat doch so viel Anspruch auf das Glück, soll sie es nicht so finden, wie es nun einmal unsere Bestimmung ist? Wie oft mache ich mir diese Gedanken. Wenn N:33, I.Strauß, mir Antwort auf jene Frage sein soll deren ich mich sehr gut erinnere, so kann ich nur freylich wünschen du mögest all das Liebe und Gute, dessen Besi[t]z deine Liebe mir zuschreibt, auch an mir finden. Gewiß, ich wünsche oft, viel besser klüger und schöner zu sein, damit ich dir gefalle und genüge. Besser zu werden, will ich mich redlich bemühen, im Übrigen mußt du eben so mit mir vorlieb nehmen. Auf die Wiener Reise nehme ich natürlich das Buch mit, da können wir dann auch mitsammen lesen. Vor gestern über [in] 12 Wochen! 8.April [Hochzeitstermin], hast du schon nachgerechnet? Wenn wir nur Alles fertig kriegen! Die Aussicht, daß wir künftigen Sommer ruhig in Mödling sein können ist mir ganz angenehm. Wenn eine Übersiedlung dann notwendig wird habe ich mir wenigstens unsere kleine Wirthschaft schon eingerichtet. Bei Zeller geht es nicht sehr gut. Papa hat seine bekannten Anfälle von Athemnoth, und heute liegt die arme Mama, sie hat sich verkühlt, dazu kommen von Stiebitz [Stiepitz] keine guten Nachrichten. Emma [Seehofer] sagte mir, daß der Arme nicht nur geistig sondern auch körperlich krank ist. Die arme Emma hat eine traurige Brautzeit. Ich schließe um heute noch den Brief aufzugeben, vielleicht bekommst du ihn, ehe du morgen deinen Brief endest. Lebe wo[h]l du Lieber und bleib mir gut. deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. Ebenso deine Mutter. - „Zeller“: Familie Zeller häufig in den Briefen genannt seit 1870; Emma [Seehofer] ist die Freundin. Auch „Lida“ Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni. – „Stiebitz“, vgl. „Stiepitz“ in mehreren Briefen und besonders Brief vom 14.12.1871.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LVIII erh 14/1 1872 beantw 15/1 1872]: Salzburg, 12.Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Seit gestern wartete ich schon ziemlich ungeduldig auf deinen lieben Brief, mit so viel größerer Freude nahm ich denselben heute in Empfang. Meine Zeit gestattete nicht, im Laufe des Tages zu antworten, um die Verzögerung wieder aus zugleichen, was ich gerne gethan hätte. Meine „Warnungen“ hatten wo[h]l nicht den Zweck, in ihrem ganzen Umfange von dir berücksichtigt zu werden, doch hatte ich, ehe das entscheidende Wort zwischen und gesprochen war, allerdings die Absicht, dir freimüthig auch manche schwache Seite, manchen Fehler an mir zu bekennen, damit nicht, wenn wir uns einst näher stünden, du dieselben erst entdecken müßtest, und dadurch manche unangenehme U[Ü]beraschung machen erleben müßtest. Hättest du dich damals von diesen „Warnungen“ zurück schrecken laßen, wäre es gewiß recht traurig gewesen, doch immerhin besser, als wenn dir sonst beim Zusammenleben mit mir ‚all‘ die minder guten Eigenschaften an mir wären vor Augen getreten. Daß du dich aber nicht warnen ließest, zeigt mir, daß du mich mit sammt meinen Fehlern liebhaben willst und mir auch einige gute Seiten zutraust. Ich will suchen dieses Vertrauen zu rechtfertigen, und dir so gut ich es eben vermag, die Lebensweise zu verschönern. Wie oft ist es der Inhalt meines Gebetes, Gott möge mir die Gnade schenken, dir eine recht gute Frau zu sein. – Es wird doch recht sonderbar sein, wenn ich auf einmal deine „Frau“ heißen werde, und so aus allen gewohnten Verhältnissen herausgetreten und in einen anderen Boden verpflanzt sein werde! Wir gingen heute Abend ein wenig aus, und ich mußte mich auf einmal fragen, wie wird es mir denn vorkommen, wenn ich aus meiner lieben, schönen Heimat soll fortgehen soll? Sei nicht böse, daß ich dir dieses so erzähle, ich hoffe ja doch, auch meine neue Heimat bald schön zu finden. Für heute aber gute Nacht, mein Lieber, ich bin müde. – 13.Jänner ¾ auf 8 Uhr früh. Ehe ich an mein heutiges Tagewerk gehe, will ich nur noch ein weniges mit dir plaudern, und rufe dir einen fröhlichen, guten Morgen zu. Zu dieser Stunde freute ich mich bei deinem Hiersein schon immer, dir den Morgengruß bieten zu können, und wenn wir so beisammen saßen am Frühstückstische, stellte ich mir immer vor ich sei schon deine Frau.- - Da wir im Zeitalter der Arbeitstheilung leben, ist es nicht mehr als billig, wenn wir uns dereinst auch in die Correspondenz theilen, mir kommt aber vor, du willst mir da den Löwenantheil zukommen laßen, weil du schon wiederholt sagst, daß ich so ziemlich den ganzen Briefwechsel werde übernehmen müßen. – Im Liebesfrühling [Gedichtsammlung] fand ich schon recht viele wunderliebe Gedichte, daß manche ein wenig überschwänglich sind, ist nicht zu läugnen [!], namentlich sind manche sehr kühne Wörterverbindungen wie: empfindungsblütenweich u.a. mehr, die zuweilen den Eindruck des Schwülstigen machen. Dagegen Damit versöhnen aber die oft reizend einfachen Gedichtchen. Ich kam noch nicht dazu, Lida das Gedichtchen zu zeigen. Wir kommen überhaupt jetzt wenig zusammen, das gehört auch zum Loslösen. Mama Zeller geht wieder aus. Doch wie heißt es: „Nähe, nähe und nähe, Stunde um Stunde fein“ [Ausstattung nähen], darum behüte dich Gott und hab mich lieb! Deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – [oben verkehrt:] Besten Dank für die Briefmarken, ich werde dieselben morgen abliefern.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LVIII erh 14/1 1872 beantw 15/1 1872]: Salzburg, 12.Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Seit gestern wartete ich schon ziemlich ungeduldig auf deinen lieben Brief, mit so viel größerer Freude nahm ich denselben heute in Empfang. Meine Zeit gestattete nicht, im Laufe des Tages zu antworten, um die Verzögerung wieder aus zugleichen, was ich gerne gethan hätte. Meine „Warnungen“ hatten wo[h]l nicht den Zweck, in ihrem ganzen Umfange von dir berücksichtigt zu werden, doch hatte ich, ehe das entscheidende Wort zwischen und gesprochen war, allerdings die Absicht, dir freimüthig auch manche schwache Seite, manchen Fehler an mir zu bekennen, damit nicht, wenn wir uns einst näher stünden, du dieselben erst entdecken müßtest, und dadurch manche unangenehme U[Ü]beraschung machen erleben müßtest. Hättest du dich damals von diesen „Warnungen“ zurück schrecken laßen, wäre es gewiß recht traurig gewesen, doch immerhin besser, als wenn dir sonst beim Zusammenleben mit mir ‚all‘ die minder guten Eigenschaften an mir wären vor Augen getreten. Daß du dich aber nicht warnen ließest, zeigt mir, daß du mich mit sammt meinen Fehlern liebhaben willst und mir auch einige gute Seiten zutraust. Ich will suchen dieses Vertrauen zu rechtfertigen, und dir so gut ich es eben vermag, die Lebensweise zu verschönern. Wie oft ist es der Inhalt meines Gebetes, Gott möge mir die Gnade schenken, dir eine recht gute Frau zu sein. – Es wird doch recht sonderbar sein, wenn ich auf einmal deine „Frau“ heißen werde, und so aus allen gewohnten Verhältnissen herausgetreten und in einen anderen Boden verpflanzt sein werde! Wir gingen heute Abend ein wenig aus, und ich mußte mich auf einmal fragen, wie wird es mir denn vorkommen, wenn ich aus meiner lieben, schönen Heimat soll fortgehen soll? Sei nicht böse, daß ich dir dieses so erzähle, ich hoffe ja doch, auch meine neue Heimat bald schön zu finden. Für heute aber gute Nacht, mein Lieber, ich bin müde. – 13.Jänner ¾ auf 8 Uhr früh. Ehe ich an mein heutiges Tagewerk gehe, will ich nur noch ein weniges mit dir plaudern, und rufe dir einen fröhlichen, guten Morgen zu. Zu dieser Stunde freute ich mich bei deinem Hiersein schon immer, dir den Morgengruß bieten zu können, und wenn wir so beisammen saßen am Frühstückstische, stellte ich mir immer vor ich sei schon deine Frau.- - Da wir im Zeitalter der Arbeitstheilung leben, ist es nicht mehr als billig, wenn wir uns dereinst auch in die Correspondenz theilen, mir kommt aber vor, du willst mir da den Löwenantheil zukommen laßen, weil du schon wiederholt sagst, daß ich so ziemlich den ganzen Briefwechsel werde übernehmen müßen. – Im Liebesfrühling [Gedichtsammlung] fand ich schon recht viele wunderliebe Gedichte, daß manche ein wenig überschwänglich sind, ist nicht zu läugnen [!], namentlich sind manche sehr kühne Wörterverbindungen wie: empfindungsblütenweich u.a. mehr, die zuweilen den Eindruck des Schwülstigen machen. Dagegen Damit versöhnen aber die oft reizend einfachen Gedichtchen. Ich kam noch nicht dazu, Lida das Gedichtchen zu zeigen. Wir kommen überhaupt jetzt wenig zusammen, das gehört auch zum Loslösen. Mama Zeller geht wieder aus. Doch wie heißt es: „Nähe, nähe und nähe, Stunde um Stunde fein“ [Ausstattung nähen], darum behüte dich Gott und hab mich lieb! Deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – [oben verkehrt:] Besten Dank für die Briefmarken, ich werde dieselben morgen abliefern.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LIX erh 18/1 beantw 19/1 1872]: Salzburg, 16.Jänner 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Wir hatten heute wieder einmal seit so vielen Wochen bei Zeller französische Conversation. Dadurch kam ich später zum Abendessen und fange ich nun erst diesen Brief an. Und doch will ich heute noch fertig schreiben, sonst komme ich morgen Vormittag zu keiner Arbeit. In Anbetracht, daß nun keine 3 Monate mehr bis zu unserer Hochzeit sind, muß ich aber meine Zeit gehörig zu benützen suchen. Auch ich empfinde oft genug das „Übergangsstadium“ zuweilen auch mit Fieberanfällen wie z.B. heute früh, wo ich mich wieder, ich weiß eigentlich nicht recht vor was, „fürchtete“. Als ich deinen lieben Brief erhielt, beruhigte sich das Fieber wieder. Dank der reichlichen Beschäftigung die ich stets finde, kann ich nicht sagen, daß mir die Zeit langsam vergeht, doch das wäre schon recht schön, wenn wir uns öfters sehen und sprechen könnten. Da haben es Emma und Albert gut, die kommen jetzt doch fast jede Woche ein oder 2mal zusammen. Freilich haben sie eine so lange Zeit hinter sich, wo sie sich auch nur selten sahen! Wie viel hätten wir doch zu besprechen. Ich habe es in diesem Punkte besser als du, weil ich wenigstens über Einiges mit der Großmutter sprechen kann, freilich geht es dabei nicht immer ohne Meinungsverschiedenheiten ab. Wer doch nicht so leicht die Geduld verliere! Aber ich! Sollten sich die von dir erwähnten Fragen nicht schriftlich erörtern lassen? Ich weiß zwar selbst nur zu gut, wie man manches gerne sagen würde, wozu man schriftlich nicht kommt. Wir müßten uns das eben auf später vorbehalten. – Sonntag war ich mit Emma, Ludwig und Mama in Hallein. Albert ist sehr lustig, scheint auch schon einige Patienten zu haben. Wir waren auch in der künftigen Wohnung, da sieht es freilich noch ziemlich trostlos aus. Es müßen noch Öfen gese[t]zt und 3 Zimmer tapeziert werden, doch hoffen sie doch bis gegen Ende Februar fertig zu werden. – Emmas [Seehofer] Hochzeit bestimmt den Zeitpunkt unserer Wiener Reise. Ich wollte, es wäre schon Alles eingekauft! Da werden wir auch wieder einige schöne Tage mitsammen verleben, doch so ruhig und ungestört wo[h]l kaum wie die Woche von Weihnachten bis Neujahr. Es wird aber auch hübsch sein, wenn so Eins ums Andere in unsere neue Wohnung geschafft wird. Hast du schon einen Ball besucht. [?] Auf das Salzburger Kränzchen wirst du gewiß gehen. Ich befinde mich ganz zufrieden, daß ich heuer keinen Ball zu besuchen brauche, da nähe ich schon viel lieber Ausstattungsachen. War mein Brief bis hierher nicht sehr poetisch, so muß ich doch noch etwas von rechter Alltagsprosa beifügen. Großmutter läßt dich nämlich ersuchen, du möchtest dich doch erkundigen, wo und ob man in Mödling Sch frisches Stroh zum füllen der Strohsäcke bekommt. Sie meint deine Wirthin könnte wo[h]l etwas Auskunft geben. In meiner Lektüre will ich regelmäßig fortfahren, schade daß wir nicht zusammen lesen können. Doch ich schließe nun, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Großmutter grüßt.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LIX erh 18/1 beantw 19/1 1872]: Salzburg, 16.Jänner 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Wir hatten heute wieder einmal seit so vielen Wochen bei Zeller französische Conversation. Dadurch kam ich später zum Abendessen und fange ich nun erst diesen Brief an. Und doch will ich heute noch fertig schreiben, sonst komme ich morgen Vormittag zu keiner Arbeit. In Anbetracht, daß nun keine 3 Monate mehr bis zu unserer Hochzeit sind, muß ich aber meine Zeit gehörig zu benützen suchen. Auch ich empfinde oft genug das „Übergangsstadium“ zuweilen auch mit Fieberanfällen wie z.B. heute früh, wo ich mich wieder, ich weiß eigentlich nicht recht vor was, „fürchtete“. Als ich deinen lieben Brief erhielt, beruhigte sich das Fieber wieder. Dank der reichlichen Beschäftigung die ich stets finde, kann ich nicht sagen, daß mir die Zeit langsam vergeht, doch das wäre schon recht schön, wenn wir uns öfters sehen und sprechen könnten. Da haben es Emma und Albert gut, die kommen jetzt doch fast jede Woche ein oder 2mal zusammen. Freilich haben sie eine so lange Zeit hinter sich, wo sie sich auch nur selten sahen! Wie viel hätten wir doch zu besprechen. Ich habe es in diesem Punkte besser als du, weil ich wenigstens über Einiges mit der Großmutter sprechen kann, freilich geht es dabei nicht immer ohne Meinungsverschiedenheiten ab. Wer doch nicht so leicht die Geduld verliere! Aber ich! Sollten sich die von dir erwähnten Fragen nicht schriftlich erörtern lassen? Ich weiß zwar selbst nur zu gut, wie man manches gerne sagen würde, wozu man schriftlich nicht kommt. Wir müßten uns das eben auf später vorbehalten. – Sonntag war ich mit Emma, Ludwig und Mama in Hallein. Albert ist sehr lustig, scheint auch schon einige Patienten zu haben. Wir waren auch in der künftigen Wohnung, da sieht es freilich noch ziemlich trostlos aus. Es müßen noch Öfen gese[t]zt und 3 Zimmer tapeziert werden, doch hoffen sie doch bis gegen Ende Februar fertig zu werden. – Emmas [Seehofer] Hochzeit bestimmt den Zeitpunkt unserer Wiener Reise. Ich wollte, es wäre schon Alles eingekauft! Da werden wir auch wieder einige schöne Tage mitsammen verleben, doch so ruhig und ungestört wo[h]l kaum wie die Woche von Weihnachten bis Neujahr. Es wird aber auch hübsch sein, wenn so Eins ums Andere in unsere neue Wohnung geschafft wird. Hast du schon einen Ball besucht. [?] Auf das Salzburger Kränzchen wirst du gewiß gehen. Ich befinde mich ganz zufrieden, daß ich heuer keinen Ball zu besuchen brauche, da nähe ich schon viel lieber Ausstattungsachen. War mein Brief bis hierher nicht sehr poetisch, so muß ich doch noch etwas von rechter Alltagsprosa beifügen. Großmutter läßt dich nämlich ersuchen, du möchtest dich doch erkundigen, wo und ob man in Mödling Sch frisches Stroh zum füllen der Strohsäcke bekommt. Sie meint deine Wirthin könnte wo[h]l etwas Auskunft geben. In meiner Lektüre will ich regelmäßig fortfahren, schade daß wir nicht zusammen lesen können. Doch ich schließe nun, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Großmutter grüßt.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LX erh 22/1 beantw 23/1 1872]: Salzburg, 20.Jänner 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Ich freute mich sehr über deinen lieben Brief und danke dir recht sehr für denselben. – Die Mitheilung, daß dein Honorar für die Vorlesungen erhöht wurde berührte mich ganz angenehm, und ich wünsche aufrichtig, daß die Frage der Erhöhung des Gehaltes in eben so befriedigender Weise gelöst werde. Ich meine, je mehr, desto besser, obgleich ich auch mit unserer dermaligen Einnahme ganz zufrieden bin, und hoffe, unsere Finanzen werden hübsch in Ordnung bleiben. – Ich werde mich schon recht zusammennehmen, dir unser „Daheim“ so recht behaglich werden zu laßen, damit der Vergleich mit deiner jetzigen Lebensweise dereinst zu meinen Gunsten ausfalle. – Was das „Herabblicken“ auf das Treiben des Carnevals betrifft ergeht es mir ganz so wie dir. Im vergangenen Winter tanzte ich ganz gerne und ziemlich viel, und nun liegt mir der Gedanke, einen Ball mitzumachen so ferne als ob ich niemals von der Drehkrankheit wäre befallen gewesen. Wie sich die Zeiten ändern! Solltest du das Salzburger Kränzchen besuchen, und dort vielleicht Minna Lorinser treffen, so grüße sie von mir, sie soll mir einmal schreiben! Es ist sehr lieb von dir, daß du neulich, anstatt zu tanzen dich in Gedanken mit mit[r] beschäftigtest, doch fürchte ich, deine Bekannten werden von dir sagen „der ist je[t]zt auch unter die Philister gegangen“. Am Ende denken sie, dein künftiges Hauskreuz wäre so kindisch, dich ungerne in heiterer Gesellschaft zu wißen, das dürfen sie nicht glauben!! Ich bin heute schon so schläfrig und werde morgen die Vormittagsstunden benützen um fertig zu schreiben, gute Nacht, gute Nacht du Lieber! - 21.Jänner ¼ nach 9 Uhr Vorm[ittags]: Vor Allem etwas sehr Wichtiges. Ich habe die Ehre, mich hiermit als eigenberechtigt erklärt vorzustellen. Somit wäre ich also unabhängig von der väterlichen Gewalt geworden und zur uneingeschränkten Herrin meines etwaigen Vermögens avanciert. Le[t]zteres ist aber wie dir bekannt nicht eben bedeutend und daher mag es wo[h]l kommen, daß die Leute sich nicht besonders um meine neue Würde kümmern. Schritt um Schritt nähern sich die Vorbereitungen unserer Verbindung ihrer Vollendung. Am Freitag wurde Frau Pippan feierlichst in Kenntniß gese[t]zt, daß sie das Glück haben wird, mein Brautkleid anzufertigen. Das ist doch ein großer Schritt, nicht wahr? Meine Reisekleid ist bereits fertig. Mit Hülfe der Näherin wird dermalen Verschiedenes zu Hause gemacht und mit Vergnügen sehe ich wie „der Speicher sich füllt mit köstlicher Habe[„] und „Sammle im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein“. Die arme Großmutter aber denkt mit immer schwererem Herzen an die Zeit, wo ich sie verlaßen werde. Dabei tröstet sie wo[h]l wieder der Gedanke, daß sie mich hoffentlich recht zufrieden an deiner Seite sehen wird. Wenn sie nur Jemand zu sich nehmen möchte, doch davon will sie Nichts hören. Was deine Einladung zu Emmas [Seehofer] Hochzeit betrifft, habe ich gar nichts gehört. Wärst du hier so zweifle ich nicht daß man dich laden würde, so aber glaube ich nicht, daß dir eine Einladung zukömmt, da Emma immer sagt, es werden möglichst wenig Gäste geladen und die ganze Hochzeit sehr still gefeiert werden. Sobald Emmas Hochzeit bestimmt ist wird sich auch die Zeit unserer Wiener Reise feststellen laßen, und werde ich dir dieß sogleich mittheilen. Ich bin dafür, die Reise nicht zu sehr hinaus zu schieben, weil es darauf noch Allerlei zu machen giebt, und weil man doch Manches vielleicht nicht sogleich bekommt, und es daher in Wien bestellen muß. – Vielleicht ist je[t]zt über 4 Wochen der Tag unserer Abreise schon nahe. Auf der Fahrt nach Wien werde ich sicher auch tüchtiges Fieber bekommen. Aber es wird schön sein, wenn ich dich am Perron werde XXX sehen und begrüßen können. Ich freue mich schon recht darauf! Es ist nun auch ziemlich bestimmt, daß unsere Hochzeit beim „Erzherzog Karl“ gehalten wird. Ich bin damit sehr zufrieden. Siehst du, die Vorbereitungen nehmen immer bestimmtere Gestalt an. – Da du, wie du schreibst, heute einen längeren Brief an mich beginnen wirst, freue ich mich schon am Mittwoch recht viel von dir zu hören. Mittwoch den 17. waren wir Nachmittags bei deiner Schwägerin Luise [Spängler], dein Bruder [Otto] trug mir viele Grüße auf, er hofft, dich bald wieder in Wien zu sehen. Ich danke dir für das Verzeichniß der Gedichte, ich werde jeden Abend das von dir genannte Gedicht lesen. Bisher hat mir von Allen die ich gelesen am Besten gefallen „O wärst du krank, daß ich dich könnte pflegen u.s.f. [und so fort] – Einen Unterhaltungsabend werde ich im Laufe dieses Carnevals doch wahrscheinlich mitmachen. Ludwig kündigte nämlich Lida und mir an, daß wir zum Unterhaltungsabend des Kaufmännischen Vereines geladen werden und er sehr böse wäre, wenn wir der Einladung nicht Folge leisteten. Es wird am 5.Februar im Mirabellsaal ein Theater aufgeführt werden, wahrscheinlich wird später getanzt. Lida und ich nehmen uns aber fest vor, vor dem Tanzen fortzugehen. Du hast hoffentlich Nichts dagegen, wenn ich hingehe? – Gestern war Juristenkränzchen, ich bin neugierig was mir Lida erzählen wird. Ich schließe nun mit der Bitte, behalte lieb deine treue Fanni. – Ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief! Großmutter grüßt dich. - „Minna Lorinser“: in den Briefen seit September 1871 mehrfach erwähnt, ist eine Schulfreundin von Fanni, jetzt in Wien. Der Vater ist Arzt und betreut später die Spänglerkinder. – „Lida“: Lida [verh.] Guttenberg, eine enge Freundin von Fanni, in vielen Briefen seit 1860 genannt.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LX erh 22/1 beantw 23/1 1872]: Salzburg, 20.Jänner 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Ich freute mich sehr über deinen lieben Brief und danke dir recht sehr für denselben. – Die Mitheilung, daß dein Honorar für die Vorlesungen erhöht wurde berührte mich ganz angenehm, und ich wünsche aufrichtig, daß die Frage der Erhöhung des Gehaltes in eben so befriedigender Weise gelöst werde. Ich meine, je mehr, desto besser, obgleich ich auch mit unserer dermaligen Einnahme ganz zufrieden bin, und hoffe, unsere Finanzen werden hübsch in Ordnung bleiben. – Ich werde mich schon recht zusammennehmen, dir unser „Daheim“ so recht behaglich werden zu laßen, damit der Vergleich mit deiner jetzigen Lebensweise dereinst zu meinen Gunsten ausfalle. – Was das „Herabblicken“ auf das Treiben des Carnevals betrifft ergeht es mir ganz so wie dir. Im vergangenen Winter tanzte ich ganz gerne und ziemlich viel, und nun liegt mir der Gedanke, einen Ball mitzumachen so ferne als ob ich niemals von der Drehkrankheit wäre befallen gewesen. Wie sich die Zeiten ändern! Solltest du das Salzburger Kränzchen besuchen, und dort vielleicht Minna Lorinser treffen, so grüße sie von mir, sie soll mir einmal schreiben! Es ist sehr lieb von dir, daß du neulich, anstatt zu tanzen dich in Gedanken mit mit[r] beschäftigtest, doch fürchte ich, deine Bekannten werden von dir sagen „der ist je[t]zt auch unter die Philister gegangen“. Am Ende denken sie, dein künftiges Hauskreuz wäre so kindisch, dich ungerne in heiterer Gesellschaft zu wißen, das dürfen sie nicht glauben!! Ich bin heute schon so schläfrig und werde morgen die Vormittagsstunden benützen um fertig zu schreiben, gute Nacht, gute Nacht du Lieber! - 21.Jänner ¼ nach 9 Uhr Vorm[ittags]: Vor Allem etwas sehr Wichtiges. Ich habe die Ehre, mich hiermit als eigenberechtigt erklärt vorzustellen. Somit wäre ich also unabhängig von der väterlichen Gewalt geworden und zur uneingeschränkten Herrin meines etwaigen Vermögens avanciert. Le[t]zteres ist aber wie dir bekannt nicht eben bedeutend und daher mag es wo[h]l kommen, daß die Leute sich nicht besonders um meine neue Würde kümmern. Schritt um Schritt nähern sich die Vorbereitungen unserer Verbindung ihrer Vollendung. Am Freitag wurde Frau Pippan feierlichst in Kenntniß gese[t]zt, daß sie das Glück haben wird, mein Brautkleid anzufertigen. Das ist doch ein großer Schritt, nicht wahr? Meine Reisekleid ist bereits fertig. Mit Hülfe der Näherin wird dermalen Verschiedenes zu Hause gemacht und mit Vergnügen sehe ich wie „der Speicher sich füllt mit köstlicher Habe[„] und „Sammle im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein“. Die arme Großmutter aber denkt mit immer schwererem Herzen an die Zeit, wo ich sie verlaßen werde. Dabei tröstet sie wo[h]l wieder der Gedanke, daß sie mich hoffentlich recht zufrieden an deiner Seite sehen wird. Wenn sie nur Jemand zu sich nehmen möchte, doch davon will sie Nichts hören. Was deine Einladung zu Emmas [Seehofer] Hochzeit betrifft, habe ich gar nichts gehört. Wärst du hier so zweifle ich nicht daß man dich laden würde, so aber glaube ich nicht, daß dir eine Einladung zukömmt, da Emma immer sagt, es werden möglichst wenig Gäste geladen und die ganze Hochzeit sehr still gefeiert werden. Sobald Emmas Hochzeit bestimmt ist wird sich auch die Zeit unserer Wiener Reise feststellen laßen, und werde ich dir dieß sogleich mittheilen. Ich bin dafür, die Reise nicht zu sehr hinaus zu schieben, weil es darauf noch Allerlei zu machen giebt, und weil man doch Manches vielleicht nicht sogleich bekommt, und es daher in Wien bestellen muß. – Vielleicht ist je[t]zt über 4 Wochen der Tag unserer Abreise schon nahe. Auf der Fahrt nach Wien werde ich sicher auch tüchtiges Fieber bekommen. Aber es wird schön sein, wenn ich dich am Perron werde XXX sehen und begrüßen können. Ich freue mich schon recht darauf! Es ist nun auch ziemlich bestimmt, daß unsere Hochzeit beim „Erzherzog Karl“ gehalten wird. Ich bin damit sehr zufrieden. Siehst du, die Vorbereitungen nehmen immer bestimmtere Gestalt an. – Da du, wie du schreibst, heute einen längeren Brief an mich beginnen wirst, freue ich mich schon am Mittwoch recht viel von dir zu hören. Mittwoch den 17. waren wir Nachmittags bei deiner Schwägerin Luise [Spängler], dein Bruder [Otto] trug mir viele Grüße auf, er hofft, dich bald wieder in Wien zu sehen. Ich danke dir für das Verzeichniß der Gedichte, ich werde jeden Abend das von dir genannte Gedicht lesen. Bisher hat mir von Allen die ich gelesen am Besten gefallen „O wärst du krank, daß ich dich könnte pflegen u.s.f. [und so fort] – Einen Unterhaltungsabend werde ich im Laufe dieses Carnevals doch wahrscheinlich mitmachen. Ludwig kündigte nämlich Lida und mir an, daß wir zum Unterhaltungsabend des Kaufmännischen Vereines geladen werden und er sehr böse wäre, wenn wir der Einladung nicht Folge leisteten. Es wird am 5.Februar im Mirabellsaal ein Theater aufgeführt werden, wahrscheinlich wird später getanzt. Lida und ich nehmen uns aber fest vor, vor dem Tanzen fortzugehen. Du hast hoffentlich Nichts dagegen, wenn ich hingehe? – Gestern war Juristenkränzchen, ich bin neugierig was mir Lida erzählen wird. Ich schließe nun mit der Bitte, behalte lieb deine treue Fanni. – Ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief! Großmutter grüßt dich. - „Minna Lorinser“: in den Briefen seit September 1871 mehrfach erwähnt, ist eine Schulfreundin von Fanni, jetzt in Wien. Der Vater ist Arzt und betreut später die Spänglerkinder. – „Lida“: Lida [verh.] Guttenberg, eine enge Freundin von Fanni, in vielen Briefen seit 1860 genannt.
    
