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'''Fanny Kobler''' (1796-1886; Nr. 79) [Reste zerrissener Aktenstücke; nicht übertragen]: Salzburg 16.Januar 1792: Franz Elixhauser als Hochzeiter, Franziska Hofmannin als Hochzeiterin XXX XXX [Abschrift der Zeit von dem auch im Orignal vorhandener Ehe-Vertrag von 1792]/ Februar 1830, Franziska Kobler geborene Hofmann, Seraphin Kobler, Franz Hofmann als Zeuge XXX XXX 1839 Papiersiegel/ Salzburg am 13.Mai 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler./ Salzburg am 3.Oktober 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler/ Salzburg am 20.Februar 1841: Seraphin Kobler Franziska Kobler. – „Elixhausen“ ist ein Ort bei Salzburg.
 
'''Fanny Kobler''' (1796-1886; Nr. 79) [Reste zerrissener Aktenstücke; nicht übertragen]: Salzburg 16.Januar 1792: Franz Elixhauser als Hochzeiter, Franziska Hofmannin als Hochzeiterin XXX XXX [Abschrift der Zeit von dem auch im Orignal vorhandener Ehe-Vertrag von 1792]/ Februar 1830, Franziska Kobler geborene Hofmann, Seraphin Kobler, Franz Hofmann als Zeuge XXX XXX 1839 Papiersiegel/ Salzburg am 13.Mai 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler./ Salzburg am 3.Oktober 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler/ Salzburg am 20.Februar 1841: Seraphin Kobler Franziska Kobler. – „Elixhausen“ ist ein Ort bei Salzburg.
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=== 1821 ===
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'''Franz Castelli''' [Nr. 78] an '''Fanny Kobler''' [Nr. 79]: [Peterwardein, 30.1.1821] No 3/ Liebe Fany. Gestern den 29.ten Januar (unwürdiger Tag meines Lebens) bin ich endlich in Peterwardein angekommen. Meine liebe, du kannst dir keinen Begriff machen wie traurig das verdammte Nest ist. In Neusatz wo man doch Menschen sieht, auf dem sich das Erträglichseyn der Festung stützt, sind lauter Juden, oder Kaufleute, bey denen das Intereße von allen Gesichtszügen hervorleuchtet; der 1.te Stock von allen Häusern, ist der Dachboden; ebene Erde, und 1.ter Stock zusammen, zählen zwey Fenster. In Peterwardein ist noch viel änger [enger], alles was sich dem Auge darbringt, ruft mir zu „Dienst, Dienst[“]. Bewaffnete, Arestanten oder Bürger die dem Straßenräuber ähnlich sehen, erregen Mittleid und scheinen mit Ihren ermatteten Blicke mir Trost zusprechen zu wollen, indem sie doch noch mehr leiden wie ich. Die Festungswerke sind sehr ausgedehnt, und alte Gräben mit stehendem verfaulten Wasser gefüllt; Ursache dessen hier auch die Luft peßtilenzialisch, und für meine Constitution (ich will sagen, Beschaffenheit des Körpers) höchst schädlich. Ich erwarte beynahe wollte ich sagen, mit Sehnsucht, die ohnehin unausbleibliche Krank[h]eit, um sie desto eher überstanden zu haben. Von meiner Reise werde ich dir nur das Merkwürdigste in kurzen Worten schreiben. In Wien ist nichts neues, und es regnet in einem fort. In Ofen und Pesth [Budapest] bin ich drey Tage geblieben. Schön gebaut, groß, lebhaft und bevölkert sind die zwei Städte, was ich aber sonderbar finde, ist: daß in der Hauptstadt Ungarns, höchstens der zehnte Theil Ungarisch versteht; und das keine stehende Brücke über die Donau ist. Bey Theresianopel sind mir zweymal die Pferde durchgegangen, der Wagen wurde schändlich zusammen gerichtet; mir aber im Schutz Gottes, [ist] nichts geschehen. Aus allen dem wirst du leicht einsehen, daß meine Lage nicht die beste ist, wenn sie noch dazu von deinem Stillschweigen verschlimmert wird, dann versichere ich dich Fany, ich würde es nicht aushalten können. Schreibe gleich, gleich, es fä[e]hlt dir nicht an Zeit, und Gelegenheit, aber deswegen kann ich dir auch nicht recht verzeihen, daß du nach Wien nicht geschrieben hast. Dem Herrn Doctor [Bayer] bitte ich alles schön auszurichten. Lebe wohl. Meine Unruhe über die Entwicklung unserer Verhältnisse, wächst alle Tage immer mehr, es ist nothwendig auf das Ende los zu gehen. Thue es, ich bitte dich, und beruhige mich mit dem nächsten Brief./ Peterwardein den 30.ten Januar/ Dein Castelli - „Peterwardein“: serbisch Petrovaradin, österreichische Grenzfestung; „Neusatz“: serbisch Novi Sad am linken Donauufer, Peterwardein ist Vorstadt dazu; „Theresianopel“: Maria-Theresianopel, ungarisch Szabadka, serbisch Subotica, an der Strecke von Budapest nach Semlin; „Doctor“: Dr.Bayer in Salzburg, siehe folgende Briefe. Zum Brief ist kein Umschlag erhalten, die zeitliche Einordnung ergibt sich aus der Briefzählung „No 3“. Die schwungvolle Unterschrift „Castelli“ ist etwas anders als in den folgenden Briefen (auch jeweils unterschiedlich unterschrieben und insgesamt mit gewissen Abweichungen in der Handschrift), doch die vier Briefe (drei von 1821 und einer von 1827) stammen sicherlich vom selben Castelli (siehe unten).
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'''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''': [Peterwardein, 8.3.1821] Liebe gute Fany/ Zwischen Hoffnung und Furcht war ich bis jetzt unentschlossen, ob ich dir oder dem Doctor [Bayer] schreiben soll, um die Ursache deines Stillschweigens zu erfahren. Meine Fantasie beschäftigt sich immer mit verzweyflungsvollen Gedanken, die mich den ganzen Tag peinigen und martern. Wie sehnsuchtsvoll warte ich auf die Ankunft der Post, aber immer vergebens; wie kannst du mich so tief kränken, und mir einen ganzen Monathe deine Nachrichten berauben. Jede Ursache, die ich zu deiner Entschuldigung ausstudiere, ist für mich wie ein P[B]litzstrahl im Herzen, denn entweder bist du ja schon krank daß du die Feder nicht regieren kannst, oder deine Liebe zu mir, hat sich so weit erkältigt daß du sogar auf deine Pflichten vergißt. Diese beyde[n] für mich gleich entsetzliche[n] Bilder, mahlen [malen] sich in vielerley Gestalten vor meiner Einbildungskraft, und verursachen mir sehr bittere Stunden. Meine theuerste Fany ich bitte dich wenn du mich je geliebt hast, schreibe, schreibe. Laße dir die paar Minuten nicht berei[u]hen, die du mir widmest, denn sie üben mir große Wohlthat aus. Vom Doctor weis ich auch noch nicht was seine Krankheit für ein Ende genommen hat[t]e. Das Schicksal hätte bey Gott kein böseres Spiel mit mir ausüben können, als mich in eine solche Lage zu versetzen. Ich, von der Menscheit verbannt, diejenige, die einst mein Leben versüßen soll außer Stand zu schreiben, und der einzige Grund von dem ich Trost abwarte entweder auf mich vergeßen, oder untunligst selbst diesem bösen Geschicke. Von nun an werde ich dir nicht wieder schreiben, bis ich nicht von dir was erfahren habe. Lebe wohl, und beglück mich bald mit einigen Zeilen. Deine Gegenliebe zu beSitzen, dich meiner Beständigkeit würdig zu wißen wird stets der große Lohn seyn, den ich für alle meine Schritte, und Bemühungen am liebsten abwarte, und wodurch ich nie aufhören werde zu seyn/ Peterwardein den 8ten März./ Dein getreuer C.... - [Briefumschlag:] „No.5“/ Ovalstempel: „Peterwardein“/ „An Herrn Doctor von Bayer/ hochwohlgeboren zu Salzburg/ abzugeben in Johannes Spital“. St.Johanns-Spital in Salzburg, Vorstadt Mülln, seit 1695 Krankenhaus der Aufklärungszeit (vgl. Dopsch, 1996, S. 332 f.). - Rotes Siegellack: Helm und Waffen, kleines Wappenschild‚ bewaffneter Mann mit Palmwedel [?]. Daneben Stempel (sehr undeutlich): Salzburg 18 März 1821 [?]. Auf dem Umschlag „No.5“, der Brief selbst nicht nummeriert, aber die Zuordnung scheint mir sinnvoll (Größe, Faltung, Inhalt). Der Brief ist mit „C“ und vier Punkten unterzeichnet.
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'''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''': [Peterwardein, 29.4.1821] Brief, grauer Umschlag bezeichnet „Nr. 9 – Peterwardein – An Herrn Doctor Bayer hochwohlgebohren zu Salzburg – abzugeben im Johannes Spital“, postalischer Ovalstempel „Peterwardein“, Siegel (ohne erkennbares Wappen). – „auch [?] Nr. 6.“ [! der Brief an Fanny lag wohl dem Brief an Dr. Bayer bei, der ihn weiterbeförderte?] Liebe, gute Fany. Seit der Zeit, daß ich in Peterwardein schmachte, habe ich schon fünf oder sechs mal das, für mich empfindsamste Beyspiel erlebt, daß bekannte Frauen stolz auf die gegebenen Beweiße ihrer Gefühle, in den Armen ihrer Männer, und unter ihren Liebkosungen, und immer zuerfreuende Freuden das Ziel ihrer Liebe glücklich erreicht, und nun wieder frisch, und gesund, das nehmliche was für uns Unglück war, mit tausend Freuden erwarten [sie erwartet von ihm ein uneheliches Kind]. Bey solchem Anblick ist die Empöhrung meines Gemüths auf das höchste, und nie werde ich mich genug über das Schicksaal beklagen können, das mich mit dem peinigt, was einen anderen beglückt. Das unterstrichene im Anfang dieses, habe ich schon als nothwendig in meinem vorigen Brief anvertraut, und in Anwendung gebracht [Nummerierung des Briefes? Brief „Nr. 5“ geht dem voran], thue das nehmliche damit ich weis, ob du meine Nummern richtig erhaltest oder nicht. Vor kurzem erhielt ich einen Brief von meinem Vater, ich schrieb ihm wieder, ich machte jedoch von dir noch keine Erwähnung, denn der beste Wille mich auszuhelfen, könnte bey den bestehenden Verhältnißen nicht das mindeste verändern. Er soll alles erfahren, jedoch nur dann wenn alles den besten Erfolg zu erwarten hat. Der gegenwärtige Zustand meiner Gesundheit trotz der sehr häufigen Krank[h]eiten, die ich hersche [?], läßt mein [mich] glauben daß Gott mich in seinem Schutz genommen hat, ob das durch mein Verdienst, oder deinetwegen bewirkt wird, ist mir unbewußt, ich fühle nur daß meine Beständigkeit zu dir, dieser Gnade würdig ist. Ich beschäftige mich Sogleich mit dem Gedanken wie du jetzt aussehen magst, und jede Vorstellung meiner Einbildung, verschaft mir Freude, und Schmerzt. Du warst ja manchmal so gut mir in der Wirklichkeit zu erscheinen, erscheine mir jetzt wenigstens im Traum, jedoch mit deiner wahren Gestalt daß ich dich sehen, bewundern, und mich in meinen Handlungen erkennen kann. Liebe Fany, unseren Glauben verspricht Vergeltung für alle Leiden, wenn das ist, so muß die Natur nun Freuden erschaffen, oder unsere Zusammenkunft beschleunigen, denn das erlittene ist größer als jede zu erwartende Freude. Jetzt habe ich zu viel zu thun, so bald ich einen Tag frey haben werde, werde ich nicht XXXgete für den Herrn Doctor etwas für seinen Stammbuch zu zeichnen, er möchte indeßen gedulden, und mich nicht meiner Nachläßigkeit beschuldigen. Deinen Eltern alles erdenkliche, und an die Familie Laschinki [Laschensky] meine Empfehlungen, auch vergiß nicht die Therese, die ohne Zweifel von allem erkundigt seyn wird, recht herzlich zu grüßen, und trag ihr auf auch dir von meiner Seite tausend Pußeln [Busserln] zu geben. Die Streitigkeit wegen der Unterschrift ist nun zu Ende, die Parteyen mit friedlichen Gesinnungen beseelt, wollen sich mit Güte vertragen und durch mich den ersten Beweis der gütigen Uibereinkunft und Versöhnung geben – Den 29te April [1]821. Dein dich ewig getreuer Petergribier [? Peterwardeiner]: Franz Castell[i]
