Graben: Unterschied zwischen den Versionen
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Unter der Bezeichnung '''Graben''' werden hier | [[Datei:Taxenbacher Sonnberg 12.jpg|thumb|landschaftsstrukturierende Gräben zwischen den [[Taxenbacher Sonnseitberge]]n.]] | ||
Unter der Bezeichnung '''Graben''' werden hier – in Abgrenzung zu künstlichen, von Menschen geschaffenen Gräben – natürlich entstandene Geländeeinschnitte im Bergland beschrieben. | |||
==Einführung und Überblick== | ==Einführung und Überblick== | ||
Gräben entstehen durch aushöhlende Einwirkungen. In der Natur ist es die erodierende Kraft des Wassers, die in mehr oder weniger abfallendem Gelände im Laufe der Zeit Gräben entstehen lässt. Natürlich entstandene Gräben kommen daher vor allem im Bergland vor. In die Haupttäler münden nur wenige Seitentäler, aber zahllose kleinere und größere Gräben durchfurchen die Talhänge. | Gräben entstehen durch aushöhlende Einwirkungen. In der Natur ist es die erodierende Kraft des Wassers, die in mehr oder weniger abfallendem Gelände im Laufe der Zeit Gräben entstehen lässt. Natürlich entstandene Gräben kommen daher vor allem im Bergland vor. In die Haupttäler münden nur wenige Seitentäler, aber zahllose kleinere und größere Gräben durchfurchen die Talhänge. | ||
In der deutschen Sprache als Gräben bezeichnete Eintiefungen können aber auch durch Erdbewegungen (Erdbeben, Erdplattenverschiebungen) entstehen. Erdgeschichtlich entstanden weltweit so bedeutende geologische Gräben wie | In der deutschen Sprache als Gräben bezeichnete Eintiefungen können aber auch durch Erdbewegungen (Erdbeben, Erdplattenverschiebungen) entstehen. Erdgeschichtlich entstanden weltweit so bedeutende geologische Gräben wie der Ostafrikanische Graben oder der Jordan-Graben. | ||
In Kulturlandschaften finden sich zahlreiche vom Menschen geschaffene Gräben, die meist der Be- oder Entwässerung dienen. Geschichtlich gesehen dienten künstlich geschaffene Gräben aber auch als Barriere zwecks Abgrenzung oder zur Verteidigung vor Angreifern ( | |||
In Kulturlandschaften finden sich zahlreiche vom Menschen geschaffene Gräben, die meist der Be- oder Entwässerung dienen. Geschichtlich gesehen dienten künstlich geschaffene Gräben aber auch als Barriere zwecks Abgrenzung oder zur Verteidigung vor Angreifern (Stadtgraben, Burggraben, Schützengraben). | |||
Für | |||
[[Datei:Graben, Erlberg.jpg|thumb|Ein Graben durchschneidet das Hofgelände eines Bauernhofes am [[Erlberg (Zell am See)|Erlberg]] in [[Thumersbach]] zwischen Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude]] | |||
Für all diese von der Entstehungsgeschichte und von der Dimension höchst unterschiedlichen Geländeeinschnitte gibt es in der deutschen Sprache nur einen Begriff, nämlich Graben. Im Englischen hingegen werden Gräben im Sportbereich als ''ditch'', im militärischen Bereich als ''trench'', ein Burggraben als ''moat'' und im geologischen Bereich Gräben als ''Graben'' bzw. als ''rift'' bezeichnet. | |||
==Wortherkunft und -bedeutung== | ==Wortherkunft und -bedeutung== | ||
