Sitzungsprotokoll vom 27. Oktober 1831

Das Sitzungsprotokoll vom 27. Oktober 1831 wurde in einer Sitzung der ob der ennsischen Landesregierung geführt, die Sanitätsthemen betroffen hat.

Ausschnitt aus dem Sitzungsprotokoll, Unterpunkt 2tens


Einleitung

Das Protokoll liegt im oberösterreichischen Landesarchiv im Bestand "OÖLA Landesregierungsarchiv 1787-1849 / Allgemeine Reihe" in der Schachtel 153. Es betrifft das Jahr 1831, das durch das herannahen der ersten Cholera-Epidemie für das Gesundheitswesen besonders intensiv war. Es wurde - wie im folgenden zu lesen ist - versucht ältere und ungeeignete Kreis- und Bezirksärzte zu pensionieren um die Stellen mit jüngeren Ärzten nachzubesetzen.

das Protokoll ist mit 27. Oktober datiert, aber mit 20. Oktober unterzeichnet - vielleicht sollte es 28. Oktober heißen.

Text

27 Oktober 1831

Ref H Rat u Prot Streinz

Das kk. Kreisamt zu Salzburg überreicht die Dienstesbehelfe des dortigen Kreisarztes Dr von Bernberg, mit der Bemerkung, daß es mit seiner Dienstleistung zufrieden sey, und kein gesetzlicher Grund zu Pensionierung desselben Vorliegen dürfte. Sollte er aber dessen ungeachtet in Ruhestand versetzt werden, so meine [man] ihm den ganzen Gehalt zu belassen. Die Regierung hat bereits unterm 2ten August GZ 19548 beschloßen, dem Kreisarzt Dr v. Bernberg, den Bezirksarzt Maffei zu adjungiren, zugleich aber die definitiven Behandlung des Ersteren einzuleiten. Die Gründe hierzu waren folgende

1 das ein Bernberg in seiner Dienstverrichtung äußerst lau, und nachlässig sey, und alle wie immer gearteten Betreibungsmittel an ihm ohne Wirkung blieben.

2tens daß er sich als Studiendirektor, durch Aufnahme von Darlehen fast von allen ihm untergeordneten Professoren und Supplenten, und überhaupt durch seine äusserst zerrüttete häusliche Lage kompromittiert habe, daher

3tens bei diesen Verhältnißen in einer Zeit, wie die gegenwärtigen, auf dem so wichtigen Posten eines Kreisarztes nicht belassen werden könne.

Dieser Beschluss ist zugleich der h. Hofkanzley angezeigt worden, welche mit h. Dekret vom 18. August der Z 18382 RZ 22888 hierüber sowohl als über die gleichzeitig eingeleitete Suplirungen des Traunkreisarztes und des Bezirksarztes Touaillon[1] nähere Auskünfte abverlangte.

Inzwischen wurde und am 18. September Zahl 21951 wenn wegen Pensionierung des Traunkreisarztes Schneider[2] und den Bezirksärzten Touaillon und Steininger bereits Hofbericht erstattet.

In Ansehung des Kreisarztes von Bernberg langte aber auch ein Hofrekurs mit Hofkanzleidekret vom 18. August Z 19339 RZ 2148 zur Berichterstattung herauf. Mit diesem Hofrekurs ist nun der Pensionierungs Antrag zugleich in Verbindung zu setzen, und unter Einem darüber ein Hofbericht zu erstatten.

In diesem ist die Notwendigkeit der Pensionierung dieses Kreisarztes durch die vorhandenen amtlichen Belege über seine Saumseligkeit, und Unfolgsamkeit zu rechtfertigen, und sich hinsichtlich seines gefährdeten Ansehens auf dem unterm 16. September Z 23967 an die h. […] erstatteten Bericht zu beziehen.

Linz 20. Oktober 1831

Einzelnachweise

  1. Höchstwahrscheinlich ein Verwandter des Salzburger Arztes Johann Baptist Tuaillon.
  2. Heinrich Schneider (um 1761; † 6. März 1844 Steyr)