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==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXI erh 26/1 beantw 27/1 1872 geschr. 28/1]: Salzburg, 24/1 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Im Laufe des ganzen heutigen Tages freute ich mich auf die Abendstunde, wo ich der mir so sehr lieben Pflicht nachkommen, und dein Schreiben, deine Zeilen beantworten kann. Wie oft sich meine Gedanken mit dir beschäftigen, kann ich kaum sagen. Führt meine je[t]zige Beschäftigung mich immer auf den uns bevorstehenden wichtigen Schritt hin, so ist es natürlich daß ich mir oft und oft ein Bild meiner neuen Heimat, meiner neuen Lebensweise ausmale, und den Mittelpunkt in diesem Gemälde bildet allezeit mein lieber „Pedant“, dem ich so gern alles recht nach Wunsch und zur Zufriedenheit machen möchte. Besonders möchte ich schon je[t]zt all‘ die ernsten, ja trüben Gedanken verjagen können, die ihn je[t]zt öfters zu überkommen scheinen und denen ich hiermit ernstliche Fehde ankündige. Die „Fieberanfälle“ gehören zwar noch nicht zu den überwundenen Standpunkten und manch liebes Mal tritt mir der ganze Ernst des nahenden, wichtigen Momentes vor die Seele, doch ebenso oft schaue ich freudigen Mutes auf den Augenblick hin, wo unser Bund unauflöslich besiegelt, mein Geschick dem deinen für immer wird geeint werden. O, daß ich dir das werden möchte, was du erwartest! Ich betrachte die noch übrige Zeit bis zum April wie eine Frist der Vorbereitung und möchte gern noch manches Mangelnde ergänzen, manches Versäumte nachholen. Daß du zur Zeit deiner le[t]zten Anwesenheit hier mehr dich überzeugtest, daß meine Gegenwart von erheiterndem und wo[h]ltätigen Einfluß auf dich ist, macht mich so glücklich. Siehst du, auch in mir befestigte sich die Überzeugung, daß wir, wenn der liebe Gott seinen Segen giebt, ganz gewiß recht füreinander passen werden. – Wie du dazu kommst, dir über Manches aus deinem Leben „Vorwürfe“ zu machen, kann ich nicht einsehen. Dank deines XXX mir bewiesenen Vertrauens glaube ich die Hauptpunkte deines bisherigen Lebens ziemlich zu kennen doch wüßte ich nicht, was hiervon dir zum Vorwurf werden könnte. Mir scheint, da kommen Grillen zum Vorschein, gegen welche ich werde zu Felde ziehen müßen. Auch daß du mit allzu strenger Auffassung deiner Pflichten dich quälst, kann ich nicht gut heißen, denn wenn du an dich solche ernste Anforderungen stellst, muß ich ja fürchten, du werdest auch erst mein Schreiben mit gar zu kritischen Augen betrachten und dieser Gedanke könnte eine ganze Kette von Fieberanfällen bei mir zur Folge haben, und das willst du doch sicher nicht. Ich achte gewiß getreue Pflichterfüllung als eine Tugend, die Jedes sich aneignen sollte, aber ich meine, wir dürfen aus der Pflicht, die uns obliegt, nicht eine Last machen die uns drückt. Doch nun zu etwas Anderen. Es scheint die Mödlinger Luft für Verlobungen ja ganz besonders ersprießlich zu sein, und daß die Mödlinger Mädchen mit euch Allen unzufrieden sind, ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Die werden, wenn so jeder sein Bräutchen heimführt, wo[h]l ein wenig die Nase rümpfen und denken: nun, Engel sind anderswo auch gerade nicht, daß es dafür stände die Frau und den Herrn zu holen. Für kommenden Sanmstag wünsche ich dir recht gute Unterhaltung, und wenn du mit einer recht guten Tänzerin tanzest, so mache für mich extra eine Tour im Saale! Ob wir den Unterhaltungsabend besuchen, steht noch gar nicht fest. Fester aber der Entschluß nicht zu tanzen bei dieser Gelegenheit. Es ist nämlich am 6.Febr: Casinoball und da will Lida nicht am Abend vorher auch tanzen und ich habe gar keine Lust dazu. Ich danke dir herzlich für das Wort: „ich weiß, daß ich keine Ursache zur Eifersüchtelei habe“ u.s.f. Nein gewiß, die hast nicht! Und ich habe dir so schon gesagt, ich habe kein Talent zur Eifersucht. Ich bin schon so neugierig, wann wir nach Wien kommen. Großmutter spricht von einem Aufenthalte von 8 bis 10 Tagen. Ich freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen werden! Für Minna habe ich nicht weiters zu entrichten. Wenn wir nach Wien kommen werden wir jedenfalls dort Besuch machen und Minna in aller Form zur Hochzeit laden. – Denke dir, Lidas Eltern werden Minna für die Zeit unserer Hochzeit einladen. Mich würde es schon recht freuen, wenn Minna dabei wäre. Neulich habe ich Lida schon gebeten, daß sie mir am Tage der Trauung beim Ankleiden hilft, was sie mir auch versprach. Dermalen kann ich mit vollem Rechte sagen: Petit à petit l’oiseau fait son nid /:diesmal nicht nied:/ denn bei uns werden gerade die mir gehörigen Betten gefüllt. Den Schatz der von dir empfangenen Briefe habe ich lange nicht mehr nachgezählt, willst du vielleicht warten, bis das Hundert voll ist?- - Ich habe Heideprinzeßchen schon ausgelesen, ich war nicht überrascht daß Leonore endlich doch den „uralten[„] Mann heirathet, das müßte nicht die Marlitt geschrieben haben, wenn die zwei am schroffsten gegenüberstehenden Charaktere nicht ein Paar würden. Aber zu alt ist Erich jedenfalls. Ich bin neugierig auf die neue Erzählung, von welcher ich heute die 2.Nummer erhielt. – Gestern war Leseabend, wo „Tasso“ [Goethe] gelesen wurde. Lida las die Prinzeßin, Emma die Leonore, Ludwig [Zellner] den Tasso, Mama den Alphons und ich den Antonio. Wir kamen bis zum IV.Acte, nachdem wir anfangs schrecklich kindisch gewesen waren. – Nun aber gute Nacht, behalte lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.- „Marlitt“: Eugenie Marlitt (1825-1887), Verf. von Romanen und Novellen im (trivialen) Stil der Zeitschrift „Gartenlaube“; Roman „Das Heideprinzeßchen“, 1872 [! wahrscheinlich schon vorher in Fortsetzungen erschienen].
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXI erh 26/1 beantw 27/1 1872 geschr. 28/1]: Salzburg, 24/1 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Im Laufe des ganzen heutigen Tages freute ich mich auf die Abendstunde, wo ich der mir so sehr lieben Pflicht nachkommen, und dein Schreiben, deine Zeilen beantworten kann. Wie oft sich meine Gedanken mit dir beschäftigen, kann ich kaum sagen. Führt meine je[t]zige Beschäftigung mich immer auf den uns bevorstehenden wichtigen Schritt hin, so ist es natürlich daß ich mir oft und oft ein Bild meiner neuen Heimat, meiner neuen Lebensweise ausmale, und den Mittelpunkt in diesem Gemälde bildet allezeit mein lieber „Pedant“, dem ich so gern alles recht nach Wunsch und zur Zufriedenheit machen möchte. Besonders möchte ich schon je[t]zt all‘ die ernsten, ja trüben Gedanken verjagen können, die ihn je[t]zt öfters zu überkommen scheinen und denen ich hiermit ernstliche Fehde ankündige. Die „Fieberanfälle“ gehören zwar noch nicht zu den überwundenen Standpunkten und manch liebes Mal tritt mir der ganze Ernst des nahenden, wichtigen Momentes vor die Seele, doch ebenso oft schaue ich freudigen Mutes auf den Augenblick hin, wo unser Bund unauflöslich besiegelt, mein Geschick dem deinen für immer wird geeint werden. O, daß ich dir das werden möchte, was du erwartest! Ich betrachte die noch übrige Zeit bis zum April wie eine Frist der Vorbereitung und möchte gern noch manches Mangelnde ergänzen, manches Versäumte nachholen. Daß du zur Zeit deiner le[t]zten Anwesenheit hier mehr dich überzeugtest, daß meine Gegenwart von erheiterndem und wo[h]ltätigen Einfluß auf dich ist, macht mich so glücklich. Siehst du, auch in mir befestigte sich die Überzeugung, daß wir, wenn der liebe Gott seinen Segen giebt, ganz gewiß recht füreinander passen werden. – Wie du dazu kommst, dir über Manches aus deinem Leben „Vorwürfe“ zu machen, kann ich nicht einsehen. Dank deines XXX mir bewiesenen Vertrauens glaube ich die Hauptpunkte deines bisherigen Lebens ziemlich zu kennen doch wüßte ich nicht, was hiervon dir zum Vorwurf werden könnte. Mir scheint, da kommen Grillen zum Vorschein, gegen welche ich werde zu Felde ziehen müßen. Auch daß du mit allzu strenger Auffassung deiner Pflichten dich quälst, kann ich nicht gut heißen, denn wenn du an dich solche ernste Anforderungen stellst, muß ich ja fürchten, du werdest auch erst mein Schreiben mit gar zu kritischen Augen betrachten und dieser Gedanke könnte eine ganze Kette von Fieberanfällen bei mir zur Folge haben, und das willst du doch sicher nicht. Ich achte gewiß getreue Pflichterfüllung als eine Tugend, die Jedes sich aneignen sollte, aber ich meine, wir dürfen aus der Pflicht, die uns obliegt, nicht eine Last machen die uns drückt. Doch nun zu etwas Anderen. Es scheint die Mödlinger Luft für Verlobungen ja ganz besonders ersprießlich zu sein, und daß die Mödlinger Mädchen mit euch Allen unzufrieden sind, ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Die werden, wenn so jeder sein Bräutchen heimführt, wo[h]l ein wenig die Nase rümpfen und denken: nun, Engel sind anderswo auch gerade nicht, daß es dafür stände die Frau und den Herrn zu holen. Für kommenden Sanmstag wünsche ich dir recht gute Unterhaltung, und wenn du mit einer recht guten Tänzerin tanzest, so mache für mich extra eine Tour im Saale! Ob wir den Unterhaltungsabend besuchen, steht noch gar nicht fest. Fester aber der Entschluß nicht zu tanzen bei dieser Gelegenheit. Es ist nämlich am 6.Febr: Casinoball und da will Lida nicht am Abend vorher auch tanzen und ich habe gar keine Lust dazu. Ich danke dir herzlich für das Wort: „ich weiß, daß ich keine Ursache zur Eifersüchtelei habe“ u.s.f. Nein gewiß, die hast nicht! Und ich habe dir so schon gesagt, ich habe kein Talent zur Eifersucht. Ich bin schon so neugierig, wann wir nach Wien kommen. Großmutter spricht von einem Aufenthalte von 8 bis 10 Tagen. Ich freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen werden! Für Minna habe ich nicht weiters zu entrichten. Wenn wir nach Wien kommen werden wir jedenfalls dort Besuch machen und Minna in aller Form zur Hochzeit laden. – Denke dir, Lidas Eltern werden Minna für die Zeit unserer Hochzeit einladen. Mich würde es schon recht freuen, wenn Minna dabei wäre. Neulich habe ich Lida schon gebeten, daß sie mir am Tage der Trauung beim Ankleiden hilft, was sie mir auch versprach. Dermalen kann ich mit vollem Rechte sagen: Petit à petit l’oiseau fait son nid /:diesmal nicht nied:/ denn bei uns werden gerade die mir gehörigen Betten gefüllt. Den Schatz der von dir empfangenen Briefe habe ich lange nicht mehr nachgezählt, willst du vielleicht warten, bis das Hundert voll ist?- - Ich habe Heideprinzeßchen schon ausgelesen, ich war nicht überrascht daß Leonore endlich doch den „uralten[„] Mann heirathet, das müßte nicht die Marlitt geschrieben haben, wenn die zwei am schroffsten gegenüberstehenden Charaktere nicht ein Paar würden. Aber zu alt ist Erich jedenfalls. Ich bin neugierig auf die neue Erzählung, von welcher ich heute die 2.Nummer erhielt. – Gestern war Leseabend, wo „Tasso“ [Goethe] gelesen wurde. Lida las die Prinzeßin, Emma die Leonore, Ludwig [Zellner] den Tasso, Mama den Alphons und ich den Antonio. Wir kamen bis zum IV.Acte, nachdem wir anfangs schrecklich kindisch gewesen waren. – Nun aber gute Nacht, behalte lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.- „Marlitt“: Eugenie Marlitt (1825-1887), Verf. von Romanen und Novellen im (trivialen) Stil der Zeitschrift „Gartenlaube“; Roman „Das Heideprinzeßchen“, 1872 [! wahrscheinlich schon vorher in Fortsetzungen erschienen].
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Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXII erh 30/1 beantw mit LXIII 31/1]: Salzburg am 29 Jänner 1872. 1 Uhr Nachmittags. Ich habe heute früh den gestern erwarteten Brief und Mittags den 2. sammt Einschluß empfangen. Abends werde ich ausführlich antworten, für je[t]zt herzlichen Dank sowie den Ausdruck vollster Zufriedenheit sammt 1,000 Grüßen. FSch. – Aufgegeben um ½ 6 Ab[en]ds:
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Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXII erh 30/1 beantw mit LXIII 31/1]: Salzburg am 29 Jänner 1872. 1 Uhr Nachmittags. Ich habe heute früh den gestern erwarteten Brief und Mittags den 2. sammt Einschluß empfangen. Abends werde ich ausführlich antworten, für je[t]zt herzlichen Dank sowie den Ausdruck vollster Zufriedenheit sammt 1,000 Grüßen. FSch. – Aufgegeben um ½ 6 Ab[en]ds:
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIII erh. u beantw 31/1]: Salzburg, 29 Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds: Mein lieber Franz! Dein lieber Brief machte mir große Freude und ich danke dir herzlichst dafür. Daß ich dießmal wieder einen Tag länger auf denselben warten mußte, wirst du bereits durch die Correspondenz-Karte erfahren haben, ebenso wirst hast du vielleicht schon errathen, daß ich zerstreutes, vergeßenes Ding dieselbe aufzugeben unterließ, bis ich Abends vom Eise heimkam, welches dermalen ausgezeichnet ist und auf welchem Lida u. ich heute fast 3 Stunden zubrachten. Für den zweiten Brief danke ich dir ebenfalls, es ist ein Zeichen großer Aufmerksamkeit deinerseits, mir ein Ballandenken zu schicken, die Blumen werde ich sorgfältig aufheben, die kleinen Landleutchen [Figuren] eben so gut als möglich an den Aufenthalt in der Stadt zu gewöhnen suchen. Ich hoffe dabei um so sicherer auf günstigen Erfolg, als dieselben heiteren Gemütes und frei von jeder Anlage zum Heimweh zu sein scheinen. – Beim Cotillon unterhieltest du dich gewiß recht gut, Brautpaare sollen denselben jederzeit sehr angenehm finden. Heute über 10 Wochen zu dieser Stunde haben uns die Dampfrosse vielleicht schon an unser erstes Reiseziel geführt, da haben wir, so Gott will noch verschiedene, in Aussicht stehende Fieberanfälle glücklich hinter uns, und freuen uns der Gewißheit, einander für immer anzugehören. Bis dahin aber bitte ich dich innigst, durch trübe Stimmungen dich nicht beherrschen zu laßen oder dich gar mit grundlosen Vorwürfen zu quälen. Fehler haben wir gewiß Beide, und du XX wir sind ja eben Menschen, mit menschlichen Schwachheiten und Irrthümern, und wir thun gewiß Beide gut, in unseren Anforderungen hübsch Maas zu halten. Auch an das Leben wollen wir keine zu großen Ansprüche machen, sondern bescheiden dankbar die frohen und mit Gleichmut und möglichster Seelenruhe die trüben Stunden hinnehmen, und des schönen Wortes gedenken „Getheilte Freud ist doppelt Freude, Getheilter Schmerz ist halber Schmerz.“ Wann Antonio seine Rolle ausspielen wird, weiß ich noch nicht. Sollte die Antonio-Rolle sich einmal in’s Leben hinüberspielen müßen, so hoffe ich, heiterere Waffen gebrauchen zu können, und hoffe auch, keinen dem wirklichen Leben so hilflos gegenüber stehenden Charakter vor mir zu sehen, wie er im Tasso geschildert ist. – Auf deine Frage, wie es bei Zeller geht und wie meine Eltern und Großmutter sich befinden, kann ich dir sagen, daß bei Z[eller]. Alle ziemlich wo[h]l sind auch Fr: Wahl, von Stiebitz [Stipitz] hörte ich lange nichts mehr. Auch meine gute Großmutter ist gottlob wo[h]l, sie findet nur die Zeit bis April schrecklich kurz. Meine Eltern grüßen dich herzlich. Vater war dieser Tage nicht ganz wo[h]l und die arme Mutter [Stiefmutter; Fanni lebt bei der Großmutter] ist sehr traurig weil am Freitag mein kleinstes Schwesterchen, Bertha nach 8 tägiger Krankheit gestorben ist. Wer mit so namenloser Liebe an den Kindern hängt, wie meine Mutter, fühlt solchen Verlust gewiß schmerzlich genug, wenn auch die Kinderschaar immer noch groß genug ist. Richard [Fannis Halbbruder] hofft im Februar frei zu werden in der Buchhandlung. – Denke dir, am Donnerstag bekam ich schon Hochzeitsgeschenke und zwar von Mama Zeller zwei sehr schöne Battisttücher und von Lida u. Emma zusammen eine wunderhübsche Schreibtischeinrichtung, ein längst gesagter stiller Wunsch von mir. Das wird eine schöne Zierde für unsere Wohnung sein. Wann Emmas Hochzeit ist weiß ich noch immer nicht doch hoffentlich Ende Februar. Dann heißt es bald auf Wiedersehen. Es freut sich sehr darauf deine Fanni. – Großmutter grüßt.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIII erh. u beantw 31/1]: Salzburg, 29 Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds: Mein lieber Franz! Dein lieber Brief machte mir große Freude und ich danke dir herzlichst dafür. Daß ich dießmal wieder einen Tag länger auf denselben warten mußte, wirst du bereits durch die Correspondenz-Karte erfahren haben, ebenso wirst hast du vielleicht schon errathen, daß ich zerstreutes, vergeßenes Ding dieselbe aufzugeben unterließ, bis ich Abends vom Eise heimkam, welches dermalen ausgezeichnet ist und auf welchem Lida u. ich heute fast 3 Stunden zubrachten. Für den zweiten Brief danke ich dir ebenfalls, es ist ein Zeichen großer Aufmerksamkeit deinerseits, mir ein Ballandenken zu schicken, die Blumen werde ich sorgfältig aufheben, die kleinen Landleutchen [Figuren] eben so gut als möglich an den Aufenthalt in der Stadt zu gewöhnen suchen. Ich hoffe dabei um so sicherer auf günstigen Erfolg, als dieselben heiteren Gemütes und frei von jeder Anlage zum Heimweh zu sein scheinen. – Beim Cotillon unterhieltest du dich gewiß recht gut, Brautpaare sollen denselben jederzeit sehr angenehm finden. Heute über 10 Wochen zu dieser Stunde haben uns die Dampfrosse vielleicht schon an unser erstes Reiseziel geführt, da haben wir, so Gott will noch verschiedene, in Aussicht stehende Fieberanfälle glücklich hinter uns, und freuen uns der Gewißheit, einander für immer anzugehören. Bis dahin aber bitte ich dich innigst, durch trübe Stimmungen dich nicht beherrschen zu laßen oder dich gar mit grundlosen Vorwürfen zu quälen. Fehler haben wir gewiß Beide, und du XX wir sind ja eben Menschen, mit menschlichen Schwachheiten und Irrthümern, und wir thun gewiß Beide gut, in unseren Anforderungen hübsch Maas zu halten. Auch an das Leben wollen wir keine zu großen Ansprüche machen, sondern bescheiden dankbar die frohen und mit Gleichmut und möglichster Seelenruhe die trüben Stunden hinnehmen, und des schönen Wortes gedenken „Getheilte Freud ist doppelt Freude, Getheilter Schmerz ist halber Schmerz.“ Wann Antonio seine Rolle ausspielen wird, weiß ich noch nicht. Sollte die Antonio-Rolle sich einmal in’s Leben hinüberspielen müßen, so hoffe ich, heiterere Waffen gebrauchen zu können, und hoffe auch, keinen dem wirklichen Leben so hilflos gegenüber stehenden Charakter vor mir zu sehen, wie er im Tasso geschildert ist. – Auf deine Frage, wie es bei Zeller geht und wie meine Eltern und Großmutter sich befinden, kann ich dir sagen, daß bei Z[eller]. Alle ziemlich wo[h]l sind auch Fr: Wahl, von Stiebitz [Stipitz] hörte ich lange nichts mehr. Auch meine gute Großmutter ist gottlob wo[h]l, sie findet nur die Zeit bis April schrecklich kurz. Meine Eltern grüßen dich herzlich. Vater war dieser Tage nicht ganz wo[h]l und die arme Mutter [Stiefmutter; Fanni lebt bei der Großmutter] ist sehr traurig weil am Freitag mein kleinstes Schwesterchen, Bertha nach 8 tägiger Krankheit gestorben ist. Wer mit so namenloser Liebe an den Kindern hängt, wie meine Mutter, fühlt solchen Verlust gewiß schmerzlich genug, wenn auch die Kinderschaar immer noch groß genug ist. Richard [Fannis Halbbruder] hofft im Februar frei zu werden in der Buchhandlung. – Denke dir, am Donnerstag bekam ich schon Hochzeitsgeschenke und zwar von Mama Zeller zwei sehr schöne Battisttücher und von Lida u. Emma zusammen eine wunderhübsche Schreibtischeinrichtung, ein längst gesagter stiller Wunsch von mir. Das wird eine schöne Zierde für unsere Wohnung sein. Wann Emmas Hochzeit ist weiß ich noch immer nicht doch hoffentlich Ende Februar. Dann heißt es bald auf Wiedersehen. Es freut sich sehr darauf deine Fanni. – Großmutter grüßt.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 3/2 beantw 4/2 1872.]: Salzburg, 1. Februar 1872 ¼ nach 1 Uhr: Mein lieber Franz! Es ist ein ganz besonderer Gnadenakt, daß Großmutter mir erlaubt, mitten am Tage an diesem Briefe zu schreiben. Meist kann ich dir ja nur Abends schreiben, und da werden die Briefe eben kürzer. Einige Punkte deines le[t]zten Schreibens will ich nachträglich beantworten. Vorerst danke ich dir bestens für die lieben Zeilen, die ich heute gegen 12 Uhr zu meiner freudigen Überraschung vor dir erhielt, sowie für die beigelegten „Frühlingsboten“ die mir sagen, daß du immer und überall mit liebevoller Aufmerksamkeit an mich denkst. Könnte ich dir sagen, wie glücklich der Gedanke an deine Liebe mich macht! Ich hoffe wenn wir erst vereint sein werden, mich deiner Liebe auch wert zeigen zu können, und dir eine gute Gefährtin zu sein, wenn du mich erst „geholt“ haben wirst. Ob ich auch gerne mitgehe? fragst du, auf diese Frage werde ich gar keine Antwort geben, du Böser! – Ob wir dazu geboren sind, einander anzugehören oder ob Gott uns dazu erkoren hat, wer beantwortet dieses [?]. Soviel aber weiß ich, daß ich recht sehr zufrieden bin, daß Alles so gekommen ist. Gott schenke uns allezeit, daß wir miteinander zufrieden sind. Du hast Recht, ich bete gewiß täglich für dich, mein Lieber und erflehe alles Gute und Schöne für dich! Wie oft in mein Beten der Gedanke an unsere Zukunft sich verwebt kann ich nicht schildern, oft vermag ich schwer zu unterscheiden, wo Gebet und Träumereien sich abgrenzen. Besonders früh in der hl: Messe beginne ich oft mein Gebet und auf einmal wird mir bewußt, daß meine Gedanken weitab schweiften, daß sie eben bei dir waren. Und doch glaube ich nicht, daß solches Unrecht ist, es sind ja lauter gute, liebevolle Gedanken, die mich so beschäftigen, manchmal freilich kommt auch die helle Prosa dazu. – Nun aber muß ich zur englischen Conversation. Erst Abends werde ich weiter schreiben können, weil wir dann später bei uns französische Conversation haben, da müßen die fremden Sprachen doch gedeihen! Diesen Monat werde ich die englische Stunde noch nehmen, doch dann höre ich auf. Lebe wo[h]l und hab mich lieb! – ¾ auf 8 Uhr - Nun zur Fortsetzung! Englische u. französische Conversation sind vorbei, le[t]ztere artete wieder einmal stark in eine deutsche aus, nur Anfangs wurde französisch gesprochen. Heute überreichten Lida und ich unser Hochzeitsgeschenk an Emma, nämlich ein Fotografiealbum in mattem schwarzen Leder, welches Emma recht zu freuen scheint. Wie herzlichst wünschte ich, auch für Lida bald ein Hochzeitsgeschenk wählen zu dürfen! Sollte gerade Lida nicht für jenes schöne Ziel geschaffen sein, welches die wahre Bestimmung des Weibes ist. Sie hat doch gewiß alle Eigenschaften, eine liebe Frau zu werden, und wie viele Vorzüge schmücken sie! Ich gebe mich aber doch der Hoffnung hin, daß nicht der eine unerfüllt gebliebene Wunsch, den sie so lange gehegt, ein ganzes Leben ohne Liebesglück mit sich bringen wird, doch genug hievor, seinerzeit will ich dir schon das Nähere mittheilen. Vorgestern war Emma wieder in Hallein, in ihrer Wohnung ist doch schon ziemlich viel fertig und wird nächstens auch ihr Hochzeit[s]tag festgesetzt, jedenfalls in den le[t]zten Tagen dieses Monates. Somit kämen Großmutter und ich in den ersten Tagen des März nach Wien. Also in 4 Wochen so Gott will, sehen wir uns wieder! Dann wollen wir wieder einige recht schöne Tage mitsammen zubringen. Und wie viel es zu thun wird geben! Ob es dafür steht [sich lohnen], daß du für den einen Monat in unsere Wohnung ziehst, weiß ich aufrichtig gesagt nicht recht. Ich verkenne gewiß nicht, daß es schade ist gleichzeitig für beide Wohnungen zu bezahlen, doch es geschieht ja hoffentlich nicht wieder, daß wir so lange im Voraus eine Wohnung miethen müßen. Um nicht zu vergeßen, muß ich dir gleich mittheilen daß unsere Bettstellen [Bettgestell] schon ausgesucht sind und die Federmatratzen eben beim Tapezierer Becker angefertigt werden. Wenn dieselben gemacht sind, werden sie freylich nach Mödling geschickt, wahrscheinlich Mitte Februar. Ich bitte dich dafür mir genau zu schreiben wie ich die Adreße machen laßen soll. Natürlich muß die Sendung gleich in unsere Wohnung befödert werden. Siehst du, je[t]zt kriegst du auch schon zu thun, mit der Hauseinrichtung. Die geblümte Garnitur ist noch nicht angerührt worden. Großmutter sagt, sie will erst sehen, wie sie in Wien die Möbel findet, vielleicht kauft sie dann doch Alles [für Fanni] ein und behält die [eigenen] Möbel. Was die Polsterung der Möbel betrifft, muß man eben in ein möglichst solides Geschäft gehen und sich irgendeine Garantie über für die Güte der Arbeit zu verschaffen suchen. Übrigens ist es häufig eine Nachlässigkeit der Frau, wenn die Motten sich einnisten, mit gehöriger Sorgfalt kann man dieselben schon fernhalten. Bei uns ist noch vollständiger Winter, und ich wünsche lebhaft daß sich bis zur Winter-Reise mildes Wetter einstelle. Von meiner Ausstattung ist allerdings das Meiste fertig, ein Theil ist sogar schon gewaschen doch geht noch gar Manches ab, und das unbenützt Liegen ist nicht so gefährlich! Für Emmas Hochzeit muß ich mir auch noch eine Toilette [Kleidung] besorgen, denke dir sie werden wahrscheinlich im Dom getraut. Da werde ich schon recht gut zusehen, damit ich weiß wie ich mich anzustellen habe. Woran ich etwa bei Emmas Hochzeit hauptsächlich denken werde, kannst du es errathen? Wenn ich, wie z.B. heute für die Conversation so Allerlei im Hause herzurichten habe, so komme ich mir zuweilen schon ganz „hausfraulich“ vor, und male mir dabei aus, wie ich in unserem Haushalte herumwirthschaften werde. Lache mich nicht aus, wenn ich dir sage, daß ich schon Allerlei ausdenke, wie ich es dann einrichten werde. Wenn unser kleines Heim erst ganz geordnet sein wird, das wird doch hübsch werden, hoffentlich gefällt es dir dann auch recht gut. Daß du neulich in der beschriebenen Art über mein einstiges Dichten gesprochen [hast], bin ich dir sehr dankbar, ich bin auch recht froh, daß du das Abgeschriebene nicht zeigen konntest. Die Poesie in dieser Form hat für mich ein Ende gefunden und die Prosa des Lebens ist vollgi[ü]ltig geworden. Man sollte denken, die schöne Brautzeit müßte die erlahmte Poesie wieder ein wenig flügge machen, allein dem ist nicht so und wenn es auch innen wie ein Lied aufklingen möchte, es finden sich keine Worte dazu. Du mußt schon mit einer Frau vorlieb nehmen, die ihren Empfindungen nur in einfachster Weise Ausdruck zu geben vermag. Mit rechter Freude höre ich, daß du ein ganz neues Feld der Thätigkeit betreten hast indem du unter die XXX „von der Feder“ gegangen bist. Weißt du, das wird einmal recht schön sein, wenn du zu Hause irgend eine Arbeit schreibst, und ich still an deiner Seite mich beschäftige! Vielleicht stellst du mich zule[t]zt erst noch als Schreiber an! und diktierst mir. Aber nichtwahr dießmal bin ich brav, und habe viel geschrieben! Ich freue mich schon sehr auf dein nächstes Schreiben. Behüt dich Gott die Lieber es grüßt dich 1000 mal deine treue Fanni. – Großmutter u. meine Eltern grüßen.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 3/2 beantw 4/2 1872.]: Salzburg, 1. Februar 1872 ¼ nach 1 Uhr: Mein lieber Franz! Es ist ein ganz besonderer Gnadenakt, daß Großmutter mir erlaubt, mitten am Tage an diesem Briefe zu schreiben. Meist kann ich dir ja nur Abends schreiben, und da werden die Briefe eben kürzer. Einige Punkte deines le[t]zten Schreibens will ich nachträglich beantworten. Vorerst danke ich dir bestens für die lieben Zeilen, die ich heute gegen 12 Uhr zu meiner freudigen Überraschung vor dir erhielt, sowie für die beigelegten „Frühlingsboten“ die mir sagen, daß du immer und überall mit liebevoller Aufmerksamkeit an mich denkst. Könnte ich dir sagen, wie glücklich der Gedanke an deine Liebe mich macht! Ich hoffe wenn wir erst vereint sein werden, mich deiner Liebe auch wert zeigen zu können, und dir eine gute Gefährtin zu sein, wenn du mich erst „geholt“ haben wirst. Ob ich auch gerne mitgehe? fragst du, auf diese Frage werde ich gar keine Antwort geben, du Böser! – Ob wir dazu geboren sind, einander anzugehören oder ob Gott uns dazu erkoren hat, wer beantwortet dieses [?]. Soviel aber weiß ich, daß ich recht sehr zufrieden bin, daß Alles so gekommen ist. Gott schenke uns allezeit, daß wir miteinander zufrieden sind. Du hast Recht, ich bete gewiß täglich für dich, mein Lieber und erflehe alles Gute und Schöne für dich! Wie oft in mein Beten der Gedanke an unsere Zukunft sich verwebt kann ich nicht schildern, oft vermag ich schwer zu unterscheiden, wo Gebet und Träumereien sich abgrenzen. Besonders früh in der hl: Messe beginne ich oft mein Gebet und auf einmal wird mir bewußt, daß meine Gedanken weitab schweiften, daß sie eben bei dir waren. Und doch glaube ich nicht, daß solches Unrecht ist, es sind ja lauter gute, liebevolle Gedanken, die mich so beschäftigen, manchmal freilich kommt auch die helle Prosa dazu. – Nun aber muß ich zur englischen Conversation. Erst Abends werde ich weiter schreiben können, weil wir dann später bei uns französische Conversation haben, da müßen die fremden Sprachen doch gedeihen! Diesen Monat werde ich die englische Stunde noch nehmen, doch dann höre ich auf. Lebe wo[h]l und hab mich lieb! – ¾ auf 8 Uhr - Nun zur Fortsetzung! Englische u. französische Conversation sind vorbei, le[t]ztere artete wieder einmal stark in eine deutsche aus, nur Anfangs wurde französisch gesprochen. Heute überreichten Lida und ich unser Hochzeitsgeschenk an Emma, nämlich ein Fotografiealbum in mattem schwarzen Leder, welches Emma recht zu freuen scheint. Wie herzlichst wünschte ich, auch für Lida bald ein Hochzeitsgeschenk wählen zu dürfen! Sollte gerade Lida nicht für jenes schöne Ziel geschaffen sein, welches die wahre Bestimmung des Weibes ist. Sie hat doch gewiß alle Eigenschaften, eine liebe Frau zu werden, und wie viele Vorzüge schmücken sie! Ich gebe mich aber doch der Hoffnung hin, daß nicht der eine unerfüllt gebliebene Wunsch, den sie so lange gehegt, ein ganzes Leben ohne Liebesglück mit sich bringen wird, doch genug hievor, seinerzeit will ich dir schon das Nähere mittheilen. Vorgestern war Emma wieder in Hallein, in ihrer Wohnung ist doch schon ziemlich viel fertig und wird nächstens auch ihr Hochzeit[s]tag festgesetzt, jedenfalls in den le[t]zten Tagen dieses Monates. Somit kämen Großmutter und ich in den ersten Tagen des März nach Wien. Also in 4 Wochen so Gott will, sehen wir uns wieder! Dann wollen wir wieder einige recht schöne Tage mitsammen zubringen. Und wie viel es zu thun wird geben! Ob es dafür steht [sich lohnen], daß du für den einen Monat in unsere Wohnung ziehst, weiß ich aufrichtig gesagt nicht recht. Ich verkenne gewiß nicht, daß es schade ist gleichzeitig für beide Wohnungen zu bezahlen, doch es geschieht ja hoffentlich nicht wieder, daß wir so lange im Voraus eine Wohnung miethen müßen. Um nicht zu vergeßen, muß ich dir gleich mittheilen daß unsere Bettstellen [Bettgestell] schon ausgesucht sind und die Federmatratzen eben beim Tapezierer Becker angefertigt werden. Wenn dieselben gemacht sind, werden sie freylich nach Mödling geschickt, wahrscheinlich Mitte Februar. Ich bitte dich dafür mir genau zu schreiben wie ich die Adreße machen laßen soll. Natürlich muß die Sendung gleich in unsere Wohnung befödert werden. Siehst du, je[t]zt kriegst du auch schon zu thun, mit der Hauseinrichtung. Die geblümte Garnitur ist noch nicht angerührt worden. Großmutter sagt, sie will erst sehen, wie sie in Wien die Möbel findet, vielleicht kauft sie dann doch Alles [für Fanni] ein und behält die [eigenen] Möbel. Was die Polsterung der Möbel betrifft, muß man eben in ein möglichst solides Geschäft gehen und sich irgendeine Garantie über für die Güte der Arbeit zu verschaffen suchen. Übrigens ist es häufig eine Nachlässigkeit der Frau, wenn die Motten sich einnisten, mit gehöriger Sorgfalt kann man dieselben schon fernhalten. Bei uns ist noch vollständiger Winter, und ich wünsche lebhaft daß sich bis zur Winter-Reise mildes Wetter einstelle. Von meiner Ausstattung ist allerdings das Meiste fertig, ein Theil ist sogar schon gewaschen doch geht noch gar Manches ab, und das unbenützt Liegen ist nicht so gefährlich! Für Emmas Hochzeit muß ich mir auch noch eine Toilette [Kleidung] besorgen, denke dir sie werden wahrscheinlich im Dom getraut. Da werde ich schon recht gut zusehen, damit ich weiß wie ich mich anzustellen habe. Woran ich etwa bei Emmas Hochzeit hauptsächlich denken werde, kannst du es errathen? Wenn ich, wie z.B. heute für die Conversation so Allerlei im Hause herzurichten habe, so komme ich mir zuweilen schon ganz „hausfraulich“ vor, und male mir dabei aus, wie ich in unserem Haushalte herumwirthschaften werde. Lache mich nicht aus, wenn ich dir sage, daß ich schon Allerlei ausdenke, wie ich es dann einrichten werde. Wenn unser kleines Heim erst ganz geordnet sein wird, das wird doch hübsch werden, hoffentlich gefällt es dir dann auch recht gut. Daß du neulich in der beschriebenen Art über mein einstiges Dichten gesprochen [hast], bin ich dir sehr dankbar, ich bin auch recht froh, daß du das Abgeschriebene nicht zeigen konntest. Die Poesie in dieser Form hat für mich ein Ende gefunden und die Prosa des Lebens ist vollgi[ü]ltig geworden. Man sollte denken, die schöne Brautzeit müßte die erlahmte Poesie wieder ein wenig flügge machen, allein dem ist nicht so und wenn es auch innen wie ein Lied aufklingen möchte, es finden sich keine Worte dazu. Du mußt schon mit einer Frau vorlieb nehmen, die ihren Empfindungen nur in einfachster Weise Ausdruck zu geben vermag. Mit rechter Freude höre ich, daß du ein ganz neues Feld der Thätigkeit betreten hast indem du unter die XXX „von der Feder“ gegangen bist. Weißt du, das wird einmal recht schön sein, wenn du zu Hause irgend eine Arbeit schreibst, und ich still an deiner Seite mich beschäftige! Vielleicht stellst du mich zule[t]zt erst noch als Schreiber an! und diktierst mir. Aber nichtwahr dießmal bin ich brav, und habe viel geschrieben! Ich freue mich schon sehr auf dein nächstes Schreiben. Behüt dich Gott die Lieber es grüßt dich 1000 mal deine treue Fanni. – Großmutter u. meine Eltern grüßen.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 6/2 beantw 7/2 1872.]: Salzburg 5/2 1872 ½ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Daß dein lieber Brief dießmal nicht sehr umfangreich sein werde, hatte ich vermuthet da ich an den Salzburger Abend gedacht hatte, wo du gewiß in Wien übernachten würdest. Nichts desto weniger danke ich dir bestens für deine lieben Zeilen und gehe an rasche Beantwortung derselben, damit du schon Morgen meinen Brief bekommst. Da wir heute den Unterhaltungsabend d. kaufmännischen Vereines besuchen könnte ich nicht wie sonst später am Abend an dich schreiben und du wirst entschuldigen müßen, wenn meine Epistel dießmal kurz wird. Vor Allem muß ich lobend anerkennen daß dießmal der Weg vom Salzburger Abend nicht über das Cafehaus führte, sondern mein verehrter Herr Bräutigam hübsch solid nach Hause ging. Die Ausstattungsarbeiten schreiten wacker fort, es wird nicht mehr lange dauern, bis die erste Sendung nach Mödling kommt. Natürlich werde ich dich davon benachrichtigen. Ich bin froh, daß ich doch je[t]zt unsere Adreße weiß. Wie oft male ich mir unser Heim aus. Je[t]zt wirklich unser Heim seit 2.Feb: Wenn in der Wohnung zu ebener Erde auch ein junges Ehepaar kommt, können wir sehen, welche von den beiden Frauen zuerst ihren kleinen Haushalt recht in Gang bringen wird. Es wäre hübsch, wenn die künftige junge Frau vielleicht ein angenehmer Umgang für mich wäre. Um nicht zu vergeßen, meines Vaters Namenstag ist am 3.April. Da werden wir hoffentlich mitsammen gratulieren. – Emmas Hochzeit ist also auf den 26.Februar festgese[t]zt und ich hoffe daß wir in den le[t]zten Tagen dieses Monats oder spätestens in den ersten Märztagen nach Wien kommen. Also auf baldiges Wiedersehen! Mir scheint immer du willst uns wirklich holen! zur Probe vonr dem wirklichen Leben „Holen“. – Doch nun muß ich schließen Großmutter läßt mir keine Ruhe mehr. – Ich freue mich schon sehr auf einen Brief lebe wo[h]l und behalte mich lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 6/2 beantw 7/2 1872.]: Salzburg 5/2 1872 ½ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Daß dein lieber Brief dießmal nicht sehr umfangreich sein werde, hatte ich vermuthet da ich an den Salzburger Abend gedacht hatte, wo du gewiß in Wien übernachten würdest. Nichts desto weniger danke ich dir bestens für deine lieben Zeilen und gehe an rasche Beantwortung derselben, damit du schon Morgen meinen Brief bekommst. Da wir heute den Unterhaltungsabend d. kaufmännischen Vereines besuchen könnte ich nicht wie sonst später am Abend an dich schreiben und du wirst entschuldigen müßen, wenn meine Epistel dießmal kurz wird. Vor Allem muß ich lobend anerkennen daß dießmal der Weg vom Salzburger Abend nicht über das Cafehaus führte, sondern mein verehrter Herr Bräutigam hübsch solid nach Hause ging. Die Ausstattungsarbeiten schreiten wacker fort, es wird nicht mehr lange dauern, bis die erste Sendung nach Mödling kommt. Natürlich werde ich dich davon benachrichtigen. Ich bin froh, daß ich doch je[t]zt unsere Adreße weiß. Wie oft male ich mir unser Heim aus. Je[t]zt wirklich unser Heim seit 2.Feb: Wenn in der Wohnung zu ebener Erde auch ein junges Ehepaar kommt, können wir sehen, welche von den beiden Frauen zuerst ihren kleinen Haushalt recht in Gang bringen wird. Es wäre hübsch, wenn die künftige junge Frau vielleicht ein angenehmer Umgang für mich wäre. Um nicht zu vergeßen, meines Vaters Namenstag ist am 3.April. Da werden wir hoffentlich mitsammen gratulieren. – Emmas Hochzeit ist also auf den 26.Februar festgese[t]zt und ich hoffe daß wir in den le[t]zten Tagen dieses Monats oder spätestens in den ersten Märztagen nach Wien kommen. Also auf baldiges Wiedersehen! Mir scheint immer du willst uns wirklich holen! zur Probe vonr dem wirklichen Leben „Holen“. – Doch nun muß ich schließen Großmutter läßt mir keine Ruhe mehr. – Ich freue mich schon sehr auf einen Brief lebe wo[h]l und behalte mich lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.
    
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==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVI. erh. 10/2 beantw 11/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. 1 Uhr Nachm: Mein lieber Franz! Du hast meinen Bücherschatz wieder mit einer schönen Gabe bereichert, tausend Dank dafür mein Lieber, so wie auch für deinen lieben Brief! Deine Güte hat mich schon so verwöhnt, daß ich gestern den ganzen Tag mit ziemlicher Sicherheit auf das Erscheinen des Postboten wartete und es mir leid that, als ich umsonst warten mußte. Erst heute früh empfing ich dein Geschenk, noch einmal meinen herzlichsten Dank. Das Buch ist mir nur dem Namen nach bekannt, doch seit ich „Ekkehard[„] gelesen, ist mir der Name Scheffel von gutem Klang. Soeben hat Großmutter unsere Abreise auf den ersten März festgesetzt. Also heute über drei Wochen! Wie lange wir in Wien bleiben werden, hängt von den zu besorgenden Geschäften ab. – Großmutter meint bezüglich deiner Besorgniß wegen unseren Sachen, es wird nicht so gefährlich sein, da man ja Alles verpackt laßen kann, bis Großmutter nach unserer Hochzeit hinterherkommt. Die Kisten mit den Betten und der Wäsche braucht man ja auch noch nicht zu schicken, und wenn die Wohnung gehörig versperrt ist, ist es doch schwer, die Möbel unbemerkt fortzubringen. – Um bei der Prosa zu bleiben, füge ich hinzu, daß man wenigstens hier Anricht u. Schlüßelkorb als zur Wohnung gehörig betrachtet, und du könntest schon die Hausfrau [Vermieterin] ersuchen, die fehlenden Gegenstücke zu besorgen. Das bleibt uns immer, dieselben selbst zu kaufen. Wenn du ohnehin wieder nach Wien fährst, wärst du ja wo[h]l so gut, dich zu erkundigen, ob das Hotel „Zum goldenen Kranz“ auf der Weide noch so ordentlich wie früher ist, und in diesem Falle ein heizbares Zimmer mit zwei guten Betten zu bestellen. Im Jahr 1867 bewohnten wir ein Zimmer im 1.Stock gegen die Gaße, und wenn ich nicht irre zahlten wir pro Tag 1 fl [Gulden] 60 X [Kreuzer] ÖW [? Österreich. Währung]. Meine Großmutter braucht mich je[t]zt und ich schließe und schicke den Brief ab. Abends werde ich dir ausführlicher schreiben. Nun noch so viel: du wirst dich erinnern daß du mir die für jeden Tag treffenden Gedichte aus dem Liebesfrühling [Lyriksammlung], welche ich gewißenhaft lese, bis zu[m] 12.Februar bezeichnet hast, ich bitte, gib mir die bis zu[m] 1.März treffenden bis dahin in deinem nächsten Brief an. – XXX lebe je[t]zt recht wo[h]l. Abends komme ich erst zur Fortse[t]zung. Großmutter u. deine Mutter grüßen dich. Behüt dich Gott. Deine treue Fanni. - „Scheffel“: Victor von Scheffel, „Ekkehard“, Roman 1855.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVI. erh. 10/2 beantw 11/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. 1 Uhr Nachm: Mein lieber Franz! Du hast meinen Bücherschatz wieder mit einer schönen Gabe bereichert, tausend Dank dafür mein Lieber, so wie auch für deinen lieben Brief! Deine Güte hat mich schon so verwöhnt, daß ich gestern den ganzen Tag mit ziemlicher Sicherheit auf das Erscheinen des Postboten wartete und es mir leid that, als ich umsonst warten mußte. Erst heute früh empfing ich dein Geschenk, noch einmal meinen herzlichsten Dank. Das Buch ist mir nur dem Namen nach bekannt, doch seit ich „Ekkehard[„] gelesen, ist mir der Name Scheffel von gutem Klang. Soeben hat Großmutter unsere Abreise auf den ersten März festgesetzt. Also heute über drei Wochen! Wie lange wir in Wien bleiben werden, hängt von den zu besorgenden Geschäften ab. – Großmutter meint bezüglich deiner Besorgniß wegen unseren Sachen, es wird nicht so gefährlich sein, da man ja Alles verpackt laßen kann, bis Großmutter nach unserer Hochzeit hinterherkommt. Die Kisten mit den Betten und der Wäsche braucht man ja auch noch nicht zu schicken, und wenn die Wohnung gehörig versperrt ist, ist es doch schwer, die Möbel unbemerkt fortzubringen. – Um bei der Prosa zu bleiben, füge ich hinzu, daß man wenigstens hier Anricht u. Schlüßelkorb als zur Wohnung gehörig betrachtet, und du könntest schon die Hausfrau [Vermieterin] ersuchen, die fehlenden Gegenstücke zu besorgen. Das bleibt uns immer, dieselben selbst zu kaufen. Wenn du ohnehin wieder nach Wien fährst, wärst du ja wo[h]l so gut, dich zu erkundigen, ob das Hotel „Zum goldenen Kranz“ auf der Weide noch so ordentlich wie früher ist, und in diesem Falle ein heizbares Zimmer mit zwei guten Betten zu bestellen. Im Jahr 1867 bewohnten wir ein Zimmer im 1.Stock gegen die Gaße, und wenn ich nicht irre zahlten wir pro Tag 1 fl [Gulden] 60 X [Kreuzer] ÖW [? Österreich. Währung]. Meine Großmutter braucht mich je[t]zt und ich schließe und schicke den Brief ab. Abends werde ich dir ausführlicher schreiben. Nun noch so viel: du wirst dich erinnern daß du mir die für jeden Tag treffenden Gedichte aus dem Liebesfrühling [Lyriksammlung], welche ich gewißenhaft lese, bis zu[m] 12.Februar bezeichnet hast, ich bitte, gib mir die bis zu[m] 1.März treffenden bis dahin in deinem nächsten Brief an. – XXX lebe je[t]zt recht wo[h]l. Abends komme ich erst zur Fortse[t]zung. Großmutter u. deine Mutter grüßen dich. Behüt dich Gott. Deine treue Fanni. - „Scheffel“: Victor von Scheffel, „Ekkehard“, Roman 1855.
    