Graben (im Sinne einer Tätigkeit) kommt bereits im Althochdeutschen als ''graban'' vor, im Altkirchenslawischen als ''greti'' in der Bedeutung | Graben (im Sinne einer Tätigkeit) kommt bereits im Althochdeutschen als ''graban'' vor, im Altkirchenslawischen als ''greti'' in der Bedeutung „rudern, graben“, im Lettischen als ''grebt'' in der Bedeutung „ausschaben, aushöhlen“. | ||
Der Duden kennt ausschließlich vom Menschen geschaffene Gräben. Im Bedeutungswörterbuch steht unter dem Stichwort | |||
Der Duden kennt ausschließlich vom Menschen geschaffene Gräben. Im Bedeutungswörterbuch steht unter dem Stichwort „Graben“: ''… in die Erde gegrabene Vertiefung von einiger Länge und verhältnismäßig geringer Breite: ein tiefer, langer, breiter Graben; Gräben [zur Bewässerung] anlegen; einen Graben ziehen, damit das Wasser abfließen kann; in einen Graben fallen, stürzen …'' | |||
In der deutschsprachigen Wikipedia finden sich neun unterschiedliche Artikel zum Thema | |||
*''Burggraben, ein Annäherungshindernis bei [[ | In der deutschsprachigen Wikipedia finden sich neun unterschiedliche Artikel zum Thema ''Graben'': | ||
*''Schützengraben, eine Form der Befestigung im Felde, meist in Form eines simplen Grabens'' | |||
*''Stadtgraben, ein Annäherungshindernis bei mittelalterlichen Städten'' | * ''Burggraben, ein Annäherungshindernis bei [[Mittelalter|mittelalterlichen]] Befestigungsanlagen'' | ||
*''Wassergraben, ein künstlich angelegtes oder ausgebautes Gewässer zur Be- oder Entwässerung'' | * ''Schützengraben, eine Form der Befestigung im Felde, meist in Form eines simplen Grabens'' | ||
*''Entwässerungsgraben, entlang einer Straße'' | * ''Stadtgraben, ein Annäherungshindernis bei mittelalterlichen Städten'' | ||
*''Aufgrabung, bei der unterirdischen Leitungsverlegung'' | * ''Wassergraben, ein künstlich angelegtes oder ausgebautes Gewässer zur Be- oder Entwässerung'' | ||
*''Ausgrabung, archäologische Feldforschung'' | * ''Entwässerungsgraben, ein entlang einer Straße verlaufender Graben'' | ||
*''Graben (Geologie), eine durch tektonische Kräfte verursachte Einsenkung der Erdoberfläche'' | * ''Aufgrabung, eine Aufgrabung bei der unterirdischen Leitungsverlegung'' | ||
*''Tiefseerinne, Tiefseegraben, eine submarine Talform'' | * ''Ausgrabung, eine archäologische Feldforschung'' | ||
* ''Graben (Geologie), eine durch tektonische Kräfte verursachte Einsenkung der Erdoberfläche'' | |||
* ''Tiefseerinne, Tiefseegraben, eine submarine Talform'' | |||
Dennoch sind Gräben im Sinne des | Dennoch sind Gräben im Sinne des Artikelstichworts real existent. Sie unterscheiden sich von Tälern und Schluchten, doch manche Gräben weisen in ihrem Verlauf schlucht- oder talartige Abschnitte auf. | ||
Gräben sind entweder namenlos oder tragen Eigennamen, die auch kartografisch berücksichtigt werden. Sie bringen für die anwohnenden Menschen wirtschaftlichen Nutzen, aber auch Gefahren mit sich. Zudem waren Gräben Anlass für Hof-, Orts-, See- und Straßenbenennungen. In [[Uttendorf]] findet sich im Ortsteil [[Tobersbach]] ein Grabenweg – eine willkommene Abwechslung im Einerlei der beliebigen Amsel- und Birkenwege. Darüber hinaus finden sich im SALZBURGWIKI weitere Beispiele: | |||
* [[Grabenbauernweg]] | |||
* [[Grabensee]] | |||
* [[Grabenstraße]] | |||
