Roadtrip an die Front (Dokumentarfilm)
Roadtrip an die Front ist der Titel eines Dokumentarfilms, der im Herbst 2025 in Salzburger Kinos zu sehen war.
Über den Film
"Hinter mir der Tod, vor mir das Leben"
Arno Watteck ist selbst noch ein Jugendlicher, als er in Hitlers Wehrmacht eingezogen und an die Front im Grenzgebiet zwischen Tschechien und Polen geschickt wird. Als wenige Monate vor seinem 19. Geburtstag das Naziregime zusammenbricht und sich die Nachricht vom Ende des Zweiten Weltkriegs verbreitet, versucht er, sich allein von Tschechien nach Salzburg durchzuschlagen. Der zehntägige Gewaltmarsch gelingt mit viel Glück und mit Hilfe alter Generalstabskarten aus der Monarchie, die ihm sein Vater mitgegeben hat.
Acht Jahrzehnte später macht sich Watteck auf den Weg von Salzburg nach Tschechien. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ist er 98 Jahre alt. Und diesmal ist er nicht allein unterwegs, sondern im Wohnmobil mit seiner Tochter, der Salzburger Künstlerin Roxane König, seiner Enkelin Nora, seiner Pflegerin Adele Amrein, Regisseur Simon Tasek und seinem Arzt und entfernten Cousin Bernhard Jirikowski.
Immer wieder machen sie an Orten halt, an denen Watteck als Wehrmachtssoldat eingekesselt war, an denen er auf seiner Flucht nur knapp der Gefangennahme oder Exekution entging. Immer wieder stellt der Regisseur, der vor Kurzem das Jahresstipendium Film des Landes Salzburg erhalten hat, Archivaufnahmen von Schlachten und Kriegsgräueln Wattecks Erzählungen gegenüber.
Die Erinnerungen, die ihn bis heute in Albträumen verfolgen, lassen sich auch von scheinbar idyllischen Bildern nicht verdrängen. "Die Gegend schaut so normal aus", sagt Watteck in einem Campingstuhl sitzend, während die Kamera über Wiesen und Wälder schwenkt, die Kriegsgebiet und Todeszone waren: "Es ist nicht sichtbar, dass da jemals geschossen worden ist." Der Moment sei für sie einer der eindringlichsten der Reise, sagt Roxane König. Plötzlich werde ihr sonst stets eloquenter Vater ganz still, "aber diese Stille ist so laut".
Die Idee zum Film sei entstanden, nachdem Arno Watteck, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Matura nachholte, Forstwirtschaft studierte, und neben seinem Beruf als Regierungsoberforstrat im Lungau zu einem Pionier von Volkskultur, Heimatkunde und Denkmalschutz wurde, seine Lebensgeschichte auf Drängen seiner Kinder niedergeschrieben habe, erzählt Roxane König. Die Kapitel über seine Flucht nach Salzburg, an deren Ende er mitten auf der Staatsbrücke unverhofft seiner Mutter gegenübergestanden sei, "lesen sich ja fast schon wie ein Drehbuch". Also habe sie Simon Tasek kontaktiert.
Er habe mit Watteck schon davor für TV-Beiträge gearbeitet und seine Erzählweise kennengelernt, sagt der 1988 geborene Regisseur: "Was er erlebt hat, das haben freilich Tausende erlebt", aber er habe einen "besonderen Blick" auf die Welt. Markant sei für ihn etwa ein Tagebucheintrag (im Film gesprochen von Enkel Alexander Watteck), als der 18-Jährige mitten in Chaos und Lebensgefahr die Schönheit der Natur wahrnimmt.
"Ich habe einen Pakt mit dem Himmel gemacht", sagt Watteck, der sich Religion und Spiritualität zuwandte, nachdem er um ein Wunder von oben gebetet hatte und lebendig nach Hause gekommen war. Den Film sieht Watteck auch als Appell an eine heute junge Generation für "Frieden, Frieden, Frieden".
Eine Brücke in die Gegenwart schlägt zudem ein Soundtrack mit Songs von Salzburger Bands wie den Querschlägern oder Blank Manuskript. "Wie bei einer langen Autofahrt, bei der die Musik aus dem Radio den Soundtrack macht", seien die Songs zu dem "Roadtrip" montiert, sagt Simon Tasek.
Zu sehen war der Film 2025
- Premiere: 18. November, Kino entan Tauern, Tamsweg, Schloss Kuenburg
- weitere Termine: 19. November in St. Michael, Schulkultursaal, 26. November in Mariapfarr, Kino in der Öbib, 27. November, 28. November, 4. Dezember in , Tamsweg, die Künstlerei, sowie 7. Dezember in Hallein im Rahmen von 100 Jahre Stadtkino;
Quelle
- sn.at, 15. November 2025: "Hinter mir der Tod, vor mir das Leben": Salzburger Arno Watteck reist mit 98 zurück an die Front