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==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVII erh 12/2 beantw mit LXVIII 13/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. ½ 7 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Am Ende des heutigen vielbewegten Tages komme ich erst zu der versprochenen Fortse[t]zung meines Briefes. Warum heute eine solche Unruhe bei uns war, kann ich eigentlich kaum sagen, genug, bis zu diesem Augenblick kamen wir nicht recht zum Niedersetzen. Nun beginnt es bei uns schon nicht mehr ordentlich zu sein, meine Sachen haben keinen rechten Platz mehr, alles deutet schon darauf hin, daß ich nicht mehr recht daheim bin. So muß einer Pflanze zu Mut sein, die aus der Erde wo sie zuerst ans Licht kam, herausgehoben, und in neues Erdreich verse[t]zt wird. Ich fühle das Loslösen eben immer deutlicher, je rascher der Tag herankommt, der mich fort aus der alten Heimat in eine neue, so Gott will, auch glückliche, führt. Ich bin froh, daß Großmutter neulich den Tag unserer Abreise bestimmt hat, bald werden diese 3 Wochen verstrichen sein, und wir werden wieder beisammen sein. Und bis dahin bleibt mir noch so viel zu thun! Zu allem Überfluß ist unsere Näherin krank geworden, und ich bin recht aufgehalten. Wir besuchten sie heute um zu wißen, wann sie wieder kommen kann. Welch ein Bild der Armut bot sich uns dar! Wenn ich denke, wie so vieles ich für nöthig halte, um einen Haushalt einzurichten, ist es gar ein greller Abstand mit der Existenz so armer Menschen, die tro[t]z aller Mühe und Arbeit nicht so viel erwerben können um in Tagen der Krankheit vor Not gesichert zu sein. Wenn sich mir ein solcher Anblick vor Augen stellt, fühle ich mich beinahe verstimmt und es kommt mir vor, als wäre ich mitten im Überfluß, und viele Bedürfnisse seien nur Zeichen des U[Ü]bermutes. Ich muß dir mittheilen, daß ich schon wieder Hochzeitsgeschenke bekommen habe: von Frau Wahl ein sehr schönes Fotografiealbum und von Fr. von Schlögelhofer eine vollständige Waschtischeinrichtung von weißem Porze[l]lan mit Goldrand. Mir kommt vor, daß H: v. Sch: [Schlögelhofer] darauf rechnete, daß Ida bei meiner Hochzeit ist und so werden wir sie also einladen. Weißt du, Großmutter wünscht es und eigentlich ist es für uns ziemlich gleich. Neulich sagten wir Ida, wir würden sie zur Hochzeit bitten, und wurde die Einladung von der Hochgnädigen huldvollst angenommen und Ida hat sichtlich große Freude. Ich bin schon so neugierig ob Minna kommen darf, ich hoffe es, dann habe ich lauter so schöne Brautjungfrauen daß ich als Braut ganz davor verschwinden werde. Am Ende gefalle ich dir dann gar nicht mehr, wenn die Andern Alle so schön sind? Magst mich doch? Wer mein Brautführer sein wird, weiß ich noch nicht. Willi kommt im Mäerz heraus, da werden wir ja sehen. Warst du wirklich nicht am Salzburger Kränzchen? So viel ich weiß, war Minna [Lorinser] dort, so muß wunderschön auf einem Balle sein. Was meinst du nur immer mit den Andeutungen als wolltest du bald kommen? Willst du uns wirklich holen? Neulich bekam ich eine Gratulation, nämlich vobn Fräulein Schroff [?] in München, der ich neulich unser Bild /:Gruppe:/ geschickt habe, und die von meiner Verlobung noch nichts gewußt hatte, da die Karte an den Stiftsdechant Lohner [?] verloren ging. Frl: Schroff schreibt sehr lieb und ist entzückt von unserm edlen Conterfei. – Es dürfte dich vielleicht interessieren zu hören, daß der le[t]zte Casinoball wozu samm[äm]tliche Offiziere geladen waren, von vielleicht 80 Herren und nur 22 tanzenden Damen besucht war, darunter nur 9 Mädchen. Über die Unterhaltung am 5 Feb: kann ich berichten daß sehr viele Leute [da] waren. Ludwig [Zellner] sprach einen recht hübschen Prolog, Frau Asböck [?] sang zwei Lieder dann trug ein mir unbekannter Herr das Gedicht „Warum“ vor ziemlich trocken. Es war einmal in der Gartenlaube [Zeitschrift]. Ludwig sprach es einmal im Casino wenn du dich vielleicht erinnerst. Dann sang ein Herr den wir ebenfalls nicht kannten, und endlich entlud sich die Deklamiermitrailleuse /:im sonstigen Leben Frl Mitterbacher:/ Sie sprach das Gedicht das Glückshemd Hemd des Glücklichen u. dann im Dialekt „der Séjour im Lade[„]. Zum Schluß kam das Theater. Fräulein Maria Tomaselli spielte ihre kleine Rolle recht gut. Es wurde im Ganzen recht nett gespielt. – Beiliegend schicke ich darüber Programm, damit du siehst welch verlockend[e] Tanzordnung sich anreichte [?]. Wir sahen einem Walzer noch zu und entfernten uns dann. Da siehst du, daß ich der Versuchung des Tanzes nicht unterlag, es wurde mir auch ganz gewiß nicht schwer. – Man will es mir immer nicht glauben, daß ich kein Verlangen nach einem Balle spüre. Ich hätte mich gefreut, wenn du dich am Salzb:[urger] Kränzchen recht gut unterhalten hättest. Mir wäre es auch recht gewesen, wenn du mit Minna über mich gesprochen hättest, ich hoffe, sie würde dir nicht zu viel Übles von mir gesagt haben. Doch nun hoffe ich, daß meine beiden Briefe sich einer recht ausführlichen Antwort erfreuen werden und hoffe auch, du bist zufrieden mit mir. Gute Nacht du Lieber es freut sich auf baldiges Wiedersehen deine treue Fanni – Großmutter grüßt – [quer:] Ich danke dir nochmals für das schöne Buch. - „Wahl“: Ehepaar Wahl genannt u.a. in einem Brief vom 6.12.1871. – „Schlögelhofer“ u.a. in Briefen vom 2.10.1870 und 22.7.1876 genannt. – „Programm“: liegt bei das gedruckte „Programm der Abend-Unterhaltung des Kaufmännischen Vereins in Salzburg Montag den 5.Februar 1872.“ Gespielt wird ein Schwank in einem Akt, „Ein Stündchen auf dem Comptoir“ von S. Haber.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVII erh 12/2 beantw mit LXVIII 13/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. ½ 7 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Am Ende des heutigen vielbewegten Tages komme ich erst zu der versprochenen Fortse[t]zung meines Briefes. Warum heute eine solche Unruhe bei uns war, kann ich eigentlich kaum sagen, genug, bis zu diesem Augenblick kamen wir nicht recht zum Niedersetzen. Nun beginnt es bei uns schon nicht mehr ordentlich zu sein, meine Sachen haben keinen rechten Platz mehr, alles deutet schon darauf hin, daß ich nicht mehr recht daheim bin. So muß einer Pflanze zu Mut sein, die aus der Erde wo sie zuerst ans Licht kam, herausgehoben, und in neues Erdreich verse[t]zt wird. Ich fühle das Loslösen eben immer deutlicher, je rascher der Tag herankommt, der mich fort aus der alten Heimat in eine neue, so Gott will, auch glückliche, führt. Ich bin froh, daß Großmutter neulich den Tag unserer Abreise bestimmt hat, bald werden diese 3 Wochen verstrichen sein, und wir werden wieder beisammen sein. Und bis dahin bleibt mir noch so viel zu thun! Zu allem Überfluß ist unsere Näherin krank geworden, und ich bin recht aufgehalten. Wir besuchten sie heute um zu wißen, wann sie wieder kommen kann. Welch ein Bild der Armut bot sich uns dar! Wenn ich denke, wie so vieles ich für nöthig halte, um einen Haushalt einzurichten, ist es gar ein greller Abstand mit der Existenz so armer Menschen, die tro[t]z aller Mühe und Arbeit nicht so viel erwerben können um in Tagen der Krankheit vor Not gesichert zu sein. Wenn sich mir ein solcher Anblick vor Augen stellt, fühle ich mich beinahe verstimmt und es kommt mir vor, als wäre ich mitten im Überfluß, und viele Bedürfnisse seien nur Zeichen des U[Ü]bermutes. Ich muß dir mittheilen, daß ich schon wieder Hochzeitsgeschenke bekommen habe: von Frau Wahl ein sehr schönes Fotografiealbum und von Fr. von Schlögelhofer eine vollständige Waschtischeinrichtung von weißem Porze[l]lan mit Goldrand. Mir kommt vor, daß H: v. Sch: [Schlögelhofer] darauf rechnete, daß Ida bei meiner Hochzeit ist und so werden wir sie also einladen. Weißt du, Großmutter wünscht es und eigentlich ist es für uns ziemlich gleich. Neulich sagten wir Ida, wir würden sie zur Hochzeit bitten, und wurde die Einladung von der Hochgnädigen huldvollst angenommen und Ida hat sichtlich große Freude. Ich bin schon so neugierig ob Minna kommen darf, ich hoffe es, dann habe ich lauter so schöne Brautjungfrauen daß ich als Braut ganz davor verschwinden werde. Am Ende gefalle ich dir dann gar nicht mehr, wenn die Andern Alle so schön sind? Magst mich doch? Wer mein Brautführer sein wird, weiß ich noch nicht. Willi kommt im Mäerz heraus, da werden wir ja sehen. Warst du wirklich nicht am Salzburger Kränzchen? So viel ich weiß, war Minna [Lorinser] dort, so muß wunderschön auf einem Balle sein. Was meinst du nur immer mit den Andeutungen als wolltest du bald kommen? Willst du uns wirklich holen? Neulich bekam ich eine Gratulation, nämlich vobn Fräulein Schroff [?] in München, der ich neulich unser Bild /:Gruppe:/ geschickt habe, und die von meiner Verlobung noch nichts gewußt hatte, da die Karte an den Stiftsdechant Lohner [?] verloren ging. Frl: Schroff schreibt sehr lieb und ist entzückt von unserm edlen Conterfei. – Es dürfte dich vielleicht interessieren zu hören, daß der le[t]zte Casinoball wozu samm[äm]tliche Offiziere geladen waren, von vielleicht 80 Herren und nur 22 tanzenden Damen besucht war, darunter nur 9 Mädchen. Über die Unterhaltung am 5 Feb: kann ich berichten daß sehr viele Leute [da] waren. Ludwig [Zellner] sprach einen recht hübschen Prolog, Frau Asböck [?] sang zwei Lieder dann trug ein mir unbekannter Herr das Gedicht „Warum“ vor ziemlich trocken. Es war einmal in der Gartenlaube [Zeitschrift]. Ludwig sprach es einmal im Casino wenn du dich vielleicht erinnerst. Dann sang ein Herr den wir ebenfalls nicht kannten, und endlich entlud sich die Deklamiermitrailleuse /:im sonstigen Leben Frl Mitterbacher:/ Sie sprach das Gedicht das Glückshemd Hemd des Glücklichen u. dann im Dialekt „der Séjour im Lade[„]. Zum Schluß kam das Theater. Fräulein Maria Tomaselli spielte ihre kleine Rolle recht gut. Es wurde im Ganzen recht nett gespielt. – Beiliegend schicke ich darüber Programm, damit du siehst welch verlockend[e] Tanzordnung sich anreichte [?]. Wir sahen einem Walzer noch zu und entfernten uns dann. Da siehst du, daß ich der Versuchung des Tanzes nicht unterlag, es wurde mir auch ganz gewiß nicht schwer. – Man will es mir immer nicht glauben, daß ich kein Verlangen nach einem Balle spüre. Ich hätte mich gefreut, wenn du dich am Salzb:[urger] Kränzchen recht gut unterhalten hättest. Mir wäre es auch recht gewesen, wenn du mit Minna über mich gesprochen hättest, ich hoffe, sie würde dir nicht zu viel Übles von mir gesagt haben. Doch nun hoffe ich, daß meine beiden Briefe sich einer recht ausführlichen Antwort erfreuen werden und hoffe auch, du bist zufrieden mit mir. Gute Nacht du Lieber es freut sich auf baldiges Wiedersehen deine treue Fanni – Großmutter grüßt – [quer:] Ich danke dir nochmals für das schöne Buch. - „Wahl“: Ehepaar Wahl genannt u.a. in einem Brief vom 6.12.1871. – „Schlögelhofer“ u.a. in Briefen vom 2.10.1870 und 22.7.1876 genannt. – „Programm“: liegt bei das gedruckte „Programm der Abend-Unterhaltung des Kaufmännischen Vereins in Salzburg Montag den 5.Februar 1872.“ Gespielt wird ein Schwank in einem Akt, „Ein Stündchen auf dem Comptoir“ von S. Haber.
    
==== Teilweise dazwischen  ====
 
==== Teilweise dazwischen  ====
 
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
 
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
an FANNI SCHLEGEL, Franziska Spängler (1848-1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, von Franz Spängler: 7.2.1872, Brief aus Mödling an Fanny: ... [nicht gelesen] von deinem treuen Franz - 15.2., dito: „Soeben erhielt ich deinen leider sehr kurzen Brief..., Geschenk für Emma, mit Schlüsselkästchen einverstanden [Rest nicht gelesen] - 16.2., Brief aus Salzburg: freuen sich, Großmutter „scheint auch schon getröstet“ [Abschied von der Braut] und freut sich, nach Wien zu fahren. „Denk an mich, wenn du den Golf [Adria] siehst mit seinen zahllosen Schiffen und Kähnen“; waren bei Emma, sie ist glücklich; ...deine MinnaXX - 10.3., Postkarte aus Wien an Fanni Schlegel, Marktplaz Nr.10, Salzburg [Bleistift]: „Durch Umstände, welche ich dir morgen brieflich mitteilen werde, werde ich veranlaßt heute noch in Wien zu bleiben, und muß es daher auch auf morgen verschieben, dir ausführlicher zu schreiben Herzl Grüße dein Dr.F.Sp. [Franz] - 15.3., Brief mit Umschlag und eingedruckter Briefmarke 5 kr., Siegel „F.Sp.“, aus Mödling an „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplatz No 10 II Stok“: „Meine liebe Fanny! ... [nicht gelesen] dein treuer Franz“ - 19.3. dito [nicht gelesen]
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an Fanni Schlegel, Franziska Spängler (* 1848; † 1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, von Franz Spängler: 7.2.1872, Brief aus Mödling an Fanny: ... [nicht gelesen] von deinem treuen Franz - 15.2., dito: „Soeben erhielt ich deinen leider sehr kurzen Brief..., Geschenk für Emma, mit Schlüsselkästchen einverstanden [Rest nicht gelesen] - 16.2., Brief aus Salzburg: freuen sich, Großmutter „scheint auch schon getröstet“ [Abschied von der Braut] und freut sich, nach Wien zu fahren. „Denk an mich, wenn du den Golf [Adria] siehst mit seinen zahllosen Schiffen und Kähnen“; waren bei Emma, sie ist glücklich; ...deine MinnaXX - 10.3., Postkarte aus Wien an Fanni Schlegel, Marktplaz Nr.10, Salzburg [Bleistift]: „Durch Umstände, welche ich dir morgen brieflich mitteilen werde, werde ich veranlaßt heute noch in Wien zu bleiben, und muß es daher auch auf morgen verschieben, dir ausführlicher zu schreiben Herzl Grüße dein Dr.F.Sp. [Franz] - 15.3., Brief mit Umschlag und eingedruckter Briefmarke 5 kr., Siegel „F.Sp.“, aus Mödling an „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplatz No 10 II Stok“: „Meine liebe Fanny! ... [nicht gelesen] dein treuer Franz“ - 19.3. dito [nicht gelesen]
    
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
 
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien [Franz Spängler: LXVIII erh 13/2 beantw 13/2]; rotes Siegel „F. S.“: Salzburg 12.Februar 1872. 2 Uhr Nach:[mittags] - Mein lieber Franz! Das hätte ich wirklich nicht gedacht, daß ich einen so leichtsinngen Bräutigam habe, es ist nur gut, daß du eine so solide Frau kriegst! /:?:/ Wenn mein heutiger Brief nur kurz wird, so ist übrigens auch ein wenig der Fasching schuld, wir(d) sind nämlich heute bei Zeller geladen, wo[h]l das le[t]zte Mal so lange Emma noch zu Hause ist. – Die Zahl der Gäste bei Emmas Hochzeit wird sehr beschränkt sein, daher glaube ich auch nicht, daß sie dich einladen. Schön wäre es schon gewesen, wenn wir mitsammen den Tag hätten feiern können! So müßen wir aber zufrieden sein, daß wir uns bald in Wien sehen, und in wenigen Wochen für immer angehören werden. – Was das bewußte Geschenk betrifft so bin ich gern bereit, den Einkauf hier zu besorgen, nur bitte ich dich mir so bald als möglich zu sagen wie viel ich beiläufig [in etwa] dafür auslegen darf? – Lida meint, eine elegante Tischglocke wäre nicht übel. (Oder) ein silberner Schlüßelring. Vielleicht erfahre ich heute irgend einen stillen Wunsch von Emma. Ich werde ohnehin bald an Minna schreiben, da will ich mich wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien] anfragen. Minna hat wirklich die Erlaubniß erhalten, zu meiner Hochzeit zu kommen, was mich sehr freut. Minna war am Salzburger Kränzchen und lernte dort Marie Guttenberg kennen, die ihr sehr gut gefällt. Sauter junior scheint dermalen stark für Minna zu brennen, er tanzte den Cotillon mit ihr, du kannst ihn einmal raten, daß er seine Tänzerin so auf Umwegen engagiert. Marie Guttenberg mußte ihm nämlich durch Lida den Cotillon erbitten. – Vor dem ersten März wird Großmutter keinenfalls XXreisen. Wahrscheinlich benützen wir den Postzug jedenfalls fahren wir über Tag. Deinen nächsten lieben Brief, von dem ich hoffe daß er lang sein wird, werde ich ausführlich beantworten. – Meinen Dank für die kleine Haube, ich fürchte, ich werde sie nicht ohne Vergrößerung benützen können. Auch für die Bezeichnung der Gedichte meinen Dank. – Lebe wo[h]l und behalt‘ lieb deine treue Fanni – Großmutter grüßt. – „Marie Guttenberg“: Lida [verh.] Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni; vielleicht die Schwägerin zu Lida.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien [Franz Spängler: LXVIII erh 13/2 beantw 13/2]; rotes Siegel „F. S.“: Salzburg 12.Februar 1872. 2 Uhr Nach:[mittags] - Mein lieber Franz! Das hätte ich wirklich nicht gedacht, daß ich einen so leichtsinngen Bräutigam habe, es ist nur gut, daß du eine so solide Frau kriegst! /:?:/ Wenn mein heutiger Brief nur kurz wird, so ist übrigens auch ein wenig der Fasching schuld, wir(d) sind nämlich heute bei Zeller geladen, wo[h]l das le[t]zte Mal so lange Emma noch zu Hause ist. – Die Zahl der Gäste bei Emmas Hochzeit wird sehr beschränkt sein, daher glaube ich auch nicht, daß sie dich einladen. Schön wäre es schon gewesen, wenn wir mitsammen den Tag hätten feiern können! So müßen wir aber zufrieden sein, daß wir uns bald in Wien sehen, und in wenigen Wochen für immer angehören werden. – Was das bewußte Geschenk betrifft so bin ich gern bereit, den Einkauf hier zu besorgen, nur bitte ich dich mir so bald als möglich zu sagen wie viel ich beiläufig [in etwa] dafür auslegen darf? – Lida meint, eine elegante Tischglocke wäre nicht übel. (Oder) ein silberner Schlüßelring. Vielleicht erfahre ich heute irgend einen stillen Wunsch von Emma. Ich werde ohnehin bald an Minna schreiben, da will ich mich wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien] anfragen. Minna hat wirklich die Erlaubniß erhalten, zu meiner Hochzeit zu kommen, was mich sehr freut. Minna war am Salzburger Kränzchen und lernte dort Marie Guttenberg kennen, die ihr sehr gut gefällt. Sauter junior scheint dermalen stark für Minna zu brennen, er tanzte den Cotillon mit ihr, du kannst ihn einmal raten, daß er seine Tänzerin so auf Umwegen engagiert. Marie Guttenberg mußte ihm nämlich durch Lida den Cotillon erbitten. – Vor dem ersten März wird Großmutter keinenfalls XXreisen. Wahrscheinlich benützen wir den Postzug jedenfalls fahren wir über Tag. Deinen nächsten lieben Brief, von dem ich hoffe daß er lang sein wird, werde ich ausführlich beantworten. – Meinen Dank für die kleine Haube, ich fürchte, ich werde sie nicht ohne Vergrößerung benützen können. Auch für die Bezeichnung der Gedichte meinen Dank. – Lebe wo[h]l und behalt‘ lieb deine treue Fanni – Großmutter grüßt. – „Marie Guttenberg“: Lida [verh.] Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni; vielleicht die Schwägerin zu Lida.
    
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
 
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien. [LXIX erh 15/2 beantw 15/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, blau-goldenes Papiersiegel „F“: Salzburg 14.Februar 1872. - Mein lieber Franz! Dießmal nur ganz in Eile. Ich will dich nur fragen, ob du mit einem eleganten Schlüßelkästchen für Emma einverstanden wärst? Ich sah eins bei Naumüller aber es kostet 7 fl. [Gulden] 20 X [Kreuzer]. Ich hätte gerne von Silber etwas gehabt, aber Emma hat schon alles Mögliche. Am Freitag kommen Zellers zu uns zum Abschied wenn du Zeit hättest könntest du mir gleich einen Brief für Emma schicken dann könnte ich ihr gleich das Kästchen überreichen. Wenn du einen Schlüßelring von Silber vorziehst, ich sah einen der etwas über 6 fl. kostet, so schreibe mir[.] auch eine Tortenschaufel von Silber schaute ich mir an sie kostet zwischen 6 u. 7 fl: das wären die einzigen GesX Gegenstände von Silber, die ich für Emma wüßte. Also ich bitte um baldige Antwort. – Morgen kommt Hr.v.Schlögelh[ofer]: für Jause [Nachmittagskaffee]: zu uns, da habe ich keine Zeit zum Schreiben. Wegen dem „goldenen Kranz“ [Hotel in Wien] erkundige ich mich noch bei Lorinser. Wann eine Sendung nach Mödling kommt, werde ich dir schon melden. – Nun zum Schluß meinen Dank für den Brief u. dem Vergißmeinnicht, daß du so leichtsinnig bist ist mir ganz recht, da ist es dann mit der Pechenterin [?] nicht so gefährlich. – Behüt dich Gott, nächstens mehr, deine Fanni. – Wenn möglich möchte ich bis Freitag eine Antwort von dir
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien. [LXIX erh 15/2 beantw 15/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, blau-goldenes Papiersiegel „F“: Salzburg 14.Februar 1872. - Mein lieber Franz! Dießmal nur ganz in Eile. Ich will dich nur fragen, ob du mit einem eleganten Schlüßelkästchen für Emma einverstanden wärst? Ich sah eins bei Naumüller aber es kostet 7 fl. [Gulden] 20 X [Kreuzer]. Ich hätte gerne von Silber etwas gehabt, aber Emma hat schon alles Mögliche. Am Freitag kommen Zellers zu uns zum Abschied wenn du Zeit hättest könntest du mir gleich einen Brief für Emma schicken dann könnte ich ihr gleich das Kästchen überreichen. Wenn du einen Schlüßelring von Silber vorziehst, ich sah einen der etwas über 6 fl. kostet, so schreibe mir[.] auch eine Tortenschaufel von Silber schaute ich mir an sie kostet zwischen 6 u. 7 fl: das wären die einzigen GesX Gegenstände von Silber, die ich für Emma wüßte. Also ich bitte um baldige Antwort. – Morgen kommt Hr.v.Schlögelh[ofer]: für Jause [Nachmittagskaffee]: zu uns, da habe ich keine Zeit zum Schreiben. Wegen dem „goldenen Kranz“ [Hotel in Wien] erkundige ich mich noch bei Lorinser. Wann eine Sendung nach Mödling kommt, werde ich dir schon melden. – Nun zum Schluß meinen Dank für den Brief u. dem Vergißmeinnicht, daß du so leichtsinnig bist ist mir ganz recht, da ist es dann mit der Pechenterin [?] nicht so gefährlich. – Behüt dich Gott, nächstens mehr, deine Fanni. – Wenn möglich möchte ich bis Freitag eine Antwort von dir
    
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
 
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk: Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXX erh 16/2 beantw 16/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, rotes Lacksiegel [siehe oben] „F“: Salzburg 14. [gleicher Tag wie voriger Brief!] Februar 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Obwo[h]l ich vor kaum 2 Stunden einen Brief an dich abschickte, benütze ich doch noch ein freies Stündchen vor dem Schlafengehn, um etwas ausführlicher und geordneter an dich zu schreiben. Die „Hochgnädige“ zu welcher wir um 7 Uhr gingen, war nicht zu Hause, und so kann ich dir schreiben, nachdem ich zuerst an Minna einen Brief schrieb. – Wie ich dir unlängst schon schrieb, geht es bei uns immer geschäftiger zu. Tag um Tag rückt das Ziel näher und immer giebt es Neues zu besorgen und anzuordnen. Am Montag waren wir also noch einmal bei Zeller, wie bald wird der gewohnte Kreis so anders gestaltet sein! Emma ist sehr lieb und vergnügt, ich versprach ihr, wenn wir Beide d.h. du u. ich S sie zur Hochzeit laden, einen ganzen Tag dazu zu verwenden, damit wir ihren Haushalt sehen können, du bist doch einverstanden? Gestern mußte ich lebhaft an den Faschingsdienstag 1869 denken. Gestern soll es recht hübsch im Casino gewesen sein, erzählte mir Lida. – Ich bin beschäftigt mein Kleid zu Emmas Hochzeit zu fabrizi[e]ren. Morgen ist Hr.Laschensky sowie Hr: v. Schlögelh:[ofer] u. Ida bei uns eingeladen Am Freitag kommen Zeller und Plachetka u Hr: Wahl. Wir wollen aber, so lange ich noch hier bin, unsere alten Bekannten noch einmal einladen. Da muß ich Vormittags herrichten. Bald werden die 14 Tage bis zum 1.März vorüber sein, und die Dampfrosse führen mich zu dir du Lieber, das wird wieder ein schönes Fieber werden! während der Reise. Wer hätte gedacht, daß wir unser Versprechen dich in Mödling bei einer allfälligen Wiener Reise zu besuchen, in dieser Weise einlösen werden, und daß diesem Besuch ein Daueraufenthalt folgen werde? Ist es dir recht, daß es so kam? Ich muß schon gleich hinzufügen, ich hoffe ja, sonst machst du mich Böse. Aber daß meine Kranzjungfrauen viel schöner sein werden als ich ist sicher, habe dank, daß du nicht nach dem Äußern allein schautest bei der Wahl deiner Frau. Gott gebe, daß du mich deinen Erwartungen entsprechend findest! Daß wir an unserem Hochzeitstag in feierlicher Stimmung sein werden, bezweifle ich nicht, doch glaube ich auch, daß wenigstens ich ziemlich erregt sein werde. Bist du böse, wenn die notwendigen Abschiedsbesuche manchmal nicht ohne Tränen abgehen sollten? Wäre doch erst der Abschied vorbei! – Frau Rosa Stiebitz schickte mir zum Hochzeitsgeschenk ein sehr nettes Kafegeschirr für zwei Personen, mit dem Wunsche, daß wir Beide recht viele gemütliche Frühstücksstündchen bei demselben zubringen möchten. Von ihrem Mann sind noch immer keine guten Nachrichten hier. Nachdem heute die Fastenzeit beginnt, hoffe ich auch bald wieder einen solchen Bräutigam zu haben, den bald zu sehen sich herzlich freut deine treue Fanni. – Meine Empfehlungen an Angermayer, u.s.f. Großmutter grüßt. – „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach einem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in einer Heilanstalt, „Irrenanstalt“ in Linz; siehe auch Brief vom 21.2.1872. - „#Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk: Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXX erh 16/2 beantw 16/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, rotes Lacksiegel [siehe oben] „F“: Salzburg 14. [gleicher Tag wie voriger Brief!] Februar 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Obwo[h]l ich vor kaum 2 Stunden einen Brief an dich abschickte, benütze ich doch noch ein freies Stündchen vor dem Schlafengehn, um etwas ausführlicher und geordneter an dich zu schreiben. Die „Hochgnädige“ zu welcher wir um 7 Uhr gingen, war nicht zu Hause, und so kann ich dir schreiben, nachdem ich zuerst an Minna einen Brief schrieb. – Wie ich dir unlängst schon schrieb, geht es bei uns immer geschäftiger zu. Tag um Tag rückt das Ziel näher und immer giebt es Neues zu besorgen und anzuordnen. Am Montag waren wir also noch einmal bei Zeller, wie bald wird der gewohnte Kreis so anders gestaltet sein! Emma ist sehr lieb und vergnügt, ich versprach ihr, wenn wir Beide d.h. du u. ich S sie zur Hochzeit laden, einen ganzen Tag dazu zu verwenden, damit wir ihren Haushalt sehen können, du bist doch einverstanden? Gestern mußte ich lebhaft an den Faschingsdienstag 1869 denken. Gestern soll es recht hübsch im Casino gewesen sein, erzählte mir Lida. – Ich bin beschäftigt mein Kleid zu Emmas Hochzeit zu fabrizi[e]ren. Morgen ist Hr.Laschensky sowie Hr: v. Schlögelh:[ofer] u. Ida bei uns eingeladen Am Freitag kommen Zeller und Plachetka u Hr: Wahl. Wir wollen aber, so lange ich noch hier bin, unsere alten Bekannten noch einmal einladen. Da muß ich Vormittags herrichten. Bald werden die 14 Tage bis zum 1.März vorüber sein, und die Dampfrosse führen mich zu dir du Lieber, das wird wieder ein schönes Fieber werden! während der Reise. Wer hätte gedacht, daß wir unser Versprechen dich in Mödling bei einer allfälligen Wiener Reise zu besuchen, in dieser Weise einlösen werden, und daß diesem Besuch ein Daueraufenthalt folgen werde? Ist es dir recht, daß es so kam? Ich muß schon gleich hinzufügen, ich hoffe ja, sonst machst du mich Böse. Aber daß meine Kranzjungfrauen viel schöner sein werden als ich ist sicher, habe dank, daß du nicht nach dem Äußern allein schautest bei der Wahl deiner Frau. Gott gebe, daß du mich deinen Erwartungen entsprechend findest! Daß wir an unserem Hochzeitstag in feierlicher Stimmung sein werden, bezweifle ich nicht, doch glaube ich auch, daß wenigstens ich ziemlich erregt sein werde. Bist du böse, wenn die notwendigen Abschiedsbesuche manchmal nicht ohne Tränen abgehen sollten? Wäre doch erst der Abschied vorbei! – Frau Rosa Stiebitz schickte mir zum Hochzeitsgeschenk ein sehr nettes Kafegeschirr für zwei Personen, mit dem Wunsche, daß wir Beide recht viele gemütliche Frühstücksstündchen bei demselben zubringen möchten. Von ihrem Mann sind noch immer keine guten Nachrichten hier. Nachdem heute die Fastenzeit beginnt, hoffe ich auch bald wieder einen solchen Bräutigam zu haben, den bald zu sehen sich herzlich freut deine treue Fanni. – Meine Empfehlungen an Angermayer, u.s.f. Großmutter grüßt. – „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach einem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in einer Heilanstalt, „Irrenanstalt“ in Linz; siehe auch Brief vom 21.2.1872. - „#Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Wien Poste restante Hauptpostamt [LXXI erh 18/2 Corresp[ondenz]k[arte] 18/2]: Salzburg 15.Februar 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, daß dem „leider sehr kurzen“ Brief von vorgestern fast unmittelbar ein längerer folgte, und ich schmeichle mir sogar mit der Hoffnung, auf denselben recht bald Anwort zu bekommen. Diese Zeilen haben zum Hauptzweck, dir zu berichten, daß ich im stolzen Gefühl meiner Machtvollkommenheit heute nach Tisch zum 2ten Male zum Silberarbeiter Schwihl wollte, und für Emma doch etwas Silbernes aussuchte. Lida hatte ich gerechter Weise als Geheimrath bei mir und wir beschloßen Emma selbst zwischen mehreren Gegenständen von gleichem Wert wählen zu laßen. Wir brachten also eine Tortenschaufel, zwei Zuckerzangen und zwei hübsche gehe[ä]rtete Messer für Käse und Butter nach Hause. Emma entschied sich in der engeren Wahl für die Letzteren, welche zusammen 7 fl kosten. Ich habe also, wie du siehst das zuerst in Vorschlag gewesene Schlüßelkästchen stehen gelassen. – Emma schien sich über deine Gabe recht zu freuen, sie ersuchte mir, dir in ihrem Namen für Geschenk und Brief zu danken, wenn sie Zeit findet, wird sie dir selbst schriftlich danken. Heute waren Zeller und Plachetka bei uns, auch Frau Wahl und Frau Rosa [Stiebitz]. Die Arme sieht recht übel aus. Gestern kamen böse Nachrichten von ihrem bedauernswerthen Mann. Er soll kürzerlich [?] schon heruntergekommen sein, und sein Geisteszustand ist durchaus nicht tröstlich. Er spricht gar nicht mehr und man muß ihm die Speisen zwangsweise beibringen. Es scheinen sich schon Zweifel an seiner Genesung aufzudrängen. Rosa zeigt sich wunderbar gefaßt, sie verbirgt und verschweigt ihren Kummer in einer Weise, daß die Arme von vielen Seiten mißverstanden wird. Sie sucht offenbar sich von ihrem Schmerz so wenig als möglich beherrschen zu laßen, und die Leute legen ihr dieß als Mangel an Theilnahme aus. Wenn man mehr mit ihr spricht, sieht man gut genug, daß sie genug leidet. – Meine beiden Brüder [Halbbrüder] Richard und Karl sind so sonderbar erkrankt, sie müßen sich sehr verkühlt haben. Sie haben kein Fieber aber heftige Schmerzen am Körper, so daß sie sich gar nicht bewegen können, man darf gar nicht an ihren Betten rühren, ohne daß sie vor Schmerz schreien. Die arme Mutter steht da wieder genug aus. Dieser Zustand dauert nun schon über eine Woche. Doch nun habe ich dir so viel Nachtheiliges erzählt, daß ich wenigstens mit einer freundlichen Aussicht schließen will, nämlich heute über 14 Tagen haben wir hoffentlich schon ein recht frohes Wiedersehen gefeiert, und diese Aussicht finde ich sehr schön. Gott gebe nur, daß wir zur Reise kein so schauerliches Wetter haben wie heute. Emma u. Albert reisen vielleicht als Hochzeitsreise doch nach Wien, da wäre es möglich daß wir uns unten treffen könnten. Nun aber gute Nacht, mein Lieber, unterhalte dich gut in Wien, dieß wünscht deine treue Fanni. – Großmutter grüßt – [auf dem Kopf:] Laß mit[ch] doch mittels Postkarte wißen, ob du diesen Brief bekommst! Hugo Schumacher hat die Schafblattern, sehr leicht.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Wien Poste restante Hauptpostamt [LXXI erh 18/2 Corresp[ondenz]k[arte] 18/2]: Salzburg 15.Februar 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, daß dem „leider sehr kurzen“ Brief von vorgestern fast unmittelbar ein längerer folgte, und ich schmeichle mir sogar mit der Hoffnung, auf denselben recht bald Anwort zu bekommen. Diese Zeilen haben zum Hauptzweck, dir zu berichten, daß ich im stolzen Gefühl meiner Machtvollkommenheit heute nach Tisch zum 2ten Male zum Silberarbeiter Schwihl wollte, und für Emma doch etwas Silbernes aussuchte. Lida hatte ich gerechter Weise als Geheimrath bei mir und wir beschloßen Emma selbst zwischen mehreren Gegenständen von gleichem Wert wählen zu laßen. Wir brachten also eine Tortenschaufel, zwei Zuckerzangen und zwei hübsche gehe[ä]rtete Messer für Käse und Butter nach Hause. Emma entschied sich in der engeren Wahl für die Letzteren, welche zusammen 7 fl kosten. Ich habe also, wie du siehst das zuerst in Vorschlag gewesene Schlüßelkästchen stehen gelassen. – Emma schien sich über deine Gabe recht zu freuen, sie ersuchte mir, dir in ihrem Namen für Geschenk und Brief zu danken, wenn sie Zeit findet, wird sie dir selbst schriftlich danken. Heute waren Zeller und Plachetka bei uns, auch Frau Wahl und Frau Rosa [Stiebitz]. Die Arme sieht recht übel aus. Gestern kamen böse Nachrichten von ihrem bedauernswerthen Mann. Er soll kürzerlich [?] schon heruntergekommen sein, und sein Geisteszustand ist durchaus nicht tröstlich. Er spricht gar nicht mehr und man muß ihm die Speisen zwangsweise beibringen. Es scheinen sich schon Zweifel an seiner Genesung aufzudrängen. Rosa zeigt sich wunderbar gefaßt, sie verbirgt und verschweigt ihren Kummer in einer Weise, daß die Arme von vielen Seiten mißverstanden wird. Sie sucht offenbar sich von ihrem Schmerz so wenig als möglich beherrschen zu laßen, und die Leute legen ihr dieß als Mangel an Theilnahme aus. Wenn man mehr mit ihr spricht, sieht man gut genug, daß sie genug leidet. – Meine beiden Brüder [Halbbrüder] Richard und Karl sind so sonderbar erkrankt, sie müßen sich sehr verkühlt haben. Sie haben kein Fieber aber heftige Schmerzen am Körper, so daß sie sich gar nicht bewegen können, man darf gar nicht an ihren Betten rühren, ohne daß sie vor Schmerz schreien. Die arme Mutter steht da wieder genug aus. Dieser Zustand dauert nun schon über eine Woche. Doch nun habe ich dir so viel Nachtheiliges erzählt, daß ich wenigstens mit einer freundlichen Aussicht schließen will, nämlich heute über 14 Tagen haben wir hoffentlich schon ein recht frohes Wiedersehen gefeiert, und diese Aussicht finde ich sehr schön. Gott gebe nur, daß wir zur Reise kein so schauerliches Wetter haben wie heute. Emma u. Albert reisen vielleicht als Hochzeitsreise doch nach Wien, da wäre es möglich daß wir uns unten treffen könnten. Nun aber gute Nacht, mein Lieber, unterhalte dich gut in Wien, dieß wünscht deine treue Fanni. – Großmutter grüßt – [auf dem Kopf:] Laß mit[ch] doch mittels Postkarte wißen, ob du diesen Brief bekommst! Hugo Schumacher hat die Schafblattern, sehr leicht.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXII erh 19/2 beantw mit LXXI 19/2]: Salzburg 17.Februar 1872. 3/4 1 Uhr Nach:[mittags]. - Mein lieber Franz! Da ich in angestammter Bravheit heute in aller Frühe meine Antwort an dich absandte, bleibt mir nichts übrig, als gleich einen neuen Schreibebrief zu beginnen zum Dank für deine lieben Zeilen. Meinen getrigen Brief adressierte ich, wie du gewünscht, Poste restante, Hauptpostamt Wien, und eigentlich sollte ich diesen auch dorthin schicken, doch ich denke, so findest du diesen vielleicht wenn du nach Hause kommst, vor. – Heute ging also die erste Sendung nach Mödling ab, nämlich 3 Bettstellen, 3 Federmatratzen und eine Seegrasmatratze, du wirst ohnehin das Aviso [Anzeige] bekommen haben. Großmutter meint, du solltest Alles verpackt in unserer Wohnung stehen laßen, so kann Niemand etwas davon thun. – Von der gestrigen Einladung habe ich dir schon geschrieben; Emma scheint nicht daran zu denken, dich zur Hochzeit zu laden. Ich bin neugierig ob wir lustig sein werden, wie die Ereignisse in der Familie Zeller stehen, ist wenig Grund dazu. Ich weiß nicht, ob du schon hörtest, daß die Frauensteiner Zeller zum Sterben ist. – Daß ich an Emmas Hochzeit[s]tag ernster gestimmt sein werde, kannst du mir glauben. Mir wird der Trauungsakt wie ein Vorspiel für mich vorkommen, und wird mir genug zu denken geben. Doch nun muß ich mich wieder zur englischen Stunde bereit machen. Behüt‘ dich Gott. Good bye, till we meet again. – Sonntag ¼ auf 12 Uhr. Ich hatte gestern den Brief absenden wollen, komme aber erst je[t]zt zum Weiterschreiben. Wir waren gestern Nachmittag bei Fr: Schneeberger eingeladen. Es war ganz gemütlich dort. Es war auch am Samsta Donnerstag nicht so übel. Ich unterhielt mich hauptsächlich mit Fr: Schneeberger, dich die ich wirklich recht gern habe, sie ist mir auch recht gut. Ich sprach mit ihr länger über deine Cousine Angermeyr [-mayer], die sie sehr aus ihrer Mädchenzeit sehr gut kennt. Mathilde freut sich gar so auf unsere Hochzeit, sie verspricht mir immer, daß sie sich sehr „schön machen“ wird. Auch Ida freut sich sehr und die Hochgnädige ist ungeheuer liebenswürdig mit mir. Du stehst aber ganz besonders in Gnaden bei ihr. Nun ist Emma schon ihrem Ziel so nah, wie bald wird auch für uns jener wichtigste Moment kommen, wo Gottes Segen unseren Bund heiligen und unauflöslich machen wird. Und zuvor kommen noch vielgeschäftige Tage und Stunden, ein, so Gott will, fröhliches Zusammenkommen in Wien, und wo[h]l noch verschiedene Aufregungen und Fieberanfälle. Unsere Ausstattung geht immer mehr der Vollendung entgegen, es ist hübsch zu sehen, wie sich Stück um Stück einreiht und die Kästen die Menge unserer Sachen nicht mehr faßen. Seit zwei Tagen ist es auch schön, und ich hoffe auf mildes Wetter zur Reise. Wenn nur Großmutter in Wien gut aufgelegt ist! sonst stehen mir noch einige Kämpfe bevor, doch ich hoffe das Beste. Der Gedanke daß ich fortgehe wird ihr immer schmerzlicher. Nun aber lebe recht wo[h]l und behalt‘ mich lieb, deine treue Fanni. - „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXII erh 19/2 beantw mit LXXI 19/2]: Salzburg 17.Februar 1872. 3/4 1 Uhr Nach:[mittags]. - Mein lieber Franz! Da ich in angestammter Bravheit heute in aller Frühe meine Antwort an dich absandte, bleibt mir nichts übrig, als gleich einen neuen Schreibebrief zu beginnen zum Dank für deine lieben Zeilen. Meinen getrigen Brief adressierte ich, wie du gewünscht, Poste restante, Hauptpostamt Wien, und eigentlich sollte ich diesen auch dorthin schicken, doch ich denke, so findest du diesen vielleicht wenn du nach Hause kommst, vor. – Heute ging also die erste Sendung nach Mödling ab, nämlich 3 Bettstellen, 3 Federmatratzen und eine Seegrasmatratze, du wirst ohnehin das Aviso [Anzeige] bekommen haben. Großmutter meint, du solltest Alles verpackt in unserer Wohnung stehen laßen, so kann Niemand etwas davon thun. – Von der gestrigen Einladung habe ich dir schon geschrieben; Emma scheint nicht daran zu denken, dich zur Hochzeit zu laden. Ich bin neugierig ob wir lustig sein werden, wie die Ereignisse in der Familie Zeller stehen, ist wenig Grund dazu. Ich weiß nicht, ob du schon hörtest, daß die Frauensteiner Zeller zum Sterben ist. – Daß ich an Emmas Hochzeit[s]tag ernster gestimmt sein werde, kannst du mir glauben. Mir wird der Trauungsakt wie ein Vorspiel für mich vorkommen, und wird mir genug zu denken geben. Doch nun muß ich mich wieder zur englischen Stunde bereit machen. Behüt‘ dich Gott. Good bye, till we meet again. – Sonntag ¼ auf 12 Uhr. Ich hatte gestern den Brief absenden wollen, komme aber erst je[t]zt zum Weiterschreiben. Wir waren gestern Nachmittag bei Fr: Schneeberger eingeladen. Es war ganz gemütlich dort. Es war auch am Samsta Donnerstag nicht so übel. Ich unterhielt mich hauptsächlich mit Fr: Schneeberger, dich die ich wirklich recht gern habe, sie ist mir auch recht gut. Ich sprach mit ihr länger über deine Cousine Angermeyr [-mayer], die sie sehr aus ihrer Mädchenzeit sehr gut kennt. Mathilde freut sich gar so auf unsere Hochzeit, sie verspricht mir immer, daß sie sich sehr „schön machen“ wird. Auch Ida freut sich sehr und die Hochgnädige ist ungeheuer liebenswürdig mit mir. Du stehst aber ganz besonders in Gnaden bei ihr. Nun ist Emma schon ihrem Ziel so nah, wie bald wird auch für uns jener wichtigste Moment kommen, wo Gottes Segen unseren Bund heiligen und unauflöslich machen wird. Und zuvor kommen noch vielgeschäftige Tage und Stunden, ein, so Gott will, fröhliches Zusammenkommen in Wien, und wo[h]l noch verschiedene Aufregungen und Fieberanfälle. Unsere Ausstattung geht immer mehr der Vollendung entgegen, es ist hübsch zu sehen, wie sich Stück um Stück einreiht und die Kästen die Menge unserer Sachen nicht mehr faßen. Seit zwei Tagen ist es auch schön, und ich hoffe auf mildes Wetter zur Reise. Wenn nur Großmutter in Wien gut aufgelegt ist! sonst stehen mir noch einige Kämpfe bevor, doch ich hoffe das Beste. Der Gedanke daß ich fortgehe wird ihr immer schmerzlicher. Nun aber lebe recht wo[h]l und behalt‘ mich lieb, deine treue Fanni. - „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIII erh 23/2 beantw 23/2]: Salzburg 21 Februar 1872. 1/4 auf 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich danke dir für deinen lieben Brief, den ich heute früh erhielt. Wie freue ich mich, daß wir uns schon so nahe unseres, hoffentlich frohen Wiedersehen[s] sind! In zehn kurzen Tagen werden wir beisammen sein, und mitsammen unser Nestchen einrichten beginnen. Ich bin schon gar so neugierig, wie mir meine neue Residenz vorkommen wird? Die Ausstattungsarbeiten gehen nun ihrem Ende entgegen, und dank den freundlichen Gebern mehrt sich unser Hausrat um manches hübsche Stück. An Hochzeitsgeschenken sind neuerdings folgende Gegenstände eingerückt: Von Papa Zeller und Ludwig zusammen ein wü[u]nderschönes Theeservice für 12 Pers:[onen], von meinen Eltern eine sehr hübsche Kukuksuhr, ein besonderer Wunsch von mir, und heute von der alten Frau Laschensky eine Zuckerzange und eine Salzbüchse sammt Schäufelchen von Silber. Wie du siehst, lauter brauchbare Dinge. Ich sehe alle meine hübschen Sachen zuweilen an, und denke wie schön es sein wird, wenn wir dieselben miteinander benützen werden. – Ich habe je[t]zt wieder so viel zu thun, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, doch morgen werde ich diesen Brief doch schließen können, heute bin ich schon so müde. Gute Nacht. – 22/2 7 Uhr früh. Du mußt es vorstehendem Geschreibsel ansehen, daß ich gestern ganz unfähig zum Schreiben war, so will ich je[t]zt eine kleine freie Zeit benützen, um mit dir zu plaudern. Also schönen guten Morgen, mein Lieber, ich hoffe du hast dich von der Semesterprüfung erholt und bist nicht gar zu streng gewesen. Warst du zufrieden mit deinen Schülern? – Ich habe Minna gefragt wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien], doch das Anpathinn [?] hat mir noch nicht geantwortet, ich meine aber, wir sollten jedenfalls im Kranz wohnen. So bitte ich dich, gelegentlich für uns ein ordentliches Zimmer mit zwei Betten für einige Tage zu bestellen. Wir werden mit dem Zug um 9 Uhr Vormittag fahren, ist das nicht der Postzug? Wann werden wir dann da ankommen? Wenn du das Zimmer bestellst, sei so gut und sage auch, daß wir dasselbe gut geheizt finden wenn wir kommen. Wenn man den ganzen Tag fährt, wird es doch kalt. Wie freue ich mich, wenn du uns am Bahnhof entgegenkommst? Nun muß ich dir aber recht was Trauriges erzählen, nämlich von dem armen Stiebitz. Neulich, Dienstag, kam wieder schlechte Nachricht, und daß er versehen [letzte Ölung eines Todkranken] wurde. Daraufhin reisten Papa Zeller u. Rosa nach Linz und einem Telegramm zufolge trafen sie den Armen geistig und körperlich sehr herabgekommen, doch noch nicht sterbend, wie man zuerst fürchtete. Es wurde schon davon gesprochen, Emmas Hochzeit zu verschieben, die arme Emma ist ganz desperat. Melancholisch genug wird die Hochzeit werden, und wenn sie wirklich verschoben wird, kann mittlerweile die Frauensteiner Zeller sterben. Ich bedauere die Emma schon recht, daß ihre le[t]zten Mädchentage gar so betrübt sind. – Meinen Brüdern geht es etwas besser, Karl geht aus, aber Richard liegt noch fest im Bett. Er ist auch ganz melancholisch. Nun aber lebe wo[h]l und schreibe recht balb und viel deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt, dein Bruder läßt dich grüßen, u. du sollst ihm doch mit einigen Zeilen die Frage beantworten, was Eure Forderung bei Spängler [Bankgeschäfte u.ä.?] beträgt? - „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach dem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in der Irrenanstalt in Linz. Siehe auch folgende Briefe.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIII erh 23/2 beantw 23/2]: Salzburg 21 Februar 1872. 1/4 auf 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich danke dir für deinen lieben Brief, den ich heute früh erhielt. Wie freue ich mich, daß wir uns schon so nahe unseres, hoffentlich frohen Wiedersehen[s] sind! In zehn kurzen Tagen werden wir beisammen sein, und mitsammen unser Nestchen einrichten beginnen. Ich bin schon gar so neugierig, wie mir meine neue Residenz vorkommen wird? Die Ausstattungsarbeiten gehen nun ihrem Ende entgegen, und dank den freundlichen Gebern mehrt sich unser Hausrat um manches hübsche Stück. An Hochzeitsgeschenken sind neuerdings folgende Gegenstände eingerückt: Von Papa Zeller und Ludwig zusammen ein wü[u]nderschönes Theeservice für 12 Pers:[onen], von meinen Eltern eine sehr hübsche Kukuksuhr, ein besonderer Wunsch von mir, und heute von der alten Frau Laschensky eine Zuckerzange und eine Salzbüchse sammt Schäufelchen von Silber. Wie du siehst, lauter brauchbare Dinge. Ich sehe alle meine hübschen Sachen zuweilen an, und denke wie schön es sein wird, wenn wir dieselben miteinander benützen werden. – Ich habe je[t]zt wieder so viel zu thun, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, doch morgen werde ich diesen Brief doch schließen können, heute bin ich schon so müde. Gute Nacht. – 22/2 7 Uhr früh. Du mußt es vorstehendem Geschreibsel ansehen, daß ich gestern ganz unfähig zum Schreiben war, so will ich je[t]zt eine kleine freie Zeit benützen, um mit dir zu plaudern. Also schönen guten Morgen, mein Lieber, ich hoffe du hast dich von der Semesterprüfung erholt und bist nicht gar zu streng gewesen. Warst du zufrieden mit deinen Schülern? – Ich habe Minna gefragt wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien], doch das Anpathinn [?] hat mir noch nicht geantwortet, ich meine aber, wir sollten jedenfalls im Kranz wohnen. So bitte ich dich, gelegentlich für uns ein ordentliches Zimmer mit zwei Betten für einige Tage zu bestellen. Wir werden mit dem Zug um 9 Uhr Vormittag fahren, ist das nicht der Postzug? Wann werden wir dann da ankommen? Wenn du das Zimmer bestellst, sei so gut und sage auch, daß wir dasselbe gut geheizt finden wenn wir kommen. Wenn man den ganzen Tag fährt, wird es doch kalt. Wie freue ich mich, wenn du uns am Bahnhof entgegenkommst? Nun muß ich dir aber recht was Trauriges erzählen, nämlich von dem armen Stiebitz. Neulich, Dienstag, kam wieder schlechte Nachricht, und daß er versehen [letzte Ölung eines Todkranken] wurde. Daraufhin reisten Papa Zeller u. Rosa nach Linz und einem Telegramm zufolge trafen sie den Armen geistig und körperlich sehr herabgekommen, doch noch nicht sterbend, wie man zuerst fürchtete. Es wurde schon davon gesprochen, Emmas Hochzeit zu verschieben, die arme Emma ist ganz desperat. Melancholisch genug wird die Hochzeit werden, und wenn sie wirklich verschoben wird, kann mittlerweile die Frauensteiner Zeller sterben. Ich bedauere die Emma schon recht, daß ihre le[t]zten Mädchentage gar so betrübt sind. – Meinen Brüdern geht es etwas besser, Karl geht aus, aber Richard liegt noch fest im Bett. Er ist auch ganz melancholisch. Nun aber lebe wo[h]l und schreibe recht balb und viel deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt, dein Bruder läßt dich grüßen, u. du sollst ihm doch mit einigen Zeilen die Frage beantworten, was Eure Forderung bei Spängler [Bankgeschäfte u.ä.?] beträgt? - „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach dem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in der Irrenanstalt in Linz. Siehe auch folgende Briefe.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIV erh 25/2 beantw 25/2; Brief ohne übrliches Lacksiegel]: Salzburg 24 Februar 1872. 4 1/2 Uhr Nach[mittags]. - Lieber Franz! Für dießmal nur wenige Zeilen, ich will noch zu Zeller gehen, denn das unsäglich Traurige ist eingetroffen, der arme Stiebitz ist todt. Natürlich wird Emmas Hochzeit verschoben, du kannst dir vorstellen, wie schwer Alle betroffen sind. Ich werde dir heute Abend oder morgen ausführlicher schreiben. Für je[t]zt nur soviel, daß wir, so Gott will, am Freitag um 7 Uhr Morgens von hier abreisen werden. Großmutter will doch im Kranz wohnen, also bitte ich dich, dort für uns Wohnung zu bestellen. – Ich schließe, sonst wird es mir zu spät. Lebe wo[h]l, deine Fanni. - „Stiebitz“: siehe voranstehenden und folgenden Brief.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIV erh 25/2 beantw 25/2; Brief ohne übrliches Lacksiegel]: Salzburg 24 Februar 1872. 4 1/2 Uhr Nach[mittags]. - Lieber Franz! Für dießmal nur wenige Zeilen, ich will noch zu Zeller gehen, denn das unsäglich Traurige ist eingetroffen, der arme Stiebitz ist todt. Natürlich wird Emmas Hochzeit verschoben, du kannst dir vorstellen, wie schwer Alle betroffen sind. Ich werde dir heute Abend oder morgen ausführlicher schreiben. Für je[t]zt nur soviel, daß wir, so Gott will, am Freitag um 7 Uhr Morgens von hier abreisen werden. Großmutter will doch im Kranz wohnen, also bitte ich dich, dort für uns Wohnung zu bestellen. – Ich schließe, sonst wird es mir zu spät. Lebe wo[h]l, deine Fanni. - „Stiebitz“: siehe voranstehenden und folgenden Brief.
    