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'''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''':  [Peterwardein, 10.6.1821] Theuerste Fany/ Vor zwey Wochen mußte ich in der größten Eile nach Semlin um einen Grund aufzunehmen, und einer Schatzung [Steuerschätzung] beizuwohnen; vor der Abreise war es mir nicht möglich deinen Brief zu beantworten, in Semlin ergab sich keine Gelegenheit, nun aber daß ich wieder zurück bin, erfülle ich meine erste Pflicht, dich von meiner Abreise, Aufenthalt, und Ankunft zu benachrichtigen. Obschon von Geschäften, und Aufträgen aller Art überhäuft, ließ ich doch diese Gelegenheit nicht unbenutzt, um nach Belgrad zu fahren. Der Uibergang von unserem ins türkische Land ist zwar, wie von einem schön möblirten Zimmer, in einem[n] Schweinstall, es bleibt doch deswegen diese Fahrt höchst intereßant, und der schandvolle Anblick ihrer Wildheit, gewährt uns das Bewuß[t]seyn einer beßeren Existenz. Ich wurde beym Wisir [Wesir] aufgeführt, er war sehr galant, ließ mir sogleich einen Stuhl bringen, der gewiß zu schlecht für eine Küche wäre, wartete mich mit Caffé auf, jedoch ohne Zucker, und presentierte mir eine Pfeiffe; das Einzige was man bey ihnen schön heißen kann; ich schmauchte sie mit Gusto ganz aus, und bewunderte indeßen die Anwesenden seines Gefolge[s], die sich um uns versammelt hatten. Wir gingen von ihm, in die Stadt um die Paläste zu betrachten. Trümmer, Brandstätte, Steinhaufen, und die aus der Erde noch hervorragende Knochen, erinnerten uns noch an die letzte Belagerung. Damit du einen Begriff von der Bauart der Türcken faßen kannst mag es hinlänglich seyn zu erinnern, daß im Hofe des Hauses des Gouverneurs Misthaufen verbrannt werden; daß die Fenster in seinem Appartement, mit Papier verpappt sind, und daß der Wisir in seinem Audienz Saal über die vermorschten Löcher des Fußbodens stolpern muß, auch haben in diesem Saal die Schwalben ihre Nester, und die Spinnen ihr Gewebe mit höchster Zulaßung aufgebaut. Nun auf uns. Mein Schreiben No.10 wirst du empfangen haben, auch ich erhielt das deinige, du sprichst von banger Erwartung, ich von Furcht; nun wird aber (ich darf an die Gerechtigkeit Gottes nicht zweyfeln) alles das erwünschte, glückliche Ende erreicht haben. An Versöhnung darf ich noch nicht hoffen. Ich halte auch so bald nicht darum an; wie deine Schmerzen sich lindern werden, wird auch dein Herz jeden Zug des Haßes verlaßen. Ich bin in der größten Erwartung deiner Nachrichten. Deine Gefahr laßtet so schwer auf meiner Seele, daß [ich] jeden Sinn für das gesellschaftliche Leben verlohren habe. Gute Fany, tröste mich bald mit erfreuliche[n] Nachrichten, und laße die edle Rache deines Haßes mit Wohltahten [!] erfolgen. So bald es mir möglich ist werde ich dem Herrn Doctor [Bayer] ein paar Zeile[n] schreiben, es ist aber nicht recht, daß er gerade auf mich wartet; er könnte mir wohl außer der Tour auch das Vergnügen verschaffen seine Nachrichten zu lesen. Wenn du es für schicklich glaubst, wiederhole bey deinen Eltern, statt meiner, meine Versprechungen. Ich halte es bey dir [für] unnötig. Empfehle mich bey der Familie Lasch[e]nsky, bey deinen Eltern und dem Doctor, und laße mich bey dir besonders empfohlen seyn, nicht wie ich es verdient habe, sondern wie ich durch die Vollziehung meines Versprechens [die Familie mit Kind später ernähren zu wollen] es verdienen werde. Lebe wohl. Den 10.ten Juny 21. Peterwardein. Dein aufrichtigster Franz - „Semlin“: Vorstadt von Belgrad; zuletzt 1789 von den Österreichern erobert [„letzte Belagerung“], aber weiterhin türkische Garnison. „Grund aufnehmen“: Castelli ist (militär.) Landvermesser. - Briefumschlag, gesiegelt mit rotem Lack und ‚großem Wappenschild mit Helm vor Fahnen und Kanonen’, auf dem Schild (auch im Vergleich mit dem zweiten, gleichen Siegel) ein verschlungenes F und C [Franz Castelli]. Brief sehr undeutlich gestempelt: XXrg.: Salzburg 20.Jun.XX21 [1821]. Adresse: „No.11“ [private Briefzählung]/ „Peterwardein“/ undeutlicher Ovalstempel: „Peterwardein“/ „An Herrn Doctor von Bayer/ hoch und wohlgeboren zu/ Salzburg/ abzugeben in Johannes Spital“. - Die Familie #Laschensky (auch im vorstehenden Brief vom 29.4.1821) gehört zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 363). In dem Geburts- und Taufschein [Abschrift von 1939] von Zäzilia Amalia Kobler, geboren am 14.Mai 1821 in Salzburg (also gut 5 Wochen vor diesem Brief vom 10.6.! Ist das das im Brief erwähnte „glückliche Ende“?), ist als Mutter eingetragen: „Franziska Kobler, des Franz Seraph. Kobler, Bierbrauers und der Franziska Hofmann, dessen Gattin, eheliche Tochter“. Als Pate erscheint: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“ [Tauftaler 1848 und Begleitzettel von Cäcilia Laschensky für „Franziska Schlögl“, Münze in der Münzsammlung 18 F.X.Spängler]. - Vater „nicht eingetragen“ (siehe auch nächstfolgenden Brief von 1827); vgl. Partezettel für Cäcilia Laschensky, 84 Jahre alt, Salzburg 1877.
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=== 1822 ===
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'''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''' (1796-1886; Nr. 79): Briefumschlag „Madmoiselle Mad.lle Françoise [Fanny] de Kobler, Salzburg“ aus „Podvin“, handschriftlich „von Brod“, No. 22; Reste von rotem Lacksiegel, Ankunftsstempel Salzburg 7.11.1822. – Briefbogen, „No.22“, „Theuerste Fany. So eben komme ich von einer Hochzeit, meine Rolle war diesmahl wichtig, ich war Beystand jetzt stell[s]t du dich vor wie mir zu Muthe ist, die schöne Braut war dir sehr ähnlich wodurch meine Einbildungskraft XXX Luftschlößer gehabt hat. Wie glücklich würden wir beide wenn nur die Hälfte meiner eingebildeten Glückseligkeiten zur Erfüllung gebracht würden. XXX Es sind nun bald zwei Jahre daß wir getrennt leben und unsere Verhältniße haben sich nicht um das mindeste gebeßert XXX da ich täglich stummer bleibe. Im Monate Jänner künftigen Jahres wird die berühmte Lotterie über die Grein(?)schaft Ernsdorf gezogen. Diesmahl XXX, und nie wieder, da würden wohl alle Bedenklichkeiten ein Ende haben. Indeßen glücklich kann ich seyn, aber leider immer nur im Traum. Der Unfall meiner Amalia war ein wenig ungeschickt, der Dienstboth hätte wohl verdient XXX zu werden. Ich brauche dir nichts Einkünftlig zu XXX du sollst jetzt sorgen, ich später. Lebe wohl, grüße deine Aeltern. Brod den 4ten XXX 822. Dein dich ewig liebender Castelli. - „Amalia“ Castelli/ Kobler ist über ein Jahr alt.
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=== 1826 ===
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'''Maria Anna Lürzer von Zehendthal''' [Nr. 75] an '''Franz Xaver Spängler''' [Nr. 36]: [Hall in Tirol, 17.4.1826] [...abgerissene Briefteile] verhältnisse setzen, Sie [...] würde; den na[c]h disser berufung, welche [...das Weitere ist weggerisssen] Ihnen beizt [?] und, aus zu führen, wen es eine Unnag[XX? das Weitere ist weggerisssen] aus disser Handlung fortkomen zu könen. Sie könen nicht wohl anders als auf bessere Zeiten warten, alles zu nuzten. Indessen, walten aber, no[c]h immer die nehmlichen Verhältnisse ob, wie damals, als Sie um u[n]ssere Tony [Maria Anthonia Lürzer, Nr. 37; er heiratet sie im November 1826] anhielten, Sie sind no[c]h immer in der Scheztnerischen [Gschnitzer] Handlung, u[n]d weis Gott wie lange, es sich no[c]h hinaus zieht, bis ein Käufer, oder Pächter, zu disser Handlung vorkömmbt; u[n]d findet sich au[c]h disser, so wird es dissen villeicht sehr erwünscht seyn, wen Sie no[c]h in der Handlung bleiben, wenigstens, eine Zeit, und [...eine halbe Seite weggerissen] waren, allein es erstens [?] sich hierbey [...] der Etablierung, auf eine art geschehen müße, wobey die Subhüflen [-hilfe, Unterstützung] gesichert were; da aber um die Handlung [die] verhältnisse so schlecht stehen, wird es besser seyn, gegenwärtig nichts zu kaufen sondern, das gewisse, den ungewissen vorzuziehen; und wie Sie schon anfangs gewolt, als Spetitur in die Scheztnerischen Handlung zu heyrathen; wo Sie doch leben können, und nichts wagen dürfen von Ihren Vermögen; auf uns ist Ihre offenherzig sagen, würde sich die Tony, wenn das Ziel ihrer Wünsche noch gar so weit sich hinaus ziehen würde, sich gar zu sehr ab härmen, ich spreche ihr nach kräften Worte des trostes zu, führ ihr Muth einzuflössen. Sie ist au[c]h oft ganz getröstet; allein, es gibt hier so ville bösse oder villmehr unkluge Menschen, welche sich die undelikatesten bemerkungen erlauben ihr in das Gesicht zu sagen, und mein ganzes gebäude, welches ich mit Mühe erbaut, stürzt dann in einem Nu zusammen. sie weint dan ein par Stunden und nur mit Mühe kann ich sie dan beruhigen, weill sie alles erst tief fühlt, und sie wirklich oft gekränkt wird. Das beste ist, daß ein Gott über uns waltet, u[n]ssere Schi[c]ksale leitet, und alles zu u[n]sseren besten wendet; auf dissen wollen wir u[n]sser Vertrauen setzen. Uns alle in seinem göttlichen Schutze verlassen und bleibe ich stets die mit aller Liebe Sie auftente [?] Lürzer. Meinn Mann küst Sie herzlich mit mir - „An des Wohlgeborenen Herrn Franz Xaver Spangler in Salzburg“; vorpostalischer Stempel: XX Salzburg 18 Apr.XX. Ohne Absender; handschriftlich „1826 v Lurzer M. A Hall 17 April Empf[angen] 18 April Beantw[ortet] 3 May“ [Maria Anna Lürzer, Hall in Tirol]. Reste von rotem Siegel. Anfang des Briefes auf einer halben Seite abgerissen; dadurch fehlt auch auf der zweiten Seite eine Hälfte. Vieles ist schwer zu lesen; die Anschrift ist mit anderer Hand und anderer Tinte. Im Brief sind einzelne Zusätze bzw. Verdeutlichungen mit anderer Hand und anderer Tinte darüber geschrieben (hier nicht besonders vermerkt). Praktisch durchgehend steht „ud“ für ‘und’ und „ih“ für ‘ich’, „noh“ für ‘noch’ und ähnlich (hier nicht besonders vermerkt; ‘ch’ oft nur als ‘h’, ‘sch’ als ‘sh’ abgekürzt geschrieben). Bei einigen Lesungen bin ich mir weiterhin unsicher. - „Tony“: Maria Anthonia (Antonia) Lürzer v. Zehendthal, geb. 1803, aus Hall in Tirol, heiratet am 14.11.1826, sieben Monate später, Franz Xaver Gregor Spängler, geb. 1793, der als Spediteur bei „Math. Gschnitzer“ in Salzburg arbeitet („Scheztnerische Handlung“). Im Trauungsregister von 1826 steht „Spediteur bei der Schastznerl. Handlung“. Ab 1828 gibt es die Duregger-Handelsgesellschaft, in die später Carl Spängler einheiratet, woraus sich 1870 die Spängler-Bank entwickelt. Die Familie #Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister (vgl. Dopsch, 1996, S. 641), von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. - Die Briefschreiberin ist die Schwiegermutter von Franz Xaver Spängler [Nr. 36], d.h. die Großmutter von Franz Spängler [Nr. 18], geb. 1839 (siehe folgenden Brief an die Mutter): Maria Anna Grassl [Nr. 75], geb. 1774 in Wien, gest. 1853 in Hall in Tirol; verh. 1796 in Salzburg mit Franz Lürzer von Zehendthal (1768-1830) [Nr. 74].