Im Fall namenloser Gräben wurde und wird im näheren Umfeld eine mündliche, in der Regel nicht niedergeschriebene Bezeichnung nach anrainenden Höfen oder größeren Gebäuden geschaffen und verwendet. So wird der eigentlich namenlose Graben neben dem [[Sportresort Alpenblick]] im Ortsteil [[Schüttdorf]] in [[Zell am See]] von der [[Wildbach- und Lawinenverbauung]] der Einfachheit halber Alpenblickgraben genannt, und die dort im Jahr 2014 fertiggestellte Sperre wird demgemäß als [[Alpenblickgraben-Sperre]] bezeichnet. Es ist anzunehmen, dass dieser Graben früher Tischlerhäuslgraben genannt wurde, so wie heute noch die dortige Bushaltestelle und die Haltestelle der [[Salzburger Lokalbahn]] [[Bahnhof Tischlerhäusl|Tischlerhäusl]] heißt, da hier längst vor dem Hotelbau ein Wirtshaus namens [[Gasthaus Tischlerhäusl|Tischlerhäusl]] stand. | |||
Im Fall namenloser Gräben wurde und wird im näheren Umfeld eine mündliche, in der Regel nicht niedergeschriebene Bezeichnung nach anrainenden Höfen oder größeren Gebäuden geschaffen und verwendet. So wird der eigentlich namenlose Graben neben dem [[ | Kurioserweise finden sich auch Gräben, die vor Ort unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt sind. Ein Beispiel dafür ist der Graben zwischen Kleinem und Großem Sonnberg, ein Geländeeinschnitt zwischen zwei zu den [[Taxenbacher Sonnseitberge]]n gehörenden Südabhängen an der orografisch linken Seite des [[Unterpinzgauer Salzachtal]]es im Gemeindegebiet von [[Taxenbach]]. Beim Grainsbergbauer an der orografisch rechten Grabenseite wird der Graben nach dem auf der gegenüberliegenden östlichen Grabenseite befindlichen Brandstätthof als Brandstättgraben bezeichnet. Beim Brandstättbauer wird derselbe Graben jedoch Grainsberggraben genannt, weil auf der vom Brandstättbauer aus gesehen gegenüberliegenden westlichen Grabenseite der Grainsberghof steht. Eine einfache, aber sinnvolle Logik: Man bezeichnet den Graben, der keinen Namen hat und den es zu queren gilt, nach dem Ziel des eigenen Weges. | ||
==Gräben Innergebirg== | |||
Die alpine Landschaft wird wesentlich durch namentlich bekannte Täler und Berggipfel geprägt. Die Abhänge der Haupt- und Seitentäler werden jedoch von unzähligen Gräben durchfurcht, die durch die erodierende Wirkung des Wassers in Form von [[Wildbach|Wildbächen]] entstanden sind. | |||
Die Mehrzahl der Gräben ist weg- und namenlos. Dennoch finden sich im [[Innergebirg]] eine Reihe von Gräben, die offiziell benannt sind. Hier einige Beispiele, die bereits im SALZBURGWIKI beschrieben wurden: | |||
* [[Brandenauer Graben]] | |||
* [[Dürnbachgraben]] | |||
* [[Exenbachgraben]] | |||
* [[Grieser Graben]] | |||
* [[Kendlbrucker Mühlbachgraben]] | |||
* [[Kreuzlehengraben]] | |||
* [[Löhnersbachgraben]] | |||
* [[Michelbachgraben]] | |||
* [[Schaidmoosgraben]] | |||
* [[Schidergraben]] | |||
* [[Schüttbachgraben]] | |||
* [[Schwarzachengraben]] | |||
* [[Vogelalmgraben]] | |||
Auch das [[Schmittental]] gilt in der Bevölkerung eigentlich als Schmittengraben. | |||
== Wildbachverbauung == | |||
[[Datei:Sperre Nr. 1.jpg|thumb|Die mit Nr. 1 benannte erste einer Reihe von Sperren an der [[Nikolaus-Gassner-Promenade (Zell am See)|Nikolaus-Gassner-Promenade]] zwischen [[Zell am See]] und [[Schüttdorf]]]] | |||
