Änderungen

364 Bytes hinzugefügt ,  07:08, 22. Jun. 2009
K
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 1: Zeile 1: −
==Matrei heute (in aller Kürze)==
   
{| cellpadding="2" style="float: right; width: 300px; background: #e3e3e3; margin-left: 1em; border: 1px solid #cccccc; border-spacing: 1px;"
 
{| cellpadding="2" style="float: right; width: 300px; background: #e3e3e3; margin-left: 1em; border: 1px solid #cccccc; border-spacing: 1px;"
 
! colspan="2" | Karte
 
! colspan="2" | Karte
Zeile 37: Zeile 36:  
'''Matrei in Osttirol''' ist ein Ort und eine Marktgemeinde, die im Nordens [[Osttirol]] liegt.  
 
'''Matrei in Osttirol''' ist ein Ort und eine Marktgemeinde, die im Nordens [[Osttirol]] liegt.  
   −
Die Marktgemeinde Matrei in Osttirol hat rund 5.000 Einwohner. Das Gemeindegebiet grenzt an das Land Salzburg, aus dem es den Verlauf der [[Felbertauerntunnel]]-Straße übernimmt. Es erstreckt sich über das gesamte Tauerntal und Teile des oberen Iseltals. Der Markt Matrei selbst liegt etwa 29 km nördlich von Lienz an der Einmündung des Tauernbaches in die Isel.
+
==Matrei heute ==
 +
Die Marktgemeinde Matrei in Osttirol hat rund 5.000 Einwohner. Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an das [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]], aus dem es den Verlauf der [[Felbertauerntunnel]]-Straße übernimmt. Es erstreckt sich über das gesamte Tauerntal und Teile des oberen Iseltals. Der Markt Matrei selbst liegt etwa 29 km nördlich von Lienz an der Einmündung des Tauernbaches in die Isel.
   −
Matrei ist Verwaltungssitz des [[Nationalpark Hohe Tauern|Nationalparks Hohe Tauern]]. Am westlichen Teil des Nationalparks mit der Venedigergruppe hat das Gemeindegebiet Matreis ebenso Anteil wie am östliche Teil mit der Granatspitzgruppe, die dazwischenliegenden, ua. dem Durchzugsverkehr oder als Siedlungsgebiet dienenden Teile des Gemeindegebietes sind nicht Teil des Nationalparks.
+
Matrei ist Verwaltungssitz des [[Nationalpark Hohe Tauern|Nationalparks Hohe Tauern]]. Am westlichen Teil des Nationalparks mit der [[Venedigergruppe]] hat das Gemeindegebiet Matreis ebenso Anteil wie am östliche Teil mit der Granatspitzgruppe, die dazwischen liegenden, u.a. dem Durchzugsverkehr oder als Siedlungsgebiet dienenden Teile des Gemeindegebietes sind nicht Teil des Nationalparks.
 
+
== Geografie ==  
<!-- == Geografie == -->
+
=== Geografische Lage ===
<!-- === Geografische Lage === -->
   
<!-- z. B. Landschaften, Berge, Flüsse etc -->
 
<!-- z. B. Landschaften, Berge, Flüsse etc -->
 +
Matrei befindet sich südlich des [[Alpenhauptkamm]]s der [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] in den [[Ostalpen]]. Es erstreckt sich über das gesamte Tauerntal und Teile des oberen Iseltals.
 
<!-- === Ausdehnung des Stadtgebiets === -->
 
<!-- === Ausdehnung des Stadtgebiets === -->
 
<!-- === Stadtgliederung === -->
 
<!-- === Stadtgliederung === -->
Zeile 50: Zeile 50:  
<!-- === Geologie === -->
 
<!-- === Geologie === -->
 
<!-- === Klima === -->
 
<!-- === Klima === -->
<!-- == Geschichte == -->
+
== Geschichte ==
 +
==== Matrei und Salzburg ====
 +
Matrei – damals noch „Windisch-Matrei“ oder „Windisch-Matrai“ – gehörte ab dem Beginn des 13. Jahrhunderts zum [[Erzbistum (Überblick)|Fürsterzbistum Salzburg]] und teilte das politische Schicksal des [[Bundesland Salzburg|Landes Salzburg]] noch bis 1810; nach der Niederringung Napoleons kam es zu Tirol.
 +
 
