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| | [[Datei:Zwerg mit dem Spaten und Beule am Kopf 2018 Zwergelgarten.jpg|thumb|Zwerg mit dem Spaten (Detail)]] | | [[Datei:Zwerg mit dem Spaten und Beule am Kopf 2018 Zwergelgarten.jpg|thumb|Zwerg mit dem Spaten (Detail)]] |
| | [[Datei:Zwerg die Pallonespieler 2018 Zwergelgarten.jpg |thumb|Die Pallonespieler]] | | [[Datei:Zwerg die Pallonespieler 2018 Zwergelgarten.jpg |thumb|Die Pallonespieler]] |
| − | Der '''Zwergelgarten''' ist ein Teil des [[Mirabellgarten]]s in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] von [[Salzburg]]. | + | Der '''Zwergelgarten''', ursprünglicher Name "''Pigatlgarten''", ist ein Teil des [[Mirabellgarten]]s in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] von [[Salzburg]]. |
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| | In Abstimmung mit dem [[Bundesdenkmalamt]] hat die Gartenhistorikerin [[Barbara Bacher]] lange an der derzeitigen Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge als sichtbaren Kreis, d.h. aus einer mittleren kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben, oder diese sechs Zwerge abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Harald Preuner]] ([[ÖVP]]).<ref>Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hat-ein-herz-fuer-zwergerl-28113337 www.sn.at/salzburg/chronik], online, abgefragt am 20. Mai 2018</ref> | | In Abstimmung mit dem [[Bundesdenkmalamt]] hat die Gartenhistorikerin [[Barbara Bacher]] lange an der derzeitigen Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge als sichtbaren Kreis, d.h. aus einer mittleren kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben, oder diese sechs Zwerge abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Harald Preuner]] ([[ÖVP]]).<ref>Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hat-ein-herz-fuer-zwergerl-28113337 www.sn.at/salzburg/chronik], online, abgefragt am 20. Mai 2018</ref> |
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| | Am [[25. Mai]] [[2018]] wurde der neu arrangierte Zwergelgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet, die fachliche Erläuterung der einzelnen Zwerge erfolgte durch Dr. [[Reinhard Medicus]].<ref name="SN"></ref> <ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/bildung_kultur/altstadt_und_tourismus/schloss_mirabell_areal/zwergelgarten_bastionsgarten_wasserbastei/zwergerlgarten_neu_angelegt_468174.htm www.stadt-salzburg.at]</ref> Erkennbare nähere Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwergeausstellung nicht zu erkennen. Die Gestaltung der Wasserbastei als große Schotterfläche mit einer sterilen mittigen Rasenfläche ist nur bedingt als "Garten" ansprechbar. Auch hier bleibt daher mittelfristig ein Handlungsbedarf bestehen. | | Am [[25. Mai]] [[2018]] wurde der neu arrangierte Zwergelgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet, die fachliche Erläuterung der einzelnen Zwerge erfolgte durch Dr. [[Reinhard Medicus]].<ref name="SN"></ref> <ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/bildung_kultur/altstadt_und_tourismus/schloss_mirabell_areal/zwergelgarten_bastionsgarten_wasserbastei/zwergerlgarten_neu_angelegt_468174.htm www.stadt-salzburg.at]</ref> Erkennbare nähere Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwergeausstellung nicht zu erkennen. Die Gestaltung der Wasserbastei als große Schotterfläche mit einer sterilen mittigen Rasenfläche ist nur bedingt als "Garten" ansprechbar. Auch hier bleibt daher mittelfristig ein Handlungsbedarf bestehen. |
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| − | Mythen von Zwergen reichen tief in die Vorgeschichte. Schon im Altertum umgaben sich zur Unterhaltung Herrscher gerne mit kleinwüchsigen oder missgebildeten Menschen.Sie wurden in der Renaissance wieder häufig an Fürstenhöfen angestellt. Besonders geschätzt war etwa der Hofzwerg Kaiser Karls IV, Jakob Ries. In Salzburg war während der Regentschaften von Johann Ernst von Thun, Franz Anton von Harrach, Leopold Anton von Firmian und Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn der Hofzwerg Josef Friedrich von Meichelböck (1687–1746) angesehen und beliebt. | + | Mythen von Zwergen reichen tief in die Vorgeschichte. Schon im Altertum umgaben sich zur Unterhaltung Herrscher gerne mit kleinwüchsigen oder missgebildeten Menschen. Sie wurden in der [[Renaissance]] wieder häufig an Fürstenhöfen angestellt. Besonders geschätzt war etwa der Hofzwerg Kaiser Karls IV, Jakob Ries. In Salzburg war während der Regentschaften von [[Johann Ernst Graf von Thun]], [[Franz Anton Fürst Harrach]], [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] und [[Jakob Ernst Graf Liechtenstein|Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn]] der Hofzwerg Josef Friedrich von Meichelböck (1687–1746) angesehen und beliebt. |