Es sind zahlenmäßig vor allem die im Vergleich zu Tälern kleineren und kürzeren Gräben wie der [[Alpenblickgraben-Sperre|Alpenblickgraben]] und in geringerem Ausmaß die größeren und längeren Täler wie das [[Mühlbachtal (Hohe Tauern)]] in [[Niedernsill]], in denen mit Bauwerken der [[Wildbachverbauung]] für Sicherheit vor gefährlichen Naturereignissen wie [[Mure]]n gesorgt werden muss. | |||
Ein beredtes Beispiel für solche bedrohlichen Gräben im Bereich von Siedlungsgebieten findet sich oberhalb des Westufers des [[Zeller See]]s. Von motorisierten Verkehrsteilnehmern auf der [[B 311]], Passagieren in den Zügen auf der [[Westbahnstrecke]] und Promenierenden auf der Seeuferpromenade meist unbemerkt erstreckt sich zwischen dem Zeller Ortsteil [[Schüttdorf]] und dem Hauptort [[Zell am See]] der steile Abhang des Ausläufers der [[Schmittenhöhe]], der auf kurzer Strecke von zahlreichen Gräben durchfurcht ist, die zum Schutz der darunter befindlichen Häuser und Verkehrswege in den letzten Jahrzehnten massiv verbaut werden mussten. | |||
Ein beredtes Beispiel für | |||
==Gräben als Hort für Vegetation und Tierwelt== | ==Gräben als Hort für Vegetation und Tierwelt== | ||
Gräben bieten Pflanzen und Tieren durch Feuchtigkeit, schattige Lagen und durch die durch Unwegsamkeit gegebene Ungestörtheit eigene Entwicklungs- und Lebensräume, die von denen ihrer Umgebung abweichen und sind daher wichtige Bausteine zum Erhalt des Artenreichtums in der Tier- und Pflanzenwelt. | Gräben bieten Pflanzen und Tieren durch Feuchtigkeit, schattige Lagen und durch die durch Unwegsamkeit gegebene Ungestörtheit eigene Entwicklungs- und Lebensräume, die von denen ihrer Umgebung abweichen und sind daher wichtige Bausteine zum Erhalt des Artenreichtums in der Tier- und Pflanzenwelt. | ||
==Gräben als geologische | ==Gräben als geologische ''Fenster''== | ||
Unwetter bringen es mit sich, dass die wasserführenden Gräben nach | [[Datei:Brandstätt-, bzw. Grainsberggraben 1.jpg|thumb|Wasser- und Geschiebegewalt legte im Brandstätt- bzw. Grainsberggraben den Fels frei]] | ||
[[Datei:Brandstätt-, bzw. Grainsberggraben, Findling.jpg|thumb|Brandstätt-, bzw. Grainsberggraben: Riesiger Findling aus Gneis inmitten der [[Schieferzone]]]] | |||
Unwetter bringen es mit sich, dass die wasserführenden Gräben nach [[Plaike]]n- und Murenabgängen große Geschiebemengen aus Erde, Holz und Gestein transportieren. Die erodierende Wirkung des Geschiebes legt einerseits das Gestein der Grabenhänge und des Bachbettes frei, so dass die Gesteinsstrukturen und -schichtungen zu sehen sind, und bringt andererseits riesige Findlinge an das Tageslicht – Überbleibsel der Eiszeit aus [[Gneis]] inmitten der Schiefer der [[Grauwackenzone]]. | |||
==Gräben als Wirtschaftsfaktor== | ==Gräben als Wirtschaftsfaktor== | ||