 +
Als Teil des Fürsterzbistums Salzburg bestand das Land- oder [[Pflegegericht]] Windisch-Matrei noch aus 28 Rotten oder Steuergemeinden, von denen 16 im heutigen Gemeindegebiet (Matrei-Markt und Matrei Land (so die spätere Bezeichnung der [[Katastralgemeinden im Land Salzburg| Katastralgemeinden]]) auch 12 im – vom Iseltal westwärts ansteigenden – Defereggental (das also nur teilweise zu Salzburg gehörte) liegen.
 +
 
 +
==== Namensgebung ====
 +
Der Ort Matrei wurde seit dem [[Mittelalter|Spätmittelalter]], zur Unterscheidung vom Ort Matrei am Brenner, als ''Windisch-Matrei'' bezeichnet. Diese Bezeichnung galt bis 1918.
 +
 
 +
==== Der Erwerb Matreis durch den Erzbischof von Salzburg ====
 +
Kirchlich gehörte Matrei seit der [[811]] durch Karl den Großen erfolgten Festlegung der Diözesangrenzen zum [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum Salzburg]], weltlich jedoch noch zum Herzogtum Kärnten, genauer zum Lurngau.
 +
 
 +
Eine Tochter des Grafen Wolfrat II.von Treffen, Wilbirgis, brachte bei ihrer Heirat mit dem Grafen Heinrich von Lechsgemünd, dessen Herrschaftsbereich im [[Oberpinzgau]] lag, die Besitzungen und Burgen von Lengberg und Matrei in die Ehe ein. Nach ihrem Tod verkaufte ihr Gatte all seine Besitzungen im Jahr [[1207]] für 2850 Mark Silber dem [[Salzburger Erzbischöfe|Salzburger Erzbischof]] [[Eberhard II. von Regensberg]]. Nur den Ertrag der Herrschaft Lengberg behielt Heinrich bis zu seinem Tod.
 +
 
 +
Nach dem Tod Heinrichs entbrannte zwischen Salzburg und Aquileia, Friaul, Italien, ein Streit um den Besitz u.a. von Matrei und Lengberg. Ein Schiedsgericht legte schließlich im Jahr [[1212]] fest, dass alle Güter der Kontrahenten an den jeweiligen Inhaber des Diözesangebiets übergehen sollten. Dadurch fielen Matrei und Lengberg, weil im Salzburger Diözesangebiet gelegen, an das [[Erzdiözese Salzburg|Erzbistum Salzburg]].
 +
 
 +
==== Matrei als Teil Salzburgs ====
 +
Matrei wurde durch die neue Zugehörigkeit zu Salzburg in eine Randposition gedrängt. Vom Salzburger Kernland war es durch den [[Felber Tauern]] abgetrennt, der nur wenige Monate im Jahr passierbar war. Die Beziehungen zum [[Tirol]]er Umland, das nun „Ausland“ war, wurden durch die Landesgrenze behindert.
 +
 
 +
Das Erzbistum hatte jedoch nicht nur die kirchliche und territoriale Hoheit, es stellte auch den größten Grundbesitzer in Matrei dar und besaß so viele Leibeigene, dass diese auf den eigenen Gütern nicht alle eingesetzt werden konnten. Als erzbischöfliche Verwalter werden um 1300 erstmals ein [[Pfleger|Pflegrichter]] und ein Amtmann<ref>siehe [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#U|Urbarbeamter]]</ref> genannt, die die Besitztümer des Erzstiftes verwalteten.
 +
 
 +
Die unterschiedlichen Besitzverhältnisse und Interessen brachten Mitte des [[13. Jahrhundert]]s aber auch Krieg und Verwüstung nach Matrei. [[Philipp von Spanheim]], seit [[1247]] Erwählter [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischof von Salzburg]], stand im Konflikt mit Kaiser Friedrich II. und dem kaisertreuen, u.a. im heutigen Osttirol begüterten Grafen Meinhard III. von Görz. Nach des Kaisers Tod wurde der Konflikt schließlich im Jahr [[1252]] durch den Frieden von Lieserhofen beigelegt, in dem Salzburg auch die Festung Virgen erhielt.
 +
 