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=== 1827 ===
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FRANZ CASTELLI [Nr. 78] an Fanny Kobler [Nr. 79]: No 35 [Venedig, 1827] Liebe Fany. Daß ich dir so lange nicht schrieb, waren die Verhältniße in denen ich bis jetzt verwikelt war daran Schuld. Ich versuchte wie du weißt meinem Bruder eine Civil Anstellung zu verschaffen, es wäre mir sicher gelungen, aber der gute Mann anstatt sich die Kenntniße zu erwerben die ihm erforderlich waren, und durch Fleiß und Studium das einzuhohlen, was er vernachläßigt hatte, fing an ein liederliches Leben zu führen, auf meine Rechnung Schulden zu machen etc. etc. Die Sachen gingen zu weit, als daß ich nicht Einhalt zu thun trachten sollen, und beschloß ihn zu entfernen. Gesagt, gethan, er ist nun nach Petersburg [Peterwardein?] abgereist, die Expedition kostet mir freylich über 300 fl [Gulden] Münzen, ich hoffe aber daß diese für ihn die letzte Auslage seyn wird, und daß ich, wenn nicht bald, doch mit der Zeit die ungeheuren Lücken ausfüllen werde, die er auf eine sehr indiscrete Weise hinterlaßen hat. - Die Amalia hat von mir viel zu fordern, ich weis es, und werde mit nach, und nach meine Schuld abtragen; auch du bist meine Gläubnerin, und auch mit dir hoffe [ich] in Balde in Ordnung zu kommen, und zwar dadurch daß ich die Gelegenheit benutze in Brescia, wo ich um meinen Vater, und die Schwester zu besuchen, auf ein Paar Wochen auf Urlaub gehen möchte, von meinem guten Freunde, und zugleich guten Mahler ein Portrait machen laße, und dir zusende. Daß ich so lange damit warten laße, wirst du vergeben, ich denke wohl immer daran ohne es machen laßen zu können. Ich übersende dir 15 fl C.M. [? Kurant-, gängige Münze] mehr kann ich nicht, weil selbst diese mir schwer fallen. Wir haben das Project fahren laßen, hier das Geld zu erlegen, daß dir von meinem dortigen Haus [Bank] gezahlt wurde; der erste Versuch hat wohl fehlgeschlagen. Man sollte aber noch weiter fragen, vielleicht wäre auch dieses einzuleiten möglich. Ich erwarte recht bald Nachrichten von dir, und von der Amalia, so wie einige Erkundigungen über deine Familie die ich freylich grüßen laße. Addio Fanny/ Venedig den 19.ten N[ovem]ber [1]827./ Dein aufrichtiger Freund Castelli - Brief mit stark vergilbtem, grauen Umschlag, gefaltet, dreimal mit rotem Lack versiegelt: zwei verschiedene Siegel: österreichischer ‚Doppeladler mit Kaiserkrone’, Inhalt vom Wappenschild nicht erkennbar und Umschrift, und ‘Helm mit Fahnen-Hintergrund vor großem Wappenschild’ und verschlungenem F und C: mit kräftiger Tinte: „No 35 1.)“; mit anderer, blasser Tinte: „de Venice“ und „A’ Mademoiselle Mad.lle Francese [?] de Kobler“ „fl 20 x“ [1 Gulden 20 Kreuzer?] und „Salzbourg.“ und „abzugeben beim höhlbräuer mit 15 fl.C.M.“ - „Petersburg“: wohl das österreichische Peterwardein, Serbien (siehe oben). Adressiert ist der Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ (mit dieser Lesung bin ich mir auch ziemlich sicher, obwohl die Schrift sehr verblaßt ist) an Franziska (Fanny) Kobler [Nr. 79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 steht auf dem Platz (und sinnigerweise als ‚Hölle‘ auf den Mauern?) der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die ‘Höllbräuin’ ist ebenfalls die Schreiberin weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. - Fanny Kobler bekommt ein Kind (Nr. 39, Zäzilia Amalia Kobler: in dem Brief „Amalia“) mit (dem in der Geburtsurkunde nicht eingetragenen) Franz Castelli [Nr. 78] aus der Lombardei; sie ist, wie es heißt (so Trudl Widerin) „verlobt mit Francesco Castelli, geb. 17.7.1796, gest. 17.4.1832, aus Brescia; Oberlieutenant im Genie Korps, durch Briefe Anerkennung der Vaterschaft“ [was sich in den Briefen hier bestätigt]. Der Briefschreiber nennt hier seine Vaterstadt Brescia. - Die Tochter Cäcilia Kobler (1821-1848) heiratet 1846 in Salzburg Richard Schlegel [Nr. 38], und deren Tochter, Franziska Schlegel [Nr. 19], geb. 1.6.1848 in Salzburg, heiratet Franz Spängler [Nr. 18]. Zur Zeit dieses Briefes von Franz Castelli ist die Tochter 6 Jahre alt. Einer Notiz von Trudl Widerin entsprechend gehören die drei kleinen Portraits (zwei davon Abbildung unten, links, das dritte rechts), bezeichnet „Spitzer pinxit 1825“ und „1827“, wahrscheinlich hierher; eines davon, 1827, zeigt offenbar die blondbezopfte Zäcilia Amalia Kobler (1821-1848 = Abbildung unten rechts; Foto ganz rechts als erwachsene Frau). Die Miniaturmaler sind sozusagen Vorläufer der Porträtfotografen. Um 1840 ist der Wandel in diesem Gewerbe weitgehend abgeschlossen; man geht zum Fotografen (vgl. einen der folgenden Briefe).
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=== 1832 ===
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Fanny Kobler (1796-1886; Nr. 79): Buchseite herausgeschnitten, rosa Rückseite (Vorsatzblatt), jeweils durch einen Strich getrennt: 1832. den 20ten April starb mein unvergeßlicher Fo. Castelli/ 1837. den 17ten April starb meine brave, gute, gute Mutter./ 1841. den 30ten Jenner starb mein lieber, guter Vater./ 1842. den 14ten May starb mein guter Bruder./ 1848. den 14ten Juni starb meine liebe, gute, gute Maly [Amalie Kobler]./ Gott gebe das wir uns Jenseitz alle wiedersehen./ [Abstand und mit etwas anderer Schrift:] Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben. – Vgl. Partezettel für Betti #Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Ein Bruder Wilhelm Kobler ist in Linz. Vgl. viele Briefe [bisher ungelesen]: „Betti“ an „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt], Mali and Betti (1844 bis 1848); ein Brief Betti Katzinger an Fanny Kobler (1880).
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=== 1833 ===
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Brief an [Nr. 79] Franziska, Fanny Kobler (1796-1886) von [Nr. 78] Francesco (Franz) CASTELLI (1796-20.4.1832), vgl. gemeinsame Tochter [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (1821-1848). - [Briefbogen gefaltet, Siegel fehlt] A Mademoisel Francoise Kobler. Ricapito presto Hóllbr[äurer] a Salisburg. [undeutliche Stempel:] RES GEN[X] 28 / A SALZBURG 3 FEB 1XXX [1833]: [unsichere Lesung, vielfach „u“ für v:] Sig/n Janni Stim/men [?]. Se tardai sino ad oggi a dos riscontro alla casa scea del 8 curente deue atribuisla al interessamento che senta il mio cuore a tante disauentura sucesse alle nostra Famiglie quali ni occupasso la mente che non so come prender la pena in mano per compicor il mio douare di repondere a si compassionati lettera – Sapia adunque che tutt ora presente sono anur alle siccro di quassto posso auer lasciato il pouero Capitano esenda parte de suoi effetti a Venezia presce il Genio, e parto a Brescia in casa de mio Genero sotto sugallo; e come dissi io non tengo presso di me il piu picolo degli efetti fasciati, per conseqenzo non so se il portafoglio che dica sia a do una parte o dal altra, mi fo pero Carico di n’ntraciati al momento opotune e se mi viesce ouerti di forme tosto la spedizione el suo addressa. - Con le sue lettera che erano presso di me esequi li suoi ordini; aurei molte cose a dira ma a che giono quando l’impotenzo mete in ridicola la speranza. – Mi tengo nel numero degli infelici dio mi Baccio allo figlio, e attendiamo un maglio avenia e con tutto stimo e amori sono – Brescia 06 Genajo 1833 – il Suo aff Gio Anto [anderer Brief: Giovanni Anto.] Castelli – Aus „Brescia am 6.Januar 1833: Wenn sich bis heute die Begegnung in seinem Haus verzögert hat, am 8. dieses Monats... verliere ich das Interesse mit allem Unglück, das unsere Familie verfolgt und meinen Geist belastet um, wie eine Strafe die Pflicht zu erfüllen, mitleidenswerten Briefen zu antworten. Ich weiß also, dass ich jetzt nur von der Vergangenheit... von einer Seite die Zuneigung des Capitans in Venedig..., auf der anderen Seite in Brescia in dem Haus, das mein Schwiegersohn unter... und wie gesagt... ich kann nicht in der Nähe von diesen kleinen, wunderbaren Zuneigungen, von deren Nachfolge ich nicht weiß, und nicht sein Portefeuille, wie die einen oder die anderen, mir macht in dem günstigen Moment die [Urkunde]... und alle Formalitäten für die Spedition an seine Adressse. – Mit seinen Briefen, die mich verpflichtet haben, mich immer an seine Anweisungen zu halten... und viele Worte sagen, aber die Unfähigkeit macht diese Hoffnung lächerlich. Ich halte mich an die Zahl der Unglücklichen, gib dem Sohn [!] einen Kuss und wir warten auf eine bessere Zukunft. Mit aller Achtung und Liebe bin ich ihr...“ - Franceso Castelli ist bereits am 20.4.1832 verstorben; der „Kuss“ soll wohl der Tochter Amalia Kobler gelten, 12 Jahre alt. Den Brief, den offenbar ein Verwandter schreibt [vielleicht ein Bruder, vgl. Brief von 1827; der Vater schreibt auf Deutsch], kann ich auch wegen mangelnder Italienisch-Kenntnisse kaum entziffern; eine Kollegin hat ihn mir bruckstückhaft zu übersetzen versucht.
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=== 1840 ===
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Brief (gefaltet, mit gebrochenem roten Lacksiegel= sechszackiger [jüd.] Stern mit [nicht erkennbaren] Buchstaben; keine Adresse angegeben [Umschlag fehlt?]) an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848): An Fräulein Mally Kobler. – Festung Königstein den 7 Novbr. 1840. Werthestes Fräulein! Schon hatte ich die Hoffnung, daß Sie Wort  halten und schreiben würden, fast aufgegeben, und war entschlossen, statt an Sie, an Ihr Fräulein Schwester [!] Fanni zu schreiben, um Sie zu verklagen- als ich von einer Landpartie zurückkommend, am 3 Novbr. höchstangenehm durch die Zeilen Ihrer Hand überrascht wurde. Aber wie lange sind di[e]se- schon am 28 Septbr geschriebenen Worte unterwegs gewesen!- Destomehr beeile ich mich, unverzüglich zu antworten, um Sie nicht längere Zeit in dem Argwohn zu lassen, daß wir so schnell vergessen könnten, als wir schnell liebgenommen. Das läßt kein ächter Sachse sich zu Schulden kommen!- Uiber unsere weitere Reise von Salzburg aus werden Sie ohne Zweifel einen ausführlichen Bericht von meiner Schwägerin erhalten, [w]ie Sie ja auch durch ein längeres Schreiben von d[e]n übrigen Reisegefährten begünstiget haben [sind]. Daß es uns aber nirgends wieder so wohl geworden ist, als in Salzburg, muß auch ich Ihnen bekennen. Im Bilde hängt das herrliche Salzburg über meinem Schreibepulte, und das Bild ist mir doppelt werth, weil es Salzburg von der Seite darstellt, die Ihr freundliches Wohnhaus zeigt. – Auch nicht der mindeste Unfall ist uns auf der Reise nach der Heimath zugestoßen, und im besten Wohlsein traf ich die Meinigen zu Hause an. Meine gute Frau sah sich für die lange Trennung reich entschädigt durch die Mittheilung all des Guten, das uns zu Theil geworden. Ihre Grüße giebt sie Ihnen freundlichst zurück. - Den Triumph der feinen Bratkunst müssen wir Ihnen schon lassen, wenigstens was die Salzburger Nudeln [Nockerln] und den Kugelhupf betrifft. Denn, so viel ich weiß, sind alle Nachahmungen seither nur unglückliche Versuche gewesen. – Zum Schlusse noch eine Versicherung und eine angelegentliche Bitte.- Es gewährt mir ein besonderes Vergnügen, mir alle di[e] Personen öfter zu vergegenwärtigen, die ich in einem Hause kennen gelernt, in dem es mir so wohl gegangen, Ihren wüdigen Herrn Vater, wie er mir die Geschichte von dem verbo[r]genen Thaler erzählt, Ihren ernsten Herrn Bruder, der mit stiller Freundlichkeit doch lebhaften Antheil an unserer Freude zu nehmen schien, Ihre achtunggebietenes Fräulein Schwester Fanni, mit welcher nicht öfter und ausführlicher haben sprechen zu können, mir heute noch herzlich leid thut. Die freundliche Nanni, wir sie mir den Brief meiner Frau überreicht, die finstere Eisi, wenn sie den würzigen 1834er Rebensaft und das kräftige Märzbier auf den Tisch brachte, selbst die blonde Kati, die Ihnen einen kurzen Besuch machte, und endlich unseren diensteiligen Josef H Koburger der ohne mich zu fragen auf der Partie nach Berchtesgaden meinen Mantel beim Stegergasse umgenommen und meine Landkarte geXXXrichen ließ.- So bitte ich Sie denn auch, nicht nur alle, denen etwas daran gelegen sein könnte, meines freundlichen Andenkens zu versichern, sondern mir auch zu versprechen, daß Sie mir, insbesondere was di[e] ehrenwerthen Mitglieder Ihrer geXXdenen Familie betrifft, wenn auch nur eine kurze Nachricht geben, sobald Einem derselben irgend etwas von Bedeutung begegnet. Eine Verlobungskarte dürfen Sie mir nun gleich gar nicht schuldig bleiben, wenn Fanni oder Malli sich unter das Ehestandsjoch beugen sollten.- Und wie stehts mit Ihrer Reise nach Sachsen? – Ich meines Theils kenne keinen schöneren Reiseplan für di[e] Zukunft, als eine zweite Reise nach dem wunderreizenden Salzburg. Möchte ich, wenn der Himmel mir diese Freud[e] zu Theil werden läßt, Ihre Heimath wieder zu sehen, auch die Freud[e] haben, des Lebens und Glückes Ihrer ganzen Familie Zeuge zu sein, und nicht als ein ganz Fremder in Ihrem Hause empfangen werden! – Möge es Ihnen allen so wohl gehen, als es von ganzem Herzen wünscht Ihr dankbar Ergebenster Paul C. Reschig. - „Vater“, „Bruder“, „Schwester“: Die Mutter ist [Nr. 79] Franziska Kobler (1796-1886), Amalia ist ihr uneheliches Kind. Es gibt einen Bruder der Mutter, [Nr. 79 a] N.N. Kobler ( -1842), und einige Cousins und Cousinen: Betti Kobler, verh. Katzinger (1825-1881) [in Schärding und Grein], Wilhelm Kobler, Luise Kobler, Paul Kobler und Babette Kobler, verh. Weyrer. - „Fanni oder Malli“: Die Mutter Fanny ist 44 Jahre alt, die Tochter 19; sie könnten einem Außenstehenden vielleicht als Schwestern vorkommen. Dem Porträt der (älteren) Höllbräuin nach war sie eine wunderschöne Frau. „Malli“, die Briefempfängerin Amalia, heiratet 1846 Richard Schlegel.
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Kobler-Spängler-Briefe = nicht näher identifizierte Reste [rot verschnürt, nicht gelesen]: u.a. Salzburg 1843; 1845 (?); „Heirats-Antrag“ (Briefpapier „Lida“); gedrucktes Trostgebet 1827; Foto Salzburg Lida und Fanni Schlegel (?); Tagebuch-Notizen 1843; Brief Kufstein 1840; „Liebe Schwiegermutter!...“ (mit Bleistift = Entwurf?) [gleicher Eintrag 1843].
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=== 1841 ===
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17.1. siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.]