Gräben wurden seit langer Zeit und werden teilweise auch heute noch zur Holzbringung genutzt. Früher standen auch die bäuerlichen [[Gmachlmühle]]n in Gräben wie dem [[Grieser Graben]]. In Gräben fanden sich | Gräben wurden seit langer Zeit und werden teilweise auch heute noch zur Holzbringung genutzt. Früher standen auch die bäuerlichen [[Gmachlmühle]]n unter anderem in Gräben wie dem [[Grieser Graben]]. In Gräben fanden sich bereits in den ersten Jahrzehnten des [[20. Jahrhundert]]s kleine privat betriebene Elektrizitätswerke, und auch kleinere Bauernsägen wurden in vom Gelände her geeigneten Gräben wie im Taxenbacher [[Trattenbachgraben (Taxenbach)|Trattenbachgraben]] errichtet und betrieben. Auch die [[Almwirtschaft]] stand und steht in Bezug zu Gräben, deren Wasserläufe teilweise im [[Alm]]bereich entspringen und somit [[Alm]]en entwässern, als Wasserquelle für die Almleute dienten und dienen und als Tränke für deren Vieh genutzt wurden und werden. | ||
Bemerkenswert ist, dass die früher inner Gebirg zur Körperreinigung üblichen Badstuben, die später aus moralischen Gründen in Verruf gerieten und verboten wurden, wie die Gmachlmühlen im Bereich von Gräben, also in Wassernähe errichtet und genutzt wurden. | Bemerkenswert ist, dass die früher inner Gebirg zur Körperreinigung üblichen Badstuben, die später aus moralischen Gründen in Verruf gerieten und verboten wurden, wie die Gmachlmühlen im Bereich von Gräben, also in Wassernähe, errichtet und genutzt wurden. | ||
==Grabenhäusl== | ==Grabenhäusl== | ||
Wenngleich Gräben in der Regel nicht besiedelbar sind, so gibt es doch einzelne Häuser, die an Grabenhängen, | Wenngleich Gräben in der Regel nicht besiedelbar sind, so gibt es doch einzelne Häuser, die an Grabenhängen, an Grabenausgängen oder auf dem darunter befindlichen Schuttkegel errichtet wurden. An den Grabenhängen und im Grabenausgangsbereich waren es meist die Behausungen wenig wohlhabender Leute wie Bergleute – siehe [[Bergmannssölde]] –, und deren Behausungen zählen daher ursprünglich zu den [[Armeleuthäusln]], auch wenn einige davon heute gut ausgebaut sind und in den vergangenen Jahrzehnten auch stattliche Wohnhäuser und sogar Beherbergungsbetriebe in den Gefahrenzonenbereich unterhalb von Gräben hineingebaut wurden. | ||
Die | Die "Grabenhäusl" sind es, die am meisten und zuerst von Naturkatastrophen wie dem [[Hochwasser]] vom Juni 2013 bedroht sind. Beispiele dafür gab es 2013 in [[Hüttau]] (Hotelpersonalhaus), in [[Högmoos]] und im Schmiedbachgraben, mitten im [[Taxenbach]]er Ortszentrum (Wohnhäuser). | ||
Der erwähnte Schmiedbach hat immer wieder große Schäden im Bereich des Schmiedbachgrabens angerichtet. So berichtet [[Josef Lahnsteiner]] u. a., dass dieser [[1786]] infolge großer | Der erwähnte Schmiedbach hat immer wieder große Schäden im Bereich des Schmiedbachgrabens angerichtet. So berichtet [[Josef Lahnsteiner]] u. a., dass dieser [[1786]] infolge großer Plaikenabgänge im Grabenbereich gewaltige Holzmengen mit sich führte, wodurch acht Mühlen, drei Badstuben, die Schmiede, die Brücke und die neu errichtete Taxenbacher Schießstätte weggerissen wurden. | ||
==Grabenputz | |||
Mehr als Täler zählen Gräben im Bergland zur alltäglichen Herausforderung. Auf dem Talboden oder an den Abhängen über dem Talboden lebt man, aber die Gräben müssen bei der Bewirtschaftung der Wiesen und Felder gefahrlos gequert | ==Grabenputz und Habergeiß – Gräben als Teil der "Anderswelt"== | ||
[[Datei:Habergoaß.jpg|thumb|Porträt der [[Goldegg]]er [[Habergeiß]]]] | |||