===== Fanni Schlegel an Franz Spängler =====
 
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXV erh 26/2 Corresp.K[arte] 27/2]: Salzburg 25 Februar 1872. 1/2 9 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! Mein gestriger Brief wird nun bald in deinen Händen sein, ich rechnete auf deine Nachsicht, da ich dir nur so wenige Worte schrieb. Ich ging wirklich noch zu Zellers die ich Alle in großer Betrübniß fand, wie du dir denken wirst. Mein Vornehmen [-haben], noch gestern einen Brief an dich zu beginnen, führte ich nicht aus, weil ich im Auftrag der Mama Zeller die Trauernachricht an Fräulein Lori Pfaundler besorgte, und dann wirklich so von dem traurigen Vorfall verstimmt war, daß ich nicht mehr an dich schreiben mochte, ich hätte doch kein anderes Thema besprechen können. – Nächst der armen Rosa erbarmt mich Emma vor Allem, daß das neulich so nahe Ziel wieder entfernt wurde. Wenn doch die Hochzeit hätte sein können. Auch Albert wird wird schwer betroffen sein, denn abgesehen von allem Anderen, ist es ja für ihn ordentlich Lebensfrage, endlich mal in Ordnung zu kommen. Zudem muß er seine je[t]zige Wohnung zum 1.März verlaßen. Allem Anschein nach wird die Hochzeit so bald als thunlich, gehalten werden, die näheren Umstände von dem so schnellen Ende des armen Stiebitz wißen Zellers selbst noch nicht, da gestern Nachmittag blos ein Telegramm einlangte, daß C.St: um 4 Uhr früh verschieden ist. Du kannst mir glauben, daß dieß traurige Ereigniß auch einen düstern Schatten auf meine Gemütsstimmung wirft, und ich kaum den Mut finde mich auf die Zukunft zu freuen. Doch nein, wir wollen das Beste hoffen, auch daß unser nun schon so nahes Wiedersehen froh und ungetrübt sein wird, und daß uns der liebe Gott seinen Segen auf zu unserm vereinten Lebensweg mitgeben wird. – Einschließlich dem heutigen Tag und Freitag, wo doch erst die Abendstunden uns traulich vereinen werden, noch 6 Tage. Wie schnell werden diese hinüber gehen! Ich habe noch Einiges vorzubereiten, in den le[t]zten Tagen hatte ich viel mit meinem Anzuge zu Emmas Hochzeit zu thun, nun ist der ganze Staat beinahe fertig, und ich bin neugierig, wann er seine Bestimmung erfüllen wird? Großmutter zieht vor beim Kranz zu wohnen, es ist ja nicht gar so weit von der Stadt, und mittags werden wir meistens dort speisen wo uns eben der Weg vorbeiführt. Wir haben uns längst schon vorgenommen, bei Angermayer, Spängler und Guttenberg Besuche zu machen. Es wäre hübsch wenn wir mit den erstgenannten einmals Abends beisammen wären. – Fräulein Lori wird uns beim Einkaufen behülflich sein, auch Minna muß manchmal mit als Hilfskorps. – Vielleicht kommt Minna gleich mit uns herauf [nach Salzburg], sonst müßtest du sie mitbringen. Das zeigt großes Vertrauen, nicht wahr? Minna soll auch meine eigentliche Brau Kranzjungfrau sein, sie verdient diese Auszeichnung, weil sie so weit [von Wien] herkommt zu meiner Hochzeit. Die „6 Wochen“ machen mir doch noch kein Fieber, das kommt erst, wenn der große Tag noch näher sein wird. Wenn nur erst alle meine schönen Sachen glücklich in Mödling sein werden. Wenn Mödling mir nun gar nicht gefiele, was würdest du thun? - ---- Wenn ich rechtes Heimweh bekäme. Hast du schon gehört, daß die arme Anna Mertens den Typhus hat und im Spital ist. Es sind zwar wieder bessere Nachrichten da. Nun aber behüte dich Gott, wenn ich bis Dienstag oder Mittwoch früh von dir einen Briefe bekomme, schreibe ich auch noch einmal. Auf baldiges Wiedersehen freut sich herzlich deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXV erh 26/2 Corresp.K[arte] 27/2]: Salzburg 25 Februar 1872. 1/2 9 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! Mein gestriger Brief wird nun bald in deinen Händen sein, ich rechnete auf deine Nachsicht, da ich dir nur so wenige Worte schrieb. Ich ging wirklich noch zu Zellers die ich Alle in großer Betrübniß fand, wie du dir denken wirst. Mein Vornehmen [-haben], noch gestern einen Brief an dich zu beginnen, führte ich nicht aus, weil ich im Auftrag der Mama Zeller die Trauernachricht an Fräulein Lori Pfaundler besorgte, und dann wirklich so von dem traurigen Vorfall verstimmt war, daß ich nicht mehr an dich schreiben mochte, ich hätte doch kein anderes Thema besprechen können. – Nächst der armen Rosa erbarmt mich Emma vor Allem, daß das neulich so nahe Ziel wieder entfernt wurde. Wenn doch die Hochzeit hätte sein können. Auch Albert wird wird schwer betroffen sein, denn abgesehen von allem Anderen, ist es ja für ihn ordentlich Lebensfrage, endlich mal in Ordnung zu kommen. Zudem muß er seine je[t]zige Wohnung zum 1.März verlaßen. Allem Anschein nach wird die Hochzeit so bald als thunlich, gehalten werden, die näheren Umstände von dem so schnellen Ende des armen Stiebitz wißen Zellers selbst noch nicht, da gestern Nachmittag blos ein Telegramm einlangte, daß C.St: um 4 Uhr früh verschieden ist. Du kannst mir glauben, daß dieß traurige Ereigniß auch einen düstern Schatten auf meine Gemütsstimmung wirft, und ich kaum den Mut finde mich auf die Zukunft zu freuen. Doch nein, wir wollen das Beste hoffen, auch daß unser nun schon so nahes Wiedersehen froh und ungetrübt sein wird, und daß uns der liebe Gott seinen Segen auf zu unserm vereinten Lebensweg mitgeben wird. – Einschließlich dem heutigen Tag und Freitag, wo doch erst die Abendstunden uns traulich vereinen werden, noch 6 Tage. Wie schnell werden diese hinüber gehen! Ich habe noch Einiges vorzubereiten, in den le[t]zten Tagen hatte ich viel mit meinem Anzuge zu Emmas Hochzeit zu thun, nun ist der ganze Staat beinahe fertig, und ich bin neugierig, wann er seine Bestimmung erfüllen wird? Großmutter zieht vor beim Kranz zu wohnen, es ist ja nicht gar so weit von der Stadt, und mittags werden wir meistens dort speisen wo uns eben der Weg vorbeiführt. Wir haben uns längst schon vorgenommen, bei Angermayer, Spängler und Guttenberg Besuche zu machen. Es wäre hübsch wenn wir mit den erstgenannten einmals Abends beisammen wären. – Fräulein Lori wird uns beim Einkaufen behülflich sein, auch Minna muß manchmal mit als Hilfskorps. – Vielleicht kommt Minna gleich mit uns herauf [nach Salzburg], sonst müßtest du sie mitbringen. Das zeigt großes Vertrauen, nicht wahr? Minna soll auch meine eigentliche Brau Kranzjungfrau sein, sie verdient diese Auszeichnung, weil sie so weit [von Wien] herkommt zu meiner Hochzeit. Die „6 Wochen“ machen mir doch noch kein Fieber, das kommt erst, wenn der große Tag noch näher sein wird. Wenn nur erst alle meine schönen Sachen glücklich in Mödling sein werden. Wenn Mödling mir nun gar nicht gefiele, was würdest du thun? - ---- Wenn ich rechtes Heimweh bekäme. Hast du schon gehört, daß die arme Anna Mertens den Typhus hat und im Spital ist. Es sind zwar wieder bessere Nachrichten da. Nun aber behüte dich Gott, wenn ich bis Dienstag oder Mittwoch früh von dir einen Briefe bekomme, schreibe ich auch noch einmal. Auf baldiges Wiedersehen freut sich herzlich deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich.
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVI erh 28/2 beantw 28/2; anderes Briefpapier ohne Zeichen, sonst mit englischem Prägestempel; dem Brief beiliegend Blumen]: Salzburg 27.Februar 1872 1/2 10 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! So gerne hätte ich dir gestern schon geschrieben und für deinen so lieben Brief gedankt, doch konnte ich nicht dazu kommen und auch heute ist der Tag schon wieder so weit vorgerückt, ehe ich zu schreiben beginne. Daß mich die in dem Briefe enthaltenen guten Nachrichten recht angenehm überraschten, darfst du glauben, auch Großmutter freut sich mit mir, daß unsere Finanzen sich so günstig gestalten. Sie läßt dich bestens grüßen und dir gratulieren. Ich mache auch schon Pläne wie hübsch sich unsere Wirthschaft mit dem von dir großmütig ver-größerten mehrten Monat[s]geld wird einrichten laßen. Daß die Sendung glücklich an Ort und Stelle ist, bin ich auch froh. In wenigen Tag wird uns nun so Gott will, ein recht frohes Beisammensein erfreuen, wie ungeduldig werde ich am Freitag die Ankunft in Wien erwarten und den Augenblick, wo wir dich am Bahnhof erblicken werden. Über die Dauer unseres Aufenthaltes in Wien läßt sich nichts bestimmen Das hängt davon ab, wie es mit den Einkäufen geht, doch habe ich es immer [für] selbstverständlich gehalten, daß wir über den 9.März unten bleiben, und Großmutter widerspricht nicht. - - Ich werde nicht ermangeln die von dir genannten Papiere mitzunehmen, und werde deinem Rath gemäß auch wo[h]lgestiefelt sein. Daß ich den Regen momentan nicht vergeße, dafür sorgt das liebliche Wetter, welches wir hier haben. Es wird mir doch ganz eigen zu Mute sein, wenn ich zuerst mit dir unsere Wohnung betrete. Gebe der liebe Gott, daß wir dieselbe gesund und zufrieden bewohnen können! Wenn ich sehe, wie nahe Glück und Leid sich berühren, und wie leicht ein noch so sicher gehofftes Ziel sich wieder verschieben kann, wage ich es wirklich nicht, mich recht auf unsere Zukunft zu freuen. Wer bürgt uns dafür, daß Alles ohne Zwischenfall zurecht kommt? Gott allein kann uns führen, und um seinen Segen und Schutz bitte ich täglich. Zudem fürchte ich mich noch so sehr vor der le[t]zten Zeit hier, und vor dem Abschiednehmen von allen Bekannten, und kann das Fieber noch immer nicht recht überwinden, wenn ich an den 8.April [Hochzeitstermin] denke! Großmutter nimmt sich auch den Abschied schon zu Herzen, einestheils erfreut sie sich an den Gedanken, uns Beide recht zufrieden und vergnügt zu sehen, aber daß sie dann gar so allein sein wird, fällt ihr recht schwer. Wenn ich wüßte daß sie Jemand Paßenden bei sich hätte, wäre mir auch eine große Sorge vom Herzen. Mein allernächster Wunsch ist, daß es am Freitag nicht gar so garstig stürme wie eben heute. Wir gehen gar nicht mit dem Leichenbegängniß des armen Stiebitz, weil es so heillos stürmt. Die wenigen Tage bis zu unserer Abfahrt haben wir noch Einiges zu ordnen. Als Reiselektüre werde ich den Trompeter mitnehmen, ich kam noch nicht dazu mehr als die Vorrede und einzelne Stellen davon zu lesen. Morgen hoffe ich wieder von dir zu hören, und werde wenn auch nur noch kurz, antworten. Dann soll uns ein langes gemütliches Aussprechen für etwaige Versäumnisse beim Schreiben entschädigen. Ein baldiges frohes Wiedersehen hoffend, grüßt dich herzlich deine Fanni. – Nun müßen wir aber auch den Plan für die Hochzeitsreise endlich festsetzen! – Richard ist zwar besser, doch liegt er noch immer. - „Trompeter“: Victor von Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säckingen“, 1854.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVI erh 28/2 beantw 28/2; anderes Briefpapier ohne Zeichen, sonst mit englischem Prägestempel; dem Brief beiliegend Blumen]: Salzburg 27.Februar 1872 1/2 10 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! So gerne hätte ich dir gestern schon geschrieben und für deinen so lieben Brief gedankt, doch konnte ich nicht dazu kommen und auch heute ist der Tag schon wieder so weit vorgerückt, ehe ich zu schreiben beginne. Daß mich die in dem Briefe enthaltenen guten Nachrichten recht angenehm überraschten, darfst du glauben, auch Großmutter freut sich mit mir, daß unsere Finanzen sich so günstig gestalten. Sie läßt dich bestens grüßen und dir gratulieren. Ich mache auch schon Pläne wie hübsch sich unsere Wirthschaft mit dem von dir großmütig ver-größerten mehrten Monat[s]geld wird einrichten laßen. Daß die Sendung glücklich an Ort und Stelle ist, bin ich auch froh. In wenigen Tag wird uns nun so Gott will, ein recht frohes Beisammensein erfreuen, wie ungeduldig werde ich am Freitag die Ankunft in Wien erwarten und den Augenblick, wo wir dich am Bahnhof erblicken werden. Über die Dauer unseres Aufenthaltes in Wien läßt sich nichts bestimmen Das hängt davon ab, wie es mit den Einkäufen geht, doch habe ich es immer [für] selbstverständlich gehalten, daß wir über den 9.März unten bleiben, und Großmutter widerspricht nicht. - - Ich werde nicht ermangeln die von dir genannten Papiere mitzunehmen, und werde deinem Rath gemäß auch wo[h]lgestiefelt sein. Daß ich den Regen momentan nicht vergeße, dafür sorgt das liebliche Wetter, welches wir hier haben. Es wird mir doch ganz eigen zu Mute sein, wenn ich zuerst mit dir unsere Wohnung betrete. Gebe der liebe Gott, daß wir dieselbe gesund und zufrieden bewohnen können! Wenn ich sehe, wie nahe Glück und Leid sich berühren, und wie leicht ein noch so sicher gehofftes Ziel sich wieder verschieben kann, wage ich es wirklich nicht, mich recht auf unsere Zukunft zu freuen. Wer bürgt uns dafür, daß Alles ohne Zwischenfall zurecht kommt? Gott allein kann uns führen, und um seinen Segen und Schutz bitte ich täglich. Zudem fürchte ich mich noch so sehr vor der le[t]zten Zeit hier, und vor dem Abschiednehmen von allen Bekannten, und kann das Fieber noch immer nicht recht überwinden, wenn ich an den 8.April [Hochzeitstermin] denke! Großmutter nimmt sich auch den Abschied schon zu Herzen, einestheils erfreut sie sich an den Gedanken, uns Beide recht zufrieden und vergnügt zu sehen, aber daß sie dann gar so allein sein wird, fällt ihr recht schwer. Wenn ich wüßte daß sie Jemand Paßenden bei sich hätte, wäre mir auch eine große Sorge vom Herzen. Mein allernächster Wunsch ist, daß es am Freitag nicht gar so garstig stürme wie eben heute. Wir gehen gar nicht mit dem Leichenbegängniß des armen Stiebitz, weil es so heillos stürmt. Die wenigen Tage bis zu unserer Abfahrt haben wir noch Einiges zu ordnen. Als Reiselektüre werde ich den Trompeter mitnehmen, ich kam noch nicht dazu mehr als die Vorrede und einzelne Stellen davon zu lesen. Morgen hoffe ich wieder von dir zu hören, und werde wenn auch nur noch kurz, antworten. Dann soll uns ein langes gemütliches Aussprechen für etwaige Versäumnisse beim Schreiben entschädigen. Ein baldiges frohes Wiedersehen hoffend, grüßt dich herzlich deine Fanni. – Nun müßen wir aber auch den Plan für die Hochzeitsreise endlich festsetzen! – Richard ist zwar besser, doch liegt er noch immer. - „Trompeter“: Victor von Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säckingen“, 1854.
    
====  Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
====  Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVII erh 1/3]: Salzburg am 29.Febr:1872 [Bleistift:] Den Brief habe ich erhalten und danke bestenst, weitere Antwort mündlich. Wir haben noch nicht eingepackt, daher noch viel zu thun. Morgen Abfahrt um 7 Uhr früh. Auf fröhlich[es] Wiedersehn herzlichst Grüße d. F S.
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Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVII erh 1/3]: Salzburg am 29.Febr:1872 [Bleistift:] Den Brief habe ich erhalten und danke bestenst, weitere Antwort mündlich. Wir haben noch nicht eingepackt, daher noch viel zu thun. Morgen Abfahrt um 7 Uhr früh. Auf fröhlich[es] Wiedersehn herzlichst Grüße d. F S.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
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7.3.1872, Brief ohne Umschlag aus Salzburg von Antonia Spängler (Nr.37; 1803-1882 an die Schwiegertochter FANNI Schlegel, verh. SPÄNGLER, mit Zusatz vom Schwager Otto Spängler: Meine innigst geliebte Fani! Meine Gedanken sind oft, sehr oft bey Euch; vertheilt, bald in Mödling [zu Hause], bald in Wien [Arbeitsstelle von Franz] – ich male es mir oft so auß – wo Ihr sein könnt – und was Ihr vieleicht thut – die Selligkeit im Gesicht, - und im Herzen. Die herliche Witterung trägt noch viel mehr bey, Euch meine lieben den Aufenthalt noch angenemer zu machen. Der Zweck meines Schreibens ist, Euch meine lieben beyden Fani alles gute zu diesem Feste zu wünschen, der liebe gott wolle beyden nach Verhältniß das geben, was jede an Leib und Seele beglüken kann. Dir liebe Fany wünsche ich von ganzen Herzen, daß deine neue Laufbahn, welche du nun bald betritst eine recht glückliche werde, - daß du in meinem Franz findest, was dein Lebensglück erhöht, und dir die Welt zu einem Baradis verwandeln. Der lieben guten Großmutter [Fanny Kobler], wünsche ich vor allem, daß der liebe Gott ihr die Ruhe des Gemüthes schenke daß sie die Trennung von dir, mit möglichsten XXXßung ertrage – dan bin ich zufrieden. Liebe Fany behalte mich immer ein wenig lieb. Ich habe diese Woche immer mit Raßhna [Rosshaar] zupfen zu thun, hoffe heute oder doch morgen fertig zu werden, dan laße ich sie hin, hell [?] füllen, und dan geht es über die Polster und Duchend, einen großen Theil der Wäsche habe ich auch schon weg gegeben, so hoffe ich das dann alles in Ordnung kömt, ein Stück Band denke ich wirst du für Franz schon gekauft haben zun Wasch zusammen zu binden nicht breit, was er für eine Farbe wünscht. Ein Lagebinder hoffe ich wird dir Franz in meinen Nahmen übergeben wenigstens habe ich ihn gebethen etwas zu kauffen, kann er nicht dazu, so werde ich schon hier etwas finden, was dir Freude macht. Die Zeit wird die gewiß viel zu schnell vergehen heute schon den 7t Tag seit Ihr fort gereißt. Die Geschichte von Spindlen das er sich den Hals abschneiden wollte und in den Armmen die Adern öffnen werdet Ihr gewiß schon gehört haben. – Und vom Wall das er geklagt wurde wegen Müßhandlung eines sehr braven Jungen welcher einen kleinen Scherz machte – es ist in mehreren Blättern zu lesen. Die Zeller hat nun wohl viel zu übertragen. Grüße mir den Franz recht herzlich, so auch die gute Großmutter. Leben recht wohl meine liebe Fany noch einmal dir alles gute wünschend bleibe ich deine dich herzlich liebende Mutter Antonia Spängler. – Dem Fräulein Lorinzer alles herzliche. - „Lorinzer“: Minna Lorinser, Schulfreundin, Vater ist Arzt, später betreut er die Spänglerkinder (Franzi). - Liebe Fanni! Im eigenen u. im Namen meiner Louise füge ich den Zeilen der Mutter mit unseren herzlichsten Grüßen die besten Wünsache zu deinem u. der verehrten Großmutter Namenstage bei. Auch meinen lieben Bruder Franz, dessen Glück u Freude ich mit brüderlicher Innigkeit mitempfinde, bitte ich mir herzlichst zu grüßen u. zu küssen; er wird nichts dagegen haben, wenn du es per procura thust. Adieu liebe Fanni dein aufrichtiger Schwager Otto
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7.3.1872, Brief ohne Umschlag aus Salzburg von Antonia Spängler (Nr.37; * 1803; † 1882 an die Schwiegertochter Fanni Schlegel, verh. SPÄNGLER, mit Zusatz vom Schwager Otto Spängler: Meine innigst geliebte Fani! Meine Gedanken sind oft, sehr oft bey Euch; vertheilt, bald in Mödling [zu Hause], bald in Wien [Arbeitsstelle von Franz] – ich male es mir oft so auß – wo Ihr sein könnt – und was Ihr vieleicht thut – die Selligkeit im Gesicht, - und im Herzen. Die herliche Witterung trägt noch viel mehr bey, Euch meine lieben den Aufenthalt noch angenemer zu machen. Der Zweck meines Schreibens ist, Euch meine lieben beyden Fani alles gute zu diesem Feste zu wünschen, der liebe gott wolle beyden nach Verhältniß das geben, was jede an Leib und Seele beglüken kann. Dir liebe Fany wünsche ich von ganzen Herzen, daß deine neue Laufbahn, welche du nun bald betritst eine recht glückliche werde, - daß du in meinem Franz findest, was dein Lebensglück erhöht, und dir die Welt zu einem Baradis verwandeln. Der lieben guten Großmutter [Fanny Kobler], wünsche ich vor allem, daß der liebe Gott ihr die Ruhe des Gemüthes schenke daß sie die Trennung von dir, mit möglichsten XXXßung ertrage – dan bin ich zufrieden. Liebe Fany behalte mich immer ein wenig lieb. Ich habe diese Woche immer mit Raßhna [Rosshaar] zupfen zu thun, hoffe heute oder doch morgen fertig zu werden, dan laße ich sie hin, hell [?] füllen, und dan geht es über die Polster und Duchend, einen großen Theil der Wäsche habe ich auch schon weg gegeben, so hoffe ich das dann alles in Ordnung kömt, ein Stück Band denke ich wirst du für Franz schon gekauft haben zun Wasch zusammen zu binden nicht breit, was er für eine Farbe wünscht. Ein Lagebinder hoffe ich wird dir Franz in meinen Nahmen übergeben wenigstens habe ich ihn gebethen etwas zu kauffen, kann er nicht dazu, so werde ich schon hier etwas finden, was dir Freude macht. Die Zeit wird die gewiß viel zu schnell vergehen heute schon den 7t Tag seit Ihr fort gereißt. Die Geschichte von Spindlen das er sich den Hals abschneiden wollte und in den Armmen die Adern öffnen werdet Ihr gewiß schon gehört haben. – Und vom Wall das er geklagt wurde wegen Müßhandlung eines sehr braven Jungen welcher einen kleinen Scherz machte – es ist in mehreren Blättern zu lesen. Die Zeller hat nun wohl viel zu übertragen. Grüße mir den Franz recht herzlich, so auch die gute Großmutter. Leben recht wohl meine liebe Fany noch einmal dir alles gute wünschend bleibe ich deine dich herzlich liebende Mutter Antonia Spängler. – Dem Fräulein Lorinzer alles herzliche. - „Lorinzer“: Minna Lorinser, Schulfreundin, Vater ist Arzt, später betreut er die Spänglerkinder (Franzi). - Liebe Fanni! Im eigenen u. im Namen meiner Louise füge ich den Zeilen der Mutter mit unseren herzlichsten Grüßen die besten Wünsache zu deinem u. der verehrten Großmutter Namenstage bei. Auch meinen lieben Bruder Franz, dessen Glück u Freude ich mit brüderlicher Innigkeit mitempfinde, bitte ich mir herzlichst zu grüßen u. zu küssen; er wird nichts dagegen haben, wenn du es per procura thust. Adieu liebe Fanni dein aufrichtiger Schwager Otto
    
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Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVIII erh 11/3 beantw 11/3]: Enns am 10.März 1872 [abgestempelt „Linz Bahnhof“; Bleistift, sehr undeutlich:] Wir sind XXX XXX XXX
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Correspondenz-Karte von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVIII erh 11/3 beantw 11/3]: Enns am 10.März 1872 [abgestempelt „Linz Bahnhof“; Bleistift, sehr undeutlich:] Wir sind XXX XXX XXX
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXIX erh 12/3 Corresp K 14/3 beantw 15/3; Daten verbessert]: Salzburg 12.März 1872. 1/4 nach 6 Uhr Ab[en]d[s]. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Zeilen sammt Einschluß u. die beiden Postkarten. Umsonst hoffte ich den ganzen heutigen Tag auf eine freie Stunde um dir zu schreiben, erst je[t]zt bleibt mir eine halbe Stunde, wo ich auch den Brief schließen will, damit derselbe um 7 Uhr noch abgeht. – Wir kamen also glücklich an, die Zeit während der Heimfahrt vertrieb ich mir meist mit Lesen in deinem so wunderhübschen Buche, welches mich ganz besonders freut. Oft noch beschäftigten sich meine Gedanken mit dir, du Lieber, mit unserer neuen Heimat und mit den so kurzen schönen Stunden, die wir wieder mitsammen zugebracht hatten. – Nach Salzburg gekommen, was mein Erstes zu Lida zu gehen, um Näheres über die Hochzeit zu hören. Dann, denkst du wo[h]l, bin ich hübsch nach Hause gegangen und habe frühzeitig die Ruhe gesucht. Weit gefehlt, ehe ich nach Hause kam war Ludwig schon bei uns um mich abzuholen, und ich mußte im Reisekleid wie ich war in Ludwigs Wohnung kommen und Emma’s Polterabend feiern helfen. – Deine leichtsinnige Braut kam erst gegen Mitternacht heim, es war ganz gemütlich gewesen. Beim Champagner wur[de] unter Anderen auch [auf] dein u. mein Wo[h]l getrunken. Nur einen Moment wollte uns der Ernst übermannen, das war wie die arme Rosa Emma und mir wünschte es möge uns mehr Glück beschieden sein als ihr. Ich konnte einen Augenblick nicht den Thränen wehren. Die Hochzeit am andern Tag ging Gott sei Dank glücklich vorüber. Als Emma und Albert am Altar standen waren meine Gedanken wo[h]l auf ein nahes uns betreffendes Fest gerichtet, und ich betete für uns Alle. – Das Hochzeitsmahl war über Erwartung heiter. Wir waren Alle so lustig, und als der Champagner perlte kam es sogar zu verschiedenem Bruderschaft trinken. Auf Emmas Wunsch tranken sagen Lida und ich zu Albert du. Lida trank dann mit deinem Bruder auf du u. der und ich, denke dir, mit Ludwig doch nun ist es höchste Zeit daß ich schließe, so bald als möglich mehr. Behüt‘ dich Gott. Deine Fanni. – Großmutter grüßt
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXIX erh 12/3 Corresp K 14/3 beantw 15/3; Daten verbessert]: Salzburg 12.März 1872. 1/4 nach 6 Uhr Ab[en]d[s]. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Zeilen sammt Einschluß u. die beiden Postkarten. Umsonst hoffte ich den ganzen heutigen Tag auf eine freie Stunde um dir zu schreiben, erst je[t]zt bleibt mir eine halbe Stunde, wo ich auch den Brief schließen will, damit derselbe um 7 Uhr noch abgeht. – Wir kamen also glücklich an, die Zeit während der Heimfahrt vertrieb ich mir meist mit Lesen in deinem so wunderhübschen Buche, welches mich ganz besonders freut. Oft noch beschäftigten sich meine Gedanken mit dir, du Lieber, mit unserer neuen Heimat und mit den so kurzen schönen Stunden, die wir wieder mitsammen zugebracht hatten. – Nach Salzburg gekommen, was mein Erstes zu Lida zu gehen, um Näheres über die Hochzeit zu hören. Dann, denkst du wo[h]l, bin ich hübsch nach Hause gegangen und habe frühzeitig die Ruhe gesucht. Weit gefehlt, ehe ich nach Hause kam war Ludwig schon bei uns um mich abzuholen, und ich mußte im Reisekleid wie ich war in Ludwigs Wohnung kommen und Emma’s Polterabend feiern helfen. – Deine leichtsinnige Braut kam erst gegen Mitternacht heim, es war ganz gemütlich gewesen. Beim Champagner wur[de] unter Anderen auch [auf] dein u. mein Wo[h]l getrunken. Nur einen Moment wollte uns der Ernst übermannen, das war wie die arme Rosa Emma und mir wünschte es möge uns mehr Glück beschieden sein als ihr. Ich konnte einen Augenblick nicht den Thränen wehren. Die Hochzeit am andern Tag ging Gott sei Dank glücklich vorüber. Als Emma und Albert am Altar standen waren meine Gedanken wo[h]l auf ein nahes uns betreffendes Fest gerichtet, und ich betete für uns Alle. – Das Hochzeitsmahl war über Erwartung heiter. Wir waren Alle so lustig, und als der Champagner perlte kam es sogar zu verschiedenem Bruderschaft trinken. Auf Emmas Wunsch tranken sagen Lida und ich zu Albert du. Lida trank dann mit deinem Bruder auf du u. der und ich, denke dir, mit Ludwig doch nun ist es höchste Zeit daß ich schließe, so bald als möglich mehr. Behüt‘ dich Gott. Deine Fanni. – Großmutter grüßt
    