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=== 1842 ===
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W.[Wiener] Neustadt am 27 Aug. [1]842 [Brief von Rosa Hablin {siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter} an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli, 1821-1848] Meine theure unvergeßliche Freundin! Kannst du mir denn verzeihen, meine innig geliebte Maly, daß ich Saumselige jetzt erst dem so heilig und feyerlich gegebenen Versprechen nachkomme- allein bevor du über mein Verbrechen den Stab brichst, gönne mir Verteidigung;- vor Allem glaube nicht, daß es Mangel an Freundschaft- Vergeßlichkeit sey, was mein Stillschweigen veranlaßte, diese Beschuldigung nämlich [...] nicht weiter gelesen; sieben [!] eng beschriebene Blätter, markiert 1 bis 7, Schluss fehlt wohl, keine Unterschrift, auf unterschiedlichem Papier, zum Teil sehr schwer lesbar; am 28.Jänner, dann kurz danach am 31.Mai in Opeka [Kroatien], also offenbar über einen längeren Zeitraum geschrieben.
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Einzelblatt ohne Angaben, Handschrift wohl der Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli, 1821-1848: Fortsetzung. Unsere Familie war eben vom Tische aufgestanden, als sie, besonders die 3 Mädchen den alten Herrn von Blauenstein bestürmten, die Geschäfte seiner Jugend zu erzählen. [...] So lebten sie. - Dazu ein kurzer, offenbar ebenfalls literarischer Text „Die Trauer“. Zu dieser Zeit wo ich mich [...]; vielleicht von der Schreiberin selbst?
      
=== 1843 ===
 
=== 1843 ===
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1899, 5.8., Ansichtskarte an Wohlgeboren Frl. (Nr.9 a) FRANZI SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu. Bildseite „Gruss aus Krems a. D.“; [handschriftlich:] Krems 5.8.99. Liebe Franzi! Herzlichen Dank für Deine schönen Karten sendet Dir Deine Nelly / Herzlichen Gruss von Ferry! / Johanna. / Hedda / XXX
 
1899, 5.8., Ansichtskarte an Wohlgeboren Frl. (Nr.9 a) FRANZI SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu. Bildseite „Gruss aus Krems a. D.“; [handschriftlich:] Krems 5.8.99. Liebe Franzi! Herzlichen Dank für Deine schönen Karten sendet Dir Deine Nelly / Herzlichen Gruss von Ferry! / Johanna. / Hedda / XXX
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=== 1900 ===
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 30.12.1900, Döbling [Wien]: erinnert an das Fest und bittet Franzi daran teilzunehmen, und wer von „Ihren Schwestern“ an diesem Frühlingsvergnügen teilnehmen wird; beschreibt das „Costum“ [für das Frühlingsfest] genau und legt farbige Skizze dazu bei [in diesem Kleid hat er dann Franzi mit Aquarell gemalt, datiert 1903; hängt bei uns], den Stoff dazu will er bei Herzmansky besorgen, bei dem sie „den Stoff für alle unsere Gruppen“ beziehen; auch Familie Kaserer nimmt teil
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=== 1901 ===
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 19.1.1901: Frühlingsfest; „das Costüme ist sehr leicht selbst zu machen“, Preis höchstens 9 Gulden, Schnitt und Stoff bekommt sie - 25.1.1901: erinnert an das Fest - 30.1.1901: freut sich, dass sie zum Fest kommen will; beschreibt eingehend Teile des Costums, den Haarkranz aus Sumpfdotterblumen usw.; Schnittmuster liegt bei [nicht vorhanden]; sie soll mit im „Reigen“ teilnehmen, also auch dringend mit zur letzten Probe (vor der Generalprobe) nach Wien kommen - 8.2.1901: fragt, ob das Costum bereits fertig ist - 19.2.1901: berichtet vom jährlichen Künstlerfest mit verschiedenen Gruppen, „Frühlingsgruppe war 28 Mädchen stark“, „die besten Costume, die auf diesem Feste zu sehen waren“... „wäre es ganz nett gewesen, wenn sie auch gekommen wären“; lädt sie ein zu einem „Concert“ in die Pokornygasse 6.
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Briefe von OSWALD GRILL (1878-1964): 6.5.1901: Kirschblütenfest in Wien (Rotunde, drei Tage lang); Schulausstellung wird im Museum eröffnet, „in der ich auch einige Sachen habe“; 5.6.1901: war in der Ausstellung; lädt sie ein, Vater Spängler bekommt eine Einladung von der „Antropologischen Gesellschaft aus Wien“, die nach Krems kommt und eine „Parthie“ nach Göttweig macht. Kommen Sie mit? „Mein Onkel [Dr.Hein] ist nämlich Veranstalter dieses Ausflugs...“ - 20.[6.] 1901: hofft auf Besuch in Wien; „Wie ist Ihnen denn die Göttweiger Parthie bekommen?“ „Mir persönlich ist Krems eines der sympathischesten Fleckchen Erde, die ich kenne.“ - 26.6.1901: planen Besuch in Spitz (Wachau) - 4.7.1901: Loblied auf den Stiefelknecht „Ein Lobenslied, das will ich jetzt erheben...“ 5 Str.; fährt mit Edi Kaserer, beide mit dem Rad, nach Straß; baden in der Kamp; will über Salzburg nach München fahren und möchte die Adresse von „Frl. Rosl“; von Franzi erbittet er deren Adresse in Pressburg
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Briefe von OSWALD GRILL (1878-1964): 27.8. 19[01]: Franzi also aus Pressburg zurück; lädt sie ein, Mama wird sich freuen; hat die Schwester Rosl in Salzburg besucht; plant Besuch in Straß bei Familie Kaserer. „Handküsse und Empfehlungen an Ihre werten Eltern!“ - 29.8.1901: verabredet sich mit Franzi, die in Heiligenstadt ist; Oswald Grills Mama freut sich auch auf ihren Besuch
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 8.10.1901: plant die Abreise nach München; hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, „Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt“... „Handküsse und Grüße! Oswald Grill“. - München 26.10.1901: dankt für das „Schriftstück“, Brief mit Reisebericht; „Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt.“ Erzählt von München, vom Museum („die Schule wo ich bisher war“); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines „so halbwegs“; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude „ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien“, rote Dächer, gelbe Bäume „geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie“; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch.“ Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen.“
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1901, Lieut[enant] RUDOLF WIDERHOFER [ein Sohn der Schwester Toni Spängler (1879-1918, Nr.9 b; verh. von Widerhofer] „ihr aufrichtig ergebener Regimentsneffe“, schreibt aus Wien an Franzi, Krems, Alleestr.7; berichtet vom Krankenbett des Vaters; er bezeichnet Franzi als seine „Regimentstante“
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1901, Postkarte aus Krems an Franzi in Genf; Grüße von einer Kellerjause, unterschrieben u.a. von Oswald Grill, „Vater“ und den Schwestern Toni und „Hansl“, dem Bruder Franzl
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=== 1902 ===
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 13.1.1902: war zwischendurch in Wien; erzählt liebevoll von seiner Mutter; „... hinaus [nach München] meiner Arbeit, meinem Felde, meiner Zukunft entgegen, nur mit dem einen Gedanken, ich will, und muß in der Kunst etwas erreichen. [aber... hat trübsinnige Gedanken] Und was habe ich dann auf der Welt, wenn ich an meiner Kunst verzweifle“. Mutter alt und krank, bietet kein Zuhause. „Was gibt es da für eine Zukunft!“ Franzi hatte nach ‚Heimweh’ gefragt. Nein..., „denn da sehe ich die öde Wirklichkeit vor mir“. Fragt nach der Schwester Rosl. „Als ich letzhin von Ihnen fortging hatte ich den Zug noch sehr bequem erreicht. Schwips hatte ich keinen, und so habe ich die ganze Fahrt gelesen statt geschlafen. In der Pokornygasse [Döbling] kamen mir mein Bruder und Gerkauer entgegen, die einstweilen statt meiner einen Schwips bekommen hatten, und schrecklich schön sangen. Sie waren nämlich mit einem bekannten Herrn beim Heurigen in Grinzing. Wir hatten über beide an diesem Abende noch riesig zu lachen. Barto war melancholisch, und Erwin [wohl der Bruder] übertrieben lustig. Beide sind aber sonst gerade das Gegentheil davon. Freitag darauf hatten wir Besuch. Auch Barto Czeck [Czeckauer] war wieder bei uns. Da wurde heftig Tischgerückt. Unter den Anwesenden war eine Collegin von mir, die ich spaßweise hypnotisieren wollte. Als ich aber sah, daß sie es ernst zu nehmen anfing und trotz fortwährendem Sträuben schon wirklich in einem hypnotischen Zustand sich befand, mußte ich den Spaß natürlich aufgeben. Man hätte damals leicht ernste Versuche anstellen können, aber ich wollte das nicht riskieren; dann war auch die Zeit nicht mehr dazu.“
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 22.5.1902: kommt Anfang August wieder nach Wien. „Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert.“ Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – „Landeg [Landeck]“ – St.Anton [am Arlberg] „ganz verschneit“ – Konstanz – „Schafhausen“ (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – „Studtgard“ (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – „Nekarthal“ Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. „Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr.Hein [hat das Altarbild in Unterach gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien“ nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. „Bin neugierig wie diese aussehen.“
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an Fanni Spängler (Nr.19): X.9.1902, Ansichtskarte „Illbrücke“, Feldkirch an Franziska Spängler [und Toni], Krems: „Von unserer ersten Station...“, Franz, Franzi, Hansl - 4.9., Ansichtskarte „Taminaschlucht, Ragaz“ aus Pfäffers-Bad, Schweiz: „Wetter prachtvoll, Befinden sehr gut. Viele Grüße! Franz, Hansl, Franzi“ - 4.9., Ansichtskarte „Kloster Einsiedeln“: Franz, Hansl, Franzi - 5.9., Doppelkarte „Panorama vom Rigi“, „Dr.Spängler, Hansl, Franzi - 6.9., Ansichtskarte „Bellinzona“: wegen Regen mit der Bahn hierher, Franz, Hanls, Franzi - 7.9., Postkarte Luzern: Karte erhalten, Reise bisher folgende... Feldkirch, Ragaz, Pfäffers, Einsiedeln, Rigi, Altdorf, „wo es zu gießen anfing“. Göschenen, Bellinzona „bei strömenden Regen“, „Die zwei Mädchen sind ins Bad gegangen“. - 9.9., Ansichtskarte „Schynige Platte...“: Franz und Franzi - X.9., Ansichtskarte „Salève... Haute-Savoie“: „Rosl ist nicht mit uns, weil sie noch einiges zu XXX hat“; [sie haben vielleicht Rosl in Genf besucht; die Schwester Franzi ist 1901 in Genf] Franz und Hansl
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=== 1903 ===
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 7.3.1903, Kondolenzbrief [halb durchgerissen] an Franzi, Krems, Alleestr.7, aus Wien; Dank für Mitgefühl [Tod der Mutter?], Gruß zum bevorstehendem Namensfest; „Handküsse und Empfehlungen, Ihr Oswald Grill“
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1903, „TruXXX“ schreibt aus Znaim an Franzi, Krems, Alleestr.7; sie kommt zur Anprobe zur Schneiderin und bittet Franzi dabei zu sein und einen kritischen Blick darauf zu werfen, in Wien „Salon Salito“, Ecke Mariahilferstr./ Ringstr. Sie will auch nach Krems kommen; „vielleicht bekommt Rudi nach der Hochzeit Urlaub. „Trudl“ (?) ist vielleicht die Frau vom Vater Widerhofer, dessen Enkelin wiederum Trudl heißt (verh. Widerin).
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28.8.1903 Ansichtskarte St.Gilgen [liegt bei Nr.19] an: Wolgeboren Fanny Spängler, Landesgerichtsraths-Gattin aus Krems a.D., derzeit in Salzburg, Gasthof z. Höllbräu. – d.28.Aug.1903. Liebe Fanny! Durch Anna Fahrner hörten wir von der Verlobung deiner lieben Tochter Hansi [Johanna Holzapfel] u. sage Dir u. Deinem Mann, sowie der l[ieben]. Braut meinen u. meiner Angehörigen verXXste Glückwünsche. Würde mich sehr freuen Euch hier einmal zu sehen. Mit vielen herzlichen Grüßen, deine alte Freundin Maria StXX.
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1903, 28.8. [Krimml- ZXX], 29.8. [Salzburg], Ansichtskarte an Wohlgeboren Fräulein (Nr.9) HANSL SPÄNGLER, Lehrerin dz. Salzburg, Gasthof zur Hölle. Bildseite: 3 x klein „Venedigergruppe mit Sulzbachtälern, „Rosental (Ober Pinzgau)“ und „Gruß aus Huber’s Gasthof, Rosenthal“; [handschriftlich:] 28.Aug. Aus unserem Ferienheim senden die herzlichsten Glückwünsche nebst besten Grüßen A Prosch Tante Mina.
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1903, 29.8., Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein HANSL SPÄNGLER Salzburg Höllbräu Krems, bei Herrn Lehrer Wohofsky, Heinzstraße. Bildseite „Gruss aus Schönberg am Kamp“, [handschriftlich:] 29.August 1903 Herzlichen Glückwunsch und beste Grüsse! Berta.
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1903, 10.9. [Poststempel Pottschach], Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein JOHANNA SPÄNGLER Salzburg Gasthof zur Hölle Lehrerin in Pottschach Südbahn [Niederösterreich]. Bild: Kötschach mit Poliklinik; [handschriftlich:] Wir freuen uns sehr über die Nachricht Deiner Verlobung und gratulieren herzlichst. Tante Lida. Onkel Hermann. Mizl [und andere]
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1903, 10.9., Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein HANSI SPÄNGLER Lehrerin / Pottschach Nieder-Österreich. Bild: Salzburg von Maria Plain; [handschriftlich:] Also auch Du willst in den sauren (?) (Holz-)Apfel der Ehe beißen? Glückauf dazu! Heili Dir! Familie Fritsch / 10/9 1903.