Um die während der landwirtschaftlichen Arbeit oft unbeaufsichtigten Kinder | |||
Mehr als Täler zählen Gräben im Bergland zur alltäglichen Herausforderung. Auf dem Talboden oder an den Abhängen über dem Talboden lebt man, aber die Gräben müssen bei der Bewirtschaftung der Wiesen und Felder gefahrlos gequert werden; die Kinder müssen vor dem Absturz, das Weidevieh vor dem Versteigen und "Abkugeln" – wie das Abstürzen im Volksmund heißt – bewahrt werden. Bei Hochwettern droht die Gefahr von Plaiken und [[Mure]]n sowie nachfolgenden Verklausungen, die ihrerseits Bachausbrüche mit Überflutungen verursachen können. | |||
Neben diesen rational begründbaren Gefahren waren möglicherweise auch Reste alten Geister- und Aberglaubens der eigentliche Hintergrund solcher Warnungen. In diesen oft dunkel und unheimlich wirkenden, | |||
Um die während der landwirtschaftlichen Arbeit oft unbeaufsichtigten Kinder in Hofnähe zu hüten und vor unvorsichtigem Verhalten im Nahbereich gefährlicher Gräben zu bewahren, warnte man sie einst vor dem ''Grabenputz'' und der ''Habergeiß'' – grauslichen Schreckgestalten, die Kinder holen oder in den Abgrund reißen, wenn sie sich unfolgsam zu weit vom Haus entfernen. | |||
[[Theresia Oblasser]] erinnert sich daran, dass ihre Großmutter oft gegen Abend, wenn es dämmerte und aus dem nahen Graben der Ruf des | |||
Neben diesen rational begründbaren Gefahren waren möglicherweise auch Reste alten Geister- und Aberglaubens der eigentliche Hintergrund solcher Warnungen. In diesen oft dunkel und unheimlich wirkenden, unwegsamen Gräben standen ja insbesondere vor den modernen Möglichkeiten der Holzernte mittels Seilbringung jahrhundertealte Bäume, die vor Ort weder gefällt noch aufgearbeitet werden konnten. Diese beherbergten real und wohl auch in der Fantasie allerlei Getier, wie beispielsweise den Kauz, der als Totenvogel galt und im [[Unterpinzgau]] "Auwei" genannt wurde. Der Schrei des "Auwei" stand für die Schreckgestalt der kinderholenden ''Habergeiß''. Auch waren derart alte Bäume Zeitzeugen über Generationen von Menschen hinweg und mögen allerhand Dunkles "erlebt" und "in Erinnerung behalten" haben. | |||
[[Theresia Oblasser]] erinnert sich daran, dass ihre Großmutter oft gegen Abend, wenn es dämmerte und aus dem nahen Graben der Ruf des ''"Auwei"'' zu hören war, vor dem ''Grabenputz'' und vor der ''Habergeiß'' gewarnt hat, als würden sie die Kräfte der Finsternis und die ihr innewohnende vorchristliche Geisterwelt verkörpern. | |||
==Bildergalerie== | ==Bildergalerie== | ||
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Datei:Löhnersbachgraben vor Glemmtal und Saalachtal.jpg|Der [[Löhnersbachgraben]] in den [[Pinzgauer Grasberge]]n in der [[Grauwackenzone]]. | Datei:Löhnersbachgraben vor Glemmtal und Saalachtal.jpg|Der [[Löhnersbachgraben]] in den [[Pinzgauer Grasberge]]n in der [[Grauwackenzone]]. | ||
Datei:Dürnbachtal 2.jpg|Der [[Dürnbachgraben]] | Datei:Dürnbachtal 2.jpg|Der [[Dürnbachgraben]]; im Hintergrund das [[Obersulzbachtal]]. | ||
Datei:Exenbachgraben mit Haslingalm 3.jpg|Der [[Exenbachgraben]] in den [[Kitzbüheler Alpen]]. | Datei:Exenbachgraben mit Haslingalm 3.jpg|Der [[Exenbachgraben]] in den [[Kitzbüheler Alpen]]. | ||