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Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXX erh. 18/3 beantw 19/3; großes [Efeu-]Blatt beliegend; siehe unten]: Salzburg 16.März 1872. – Mein lieber Franz! Ich hatte mich schon sehr auf deine lieben Zeilen gefreut und ich danke dir herzlichst dafür ferner auch für das Veilchen, welches sogar noch ein wenig duftet. Ich sehe mit großer Freude, daß du meiner dich oft erinnerst, und kann dir nur sagen, daß meine Gedanken oft und oft bei dir weilen. Meine ganze je jezrge jetzige [sie schreibt, wie damals üblich, „jezt“, zögert aber offenbar bei dieser Schreibung] Thätigkeit weist mich immer auf das nun schon so nahe Ziel hin, auf unser, so gebe Gott, glückliches Beisammensein! Wo wir etwa über 4 Wochen sein werden? Seit Mittwoch ist meine Ausstattung sowie sämmtliche Hochzeit[s]geschenke aufgestellt, und unsere Bekannten machen sich die Unterhaltung die Sachen anzusehen. Die vielen neuen und hübschen Dinge sehe ich selbst gern an und ich denke dabei immer wie alles so schön in unserer gemeinschaftlichen Wohnung sein wird. Ich freue mich schon, wenn ich Alles dort ordnen werde. Ich hoffe, es soll uns Beiden recht wo[h]l und behaglich werden in unserer lieben neuen Heimat. Hier komme ich mir schon beinahe wie ein Fremdling vor, so sehr richten sich immer meine Gedanken auf das mit dem Tage unserer Vermä[h]lung beginnende neue Leben. Aus deinen Zeilen glaube ich zu sehen, daß du auch nicht mehr frei von Fieberanfällen bist, aber den dich überkommenden zu ernsten Stimmungen mußt du nicht zu sehr nachgeben. Es würde mich recht betrüben, wenn ich denken müßte, du seiest verstimmt, viel lieber höre ich, daß du dich erheiterst wie neulich, wo du mit Albert und Emma beisammen warst. Daß ich dir keine weitern Details erzählte von Emmas Hochzeit erklärt sich sehr einfach durch die Kürze der Zeit, die ich für den Brief verwenden konnte. Ich gebe hie[r]mit freilich die Erlaubniß zur allfälligen Revanche. Wenn ich etwas mehr Gewohnheit im Küßen erlangt habe, mußt du dir schon selbst die Schuld daran beimeßen, das ist einfach Erziehungsresultat. – Also Willi Gattermayer wird nicht mein Brautführer sein, da er je[t]zt schon hier ist, und gestern seine Prüfungen vollendete, kann er nicht wieder [aus Wien] heraus kommen. Weißt du, daß ich statt desssen denke, ob ich nicht doch Ludwig ersuchen soll, mein Brautführer zu werden, da er bei Emmas Hochzeit so lustig war, wäre es ihm vielleicht nicht zuwider. Auch Lida meint, daß er gern bei unserer Hochzeit wäre. Was meinst du? Ich denke wir würden erst wenn du hier bist mit Ludwig darüber sprechen. Als ich Samstags ankam, fand ich zu meiner großen Freude einen Brief von meiner so sehr verehrten Frau v. Daume [?]. Tags darauf bekam ich einen von den Schreibers aus Stuttgart. Ich werde jedenfalls, ehe ich Salzburg verlaße, diese Briefe beantworten. – An Hochzeit[s]geschenken erhielt ich noch Folgendes: Von Anna Zillner und deren Mutter ein sehr hübsches Theegeschirr für 2 Personen, samt Theeserviet[t]en, von Betti Katzinger die versprochene Couvertdecke und heute zwei Bettvorlagen von Herrn Bürgermeister Spängler. Ich wollte, ich ko[ö]nnte dir je[t]zt schon Alles zeigen, es sieht so nett aus, wie Alles so beisammen ist. Weißt du, was noch abgeht? Fensterpolster. Ich weiß nicht ob ich welche bekomme, aber du könntest mal so gut sein, mir nächstens anzugeben wie breit und lang ein Fensterpolster sein müßte, vielleicht läßt sich etwas machen, da nächste Woche die Garnitur überzogen wird. Wir wählten bei Spängler einen grünen gemusterten Wollstoff aus, von dem ich hoffe, daß er dir gefallen wird. – Doch nun für heute gute Nacht, morgen füge ich hoffentlich noch etwas bei. Sind auch die Glassachen schon gekommen? – Sonntag 17.März, 9 Uhr – Guten Morgen, mein Lieber, wie hast du geschlafen? Ich hoffe, du bist nicht verstimmt, sondern denkst vergnüglich wie ich, daran, daß nur noch zwei kurze Wochen zwischen heute und dem Tage unserer Wiedervereinigung liegen. Je[t]zt ist es gerade eine Woche, daß du mich zum le[t]zten Male beim Abschied umarmtest. Es war doch recht lieb, daß du uns noch eine Strecke begleitetest, ich freute mich auch sehr darüber. Die Heimfahrt kam mir viel kürzer vor, als die Reise von hier nach Wien, wo ich zum Schluße schon so ungeduldig war, dich endlich zu sehen. – Alle wundern sich, daß Großmutter und ich so gut aussehen seit der Wiener Reise. Ich bin schon recht froh, daß Großmutter sich nicht überanstrengt so zu sehr ermüdete. Sie ist im Ganzen ziemlich heiter, nur zuweilen betrübt sie der nun schon so nahe Abschied. Ich glaube, es wird recht gut für sie sein, daß sie nach unserer Hochzeit nach Mödling reist, um meine Wirthschaft einzurichten. Die Aussicht, daß wir uns bald wieder sehen werden, wird ihr und mir das Scheiden erleichtern. An dem Spitzentuch von uns hat sie wirklich eine rechte Freude, sie zeigt es mit einigem Stolz als „Namenstaggeschenk von dem Brautpaare“. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich dir blos 8 fl: [Gulden] bezahlte, also noch 25 Kr.[euzer] schuldig bin. Ich schließe zur Deckung meiner großen Schuld 5 Briefmarken bei. – Am Freitag kam dieselbe Näherin zu mir, welche Emmas Kleider verfertigte, und nun geht es tüchtig an die Arbeit. So viel ich kann helfe ich mit der Maschine und auch so, ich hoffe, daß Alles recht hübsch wird. Ich lernte neulich eine Braut kennen, die auch am 8.April ihre Hochzeit haben wird, und die mit ihrem Mann ebenfalls eine Reise nach Italien machen will. – Man fragte mich schon mehrmals, ob doch die Rundreisekarten schon im April gelten, sei doch so gut und erkundige dich darum. Ich bin je[t]zt mit einer Reise nach Italien recht einverstanden, es muß wunderschön sein so alles in voller Blüthe zu sehen. Hier ist es wirklich viel rauher als in Wien, am Mittwoch brachten wir den Abend bei Zillner zu, da schneite es sehr stark, gestern war es wieder schön, aber heute haben wir ein Wetter wie am 2.März. Ich lege dir ein Epheublatt aus dem Bouquet bei welche[s] ich bei Emmas Hochzeit hatte. Ich gehe je[t]zt so wenig als möglich aus, weil ich so viel zu thun habe. Großmutter will nächstens schon mit dem Einpacken beginnen. Weißt du nicht wann Minna von Pesth [Budapest] kommt? Ich freue mich schon sehr, recht bald und viel von dir zu hören, drum schreibe bald deiner treuen Fanni. – Viele Grüße v. Großmutter. Was giebt es Neues in Mödling? - „Bürgermeister Spängler“ und Wollstoff bei „Spängler“: Alois Spängler (1800-1875) war Kaufmann und 1854-1861 Bürgermeister von Salzburg. – Die Salzburger #Spängler-Bank, „Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828“, entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. Carl I.Spängler (1825-1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am Mozartplatz 4).
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXX erh. 18/3 beantw 19/3; großes [Efeu-]Blatt beliegend; siehe unten]: Salzburg 16.März 1872. – Mein lieber Franz! Ich hatte mich schon sehr auf deine lieben Zeilen gefreut und ich danke dir herzlichst dafür ferner auch für das Veilchen, welches sogar noch ein wenig duftet. Ich sehe mit großer Freude, daß du meiner dich oft erinnerst, und kann dir nur sagen, daß meine Gedanken oft und oft bei dir weilen. Meine ganze je jezrge jetzige [sie schreibt, wie damals üblich, „jezt“, zögert aber offenbar bei dieser Schreibung] Thätigkeit weist mich immer auf das nun schon so nahe Ziel hin, auf unser, so gebe Gott, glückliches Beisammensein! Wo wir etwa über 4 Wochen sein werden? Seit Mittwoch ist meine Ausstattung sowie sämmtliche Hochzeit[s]geschenke aufgestellt, und unsere Bekannten machen sich die Unterhaltung die Sachen anzusehen. Die vielen neuen und hübschen Dinge sehe ich selbst gern an und ich denke dabei immer wie alles so schön in unserer gemeinschaftlichen Wohnung sein wird. Ich freue mich schon, wenn ich Alles dort ordnen werde. Ich hoffe, es soll uns Beiden recht wo[h]l und behaglich werden in unserer lieben neuen Heimat. Hier komme ich mir schon beinahe wie ein Fremdling vor, so sehr richten sich immer meine Gedanken auf das mit dem Tage unserer Vermä[h]lung beginnende neue Leben. Aus deinen Zeilen glaube ich zu sehen, daß du auch nicht mehr frei von Fieberanfällen bist, aber den dich überkommenden zu ernsten Stimmungen mußt du nicht zu sehr nachgeben. Es würde mich recht betrüben, wenn ich denken müßte, du seiest verstimmt, viel lieber höre ich, daß du dich erheiterst wie neulich, wo du mit Albert und Emma beisammen warst. Daß ich dir keine weitern Details erzählte von Emmas Hochzeit erklärt sich sehr einfach durch die Kürze der Zeit, die ich für den Brief verwenden konnte. Ich gebe hie[r]mit freilich die Erlaubniß zur allfälligen Revanche. Wenn ich etwas mehr Gewohnheit im Küßen erlangt habe, mußt du dir schon selbst die Schuld daran beimeßen, das ist einfach Erziehungsresultat. – Also Willi Gattermayer wird nicht mein Brautführer sein, da er je[t]zt schon hier ist, und gestern seine Prüfungen vollendete, kann er nicht wieder [aus Wien] heraus kommen. Weißt du, daß ich statt desssen denke, ob ich nicht doch Ludwig ersuchen soll, mein Brautführer zu werden, da er bei Emmas Hochzeit so lustig war, wäre es ihm vielleicht nicht zuwider. Auch Lida meint, daß er gern bei unserer Hochzeit wäre. Was meinst du? Ich denke wir würden erst wenn du hier bist mit Ludwig darüber sprechen. Als ich Samstags ankam, fand ich zu meiner großen Freude einen Brief von meiner so sehr verehrten Frau v. Daume [?]. Tags darauf bekam ich einen von den Schreibers aus Stuttgart. Ich werde jedenfalls, ehe ich Salzburg verlaße, diese Briefe beantworten. – An Hochzeit[s]geschenken erhielt ich noch Folgendes: Von Anna Zillner und deren Mutter ein sehr hübsches Theegeschirr für 2 Personen, samt Theeserviet[t]en, von Betti Katzinger die versprochene Couvertdecke und heute zwei Bettvorlagen von Herrn Bürgermeister Spängler. Ich wollte, ich ko[ö]nnte dir je[t]zt schon Alles zeigen, es sieht so nett aus, wie Alles so beisammen ist. Weißt du, was noch abgeht? Fensterpolster. Ich weiß nicht ob ich welche bekomme, aber du könntest mal so gut sein, mir nächstens anzugeben wie breit und lang ein Fensterpolster sein müßte, vielleicht läßt sich etwas machen, da nächste Woche die Garnitur überzogen wird. Wir wählten bei Spängler einen grünen gemusterten Wollstoff aus, von dem ich hoffe, daß er dir gefallen wird. – Doch nun für heute gute Nacht, morgen füge ich hoffentlich noch etwas bei. Sind auch die Glassachen schon gekommen? – Sonntag 17.März, 9 Uhr – Guten Morgen, mein Lieber, wie hast du geschlafen? Ich hoffe, du bist nicht verstimmt, sondern denkst vergnüglich wie ich, daran, daß nur noch zwei kurze Wochen zwischen heute und dem Tage unserer Wiedervereinigung liegen. Je[t]zt ist es gerade eine Woche, daß du mich zum le[t]zten Male beim Abschied umarmtest. Es war doch recht lieb, daß du uns noch eine Strecke begleitetest, ich freute mich auch sehr darüber. Die Heimfahrt kam mir viel kürzer vor, als die Reise von hier nach Wien, wo ich zum Schluße schon so ungeduldig war, dich endlich zu sehen. – Alle wundern sich, daß Großmutter und ich so gut aussehen seit der Wiener Reise. Ich bin schon recht froh, daß Großmutter sich nicht überanstrengt so zu sehr ermüdete. Sie ist im Ganzen ziemlich heiter, nur zuweilen betrübt sie der nun schon so nahe Abschied. Ich glaube, es wird recht gut für sie sein, daß sie nach unserer Hochzeit nach Mödling reist, um meine Wirthschaft einzurichten. Die Aussicht, daß wir uns bald wieder sehen werden, wird ihr und mir das Scheiden erleichtern. An dem Spitzentuch von uns hat sie wirklich eine rechte Freude, sie zeigt es mit einigem Stolz als „Namenstaggeschenk von dem Brautpaare“. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich dir blos 8 fl: [Gulden] bezahlte, also noch 25 Kr.[euzer] schuldig bin. Ich schließe zur Deckung meiner großen Schuld 5 Briefmarken bei. – Am Freitag kam dieselbe Näherin zu mir, welche Emmas Kleider verfertigte, und nun geht es tüchtig an die Arbeit. So viel ich kann helfe ich mit der Maschine und auch so, ich hoffe, daß Alles recht hübsch wird. Ich lernte neulich eine Braut kennen, die auch am 8.April ihre Hochzeit haben wird, und die mit ihrem Mann ebenfalls eine Reise nach Italien machen will. – Man fragte mich schon mehrmals, ob doch die Rundreisekarten schon im April gelten, sei doch so gut und erkundige dich darum. Ich bin je[t]zt mit einer Reise nach Italien recht einverstanden, es muß wunderschön sein so alles in voller Blüthe zu sehen. Hier ist es wirklich viel rauher als in Wien, am Mittwoch brachten wir den Abend bei Zillner zu, da schneite es sehr stark, gestern war es wieder schön, aber heute haben wir ein Wetter wie am 2.März. Ich lege dir ein Epheublatt aus dem Bouquet bei welche[s] ich bei Emmas Hochzeit hatte. Ich gehe je[t]zt so wenig als möglich aus, weil ich so viel zu thun habe. Großmutter will nächstens schon mit dem Einpacken beginnen. Weißt du nicht wann Minna von Pesth [Budapest] kommt? Ich freue mich schon sehr, recht bald und viel von dir zu hören, drum schreibe bald deiner treuen Fanni. – Viele Grüße v. Großmutter. Was giebt es Neues in Mödling? - „Bürgermeister Spängler“ und Wollstoff bei „Spängler“: Alois Spängler (1800-1875) war Kaufmann und 1854-1861 Bürgermeister von Salzburg. – Die Salzburger #Spängler-Bank, „Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828“, entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. Carl I.Spängler (1825-1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am Mozartplatz 4).
    
==== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz Spängler ====
[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler]: Salzburg 16.3.72: Mein liebster theuerster Franz. Es ist halt heute schon Sonntag und ich komme erst dazu dir zu schreiben. die großmutter und Fany [Fanni] erzählten mir viel wie viel du bey ihnen warst, und wie Ihr mitsammen herum gegangen seit, die großmutter hat der Fany [Fanni] würklich sehr viel gekauft, und hat vorgestern wider 50 fl [Gulden] außgegeben für sie. Ich bin nun gottlob mit allen fertig bis auf 6 Hemmten welche noch nicht vom machen gekommen sind. Das Bett ist hübsch und ordentlich, ich mußte freulich 6 [Pfund] Borten kauffen wie eben auch beim Otto, doch geschehen mußte. Zuerst sagte die großmutter ich soll alles hinauf schücken zum einpacken und gestern sagte sie ich sollte eine eigene Kiste nehmen und bey uns packen. Bis wan soll ich dan alles packen, und soll ich die Juri[s]tischen Bücher welche im Bücherkasten in der Lade sind mitpacken? Die Küste werde ich halt kauffen müßen, weil diese, welche ich habe, viel zu klein ist. Müßen die Sachen von der Kathi auch gleich mitgeschückt werden? Du hast mir noch nicht meine 2 Fragen beantwortet wo ich dich gebethen habe, ich bitte dich darum bald. Die Leuchten scheint es, haben die Fany sehr gefreut, ich bitte dich schreibe mir bald, was sie kosten, damit ich selbe dir bezahlen kann, ich bin immer froh, wen ich mit allen gleich in Ordnung komme. Wie wird es den mit den Verkünden sein, das Ihr ja nichts versäummt. Die Brautringe wird wohl die Fany besorgen, die Louise sagt, die Brautringe sind die Sache der Braut. Ich bin würklich froh, wen alles vorüber ist, auch für die Fany. Ob die großmutter Euch etwas zur Reise giebt, möchte ich recht sehr zweifeln. Ich würde die Hochzeitsreise darauf einrichten. Ihr könnt ja nach Brunecken gehen und vielleicht nach Riva damit ihr doch bei Verwandten sein könnt und die Tage der Reise ausgefühlt werden. Alle Verwandten wird es freuen Euch zu sehen. Lieber Franz schnell wird die Zeit vergehen nur noch 14 Tage und du darfst dich nicht mehr von der Fany trennen. Die Schuhmacherischen wirst du gewiß auch in Wien oder vielleicht haben sie dich gar in Mödling besucht. Heute ist Sattler Fina angekommen um sich vielleicht ein XXX ihr zu XXX, leider ist die Toda dermalen ziemmlich unwohl, das heißt eigentlich sehr schwach. Die Trennung von der Sattler fählt allen sehr schwer. Der Alois Spängler hat Euch sehr hübsche Vorlagen zu deinen Betten gekauft, und wird sie diese Woche nach schücken wegen XXX. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich bethe schon oft und fleißig für dich es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler – Otto Louise und die Kinder Leopoldine alle grüßen dich herzlich. Das Tuch ist schon schön welches Ihr der Großmutter gekauft habt.
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[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]: Salzburg 16.3.72: Mein liebster theuerster Franz. Es ist halt heute schon Sonntag und ich komme erst dazu dir zu schreiben. die großmutter und Fany [Fanni] erzählten mir viel wie viel du bey ihnen warst, und wie Ihr mitsammen herum gegangen seit, die großmutter hat der Fany [Fanni] würklich sehr viel gekauft, und hat vorgestern wider 50 fl [Gulden] außgegeben für sie. Ich bin nun gottlob mit allen fertig bis auf 6 Hemmten welche noch nicht vom machen gekommen sind. Das Bett ist hübsch und ordentlich, ich mußte freulich 6 [Pfund] Borten kauffen wie eben auch beim Otto, doch geschehen mußte. Zuerst sagte die großmutter ich soll alles hinauf schücken zum einpacken und gestern sagte sie ich sollte eine eigene Kiste nehmen und bey uns packen. Bis wan soll ich dan alles packen, und soll ich die Juri[s]tischen Bücher welche im Bücherkasten in der Lade sind mitpacken? Die Küste werde ich halt kauffen müßen, weil diese, welche ich habe, viel zu klein ist. Müßen die Sachen von der Kathi auch gleich mitgeschückt werden? Du hast mir noch nicht meine 2 Fragen beantwortet wo ich dich gebethen habe, ich bitte dich darum bald. Die Leuchten scheint es, haben die Fany sehr gefreut, ich bitte dich schreibe mir bald, was sie kosten, damit ich selbe dir bezahlen kann, ich bin immer froh, wen ich mit allen gleich in Ordnung komme. Wie wird es den mit den Verkünden sein, das Ihr ja nichts versäummt. Die Brautringe wird wohl die Fany besorgen, die Louise sagt, die Brautringe sind die Sache der Braut. Ich bin würklich froh, wen alles vorüber ist, auch für die Fany. Ob die großmutter Euch etwas zur Reise giebt, möchte ich recht sehr zweifeln. Ich würde die Hochzeitsreise darauf einrichten. Ihr könnt ja nach Brunecken gehen und vielleicht nach Riva damit ihr doch bei Verwandten sein könnt und die Tage der Reise ausgefühlt werden. Alle Verwandten wird es freuen Euch zu sehen. Lieber Franz schnell wird die Zeit vergehen nur noch 14 Tage und du darfst dich nicht mehr von der Fany trennen. Die Schuhmacherischen wirst du gewiß auch in Wien oder vielleicht haben sie dich gar in Mödling besucht. Heute ist Sattler Fina angekommen um sich vielleicht ein XXX ihr zu XXX, leider ist die Toda dermalen ziemmlich unwohl, das heißt eigentlich sehr schwach. Die Trennung von der Sattler fählt allen sehr schwer. Der Alois Spängler hat Euch sehr hübsche Vorlagen zu deinen Betten gekauft, und wird sie diese Woche nach schücken wegen XXX. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich bethe schon oft und fleißig für dich es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler – Otto Louise und die Kinder Leopoldine alle grüßen dich herzlich. Das Tuch ist schon schön welches Ihr der Großmutter gekauft habt.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXXI erh. 22/3 beantw 23/3]: Salzburg 20.März 1872. ¾ 8 Abends. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Briefe dießmal gibt es eine ganze Reihe von wichtigen Dingen zu verzeichnen, die alle auf das eine, wichtige Ziel hindeuten. Erstens haben Großmutter und ich noch am Sonntag die Eheringe bestellt. Mit dem Gravi[e]ren wird noch gewartet, bis wir mit voller Sicherheit den Tag unserer Vereinigung sagen können. Denn ich traue mir [mich] wirklich noch nicht, den 8ten April als ganz bestimmt zu betrachten. Ich hoffe aber zu Gott, daß nichts dazwischen kommen wird. – Am Montag waren Großmutter und ich beim Pfarrer, ich legte ihm unsere Taufscheine und die Volljährigkeits-Erklärung vor und er versprach die Verkündigung am Ostersonntag, Ostermontag und w[W]eißen Sonntag vorzunehmen. Er trug mir nur auf, dir zu sagen, du möchtest den Hrn: Pfarrer in Mödling fragen, ob er von Seite[n] der Dompfarre einen Bericht über unser Verkünden erwartet, in welchem Falle der Domherr Eihinger ihm denselben übermitteln würde, oder ob er diese Form für unnotwendig erachtet. – Ferners hat sich Großmutter mit Hrn: Seefeldner besprochen bezüglich der Versorgung[s]kasse, und die Statuten ihm vorgelegt. Dr: Seefeldner [Name jetzt lateinisch geschrieben] ist nicht für den Verein eingenom[m]en, er sagt er hat ein Beispiel erlebt, wo wegen größerer Sterblichkeit die anfangs versprochene Jahresrente per 600 fl: [Gulden] auf 400 fl: herabgese[t]zt und schließlich auch noch von diesen 400 fl. [!] abgezogen wurde. So meint also Großmutter du solltest in dieser Richtung nichts unternehmen, sondern wir sollten lieber suchen, selbst etwas zu ersparen. Soll ich dir das Büchlein mit den Statuten schicken oder sollen wir dasselbe aufheben bis du kommst? Die mir gehörige Garnitur ist auch schon beinahe fertig überzogen, der grüne Stoff sieht recht hübsch aus. Ich wagte heute eine kleine Anspielung wegen der Fensterpolster, welche aber nichts nützte. Thut auch nichts! Die Ausstattung war in dem rückwärtigen Zimmer aufgelegt, wo sonst das allfällige Gäste beherbergt werden. Heute begann Großmutter meine Sachen einzupacken, und wurde schon das zur Hochzeit[s]reise Notwendige bei Seite gelegt. Was nun die Hochzeit[s]reise betrifft, so hat sich deine Mutter auch der Großmutter gegenüber in dem Sinne geäußert, wie du andeutetest, doch meine ich, wir sollten uns wirklich von dem einmal gefaßten Plan nicht abwendig machen laßen, wer weiß, ob sich je in unserm spätern Leben Gelegenheit bietet, ein pPaar [oder: Ppaar] Wochen heiter und sorglos in der Welt herumzureisen, und die Hochzeitsreise [! mit s] ist eben die Hochzeitsreise. Es bleibt dabei. Großmutter grüßt dich. Bezüglich der Besuche bei deinen Verwandten, meine ich auch, wir sollten auf der Reise nur die unumgänglich notwendigen machen und dazu so wenig Zeit als möglich verwenden. Die Gastfreundlichkeit derselben aber in Anspruch zu nehmen, wäre mir, die Allen ganz fremd ist, geradezu peinlich. Die Rundreisebillets sind wirklich so bedeutend billiger, daß wir Strecke um Strecke zahlend kaum halb so weit kämen und wir brauchen ja sonst keine Verschwendung zu treiben, da werden die Finanzen schon langen. In der sichern Vorausse[t]zung daß du wegen Ludwig einverstanden bist, fragte ich die Wahlin, ob sie meint er würde mein Brautführer s werden, und sie sagte, sie zweifle gar nicht, daß es ihn freut. Ob ich, ehe du kommst etwas zu ihm selbst sage, lasse ich dem Zufall über. Minna wird erst am 26.März von Pesth zurück kommen, es wäre erst möglich, daß sie dann mit dir zugleich kommt. Heute, denke ich, wird Schumacher und Frau angekommen sein. Ich bin schon recht begierig, Emma zu sehen. Heute hörte ich mit Bedauern, daß Albert es noch nicht verstanden haben soll, sich in Hallein beliebt zu machen. Man vermißt noch gar zu sehr den Ernst, der namentlich in Alberts Berufe [Arzt] so notwendig scheint. Es wäre schon recht traurig wenn er in Hallein keine gute Stellung erringen könnte. – Denke dir, der Frau Wahl hat man die ganze Geschichte mit dem mißhandelten Buben verschwiegen, wenn ihr aus [nur] nicht einmal von unberufener Seite davon gesagt wird! Die beste Rechtfertigung für Hrn: Wahl ist, daß die Mutter des betroffenen Knaben gebeten haben soll, daß ihr Sohn wieder behalten wird. – Wie es scheint wird Frl: Fanni nicht bei Zeller bleiben. Mama sagte auch so zur Großmutter, doch ist es noch Geheimniß. Bist du denn schon um Urlaub eingekommen? Susi Menninger wird am 2.April heiraten. Sie ist schrecklich aufgeregt und weint sehr viel. Meine Stimmung ist ziemlich gleichmäßig. Ich bin sehr beschäftigt, und habe immer zu denken, damit alles Nöthige geschieht. Nächster Tage werde ich auch mein Brautkleid bestellen [zum Zusammennähen?]. Walli, die Näherin und ich schneidern den ganzen Tag mit allem Eifer. So, nun habe ich dir aber wieder viel vorgeplaudert, nicht wahr, nun behüt dich Gott und habe nur nicht zu viel Fieber. Auf baldiges Wiedersehen sich herzlich freuend bleibe ich deine treue Fanni – Denke dir die Magd, welche seit fast 19 Jahren bei meinen Eltern ist, ist die Braut meines Dienstmannes und heirathet Ende April. - „Volljährigkeitserklärung“: Fanni Schlegel ist am 1.6.1848 in Salzburg geboren, ist also fast 24 Jahre alt. Mit der Erklärung [siehe frühere Briefe] ist sie aber auch finanziell eigenverantwortlich (juristische Mündigkeitserklärung).
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXXI erh. 22/3 beantw 23/3]: Salzburg 20.März 1872. ¾ 8 Abends. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Briefe dießmal gibt es eine ganze Reihe von wichtigen Dingen zu verzeichnen, die alle auf das eine, wichtige Ziel hindeuten. Erstens haben Großmutter und ich noch am Sonntag die Eheringe bestellt. Mit dem Gravi[e]ren wird noch gewartet, bis wir mit voller Sicherheit den Tag unserer Vereinigung sagen können. Denn ich traue mir [mich] wirklich noch nicht, den 8ten April als ganz bestimmt zu betrachten. Ich hoffe aber zu Gott, daß nichts dazwischen kommen wird. – Am Montag waren Großmutter und ich beim Pfarrer, ich legte ihm unsere Taufscheine und die Volljährigkeits-Erklärung vor und er versprach die Verkündigung am Ostersonntag, Ostermontag und w[W]eißen Sonntag vorzunehmen. Er trug mir nur auf, dir zu sagen, du möchtest den Hrn: Pfarrer in Mödling fragen, ob er von Seite[n] der Dompfarre einen Bericht über unser Verkünden erwartet, in welchem Falle der Domherr Eihinger ihm denselben übermitteln würde, oder ob er diese Form für unnotwendig erachtet. – Ferners hat sich Großmutter mit Hrn: Seefeldner besprochen bezüglich der Versorgung[s]kasse, und die Statuten ihm vorgelegt. Dr: Seefeldner [Name jetzt lateinisch geschrieben] ist nicht für den Verein eingenom[m]en, er sagt er hat ein Beispiel erlebt, wo wegen größerer Sterblichkeit die anfangs versprochene Jahresrente per 600 fl: [Gulden] auf 400 fl: herabgese[t]zt und schließlich auch noch von diesen 400 fl. [!] abgezogen wurde. So meint also Großmutter du solltest in dieser Richtung nichts unternehmen, sondern wir sollten lieber suchen, selbst etwas zu ersparen. Soll ich dir das Büchlein mit den Statuten schicken oder sollen wir dasselbe aufheben bis du kommst? Die mir gehörige Garnitur ist auch schon beinahe fertig überzogen, der grüne Stoff sieht recht hübsch aus. Ich wagte heute eine kleine Anspielung wegen der Fensterpolster, welche aber nichts nützte. Thut auch nichts! Die Ausstattung war in dem rückwärtigen Zimmer aufgelegt, wo sonst das allfällige Gäste beherbergt werden. Heute begann Großmutter meine Sachen einzupacken, und wurde schon das zur Hochzeit[s]reise Notwendige bei Seite gelegt. Was nun die Hochzeit[s]reise betrifft, so hat sich deine Mutter auch der Großmutter gegenüber in dem Sinne geäußert, wie du andeutetest, doch meine ich, wir sollten uns wirklich von dem einmal gefaßten Plan nicht abwendig machen laßen, wer weiß, ob sich je in unserm spätern Leben Gelegenheit bietet, ein pPaar [oder: Ppaar] Wochen heiter und sorglos in der Welt herumzureisen, und die Hochzeitsreise [! mit s] ist eben die Hochzeitsreise. Es bleibt dabei. Großmutter grüßt dich. Bezüglich der Besuche bei deinen Verwandten, meine ich auch, wir sollten auf der Reise nur die unumgänglich notwendigen machen und dazu so wenig Zeit als möglich verwenden. Die Gastfreundlichkeit derselben aber in Anspruch zu nehmen, wäre mir, die Allen ganz fremd ist, geradezu peinlich. Die Rundreisebillets sind wirklich so bedeutend billiger, daß wir Strecke um Strecke zahlend kaum halb so weit kämen und wir brauchen ja sonst keine Verschwendung zu treiben, da werden die Finanzen schon langen. In der sichern Vorausse[t]zung daß du wegen Ludwig einverstanden bist, fragte ich die Wahlin, ob sie meint er würde mein Brautführer s werden, und sie sagte, sie zweifle gar nicht, daß es ihn freut. Ob ich, ehe du kommst etwas zu ihm selbst sage, lasse ich dem Zufall über. Minna wird erst am 26.März von Pesth zurück kommen, es wäre erst möglich, daß sie dann mit dir zugleich kommt. Heute, denke ich, wird Schumacher und Frau angekommen sein. Ich bin schon recht begierig, Emma zu sehen. Heute hörte ich mit Bedauern, daß Albert es noch nicht verstanden haben soll, sich in Hallein beliebt zu machen. Man vermißt noch gar zu sehr den Ernst, der namentlich in Alberts Berufe [Arzt] so notwendig scheint. Es wäre schon recht traurig wenn er in Hallein keine gute Stellung erringen könnte. – Denke dir, der Frau Wahl hat man die ganze Geschichte mit dem mißhandelten Buben verschwiegen, wenn ihr aus [nur] nicht einmal von unberufener Seite davon gesagt wird! Die beste Rechtfertigung für Hrn: Wahl ist, daß die Mutter des betroffenen Knaben gebeten haben soll, daß ihr Sohn wieder behalten wird. – Wie es scheint wird Frl: Fanni nicht bei Zeller bleiben. Mama sagte auch so zur Großmutter, doch ist es noch Geheimniß. Bist du denn schon um Urlaub eingekommen? Susi Menninger wird am 2.April heiraten. Sie ist schrecklich aufgeregt und weint sehr viel. Meine Stimmung ist ziemlich gleichmäßig. Ich bin sehr beschäftigt, und habe immer zu denken, damit alles Nöthige geschieht. Nächster Tage werde ich auch mein Brautkleid bestellen [zum Zusammennähen?]. Walli, die Näherin und ich schneidern den ganzen Tag mit allem Eifer. So, nun habe ich dir aber wieder viel vorgeplaudert, nicht wahr, nun behüt dich Gott und habe nur nicht zu viel Fieber. Auf baldiges Wiedersehen sich herzlich freuend bleibe ich deine treue Fanni – Denke dir die Magd, welche seit fast 19 Jahren bei meinen Eltern ist, ist die Braut meines Dienstmannes und heirathet Ende April. - „Volljährigkeitserklärung“: Fanni Schlegel ist am 1.6.1848 in Salzburg geboren, ist also fast 24 Jahre alt. Mit der Erklärung [siehe frühere Briefe] ist sie aber auch finanziell eigenverantwortlich (juristische Mündigkeitserklärung).
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXII erh. 26/3 beantw 27/3]: Salzburg 24.März 1872. Abends ½ 8 Uhr. – Mein lieber Franz! Solltest du es glauben, daß ich mir bis zu dieser Stunde nicht die Zeit gönnte, deinen lieben Brief zu beantworten? Obgleich Sonntag ist, nähte ich, da ich nicht viel Aussicht habe, meine Kleider fertig zu bekommen. So verging mir der Tag sehr schnell, gegen Abend kam Frau Rudolf Spängler, in deren Gegenwart ich noch Putzwäsche stärkte, weil ich an Werktagen wirklich nicht Zeit habe, so etwas zu machen. Denke dir, wir haben vorgestern zwei wunderschöne Pendeluhren bekommen, die eine von Karl u. Rudolf Spängler und die andere von deinem Bruder und Luise. Durch Zufall unterließen die Betreffenen, sich über die für uns bestimmten Hochzeit[s]geschenke zu besprechen, und hatten Alle denselben Gedanken. Ich muß gestehen, daß ich Anfangs ordentlich verblüfft war, als in Zeit einer Stunde die beiden Uhren anlangten. Dein Bruder war ganz ärgerlich und entschuldigte sich ordentlich, ich aber versicherte ihm, daß wir Beide es keineswegs für ein Unglück halten, anstatt einer zwei so schöne Uhren zu haben. Ich habe schon nachgedacht, wohin wir die Uhren hängen sollen. Ich denke, die eine würde in das hübsche Zimmer, und die andere ins Schlafzimmer kommen. Die Kukuksuhr kommt dann ins Speisezimmer. Jedenfalls haben wir alle Veranlaßung, recht pünktliche Leute zu sein. – Am Donnerstag waren Lida und ich bei Zeller mit dem Ehepaar Schumacher beisammen. Am Freitag hielten Albert und Emma ihren Einzug in Hallein. Wir Beide, du und ich sind für einen Mittag schon bei Emma eingeladen, weil ich ihr sagte, wir werden jedenfalls kommen um in feierlicher Weise sie zu unserer Hochzeit zu laden. Emma ist recht vergnügt und thut ihr Bestes ihren Mann recht zu verziehen. Das werde ich ihr hoffentlich nicht nachmachen, ich werde mich lieber selber ein wenig verziehen laßen. Emma hat mir auch deine Grüße entrichtet. Ludwig erklärte sich freundlichst bereit, mein Brautführer zu werden, ich ließ ihn durch Emma darum bitten weil ich nicht bis zur le[t]zten Woche in Ungewißheit hierüber sein wollte. Nun liegt nur noch eine kurze Woche zwischen heute und dem Tage deiner Ankunft. Dann noch eine Woche, und dann: da werden wir wo[hl] noch genug Fieber bekommen! Je[t]zt kommt es mir so stoßweise, am besten hilft mir die XXX vielfältige Beschäftigung darüber hinweg. Aber manchmal fürchte ich mich schon sehr. Für heute aber gute Nacht, du wirst wo[h]l in Wien schlafen. - 25 März. 1/4 auf 12 Uhr! Heute über vierzehn Tage wird, so Gott will, gerade in dieser Stunde über unsern Bund der priesterliche Segen gesprochen werden! – ½ 12 Uhr. Deine gute Mutter kam, ich mußte darum den Brief liegen laßen. Über 14 Tage um diese Zeit sitzen wir wo[h]l schon als Vermählte bei Tische. Der Abschied kommt immer näher und Großmutter kann je[t]zt nicht immer mehr die Thränen verbergen, wenn die Rede darauf kommt. Da muß ich mich immer zusammennehmen, und meinen ganzen heitern Mut aufbieten um sie auch wieder heiterzumachen. Ich selbst bin noch immer, einzelne Fieberanfälle abgerechnet, ganz wo[h]lgemut, ich bin neugierig, wie es mir gehen wird, wenn das Abschied nehmen einmal Ernst wird. Wüßte ich nur Jemand, der zur Großmutter paßte, dann wäre mir viel leichter. Ich bin nun schon sehr neugierig, wie es mit deinem Urlaub wird, ich hoffe, die gestrengen Herrn werden ein Einsehen haben, und begreifen, daß man zum Heirathen gehörig Zeit haben muß. Deine gute Mutter spricht oft davon, daß wir ja nicht zu weit reisen sollen. m[M]ir scheint fast, es wäre ihr nicht Unrecht, wenn du nur kurzen Urlaub bekämest. Die Braut, von der ich neulich schrieb, ist die Nichte von Fräulein Gasteger [?] u. wird deren Geschäft übernehmen. Sie ist von Ischl, ihren Namen weiß ich nicht. Weißt du schon, daß Dr: Hermann Stieger heirathet, eine Linzerin glaube ich. Die Schlögelhofer Ida freut sich gar so auf unsere Hochzeit, da hätten wir schön Verdruß gehabt, wenn wir sie nicht geladen hätten! – Bitte, schreibe mir doch an welchem Tage du kommen wirst. Ich hoffe heute über 8 Tage. a[A]lso auf baldiges Wiedersehn! Von meinen Sachen ist schon viel eingepackt, für die Reise werde ich so wenig als möglich mitnehmen. Nun aber behüt dich Gott, ich habe Allerlei zu thun Schreibe bald und viel - deine treue Fanni. – Grüße von Großmutter deiner Mutter Hr: Rudolf Spängler u. Frau Bürgermeister Spängler. - Wenn du nach Wien fährst, grüße alle Bekannten von mir. – Gleichzeitig mit diesem Briefe folgen unter Kreuzband die Statuten. - „Rudolf Spängler“: ein Cousin Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm (1839-1911 Salzburg); „Karl“ ist dessen Bruder Carl Spängler sen. (1825-1902 Salzburg), Großhändler, kaiserl. Rat und Bankier, wohnhaft am Mozartplatz 4, verheiratet mit Leopoldine Duregger.
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXII erh. 26/3 beantw 27/3]: Salzburg 24.März 1872. Abends ½ 8 Uhr. – Mein lieber Franz! Solltest du es glauben, daß ich mir bis zu dieser Stunde nicht die Zeit gönnte, deinen lieben Brief zu beantworten? Obgleich Sonntag ist, nähte ich, da ich nicht viel Aussicht habe, meine Kleider fertig zu bekommen. So verging mir der Tag sehr schnell, gegen Abend kam Frau Rudolf Spängler, in deren Gegenwart ich noch Putzwäsche stärkte, weil ich an Werktagen wirklich nicht Zeit habe, so etwas zu machen. Denke dir, wir haben vorgestern zwei wunderschöne Pendeluhren bekommen, die eine von Karl u. Rudolf Spängler und die andere von deinem Bruder und Luise. Durch Zufall unterließen die Betreffenen, sich über die für uns bestimmten Hochzeit[s]geschenke zu besprechen, und hatten Alle denselben Gedanken. Ich muß gestehen, daß ich Anfangs ordentlich verblüfft war, als in Zeit einer Stunde die beiden Uhren anlangten. Dein Bruder war ganz ärgerlich und entschuldigte sich ordentlich, ich aber versicherte ihm, daß wir Beide es keineswegs für ein Unglück halten, anstatt einer zwei so schöne Uhren zu haben. Ich habe schon nachgedacht, wohin wir die Uhren hängen sollen. Ich denke, die eine würde in das hübsche Zimmer, und die andere ins Schlafzimmer kommen. Die Kukuksuhr kommt dann ins Speisezimmer. Jedenfalls haben wir alle Veranlaßung, recht pünktliche Leute zu sein. – Am Donnerstag waren Lida und ich bei Zeller mit dem Ehepaar Schumacher beisammen. Am Freitag hielten Albert und Emma ihren Einzug in Hallein. Wir Beide, du und ich sind für einen Mittag schon bei Emma eingeladen, weil ich ihr sagte, wir werden jedenfalls kommen um in feierlicher Weise sie zu unserer Hochzeit zu laden. Emma ist recht vergnügt und thut ihr Bestes ihren Mann recht zu verziehen. Das werde ich ihr hoffentlich nicht nachmachen, ich werde mich lieber selber ein wenig verziehen laßen. Emma hat mir auch deine Grüße entrichtet. Ludwig erklärte sich freundlichst bereit, mein Brautführer zu werden, ich ließ ihn durch Emma darum bitten weil ich nicht bis zur le[t]zten Woche in Ungewißheit hierüber sein wollte. Nun liegt nur noch eine kurze Woche zwischen heute und dem Tage deiner Ankunft. Dann noch eine Woche, und dann: da werden wir wo[hl] noch genug Fieber bekommen! Je[t]zt kommt es mir so stoßweise, am besten hilft mir die XXX vielfältige Beschäftigung darüber hinweg. Aber manchmal fürchte ich mich schon sehr. Für heute aber gute Nacht, du wirst wo[h]l in Wien schlafen. - 25 März. 1/4 auf 12 Uhr! Heute über vierzehn Tage wird, so Gott will, gerade in dieser Stunde über unsern Bund der priesterliche Segen gesprochen werden! – ½ 12 Uhr. Deine gute Mutter kam, ich mußte darum den Brief liegen laßen. Über 14 Tage um diese Zeit sitzen wir wo[h]l schon als Vermählte bei Tische. Der Abschied kommt immer näher und Großmutter kann je[t]zt nicht immer mehr die Thränen verbergen, wenn die Rede darauf kommt. Da muß ich mich immer zusammennehmen, und meinen ganzen heitern Mut aufbieten um sie auch wieder heiterzumachen. Ich selbst bin noch immer, einzelne Fieberanfälle abgerechnet, ganz wo[h]lgemut, ich bin neugierig, wie es mir gehen wird, wenn das Abschied nehmen einmal Ernst wird. Wüßte ich nur Jemand, der zur Großmutter paßte, dann wäre mir viel leichter. Ich bin nun schon sehr neugierig, wie es mit deinem Urlaub wird, ich hoffe, die gestrengen Herrn werden ein Einsehen haben, und begreifen, daß man zum Heirathen gehörig Zeit haben muß. Deine gute Mutter spricht oft davon, daß wir ja nicht zu weit reisen sollen. m[M]ir scheint fast, es wäre ihr nicht Unrecht, wenn du nur kurzen Urlaub bekämest. Die Braut, von der ich neulich schrieb, ist die Nichte von Fräulein Gasteger [?] u. wird deren Geschäft übernehmen. Sie ist von Ischl, ihren Namen weiß ich nicht. Weißt du schon, daß Dr: Hermann Stieger heirathet, eine Linzerin glaube ich. Die Schlögelhofer Ida freut sich gar so auf unsere Hochzeit, da hätten wir schön Verdruß gehabt, wenn wir sie nicht geladen hätten! – Bitte, schreibe mir doch an welchem Tage du kommen wirst. Ich hoffe heute über 8 Tage. a[A]lso auf baldiges Wiedersehn! Von meinen Sachen ist schon viel eingepackt, für die Reise werde ich so wenig als möglich mitnehmen. Nun aber behüt dich Gott, ich habe Allerlei zu thun Schreibe bald und viel - deine treue Fanni. – Grüße von Großmutter deiner Mutter Hr: Rudolf Spängler u. Frau Bürgermeister Spängler. - Wenn du nach Wien fährst, grüße alle Bekannten von mir. – Gleichzeitig mit diesem Briefe folgen unter Kreuzband die Statuten. - „Rudolf Spängler“: ein Cousin Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm (1839-1911 Salzburg); „Karl“ ist dessen Bruder Carl Spängler sen. (1825-1902 Salzburg), Großhändler, kaiserl. Rat und Bankier, wohnhaft am Mozartplatz 4, verheiratet mit Leopoldine Duregger.
    
==== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz Spängler ====
[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler]: Salzburg 27.3.72: Mein innigst geliebter Franz! Deinen lieben Brief habe ich richtig erhalten, und danke dir dafür. Heute erhielt Otto dein Telegram, er schückt aber das geld nicht ab bevor der Brief von dir kömmt. Ich will dir aber nur bemmerken das die großmutter Montag zu mir sagte, Franz soll ja nicht einlegen in den doktor Colegium den doktor SeselXX sagte der großmutter bestimmt du sollst es nicht thun, wen ihr ordentlich Hauß haltet so braucht es dießes nicht indem ja die Fany ohnehin noch ein Vermögen bekömmt, und du ja auch gewiß und stürbe bald eines von Euch beyden, so bekömmt die Fany von der großmutter ja jedenfall so viel das sie leben kan, und stürbe die Fany, so würde es dir nichts nützen, wen auch eingelegt wäre, und überdieß sind diese Institute ja doch nicht so ganz sicher also zu diesen Zweck hoffe ich wirst du das geld nicht brauchen. Verwende ja nicht zu viel geld um der Fany einen Brautschmuck zu kauffen. Den Otto seiner für die Louise hat 130 fl gekostet, er war mit Schmuck gewiß sehr hübsch. Ich bin sehr begierig wen du kömmst, schreibe es uns doch genau, dammit ich mich einrichten kann, die Feyertage bekömmt man ja nichts ordentliches mehr. Nun nur noch einige Tage und ich sehe dich wieder ich freue mich schon recht sehr auf dich. Ich hoffe es wird alles in Ordnung gehen, nur wird es eine rechte He[t]ze werden, bis alles gepackt und geordnet ist und alle Visiten gemacht sind Otto Fany Louise die Kinder grüßen dich herzlich. manches neue wirst du hören wen du kömmst. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler.
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[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]: Salzburg 27.3.72: Mein innigst geliebter Franz! Deinen lieben Brief habe ich richtig erhalten, und danke dir dafür. Heute erhielt Otto dein Telegram, er schückt aber das geld nicht ab bevor der Brief von dir kömmt. Ich will dir aber nur bemmerken das die großmutter Montag zu mir sagte, Franz soll ja nicht einlegen in den doktor Colegium den doktor SeselXX sagte der großmutter bestimmt du sollst es nicht thun, wen ihr ordentlich Hauß haltet so braucht es dießes nicht indem ja die Fany ohnehin noch ein Vermögen bekömmt, und du ja auch gewiß und stürbe bald eines von Euch beyden, so bekömmt die Fany von der großmutter ja jedenfall so viel das sie leben kan, und stürbe die Fany, so würde es dir nichts nützen, wen auch eingelegt wäre, und überdieß sind diese Institute ja doch nicht so ganz sicher also zu diesen Zweck hoffe ich wirst du das geld nicht brauchen. Verwende ja nicht zu viel geld um der Fany einen Brautschmuck zu kauffen. Den Otto seiner für die Louise hat 130 fl gekostet, er war mit Schmuck gewiß sehr hübsch. Ich bin sehr begierig wen du kömmst, schreibe es uns doch genau, dammit ich mich einrichten kann, die Feyertage bekömmt man ja nichts ordentliches mehr. Nun nur noch einige Tage und ich sehe dich wieder ich freue mich schon recht sehr auf dich. Ich hoffe es wird alles in Ordnung gehen, nur wird es eine rechte He[t]ze werden, bis alles gepackt und geordnet ist und alle Visiten gemacht sind Otto Fany Louise die Kinder grüßen dich herzlich. manches neue wirst du hören wen du kömmst. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler.
    
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: Salzburg, 28.März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und Rudolf Spängler sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden. – So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, „daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt.“ Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein „wichtiges Werk“ in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. – [quer klein:] Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?
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Brief von Fanni Schlegel (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: Salzburg, 28.März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und Rudolf Spängler sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden. – So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, „daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt.“ Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein „wichtiges Werk“ in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. – [quer klein:] Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?
    
==== Anmerkungen zu Schreiben im Jahr 1872
 
==== Anmerkungen zu Schreiben im Jahr 1872
[bei den Briefen von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: 8.4.1872 Telegramm an: Antonia Spängler, Dureggerhaus, Salzburg: Aus Regau Herzliche Glückwünsche dir und dem Brautpaar von Alois und Therese Spängler. – Alois Spängler (1800-1875), im Großhandelshaus in Salzburg (Vorläufer der Spängler-Bank), zudem Bürgermeister von Salzburg 1854-1861.
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[bei den Briefen von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1872 verh. mit Fanni Schlegel]: 8.4.1872 Telegramm an: Antonia Spängler, Dureggerhaus, Salzburg: Aus Regau Herzliche Glückwünsche dir und dem Brautpaar von Alois und Therese Spängler. – Alois Spängler (1800-1875), im Großhandelshaus in Salzburg (Vorläufer der Spängler-Bank), zudem Bürgermeister von Salzburg 1854-1861.
    
Telegramme an Dr. Franz Spängler in Salzburg, Mozartplatz 73, 8.4.1872 aus Wien-Mödling: Die herzlichsten Glückwünsch den Neuvermälten von der Tischgesellschaft. – dito, Salzburg, Hôtel Erzh. Carl, aus Wien-Mödling: Herzliches Glück auf! dem Brautpaare. Langer, Pohl, Reitlechner, Strobl, Thausing. – dito, Salzburg Marktplatz Nr.10, 2.Stock, aus Wien: Der Erde Glück, des Himmels Segen begleite euch, ob schön, ob Regen; hoch leben Bräutigam und Braut, so jubelt an der Donau laut, die Salzburger Gesellschaft. – dito, Salzburg aus Linz: Herzliche Segenswünsche dem neuvermählten Paare, Rudolph Handel. – dito, aus Wien: Dem jungen Ehepaar bringt seine Wünsche dar von Herzen gutgemeint und lauter, der Vetter Ludwig Sauter. - In der „grünen Mappe“ eine Postkarte von „Vetter Ludwig“, 1.10.1871; siehe auch Brief vom 2.10.1870.
 
Telegramme an Dr. Franz Spängler in Salzburg, Mozartplatz 73, 8.4.1872 aus Wien-Mödling: Die herzlichsten Glückwünsch den Neuvermälten von der Tischgesellschaft. – dito, Salzburg, Hôtel Erzh. Carl, aus Wien-Mödling: Herzliches Glück auf! dem Brautpaare. Langer, Pohl, Reitlechner, Strobl, Thausing. – dito, Salzburg Marktplatz Nr.10, 2.Stock, aus Wien: Der Erde Glück, des Himmels Segen begleite euch, ob schön, ob Regen; hoch leben Bräutigam und Braut, so jubelt an der Donau laut, die Salzburger Gesellschaft. – dito, Salzburg aus Linz: Herzliche Segenswünsche dem neuvermählten Paare, Rudolph Handel. – dito, aus Wien: Dem jungen Ehepaar bringt seine Wünsche dar von Herzen gutgemeint und lauter, der Vetter Ludwig Sauter. - In der „grünen Mappe“ eine Postkarte von „Vetter Ludwig“, 1.10.1871; siehe auch Brief vom 2.10.1870.
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Briefe u.a. an FANNI SCHLEGEL= Franziska SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, Postkarte an Frau Dr.Spängler, Venezia, poste restante: Gruß auf die Hochzeitsreise - 8.4., Telegramm aus Würzburg, blauer Telegramm-Umschlag, an „Frau Doctor Fanny Spängler Adreße Frau Fanny Kobler Marktplatz Salzburg. Zum heutigen Tage unsere besten Wünsche. Ziegler und Zillner. - 8.4., Telegramm an Doctor Schlegel, Salzburg, aus Wien: Dem neuvermählten Paare unsere herzlichsten Glückwünsche. Lorinser. - 16.4., Brief an Fanni: Erinnerung an Hochzeit; seid vergnügt auf der Reise; waren in Hallein, Emma grüßt; vorgestern mit Großmutter bei Zillner; alle fragen nach dir und grüßen; „Behüt dich Gott Frau Doctorin grüß deinen Mann er soll sich nur recht in Acht nehmen vor dir der Arme lernt dich schon kennen Taußend Küße deine Liedl“ [?]
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Briefe u.a. an Fanni Schlegel= Franziska SPÄNGLER (* 1848; † 1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, Postkarte an Frau Dr.Spängler, Venezia, poste restante: Gruß auf die Hochzeitsreise - 8.4., Telegramm aus Würzburg, blauer Telegramm-Umschlag, an „Frau Doctor Fanny Spängler Adreße Frau Fanny Kobler Marktplatz Salzburg. Zum heutigen Tage unsere besten Wünsche. Ziegler und Zillner. - 8.4., Telegramm an Doctor Schlegel, Salzburg, aus Wien: Dem neuvermählten Paare unsere herzlichsten Glückwünsche. Lorinser. - 16.4., Brief an Fanni: Erinnerung an Hochzeit; seid vergnügt auf der Reise; waren in Hallein, Emma grüßt; vorgestern mit Großmutter bei Zillner; alle fragen nach dir und grüßen; „Behüt dich Gott Frau Doctorin grüß deinen Mann er soll sich nur recht in Acht nehmen vor dir der Arme lernt dich schon kennen Taußend Küße deine Liedl“ [?]
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Hochzeitsreise 1872 Nr.19 Fanni und Nr.18 Franz Spängler (rot verschnürt): Fahrplanheftchen der italien. Eisenbahn, April 1872; Rechnungen von u.a. Riva (Gardasee), Verona, Triest, Milano, Isola Bella, Bozen, Innsbruck, Lugano, Arone (Schweiz), Venedig [ohne Reihenfolge]; Telegramm aus Graz; Landkarte der österreich. Länder
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Hochzeitsreise 1872 Nr.19 Fanni und Nr. 18 Franz Spängler (rot verschnürt): Fahrplanheftchen der italien. Eisenbahn, April 1872; Rechnungen von u.a. Riva (Gardasee), Verona, Triest, Milano, Isola Bella, Bozen, Innsbruck, Lugano, Arone (Schweiz), Venedig [ohne Reihenfolge]; Telegramm aus Graz; Landkarte der österreich. Länder
    
Salzburg, 15/4 1872, Brief ohne Umschlag, „I.M.“ [? IDA MAIER, nicht Familie; 1885 in Taxenbach]: Liebes Ehepaar! Glückliche Ankunft in der schönen Lagunenstadt [Hochzeitsreise nach Venedig] rufe ich Euch von der Heimath zu! – Was ich mit Entzücken beschrieben gelesen habe, sht ihr heute mit seelenvoller Übereinstimmung der Gedanken in Wirklichkeit. Wie von ganzer Seele gönne ich Euch das Glük, Euch ist das schöne Venedig gewiß nicht das Bild einer prächtigen Vergänglichkeit, sondern Ihr seht sie im Glanze, Euch grüßt sie in den Farben der Freude [.] nehmt die besten, u. schönsten Erinnerungen mit, für Euer häusliches Stillleben, und gedenkt hie u. da auch an Euere Freundin Ida. – In der Heimath ist alles wol, Grüße wurden uns entrichtet. Die Mutter küßt u. grüßt dich. Lebe wol.
 
Salzburg, 15/4 1872, Brief ohne Umschlag, „I.M.“ [? IDA MAIER, nicht Familie; 1885 in Taxenbach]: Liebes Ehepaar! Glückliche Ankunft in der schönen Lagunenstadt [Hochzeitsreise nach Venedig] rufe ich Euch von der Heimath zu! – Was ich mit Entzücken beschrieben gelesen habe, sht ihr heute mit seelenvoller Übereinstimmung der Gedanken in Wirklichkeit. Wie von ganzer Seele gönne ich Euch das Glük, Euch ist das schöne Venedig gewiß nicht das Bild einer prächtigen Vergänglichkeit, sondern Ihr seht sie im Glanze, Euch grüßt sie in den Farben der Freude [.] nehmt die besten, u. schönsten Erinnerungen mit, für Euer häusliches Stillleben, und gedenkt hie u. da auch an Euere Freundin Ida. – In der Heimath ist alles wol, Grüße wurden uns entrichtet. Die Mutter küßt u. grüßt dich. Lebe wol.
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===== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz und an Fanni ====
 
===== Antonia Spängler an ihren Sohn Franz und an Fanni ====
[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr.18 Franz Spängler und an FANNI]: Salzburg 20.4.72: Meine lieben theuren! Wie sehr freuen wir uns alle über Euer Glück, wir vergönen es Euch von ganzen Herzen, und wünschen das es immer so grüne- und blühe. Recht sehr danke ich, für Eure freundlichen Zeilen, zu meinen Geburtstag, wie es kamm weiß ich gar nicht aber die Großmutter über brachte mir selbst den Brief ich laß ihr dan den Brief gleich vor, und gab ihr auch denselben mit, damit sie in in Muse lesen kan. Wie froh bin ich daß die Groß mutter von gestern endlich einen Brief von Euch bekamm sie war schon in der that recht ver droßen und gekränkt, so lange von der Fany [Fanni] keinen Brief erhalten zu haben, nun scheint es, ist sie wider gut. Sie hat viel für die Fany [Fanni], und Euch gethan, daher bitte ich Euch, nie die Dankbarkeit aus dem Wege zu lassen, von Euch etwas zu hören, ist ihr größten Lust seit sie allein ist, die Groß mutter ist wohl; zurstunt sich durch Lubreit [?], und ist nun immer darauf bedacht, was du etwa noch brauchen könntest. Wir hatten in dieser Zeit immer schon großen Strauß zu überkommen bey Otto waren alle 3 Kinder krank Otto hatte die häutige Launen mit schrecklich starken Fieber mußte 2 mal mit Luzis in Hals gebracht werden, der Kuhn kamm 2 mahl in einem Tag. Die Paula hatte starken Husten und war sehr k[g]rantig, und die kleine hat einen sehr starken Brust herten [?] so daß sie gewiß 3 Tag und Nächt gewiß nicht länger als eine ¼ Stund außsetzte mit Husten also war eine Person mit Otto, eine mit der kleinen, und die Mamma größtentheil mit der Paula beschäftigt. Die 2 Mädchen mußten so gar auß den Zimmer weg geXXaumt werden wo Otto lag damit sie nicht diese kranke Luf[t] einathmen also war die Pepi nun mit Otto beschäftigt, ich besorgte die kleinen. Die Paula hat dan einmal ich glaube es war gerade am Dienstag fast den ganzen Nachmittag geschlaffen, wo dan diese wider ganz frisch wurden. Otto ist nun auch gottlob wider gut, und fast ganz geheilt im Hals, er mußte auch Tag und Nacht Eis über schlag auf den Kopf haben, den er war oft ganz außeinander. Nun sind sie wieder alle im Kindszimmer beysammen, die kleine hat gestern Nachmmittag auch angefangen länger an ein ander zu schlaffen, und so gott will wird alles wider recht werden Otto ist auch schon wider auf. und zimmlich heiter man muß ihn nur imer hütten das er nicht hinauß kömmt. Ich muß nun schließen um die Post nicht zu ver säumen Lebt alle recht wohl genießt Eure Tage in Lust und Freude und seit herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer treuen Mutter Spängler – Alle Bekanten grüßen Euch herzlich und freuen sich über Euer glück. Die Chati küßt die Hände.
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[Brief von Nr.37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler und an FANNI]: Salzburg 20.4.72: Meine lieben theuren! Wie sehr freuen wir uns alle über Euer Glück, wir vergönen es Euch von ganzen Herzen, und wünschen das es immer so grüne- und blühe. Recht sehr danke ich, für Eure freundlichen Zeilen, zu meinen Geburtstag, wie es kamm weiß ich gar nicht aber die Großmutter über brachte mir selbst den Brief ich laß ihr dan den Brief gleich vor, und gab ihr auch denselben mit, damit sie in in Muse lesen kan. Wie froh bin ich daß die Groß mutter von gestern endlich einen Brief von Euch bekamm sie war schon in der that recht ver droßen und gekränkt, so lange von der Fany [Fanni] keinen Brief erhalten zu haben, nun scheint es, ist sie wider gut. Sie hat viel für die Fany [Fanni], und Euch gethan, daher bitte ich Euch, nie die Dankbarkeit aus dem Wege zu lassen, von Euch etwas zu hören, ist ihr größten Lust seit sie allein ist, die Groß mutter ist wohl; zurstunt sich durch Lubreit [?], und ist nun immer darauf bedacht, was du etwa noch brauchen könntest. Wir hatten in dieser Zeit immer schon großen Strauß zu überkommen bey Otto waren alle 3 Kinder krank Otto hatte die häutige Launen mit schrecklich starken Fieber mußte 2 mal mit Luzis in Hals gebracht werden, der Kuhn kamm 2 mahl in einem Tag. Die Paula hatte starken Husten und war sehr k[g]rantig, und die kleine hat einen sehr starken Brust herten [?] so daß sie gewiß 3 Tag und Nächt gewiß nicht länger als eine ¼ Stund außsetzte mit Husten also war eine Person mit Otto, eine mit der kleinen, und die Mamma größtentheil mit der Paula beschäftigt. Die 2 Mädchen mußten so gar auß den Zimmer weg geXXaumt werden wo Otto lag damit sie nicht diese kranke Luf[t] einathmen also war die Pepi nun mit Otto beschäftigt, ich besorgte die kleinen. Die Paula hat dan einmal ich glaube es war gerade am Dienstag fast den ganzen Nachmittag geschlaffen, wo dan diese wider ganz frisch wurden. Otto ist nun auch gottlob wider gut, und fast ganz geheilt im Hals, er mußte auch Tag und Nacht Eis über schlag auf den Kopf haben, den er war oft ganz außeinander. Nun sind sie wieder alle im Kindszimmer beysammen, die kleine hat gestern Nachmmittag auch angefangen länger an ein ander zu schlaffen, und so gott will wird alles wider recht werden Otto ist auch schon wider auf. und zimmlich heiter man muß ihn nur imer hütten das er nicht hinauß kömmt. Ich muß nun schließen um die Post nicht zu ver säumen Lebt alle recht wohl genießt Eure Tage in Lust und Freude und seit herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer treuen Mutter Spängler – Alle Bekanten grüßen Euch herzlich und freuen sich über Euer glück. Die Chati küßt die Hände.
    
=== 1872 bis 1887 ===
 
=== 1872 bis 1887 ===
Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, 1848-1905, z.T. zusammen mit Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, manchmal zwei Briefe zusammen = „und“, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler, 1796-1886, in Salzburg.  – [vorweg] Verlobungsanzeige Richard Schlegel für Fanni mit Franz Spängler, Salzburg 8.9.1871. – Mödling [M.] 29. und 30.5.1872. – M. 11.12.1873. – M. 22.12.1873 und 23.12.1873. – M. 7.3.1874 (Fanni) und 7.3.1874 (Franz). – M. 10.3.1874. – M. 27.3.1874. – M. 10.4.1874. – beschriebene Visitenkarte „Fanni Spängler geb. Schlegel“, Wien 7.4.1876. – Wien [W.] 28.7.1876. – W. 16.10.1876. – W. 9.12.1876. – W. 31.12.1876. – W. 4.3.1880 (Fanni) und ohne Datum (Franz). – W. 9.4.1880. – W. 6.6.1880. – W. 9.9.1880. – W. 11.10.1880. – W. 2.11.1880 Franz zum Bezirksrichter in Pottenstein ernannt. – W. 27.11.1880 mit Umschlag und Briefmarke an „Frau Fanny Kobler Private Salzburg Marktplaz N 10“. – W. 26.12.1880 mit Umschlag und Briefmarke, gleich vorstehend, aber ohne „Private“. – W. 8.1.1881/ 19.1. – W. 8.3.1881 Franzi, geb. 1877, und Toni, geb. 1879, schreiben dazu (diktiert?) an die Urgroßmutter. – W. 19.5.1881. – Pottenstein [P.] 10.6.1881. – P. 19.6.1881. – P. 10.7.1881. – P. 26.9.1881. – P. 12.11.1881. – P. 18.11.1881. – P. 28.1.1882. – P. 5.3.1882 sie haben 400 Gulden erhalten und danken. – P. 19.7.1882 Großmutter will nach P. kommen, allein mit Bahn bis Wien oder St.Pölten, wird dann dort von Franz abgeholt [am 16.5.1882 ist Nr.9 Johanna Holzapfel geb., meine Großmutter ]. – P. 8.8.1882 danken für Zulage von 600 Gulden; sie wollen die Großmutter (die vielleicht nicht nach P. kam?) in Salzburg besuchen, mit Eilzug von St.Pölten; für „Hanna“ kein Bett, Wäschekorb und ein Polster genügen. – P. 17.1.1883. – P. 4.2.1883. – P. 1.4.1883 sie „betteln“ um einen Zuschuss für ein neues Sofa, 50 bis 60 Gulden. Kinder freuen sich auf die Reise nach Salzburg = Franzi, Toni, Rosa und „Hanna“. Franz lässt grüßen, „er sagt, ich [Fanni] sei ein Bettelsack“. – P. 7.9.1883 danken für drei Wochen in Salzburg bei der [Ur-]großmutter; Franzi kommt in die 2.Klasse. – P. 1.11.1883. – P. 6.3.1884. – P. 30.12.1884. – Mödling 26.12. ohne Jahr. – Fanni, ohne Ort und Jahr. – Franz, o.O.u.J. – Franz, o.O.u.J. [diese Briefe lagen vielleicht anderen bei; die Briefe waren insgesamt ungeordnet, eine Zuordnung ist, ohne sie näher gelesen zu haben, nicht gegeben]. – Fanni, o.O.u.J. – Fanni/ Franz, o.O.u.J. [Rest eines mehrseitigen Briefes].
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Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, * 1848; † 1905, z.T. zusammen mit Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, manchmal zwei Briefe zusammen = „und“, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler, 1796-1886, in Salzburg.  – [vorweg] Verlobungsanzeige Richard Schlegel für Fanni mit Franz Spängler, Salzburg 8.9.1871. – Mödling [M.] 29. und 30.5.1872. – M. 11.12.1873. – M. 22.12.1873 und 23.12.1873. – M. 7.3.1874 (Fanni) und 7.3.1874 (Franz). – M. 10.3.1874. – M. 27.3.1874. – M. 10.4.1874. – beschriebene Visitenkarte „Fanni Spängler geb. Schlegel“, Wien 7.4.1876. – Wien [W.] 28.7.1876. – W. 16.10.1876. – W. 9.12.1876. – W. 31.12.1876. – W. 4.3.1880 (Fanni) und ohne Datum (Franz). – W. 9.4.1880. – W. 6.6.1880. – W. 9.9.1880. – W. 11.10.1880. – W. 2.11.1880 Franz zum Bezirksrichter in Pottenstein ernannt. – W. 27.11.1880 mit Umschlag und Briefmarke an „Frau Fanny Kobler Private Salzburg Marktplaz N 10“. – W. 26.12.1880 mit Umschlag und Briefmarke, gleich vorstehend, aber ohne „Private“. – W. 8.1.1881/ 19.1. – W. 8.3.1881 Franzi, geb. 1877, und Toni, geb. 1879, schreiben dazu (diktiert?) an die Urgroßmutter. – W. 19.5.1881. – Pottenstein [P.] 10.6.1881. – P. 19.6.1881. – P. 10.7.1881. – P. 26.9.1881. – P. 12.11.1881. – P. 18.11.1881. – P. 28.1.1882. – P. 5.3.1882 sie haben 400 Gulden erhalten und danken. – P. 19.7.1882 Großmutter will nach P. kommen, allein mit Bahn bis Wien oder St.Pölten, wird dann dort von Franz abgeholt [am 16.5.1882 ist Nr.9 Johanna Holzapfel geb., meine Großmutter ]. – P. 8.8.1882 danken für Zulage von 600 Gulden; sie wollen die Großmutter (die vielleicht nicht nach P. kam?) in Salzburg besuchen, mit Eilzug von St.Pölten; für „Hanna“ kein Bett, Wäschekorb und ein Polster genügen. – P. 17.1.1883. – P. 4.2.1883. – P. 1.4.1883 sie „betteln“ um einen Zuschuss für ein neues Sofa, 50 bis 60 Gulden. Kinder freuen sich auf die Reise nach Salzburg = Franzi, Toni, Rosa und „Hanna“. Franz lässt grüßen, „er sagt, ich [Fanni] sei ein Bettelsack“. – P. 7.9.1883 danken für drei Wochen in Salzburg bei der [Ur-]großmutter; Franzi kommt in die 2.Klasse. – P. 1.11.1883. – P. 6.3.1884. – P. 30.12.1884. – Mödling 26.12. ohne Jahr. – Fanni, ohne Ort und Jahr. – Franz, o.O.u.J. – Franz, o.O.u.J. [diese Briefe lagen vielleicht anderen bei; die Briefe waren insgesamt ungeordnet, eine Zuordnung ist, ohne sie näher gelesen zu haben, nicht gegeben]. – Fanni, o.O.u.J. – Fanni/ Franz, o.O.u.J. [Rest eines mehrseitigen Briefes].
    
29.7.1872 aus Wien, siehe: „1882“
 
29.7.1872 aus Wien, siehe: „1882“
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Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni [...] Angefügt: Brief ohne Umschlag 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. [...]
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Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni [...] Angefügt: Brief ohne Umschlag 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. [...]
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
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=== 1873 ===
 
=== 1873 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
    
12.1.1873, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterheftchen für die Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler]
 
12.1.1873, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterheftchen für die Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler]
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==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
[Brief von (Nr.37) Antonia Spängler an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an FANNI]: Salzburg 28.12.73: Meine innigstgeliebten Theuren! Gott zum gruß: Ihr habt mich schön lange warten lassen, auf einen Brief, ich glaubte schon, es sey der eine an Euch verloren gegangen, weil ich von 1[ten] wo ich geschrieben, bis 25[ten] nicht eine Zeile von Euch erhalten habe. Ich habe es den Rudolf Spängler schon aufgegeben, das sie Euch statt meiner einen kleinen Putzen giebt, - aber es eine Frage sein, ob ihr Euch sehen werdet. Sie sind am Dienstag von hier abgereist, und werden am Dienstag oder längstens Mitwoch Früh hier ankommen. Ich danke Euch beyden recht herzlich für die guten Wünsche zum Jahreswechsel, der liebe Gott wolle uns alle in seinen heilgen Schutz erhalten und in seiner Gnade, dan wird uns alles zum besten gereichen, ich bin nun schon sehr alt [70 Jahre], es kann jeden Tag der letzte sein, wie gott will. Sein Wille sey auch der meine. – Meinen Lieben auch bringe Euch die herzlichsten gewiß auf[ch] n[w]ichtigen Wünsche zum Neuen Jahr möge Euer Glück immer so ungetrübt bleiben wie bis jetzt. Ist es zu Euren beßten, so wird der liebe Gott schon noch Euer Glück erhöhen, durch die Freude, ein Kindlein auf Euren Armen zu wiegen was nicht ist– kann werden, es ist noch nichts auß der Zeit. Behaltet mich immer in Euerer Liebe. Für das hübsche Jangerl danke ich dir recht herzlich lieber Franz, so was kann man immer brauchen. Den kleinen Otto geht es gottlob schon beßer und darf nun schon Vormittag und Nachmittag jedes mahl 2 Stund auf sein und auch mehreres essen, und etwas Wein oder Schoko zur Sterkung nehmen. Lieber Franz ich denke schon das Ihr zu Ostern hierher kömmt, dan wollen wir von der Wienerreise reden. Die Feyertage sind nun auch wieder bald vorbey. Heil Abend und Weihnachtstag Mittag, war ich bey Duregger geladen Die Obrigen Tage gingen wie alle anderen Tage vorüber. Zum Christgeschenk bekam ich von Otto und Louise eine recht liebe Ha[u]be mit Kirsch rothen Bändern Stüzeln von Wolle und ein geldtascherl alles kann ich sehr gut brauchen. Otto sagte mir heute das er einen Brief von dir erhalten wo du so freundlich bist und mir etwas kauffen willst zum Christgeschenk- in diesen Augenblück ist mir noch nichts eingefallen, ich werde es ihm sagen wen mir etwas nöthiges einfällt. Bey Langer bitte ich mich beßtens zu Empfehlen. ich lasse alle Bekanten ein gutes neues Jahr wünschen. Wie ich auch von hier von vielen entrichten soll. Denkt Euch die F v Feusle [?] ist vor 3 Tagen mit einem Mädchen glücklich Entbunden worden welches den Nahmen Linna erhalten hat. Beide befinden sich wohl. Der Dommherr Schweiger ist am Weihnachtstag begraben worden. – Otto hat gesagt, er läßt Euch einsweilen ein recht gutes neues Jahr wünschen, er wird erst, wen alles geordnet ist schreiben. Die Frau von Pausing bedauere ich recht sehr, es läßt sich wohl denken wie leid ihr seyn wird. Gott gebe das es ein andermal beßer geht. Der Herr von Duregger war auch dieser Tage unwohl ist aber wider beßer aber mit den aufstehen vom Seßl und gehen da geht es oft so schlecht das 2 oder 3 zusammen helfen müßen um ihn aufzubringen. – Lebt recht wohl meine lieben Euch oft und oft im Gottes Schutz empfehlend verbleibe ich Eure Euch von ganzen Herzen lieben treue Mutter Spängler. – Otto und Bekante grüßen Euch recht herzlich. - „Duregger“: Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr.3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr.4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. – „#Langer“: Familie der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz.
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[Brief von (Nr.37) Antonia Spängler an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an FANNI]: Salzburg 28.12.73: Meine innigstgeliebten Theuren! Gott zum gruß: Ihr habt mich schön lange warten lassen, auf einen Brief, ich glaubte schon, es sey der eine an Euch verloren gegangen, weil ich von 1[ten] wo ich geschrieben, bis 25[ten] nicht eine Zeile von Euch erhalten habe. Ich habe es den Rudolf Spängler schon aufgegeben, das sie Euch statt meiner einen kleinen Putzen giebt, - aber es eine Frage sein, ob ihr Euch sehen werdet. Sie sind am Dienstag von hier abgereist, und werden am Dienstag oder längstens Mitwoch Früh hier ankommen. Ich danke Euch beyden recht herzlich für die guten Wünsche zum Jahreswechsel, der liebe Gott wolle uns alle in seinen heilgen Schutz erhalten und in seiner Gnade, dan wird uns alles zum besten gereichen, ich bin nun schon sehr alt [70 Jahre], es kann jeden Tag der letzte sein, wie gott will. Sein Wille sey auch der meine. – Meinen Lieben auch bringe Euch die herzlichsten gewiß auf[ch] n[w]ichtigen Wünsche zum Neuen Jahr möge Euer Glück immer so ungetrübt bleiben wie bis jetzt. Ist es zu Euren beßten, so wird der liebe Gott schon noch Euer Glück erhöhen, durch die Freude, ein Kindlein auf Euren Armen zu wiegen was nicht ist– kann werden, es ist noch nichts auß der Zeit. Behaltet mich immer in Euerer Liebe. Für das hübsche Jangerl danke ich dir recht herzlich lieber Franz, so was kann man immer brauchen. Den kleinen Otto geht es gottlob schon beßer und darf nun schon Vormittag und Nachmittag jedes mahl 2 Stund auf sein und auch mehreres essen, und etwas Wein oder Schoko zur Sterkung nehmen. Lieber Franz ich denke schon das Ihr zu Ostern hierher kömmt, dan wollen wir von der Wienerreise reden. Die Feyertage sind nun auch wieder bald vorbey. Heil Abend und Weihnachtstag Mittag, war ich bey Duregger geladen Die Obrigen Tage gingen wie alle anderen Tage vorüber. Zum Christgeschenk bekam ich von Otto und Louise eine recht liebe Ha[u]be mit Kirsch rothen Bändern Stüzeln von Wolle und ein geldtascherl alles kann ich sehr gut brauchen. Otto sagte mir heute das er einen Brief von dir erhalten wo du so freundlich bist und mir etwas kauffen willst zum Christgeschenk- in diesen Augenblück ist mir noch nichts eingefallen, ich werde es ihm sagen wen mir etwas nöthiges einfällt. Bey Langer bitte ich mich beßtens zu Empfehlen. ich lasse alle Bekanten ein gutes neues Jahr wünschen. Wie ich auch von hier von vielen entrichten soll. Denkt Euch die F v Feusle [?] ist vor 3 Tagen mit einem Mädchen glücklich Entbunden worden welches den Nahmen Linna erhalten hat. Beide befinden sich wohl. Der Dommherr Schweiger ist am Weihnachtstag begraben worden. – Otto hat gesagt, er läßt Euch einsweilen ein recht gutes neues Jahr wünschen, er wird erst, wen alles geordnet ist schreiben. Die Frau von Pausing bedauere ich recht sehr, es läßt sich wohl denken wie leid ihr seyn wird. Gott gebe das es ein andermal beßer geht. Der Herr von Duregger war auch dieser Tage unwohl ist aber wider beßer aber mit den aufstehen vom Seßl und gehen da geht es oft so schlecht das 2 oder 3 zusammen helfen müßen um ihn aufzubringen. – Lebt recht wohl meine lieben Euch oft und oft im Gottes Schutz empfehlend verbleibe ich Eure Euch von ganzen Herzen lieben treue Mutter Spängler. – Otto und Bekante grüßen Euch recht herzlich. - „Duregger“: Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr.3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr.4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. – „#Langer“: Familie der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz.
    