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==== Johanna Spängler an Rupert Holzapfel ====
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JOHANNA SPÄNGLER, geb. Spängler (Nr.9; 1882-1973) an RUPERT HOLZAPFEL (Nr.8; 1868-1940; verh. 1904): Mein liebster Rupert! Bis Du diesen Brief erhälst, sind meine Angehörigen wahrscheinlich schon in Krems. Nach einer Bemerkung in Vaters Brief vermute ich, daß sie Montag 14.Sept., heim kommen. Bestimmte Nachricht habe ich selbst nicht. – Also, ich kann Dir mitteilen, daß ich am Mittwoch nach Krems komme u. zw[ar]. mit dem Zug, der um 9 ¼ h abends von Wien her eintrifft. Ich freue mich schon sehr auf ein baldiges Wiedersehen. Den heutigen Nachmittag verbrachte ich in der Familie des Oberlehrers. Wegen des heftigen Regens mußten wir im Zimmer bleiben. Erst gegen Abend konnten wir einen kleinen Spaziergang machen. – Morgen ist es gerade ein Monat, daß wir hinaufgestiegen sind gegen den Braunsdorfer [nach einer Weinlage dürfte das in Niederösterreich sein; ein Brief 1912 nennt „Braunstorfer“ bei Sandl/Krems]! Als ich dem Oberlehrer mein Anliegen wegen des Samstags mitteilte, sagte er: „Aber natürlich, bleiben Sie nur aus.“ Auf recht frohes Wiedersehen! Herzliche Grüße und Küsse von deiner Hansi. Pottschach [Niederösterreich], 13.Sept.1903.
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Mein liebster Rupert! So, nun bin ich wieder gut in Pottschach angekommen. Während der Fahrt habe ich viel geschlafen, denn ich bin sehr müde. Als ich ankam, hatte ich gerade noch Zeit zum Essen u. dann mußte ich gleich in die Schule gehen. Bezüglich meiner Enthebung [wohl Entlassung aus dem Schuldienst] ist noch keinerlei Nachricht hier. – Nach der Schule habe ich gleich die Bücher für Elsa Sacher angeguckt, damit sie heute noch fortgehen. – Ich werde mich heute sehr bald zu Bett begeben. – Hast du schon mit Eurem Religionslehrer gesprochen? Was sagt er? Das waren wieder selige Tage! Wenn nur solche nicht gar so schnell vergingen! Und diese Tage der Einsamkeit sind oft anders. – Mein Liebster, ich hoffe auf günstige Nachricht wegen des nächsten Samstags. Entrichte Grüße an deine Mutter u. deine Schwestern. Sie tausendmal gegrüßt und geküßt von Deiner Hansi. P[ottschach]. 21.9.1903.
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12.11.1903, Postkarte an Frau IDA PICHLER, k.k.Ingenieursgattin, Krems, Parkstr.16 [Freundin der Familie, besonders von Franzi Spängler, liegt mit im Spänglergrab in Krems; Nachbarn in Krems] aus Stift Zwettl: My dearest Ida, yesterday evening I arrived here. But what a terrible weather!! It rains and snows, all pêle-mêle!! So that I heardly can visit the monastery (which is distant 3/4 h from the town!! And I was so very curious to see this interessant‘ building with its renXXned church and gothic Kreuzgang! Be embraced from yours very XXX Ro[XX ?]– I come merely saturday...
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=== 1904 ===
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1904, 19.7., Ansichtskarte an (Nr.8) Wohlgeboren Herrn Rupprecht [!] Holzapfel, Bürgerlehrer, in Krems a./d. Donau, N.Öst. „Pöstlingberg Linz a.D.“, [handschriftlich:] Viel Glück XXX [zwei Namen]
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=== 1905 ===
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An „Wohlgeboren Herrn Rupert Holzapfel, Bürgerschullehrer in Krems a D., Heinzstr. Kaiser Friedrichstraße.“ [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL, 1868-1940; Poststempel 23.4.05; dreiteilig gefaltete Stadtansicht von Krems, Gesamtansicht und Hôtel zum goldenen Hirschen; auf einer Seite:] Mit dem Wunsche, daß der Stammhalter [Nr.4 Rupert Holzapfel, geb. 22.4.05] wachse, blühe und gedeihe, gratulieren herzlich Huber / F Kaufmann / Joh Kaufmann / H. Hofmann / E Wachtl./ Gustav Heftich / Eduard Aug Komm / Putschögl / Nikolaus Heftich [sieht nach Sängerrunde, Stammtisch o.ä. aus].
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1905, 29.4., Briefkarte: Liebe Frau Holzapfel resp. Hans! Soeben erfahre ich von der Freude die in Ihrem Hause wieder Einzug gehalten hat in Gestalt eines kleinen Weltbürgers. Da ist es mir nun ein Bedürfnis dem glücklichen  Elternpaar aus vollem Herzen meine Glückwünsche zu sagen, was ich um so lieber thue, als mich das Unglück, das Sie alle in der letzten Zeit so schwer traf, sehr schmerzte. Und wenn ich daran denke, daß jetzt so ein kleiner neuer Mensch in das Leben getreten ist, so habe ich noch einen Wunsch für ihn, - „dieses Leben möge ihm leicht werden, heiter und sonnig“! Herzlich grüßt Sie und ihren lieben Herrn Gemal [!] Ihr [ad Nr.9 c] OSWALD GRILL. – „Unglück“: Die Mutter, Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, ist am 21.3.1905 in Krems gestorben.
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1905, 1.9. [Poststempel Krems] Ansichtskarte an (Nr.8) Herrn R. HOLZAPFEL, Bürgerschullehrer Krems/Donau, Friedr. Str.7, N.Öst. aus Znaim, auf die Bildseite (Eisenbahnviadukt und Stadt „Znaim“ in Mähren, „Nordwestbahnbrücke“) mit handschriftlichen Zusätzen, verwischt. L.R! Herzl. Gruß! XXX [...] XXX.
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=== 1907 ===
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Brief ohne Ort und Datum [Wien 1907] von Nr.9 c ROSL SPÄNGLER (1880-1967), verh. Grill, an ihre Schwestern Johanna und Franziska in Krems: „Lieber Hans, liebe Franzi! Vor allem Franzi verzeih, dass ich wegen der Leinenhemden (die ich zugeschnitten aus Urgroßmutters Leinen hier habe) noch nicht Antwort gab. – Ich komme zu keinem Entschluss! Es ist mir leid um die 3 Hemden u doch würde ich die anderen Stoff[e] gern haben – Fürchte nicht, dass ich es so machen will, beides mir anzueignen! Ich tu das nicht, aber habe noch etwas Geduld. – Vater brachte 10 m. Windelleinen mit – davon soll Agnes Hemdchen zuschneiden – u.z. sie soll alle gleich jetzt zuschneiden u ich möchte dann einen Teil zum Arbeiten übernehmen u einen Teil nun von ihr in Krems machen lassen. – Wenn sie den Stoff noch nicht bei sich hat, so soll sie wohl am besten einen Tag für mich bei Euch, Hans oder Franzi arbeiten, da kann sie genug zuschneiden u zum Nähen richten; wann ich nach Krems komme ist unbestimmt; sicher aber doch ziemlich bald. – Kommt ihr alle, Holzäpfel? zu Ostern nach Wien? Wenn wir nicht morgen wegfahren so werden wir Sonntag oder Montag nach Nikola fahren u statt schon Mittwoch, vielleicht erst Freitag (Charfreitag) zurückkommen. Sollte aber jemand von Euch Nachtquatier brauchen so steht Euch unser Heim zur Verfügung auch wenn wir fort sein sollten! – Oswald lässt euch grüßen. Er hat wieder ein Bild verkauft u zwar an Dregden („Linz“). – Verzeiht die schöne Schrift. – Was ist’s mit den Deckenkappen – ich nehme sie mit wenn ich nach Krems komme. Sollte bis dahin von Euch jemand waschen, so lasst 2 davon mitwaschen, muss aber nicht sein! Wir wüssten von Franzi u Va [?] einen gr. Wunsch als Hochzeitsgeschenk!! [Hochzeit ist am 17.11.1907; klein:] Wird aber zu viel kosten! Nun lebt wohl! Eure Rosl
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=== 1908 ===
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9.4.1908 Brief mit Umschlag aus [Wien] Hütteldorf von ROSL GRILL, geb. Spängler, an „Herrn Dr Franz Spängler, kk Oberlandesgerichtsrat, Krems Donau, Schillerstr 7.“: Lieber Vater! Zu deinem morgigen Geburtstag senden wir Hütteldorfer Dir die herzlichsten Grüße und wünschen Dir alles Gute und besonders die beste Gesundheit. – Es hat uns sehr gefreut, dass wir Dich letzthin doch endlich einmal bei uns gesehen haben! Hoffentlich hat es Dir bei uns heraußen gefallen und Du besuchst uns in nicht gar zu ferner Zeit wieder! Wie wir hören kommst Du oder kommt Ihr – mehrere zu Ostern hierher. Da kommt Ihr dann doch nach Hütteldorf heraus? Ich weiß jedoch nicht einmal ob wir da sein werden, denn wir warten nur eine Besserung des Wetters ab um dann allsogleich nach St.Nikola-Grein abzudampfen, wo Oswald einige Tage zu arbeiten hat. Es ist daher in den allernächsten Tagen nicht möglich, dass wir nach Krems kommen vielleicht jedoch auf unserm Heimweg von Nikola. Ich will auch in Nikola malen u. zeichnen, darauf freue ich mich schon, denn ich komme hier doch nicht dazu u. verlerne dann noch das Wenige, das ich konnte. Vor hatten wir schon morgen (10.IV) ab zu fahren, da aber das Wetter gar so kalt und elend ist, wird es sich nicht machen lassen (es schneit) umso mehr da Liutschy Pietschmann mit uns fahren wird!!! – Montag war also dieses Souper, zu welchem wir die Einladung bekamen, als Du hier warst. – Es waren nur 20 Pers. und daher viel gemütlicher als vorauszusetzen; freilich es war sehr fein u gut. Wir erreichten noch den Westbahnzug 12.50. – Vorgestern hatten wir Kremser besuch! Joh.Wuppinger war da u. plauschte mit uns längere Zeit. – Der „Rose Pilgerfahrt“ ist also sehr gut ausgefallen?! Und viel Draherei soll damit verbunden gewesen sein! – Die Kremser Jubiläums-Ausstellung wird erst im Mai sein! – Also dort werde ich auch in die Öffentlichkeit treten mit einer oder 2 Arbeiten!! – Oswald ist heute in Mödling bei der Itunde [?] u lässt sich entschuldigen dass er nicht selbst ein paar Worte schreibt! – Uns allen geht es sehr gut u. wir hoffen das gleiche von Euch allen! Nun nochmals besten Glückwunsch Dir lieber Vater, und herzl. Gruß von Deiner Rosl. – Bitte beiliegenden Zettel an Hans [! der Hans = Johanna, Hansimutti] oder Franzi übergeben - ! – Abbildung = Franz Spängler, ca. 1908
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==== Otto Spängler an Franz Spängler ====
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[November 1908] Briefkopf „Regierungsrat Dr.Otto Spängler, Salzburg“ ohne Datum und Umschlag von Nr.18 a Otto Spängler (1841-1919) an Franz Spängler (NR.18; 1839-1912): Lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude entnehme ich soeben der Zeitung die Nachricht von der dir gewordenen allerhöchsten Auszeichnung [mit der Pensionierung der k.k.Orden der eisernen Krone] und sende dir in unser aller Namen die herzlichsten Glückwünsche. Möge dir in Gesundheit und Zufriedenheit eine lange Ruhezeit beschieden sein! Von hier kann ich dir eigentlich nicht viel Gutes berichten. Georg [Mussoni, 1859- ; seit 1887 verh. mit der Tochter Paula Spängler, 1869- ] ist seelisch und geistig mehr herabgestimmt, als je; bildet sich alle möglichen Krankheiten, die nichts [?] mehr zu seien, ein. Es ist ein ganz schreklicher Zustand, unter dem wir natürlich alle, am meisten aber die arme Paula zu leiden hat, die auch schon sehr schlecht aussieht. Ferner liegt meine Frau seit ein paar Tagen wieder an Magenkrampf zu bette; sie hat sich höchstwahrscheinlich mit einem kalten Obste verdorben. – Planck [Konrad Planck von Planckburg, 1878-; seit 1902 verh. mit der jüngsten Tochter Maria, 1883- ] ist endlich am 1.November nach 8 Jahren Oberlieutenant geworden und bleibt vorderhand als Regimentsadjutant hier. Mama [die eigene Frau oder Schwiegermutter Duregger], Mila [Tochter Emilie, 1874- , 1902 verwitwet nach dem Salzburger Buchhändler Eduard Höllrigl] u. ich waren vorige Woche auf 2 Tage in Landshut auf Besuch bei Trammer [Prof.Otto Trammer, geb. 1878, heiratet 1912 die Tochter Emilie, fällt aber 1914] u. dann 2 Tage in München. – Meine Mitteilung über die bei mir erliegende Ausbeute [Dividende] per 90 MM hast du wol erhalten; noch habe ich aber keinen Auftrag von dir, was ich damit machen soll. – Deinen Kindern u. Schwiegersöhnen geht es hoffentlich gut. Elsa [Trammer?] thut es sehr leid, dß Rosl, die seinerzeit so viel bei Trammers verkehrte, sich in vollständiges Schweigen hüllt; sie würde mit großem Interesse wieder einmal etwas von ihr hören. – Nun lebe wol lieber Franz; sei noch einmal meiner freundlichen Anteilnahme an der dir zu Teil gewordenen hochverdienten Auszeichnung versichert! Mit herzlichen Grüßen Euch allen dein treuer Bruder Otto. Freitag Abends. – #Mussoni: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Albert Mussoni (St.Peter 1858).
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=== 1909 ===
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Ansichtskarte „Partie bei Schellenberg“ an [Nr.4] RUPERT HOLZAPFEL (1905-1960) „dzt [derzeit] Maxglan b. Salzburg Schliesselbergweg 2. 7.9.1909 [?]. Viele Bussi Dir u. Walter [der Bruder, geb. 5.3.1909] u. Mutter! [Unterschriften:] Vater [Nr.8 Rupert Holzapfel], Großvater [Nr.18 F.X.Spängler; gest. 1912] Tante Toni [9 b Antonia (Toni) Spängler, 1879-1918; verh. von Widerhofer]
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1909, 13.12. [Poststempel München], Ansichtskarte an Herrn (Nr.4) Ruppert [!] Holzapfel jun., Krems a./D. Nieder Österr., Kaiser Friedrich Straße. [handschriftlich:] Besten Gruß Onkel [Nr.9 e] OTTO [SPÄNGLER].  Bildseite „München, Kgl. Hofbräuhaus“.