Datei:Kreuzlehengraben 2.jpg|Der [[Kreuzlehengraben]]. Rechts die [[Schmittenhöhe]]. | Datei:Kreuzlehengraben 2.jpg|Der [[Kreuzlehengraben]]. Rechts die [[Schmittenhöhe]]. | ||
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Datei:Geschiebesperre im Grieser Graben.jpg|Massive Geschiebesperre im mittleren Teil des Grieser Grabens. | Datei:Geschiebesperre im Grieser Graben.jpg|Massive Geschiebesperre im mittleren Teil des Grieser Grabens. | ||
Datei:Schaidmoosgraben, Gries.jpg|Der untere Teil des [[Schaidmoosgraben]] oberhalb von [[Gries im Pinzgau]]. | Datei:Schaidmoosgraben, Gries.jpg|Der untere Teil des [[Schaidmoosgraben]] oberhalb von [[Gries im Pinzgau]]. | ||
Datei:Zeller Becken.jpg|Dieses vom [[Erlberg]] aufgenommene Bild ermöglicht einen guten Gesamtblick auf den [[Schüttbachgraben]]. Links ist die Trasse der Areithabfahrt gut erkennbar, rechts befindet sich der landwirtschaftlich genutzte Keilberg. | Datei:Zeller Becken.jpg|Dieses vom [[Erlberg (Zell am See)|Erlberg]] aufgenommene Bild ermöglicht einen guten Gesamtblick auf den [[Schüttbachgraben]]. Links ist die Trasse der Areithabfahrt gut erkennbar, rechts befindet sich der landwirtschaftlich genutzte Keilberg. | ||
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==Quellen== | ==Quellen== | ||
*Eigenartikel von [[Christina Nöbauer]] | * Eigenartikel von [[Christina Nöbauer]] | ||
*Duden, Band 10, Das Bedeutungswörterbuch, | * Duden, Band 10, *Das Bedeutungswörterbuch*, 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, hrsg. von der Dudenredaktion, Dudenverlag Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich 2002, S. 437 (Graben) und S. 878 (Tal) | ||
*Deutschsprachige Wikipedia, Stichwort ''Schlucht'' | * Deutschsprachige Wikipedia, Stichwort ''Schlucht'' | ||
*Deutschsprachige Wikipedia, Stichwort ''Tal'' | * Deutschsprachige Wikipedia, Stichwort ''Tal'' | ||
*Friedrich Kluge, ''Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache'', Walter de Gruyter & Co., Berlin 1989, S. 273 | * Friedrich Kluge, ''Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache'', Walter de Gruyter & Co., Berlin 1989, S. 273 | ||
*Karl Krainer, ''[[Nationalpark Hohe Tauern]] Geologie'', Universitätsverlag Carinthia, S. 135, | * [[Karl Krainer]], ''[[Nationalpark Hohe Tauern]] Geologie'', Universitätsverlag Carinthia, S. 135, hrsg. vom Nationalparkrat, Matrei in Osttirol 2005 | ||
*[[Theresia Oblasser|Oblasser, Theresia]] (Gespräch über die wirtschaftliche Nutzung von Gräben | * [[Theresia Oblasser|Oblasser, Theresia]] (Gespräch über die wirtschaftliche Nutzung von Gräben sowie über Gräben als Teil der "Anderswelt") | ||
*[[Josef Lahnsteiner|Lahnsteiner, Josef]], ''Unterpinzgau'', S. 267, Eigenverlag, Hollersbach 1960 | * [[Josef Lahnsteiner|Lahnsteiner, Josef]], ''Unterpinzgau'', S. 267, Eigenverlag, Hollersbach 1960 | ||
[[Kategorie:Geologie]] | [[Kategorie:Geologie]] | ||
[[Kategorie:Wissenschaft]] | |||
[[Kategorie:Geografie]] | [[Kategorie:Geografie]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Geografie (Begriff)]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Graben|!|]] | ||