==== Otto Spängler an Bruder Franz Spängler ====
 
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7.3.1874 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
 
7.3.1874 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
1874 Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg 3.4.74: Meine innigstgeliebten Theuren! Nun nahen sich Feste- an Feste am 8te wird es 2 Jahre das Ihr das ehliche Band geschloßen- ich denke immer schon zurük, an diese Zeit wie wir zu thun hatten um alles zu ordnen- wie wir schon von einen Tag auf den andern warteten bis du endlich gekommen bist, es sind dieß alles angenehme Erinnerungen. Gott gebe das Ihr meine Lieben in 25 Jahren noch eben so glücklich seid, wie heute.- - will der liebe Gott noch eine Zugabe Euch bescheren- - so wird es mich freuen,- wen nicht, so müßen wir uns ergeben, und denken, es wird so beßer sein. der Wille des Herrn gesche[he]. Es thut mir sehr leid das Ihr nicht auf Ostern kommt Es wäre so schön, Euern Hochzeitstag, und meines lieben Franz geburtstag [! nicht der Namenstag, wie sonst üblich] hierin gefallen, und wir hätten denselben mitsammen feyern können, was mich schon gefreut hätte, da man solche Feste immer am liebsten- und glücklichsten mit seinen Kindern feyert. Lieber Franz Gottes reichsten Segen sey mit dir, der liebe Gott möge dir alles geben, was dich beglücken kann, in jeder Richtung besonders wünsche ich Euch beiden imer die beste Gesundheit, nur behalte immer deine Liebe. Vielleicht kommt Ihr doch noch im Frühjahr ich würde mich herzlich darüber freuen. Otto Louise und die Kindlein wünschen dir herzlich Glück zu beyden Festen, nebst herzlichen Grüßen. - - Das Unglück welches die Braunauer getroffen ist wohl sehr hart. Hoffrichter Katrin [?] ist mit Seiner Famil noch zimlich glücklich darauß gekommen, er har alles außgebracht es sind ihm auch 2 Zimmer und die Kanzlei geblieben, aber einige Hundert Gulden hat er doch Schaden gehabt, vielen ist alles verbrannt so auch der Bezirksrichter Gasner währens andern wie auß durch einen Brief erfahren, welche die Hofrichter i[nzwi]schen erhalten werden. Heute sind in Siehausen 3 Heuser und die Gazeln [Gasse] abgebrant wo die Gemeinde ihre Andachten hielt, eben um Mittag, es ist wohl sehr traurig, ich glaube, gewiß die Leute gehen zu leichtsinig um mit dem Licht. Es ist dieß so schrecklich das durch einen Menschen so viele Unglücklich werden, der Jamer in Braunau soll grenzenlos sein. Bey gattermeyer geht es immer so zimmlich gleich nicht beßer und auch nicht schlechter. - - Großmutter [Fanny Kobler] geht es gottlob gut, so auch bey Schlegl [Schlegel]. Franz Spängler mit seiner Frau ist hier, sie soll wider ganz gut außsehen. Die Marlin Weiß sieht sehr übel auß es scheint fast als ob sie die Außzehrung hätte, der Weiß will nun gehen sagt er und will in die Nähe von Wien Ziehen, die Leute wollen ihm nicht recht glauben schenken obwohl sie froh wären. Lebt recht wohl meine lieben, ich wünsche Euch gute Sonntage. bringt diese 2 Festtage [Ostern] gut zu seid herzlich gegrüßt und gesegnet von Eurer treuen Mutter Spángler. - „Franz Spängler“ wohl: Franz Seraphin Spängler (1837-1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr.18) Franz Xaver Spängler.
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1874 Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg 3.4.74: Meine innigstgeliebten Theuren! Nun nahen sich Feste- an Feste am 8te wird es 2 Jahre das Ihr das ehliche Band geschloßen- ich denke immer schon zurük, an diese Zeit wie wir zu thun hatten um alles zu ordnen- wie wir schon von einen Tag auf den andern warteten bis du endlich gekommen bist, es sind dieß alles angenehme Erinnerungen. Gott gebe das Ihr meine Lieben in 25 Jahren noch eben so glücklich seid, wie heute.- - will der liebe Gott noch eine Zugabe Euch bescheren- - so wird es mich freuen,- wen nicht, so müßen wir uns ergeben, und denken, es wird so beßer sein. der Wille des Herrn gesche[he]. Es thut mir sehr leid das Ihr nicht auf Ostern kommt Es wäre so schön, Euern Hochzeitstag, und meines lieben Franz geburtstag [! nicht der Namenstag, wie sonst üblich] hierin gefallen, und wir hätten denselben mitsammen feyern können, was mich schon gefreut hätte, da man solche Feste immer am liebsten- und glücklichsten mit seinen Kindern feyert. Lieber Franz Gottes reichsten Segen sey mit dir, der liebe Gott möge dir alles geben, was dich beglücken kann, in jeder Richtung besonders wünsche ich Euch beiden imer die beste Gesundheit, nur behalte immer deine Liebe. Vielleicht kommt Ihr doch noch im Frühjahr ich würde mich herzlich darüber freuen. Otto Louise und die Kindlein wünschen dir herzlich Glück zu beyden Festen, nebst herzlichen Grüßen. - - Das Unglück welches die Braunauer getroffen ist wohl sehr hart. Hoffrichter Katrin [?] ist mit Seiner Famil noch zimlich glücklich darauß gekommen, er har alles außgebracht es sind ihm auch 2 Zimmer und die Kanzlei geblieben, aber einige Hundert Gulden hat er doch Schaden gehabt, vielen ist alles verbrannt so auch der Bezirksrichter Gasner währens andern wie auß durch einen Brief erfahren, welche die Hofrichter i[nzwi]schen erhalten werden. Heute sind in Siehausen 3 Heuser und die Gazeln [Gasse] abgebrant wo die Gemeinde ihre Andachten hielt, eben um Mittag, es ist wohl sehr traurig, ich glaube, gewiß die Leute gehen zu leichtsinig um mit dem Licht. Es ist dieß so schrecklich das durch einen Menschen so viele Unglücklich werden, der Jamer in Braunau soll grenzenlos sein. Bey gattermeyer geht es immer so zimmlich gleich nicht beßer und auch nicht schlechter. - - Großmutter [Fanny Kobler] geht es gottlob gut, so auch bey Schlegl [Schlegel]. Franz Spängler mit seiner Frau ist hier, sie soll wider ganz gut außsehen. Die Marlin Weiß sieht sehr übel auß es scheint fast als ob sie die Außzehrung hätte, der Weiß will nun gehen sagt er und will in die Nähe von Wien Ziehen, die Leute wollen ihm nicht recht glauben schenken obwohl sie froh wären. Lebt recht wohl meine lieben, ich wünsche Euch gute Sonntage. bringt diese 2 Festtage [Ostern] gut zu seid herzlich gegrüßt und gesegnet von Eurer treuen Mutter Spángler. - „Franz Spängler“ wohl: Franz Seraphin Spängler (1837-1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr. 18) Franz Xaver Spängler.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.6.74 [1874]: Meine inigst geliebten Theuren! [verkehrt: Otto Louise grüßen Euch recht herzlich.] Dießmal muß auch ich mich entschuldigen, wegen des langen Stielschweigen, aber es kamm immer so viel dazwischen, das ich nie zum schreiben kamm, doch heute bin ich von der Kirche nachhauße gegangen, ohne einen Besuch zu machen, und setze mich zum schreiben damit ich doch einmal zu recht komme. bey Otto oben [im selben Haus] gab es so viel unwohl sein, das ich in der that ihnen viel nützlich sein konnte, die kleine Louise war 2 mal sehr krank dan lag die Kleine über 4 Wochen zu Hause krank dan kamm sie ins Spital wo auch täglich jemand hinauß ging um zu fragen wie es geht, es nahm auch viele Zeit in Anspruch sie nahmen wohl eine Außhülfe, die eine alte Person konte es auch nicht lange dermachen, dan wurde die Marie krank an einer starken Halsentzündung mit geschwühr, nun ist die Klara nach St gilgen gefahren, aber es mußte jemmand mit fahren und ein Bett hiere [?], da fuhr die Marie mit und blieb 2 Tage weg da hatten sie oben schon eine ordentliche Köchin aufgenohmen aber es waren halt doch nun 2 Mägde zu Hauße und dieser Tage hatten sie Mauern Tapeziren, und eine Kleidermacherin also läßt es sich leicht denken das man bey solcher Arbeit vor allem sucht die Kinder fortzubringen, so ging ich bald mit den 2 größeren Kindern, oder mit allen 4 Kindern und der Pezi auß wie es kamm- dann hatte ich auch einige Glückwünsche auf Konti und so vergeht mir die Zeit schnel und angenehm vorbey. - Bey Duregger bin ich auch gewöhnlich 3 mal in der Woche Abends geladen, da gehe ich gewöhnlich um 5 Uhr hinauß und genieße noch die herliche Luft in freyen. So sehr mich die Uhr als Geschenk freute so sehr bedaure ich, daß sie noch keinen Tag richtig gegangen ist, ich habe sie schon wider über 8 Tage dort [zur Reparatur], es ist doch schade, wenn man so viel geld für eine Sag[ch]e hergiebt, und man kann keine Freude haben weil sie nie recht geht. Auch ist der Zweck nicht ereicht. Heute werde ich sie wider hollen, und ich gebe so acht darauf, und es bekömmt sie niemand anderes in die Hände. Für die Glückwünsche zu meinen Nammenstag meinen herzlichsten Dank, der liebe Gott möge sie erfüllen ich war zu Mittag bey Otto und Abends bey Duregger, und am Tag darauf bey der Toda. - Wir hatten für Euch recht bange da Otto in der Presse gelesen das in Mödling und Baden ein Wolkenbruch nidergegangen mit starken Hagel bekleidet so das in einer Seite der langen gaße, alle Fenster eingeschlagen wurden, aber Ihr habt ja doch meistens die Palcken [Fensterläden] geschloßen, so hoffe ich wird es Euch nicht so stark getroffen haben. Heute haben wir den 30te und ich komm erst dazu diesen Brief zu schließen, es kamm neulich als ich gerade im Schreiben war die [!] Anton Spängler von Braunau und, ich mußte diese 2 Tage fast immer mit ihnen zubringen, bis sie gestern Abend fort reisten, und wie ich nachhauße kamm war schon wieder die Post da, ich bin bey Duregger zum Spielen geladen. Gestern Abends traf ich Otto und Louise draußen, welche mir sagten das es dich auch mit den Fenstern getroffen hat, ich bedauere Euch sehr. Bey XXX geht es beßer, gottlob es haben alle die Flecken [!] [verkehrt:] Lebt wohl mit 1000 Küßen Eure euch herzlich küßende Mutter Spángler - „Toda“ auch in einem Brief der Antonia Spängler vom 16.3.1872 genannt; nicht näher identifiziert.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.6.74 [1874]: Meine inigst geliebten Theuren! [verkehrt: Otto Louise grüßen Euch recht herzlich.] Dießmal muß auch ich mich entschuldigen, wegen des langen Stielschweigen, aber es kamm immer so viel dazwischen, das ich nie zum schreiben kamm, doch heute bin ich von der Kirche nachhauße gegangen, ohne einen Besuch zu machen, und setze mich zum schreiben damit ich doch einmal zu recht komme. bey Otto oben [im selben Haus] gab es so viel unwohl sein, das ich in der that ihnen viel nützlich sein konnte, die kleine Louise war 2 mal sehr krank dan lag die Kleine über 4 Wochen zu Hause krank dan kamm sie ins Spital wo auch täglich jemand hinauß ging um zu fragen wie es geht, es nahm auch viele Zeit in Anspruch sie nahmen wohl eine Außhülfe, die eine alte Person konte es auch nicht lange dermachen, dan wurde die Marie krank an einer starken Halsentzündung mit geschwühr, nun ist die Klara nach St gilgen gefahren, aber es mußte jemmand mit fahren und ein Bett hiere [?], da fuhr die Marie mit und blieb 2 Tage weg da hatten sie oben schon eine ordentliche Köchin aufgenohmen aber es waren halt doch nun 2 Mägde zu Hauße und dieser Tage hatten sie Mauern Tapeziren, und eine Kleidermacherin also läßt es sich leicht denken das man bey solcher Arbeit vor allem sucht die Kinder fortzubringen, so ging ich bald mit den 2 größeren Kindern, oder mit allen 4 Kindern und der Pezi auß wie es kamm- dann hatte ich auch einige Glückwünsche auf Konti und so vergeht mir die Zeit schnel und angenehm vorbey. - Bey Duregger bin ich auch gewöhnlich 3 mal in der Woche Abends geladen, da gehe ich gewöhnlich um 5 Uhr hinauß und genieße noch die herliche Luft in freyen. So sehr mich die Uhr als Geschenk freute so sehr bedaure ich, daß sie noch keinen Tag richtig gegangen ist, ich habe sie schon wider über 8 Tage dort [zur Reparatur], es ist doch schade, wenn man so viel geld für eine Sag[ch]e hergiebt, und man kann keine Freude haben weil sie nie recht geht. Auch ist der Zweck nicht ereicht. Heute werde ich sie wider hollen, und ich gebe so acht darauf, und es bekömmt sie niemand anderes in die Hände. Für die Glückwünsche zu meinen Nammenstag meinen herzlichsten Dank, der liebe Gott möge sie erfüllen ich war zu Mittag bey Otto und Abends bey Duregger, und am Tag darauf bey der Toda. - Wir hatten für Euch recht bange da Otto in der Presse gelesen das in Mödling und Baden ein Wolkenbruch nidergegangen mit starken Hagel bekleidet so das in einer Seite der langen gaße, alle Fenster eingeschlagen wurden, aber Ihr habt ja doch meistens die Palcken [Fensterläden] geschloßen, so hoffe ich wird es Euch nicht so stark getroffen haben. Heute haben wir den 30te und ich komm erst dazu diesen Brief zu schließen, es kamm neulich als ich gerade im Schreiben war die [!] Anton Spängler von Braunau und, ich mußte diese 2 Tage fast immer mit ihnen zubringen, bis sie gestern Abend fort reisten, und wie ich nachhauße kamm war schon wieder die Post da, ich bin bey Duregger zum Spielen geladen. Gestern Abends traf ich Otto und Louise draußen, welche mir sagten das es dich auch mit den Fenstern getroffen hat, ich bedauere Euch sehr. Bey XXX geht es beßer, gottlob es haben alle die Flecken [!] [verkehrt:] Lebt wohl mit 1000 Küßen Eure euch herzlich küßende Mutter Spángler - „Toda“ auch in einem Brief der Antonia Spängler vom 16.3.1872 genannt; nicht näher identifiziert.
    
26.7.1874, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel, Flugschrift]
 
26.7.1874, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel, Flugschrift]
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==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 15.8.74 [1874]: [verkehrt:] Sind sie bey Langer für ganz von Mödling weggekommen? Viele grüße von allen Bekannten. Lürzer Leopold von Hopfgarten ist am 3 dieses Monnaths an Lungenleiden gestorben. - Meine inigst geliebten Theuren! Es ist schon so lange, seit ich den letzten Brief erhalten von Euch, das, ich wen ich nicht zufällinger Weise, von dort, und da, etwas hörte, und mir auch die Versuchung [Versicherung] geben, das Ihr beide sehr gut außseht, so müßte mir bange werden, aber so denke ich mir, keines wird gerne schreiben, und so kömmt man ins [auf]schieben, ich weiß dieses von mir selbst. Wie mir Otto sagte so willst du mit Otto mir den Regenkragen [Wetterfleck] kauffen, ich traue dem Otto nicht recht, ich fürchte er hat dich aufgefordert die hälfte zu zahlen, ich habe ihm fest gesagt, ich zahle die hälfte davon, und nun sagte er auf einmal du wollest die Hälfte zahlen zum Nammenstag, was ich wohl nicht annehmen kann, da die Fanny auf wiederholtes bitten, sie möchte sich doch in meinem Nahmen etwas kauffen was sie freut und braucht, es nicht gethan hat. Ich bath sie, sie möge so gut sein, es dem Franz zu sagen, damit ich mit Otto dan abrechnen kann. - Wie geht es Euch meine Lieben geht Ihr recht viel spatzieren! Ich gehe halt sehr viel in Duregger Hof [Mozartplatz 4 mit kleinem Innenhof]. am Mittwoch gehen Otto Louise die 2 größeren Kinder ins Pußterthal nach Meystatt es ist inner Brunnecken [bei Bruneck/Südtirol], die Fammile Duregger geht auch mit. Sie freuen sich schon alle, er will bis 8te Septemmber wider hier sein. Gott gebe das alles gut vorüber gehe. – Heute den 17te bis hierher schrieb ich vorgestern mitlerweile wurde die kleine Louise wider an einer Halsentzündung krank, es ist daher wider unbestimmt ob sie so weit gehen, und wann sie gehen wie die Louise nicht beßer ist, kan davon nicht die Rede sein, sie will sich ja nichts anthun lassen, und nichts nehmen, sie hatte auch von einigen Tagen eine Halsentzündung es ging aber schnel vorüber. Dießmal scheint aber das Übel tiefer zu sitzen, wie wollen das beßere hoffen. - Gestern war ich bey der großmutter [Fanny Kobler] es geht ihr gottlob gut bis auf öfters Herzklopfen. Die Großmutter scheint doch so bald sie kan nach Mödling zu gehen; ihre Partey [Mieter] geht bis 1 September fort, dan muß sie erst den Maurer und anstreicher nehmen für die Küche, dan denke ich wird nicht mehr viel im Wege liegen, Wie mir scheint möchte sie mit Louise fahren. Ich denke gerade auf, wenn die Großmutter es mitnehmen könnte, so schücke ich Euch ein Glaß, schönster eingesottener Ribisel [Johannisbeeren], ich werde schon die Großmutter darum bitten. Otto und Louise lassen Euch recht herzlich grüßen. Nun sind wider die Schissel beyde hier er war in Bad, in Baden, in der Schweitz, und hat ihm sehr gut gethan. Sie werden noch, einige Tage hier bleiben. die Frau direktor Reitlechner war vor ein paar Tagen auf besuch bey mir, bat mich aber nicht mehr zu ihr zu kommen in dem sie den volgenden Tag ziehen sie weiß nicht wohin da in ihrem Hauß in ein paar Tagen alles gepfändet wird, und so war mir sehr leid ihr keinen gegenbesuch machen zu können. die Späth ist schon längere Zeit an einen Magenkatahr [-katarrh] krank und oft sehr schwach. Lebt recht wohl meine lieben theuren lasset recht bald etwas von Euch hören Eure Euch treu liebende Mutter Spángler
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 15.8.74 [1874]: [verkehrt:] Sind sie bey Langer für ganz von Mödling weggekommen? Viele grüße von allen Bekannten. Lürzer Leopold von Hopfgarten ist am 3 dieses Monnaths an Lungenleiden gestorben. - Meine inigst geliebten Theuren! Es ist schon so lange, seit ich den letzten Brief erhalten von Euch, das, ich wen ich nicht zufällinger Weise, von dort, und da, etwas hörte, und mir auch die Versuchung [Versicherung] geben, das Ihr beide sehr gut außseht, so müßte mir bange werden, aber so denke ich mir, keines wird gerne schreiben, und so kömmt man ins [auf]schieben, ich weiß dieses von mir selbst. Wie mir Otto sagte so willst du mit Otto mir den Regenkragen [Wetterfleck] kauffen, ich traue dem Otto nicht recht, ich fürchte er hat dich aufgefordert die hälfte zu zahlen, ich habe ihm fest gesagt, ich zahle die hälfte davon, und nun sagte er auf einmal du wollest die Hälfte zahlen zum Nammenstag, was ich wohl nicht annehmen kann, da die Fanny auf wiederholtes bitten, sie möchte sich doch in meinem Nahmen etwas kauffen was sie freut und braucht, es nicht gethan hat. Ich bath sie, sie möge so gut sein, es dem Franz zu sagen, damit ich mit Otto dan abrechnen kann. - Wie geht es Euch meine Lieben geht Ihr recht viel spatzieren! Ich gehe halt sehr viel in Duregger Hof [Mozartplatz 4 mit kleinem Innenhof]. am Mittwoch gehen Otto Louise die 2 größeren Kinder ins Pußterthal nach Meystatt es ist inner Brunnecken [bei Bruneck/Südtirol], die Fammile Duregger geht auch mit. Sie freuen sich schon alle, er will bis 8te Septemmber wider hier sein. Gott gebe das alles gut vorüber gehe. – Heute den 17te bis hierher schrieb ich vorgestern mitlerweile wurde die kleine Louise wider an einer Halsentzündung krank, es ist daher wider unbestimmt ob sie so weit gehen, und wann sie gehen wie die Louise nicht beßer ist, kan davon nicht die Rede sein, sie will sich ja nichts anthun lassen, und nichts nehmen, sie hatte auch von einigen Tagen eine Halsentzündung es ging aber schnel vorüber. Dießmal scheint aber das Übel tiefer zu sitzen, wie wollen das beßere hoffen. - Gestern war ich bey der großmutter [Fanny Kobler] es geht ihr gottlob gut bis auf öfters Herzklopfen. Die Großmutter scheint doch so bald sie kan nach Mödling zu gehen; ihre Partey [Mieter] geht bis 1 September fort, dan muß sie erst den Maurer und anstreicher nehmen für die Küche, dan denke ich wird nicht mehr viel im Wege liegen, Wie mir scheint möchte sie mit Louise fahren. Ich denke gerade auf, wenn die Großmutter es mitnehmen könnte, so schücke ich Euch ein Glaß, schönster eingesottener Ribisel [Johannisbeeren], ich werde schon die Großmutter darum bitten. Otto und Louise lassen Euch recht herzlich grüßen. Nun sind wider die Schissel beyde hier er war in Bad, in Baden, in der Schweitz, und hat ihm sehr gut gethan. Sie werden noch, einige Tage hier bleiben. die Frau direktor Reitlechner war vor ein paar Tagen auf besuch bey mir, bat mich aber nicht mehr zu ihr zu kommen in dem sie den volgenden Tag ziehen sie weiß nicht wohin da in ihrem Hauß in ein paar Tagen alles gepfändet wird, und so war mir sehr leid ihr keinen gegenbesuch machen zu können. die Späth ist schon längere Zeit an einen Magenkatahr [-katarrh] krank und oft sehr schwach. Lebt recht wohl meine lieben theuren lasset recht bald etwas von Euch hören Eure Euch treu liebende Mutter Spángler
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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=== 1875 ===
 
=== 1875 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
    
Brief Salzburg 10.5.1875 an Nr.17 Fanni Schlegel von „deinem Vater Richard“ Schlegel [Nr.38], siehe: 1850/1851 Briefe...
 
Brief Salzburg 10.5.1875 an Nr.17 Fanni Schlegel von „deinem Vater Richard“ Schlegel [Nr.38], siehe: 1850/1851 Briefe...
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==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.10.75 [1875]: Meine innigst geliebten Theuren! Ich hatte schon große Sensucht, von Euch meine Lieben einen Brief zu erhalten, endlich am Montag wurde ich mit einer Nachricht erfreut, und zwar doppelt erfreulich, weil ich nun mit aller Ruhe hoffen kann das alles in Ordnung ist. Der liebe Gott gebe seinen Segen dazu: Ich bitte dich liebe Fany [Fanni] schon dich- thue ja nichts was dir oder den Kinde nachtheilig sein könte. Besonders Verkühlung ist sehr nachtheilig. Wie froh bin ich daß du so heiter und ruhig bist, so hoffe ich wird auch das Kindlein so werden. Ich habe bey durchlesung des Briefes Freudenthränen vergoßen. Ich freue mich schon auf das Kindlein. Gott gebe das alles glücklich Vorübergehe, dan werden wir uns alle im stillen glück erfreuen. Liebe Fany ich bin schon immer jetzt schon sehr bedacht auf meine Gesundheit und auch auf meine Kraft das ich Euch meine wenige Kraft bieten kann, auch giebt der liebe Gott für besodere Fälle auch besondere Kräfte, und dieß erwarte auch ich, von den lieben Gott. Wie schnel wird die Zeit, diese wenigen Monathe vorüber gehen bis ich fort reise von hier. Ich habe nun schon angefangen an den Leibchen zu strücken und Morgen nehmen wir bey der Großmutter eine restliche durchschau der Kindswasch vor, auch nehme ich Wückelthuch und unterlegel mit und so binderln wie man sie nimmt wen man die Kinder nicht mehr fatscht [eng in Binden wickelt] einen Flanel nehme ich auch mit damit sie alles sieht, wie es die Louise hat. Du hast gewiß schon manches gemacht, für das Kindlein. 1 Barterl werde ich auch minehmen. - Otto kömmt nicht nach Wien man weiß nicht wem es eingefallen ist so etwas hinein setzen zu lassen [in die Zeitung] er hat es auch schon wider ruffen lasen. Wegen Hechen [?] Beschau wirst du wie alle hier sehr erfreut geweßen sein besonders die Holzschu Fräulein welche so kümmerlich leben mußten diese können nun wen sie dieses Geld bekommen ganz anständig leben. Sie haben bey einer Außbeute [Rente, Zinsen] 57 fl [Gulden] mit der Außbeute welche auch zugleich mit der großen Zahlung vereint wird bekommen die Holzschuischen bey 3000 fl nebst dem wird auch beantragt, das ferner 6 bis 7 Außbeuten, allzahnlich sind. Dieß ist wohl ein großes Glück, für die gesellschaft. Die Großmutter ist Gottlob zimmlich wohl, im ganzen hält dies Klopfen nicht mehr so lange an wie sonst. Ich habe zu Otto gesagt wen Ihr die Zahlung von der Hannerau [?] bekömmt so wäre es sehr angezeugt wen Ihr für den guten Vater einen Grabstein setzen laßen würdet. Lebt recht wohl meine innigstgeliebten Euch segnend und herzlich grüßend verbleibe ich Eure Euch treuliebende Mutter Antonia Spángler. – Otto und Louise grüßen Euich herzlich.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.10.75 [1875]: Meine innigst geliebten Theuren! Ich hatte schon große Sensucht, von Euch meine Lieben einen Brief zu erhalten, endlich am Montag wurde ich mit einer Nachricht erfreut, und zwar doppelt erfreulich, weil ich nun mit aller Ruhe hoffen kann das alles in Ordnung ist. Der liebe Gott gebe seinen Segen dazu: Ich bitte dich liebe Fany [Fanni] schon dich- thue ja nichts was dir oder den Kinde nachtheilig sein könte. Besonders Verkühlung ist sehr nachtheilig. Wie froh bin ich daß du so heiter und ruhig bist, so hoffe ich wird auch das Kindlein so werden. Ich habe bey durchlesung des Briefes Freudenthränen vergoßen. Ich freue mich schon auf das Kindlein. Gott gebe das alles glücklich Vorübergehe, dan werden wir uns alle im stillen glück erfreuen. Liebe Fany ich bin schon immer jetzt schon sehr bedacht auf meine Gesundheit und auch auf meine Kraft das ich Euch meine wenige Kraft bieten kann, auch giebt der liebe Gott für besodere Fälle auch besondere Kräfte, und dieß erwarte auch ich, von den lieben Gott. Wie schnel wird die Zeit, diese wenigen Monathe vorüber gehen bis ich fort reise von hier. Ich habe nun schon angefangen an den Leibchen zu strücken und Morgen nehmen wir bey der Großmutter eine restliche durchschau der Kindswasch vor, auch nehme ich Wückelthuch und unterlegel mit und so binderln wie man sie nimmt wen man die Kinder nicht mehr fatscht [eng in Binden wickelt] einen Flanel nehme ich auch mit damit sie alles sieht, wie es die Louise hat. Du hast gewiß schon manches gemacht, für das Kindlein. 1 Barterl werde ich auch minehmen. - Otto kömmt nicht nach Wien man weiß nicht wem es eingefallen ist so etwas hinein setzen zu lassen [in die Zeitung] er hat es auch schon wider ruffen lasen. Wegen Hechen [?] Beschau wirst du wie alle hier sehr erfreut geweßen sein besonders die Holzschu Fräulein welche so kümmerlich leben mußten diese können nun wen sie dieses Geld bekommen ganz anständig leben. Sie haben bey einer Außbeute [Rente, Zinsen] 57 fl [Gulden] mit der Außbeute welche auch zugleich mit der großen Zahlung vereint wird bekommen die Holzschuischen bey 3000 fl nebst dem wird auch beantragt, das ferner 6 bis 7 Außbeuten, allzahnlich sind. Dieß ist wohl ein großes Glück, für die gesellschaft. Die Großmutter ist Gottlob zimmlich wohl, im ganzen hält dies Klopfen nicht mehr so lange an wie sonst. Ich habe zu Otto gesagt wen Ihr die Zahlung von der Hannerau [?] bekömmt so wäre es sehr angezeugt wen Ihr für den guten Vater einen Grabstein setzen laßen würdet. Lebt recht wohl meine innigstgeliebten Euch segnend und herzlich grüßend verbleibe ich Eure Euch treuliebende Mutter Antonia Spángler. – Otto und Louise grüßen Euich herzlich.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 11.9.75 [1875]: Meine lieben Theuren! Wie lange habe ich mir schon vorgenohmen, an Euch meine lieben zu schreiben, und erst heute komme ich zur Außführung. Ich bin viel auf dem Land bald bey Otto, und bald bei Duregger, dan wird im Hauß in allen 3 Stöcken die Wasserleitung gerichtet wo ich besonders im 3te Stock oft nachschauen muß in meinem Spiegel wurden auch 3 Löcher zu Röhrenlegung durchgebrochen, ist aber noch nicht ganz fertig, es giebt so manchmal unangenehme dabey. Daß Ihr glücklich und wohlbehalten in Wien angekommen seit freute mich sehr, und ich hoffe es wird alles in Ordnung bleiben. Fany [Fanni, schwanger] soll sich nun halten, und besonders nicht schwer heben, und nicht zu weite S[p]atziergänge machen. Besonders bevor die ersten 4 Monnathe vorbey sind muß man in jeder Beziehung vorsichtig sein. Seit 2 Tagen geht es der Natalie, auch beßer, sie hatt Fieber die Mama wird sehr viele angst außgestanden haben, das Kindlein soll sehr gedeien. - Die Großmutter [Fanny Kobler] ist im ganzen zimmlich gleich, bald beßer, dan muß sie wider einige Stunden liegen, nach und nach wird es sich schon geben. Dermalen hat die Großmutter noch gar nichts von der Wasch [große Wäsche] gesprochen, es ist wohl auch noch Zeit. Die Großmutter hat neulich der Conto [Rechnung] gebracht, von dem Herrn Joseph Müllner, welcher das Bild [Foto] für dich ferfertigt hat, es mach[t] 2 f 75 der Otto wird es schon berichtigen wie es zeit hat, ich lasse ihm nicht vergeßen. Wegen der Pezi im Hoff ist es schon wie wir gesehen, es ist ihr bis 1te Ocktober aufgesagt. Vieleicht heurathet er sie bis dahin, noch weiß man nichts, er ist nicht hier, er muß aber dieser Tage kommen, weil die Stelle beginnt am 16te. Die Angermeier gehen Heute von hier fort sommit weil Ihr so nahe wohnt gebe ich ihn diesen Brief mit. Die Zeit läuft so schnel, wie bald werden auch wieder diese Monathe vergehen bis wir uns widersehen. Nicht wahr, ich dachte es mir, wie wohl dir wider gewesen sein wird, in deinen eigenen Haußwesen zu dirXXXnen zu könen. Es ist überal gut aber zu Hauße amm besten. - Den Herrn Prälaten habe ich noch nicht gesprochen. Das dir das viele Abstossen nichts getahn, ist ein großes Glück. auch ein Beweiß das es festen Sitz genohmen hat. Lida Plachetka ist eine ganz glückliche Braut. Im November ist die Vermählung. Auch Frau Auer soll verlobt sein mit dem jungen Weber. Ob wahr oder nicht kann ich nicht behaupten. Otto und Louise grüßen Euch recht herzlich Otto wird schon alles besorgen. Otto kann noch nicht herein Ziehen weil wir noch keine Wasser zum putzen haben das neue ist nicht fertig und das alte kömmt nicht mehr. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spángler von allen Bekanten herzliche Grüße.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 11.9.75 [1875]: Meine lieben Theuren! Wie lange habe ich mir schon vorgenohmen, an Euch meine lieben zu schreiben, und erst heute komme ich zur Außführung. Ich bin viel auf dem Land bald bey Otto, und bald bei Duregger, dan wird im Hauß in allen 3 Stöcken die Wasserleitung gerichtet wo ich besonders im 3te Stock oft nachschauen muß in meinem Spiegel wurden auch 3 Löcher zu Röhrenlegung durchgebrochen, ist aber noch nicht ganz fertig, es giebt so manchmal unangenehme dabey. Daß Ihr glücklich und wohlbehalten in Wien angekommen seit freute mich sehr, und ich hoffe es wird alles in Ordnung bleiben. Fany [Fanni, schwanger] soll sich nun halten, und besonders nicht schwer heben, und nicht zu weite S[p]atziergänge machen. Besonders bevor die ersten 4 Monnathe vorbey sind muß man in jeder Beziehung vorsichtig sein. Seit 2 Tagen geht es der Natalie, auch beßer, sie hatt Fieber die Mama wird sehr viele angst außgestanden haben, das Kindlein soll sehr gedeien. - Die Großmutter [Fanny Kobler] ist im ganzen zimmlich gleich, bald beßer, dan muß sie wider einige Stunden liegen, nach und nach wird es sich schon geben. Dermalen hat die Großmutter noch gar nichts von der Wasch [große Wäsche] gesprochen, es ist wohl auch noch Zeit. Die Großmutter hat neulich der Conto [Rechnung] gebracht, von dem Herrn Joseph Müllner, welcher das Bild [Foto] für dich ferfertigt hat, es mach[t] 2 f 75 der Otto wird es schon berichtigen wie es zeit hat, ich lasse ihm nicht vergeßen. Wegen der Pezi im Hoff ist es schon wie wir gesehen, es ist ihr bis 1te Ocktober aufgesagt. Vieleicht heurathet er sie bis dahin, noch weiß man nichts, er ist nicht hier, er muß aber dieser Tage kommen, weil die Stelle beginnt am 16te. Die Angermeier gehen Heute von hier fort sommit weil Ihr so nahe wohnt gebe ich ihn diesen Brief mit. Die Zeit läuft so schnel, wie bald werden auch wieder diese Monathe vergehen bis wir uns widersehen. Nicht wahr, ich dachte es mir, wie wohl dir wider gewesen sein wird, in deinen eigenen Haußwesen zu dirXXXnen zu könen. Es ist überal gut aber zu Hauße amm besten. - Den Herrn Prälaten habe ich noch nicht gesprochen. Das dir das viele Abstossen nichts getahn, ist ein großes Glück. auch ein Beweiß das es festen Sitz genohmen hat. Lida Plachetka ist eine ganz glückliche Braut. Im November ist die Vermählung. Auch Frau Auer soll verlobt sein mit dem jungen Weber. Ob wahr oder nicht kann ich nicht behaupten. Otto und Louise grüßen Euch recht herzlich Otto wird schon alles besorgen. Otto kann noch nicht herein Ziehen weil wir noch keine Wasser zum putzen haben das neue ist nicht fertig und das alte kömmt nicht mehr. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spángler von allen Bekanten herzliche Grüße.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 25.11.[18]75: [verkehrt:] Die Länge dieses Schiiel [?] ist die größe von den Unterlegeln ganz 4 XXX zum Saume ist schon zugegeben. - Meine lieben- lieben Theuren. Hiemit meinen herzlichen innigen Dank für Eure Wünsche zum 49te Hochzeitstag, es ist mir dieser Tag immer ein Tag, selliger Erinnerung- und Schmerz- das mir mein Glück so bald zu Grabe ging. Der Vater war mehr als gut wir lebten sehr glücklich. Nun seit Er tod ist suche ich mein Glück, im Glücke meiner Kinder. Nun will ich genau der lieben Fany [Fanni] ihre Fragen beantworten wegen der Kindswasch [Kinderwäsche, Ausstattung]. Im ganzen bin ich zufrieden was ich für dich liebe Fany errungen habe. Am schlechtesten geht es mit den Wückeltüchern und Unterlegeln es sind in der Zahl 26 Wückeltücher aber nur 9 haben die größe von der Louise ihren Muster. die anderen sind halt viel kürzer. Unterlegeln sind es 42 Stück, 13 davon sehr schon [schön] und groß, die U[e]brigen, kann ich mir nicht recht denken das wir sie brauchen können. Die Großmutter giebt mir aber immer zur Antwort, sind 2 Kinder damit groß geworden so wird diß Kind sie auch brauchen können. Ich mag sie nicht böse machen, sonst kauft sie uns die anderen Sachen zuletzt auch nicht mehr. Wir haben 4 ganz neue gute Flanell gekauft 5 Ell [Ellen] für 4 Stück die El 1 f 20 X [Gulden/Kreuzer] dan recht sehr liebe Bens [?] auf deckerl und duchentziehen [Bettüberzüge] fürs Bett. dan 4 Kapenleintücheln, und ich hoffe auch noch 4 Unterleinlicherln [?] dan 3 Einbinddeckerln. eines davon ist sehr lieb dan bekömmst du 4 recht gute Leibchen neue 2 kleine Leibchen. Dan einen Pfleiben-Sack als Unterbett im Korb, und darauf eine Matratze von Seegraß. und Polster. Vieleicht köntest du einmal ein Maß von der größe des Korbes, in Lange und Breite schücken. damit alles ordentlich wird. - Fatschpolster Kappe und Zieher bekömmst du auch hinunter. Wegen den Unterlegeln glaube ich wir sollen gar nichts sagen ich schücke die an den Santemetter [Centimeter] abgemeßen ganz genau die länge sie sind 4 ekicht. Ich bitte dich in der 27 X Handlung auf meine Rechnung 12 Ell Leinwand zu kaufen und zu machen, und es von mir als Christgeschenk zu nehmen, für dich und statt Franz etwas zu schücken kaufe dir Gutaberger Einlage für das Bett. Sie kostet auch ein paar gulden. Den sie bedeckt beynahe den ganzen Korb. So wären gute und Sachen gedeckt. Sage aber der großmutter nichts davon, weil sie es nicht zugiebt das die Unterlegeln nichts taugen. 2 Einlagen für die Einbinddeckerln gab mir die Louise für dich die nehme ich dan mit, oder wen ich mit deinen Leibchen fertig werde, schücke ich alles zusammen auf Weihnachten mit der Großmutter ihren Sachen. Otto ist Heute und Gestern in Achthall [Achtal] er läßt dich recht herzlich grüßen. Wie froh bin ich immer zu hören das es dir liebe Fany recht gut geht, so wird gewiß auch dan alles recht gut und glücklich vorüber gehen. Gieb auch vor Verkühlung recht obacht. Lebe recht wohl es küßt und Segnet Euch alle 3 Euere Euch von ganzen Herzen liebende Mutter Spángler. - „Hochzeitstag“: Vermählung mit Franz Xaver Spängler am 14.11.1826; Ehemann gestorben am 1.3.1854.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 25.11.[18]75: [verkehrt:] Die Länge dieses Schiiel [?] ist die größe von den Unterlegeln ganz 4 XXX zum Saume ist schon zugegeben. - Meine lieben- lieben Theuren. Hiemit meinen herzlichen innigen Dank für Eure Wünsche zum 49te Hochzeitstag, es ist mir dieser Tag immer ein Tag, selliger Erinnerung- und Schmerz- das mir mein Glück so bald zu Grabe ging. Der Vater war mehr als gut wir lebten sehr glücklich. Nun seit Er tod ist suche ich mein Glück, im Glücke meiner Kinder. Nun will ich genau der lieben Fany [Fanni] ihre Fragen beantworten wegen der Kindswasch [Kinderwäsche, Ausstattung]. Im ganzen bin ich zufrieden was ich für dich liebe Fany errungen habe. Am schlechtesten geht es mit den Wückeltüchern und Unterlegeln es sind in der Zahl 26 Wückeltücher aber nur 9 haben die größe von der Louise ihren Muster. die anderen sind halt viel kürzer. Unterlegeln sind es 42 Stück, 13 davon sehr schon [schön] und groß, die U[e]brigen, kann ich mir nicht recht denken das wir sie brauchen können. Die Großmutter giebt mir aber immer zur Antwort, sind 2 Kinder damit groß geworden so wird diß Kind sie auch brauchen können. Ich mag sie nicht böse machen, sonst kauft sie uns die anderen Sachen zuletzt auch nicht mehr. Wir haben 4 ganz neue gute Flanell gekauft 5 Ell [Ellen] für 4 Stück die El 1 f 20 X [Gulden/Kreuzer] dan recht sehr liebe Bens [?] auf deckerl und duchentziehen [Bettüberzüge] fürs Bett. dan 4 Kapenleintücheln, und ich hoffe auch noch 4 Unterleinlicherln [?] dan 3 Einbinddeckerln. eines davon ist sehr lieb dan bekömmst du 4 recht gute Leibchen neue 2 kleine Leibchen. Dan einen Pfleiben-Sack als Unterbett im Korb, und darauf eine Matratze von Seegraß. und Polster. Vieleicht köntest du einmal ein Maß von der größe des Korbes, in Lange und Breite schücken. damit alles ordentlich wird. - Fatschpolster Kappe und Zieher bekömmst du auch hinunter. Wegen den Unterlegeln glaube ich wir sollen gar nichts sagen ich schücke die an den Santemetter [Centimeter] abgemeßen ganz genau die länge sie sind 4 ekicht. Ich bitte dich in der 27 X Handlung auf meine Rechnung 12 Ell Leinwand zu kaufen und zu machen, und es von mir als Christgeschenk zu nehmen, für dich und statt Franz etwas zu schücken kaufe dir Gutaberger Einlage für das Bett. Sie kostet auch ein paar gulden. Den sie bedeckt beynahe den ganzen Korb. So wären gute und Sachen gedeckt. Sage aber der großmutter nichts davon, weil sie es nicht zugiebt das die Unterlegeln nichts taugen. 2 Einlagen für die Einbinddeckerln gab mir die Louise für dich die nehme ich dan mit, oder wen ich mit deinen Leibchen fertig werde, schücke ich alles zusammen auf Weihnachten mit der Großmutter ihren Sachen. Otto ist Heute und Gestern in Achthall [Achtal] er läßt dich recht herzlich grüßen. Wie froh bin ich immer zu hören das es dir liebe Fany recht gut geht, so wird gewiß auch dan alles recht gut und glücklich vorüber gehen. Gieb auch vor Verkühlung recht obacht. Lebe recht wohl es küßt und Segnet Euch alle 3 Euere Euch von ganzen Herzen liebende Mutter Spángler. - „Hochzeitstag“: Vermählung mit Franz Xaver Spängler am 14.11.1826; Ehemann gestorben am 1.3.1854.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 21.12.[18]75: [verkehrt:] Otto Louise grüßen Euch recht herzlich, mit Kindern [und] Bekannten. - Meine lieben Theuren! Soeben erhielt ich Euren lieben theuren Brief und danke schon im vorauß für das zu bekommende Weihnachts geschenk, der liebe Gott wolle mich gesund erhalten, das ich Euch an den so wichtigen Zeitpunkt, einige Hülfe leisten kann. Auch danke ich recht schön, das Ihr beschloßen, Ihr wollet mir in Zukunft jeden 11 fl Papier [11 Gulden Papiergeld] geben statt 10 f [monatliche Unterstützung beider Brüder], was mir bleibt gehört ja wieder Euch meine lieben Kinder. Die Louise sagte neulich das eine Gutenberger einlage über 2 f [Gulden] kostet, so dachte ich mir damit Ihr das Geld nicht dafür auß geben dürftet wil ich sie als Christgeschenk kauffen lassen nun hat sie aber eine schöne große gekauft und hat be[i]weiten nicht das gekostet. Nun glaube ich Franz soll sich lieber in meine Rech[n]ung beziehend 6 Hals krägen [Hemdkragen] kaufen wie er sie brauchen kann, oder was er sonst brauchen kann, es würde mich freuen, wen du etwas kaufen würdest was dir eine Freude oder Nutzen bringt. - Heute haben wir bey der Großmutter die Sachen gepackt für den kleinen Ankömling auch von mir sind 2 Heubchen und 2 Leibchen dabey du wirst sie schon kenen, sie sind, in den Ermeln roth und Blau eingezogen, und des gleichen auch die Hëubchen. Eines hoffe ich noch zu strücken welches ich selbst mitbringe. Die Großmutter hat sich schrecklich viel Mühe gegeben, bis sie alles so beysammen hatte,- und endlich eingepackt wurde; Ich hoffe es wird alles glücklich dort angelangen, sehet ja die Kiste so bald als moglich auf zu machen damit die Würste nicht verderben, welche die Großmutter / wie ich hoffe noch zur rechten Zeit bekommen hat / [und] bey packt. Die Großmutter hat sich viel kosten lassen, bis sie alles hat machen lassen. Gieb ja beim Außpacken obacht es liegt in den Bettdeckeln Ein Dutten [vielleicht Retorte, Destillierkolben? „Dutte“ ist aber auch die weibliche Brust; ist es eine Art Schnuller? Ich habe an versch. Stelle nachgefragt, leider vergeblich.], und die Schale zum Dizerlwasser [vielleicht destilliertes Wasser?] samt deckel, das es nicht zerbrechen wird, auch glaubt die Großmutter du solst die Sachen wen du sie angesehen, wieder in die Kiste geben bis man sie braucht damit du nicht schon jetzt den Platz verlierst. Die Kiste solst du ja nicht zusammen schlagen, da sie eine so gute ist. 22 h [Uhr] Die Großmutter war soeben bey mir und sagte das sie die Kiste soeben aufgegeben hat, und man sagte ihr das selbe Morgen schon nach Wien kömt, ich schücke daher heute noch diesen Brief ab dammit Ihr von der Kiste in Kentniß seid die Würste hat sie auch noch bekommen für die Kiste dürft Ihr nicht mehr zahlen, den die Großmutter hat die Fracht schon hier bezahlt. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen- gute Feyertage und guten Apetit zu den Würsten wünschen. - Wie sie kann wird sie Euch schreiben- jetzt muß sie einmal ein paar Tage rasten, den sie ist dermalen sehr auf geregt, aber im ganzen nicht übel. Im ganzen ist die Gesundheit der Großmutter beßer, da das Klopfen [Herzklopfen] nicht so lange anhält als früher. Liebe Fany du wirst wirst mich schon verstanden haben wegen denen Unterlegeln das du auf meine Rechnung 12 Stück kaufen solst und Franz 6 Krägen oder wen er sonst etwas nothwendig braucht ein gutes Meßer oder dergleichen, dann wen alles gekauft ist mit den Otto verrechnen. Du wirst schon sehen das es nothwendig ist den diese denke ich kann man wie sie sind nicht gebrauchen. bitte nur dir Nantalin [?] das sie dir ein Unterlegel leiht, dan weist du gleich schon was zu machen ist. Meine lieben gute glückliche Feyertage und ein gutes gutes neues Jahr, und ein frisches Kindlein mit krausten Hare. Gott Segen Euch und uns alle Mit Liebe Eure Euch herzlich liebende. Mutter Spángler - Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. Siehe auch Brief vom 17.11.1877.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 21.12.[18]75: [verkehrt:] Otto Louise grüßen Euch recht herzlich, mit Kindern [und] Bekannten. - Meine lieben Theuren! Soeben erhielt ich Euren lieben theuren Brief und danke schon im vorauß für das zu bekommende Weihnachts geschenk, der liebe Gott wolle mich gesund erhalten, das ich Euch an den so wichtigen Zeitpunkt, einige Hülfe leisten kann. Auch danke ich recht schön, das Ihr beschloßen, Ihr wollet mir in Zukunft jeden 11 fl Papier [11 Gulden Papiergeld] geben statt 10 f [monatliche Unterstützung beider Brüder], was mir bleibt gehört ja wieder Euch meine lieben Kinder. Die Louise sagte neulich das eine Gutenberger einlage über 2 f [Gulden] kostet, so dachte ich mir damit Ihr das Geld nicht dafür auß geben dürftet wil ich sie als Christgeschenk kauffen lassen nun hat sie aber eine schöne große gekauft und hat be[i]weiten nicht das gekostet. Nun glaube ich Franz soll sich lieber in meine Rech[n]ung beziehend 6 Hals krägen [Hemdkragen] kaufen wie er sie brauchen kann, oder was er sonst brauchen kann, es würde mich freuen, wen du etwas kaufen würdest was dir eine Freude oder Nutzen bringt. - Heute haben wir bey der Großmutter die Sachen gepackt für den kleinen Ankömling auch von mir sind 2 Heubchen und 2 Leibchen dabey du wirst sie schon kenen, sie sind, in den Ermeln roth und Blau eingezogen, und des gleichen auch die Hëubchen. Eines hoffe ich noch zu strücken welches ich selbst mitbringe. Die Großmutter hat sich schrecklich viel Mühe gegeben, bis sie alles so beysammen hatte,- und endlich eingepackt wurde; Ich hoffe es wird alles glücklich dort angelangen, sehet ja die Kiste so bald als moglich auf zu machen damit die Würste nicht verderben, welche die Großmutter / wie ich hoffe noch zur rechten Zeit bekommen hat / [und] bey packt. Die Großmutter hat sich viel kosten lassen, bis sie alles hat machen lassen. Gieb ja beim Außpacken obacht es liegt in den Bettdeckeln Ein Dutten [vielleicht Retorte, Destillierkolben? „Dutte“ ist aber auch die weibliche Brust; ist es eine Art Schnuller? Ich habe an versch. Stelle nachgefragt, leider vergeblich.], und die Schale zum Dizerlwasser [vielleicht destilliertes Wasser?] samt deckel, das es nicht zerbrechen wird, auch glaubt die Großmutter du solst die Sachen wen du sie angesehen, wieder in die Kiste geben bis man sie braucht damit du nicht schon jetzt den Platz verlierst. Die Kiste solst du ja nicht zusammen schlagen, da sie eine so gute ist. 22 h [Uhr] Die Großmutter war soeben bey mir und sagte das sie die Kiste soeben aufgegeben hat, und man sagte ihr das selbe Morgen schon nach Wien kömt, ich schücke daher heute noch diesen Brief ab dammit Ihr von der Kiste in Kentniß seid die Würste hat sie auch noch bekommen für die Kiste dürft Ihr nicht mehr zahlen, den die Großmutter hat die Fracht schon hier bezahlt. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen- gute Feyertage und guten Apetit zu den Würsten wünschen. - Wie sie kann wird sie Euch schreiben- jetzt muß sie einmal ein paar Tage rasten, den sie ist dermalen sehr auf geregt, aber im ganzen nicht übel. Im ganzen ist die Gesundheit der Großmutter beßer, da das Klopfen [Herzklopfen] nicht so lange anhält als früher. Liebe Fany du wirst wirst mich schon verstanden haben wegen denen Unterlegeln das du auf meine Rechnung 12 Stück kaufen solst und Franz 6 Krägen oder wen er sonst etwas nothwendig braucht ein gutes Meßer oder dergleichen, dann wen alles gekauft ist mit den Otto verrechnen. Du wirst schon sehen das es nothwendig ist den diese denke ich kann man wie sie sind nicht gebrauchen. bitte nur dir Nantalin [?] das sie dir ein Unterlegel leiht, dan weist du gleich schon was zu machen ist. Meine lieben gute glückliche Feyertage und ein gutes gutes neues Jahr, und ein frisches Kindlein mit krausten Hare. Gott Segen Euch und uns alle Mit Liebe Eure Euch herzlich liebende. Mutter Spángler - Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. Siehe auch Brief vom 17.11.1877.
    
