Gämse: Unterschied zwischen den Versionen

 
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[[Datei:Gämse, Copyright NPV-Salzburg, Foto Rieder.jpg|thumb|Gämse]]
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[[Datei:Gämse als Lawinenopfer.jpg|thumb|Die Überreste einer Gämse, die einer [[Lawine]] zum Opfer gefallen ist]]
[[Datei:Gämse als Lawinenopfer.jpg|thumb|Die Überreste einer Gämse, die einer [[Lawine]] zum Opfer gefallen ist]]
Die '''Gämse''' (Rupicapra rupicapra) ist ein tagaktives Großtier, das in den [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] vorkommt und zu den [[Tiere im Nationalpark Hohe Tauern|Tieren im Nationalpark Hohe Tauern]] zählt. Aber auch in anderen Bergregionen im [[Bundesland Salzburg]] und sogar auf dem in der [[Stadt Salzburg]] befindlichen [[Kapuzinerberg]] leben Gämsen.
[[Datei:Gams schönalm 30006 2016-07-10.jpg|mini|eine Gämse auf der [[Schönalm (Weißpriach)]] im [[Weißpriachtal]]]]
[[Datei:Grossglockner Hochalpenstrasse Fuscher Toerl 2019 Gämsen.jpg|thumb|Bei knapp unter null Grad beim [[Törlkopf]] in 2 455 [[m ü. A.]] oberhalb des [[Fuscher Törl]]s an der [[Großglockner Hochalpenstraße]] sonnten sich am 14. Februar 2019 Mittag zwischen 12 und 15 Uhr mehrere Gämsen in der frühlingshaften Mittagssonne.]]
Die '''Gämse''' (''Rupicapra rupicapra'') ist ein im Land Salzburg heimisches tagaktives großes Säugetier.
 
== Vorkommen ==
Im [[Bundesland Salzburg]] gibt es zahlreiche Vorkommen in den [[Hohen Tauern]]<ref>siehe [[SALZBURGWIKI]]-Artikel [[Tiere im Nationalpark Hohe Tauern|Tieren im Nationalpark Hohe Tauern]]</ref>, aber auch in den anderen Gebirgs- und Bergregionen des Landes Salzburg. Sogar in der [[Stadt Salzburg]] leben Gämsen auf dem [[Gaisberg (Berg)|Gaisberg]] und eine kleine Gämsenkolonie wird ganzjährig auf dem [[Kapuzinerberg]] betreut, nachdem dort [[1952]] einem einsamen Gämsbock eine weibliche halbzahme Gämse aus der [[Steiermark]] zugeführt worden war.
 
==Aussehen und Lebensweise==
==Aussehen und Lebensweise==
Sie ist – weil tagaktiv – unter den Wildtieren in der Tauernregion am ehesten zu beobachten. Das Fell des bis zu 45 kg schweren Säugetiers ist am Rücken im Winter schwarzbraun, im Sommer braungrau bis rostfarben. Männliche und weibliche Tiere sind behornt, wobei die sog. ''„Gamskrucken“'' beim Bock enger gekrümmt sind, als bei den Geißen. Gämsen sind bestens an ihre Lebensregion angepasst. Ihr Vorkommen ist in Europa bis in das mittlere Eiszeitalter nachgewiesen, in dem sie ''„plötzlich“'' in Erscheinung getreten sind. Über ihre Vorgänger und deren Herkunftsgebiet ist gegenwärtig nichts Sicheres bekannt. Auch die vermutete Einwanderung aus Asien ist derzeit nicht belegbar.  
Sie ist – weil tagaktiv – unter den Wildtieren in der Tauernregion am ehesten zu beobachten. Das Fell des bis zu 45 kg schweren Säugetiers ist am Rücken im Winter schwarzbraun, im Sommer braungrau bis rostfarben. Männliche und weibliche Tiere sind behornt, wobei die sogenannten ''"Gamskrucken"'' beim Bock enger gekrümmt sind als bei den Geißen.
==Lebensraum Hohe Tauern==
 