 +
==== Der Markt Matrei ====
 +
Die Bürger des Marktes Matrei besaßen ab 1500 durch die Einführung des Marktrichteramtes eine gewisse Selbstverwaltung. Dieses Amt umfasste zwei [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kämmerer]] und drei bis acht Ausschussmitglieder, darunter später auch einige aus den umliegenden Rotten. Von den erwachsenen männlichen Bürgern wurde der Marktrichter (Bürgermeister) gewählt. [[1616]] hatte der Markt 30 Bürgerhäuser.
 +
 
 +
Der Landesherr wurde durch den Pflegrichter vertreten. Dieses Amt von 1721 bis 1804 von Mitgliedern der Familie [[Lasser zu Zollheim]] bekleidet. Die Familie Lasser baute auch den 1530 errichteten ''Amtskasten'' zu einem Gerichtsgebäude mit Gefängnis und Pferdestall um, woraufhin die Pflegeverwaltung vom Schloss in den Amtskasten wechselte.
 +
 
 +
==== Aufstände ====
 +
An den [[Salzburger Bauernaufstände und Bauernkriege|Bauernaufständen]] von [[1525]] beteiligten sich auch die Matreier. Während der örtliche Pfleger flüchten konnte, sperrte die Bevölkerung alle anderen Beamten im Schloss Weißenstein ein und plünderten Schloss und Amtshof. Der habsburgische Herrscher Ferdinand nützte die Gelegenheit und besetzte Matrei. Er anerkannte die Aufrührer, während diese ihm huldigten und so kurzfristig Tiroler wurden. Bereits im November [[1526 ]]musste die Tiroler Regierung jedoch die Herrschaft und das Schloss an den Erzbischof zurückgeben.
 +
 
 +
[[1645]] führte die Einführung einer Sondersteuer im [[Zillertal]] zu einem Aufstand, der sich auch auf Matrei ausbreitete. Auch [[1672]], [[1678]] und [[1685]] musste Salzburg Soldaten nach Matrei senden, um die Untertanen in die Schranken zu weisen. Zum größten Aufstand kam es jedoch zur Zeit des Spanischer Erbfolgekriegs. Nach schlechten Ernten, dem Versiegen der Erzvorkommen und einer starken Vermurung sahen sich die Bürger im Jahr [[1703]] außerstande, die Weihesteuer für den neuen [[Salzburger Dompröpste|Dompropst]] zu zahlen. Letztlich konnten ein Steuernachlass und ein gerechterer Steuerschlüssel erreicht werden.
 +
 
 +
==== Matrei während der Napoleonischen Kriege ====
 +
[[Datei:Tirol 1808.png|thumb|right|200px|Matrei als Teil Salzburgs am Beginn des 19. Jahrhunderts]]
 +
 
 +
Kurze Zeit später warfen bereits die Napoleonischen Kriege ihren Schatten auf Matrei. [[1797]] beteiligten sich die Matreier an der Abwehr des Franzoseneinfalls durch die Tiroler Schützen.
 +
 
 +
Nach der Säkularisierung von [[1803]] und dem Regierungsantritt des neuen Kurfürsten [[Ferdinand III.|Ferdinand (von Toskana)]] widersetzten sich die Matreier der Truppenrekrutierung, nur unter Zwang konnten vier der elf geforderten Rekruten nach Salzburg gebracht werden.
 +
 
 +
Mit Salzburg kam im Jahr [[1806]] auch Matrei zu Österreich, das im Gegenzug Tirol an Bayern abtreten musste.
 +
 
 +
[[1809]] erklärte Österreich Frankreich (abermals) den Krieg. Ein Teil des Kriegsgeschehens bildete der Tiroler Freiheitskampf, von dem die Tiroler die Rückkehr nach Österreich erhofften.
 +
 