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ca. 1909/1910, ohne Datum, Ansichtskarte an Herrn und Frau Holzäpfel [!], Krems Donau, Ringstr.1 / I: Euch allen die besten Wünsche! Hat Walter sich erholt? Herzl Gruß Rosl Oswald ([ad Nr.9 c] OSWALD GRILL). Habt Ihr Franzi wegen d. Kostüme gesagt! Bitte, sie soll sie mitbringen. – Bild „Sommer. D [!] Grill pinx.“ = Mutter mit Kind im Rosengarten, Rosl mit Heribert Grill, geb. 1908.
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=== 1910 ===
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1910, 4.3., Postkarte an Frau Johanna Holzapfel, Krems, Donau, Hundsteig (Villa Seif); L.H! 4.III.10 Eurem jüngsten Sohne [Nr.4 a Walter, geb. 5.3.1909] erlauben wir uns unsere herzlichsten Wünsche zum Geburtstage entgegenzubringen! Möge es ihm wohlergehen! Euch allen auf dem hohen Berge die besten Grüße! Bei uns ist jetzt immer Sonnenschein! Hast Du meinen Brief erhalten? Hast Du das Paket erhalten, welches ich Vater mitgab? Lass von Dir hören! Es grüßt Dich vielmals Deine [Nr.9 c] ROSL [GRILL]. / Hütteldorf. -
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1910, 13.8., Ansichtskarte „Grein“, Oberösterreich, „An [Nr.4] meinen lieben Rupert Holzapfel / Krems a. Donau / Puchhaimbg.2 [nicht identifiziert; vgl. 21.4.1911]“: Lieber Rupert! Schau Dir diese Burg an, da sitze ich im Park auf einer Bank und sende Dir, die Mutter und dem Walti viele Bussi Vater. Wetter leider schlecht, Regen wechselt mit Sonnenschein. 13./8.1910.
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==== Rupert Holzapfel an Johanna Holzapfel ====
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[Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA [Hansi] HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) weißer Briefumschlag: Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Maler O.Grill in St.Nikola bei Grein O.Ö. [Abs.:] R.Holzapfel, Krems a Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich „Ubert“. Ich fragte: „Wo ist denn der Rupert?“ Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er „Uka“ und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: „Uka“. Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe]. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12o. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u.s.w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, bglaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1.Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2./9.1910. – [Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von „Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein“ Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] S g. F.B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte. [nicht alles lesbar:] ...die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat... Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge... falls sich noch jemand meldet... wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung... auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen... Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung... Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung XXX sorgen... Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich... besorgt sein werde, daß... Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl... darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln... besondere Wünsche... schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings... werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich... recht ordentlich... Ausbesserungen übernimmt... Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen... zu geben, sich das Ausbessrn selbst... zu besorgen. Indem ich Ihnen die Versicherung gebe, für das mir anvertraute Mädchen wie für mein eigenes Kind zu sorgen, zeichne ich, einer gütigen Antwort entgegensehend, hochachtungsvoll Hansi Holzapfel Krems D. BXX
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1910, 3.9. [Poststempel 4.9.], Postkarte von (Nr.8) RUP. HOLZAPFEL, Krems a D. an: Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Oswald Grill, St.Nikola bei Grein, O.Ö. / Liebe Hansi! Danke für Deinen Brief. Hoffentlich hat sich auch bei Euch das Wetter gebessert. Bei uns ist’s heut seit Mittag annehmbar, freilich kühl. War Nachmittag mit Walti im Park (über 1 Std.) Der war darüber sehr erfreut. / [nachträglich klein] Haben sich die beiden Buben schon angefreundet? / Uns geht es recht gut. Walti ist sehr munter und fragt hie u. da nach Euch. Als Dein Brief kam, (nachmitt.) sagte ich ihm: „Der ist von der Mutter u. Rupert“. Er nahm den Brief, nickte und sagte „ja“. Dann machte er sich über den Briefumschlag, sagte immer „Uka“ und zerriß ihn. Abends, als die Resi das Koch brachte, rief er immer wieder dem Rupert. Heut hat er bis 1/2 8 früh geschlafen. Den ganzen Tag war er musterhaft auch inbezug auf Laki. Die Zwetschken sind fertig u. die Blumen im Zimmer. Sehen sehr frisch aus. Sonst hat sich nichts ereignet. Mit der Kost bin ich ganz zufrieden. Wenn es schön wird, fahre vielleicht doch nach Salzburg. Nur schreibe vorher. Bis 11. (Sonntag) könntest ja ausbleiben, dann hätte ich Dich wohl gern daheim. Herzl. Gruß an die Grillenfamilie. Küsse von Walti u. mir an Dich u. Rupert / Dein Rupert / Krems, 3./9. 1910.
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1910, 4.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems D. an: Hansi Holzapfel, Fachlehrers-Gattin / / St.Nikola b. Grein bei Frau Kühberger / Liebe Hansi! Sei nicht böse, daß ich nicht komme. Bei uns geht seit früh ein Sturm, das Thermom. zeigt jetzt 1/2 11 h 110 Das Barometer ist seit gestern um 4 mm gefallen. Außerdem hat es schon zweimal heute geregnet. Das wäre für Walter nichts. Er schläft soeben. Heute stand er erst um 7 h auf und hat das Bett nicht naßgemacht. (In der Nacht auf d. Topferl gesessen) Neues gibt es nichts. Viele Grüße u. Küsse an Dich und Rupert. Spielt Rupert mit Heribert [Grill, geb. 1908] schon? Dein Rupert / Krems, 4./9. 10.
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1910, 5.9., Postkarte von (Nr.8) [R.] HOLZAPFEL, Krems. D. an: Hansi Holzapfel, b. Frau Kühberger / St.Nikola b. Grein / Liebe Hansi! Wie geht es Euch Einsamen? Gestern hat es bei uns von 1/2 1 h bis nach 1 h geregnet, dann wurde es schön, aber kühl. Vormitt. war ich bei der Donau. Die geht bis zum Schutzdamm, das Lokalschiff verkehrt nicht. Nachmittags war ich mit Walti [Walter, 18 Monate alt] bei der Großmutter. Ich zog ihm das neue weiße Kleid an. Walti hat gestern den ganzen Tag nichts naß gemacht, auch heute nacht nicht das Bett. Um 1/2 8 ging er schlafen und schlief mit einmaliger Unterbrechung (1/2 4) bis gegen 6 h. Dann nahm ich ihn in mein Bett und um 1/2 7 standen wir auf. Bei uns ist es schrecklich kühl. Gestern nachts um 1/2 10 hatte es nur 70, heute 1/2 7 früh 100, jetzt 10 h hat es 130 Jetzt wird Walti gebadet, weil es früh zu kalt war. Frau Sonne will auch jetzt nicht heraus. Gestern hatten wir recht gute Schnitzel. Von dem 1/2 kg hatten wir abends und haben heute mittags. Walti sagt schon: „weg!“ also viele Grüße und Küsse ab Euch / Was machten gestern Rupert? und Du? / Dein Rupert. / Krems 5./9. 1910.
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=== 1911 ===
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1911, 21.4., Postkarte an (Nr.4) Herrn Rupert Holzapfel jun. Krems a/d D. Puchhaimbstraße 2 [was das für eine Adresse ist, weiß ich nicht, ein Heim? Die Straße gibt es offenbar nicht mehr; vgl. 13.8.1910; es gibt eine Puechhaimgasse Nr.2 in Horn, Nieder-Österreich] Lieber Rupert! Wir wünschen dir zu denem morgigen 6. Geburtstage Alles Gute u grüßen dich, deine Eltern u Walter herzlichst. Onkel RUDL [ad Nr.9 b WIDERHOFER] / Rudl [Widerhofer, geb. 1907] u Trudl [Widerhofer, geb. 1908]/ Tante [Nr.9 b] Toni [Spängler, verh. Widerhofer].
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1911, 12. [oder 8.?] 9. [Poststempel Krems; ohne Absender] Postkarte von (Nr.8) RUPERT HOLZAPFEL, an Frau Hansi Holzapfel / Maxglan bei Salzburg / Schließelbergerhof. / Liebe Hansi! Nun sitzen wir bei der Großmutter und lassen uns die Jause (Kaffee, Weintrauben, Zwetschken) gut schmecken. Walter war sehr brav. Jetzt kommt große Reinigung, dann Schlaf. In St.Pölten gingen wir im Park spazieren. Walter schickt Euch viele Bussi. Herzl. Grüße an Euch alle. / Walter springt recht lustig herum, ist von der Reise gar nicht müde. Den Kindern Küsse [„den…“ ! Traudl ist erst 1917 geboren, also „Zögling/e“ ? vgl. Brief vom 2.9.1910]. Dein alter Rupert / [andere, lateinische Schrift:] Viele herzliche Grüße von uns. Wir bedauern Dich wegen der gestörten Ferienpläne u. Deiner anstrengenden Mission als Krankenwärterin u. wünschen Dir baldige Befreiung. Bussi an Ruperti, Hermine [Hille]. – „Schliesselberger ist eine Salzburger Unternehmerfamilie“, auch in Salzburg-Maxglan ansässig [Salzburgwiki.at]. Vgl. Postkarte 7.9.1919.
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=== 1912 ===
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==== Rupert Holzapfel an Johanna Holzapfel, geb. Spängler ====
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[Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) [blaugrauer Briefumschlag:] Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Ingenieur Hanakamp in Wiener-Neustadt Bahngasse 46./ Aufg. Rupert Holzapfel, Krems Donau. Liebe Hansl! Besten Dank für Deinen Brief und Deine Karten, sie kamen alle heute an. Daß es Euch gut geht, freut mich. Auch uns geht es gut (siehe Karte an Laura) Sonntag war der Notar bei mir und sagte, es wäre ihm lieb, wenn alle mir die Vollmacht geben würden, so daß er nur mit mir zu verhandeln hätte. Franzi hat Deine Unterschrift gefälscht, hoffentlich verzeihst Du ihrs. Sie hat auch Johanna Spängler geschrieben und wir haben es dann ausgebessert verehel. Holzapfel. Die Blumen sind gut angekommen und schmücken das Speisezimmer. Auch wir (die Tanten, Rupert [mein Vater] und ich) machten Sonntag einen schönen Spaziergang, nämlich Braunstorfer, gegen Sandl, Militärthingstätte, Ruhberg, von 3‘ bis ¼ 7‘. Sonntag vormittag war ein Gehilfe von Lösl da und machte die – Ringe auf. Rupert turnt jetzt fleißig, meist braucht er die Ringe aus Schaukel. Fast den ganzen Tag hängt er daran. Als größte Neuigkeit kann ich Dir mitteilen, daß Buschbek ein – Mädchen bekommen haben und zwar Montag (gestern) um 8 h früh. Die Wehen begannen aber schon Sonntag Samstag um 11 h. An diesem Abend waren Franzi u. Ida dort bis ½ 11 h. In der Nacht ging das Wasser ab und erst um 5 h früh holten sie die weise Frau. Arzt war überhaupt keiner dabei. War das nicht doch ein bißchen leichtsinnig? Die Kleine wog bei der Geburt fast 4 kg und ist frisch und munter, auch die Mutter. Berta läßt Dich bitten, Du möchtest ihr in Wien einen Busenhalter besorgen, wie Du einen hast von der Thelesia. Die beiden Tanten und Rupertl machten schon Besuch dort, Rupert ist sehr stolz, daß er „Onkel“ ist [keine Verwandtschaft]. Auch ich werde diese Tage hingehen, da mich Berta eingeladen hat. Vor einigen Tagen h kam wieder eine Dose Honig. Morgen oder übermorgen wäscht Resi die kl. Sachen. Sie ist wirklich sehr brav und fleißig. Heute hat sie die Fenster geputzt. Rupert gab ihr den Gürtel. Hat Walti seinen Geburtstag gut zugebracht? Unsere Karte blieb wieder einen Tag liegen, daher die Verspätung. Otto [Spängler, der Bruder von Hansimutti] war von Samstag abends bis heute früh da. Schreibe vielleicht der Berta, sie hat sich bei Ida erkundigt, ob Du es schon weißt. Da Du keine passende Hose erhalten hast, ist es vielleicht besser keine zu kaufen, eine gestreife dürfte doch nicht gut passen. Nun aber weiß ich nichts mehr, es ist auch schon 10 h abends, die Tanten schlafen schon. Lebe recht wohl und sei herzlich geküßt von Deinem Alten. / Walti viele Bussi. Rupert hatte große Freude über die Blumen, er war ganz gerührt. / Herzliche Grüße an die ganze Familie Hanakamp. Rupertl sendet Euch viele Busse. Auch die Tanten lassen Euch schön grüßen. Wenn sie nicht schon schliefen, würden sie das selber schreiben. / Krems, 5.März 1912.