''„Von Grasheide durchsetztes, felsiges Gelände oberhalb der Waldgrenze“'' ist ihr bevorzugter Lebensraum in den Hohen Tauern. Im Sommer steigt die ''„Alpengams“'' bis zur Schneegrenze auf. Im Winter und bei extremen Wetterbedingungen weicht sie in die oberen Waldbereiche zurück. Autolenkern, die die Strecke über das [[Kleines Deutsches Eck|Kleine Deutsche Eck]] durch das [[Saalachtal]] benutzen, fällt auf einer bestimmten Wiese gelegentlich eine Gämsengruppe auf, die sogar am straßennahen Talboden grast.
Gämsen sind bestens an ihre Lebensregion angepasst. Ihr Vorkommen ist in Europa bis in das mittlere Eiszeitalter nachgewiesen, in dem sie ''"plötzlich"'' in Erscheinung getreten sind. Über ihre Vorgänger und deren Herkunftsgebiet ist gegenwärtig nichts Sicheres bekannt. Auch die vermutete Einwanderung aus Asien ist derzeit nicht belegbar.  
 
==Lebensraum im Gebirge==
''Das "Von Grasheide durchsetztes, felsiges Gelände oberhalb der Waldgrenze"'' ist ihr bevorzugter Lebensraum in den Salzburger Gebirgszügen einschließlich der Hohen Tauern. Im Sommer steigt die ''"Alpengams"'' bis zur Schneegrenze auf. Im Winter und bei extremen Wetterbedingungen weicht sie in die oberen Waldbereiche zurück. Autolenkern, die die Strecke über das [[Kleines Deutsches Eck|Kleine Deutsche Eck]] durch das [[Saalachtal]] benutzen, fällt auf einer bestimmten Wiese gelegentlich eine Gämsengruppe auf, die sogar am straßennahen Talboden grast.


Üblicherweise halten sich Gämsen in für sie gut geeigneten Gebieten über der Waldgrenze bis in Höhen von 3 000 [[m ü. A.]] auf. Im Winter wechseln sie manchmal von den schneereichen Schattseiten auf die sonnseitigen Hänge und Grate, die durch Wind- und Sonneneinwirkung schneearm oder schneefrei sein können.
Üblicherweise halten sich Gämsen in für sie gut geeigneten Gebieten über der Waldgrenze bis in Höhen von 3 000 [[m ü. A.]] auf. Im Winter wechseln sie manchmal von den schneereichen Schattseiten auf die sonnseitigen Hänge und Grate, die durch Wind- und Sonneneinwirkung schneearm oder schneefrei sein können.
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==Brunftzeit und Nachkommen==
==Brunftzeit und Nachkommen==
Sie beginnt Ende Oktober und dauert bis Mitte Dezember an. Die Böcke markieren ihr Territorium, in dem sie das Sekret ihrer hinter den Gamskrucken befindlichen Brunftdrüsen mit schief gehaltenem Kopf an den Pflanzen abstreifen. Es kommt zwischen den Böcken zu mit den Krucken ausgetragenen heftigen Rivalitätskämpfen, die mitunter auch zum Tod eines der beiden Tiere führt. Etwa Ende Mai Anfang Juni setzen die tragenden Geißen meist ein Kitz, das seiner Mutter nach ein bis zwei Stunden folgen kann.
Sie beginnt Ende Oktober und dauert bis Mitte Dezember an. Die Böcke markieren ihr Territorium, in dem sie das Sekret ihrer hinter den Gamskrucken befindlichen Brunftdrüsen mit schief gehaltenem Kopf an den Pflanzen abstreifen. Es kommt zwischen den Böcken zu mit den Krucken ausgetragenen heftigen Rivalitätskämpfen, die mitunter auch zum Tod eines der beiden Tiere führt. Etwa Ende Mai Anfang Juni setzen die tragenden Geißen meist ein Kitz, das seiner Mutter nach ein bis zwei Stunden folgen kann.
==Gämsenrudel an der B 311==
Wer öfters über das Kleine Deutsche Eck fährt, konnte das Phänomen schon das eine oder andere Mal beobachten: seit rund 15 Jahren tummelt sich in [[St. Martin bei Lofer]] regelmäßig ein Gämsenrudel auf der an die B 311 anrainenden Kalkwiese von Roswitha und Josef Schmuck, Thurnbauerngut. Weder der vorbei rauschende Verkehr, noch die Fotografen scheinen die Tiere beim Äsen der Grasspitzen zu stören. Begonnen hat alles mit einer Geiß, die mit ihren zwei Kitzen auf der Talwiese erschienen ist. Das wachsende Rudel scheint diese Gepflogenheit fortzuführen. Selbst im Sommer besucht das Rudel diesen offenbar begehrten Talboden, wobei sich die Gämsen unter die weidenden Kühe mischen. Das Rudel hat seinen Standort am [[Hochkaser]] und äst je nach Jahreszeit auf den bewaldeten Abhängen und auch auf der besagten Talwiese.


