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| − | [[Datei:Gedenktafel Pest 1571 und Hochwasser 1572 in Salzburg.jpg|thumb|Gedenkstein in Salzburg, [[1571]]-[[1572]], Gebrüder Hanns und Andreas [[Thenn]]]] | + | [[Datei:Gedenktafel Pest 1571 und Hochwasser 1572 in Salzburg.jpg|thumb|Gedenkstein in Salzburg, [[1571]]-[[1572]], Gebrüder Hanns und Andreas [[Thenn]].]] |
| − | [[Datei:Pestmarterl beim Lenzengut in Lofer.jpg|thumb|Marterl zur Erinnerung an die Pest auf dem Lenzengut in [[Lofer]] im Jahr [[1648]]]] | + | [[Datei:Pestmarterl beim Lenzengut in Lofer.jpg|thumb|Marterl zur Erinnerung an die Pest auf dem Lenzengut in [[Lofer]] im Jahr [[1648]].]] |
| − | [[Datei:Pestmarterl beim Lenzengut, Lofer.jpg|thumb|Pestmarterl beim Lenzengut in Lofer]] | + | [[Datei:Pestmarterl beim Lenzengut, Lofer.jpg|thumb|Pestmarterl beim Lenzengut in Lofer.]] |
| − | [[Datei:Pestkreuz G.jpg|thumb|Pestkreuz an einem abgelegenen Ort in Thalgau]] | + | [[Datei:Pestkreuz G.jpg|thumb|Pestkreuz an einem abgelegenen Ort in Thalgau.]] |
| − | Auch Salzburg blieb nicht von der '''Pest''' verschont.
| + | Die '''Pest''' ist eine Seuche, die im [[6. Jahrhundert]] nach Christus über Konstantinopel (Istanbul) in europäische Mittelmeerhäfen eingeschleppt wurde. |
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| | ==Über die Pest== | | ==Über die Pest== |
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| | ==Die Pest in Salzburg== | | ==Die Pest in Salzburg== |
| − | Im [[12. Jahrhundert]] werden die Jahre [[1156]], [[1157]] und [[1167]] als Pestjahre bezeichnet. [[1257]] brach in [[Laufen an der Salzach]] die Seuche aus. Wirklich große Verheerungen und Schrecken verbreitete die Pest in den Jahren [[1348]] und [[1349]]. Sie war 1347 von Schiffen, die in Genua anlandeten, über die [[Alpen]] gekommen und war die größte Pestepedemie in den [[Ostalpen]]. Im [[Pongau]] verödeten 40 % der Güter, die dem [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Erzstift St. Peter]] gehörten. Auch die Bevölkerung im [[Pinzgau]] wurde stark dezimiert. Im zu Salzburg gehörenden [[Mühldorf am Inn]] starben angeblich 1 400 Menschen. | + | Im [[12. Jahrhundert]] werden die Jahre [[1156]], [[1157]] und [[1167]] als Pestjahre bezeichnet. [[1257]] brach in [[Laufen an der Salzach]] die Seuche aus. Wirklich große Verheerungen und Schrecken verbreitete die Pest in den Jahren [[1348]] und [[1349]]. Sie war 1347 von Schiffen, die in Genua anlegten, über die [[Alpen]] gekommen und war die größte Pestepedemie in den [[Ostalpen]]. Im [[Pongau]] verödeten 40 % der Güter, die dem [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Erzstift St. Peter]] gehörten. Auch die Bevölkerung im [[Pinzgau]] wurde stark dezimiert. Im zu Salzburg gehörenden [[Mühldorf am Inn]] starben angeblich 1 400 Menschen. |
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| | Im Zusammenhang mit dieser Epidemie mussten die [[Juden in Salzburg|Juden]] einen "gehörnten Hut" und die jüdischen Frauen Glöckchen tragen. Sie standen im Verdacht, durch Brunnenvergiftungen die Pest ausgelöst zu haben. | | Im Zusammenhang mit dieser Epidemie mussten die [[Juden in Salzburg|Juden]] einen "gehörnten Hut" und die jüdischen Frauen Glöckchen tragen. Sie standen im Verdacht, durch Brunnenvergiftungen die Pest ausgelöst zu haben. |