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Briefumschlag: Gesang- und Orchester-Verein in Krems a./d. D. „An wohlgeb. Herrn Rupert Holzapfel [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL, 1868-1940], Fachlehrer, Krems, Puchhaimbgasse 3“. Briefpapier mit gleichem Kopf ...(Gegründet 1850)...: Sehr geehrter Herr Fachlehrer! Ihrem Wunsche gemäß erlaubt sich die gefertigte Vereinsleitung Ihnen über die, aus dem Nachlasse des verstorbenen, langjährigen Vorstandes, des Herrn Dr.Franz Spängler in seiner Privatwohnung aufbewahrten, dem obigen Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen und der Vereinsleitung zurückgegebenen Medaillen folgende Bestätigung zu übermitteln. Bei der, am 16.März 1912 stattgefundenen Ausschußsitzung wurden die, dem Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen dem Herrn Alois Oberbauer, Privatier und Wirtschafter des Vereines, welche bisher unser unvergeßliche, langjährige Vorstand aufbewahrt hatte, von dessen Erben dem Vereine übergeben. Bis zum heutigen Tage besitzt der Verein folgende Ehren- bzw. Erinnerungsmedaillen: [Liste, hier im Einzelenen gekürzt:] silberne Schubertmedaille 1900; dito 1900; silberne Bundesmedaille 1900; Schubertmedaille 1888; Fahnenmedaillen 1871, 1890, 1892 und 1896; Große Erinnerungsmedaille Stuttgarter Sängerfest 1896; Sängerbundesfeste Graz 1902 und Breslau 1907; Kette Wiener Sängerbund. – Alle diese Medaillen wurden [...] Dies bestätigen: der Vorstand Anton Noggler [und drei andere Unterschriften]. – [betrifft Nr.18 Franz Spängler, gest. im Krems 24.1.1912; Brief 1917 dem VMA überlassen, vgl. „Gesangverein“ in der Lexikon-Datei meines „Liedverzeichnisses“]
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=== 1913 ===
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==== Rupert Holzapfel an Johanna Holzapfel, geb. Spängler ====
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[Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) [Karte und Brief; Karte:] Frau Hansi Holzapfel dzt. Grado Küstenland [Dalmatien] postlagernd [mit Bleistift darüber „Antworten“ ?]: Sende Dir erst heute die Karte, weil ich keine Adresse wußte. Gestern war Otto [Spängler, Hansimuttis Bruder] hier. Also es geht Euch gut. Hast Du meinen Brief mit Elsas Einlage, die ich noch nach Salurn [?] sandte, erhalten? Laß wieder bald etwas hören! Uns geht es gut, vom Sonntg. an habe ich weniger zu tun. Das Geld hast Du erhalten? Gruß u. Kuß Dir u. den Kindern Rupert. 12.Juni 1913. / Lieber Hans! Ich muß Dir gehorsamst melden, daß Rupert eben furchtbar über die Schnur haut – oh könntest Du einen Blick in Dein Heim werfen – Dein Hausfrauenherz würde sich zusammenkrampfen – das reinste S--fgelage! 5 XXX Schnäpse, rein fließen – die ganze Schnapsabteilung wird geplündert, dann, höre und staune: Tante Marie hat uns alle verführt. Nur in mir glimmt noch ein Funken von Verantwortungsgefühl, dehalb schreib ich diese Karte. Die Andern mögen sie unterschreiben, zum Zeichen, daß ich die Wahrheit schrieb! IDA [PICHLER]. Tante Lürzer. [Maria Lürzer von Zehendthal, gest. in Salzburg 1922; bei Nr.37 liegt ein Brief von „Tante Maria v.Lürzer“ 1909 an „meine liebe Hansl;!...“, Hansimutti Johanna Holzapfel, und ebenfalls Postkarte, 1917; Brief übertragen, liegt in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben) [Brief für Salzburgwiki.at „Spängler-Kobler-Briefe“ verwendet]. - Mit Handkuß Ihre Else. Franzi. Bis 12 h nachts wurde gespielt, ich habe 4 h gewonnen. Ich flüchte in die Ecke Rupert. 8.Juni
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Liebe Hansi! 16.6.13. Nach dem Brief habe ich eine Karte abgesendet, die Ida [Pichler?] am Abend, als Tante Lürzer [Familie der Mutter von Hansi] da war, schrieb. Ich wollte sie nicht mehr nach Salurn [?] senden, da schon Sonntag war, und auch nach Grado wollte ich warten, bis ich von dir Nachricht hatte. Das Geld hast du hoffentlich erhalten. Nun sende ich Dir den Zwicker [?], den weißen langen Unterrock (hoffentlich ist er recht) das Holzpfifferl und einen Laib Brot. Laßt es Euch schmecken! Bei uns ist es jetzt seit einigen Tagen recht angenehm, in der Früh sogar kühl. (6-10o) Was sagte denn Dr Gipser? Heute ist der 1.Tag, an dem ich ausschnaufen kann. Meine Mäderl sind schon bei der Prüfung [er ist Lehrer an der Mädchenschule in Krems]. Nur 1, die die Ergänzungspr[üfung]. macht, habe ich noch morgen v. 5-6. Gestern war ich mit Franzi [Spängler; Hansis Schwester] auf dem Vogelberg, Ida [Pichler? Franzis Freundin] kam aus dem Loibner Graben entgegen. Es war sehr schön, die Luft rein und angenehm. Tante Lürzer hat sich bei uns köstlich unterhalten, sie wollte vom Kartenspielen (mit den Juden [?]) gar nicht aufhören. Ida war schon ganz verzweifelt. Am nächsten Tag sprach sie oft noch davon. Die Tanten waren übrigens Sonntag mit ihr in Rossatz u. ich kam über die Ferd.-Warte nach. Trotzdem war sie gar nicht müde u. spielte abends fleißig. Hast Du der Frau Notar u. Seif u. Kaufmann u. Wachtl schon Ansichtskarten gesendet? Frau Seif traf ich unlängst. Sie erkundigte sich sehr eingehend nach Euch. Ich muß jetzt bald hinaufgehen, meine Versicherung zu zahlen. Rupertl [mein Vater] könnte auch dem Hrn. Paterheten [?] u. dem Hrn. Lehrer eine Karte senden. Den Kindern habe ich alles, was Du mir in den Karten und Briefen Passendes geschrieben hast, in ihr Tagebuch geschrieben. Den Brief der Tante Emma lege ich bei. Elsa gab mir Anfang des Monates 84 K [Kronen] 80 K [Kreuzer] Restgeld, 60 h [Heller] f. zwei Bäder, das andere für Milch. Abends nimmt sie aber oft nur Butterbrot u. Milch, vom andern kostet sie nur. (Du weißt es ja) Hat sie nicht zuviel gezahlt? In Grado gibt es wohl nicht nur Faulheitsbazillen, sondern auch Bazillen, die das deutliche Schreiben erschweren. Nicht wahr? Ich bin nur sehr neugierig, wie es Euch dort anschlägt und wie Ihr dann ausseht. Springst du nicht schon auf? Das Faulenzen, die Sonne und die Einförmigkeit ist doch das beste Mittel dick zu werden. Wie geht es den Kindern? Husten sie noch? Deine Kremser Bekannten kenne ich aber nicht alle. Die 3 Herren wurden von uns allen bedenklich gefunden. 17.6.13. Gestern (Montag) fand ich an der Mauer gegen die Kirche eine W.[?] Es ist doch noch nicht ganz alles in Ordnung. Heute suchte ich fleißig, fand aber nichts. Das Paket schickte ich so spät, weil ich frisches Brot wollte, es aber erst jetzt bekam. Das Paket kann ich erst morgen (Mittwoch) aufgeben, da das Brot so spät kam. Rosl [Grill; Hansis Schwester] schrieb mir heute, daß sie Ende dieser Woche nach dem Attersee fährt. Dann wollte sie mit den Kindern 2 Tage nach Salzburg, dann ohne Kinder oder mit Heribert [Grill] nach München u. 6 od. 7.Juli nach Ardagger. Ich habe ihr nämlich erst vor einigen Tagen geschrieben u. unser Wärmkastl angeboten. Tante Lürzer hofft, Euch auf der Rückfahrt in Salzburg zu sehen. Jetzt weiß ich aber nichts mehr. Herzl. Grüße u. Küsse Euch allen, auch von den andern. Empfehl. an Frau Dir. Spocher [?]. Deine getreuer Rupert – Otto [Spängler, 1886-1919; Hansis Bruder in Salzburg] konnte ich die 6 K [Kronen] nicht geben, weil ich nichts davon wußte. Ich sende sie ihm im Juli mit den and. Zahl.
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=== 1915 ===
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1915, 12.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems/D. an Hansi Holzapfel, dzt. Buchenort / Post Unterach a. Attersee / Sonntag früh. Liebe Hansi! Also bin ich wieder in Krems. Die Fahrt war recht schön u. verlief ganz programmgemäß. Um 1/4 9 waren wir in Krems. Abends besuchte ich die Tanten. Toni sah ich noch nicht. Sie kommt mittags zum Essen, das sie von der Frau Kramer hat. Bei uns ist heute ein herrlicher Morgen, hoffentl. auch bei Euch. Vielleicht bekommst Du doch bis Winter Wolle. Recht herzliche Grüße u. viele Küsse Euch allen! Dein Rupert. - Buchenort:  „Buchenort 25“ [Atterseestr. Nr.48] in Unterach am Attersee wird zum sommerlichen Treffpunkt der ganzen Fam. und vieler Freunde. Mitten zw. Unterach und dem Haus der Grills auf dem Kratzersberg 10 gelegen, ist es bereits Treffpunkt, „unser Haus“, bevor man das Haus tatsächlich erwirbt [wann?].
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1915, 16.11., Ansichtskarte an Wohlgeb. Familie Holzapfel, Krems a/D. Ringstr.2, N.Ö. Viele Grüße und Küsse Euer Franzl [Nr.9 d Franz Spängler, 1883-1964] / Ich denke in 2 Tagen am Ziel zu sein. Bild: Lwów [Lviv] / Lemberg.
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=== 1919 ===
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1919, 7.9., Ansichtskarte „Schellenberg“, abgestempelt Berchtesgarden/ Bayern, an (Nr.4): Rupert Holzapfel, dzt. Maxglan b. Salzburg, Schlüsselbergweg 2. / Viele Bussi dir u. Walter v. Mutter! / Vater [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL] / Großvater [Spängler] / Tante Toni [Spängler]. – Vgl. Postkarte 12.9.1911: „Schliesselberger ist eine Salzburger Unternehmerfamilie“, auch in Salzburg-Maxglan ansässig. [Salzburgwiki.at].
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=== 1933 ===
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==== Johanna und Rupert Holzapfel an Otto Holzapfel ====
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[Datierung „1933“ oben rechts von Tante Traudl] Nr.9: JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973), und [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an OTTO HOLZAPFEL (1920-1943): [...fehlt wohl ein erstes Blatt] Gestern war Frohnleichnam bei recht gutem Wetter. Die Beteiligung war sehr groß. Die Einteilung war anders als sonst. Der Zug ging Kirchengasse, Landstraße, Moserplatz, Gögelstraße, Garlandg. [?], Ringstraße [Krems], Süd-Tirolerplatz, Steinertor, Schmidtgasse, Körnermarkt, Theaterplatz Schlüsselamtsgasse. Altäre standen: Moserplatz, Karlschule, Südtirolerplatz und Körnermarkt. Es war sehr schön und viel Platz zur Entfaltung. In Seckau war jedenfalls auch Prozession; seid Ihr mitgegangen? [Otto, 13 Jahre alt, ist dort im Internat] Die Buben von der Kongregation waren unter Peyerls [?] Führung weiter in weißen Hemden mit den blauen Kravatten. Habt Ihr sie auch getragen? Bist du in S. bei der Kongre.? Beiliegend sende ich dir das botanische Besteck; für die Rasierklingen mußt du dir wieder einen Halter machen. – Rekserln [?] findest du auch in der Schachtel und einige Zuckerln; sie sind noch aus der Kassette, die Vater damals anläßlich seiner Auszeichnung [Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, April 1933] erhalten hat; du siehst, wie sparsam wir sind. Vielleicht machen sie dir eine kleine Freude. – Hoffentlich bist du durch meinen langen Brief für das lange Warten entschädigt. Schreibe mir recht bald; wenn du alle meine Fragen beantwortest, so wird es ein ganz langer Brief. – Sage den Hw. Herrn beste Empfehlungen und Grüße von mir; besonders Pater Rektor u P. Pius. Nun, lieber Otto, sei dem Schutze Gottes empfohlen und sei recht herzlich gegrüßt u geküßt von deiner Hansimutti.
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Lieber Otto! Mutter hat Dir soviel geschrieben, daß ich mich kurz fassen kann. In Lilienfeld war es sehr schön. Der Hw. Abt des Stiftes führte uns persönlich, so daß wir alles Sehenswerte sahen. Die Führung dauerte fast 3 Stunden. Ich kam erst um ½ 10 h abends heim. Hat dir Rupert [der älteste Bruder, mein Vater] geschrieben? Er sagte nämlich, er werde Dir selber auch schreiben. Auch Walter [der andere, ältere Bruder] wird Deinen Brief bald beantworten. Hoffentlich fühlst du dich schon wohler und ist Dein Kopfweh gut. Wir haben jetzt warmes Wetter. Mir geht es ziemlich gut. Wann ich an den Attersee fahre, weiß ich noch nicht. Jedenfalls aber werde ich trachten, so bald als möglich abzudampfen. Nun sei recht brav und fleißig! Daß das Lernen jetzt etwas schwerer geht, ist begreiflich. Du mußt Dich erst wieder daran gewöhnen, aber es wird schon gehen, wenn du den guten Willen dazu hast. Richte wieder Empfehlungen an die Hw. Herren aus. Viele Bussi sendet Dir Vater. 2 Krankenkassenzettel liegen bei, hoffentlich brauchst du sie nicht.
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=== 1934 ===
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Postkarte [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973): Frau Hansi Holzapfel, Ring 43 / Krems/Donau N-Ö [Bleistift:] Liebe Hansi! Unsere Briefe und Karten kreuzen, meinen Brief hast Du wohl schon. Ich habe heute 200 S [Schilling] durch Postsparkasse gesendet. Das Wetter ist noch immer unbeständig, gestern früh 8o C, aber es regnete nicht mehr. Heute etwas wärmer (früh 12o C), grau trüb, doch dürfte es schöner werden. Mir geht es gut, ich gehe täglich spazieren. Recht herzl. Grüße Euch allen! Rupert [Abs.:] Holzapfel, Hochzirl, Tirol / 14.6.34 vorm.