 +
Im November und Dezember 1809 verlagerten sich die letzten Gefechte nach Osttirol. Der Matreier Pflegsverwalter Ägidius Kienberger versuchte, die Matreier aus dem herannahenden Kampfgeschehen herauszuhalten, was ihm jedoch nicht gelang. Am [[24. Dezember]] drangen die Franzosen schließlich in Matrei ein und bezogen Quartier im Ort. Da man der gesuchten Schützenführer [[Anton Wallner]] und [[Johann Panzl]] nicht habhaft werden konnte, richtete man stattdessen am [[29. Dezember]] Franz Obersamer und Johann Weber hin.
 +
 
 +
Nachdem Österreich in diesem Krieg (abermals) Napoleon unterlegen war, trennten sich die Wege Salzburgs und Matreis. Napoleon ließ sich unter anderem Salzburg und Kärnten abtreten, wobei er Salzburg gegen Gebiete einzutauschen wünschte, die seinem Verbündeten [[Bayern]] gehörten. Im diesen Gebietsabtausch regelnden Vertrag von Paris gab Bayern u.a. den östlichen Teil auf, und dieser wurde mit Matrei, Kärnten und noch weiter südöstlich gelegenen, von Österreich abgetretenen Gebieten zu den Illyrischen Provinzen Frankreichs vereinigt.
 +
 
 +
Damit endet nach sechs Jahrhunderten auch die Zugehörigkeit Matreis zu Salzburg. Matrei wurde 1813 durch österreichische Truppen von der französischen Herrschaft befreit und durch den Wiener Kongress 1815 endgültig Österreich zugesprochen; Kaiser Franz vereinigte es mit Tirol. Salzburg blieb noch bis 1816 bei Bayern.
 
<!-- === Religionen === -->
 
<!-- === Religionen === -->
 
<!-- === Bevölkerungsentwicklung ===  
 
<!-- === Bevölkerungsentwicklung ===  
Zeile 126: Zeile 174:  
<!-- == Literatur == -->
 