===Gämsenrudel an der B 311 Pinzgauer Straße ===
[[Datei:GämsenrudelKalkwieseSt.MartinLofer.JPG|thumb|14-köpfiges Gämsenrudel auf der Kalkwiese in St. Martin bei Lofer]]
Wer öfters über das [[Kleine Deutsche Eck]] fährt, konnte das Phänomen schon das eine oder andere Mal beobachten: seit rund 15 Jahren tummelt sich in [[St. Martin bei Lofer]] regelmäßig ein Gämsenrudel auf der an die [[B&nbsp;311 Pinzgauer Straße]]  anrainenden Kalkwiese von Roswitha und Josef Schmuck, Thurnbauerngut. Weder der vorbei rauschende Verkehr, noch die Fotografen scheinen die bis zu 20 Tiere beim Abäsen der Grasspitzen zu stören. Begonnen hat alles mit einer Geiß, die mit ihren zwei Kitzen auf der Talwiese erschienen ist. Das wachsende Rudel scheint diese Gepflogenheit fortzuführen. Selbst im Sommer besucht das Rudel diesen offenbar begehrten Talboden, wobei sich die Gämsen unter die weidenden Kühe mischen. Das Rudel hat seinen Standort am [[Hochkaser]] und äst je nach Jahreszeit auf den bewaldeten Abhängen und auch auf der besagten Talwiese.
== Bilder ==
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==Quellen==
==Quellen==
* [[Eberhard Stüber]], [[Norbert Winding]] ''Die Tierwelt der Hohen Tauern'', S. 142 und 143, 4. aktualisierte Auflage, HG Nationalparkrat, Matrei, 2007
* [[Eberhard Stüber]], [[Norbert Winding]]: ''Die Tierwelt der Hohen Tauern'', S. 142 und 143, 4. aktualisierte Auflage, HG Nationalparkrat, [[Matrei]], 2007
* [[Heinz Bayer]], ''Wo Gämsen im Rudel grasen.'' [[Salzburger Nachrichten]], 15. Oktober 2016, Lokalteil, S. 13-14.
* [[Heinz Bayer]]: ''Wo Gämsen im Rudel grasen.'' [[Salzburger Nachrichten]], 15. Oktober 2016, Lokalteil, S. 13-14.
 
== Fußnote ==
<references/>


[[Kategorie:Wissenschaft]]
[[Kategorie:Naturwissenschaft]]
[[Kategorie:Biologie]]
[[Kategorie:Biologie]]
[[Kategorie:Fauna]]
[[Kategorie:Fauna]]
[[Kategorie:Wirbeltiere]]
[[Kategorie:Säugetiere]]
[[Kategorie:Huftier]]
[[Kategorie:Nationalpark Hohe Tauern]]
[[Kategorie:Nationalpark Hohe Tauern]]
[[Kategorie:Alpen]]
[[kategorie:Zentralalpen]]
[[kategorie:Zentralalpen]]
[[Kategorie:Ostalpen]]
[[Kategorie:Ostalpen]]
[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
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