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=== 1936 ===
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1936, 16.2. [Poststempel Garmisch-Partenkirchen] Ansichtskarte an: Fam. Schulrat (Nr.8) Rupert Holzapfel, Krems a.D. Ring 43 Österreich: Harmisch-Partenkirchen 16.2.36. So etwas erlebt ein Mensch nur einmal. Es waren ca. 250.000 Menschen hier. Hoff auf die Österreicher, herzlichst Euer Rudi [wohl Widerhofer] / SchXXX. Bildseite „Olympia-Sprungschanze […]“
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=== 1937 ===
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==== Johanna Holzapfel an Rupert Holzapfel ====
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JOHANNA HOLZAPFEL (Nr. 9; 1882-1973), „Hansimutti“, schreibt von einem Besuch beim Sohn Rupert [mein Vater] in Lindenberg [Beeskow] nach Hause an ihren Mann RUPERT HOLZAPFEL [Briefe liegen bei Fam.-Briefe A]: „Lieber Rupert! Meine letzte Erzählung reichte nur bis zur Ankunft in Lindenberg. Das war um 1 h nachts und wir waren beide so müde, daß wir beinahe Lindenberg verschlafen hätten. 10 Minuten von der Bahn liegt die Wohnung. Trotz Müdigkeit und NachtXX sah ich, daß es für mich hier Arbeit genug gibt, nur größere Möbelstücke standen wohl an ihren Plätzen, aber XXX gab es eine Fülle von Koffern, Kisten, etc. 2 große Haufen von kl. Gegenständen, alle in Papier gut eingewickelt, lagen da und Rupert erklärte sie mir als Porzellan u Glasgegenstände. Am Morgen schon kam das Mädchen, das Rupert schon aufgenommen hatte. Wir machten uns zuerst daran, diese gebrechlichen Gegenstände in Sicherheit zu bringen. Nun und dann gings weiter mit Auspacken und Einräumen und Putzen u Ordnung machen u so weiter die ganze Woche hindurch. Mitlerweile kamen auch die Teppiche, die Rup. mitgebracht hatte, aus der Putzerei. Und so haben wir die Wohnung so im Gröbsten jetzt fertig. Das Mädchen, das zur Hilfe für Else aufgenommen ist, ist sehr nett, intelligent u. macht einen sehr guten Eindruck. Ich bin für Else darüber sehr froh, denn es wird für sie gar nicht leicht sein, sich hier einzuleben. Lindenberg ist ein ganz kleines Dorf aus wenigen Häusern bestehend. ‚Hervorragend‘ sind nur die 5 je 100 m hohen Funktürme, die mich immer zum Besteigen reizen, doch geht es leider nicht, denn man müsste die 100 m auf eisernen Leitern erklettern. Außer den Funktürmen gibt es noch ein paar Häuser die zum Observatorium gehören. In einer Entfernung von Lindenberg von etwa 10 Min. liegt Herzberg, wo es sogar einen Kaufmann, einen Fleischer und eine Kirche gibt. Dorthin gehen wir, die täglichen kl. Besorgungen zu machen. Etwa 10 Km entfernt liegt Beeskow, ein Stadl mit 6000 Einwohnern, das ist die ‚Großstadt‘ wo man sich das meiste besorgt. Es ist mit der Bahn in ca ½ St. zu erreichen. Ich war schon 2 mal dort einkaufen; das geht mit der Bahn recht gut, so daß man 1 ½ - 2 Stunden Zeit dort hat. Berlin ist 60 Km entfernt. Ruperts Wohnung ist recht lieb; viel Licht, Luft u Sonne 3 Zimmer, 2 Kabinette, Küche u. Speise, Vorzimmer, Badezimmer, Glasveranda. Hochparterre. Es ist alles hell tapeziert, die Küche u Bad mit weißer Ölfarbe gestrichen. Gestern ist aus Berlin ein Gitterbett u Badewanne für Bambi [Christian] angekommen und morgen soll ein elektischer Herd kommen. Ein Warmwasserspeicher, der durch Nachtstrom geheizt wird, ist schon da. Morgen muß noch der Herd u Wasserspeicher montiert werden, dann sind die Handwerker fertig. Ich werde am Dienstag nach Hamburg fahren, einen Tag dort bleiben und am Mittwoch abends in Haderslev [bei den Eltern der Schwiegertochter Else geb. Lundbye] ankommen. Rupert meint, daß wir am 20.Okt. von Dänemark zurückkommen werden. Den nächsten Brief, bitte, schreibe mir nach Haderslev. Unsere Tageseinteilung ist: Aufstehen um ½ 7 h. Rupert geht ½ 8 h ins Obs[ervatorium]. Dort wird gearbeitet und um ¾ 9 Uhr kommen die Junggesellen zu einer Arbeiterfrau zum Frühstück; dort gehen wir jetzt auch hin. Was Otto [mein Onkel; war zur Ausbildung in Berlin] über die Arbeiter im Werk schrieb, bestätigt sich auch da wieder. Nett, intelleg[ent]. und Lebenshaltung wie unser besserer Mittelstand. Zu dieser Frau gehen wir auch meistens zum Abendessen. Mittags essen wir gewöhnlich zu Hause, weil wir die Zeit gewinnen u ich mit Rupert zusammen verschied[enes]. machen kann. Tee, Butterbrot, Wurst, Obst. Rupert ist vormittags u nachmittags im Obs. und kommt hier und da auf einen kurzen Besuch zu mir herüber. – Über uns wohnt Dr Kopp, bei dem waren wir am Freitag zum Abend eingeladen. Du, Traudl ich habe mir schon 2 x den Klips [?] gesteck[t] ganz ohne Ruperts Hilfe und zu Ruperts Zufriedenheit. Die Richtigkeit wird bestätigt!!! R [Schrift meines Vaters] Kannst es auch Hilde sagen! -!- Die Landschaft hier ist ziemlich eben. Doch immer wieder kl. Hügel rd. Höhe 20-30 m. Große Felder, unterbrochen durch kl. Waldbestände- Kiefern u Lärchen. Es ist durchaus nicht fad, wie man dachte, sondern wirklich lieblich und manchmal gibt es recht schöne BeXXingen. Das Wetter ist na, so-so, morgens meist neblig bis gegen 11 h, dann kommt die Sonne. Am Abend um 6 h ist es schon finster. Ein paarmal hat’s auch schon geregnet, aber das dauert nie länger. Na und wie geht es Euch? Hoffentlich geht alles in Ordnung. Ich bin froh, daß es der Traudl [sie ist 20 Jahre alt] mit dem Einkaufen gut geht, ich hab es gar nicht anders erwartet. Habt Ihr im Garten schon etwas gemacht? Hilft die Hildi dabei? Kann Hildi draußen [demnach ist der Brief nach Unterach geschrieben worden] bleiben, wenn O[swald Grill]. u R[osl; Hansimuttis Schwester]. wegfahren [nach Wien; im Sommer sind sie ebenfalls am Attersee]? Bitte, Vater, schreibe an d. Volkspresse eine Karte. Man soll an Erna Adensamer, Adresse bei Grill zu erfragen) Probeblätter v. d. Volkspresse schicken. Ich hab ihr versprochen und habe darauf vergessen. Ferner zahle für Okt.-Dez die Volkspresse für Rupert; man soll sie ihm hierher schicken. – Was gibt es bei uns Neues. Ist Walter [der Bruder von Rupert und Traudl] eigentlich in Krems od. in Wien? – An meinem gestrickten Jankerl habe ich noch gar nichts gearbeitet, ich hatte nicht Zeit dazu. Wegen Ilse [? nicht Else] habe ich schon am vorigen Sonntag mit Krebs [?] gesprochen. Es wird ganz leicht sein, unterzukommen. Ich werde, wenn ich wieder zu Krebs [?] komme, die Anschrift des Blattes erfahren, wohin sich Ilse wenden soll. – Um was soll ich mich für Dich erkundigen? Hat Traudl schon an Emmerl W. geschrieben? Und was hat sie erfahren? Habt ihr vom Otto [17 Jahre alt] u Christl [könnte sein Christl Avanzo, zu Nr. 9 e, sein] schon etwas erfahren od. gesehen? Nun muß ich schließen, den Rup. geht noch mit den Briefen an Euch u. von Else zur Post. Es ist schon 10 h abends. Ich freue mich, bald wieder von Euch Nachricht zu erhalten. Rupert läßt Euch und alle anderen herzlich grüßen. Ich grüße Euch beide etc. etc. recht herzlich. Alles Liebe Eure Hansimutti. / Lindenberg 10.10.37.
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1937, 18.10., Ansichtskarte „Lillebæltsbroen“ [1935 eingeweiht] an (Nr.8) Herrn Schulrat Rupert Holzapfel, Buchenort 25, Unterach am Attersee, Ob. Österreich von (Nr.9) HANSI [Johanna] HOLZAPFEL: Meine Lieben! Heute haben wir wieder eine schöne Autofahrt gemacht. Ich habe schon so viel Schönes gesehen. Es kommt mir immer wie im Märchen vor. Am 21 fahre ich mit Else [und] Bubi [Nr.2 a Christian] nach Lindenberg. Hoffentlich geht es Euch gut. Seid recht herzlich gegrüßt Hansimutti. 18.X.37. Viele Grüsse Emma Lundbye.
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Meine Lieben daheim!                                                                               
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Sonntag früh [ohne Datum, 24.10.1937]
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Nun sind wir Donnerstag abends (21.) wohlbehalten in Lindenberg angekommen. Es war viel für Bambi, denn wir fuhren in Haderslev um 9 h früh mit dem Auto weg und kamen erst gegen 9 h in Lindenberg an, waren also fast 12 Std. unterwegs. Bambi war sehr brav und hat auch den Wechsel von Hadersleben nach hier sehr gut vertragen. Hamburg Berlin ging es mit dem FD-Zug ohne Aufenthalt. In Berlin holte uns Rupert ab, da ging es noch mit der Bahn nach Fürstenwalde und von da mit seinem Auto ½ stündige Fahrt nach L. Rupert hatte die ganze Wohnung geputzt u alles mit Blumen geschmückt. Else hat große Freude mit der Wohnung nur kam sie sich in den ersten Tagen als Gast in ihrem eigenen Heim vor. Noch gibt es viel zu ordnen, einzuräumen etc. Vorhänge müssen wir erst nähen etc. Bis jetzt haben wir noch von Tee u. Wurst gelebt und das Mädchen mittags heimgeschickt. Von Montag an wollen wir regelrechten Haushalt beginnen. Rupert erhält die Volkspresse richtig und hat große Freude damit. – Euren Brief erhielt ich hier und freue mich, daß alles so gut geht daheim. Besonders freuen mich Traudls Erfolge in Haus u Küche; das ist sehr gut für Traudl; auf diese Weise lernt sie am meisten. Ich freue mich auch, daß Ihr manche Wanderungen miteinander machen könnt. Solange das Wetter gut ist, tut ihr gut, am Attersee zu bleiben. – Montag früh. Wir haben hier noch schöne Tage u Bambi kann stundenlang im Garten stehen. Gestern machten wir einen „Familien-Spaziergang“ in der Umgebung des Obervatoriums. Die Gegend ist recht hübsch hier, viel schöner als ich es erwartet hätte. Über mein Heimkommen kann ich noch nichts sagen, ich denke, ich werde noch ca 1 Woche hier bleiben, möchte mich auf der Heimfahrt in Nürnberg u. München aufhalten. Es werden wohl die ersten Novembertage werden. Von Walter u Otto erhielt ich einen Brief, den sie gemeinsam in Hütteldorf geschrieben haben. Otto scheint heuer das Internat besser zu gefallen als im Vorjahr, worüber ich sehr froh bin. Jetzt weiß ich nichts mehr zu berichten, das heißt, es gäbe so viel zu erzählen daß ich gar nicht fertig werden kann. Das hebe ich mir aber für mündl. Bericht auf. Noch eines: Hat Vater wegen meiner Anmeldung zu V.F. etwas veranlaßt? Ich kann die Verhältnisse nicht beschreiben von hier aus, aber vielleicht wäre es doch gut, wenn Vater an den VF schriebe, daß ich verreist bin nach „Dänemark“ zu meiner Schwiegertochter u meinem Enkel, daher ich mich nicht selbst anmelden kann und er es für mich besorgt. Wenn er es nicht tut macht es mir nichts. Es wäre vielleicht nur ein Akt der Klugheit im Interesse der Kinder, besonders Otto. Was meint Walter dazu? Ich schreibe jetzt einen Brief an Walter und werde ihm auch darüber schreiben, was er meint. Nun wirklich Schluß! Seid recht herzlich gegrüßt von Eurer Hansimutti. Von Rupert, Else u Bambi viele herzl. Grüße. – Else hat in ihrem Koffer in Buchenort einen Malkasten, den sie gerne hier hätte. Traudl, sei so lieb, nimm den Malkasten, fülle den leeren Raum mit Holzwolle aus, wickle den Malkasten in Wellenkarton und in ein festes Packpapier und schick ihn hierher. Du wirst eine Zolldeklaration ausfüllen müssen, da schreibst du nur „gebrauchter Malkasten“.
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=== 1938 ===
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an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): ROSL GRILL (Nr.9 c) schreibt 1938 an ihre Schwester „Franzi Spängler, Musikpädagogin, Krems/Donau, Adolf Hitlerstr.43“ u.a. sie waren auf Besuch bei „Halle“, und der Sohn Heribert [1945 gefallen] war auch mit; „ich bin mit ihm auf der Maschine [Motorrad] heim – Oswald mit Hund auf d. Elektrischen. Und du warst lange bei Christl [Dafert ?] u kamst spät nach Krems?“
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1938, 5.9., Ansichtskarte „Reichsparteitag Nürnberg 5.-12.9.“ 1938 an Frl. Franzi Spängler, Musik Pädagogin, Krems a/Donau, Nieder-Donau: Besten Dank für Olympiabuch und alles. Bin wunschlos glücklich und vollens begeistert / Heil Hitler / Franzl [Nr.9 d Franz Spängler, 1883-1964]
      
=== Außerhalb des Briefwechsels ===
 
=== Außerhalb des Briefwechsels ===
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==== Fußnoten ====
 
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[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
 
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[[Kategorie:Spängler]]
 
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[[Kategorie:Geschichte]]
 
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