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| − | In den Jahren [[1355]] bis [[1362]] sowie von [[1367]] bis [[1374]], [[1386]] (sie hatte in [[Radstadt]] am St.Veits-Tag, den [[15. Juni]], genommen) und [[1393]], in welchem Jahr sie besonders schrecklich grassierte. | + | In den Jahren [[1355]] bis [[1362]] sowie von [[1367]] bis [[1374]], [[1386]] (sie hatte in [[Radstadt]] am St.Veits-Tag, den [[15. Juni]], benommen) und [[1393]], in welchem Jahr sie besonders schrecklich grassierte. |
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| − | Im [[15. Jahrhundert]] wurde die Pest in den Jahren [[1444]] (eine vollständige [[Sonnenfinsternis]] im Jahr [[1448]] hatte bei den Menschen die Befürchtung des Ausbruch der Pest geschürt, was aber nicht der Fall war), [[1454]], [[1463]] und [[1482]] bis [[1486]]. 1482 wurden 4 500 Tote in der [[Stadt Salzburg]] sowie in den Dörfern [[Gemeinde Maxglan|Maxglan]], [[Gemeinde Siezenheim|Siezenheim]], [[Liefering]], [[Gemeinde Morzg|Morzg]] und [[Gemeinde Gnigl|Gnigl]]. 1471 kam es in diesem Zusammenhang zur Gründung der [[St. Rochus-Bruderschaft|St. Rochus]]- und [[Sebastiansbruderschaft]]. | + | Im [[15. Jahrhundert]] wurde die Pest in den Jahren [[1444]] (eine vollständige [[Sonnenfinsternis]] im Jahr [[1448]] hatte bei den Menschen die Befürchtung des Ausbruch der Pest geschürt, was aber nicht der Fall war), [[1454]], [[1463]] und [[1482]] bis [[1486]]. 1482 wurden 4 500 Tote in der [[Stadt Salzburg]] sowie in den Dörfern [[Gemeinde Maxglan|Maxglan]], [[Gemeinde Siezenheim|Siezenheim]], [[Gemeinde Morzg|Morzg]] und [[Gemeinde Gnigl|Gnigl]]. 1471 kam es in diesem Zusammenhang zur Gründung der [[St. Rochus-Bruderschaft|St. Rochus]]- und [[Sebastiansbruderschaft]]. |
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| | === Im 16. Jahrhundert grassierte die Seuche am Schlimmsten === | | === Im 16. Jahrhundert grassierte die Seuche am Schlimmsten === |
| − | [[1506]], [[1516]], [[1517]] und [[1521]] waren die nächsten Pestjahre. Am [[13. Juli]] 1521 verließ [[Fürsterzbischof]] [[Matthäus Lang von Wellenburg]] die Stadt und kehrte erst im Februar 1522 wieder in die Stadt zurück. [[1524]] wurde dann im Rahmen der [[Stadt- und Polizeiordnung]] eine "''Ordnung zu Abstellung der Unsawaberkait hie in der stat''" gegen die schlechte Luft erlassen. Es war eine Vorkehrung zur Verhinderung ''böser krannckhaiten''. Aber [[1528]] und [[1529]] war Pest wieder in Salzburg. [[1533]], [[1551]], [[1553]] und [[1554]] brach erneut die ''große Sterb'' über Salzburg herein. Zwischen [[17. September]] 1553 und Juni 1554 vermerkte man in einem Bericht des Konsistoriums der [[Hofkammer]] 727 verstorbene und begrabene Tote. Schon [[1562]] bis [[1564]] wütete die Pest abermals in Salzburg. Diesen Seuchenjahren folgte eine von [[1569]] bis [[1572]] dauernde Epidemie. Für 1570 meldete der [[Stadtrichter]] 1 398 Pestopfer in der Stadt [[Hallein]], in der Stadt Salzburg gab es zwischen [[30. Mai]] [[1571]] bis [[31. Jänner]] 1572 sogar 2 236 Tote (Anmerkung: Um das Jahr 1550 hatte die Stadt Salzburg etwa 8.000 Einwohner), also etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung. Von da an bis [[1582]] residierte Fürsterzbischof [[Johann Jakob Kuen von Belasy]] in [[Mühldorf am Inn]]. | + | [[1506]], [[1516]], [[1517]] und [[1521]] waren die nächsten Pestjahre. Am [[13. Juli]] 1521 verließ [[Fürsterzbischof]] [[Matthäus Lang von Wellenburg]] die Stadt und kehrte erst im Februar 1522 wieder in die Stadt zurück. [[1524]] wurde dann im Rahmen der [[Stadt- und Polizeiordnung]] eine "''Ordnung zu Abstellung der Unsawaberkait hie in der stat''" gegen die schlechte Luft erlassen. Es war eine Vorkehrung zur Verhinderung ''böser krannckhaiten''. Aber [[1528]] und [[1529]] war Pest wieder in Salzburg. [[1533]], [[1551]], [[1553]] und [[1554]] brach erneut die ''große Sterb'' über Salzburg herein. Zwischen [[17. September]] 1553 und Juni 1554 vermerkte man in einem Bericht des Konsistoriums der [[Hofkammer]] 727 verstorbene und begrabene Tote. Schon [[1562]] bis [[1564]] wütete die Pest abermals in Salzburg. Diesen Seuchenjahren folgte eine von [[1569]] bis [[1572]] dauernde Epidemie. Für 1570 meldete der [[Stadtrichter]] 1 398 Pestopfer in der Stadt [[Hallein]], in der Stadt Salzburg gab es zwischen [[30. Mai]] [[1571]] bis [[31. Jänner]] 1572 sogar 2 236 Tote (um das Jahr 1550 hatte die Stadt Salzburg etwa 8 000 Einwohner), also etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung. Von da an bis [[1582]] residierte Fürsterzbischof [[Johann Jakob Kuen von Belasy]] in [[Mühldorf am Inn]]. |
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| − | Mit einer großen Pestepidemie [[1597]] klang das [[16. Jahrhundert]] aus. In [[Hallein]] schlug die Pest nochmals 1597 zu, wovon ein Massengrab bei Renovierungsarbeiten der [[Stadtpfarrkirche Hallein]] 2005 gefunden wurde. | + | [[1585]] wurde aufgrund der grassierenden Pest die Herbst[[dult]] und der [[Rupertikirtag|Jahrmarkt zu Ruperti]] abgesagt. |
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| | + | Im [[16. Jahrhundert]] gab es in der Stadt Salzburg ein hölzernes Lazaretthaus auf dem [[St. Sebastian Bollwerk]] und auf der [[Müllner Schanze]]. |
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| | + | Mit einer großen Pestepidemie [[1597]] klang das 16. Jahrhundert aus. In [[Hallein]] schlug die Pest nochmals 1597 zu, wovon ein Massengrab bei Renovierungsarbeiten der [[Stadtpfarrkirche Hallein]] 2005 gefunden wurde. |
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| | === Auch im 17. Jahrhundert wütete noch die Pest === | | === Auch im 17. Jahrhundert wütete noch die Pest === |
| − | Für das [[17. Jahrhundert]] wurden neben einzelnen Pestjahren trat die Epidemie von [[1613]] bis [[1618]] von [[1625]] bis [[1627]] stark auf. Ob die Pestepidemie von [[1628]], die sich in ganz [[Faistenau]] ausbreitete, nach [[Hintersee (Ort)|Hintersee]] überschwappte, ist nicht belegbar. | + | Für das [[17. Jahrhundert]] trat die Epidemie, neben einzelnen Pestjahren, von [[1613]] bis [[1618]] von [[1625]] bis [[1627]] stark auf. Am [[11. August]] 1625 wurden die [[Salzburger Badehäuser|Badehäuser]] und die [[Benediktineruniversität]] geschlossen. Lehrer und Schüler mussten erstmals in der Geschichte der Universität nach [[Radstadt]] ausweichen. [[Fürsterzbischof]] [[Paris Graf von Lodron]] flüchtete mit seinem [[Salzburger Fürstenhof|Fürstenhof]] in das erst [[1619]] fertiggestellte [[Schloss Hellbrunn]], von wo er erst wieder am [[20. November]] in die Stadt zurückkehrte. |
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| | + | Paris Lodron ließ nun die Moore [[Schallmoos (Moor)|Schallmoos]] und [[Itzlinger Moor |Itzling]] trockenlegen, da man annahm, die Ursache der Pestepidemie läge in der ''schlechten Luft'' der Moore. |
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| | + | Die Pestepidemie von 1625 bis 1626 im [[Lungau]] forderte in [[Tamsweg]] in sechs Monaten 79 Menschenleben. |