==== Antonia Spänger an Franz und Fanni Spängler ====
 
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=== 1876 ===
 
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
    
==== Ida Schlöglhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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==== Antonia von Lürzer an Franz Spängler und Fanni ====
 
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Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.37 Antonia von Lürzer, verh. Spängler, an Nr.18 Franz Spängler (und Fanni); Briefpapier Prägestempel „A. S.“, 9.3.1876 an „meine lieben Theuren... von Euerer Euch treu liebenden Mutter Spängler“; Salzburg 28.4.76; 26.12.76 „meine innigst geliebten Theuren... Euere Euch herzlich liebende Mutter Spängler; 3.7.1877; 22.3.77 (von Otto und Louise viele Grüße.“); 18.12.77; 26.2.1878; Baumkirchen 6.7.78; Salzburg 24.1.1879; 22.7.79 „Mein lieber theurer Franz!...“; 19.11.79 „...Mutter Spángler. Bey Schlegel lassen sie Euch alle herzlich grüßen.“; 10.4.1880; 1.10.80 Briefpapier „A“; 14.10.80; 1.12.80; 4.4.1881; 28.4.81 (1,5 Blätter); 7.6.81; 23.6.81; Baumkirchen 21.7.81; Salzburg 22.12.81 (Prägestempel „Salzburg“, „...Eure treue Mutter Antonia Spängler“; 16.1.1882; 6.3.82; 16.11. ohne Jahr; 30.11. ohne Jahr (von dem Hofrichter Spängler herzliche Glückwünsche).
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Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.37 Antonia von Lürzer, verh. Spängler, an Nr. 18 Franz Spängler (und Fanni); Briefpapier Prägestempel „A. S.“, 9.3.1876 an „meine lieben Theuren... von Euerer Euch treu liebenden Mutter Spängler“; Salzburg 28.4.76; 26.12.76 „meine innigst geliebten Theuren... Euere Euch herzlich liebende Mutter Spängler; 3.7.1877; 22.3.77 (von Otto und Louise viele Grüße.“); 18.12.77; 26.2.1878; Baumkirchen 6.7.78; Salzburg 24.1.1879; 22.7.79 „Mein lieber theurer Franz!...“; 19.11.79 „...Mutter Spángler. Bey Schlegel lassen sie Euch alle herzlich grüßen.“; 10.4.1880; 1.10.80 Briefpapier „A“; 14.10.80; 1.12.80; 4.4.1881; 28.4.81 (1,5 Blätter); 7.6.81; 23.6.81; Baumkirchen 21.7.81; Salzburg 22.12.81 (Prägestempel „Salzburg“, „...Eure treue Mutter Antonia Spängler“; 16.1.1882; 6.3.82; 16.11. ohne Jahr; 30.11. ohne Jahr (von dem Hofrichter Spängler herzliche Glückwünsche).
    
==== Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
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==== Briefumschlag ohne Marke ====
 
==== Briefumschlag ohne Marke ====
Stempel Wien-Josefstadt 1876; „Dem Herrn Doctor Franz Spängler [Nr.18] kk Gerichtsadjunkt in Wien VIII Schlößelgasse Nr.8, II.Stock, Thür 14“, enthaltend: Fanni Spängler an Franz Spängler und zurück: 11.7.1876 Postkarte, Bleistift, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! in Frankenmarkt gut angelangt, fange schon an einigen Hunger zu kriegen, auf Nachricht von dir freue ich mich sehr, es wird schön sein wieder bei dir zu sein, Maria Plain in Sicht [im Zug vor Salzburg], ich hoffe dir heut noch zu schreiben, grüße alle Bekannten, grüße Rosi [Hausangestellte].
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Stempel Wien-Josefstadt 1876; „Dem Herrn Doctor Franz Spängler [Nr. 18] kk Gerichtsadjunkt in Wien VIII Schlößelgasse Nr.8, II.Stock, Thür 14“, enthaltend: Fanni Spängler an Franz Spängler und zurück: 11.7.1876 Postkarte, Bleistift, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! in Frankenmarkt gut angelangt, fange schon an einigen Hunger zu kriegen, auf Nachricht von dir freue ich mich sehr, es wird schön sein wieder bei dir zu sein, Maria Plain in Sicht [im Zug vor Salzburg], ich hoffe dir heut noch zu schreiben, grüße alle Bekannten, grüße Rosi [Hausangestellte].
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr.18): 11.7. [1876] ein Bogen Brief von Salzburg [verblasste Tinte]: Mein lieber Franzl! Meine Karte hast du hoffentlich erhalten, die dir beweisen sollte, daß ich glücklich ankam; ich benütze nun die erste ruhige Minute, um mit dir zu plaudern, und gedenke überhaupt meine freien Augenblicke zu diesem Geschäfte fleißig zu benützen. Also den Reisebericht: Ich fuhr recht angenehm mit der Familie, die du gesehen hast, den Namen habe ich nicht erfahren; es war Großmutter, Tochter und Enkelin. In Wels stieg Frl. Agathe aus und Frl. Lotte Lungenschneid ein. Wir erkannten uns anfangs gegenseitig nicht, dann war natürlich das Weiberl dasjenige, welche keine Idee hatte, wen sie vor sich hatte. Nach geschehener Erkennung haben wir gemütlich geplauscht. [am Rand, oben und unten:]/Die Ränder dieser Epistel sind auf gewohnte Weise beschrieben./ Hat dir Rosi gut gekocht? Großmutter u. Mutter grüßen sehr herzlich, auch ich natürlich. Allen Verwandten unseren Gruß. Am Bahnhof nahmen mich deine Mutter und meine Stiefmutter u. Schwägerin Luise [Louise Spängler] in Empfang. Wir wanderten zu Fuße in die Stadt. Meinen Koffer beförderte der Omnibus von Raith /: nun mehr Hutêl Haas [?]:/ Die Großmutter nahm mich mit Freuden auf und installirte mich in unser Fremdenzimmer. Es ist mir sehr lieb, mein eigenes Zimmer zu haben. Und somit wäre Alles schön und gut, wenn ich auch nur meinen herzlieben Franzl da hätte! Und wie kommt es denn dir vor, ohne deinen Plagegeist. Recht erfreut war Großmutter über das Mitbringen meiner Zither. Nach Tische waren wir beim Vater [Richard Schlegel, Arzt], der sehr zufrieden mit meinem Aussehen ist. Alle grüßen dich herzlichst, Großmutter läßt dir noch ganz besonders danken daß du mich geschickt hast. Wenn ich doch Abends nur 10 Minuten bei meinem lieben, lieben Franzl sein könnte. Deine Mutter sieht wieder recht gut aus. Meine Mutter [Kathi Schlegel, geb. Arrigler; Stiefmutter] ist nahezu ergraut, die Großmutter [Fanny Kobler] sieht weit besser aus, als ich es zu hoffen wagte. Ihre Stimmung ist ziemlich verbittert, ihr Ton gegen Theres [Hausangestellte] ist derselbe wie vor einem Jahre. Ich habe mir vorgenommen, meine Ohren und meinen Schnabel nach Möglichkeit zu zubehalten. Ein kluger Vorsatz, nicht wahr? Wenn er nur auch gehalten wird! Es gefällt mir hier gar nicht übel, aber daß ich mich schon aufs Heimreisen freue, kannst du glauben. Ich werde mich jetzt beeilen, den Brief auf die Post zu bringen und bitte dich, mir zu schreiben, ob du denselben noch rechtzeitig, d.h. morgen, den 12. bekommen hast. Wie freue ich mich auf einen Brief von dir, du Lieber! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, wenn ich dir sage, daß die neuen Blumen schon auf meinem Hute sind. Großmutter hat mich schon ihrer Parthei [Untermieter] aufgeführt. Es ist der kk. Kriegskomissär Daler u. Frau. Es scheinen wirklich sehr liebe Menschen zu sein. – Das Thema von unserem armen kleinen Engel [totes Kind] ist schon vielseitig variirt worden. Ich zeige mich so heiter und getröstet als ich es zusammenbringe. – Als wir von meinen Eltern weggingen, begegnete ich Nathalie. Sie war recht lieb, und sieht wirklich überraschend gut aus. Ich habe mich recht gefreut, sie ist ordentlich rosig. Sie grüßt dich freundlich. Ich will nun den Versuch machen, deine Mutter zu treffen. Bei Karl Baschensky ist vor wenigen Tagen ein Mädchen gekommen. Ich werde, um nicht meine Stiefmutter immer mit diesem üblichen Worte bezeichnen zu müssen, dieselbe kurz meine Mutter, und deine Mutter unsere Mutter nennen, einverstanden? So nun siehst du, wie dein Weiberl an dich schreibt. Ich hoffe bald auf einen Brief von dir. Behüt’ dich Gott, du Lieber, sei 100000erte mal geküßt von deiner treuen Frau Fanni Sp. [Spängler]/[am Rand:] Die KuXXX [Coupons; Zinsen auf Wertpapiere] sind ausgezahlt, und sollen auch die heurigen bald ausgezahlt werden. Soll Otto das Geld schicken?
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Fanni Spängler (Nr.19) an Franz Spängler (Nr. 18): 11.7. [1876] ein Bogen Brief von Salzburg [verblasste Tinte]: Mein lieber Franzl! Meine Karte hast du hoffentlich erhalten, die dir beweisen sollte, daß ich glücklich ankam; ich benütze nun die erste ruhige Minute, um mit dir zu plaudern, und gedenke überhaupt meine freien Augenblicke zu diesem Geschäfte fleißig zu benützen. Also den Reisebericht: Ich fuhr recht angenehm mit der Familie, die du gesehen hast, den Namen habe ich nicht erfahren; es war Großmutter, Tochter und Enkelin. In Wels stieg Frl. Agathe aus und Frl. Lotte Lungenschneid ein. Wir erkannten uns anfangs gegenseitig nicht, dann war natürlich das Weiberl dasjenige, welche keine Idee hatte, wen sie vor sich hatte. Nach geschehener Erkennung haben wir gemütlich geplauscht. [am Rand, oben und unten:]/Die Ränder dieser Epistel sind auf gewohnte Weise beschrieben./ Hat dir Rosi gut gekocht? Großmutter u. Mutter grüßen sehr herzlich, auch ich natürlich. Allen Verwandten unseren Gruß. Am Bahnhof nahmen mich deine Mutter und meine Stiefmutter u. Schwägerin Luise [Louise Spängler] in Empfang. Wir wanderten zu Fuße in die Stadt. Meinen Koffer beförderte der Omnibus von Raith /: nun mehr Hutêl Haas [?]:/ Die Großmutter nahm mich mit Freuden auf und installirte mich in unser Fremdenzimmer. Es ist mir sehr lieb, mein eigenes Zimmer zu haben. Und somit wäre Alles schön und gut, wenn ich auch nur meinen herzlieben Franzl da hätte! Und wie kommt es denn dir vor, ohne deinen Plagegeist. Recht erfreut war Großmutter über das Mitbringen meiner Zither. Nach Tische waren wir beim Vater [Richard Schlegel, Arzt], der sehr zufrieden mit meinem Aussehen ist. Alle grüßen dich herzlichst, Großmutter läßt dir noch ganz besonders danken daß du mich geschickt hast. Wenn ich doch Abends nur 10 Minuten bei meinem lieben, lieben Franzl sein könnte. Deine Mutter sieht wieder recht gut aus. Meine Mutter [Kathi Schlegel, geb. Arrigler; Stiefmutter] ist nahezu ergraut, die Großmutter [Fanny Kobler] sieht weit besser aus, als ich es zu hoffen wagte. Ihre Stimmung ist ziemlich verbittert, ihr Ton gegen Theres [Hausangestellte] ist derselbe wie vor einem Jahre. Ich habe mir vorgenommen, meine Ohren und meinen Schnabel nach Möglichkeit zu zubehalten. Ein kluger Vorsatz, nicht wahr? Wenn er nur auch gehalten wird! Es gefällt mir hier gar nicht übel, aber daß ich mich schon aufs Heimreisen freue, kannst du glauben. Ich werde mich jetzt beeilen, den Brief auf die Post zu bringen und bitte dich, mir zu schreiben, ob du denselben noch rechtzeitig, d.h. morgen, den 12. bekommen hast. Wie freue ich mich auf einen Brief von dir, du Lieber! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, wenn ich dir sage, daß die neuen Blumen schon auf meinem Hute sind. Großmutter hat mich schon ihrer Parthei [Untermieter] aufgeführt. Es ist der kk. Kriegskomissär Daler u. Frau. Es scheinen wirklich sehr liebe Menschen zu sein. – Das Thema von unserem armen kleinen Engel [totes Kind] ist schon vielseitig variirt worden. Ich zeige mich so heiter und getröstet als ich es zusammenbringe. – Als wir von meinen Eltern weggingen, begegnete ich Nathalie. Sie war recht lieb, und sieht wirklich überraschend gut aus. Ich habe mich recht gefreut, sie ist ordentlich rosig. Sie grüßt dich freundlich. Ich will nun den Versuch machen, deine Mutter zu treffen. Bei Karl Baschensky ist vor wenigen Tagen ein Mädchen gekommen. Ich werde, um nicht meine Stiefmutter immer mit diesem üblichen Worte bezeichnen zu müssen, dieselbe kurz meine Mutter, und deine Mutter unsere Mutter nennen, einverstanden? So nun siehst du, wie dein Weiberl an dich schreibt. Ich hoffe bald auf einen Brief von dir. Behüt’ dich Gott, du Lieber, sei 100000erte mal geküßt von deiner treuen Frau Fanni Sp. [Spängler]/[am Rand:] Die KuXXX [Coupons; Zinsen auf Wertpapiere] sind ausgezahlt, und sollen auch die heurigen bald ausgezahlt werden. Soll Otto das Geld schicken?
    
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
 
==== Franz Spänger an Fanni Spängler ====
Franz Spängler (Nr.18) an Fanni Spängler (Nr.19): 11.7. [1876] ein Bogen Brief aus Wien: Morgens ½ 7 [Uhr]. Meine liebe Fanny! So sitze ich denn allein im Zimmer da, u. mußte aufstehen, ohne dich mit einem Buße [Bussi] aufgewekt zu haben, u. harre des Café, ohne dß ich dich dabei ans Aufstehen erinnern kann! Guten Morgen meine Liebe! Ich hoffe du hast während der Fahrt gut geschlafen, u. näherst dich jetzt der Salzburg’schen Grenze... habe schon die Uhren gerichtet... das fehlende Knöpfchen angenäht, bemühe mich, die ganze Wirtschaft und die Wohnung in möglichster Ordnung zu erhalten. – ¾ 6 [Uhr] Abends... Zeitungslektüre, hoffe die Nachrichten zu erhalten, wie dir die Reise bekommen hat... Befinden der Großmutter, der Mutter etc. – Was ich heute Abends anfangen werde, weiß ich noch nicht... Rosi [Hausangestellte] läßt dir die Hand küßen, Minerl läßt dich grüßen. Ich schließe für heute... Mit Herzlichen Gruße und Kuße, dein treuer Franz. [nicht alles gelesen]
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Franz Spängler (Nr. 18) an Fanni Spängler (Nr.19): 11.7. [1876] ein Bogen Brief aus Wien: Morgens ½ 7 [Uhr]. Meine liebe Fanny! So sitze ich denn allein im Zimmer da, u. mußte aufstehen, ohne dich mit einem Buße [Bussi] aufgewekt zu haben, u. harre des Café, ohne dß ich dich dabei ans Aufstehen erinnern kann! Guten Morgen meine Liebe! Ich hoffe du hast während der Fahrt gut geschlafen, u. näherst dich jetzt der Salzburg’schen Grenze... habe schon die Uhren gerichtet... das fehlende Knöpfchen angenäht, bemühe mich, die ganze Wirtschaft und die Wohnung in möglichster Ordnung zu erhalten. – ¾ 6 [Uhr] Abends... Zeitungslektüre, hoffe die Nachrichten zu erhalten, wie dir die Reise bekommen hat... Befinden der Großmutter, der Mutter etc. – Was ich heute Abends anfangen werde, weiß ich noch nicht... Rosi [Hausangestellte] läßt dir die Hand küßen, Minerl läßt dich grüßen. Ich schließe für heute... Mit Herzlichen Gruße und Kuße, dein treuer Franz. [nicht alles gelesen]
    
==== Fanni Spänger an Franz Spängler ====
 
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=== 1877 ===
 
=== 1877 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
    
==== Fanni Spängler an Richard Schlegel ====
 
==== Fanni Spängler an Richard Schlegel ====
1877 an Fanni Spängler (1848-1905; Nr.19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard.
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1877 an Fanni Spängler (* 1848; † 1905; Nr.19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard.
    
==== Franz Spängler an Fanni Spängler und Fanny Kobler ====
 
==== Franz Spängler an Fanni Spängler und Fanny Kobler ====
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==== Betti Katzinger an Fanni Kobler ====
 
==== Betti Katzinger an Fanni Kobler ====
BETTI KATZINGER [geb. Kobler] an Fanni Spängler (1848-1905; Nr.19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa.
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BETTI KATZINGER [geb. Kobler] an Fanni Spängler (* 1848; † 1905; Nr.19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa.
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
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==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877.
    
==== Richar Schlegel an Franz Spängler ====
 
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==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
 
==== Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler ====
Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren.
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Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr.18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren.
    
=== 1878 ===
 
=== 1878 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
    
17.7.1878 aus Salzburg, ebenso 20.7., 27.7., 30.7., siehe: „1882“
 
17.7.1878 aus Salzburg, ebenso 20.7., 27.7., 30.7., siehe: „1882“
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=== 1879 ===
 
=== 1879 ===
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
    
==== Richard Schlegel an Franz Spängler ====
 
==== Richard Schlegel an Franz Spängler ====
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=== 1880 ===
 
=== 1880 ===
  Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
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  Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
    
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8.1.1881 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
 
8.1.1881 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
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Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
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Brief von Nr.18 a Otto Spängler (1841-1919), grauer Umschlag an: „Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr Franz Spängler [Nr.18], Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift „Tod der Mutter“ [Nr.37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, 1803-1882; verh. mit Nr.36 Franz Xaver Gregor Spängler, 1793-1854; verstorben 15.3.1882] ohne Datum: Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.
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Brief von Nr.18 a Otto Spängler (1841-1919), grauer Umschlag an: „Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr Franz Spängler [Nr.18], Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift „Tod der Mutter“ [Nr.37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, * 1803; † 1882; verh. mit Nr.36 Franz Xaver Gregor Spängler, 1793-1854; verstorben 15.3.1882] ohne Datum: Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.
    
==== Ohne Umschlag und Datum ====
 
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ohne Datum [15.3.1882], Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler: Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen. – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St.Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht
 
ohne Datum [15.3.1882], Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler: Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen. – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St.Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht
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[bei den Briefen von (Nr.37) Maria Antonia Spängler, geb. LÜRZER VON ZEHENDTHAL (1803-1882)]: 15.3.1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. „Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“
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[bei den Briefen von (Nr.37) Maria Antonia Spängler, geb. LÜRZER VON ZEHENDTHAL (* 1803; † 1882)]: 15.3.1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. „Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“
    
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Fanni Spängler an Franz Spängler ====
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=== Außerhalb des Briefwechsels ===
 
=== Außerhalb des Briefwechsels ===
Kleinbilder und ähnl. = marmorierter Pappdeckel, Notizbuch ohne Inhalt mit Totenbildchen (Partezettel) u.ä.: Bildchen mit Kelch usw. Fleisch/Blut/ Abendmahl, Luzern o.J.; Andenken an erste Beichte für Franziska Spengler [Spängler], 1858; Heil des Kreuzes, Innsbruck o.J.. - Partezettel mehrere jeweils für Antonia Spängler, 1803-1882, und Franziska Kobler, 1796-1886. - Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“ – Bildchen Serie Nr.1-15 „Geheimiß[e] der allerseligsten Jungfrau [Maria]“ Einsiedeln o.J. – Bildchen Serie ohne Nr. [1-9] Kindheit Jesu, pflegt den Garten, der durch die Sünde des ungetreuen Herzens verwildert ist. – Spielkarte XX „Begegnung des Kaisers mit Sobieski“. – Vater unser. – kindliches Vertrauen, Wien o.J. – Maria Carmel, St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel]... Salzburg 1862“ – Eisenbahn zum Himmel, Innsbruck o.J. – latein. Beleg für Beichte in der griech. Kathedrale, 1859. – 2 Partezettel für Genovefa Stainringer, 1813-Salzburg 1884 [nicht Familie]. – Umschlag mit Faltbild „Rose von Teplitz“ und kleines „Dirndl“, o.J. – Gnadenbild zu Riffian [Südtirol], o.J. – Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, 30.Okt.1871 [Freundin der Fanni Spängler]; für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. [Dezember 1871]; für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt 1860, Hotel in Salzburg; für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878. – Maria Erdkreis, Regenburg o.J. – „Herzliche Glückwünsche“ [handschriftlich:] von deiner Mitschülerin Hermine Hille F.Cl.Bürg.Sch. [Bürgerschule Krems]. – Hl.Pazifikus, Innsbruck o.J. – Partezettel für Alois Spängler, 1800-1875; für Cäcilia Laschenzky, 84 Jahre alt Salzburg 1877 [die Familie Laschensky gehörte zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg. In dem Geburts- und Taufschein von Zäzilia Amalia Kobler, geboren 1821, erscheint als Pate: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“]; für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-1875; für Marie Lürzer von Zehendthal, geb. Spängler, 61 Jahre alt, gestorben 15.11.1880 [nicht direkte Familie]; für Alois Duregger, 77 Jahre alt 17.2.1876 [Familie Otto Spängler, Bank-Linie]; für Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882 [Mutter von Franz Spängler]; für Theresia Mayer, 1806-1878; für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873 [Freunde der Spängler-Familie]; für Anna Abpacher, 1839-1869 Salzburg [nicht Familie]; für Georg Schnellinger, 57 Jahre alt 1893 [nicht Familie]; für Rechtsanwalt Dr.Franz Leithner, 79 Jahre alt 1907 [nicht Familie]; für Therese Rappel, 74 Jahre alt 1910 [nicht Familie]; 4 versch. für Betti Katzinger, 56 Jahre alt 1881 [Cousine der Fanny Kobler]; bunt für Maria Rosalia Preisinger, Ursulinen-Oberin Salzburg, 47 Jahre alt 1860; für Franziska Spängler 1906 [nicht direkte Familie]. – Maria Lourdes. – Hl.Seraphin. – Hl.Paulus. – Schutzengelbrief Herz Jesu, Donauwörth o.J. – Beichtzettel Krems 1889. – Maria Plain, o.J. - Maria Plain, „Franzi“. – „Die treuesten freunde Jesu’s“, Paris o.J. handschriftlich „Franz Albert Erzbischof / Franzi“ – „Gartenlaube“ – Maria ohne Makel, St.Peter Salzburg. – handschriftlich Geheimniß des hl. Rosenkranzes... – Heiligtes Herz/ Süßes Herz, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“ [Wohnort der Spängler-Krems] – Mariae Himmelfahrt, Nürnberg o.J. handschriftlich: Salzburg 1844. – Jesuiten-Mission Salzburg 1862. – versch. Bildchen mit Papierspitzen: Nürnberg, Stuttgart (Maria Plain), Messopfer neugeweihter Priester Salzburg 1863, Jésus, Maria Kirchenthal, Paris, Innsbruck, Maria Plain. – Maria Zell. - - Einzelner grau marmorierter Pappdeckel, vorderer Buchdeckel mit erste Seiten, Stempel „Katholischer Gesellenverein Krems“ und Titelblatt „Neue Bibliothek... Band 12, Die Prinzessin von Wolfenbüttel von Heinr. Zschokke, Leipzig 1807, und Frontispiz mit Abb. u.a. eines napoleon. Soldaten und Bibliotheksstempeln, zuletzt 1941 [!]: [liegt dabei] Hl.Wenzel, König Ludwig von Ungarn... {herausgetrennt aus einem Buch]. – bunt Johannes der Täufer. – Hl.Familie, Regensburg o.J. – Engel und Schutzherr / Christus und Johanes, Regensburg o.J. „Pina Feistenberger“ [nicht Familie]. – bunt, handgemalt, Offizier. – Hl.Kindheit... Franz Spängler, Salzburg 1852 und 1859. – Friede sei mich euch, München o.J. „...Zum Andenken von deiner dich herzlichen liebenden Mutter Sp. {Spängler?]. – Ein guter Baum... – Magdalena – Andechs – Umschlag mit drei Edelweiß – Umschlag Franziska Spengler [Spängler] mit Papierspitzenbildchen – Jungfräulicher Bund... St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel] 1862“.
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Kleinbilder und ähnl. = marmorierter Pappdeckel, Notizbuch ohne Inhalt mit Totenbildchen (Partezettel) u.ä.: Bildchen mit Kelch usw. Fleisch/Blut/ Abendmahl, Luzern o.J.; Andenken an erste Beichte für Franziska Spengler [Spängler], 1858; Heil des Kreuzes, Innsbruck o.J.. - Partezettel mehrere jeweils für Antonia Spängler, * 1803; † 1882, und Franziska Kobler, 1796-1886. - Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“ – Bildchen Serie Nr.1-15 „Geheimiß[e] der allerseligsten Jungfrau [Maria]“ Einsiedeln o.J. – Bildchen Serie ohne Nr. [1-9] Kindheit Jesu, pflegt den Garten, der durch die Sünde des ungetreuen Herzens verwildert ist. – Spielkarte XX „Begegnung des Kaisers mit Sobieski“. – Vater unser. – kindliches Vertrauen, Wien o.J. – Maria Carmel, St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel]... Salzburg 1862“ – Eisenbahn zum Himmel, Innsbruck o.J. – latein. Beleg für Beichte in der griech. Kathedrale, 1859. – 2 Partezettel für Genovefa Stainringer, 1813-Salzburg 1884 [nicht Familie]. – Umschlag mit Faltbild „Rose von Teplitz“ und kleines „Dirndl“, o.J. – Gnadenbild zu Riffian [Südtirol], o.J. – Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, 30.Okt.1871 [Freundin der Fanni Spängler]; für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. [Dezember 1871]; für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt 1860, Hotel in Salzburg; für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878. – Maria Erdkreis, Regenburg o.J. – „Herzliche Glückwünsche“ [handschriftlich:] von deiner Mitschülerin Hermine Hille F.Cl.Bürg.Sch. [Bürgerschule Krems]. – Hl.Pazifikus, Innsbruck o.J. – Partezettel für Alois Spängler, 1800-1875; für Cäcilia Laschenzky, 84 Jahre alt Salzburg 1877 [die Familie Laschensky gehörte zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg. In dem Geburts- und Taufschein von Zäzilia Amalia Kobler, geboren 1821, erscheint als Pate: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“]; für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-1875; für Marie Lürzer von Zehendthal, geb. Spängler, 61 Jahre alt, gestorben 15.11.1880 [nicht direkte Familie]; für Alois Duregger, 77 Jahre alt 17.2.1876 [Familie Otto Spängler, Bank-Linie]; für Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882 [Mutter von Franz Spängler]; für Theresia Mayer, 1806-1878; für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873 [Freunde der Spängler-Familie]; für Anna Abpacher, 1839-1869 Salzburg [nicht Familie]; für Georg Schnellinger, 57 Jahre alt 1893 [nicht Familie]; für Rechtsanwalt Dr.Franz Leithner, 79 Jahre alt 1907 [nicht Familie]; für Therese Rappel, 74 Jahre alt 1910 [nicht Familie]; 4 versch. für Betti Katzinger, 56 Jahre alt 1881 [Cousine der Fanny Kobler]; bunt für Maria Rosalia Preisinger, Ursulinen-Oberin Salzburg, 47 Jahre alt 1860; für Franziska Spängler 1906 [nicht direkte Familie]. – Maria Lourdes. – Hl.Seraphin. – Hl.Paulus. – Schutzengelbrief Herz Jesu, Donauwörth o.J. – Beichtzettel Krems 1889. – Maria Plain, o.J. - Maria Plain, „Franzi“. – „Die treuesten freunde Jesu’s“, Paris o.J. handschriftlich „Franz Albert Erzbischof / Franzi“ – „Gartenlaube“ – Maria ohne Makel, St.Peter Salzburg. – handschriftlich Geheimniß des hl. Rosenkranzes... – Heiligtes Herz/ Süßes Herz, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“ [Wohnort der Spängler-Krems] – Mariae Himmelfahrt, Nürnberg o.J. handschriftlich: Salzburg 1844. – Jesuiten-Mission Salzburg 1862. – versch. Bildchen mit Papierspitzen: Nürnberg, Stuttgart (Maria Plain), Messopfer neugeweihter Priester Salzburg 1863, Jésus, Maria Kirchenthal, Paris, Innsbruck, Maria Plain. – Maria Zell. - - Einzelner grau marmorierter Pappdeckel, vorderer Buchdeckel mit erste Seiten, Stempel „Katholischer Gesellenverein Krems“ und Titelblatt „Neue Bibliothek... Band 12, Die Prinzessin von Wolfenbüttel von Heinr. Zschokke, Leipzig 1807, und Frontispiz mit Abb. u.a. eines napoleon. Soldaten und Bibliotheksstempeln, zuletzt 1941 [!]: [liegt dabei] Hl.Wenzel, König Ludwig von Ungarn... {herausgetrennt aus einem Buch]. – bunt Johannes der Täufer. – Hl.Familie, Regensburg o.J. – Engel und Schutzherr / Christus und Johanes, Regensburg o.J. „Pina Feistenberger“ [nicht Familie]. – bunt, handgemalt, Offizier. – Hl.Kindheit... Franz Spängler, Salzburg 1852 und 1859. – Friede sei mich euch, München o.J. „...Zum Andenken von deiner dich herzlichen liebenden Mutter Sp. {Spängler?]. – Ein guter Baum... – Magdalena – Andechs – Umschlag mit drei Edelweiß – Umschlag Franziska Spengler [Spängler] mit Papierspitzenbildchen – Jungfräulicher Bund... St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel] 1862“.
    
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