<!-- == Literatur == -->
 
<!-- == Sonstiges == -->
 
<!-- == Sonstiges == -->
  −
== Matrei und Salzburg ==
  −
Matrei – damals noch „Windisch-Matrei“ oder „Windisch-Matrai“ – gehörte ab dem Beginn des 13. Jahrhunderts zum [[Erzbistum (Überblick)|Fürsterzbistum Salzburg]] und teilte das politische Schicksal des [[Bundesland Salzburg|Landes Salzburg]] noch bis 1810; nach der Niederringung Napoleons kam es zu Tirol.
  −
  −
Als Teil des Fürsterzbistums Salzburg bestand das Land- oder Pfleggericht Windisch-Matrei noch aus 28 Rotten oder Steuergemeinden, von denen 16 im heutigen Gemeindegebiet (Matrei-Markt und Matrei Land (so die spätere Bezeichnung der [[Katastralgemeinden im Land Salzburg| Katastralgemeinden]]) auch 12 im – vom Iseltal westwärts ansteigenden –Defereggental (das also nur teilweise zu Salzburg gehörte) liegen.
  −
  −
=== Namensgebung ===
  −
Der Ort Matrei wurde seit dem Spätmittelalter, zur Unterscheidung vom Ort Matrei am Brenner, als Windisch-Matrei bezeichnet. Diese Bezeichnung galt bis 1918.
  −
  −
=== Der Erwerb Matreis durch den Erzbischof von Salzburg ===
  −
Kirchlich gehörte Matrei seit der 811 durch Karl den Großen erfolgten Festlegung der Diözesangrenzen zum Erzbistum Salzburg, weltlich jedoch noch zum Herzogtum Kärnten, genauer zum Lurngau.
  −
  −
Eine Tochter des Grafen Wolfrat II.von Treffen, Wilbirgis, brachte bei ihrer Heirat mit dem Grafen Heinrich von Lechsgemünd, dessen Herrschaftsbereich im [[Oberpinzgau]] lag, die Besitzungen und Burgen von Lengberg und Matrei in die Ehe ein. Nach ihrem Tod verkaufte ihr Gatte all seine Besitzungen im Jahr 1207 für 2850 Mark Silber dem [[Salzburger Erzbischöfe|Salzburger Erzbischof]] [[Eberhard II. von Regensberg]]. Nur den Ertrag der Herrschaft Lengberg behielt Heinrich bis zu seinem Tod.
  −
  −
Nach dem Tod Heinrichs entbrannte zwischen Salzburg und Aquileia ein Streit um den Besitz ua. von Matrei und Lengberg. Ein Schiedsgericht legte schließlich im Jahr 1212 fest, dass alle Güter der Kontrahenten an den jeweiligen Inhaber des Diözesangebiets übergehen sollten. Dadurch fielen Matrei und Lengberg, weil im Salzburger Diözesangebiet gelegen, an das [[Erzdiözese Salzburg|Erzbistum Salzburg]].
  −
  −
=== Matrei als Teil Salzburgs ===
  −
Matrei wurde durch die neue Zugehörigkeit zu Salzburg in eine Randposition gedrängt. Vom Salzburger Kernland war es durch den [[Felber Tauern]] abgetrennt, der nur wenige Monate im Jahr passierbar war. Die Beziehungen zum [[Tirol]]er Umland, das nun „Ausland“ war, wurden durch die Landesgrenze behindert.
  −
  −
Das Erzbistum hatte jedoch nicht nur die kirchliche und territoriale Hoheit, es stellte auch den größten Grundbesitzer in Matrei dar und besaß so viele Leibeigene, dass diese auf den eigenen Gütern nicht alle eingesetzt werden konnten. Als erzbischöfliche Verwalter werden um 1300 erstmals ein [[Pfleger|Pflegrichter]] und ein Amtmann ([[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#U|Urbarbeamter]]) genannt, die die Besitztümer des Erzstiftes verwalteten.
  −
  −
Die unterschiedlichen Besitzverhältnisse und Interessen brachten Mitte des 13. Jahrhunderts aber auch Krieg und Verwüstung nach Matrei. [[Philipp von Spanheim]], seit 1247 Erwählter [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischof von Salzburg]], stand im Konflikt mit Kaiser Friedrich II. und dem kaisertreuen, u.a. im heutigen Osttirol begüterten Grafen Meinhard III. von Görz. Nach des Kaisers Tod wurde der Konflikt schließlich im Jahr 1252 durch den Frieden von Lieserhofen beigelegt, in dem Salzburg auch die Festung Virgen erhielt.
  −
  −
=== Der Markt Matrei ===
  −
Die Bürger des Marktes Matrei besaßen ab 1500 durch die Einführung des Marktrichteramtes eine gewisse Selbstverwaltung. Dieses Amt umfasste zwei [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kämmerer]] und drei bis acht Ausschussmitglieder, darunter später auch einige aus den umliegenden Rotten. Von den erwachsenen männlichen Bürgern wurde der Marktrichter (Bürgermeister) gewählt. 1616 hatte der Markt 30 Bürgerhäuser.
  −
  −