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| | Die Jahre [[1629]] bis [[1631]] waren zwar nicht Pestfrei, doch traten nur einzelne Fälle auf. Durch Kriegshandlungen 1632 in Augsburg und München kam [[1633]] die Seuche über Regensburg abermals nach Salzburg. [[Mühldorf am Inn]] litt vom Spätsommer[[1634]] bis Ende Jänner [[1635]] unter der Pest (438 Tote). [[Reichenhall]] war von 1634 bis [[1636]] von der Seuche heimgesucht worden, Hallein 1634 und 1635. | | Die Jahre [[1629]] bis [[1631]] waren zwar nicht Pestfrei, doch traten nur einzelne Fälle auf. Durch Kriegshandlungen 1632 in Augsburg und München kam [[1633]] die Seuche über Regensburg abermals nach Salzburg. [[Mühldorf am Inn]] litt vom Spätsommer[[1634]] bis Ende Jänner [[1635]] unter der Pest (438 Tote). [[Reichenhall]] war von 1634 bis [[1636]] von der Seuche heimgesucht worden, Hallein 1634 und 1635. |
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| | * [[Pest im Pinzgau]] | | * [[Pest im Pinzgau]] |
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| − | == Literatur und Quellen == | + | == Literatur == |
| | * [[Die Pest in Salzburg]], u. a. "Salzburger Pestgeschichte", Seite 51ff | | * [[Die Pest in Salzburg]], u. a. "Salzburger Pestgeschichte", Seite 51ff |
| | + | * ''Die ersten Infektions- oder Pest-Ordnungen'', Heinz Flamm, ISBN 978-3-7001-6064-9<ref>Quelle [http://hw.oeaw.ac.at/0xc1aa500d_0x0019d796.pdf hw.oeaw.ac.at], Datenstand abgerufen am 5. Mai 2010</ref> |
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| | + | == Quellen == |
| | + | * Oben angeführte Literatur sowie |
| | * [[Nora Watteck]]: ''Die Pest in Salzburg'', in: Mitteilungen der [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] (MGSLK) 123, Salzburg 1983, S. 191–210. | | * [[Nora Watteck]]: ''Die Pest in Salzburg'', in: Mitteilungen der [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] (MGSLK) 123, Salzburg 1983, S. 191–210. |
| − | * ''Salzburgs Synchronik'', [[Verlag Alfred Winter]], 2002, ISBN 3-85380-055-6 | + | * In: ''Salzburgs Synchronik'', [[Verlag Alfred Winter]], 2002, ISBN 3-85380-055-6 |
| − | * ''Die ersten Infektions- oder Pest-Ordnungen'', Heinz Flamm, ISBN 978-3-7001-6064-9<ref>Quelle [http://hw.oeaw.ac.at/0xc1aa500d_0x0019d796.pdf hw.oeaw.ac.at], Datenstand abgerufen am 5. Mai 2010</ref>
| + | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18821004&query=%22pest%22&seite=1 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 4. Oktober 1882, Seite 1, "Die Pest in Salzburg", 1. Teil |
| − | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18821004&query=%22pest%22&seite=1 ANNO], Salzburger Chronik, 4. Oktober 1882, Seite 1, "Die Pest in Salzburg", 1. Teil | |
| | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18821005&query=%22pest%22&seite=1 ANNO], Salzburger Chronik, 5. Oktober 1882, Seite 1, "Die Pest in Salzburg", 2. Teil | | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18821005&query=%22pest%22&seite=1 ANNO], Salzburger Chronik, 5. Oktober 1882, Seite 1, "Die Pest in Salzburg", 2. Teil |
| | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18821007&query=%22pest%22&seite=1 ANNO], Salzburger Chronik, 7. Oktober 1882, Seite 1, "Die Pest in Salzburg", 3. Teil (Ende) | | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18821007&query=%22pest%22&seite=1 ANNO], Salzburger Chronik, 7. Oktober 1882, Seite 1, "Die Pest in Salzburg", 3. Teil (Ende) |
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| − | == Weblink ==
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| − | * [http://de.wikipedia.org/wiki/Pest Wikipedia. die Pest]
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| | ==== Einzelnachweise ==== | | ==== Einzelnachweise ==== |