Fußgängerbrücke am Salzburger Hauptbahnhof


Die Fußgängerbrücke am Salzburger Hauptbahnhof war mehr als hundert Jahre der einzige durchgehende Übergang am Salzburger Hauptbahnhof.
Geschichte
Die Fußgängerbrücke am Salzburger Hauptbahnhof stammte aus der Kaiserzeit. Sie wurde im Zuge eines Umbaus und der Errichtung eines Mittelbahnsteigs am Hauptbahnhof ab 1907 errichtet.
Seit dem Bau des Postgebäudes am nördlichen Ende des Bahnhofsgebäudes führte die Brücke von der Lastenstraße in Schallmoos direkt in das Postgebäude und dort in einem breiten, hellen Stiegenhaus über drei Stockwerke hinunter auf den Südtiroler Platz. Später wurde der Steg um einen Abgang zum Inselbahnsteig ergänzt, vor den Umbauarbeiten (2010 - 2014) am Hauptbahnhof auch noch um einen Abgang zu den alten Bahnsteigen 4/5.
Mit dem Abriss des Postgebäudes Mitte der 2000er Jahre und dem anschließenden Umbau des Hauptbahnhofs musste die Brücke Meter um Meter zurückweichen. Zum Schluss gelangte man nur mehr vom neuen Bahnsteig 4/5 über einen provisorisch errichteten Aufgang zum Steg.
Mit der Eröffnung der unterirdischen Passage im Bereich des neuen Hauptbahnhofs am 25. März 2013 wurde die Fußgängerbrücke obsolet. Sie wurde daraufhin vor der Fertigstellung des Bahnhofs abgetragen.
Die Fußgängerbrücke am Salzburger Hauptbahnhof war weder behindertengerecht noch bautechnisch anmutend. Sie war nur bruchstückweise überdacht und Wind und Wetter ausgesetzt, aber sie bot einen wunderbaren Ausblick auf das Treiben am Bahnhof und war bei Fotografen beliebt, die den Bahnhof mit Untersberg und Festung im Hintergrund ablichten wollten.
Abschiedsgeschichte
Die Brücke aus der Kaiserzeit muss abdanken
Nach 106 Jahren endet am Sonntag die Überquerung des Hauptbahnhofs unter freiem Himmel. Die Passage macht den Steg überflüssig.
Rutschige Bretter, von schräg oben peitscht Regen herab. Auf der linken Schulter baumelt die kleine Reisetasche, die Rollen des nachgezogenen Koffers machen "klacktack-klacktack". Die Zeit drängt. Tonfetzen der Durchsage klingen nach oben. "Auf Gleis drei . . . " Nein, ich bin Gleis vier. Wie viele Minuten habe ich noch? Herrschaft, der Regen! Können die kein Dach hier bauen?
Sie werden kein Dach mehr bauen. Der Fußgängersteg zwischen Lastenstraße und Bahnsteigen des Salzburger Hauptbahnhofs ist in wenigen Tagen Geschichte. Aus und vorbei nach 106 Jahren mit viel Mühen, Stress und Ärger. Kommenden Sonntag gibt es die letzte Gelegenheit, "klacktack-klacktack" in luftiger Höhe wahrzunehmen. Das Bauwerk aus der Epoche des Regenten Kaiser Franz Joseph dankt ab. Das Zeitalter der Passage wird am Montag (noch ohne Shops) ausgerufen. Immerhin: Wir dürfen trockenen Fußes durchgehen!
Die Salzburger Stadtteile Schallmoos und Elisabeth-Vorstadt sind ab 25. März 2013 für Fußgänger so verbunden, wie es sich für eine kulturelle Weltstadt gehört. Applaus, Applaus! Niemand muss Prophet sein, um zu sagen: Bis zum Sonntag wird niemand ohne zwingenden Grund die steilen Stufen nach oben turnen und mit Gepäck zu und von den Bahnsteigen eilen. Ohne Reisegepäck werden bestimmt einige Fotografen die letzte Gelegenheit nutzen, um den Bahnbetrieb aus der Brückenperspektive einzufangen.
Nach historischen Ereignissen wie Mondlandung oder Interneteinstieg verschwindet endlich dieses verrostete Etwas. Nostalgie? Nein, danke. Wie war es möglich, dass diese Brücke so lang benutzt werden musste? Das Treppendach ist nur Luxus der letzten Jahre - so wie die Direktverbindung zu den Bahnsteigen.
Jahrzehntelang hieß es, die gesamte Anlage ohne Wetterschutz bis in das einstige Post-Gebäude überqueren, die drei Stockwerke hinunterlaufen und die Bahnhofhalle von vorn betreten. Hm, welcher Bahnsteig? Wie oft wohl war der Zug da schon weg?
Von Othmar Behr | SN am 19.03.2013
Bildergalerie
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Aufgang von Schallmoos 2013
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Der alte Abgang im Postgebäude 2006
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Gesamtansicht der Brücke 2000
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Ansicht der Brücke 2010
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Fußgängerbrücke im Letztzustand mit Abgang zum neuen Bahnsteig 4/5
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Fußgängerbrücke, südöstliche Ansicht, Aufn. 13.2.2013
Quellen
- Salzburger Nachrichten
- ÖBB