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| | [[Datei:Gebietsabgrenzungskarte-Rupertiwinkel.png|thumb|right|Gebietsabgrenzungskarte Rupertiwinkel]] | | [[Datei:Gebietsabgrenzungskarte-Rupertiwinkel.png|thumb|right|Gebietsabgrenzungskarte Rupertiwinkel]] |
| | [[Datei:Rupertiwinkel Teil des Erzstift Salzburg.gif|thumb|Rupertiwinkel, Teil des Erzstift Salzburg, alte Karte]] | | [[Datei:Rupertiwinkel Teil des Erzstift Salzburg.gif|thumb|Rupertiwinkel, Teil des Erzstift Salzburg, alte Karte]] |
| − | [[Datei:Neue Karte Salzburggau.jpg|thumb|Landkarte der Burgen und Herrschaftsbereiche im nördlichen Salzburggau im Hochmittelalter]] | + | [[Datei:Neue Karte Salzburggau.jpg|thumb|Landkarte der Burgen und Herrschaftsbereiche im nördlichen [[Salzburggau]] im Hochmittelalter]] |
| | [[Datei:Rainbichl 11.05.2017.JPG|thumb|Hier vom Rainbichl in Tyrlaching kann man bei klarer Sicht den gesamten Rupertiwinkel überblicken]] | | [[Datei:Rainbichl 11.05.2017.JPG|thumb|Hier vom Rainbichl in Tyrlaching kann man bei klarer Sicht den gesamten Rupertiwinkel überblicken]] |
| | [[Datei:Ausblick vom Hochstaufen in den Rupertiwinkel.jpg|thumb|Ausblick vom Hochstaufen in den Rupertiwinkel]] | | [[Datei:Ausblick vom Hochstaufen in den Rupertiwinkel.jpg|thumb|Ausblick vom Hochstaufen in den Rupertiwinkel]] |
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| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| − | Ab dem [[6. Jahrhundert]] gehörte das Gebiet des [[Salzburggau]]s zum Herzogtum Bayern. Nach dem Sturz des Herzogshauses der Agilolfinger [[788]], und der Eingliederung Bayerns in das Frankenreich teilte man das Land in Grafschaften ein, die von Grafen geleitet wurden. Im Auftrag des Königs hatten die Grafen vor allem für militärischen Schutz, die Rechtsprechung und die Einhebung der Steuern zu sorgen. Im Salzburggau gab es im [[Mittelalter|Hochmittelalter]] mehrere Grafschaften: Das Adelsgeschlecht der [[Grafen von Plain]], ihre Stammburg war die [[Plainburg]] bei [[Großgmain]], war ab ungefähr 1100 mit der Grafschaft im oberen (südlichen) Salzburggau belehnt. Diese Grafschaft umfasste den südlichen Teil des heutigen Rupertiwinkels, westlich und südlich des Waginger Sees, das Gebiet südlich der [[Stadt Salzburg]] und das [[Salzachtal]] bis zum [[Pass Lueg]]. Nördlich davon, im unteren Salzburggau, hatten die [[Grafen von Lebenau]] ab [[1104]] eine Grafschaft inne. Sie stammten aus dem Geschlecht der mächtigen [[Spanheimer]] und nannten sich nach der [[Burg Lebenau (Laufen)]] bei [[Laufen]]. Ihre Grafschaft erstreckte sich über die nördliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels, nördlich und östlich des Waginger Sees und den Nordwesten des heutigen Flachgaus. Daneben gab es im [[Reichenhaller Becken|Reichenhaller Tal]] die nur auf die Stadt bezogene [[Hallgrafschaft]] und die ältere [[Grafschaft Reichenhall]], aus der sich später das [[Pflegegericht]] Reichenhall entwickelt hat. Südlich des [[Untersberg]]s wurde [[1102]] das [[Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden]] gegründet, das sich im Laufe der Zeit von den Plainer Grafen, welche die Hochgerichtsrechte über das Berchtesgadener Tal besaßen, unabhängig machen konnte. | + | Ab dem [[6. Jahrhundert]] gehörte das Gebiet des [[Salzburggau]]s zum Herzogtum Bayern. Nach dem Sturz des Herzogshauses der Agilolfinger [[788]], und der Eingliederung Bayerns in das Frankenreich teilte man das Land in Grafschaften ein, die von Grafen geleitet wurden. Im Auftrag des Königs hatten die Grafen vor allem für militärischen Schutz, die Rechtsprechung und die Einhebung der Steuern zu sorgen. Im [[Salzburggau]] gab es im [[Mittelalter|Hochmittelalter]] mehrere Grafschaften: Das Adelsgeschlecht der [[Grafen von Plain]], ihre Stammburg war die [[Plainburg]] bei [[Großgmain]], war ab ungefähr 1100 mit der Grafschaft im oberen (südlichen) Salzburggau belehnt. Diese Grafschaft umfasste den südlichen Teil des heutigen Rupertiwinkels, westlich und südlich des Waginger Sees, das Gebiet südlich der [[Stadt Salzburg]] und das [[Salzachtal]] bis zum [[Pass Lueg]]. Nördlich davon, im unteren Salzburggau, hatten die [[Grafen von Lebenau]] ab [[1104]] eine Grafschaft inne. Sie