Der "Dombrand" 1935
Über einen Dombrand 1935, der Gott sei dank keiner war, berichtet die "Salzburger Chronik" in ihrer Ausgabe vom 13. Juni 1935:[1]
Der "Dombrand" 1935
In der Nacht auf den 12. Dezember 1598 brach im erzbischöflichen Betchor des alten Salzburger Münsters ein Brand aus, dem das Bleidach und die fünf Türme samt den Glocken zum Opfer fielen. Der Dom selbst litt, wie schon längst feststeht, keinen nennenswerten Schaden; trotzdem nahm Erzbischof Wolf Dietrich diesen Brand zum Anlaß, den ehrwürdigen alten Dom, an dem sein inmitten eines neuen Stilwillens aufgewachsener Tatendrang kein Genüge mehr finden konnte, abzureißen und mit dem Bau eines neuen zu beginnen.
An einem heißen Nachmittag des Jahres 1935, am 12. Juni, also gestern, hantierte ein ganz seiner Pflicht hingegebener Dommesner im nördlichen Domturm mit dem Besen. Ob der Staub, der sich hier angesammelt hatte, noch aus den Tagen des Paris Lodron stammte, oder doch neueren Ursprungs war, wissen wir nicht. Tatsache ist, daß mächtige Staubschwaden durch das Turmfenster in den sonnigen blauen Nachmittag hinauswehten...
... und die Feuerwache Residenz wurde auch schon pfichtgemäß davon benachrichtigt, daß es aus dem Turmfenster gewaltig "herausrauche". Es war ein Irrtum, nicht einmal ein optischer, denn diese ehrwürdige Staubwolke war so bedenklich schwarz, daß sie von einer Rauchwolke überhaupt nicht zu unterscheiden war. In Feuersachen kann man auch nicht das Ergebnis einer chemischen Untersuchung abwarten, sondern muß rasch zugreifen; das Jahr 1598 hat uns gewitzigt genug.
Es ist erfreulich, nunmehr feststellen zu dürfen, daß unsere Feuerwehr gestern ein Meisterstück schnellster Bereitschaft abgelegt hat. Um 5.17 Uhr gab die Residenzwache die Meldung an die Bruderwache weiter: "Dachbrand im Dom" und im Nu waren Bruderhofwache mit fünf Geräten, und Residenzwache mit vier Geräten zur Stelle; sogar die Feuerwehr Itzling, die von privater Seite benachrichtigt worden sein dürfte, erschien am Platz. Der Irrtum klärte sich alsbald auf; der "Brandstifter" war nicht wenig erstaunt, als er die nahezu sträflichen Folgen seiner arbeitsreichen Tat gewahr wurde Er blieb ungeschoren, einer jener seltenen Fälle, in denen ein aus frischer Tat ertappter "Brandstifter" vollkommen ungestraft ausgeht. Die Feuerwehr rückte alsbald wieder ein, nachdem die Natur dieser als Rauchwolken maskierten Staubwolken unwiderlegbar festgestellt war.
Manche werden über diese Angelegenheit, die tatsächlich einen etwas humorvollen Anstrich trägt, lachen; lachen wir ruhig mit. Denn sie hat uns doch auch etwas Ernstes und Wichtiges gezeigt: daß wir der Wachsamkeit und Schlagfertigkeit unserer Feuerwehr auch die ganz großen Schätze unserer Stadt, Dom und Festung und alles andere, soweit eben Menschenwerk Naturgewalten zu trotzen vermögen, wohl anvertrauen dürfen.