Der Landesherr wurde durch den Pflegrichter vertreten. Dieses Amt von 1721 bis 1804 von Mitgliedern der Familie [[Lasser zu Zollheim]] bekleidet. Die Familie Lasser baute auch den 1530 errichteten ''Amtskasten'' zu einem Gerichtsgebäude mit Gefängnis und Pferdestall um, woraufhin die Pflegeverwaltung vom Schloss in den Amtskasten wechselte.
  −
  −
  −
=== Aufstände ===
  −
An den [[Salzburger Bauernaufstände und Bauernkriege|Bauernaufständen von 1525 beteiligten sich auch die Matreier. Während der örtliche Pfleger flüchten konnte, sperrte die Bevölkerung alle anderen Beamten im Schloss Weißenstein ein und plünderten Schloss und Amtshof. Der habsburgische Herrscher Ferdinand nützte die Gelegenheit und besetzte Matrei. Er anerkannte die Aufrührer, während diese ihm huldigten und so kurzfristig Tiroler wurden. Bereits im November 1526 musste die Tiroler Regierung jedoch die Herrschaft und das Schloss an den Erzbischof zurückgeben.
  −
  −
1645 führte die Einführung einer Sondersteuer im [[Zillertal]] zu einem Aufstand, der sich auch auf Matrei ausbreitete. Auch 1672, 1678 und 1685 musste Salzburg Soldaten nach Matrei senden, um die Untertanen in die Schranken zu weisen. Zum größten Aufstand kam es jedoch zur Zeit des Spanischer Erbfolgekriegs. Nach schlechten Ernten, dem Versiegen der Erzvorkommen und einer starken Vermurung sahen sich die Bürger im Jahr 1703 außerstande, die Weihesteuer für den neuen [[Salzburger Dompröpste|Dompropst]] zu zahlen. Letztlich konnten ein Steuernachlass und ein gerechterer Steuerschlüssel erreicht werden.
  −
  −
=== Matrei während der Napoleonischen Kriege ===
  −
[[Datei:Tirol 1808.png|thumb|right|200px|Matrei als Teil Salzburgs am Beginn des 19. Jahrhunderts]]
  −
  −
Kurze Zeit später warfen bereits die Napoleonischen Kriege ihren Schatten auf Matrei. 1797 beteiligten sich die Matreier an der Abwehr des Franzoseneinfalls durch die Tiroler Schützen.
  −
  −
Nach der Säkularisierung von 1803 und dem Regierungsantritt des neuen Kurfürsten [[Ferdinand III.|Ferdinand (von Toskana)]] widersetzten sich die Matreier der Truppenrekrutierung, nur unter Zwang konnten vier der elf geforderten Rekruten nach Salzburg gebracht werden.
  −
  −
Mit Salzburg kam im Jahr 1806 auch Matrei zu Österreich, das im Gegenzug Tirol an Bayern abtreten musste.
  −
  −
1809 erklärte Österreich Frankreich (abermals) den Krieg. Ein Teil des Kriegsgeschehens bildete der Tiroler Freiheitskampf, von dem die Tiroler die Rückkehr nach Österreich erhofften.
  −
  −
Im November und Dezember 1809 verlagerten sich die letzten Gefechte nach Osttirol. Der Matreier Pflegsverwalter Ägidius Kienberger versuchte, die Matreier aus dem herannahenden Kampfgeschehen herauszuhalten, was ihm jedoch nicht gelang. Am 24. Dezember drangen die Franzosen schließlich in Matrei ein und bezogen Quartier im Ort. Da man der gesuchten Schützenführer [[Anton Wallner]] und [[Johann Panzl]] nicht habhaft werden konnte, richtete man stattdessen am 29. Dezember Franz Obersamer und Johann Weber hin.
  −
  −
Nachdem Österreich in diesem Krieg (abermals) Napoleon unterlegen war, trennten sich die Wege Salzburgs und Matreis. Napoleon ließ sich unter anderem Salzburg und Kärnten abtreten, wobei er Salzburg gegen Gebiete einzutauschen wünschte, die seinem Verbündeten [[Bayern]] gehörten. Im diesen Gebietsabtausch regelnden Vertrag von Paris gab Bayern u.a. den östlichen Teil auf, und dieser wurde mit Matrei, Kärnten und noch weiter südöstlich gelegenen, von Österreich abgetretenen Gebieten zu den Illyrischen Provinzen Frankreichs vereinigt.
  −
  −
Damit endet nach sechs Jahrhunderten auch die Zugehörigkeit Matreis zu Salzburg. Matrei wurde 1813 durch österreichische Truppen von der französischen Herrschaft befreit und durch den Wiener Kongress 1815 endgültig Österreich zugesprochen; Kaiser Franz vereinigte es mit Tirol. Salzburg blieb noch bis 1816 bei Bayern.
  −
   
== Quellen ==
 
== Quellen ==
 
Die historischen Ausführungen sind eine sehr gestraffte Fassung des Wikipedia-Artikels „Geschichte_Matreis_in_Osttirol".
 
Die historischen Ausführungen sind eine sehr gestraffte Fassung des Wikipedia-Artikels „Geschichte_Matreis_in_Osttirol".