stammten aus dem Geschlecht der mächtigen [[Spanheimer]] und nannten sich nach der [[Burg Lebenau (Laufen)]] bei [[Laufen]]. Ihre Grafschaft erstreckte sich über die nördliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels, nördlich und östlich des Waginger Sees und den Nordwesten des heutigen Flachgaus. Daneben gab es im [[Reichenhaller Becken|Reichenhaller Tal]] die nur auf die Stadt bezogene [[Hallgrafschaft]] und die ältere [[Grafschaft Reichenhall]], aus der sich später das [[Pflegegericht]] Reichenhall entwickelt hat. Südlich des [[Untersberg]]s wurde [[1102]] das [[Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden]] gegründet, das sich im Laufe der Zeit von den Plainer Grafen, welche die Hochgerichtsrechte über das Berchtesgadener Tal besaßen, unabhängig machen konnte. |
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| | === Ablösung von Bayern === | | === Ablösung von Bayern === |
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| | Zwischen [[1816]] und [[1821]]/1822 wurden die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Das südostbayerische Gebiet, welches seit jeher kirchlich zur [[Erzdiözese Salzburg]] gehört hatte, fiel nun in die Zuständigkeit des [[Erzbistum München und Freising|Erzbistums München und Freising]].<ref>Quelle [[Andreas Hirsch]], [[Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung|Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e.V.]] per E-Mail am 22. Juli 2018 an Admin [[Benutzer:Peter Krackowizer]]</ref> | | Zwischen [[1816]] und [[1821]]/1822 wurden die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Das südostbayerische Gebiet, welches seit jeher kirchlich zur [[Erzdiözese Salzburg]] gehört hatte, fiel nun in die Zuständigkeit des [[Erzbistum München und Freising|Erzbistums München und Freising]].<ref>Quelle [[Andreas Hirsch]], [[Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung|Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e.V.]] per E-Mail am 22. Juli 2018 an Admin [[Benutzer:Peter Krackowizer]]</ref> |
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| − | Einen rasanten Aufschwung erlebte der kleine Ort [[Salzburghofen]] (später Freilassing), der nun als Grenzort zum Sitz eines Oberzollamtes wurde. Spätestens seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke München – Salzburg – Wien (1860) war Freilassing als Grenzbahnhof und Verkehrsknotenpunkt auf dem besten Weg, die Wirtschaftsmetropole des Rupertiwinkels zu werden. Der Begriff „Rupertiwinkel“ für das ehemals salzburgische Gebiet entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als man sich verstärkt der Pflege des Geschichts- und Heimatbewusstseins widmete. Damals wurden auch der sog. „Salzburggau“ in „Flachgau“ und „Tennengau“ geteilt und umbenannt - in Anlehnung an die mittelalterlichen Landschaftsbezeichnungen „Pinzgau“, „Pongau“ und „Lungau“. Die später aufgekommene Bezeichnung „Rupertigau“ erinnert an die Vorliebe für Neuschöpfungen von Gau-Namen in der Zeit des Faschismus und trägt zusätzlich zur Verwirrung um das Wesen des altsalzburgischen Gebiets bei. | + | Einen rasanten Aufschwung erlebte der kleine Ort [[Salzburghofen]] (später Freilassing), der nun als Grenzort zum Sitz eines Oberzollamtes wurde. Spätestens seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke München – Salzburg – Wien (1860) war Freilassing als Grenzbahnhof und Verkehrsknotenpunkt auf dem besten Weg, die Wirtschaftsmetropole des Rupertiwinkels zu werden. Der Begriff „Rupertiwinkel“ für das ehemals salzburgische Gebiet entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als man sich verstärkt der Pflege des Geschichts- und Heimatbewusstseins widmete. Damals wurden auch der Salzburggau in [[Flachgau]] und [[Tennengau]] geteilt und umbenannt - in Anlehnung an die mittelalterlichen Landschaftsbezeichnungen [[Pinzgau]], [[Pongau]] und [[Lungau]]. Die später aufgekommene Bezeichnung „Rupertigau“ erinnert an die Vorliebe für Neuschöpfungen von Gau-Namen in der Zeit des Faschismus und trägt zusätzlich zur Verwirrung um das Wesen des altsalzburgischen Gebiets bei. |
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| | === Historische Grenzen === | | === Historische Grenzen === |