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| − | Weitum bekannt und berühmt wurden in der Folge die Karikaturen von Jacques Callot, dem Hofmaler von Cosimo II am Hofe zu Florenz. Callot sah am Hof 1612 bis 1621 mehrfach Aufführungen der Zwergenkomödianten-Truppe. Der Künstler zeigt Musikanten, Bettler und Trinker mit Buckel oder dickem Bauch. Auch Figuren des Stegreiftheaters Commedia dell´arte werden aufgegriffen. Der Schöpfer der „varie figure gobbi“ wie er seine 24 Zwergengestalten nannte, wurde angeregt durch zahllose Feste, bei denen Turniere und Schauspiele von Kleinwüchsigen dargeboten wurden. Die Karikaturen Callots waren europaweit ein unglaublicher Erfolg. | + | Weitum bekannt und berühmt wurden in der Folge die Karikaturen von Jacques Callot, dem Hofmaler von Cosimo II am Hofe in Florenz. Callot sah am Hof 1612 bis 1621 mehrfach Aufführungen der Zwergenkomödianten-Truppe. Der Künstler zeigt Musikanten, Bettler und Trinker mit Buckel oder dickem Bauch. Auch Figuren des Stegreiftheaters ''Commedia dell´arte'' werden aufgegriffen. Der Schöpfer der „''varie figure gobbi''“ wie er seine 24 Zwergengestalten nannte, wurde angeregt durch zahllose Feste, bei denen Turniere und Schauspiele von Kleinwüchsigen dargeboten wurden. Die Karikaturen Callots waren europaweit ein unglaublicher Erfolg. |
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| − | Als Pigatlgarten bzw. Zwergelgarten wird seit der Barockzeit der Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet, auch denn die Salzburger Zwerge derzeit auf dieser Bastion aufgestellt sind. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen Springbrunnen, umgeben war von vier kleinen runden Brunnen, einst „Wasserstücke“ genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf „Gartenstücken“ in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren. | + | Als ''Pigatlgarten'', so der ursprüngliche Name des Zwergelgartens, wird seit der Barockzeit der Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet, auch wenn die Salzburger Zwerge derzeit auf dieser Bastion aufgestellt sind. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen Springbrunnen, umgeben war von vier kleinen runden Brunnen, einst „Wasserstücke“ genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf „Gartenstücken“ in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren. |
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| − | Die Darstellung von Türken-Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist sehr verständlich. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten mit. Seit den Jahren nach 1470, d. h. über 200 Jahre hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Gefahr für das Erzbistum dargestellt. Nun traute sich Erzbischof Jophann Ernst Graf Thun militärische Anlagen im Nahbereich des Mirabellgartens zu Gärten umzugestalten, auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des Kapuzinerberges aufgelassen. | + | Die Darstellung von Türken-Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist sehr verständlich. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten mit. Seit den Jahren nach 1470, d. h. über 200 Jahre hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Gefahr für das [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum]] dargestellt. Nun traute sich Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun militärische Anlagen im Nahbereich des Mirabellgartens zu Gärten umzugestalten. Auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des [[Kapuzinerberg]]es aufgelassen. |
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| − | Der erste Beleg für den Bestand eines Zwergengartens in Salzburg liegt erst in den Jahren nach 1710 vor. Aus dieser Zeit gibt es aber keinerlei Hinweise auf eine Gartenneugestaltung. Zahlreiche Indizien lassen eine Entstehung im Rahmen des Gesamtkonzeptes Fischer von Erlachs schon kurz nach 1690 überaus schlüssig erscheinen. | + | Der erste Beleg für den Bestand eines Zwergengartens in Salzburg liegt erst in den Jahren nach 1710 vor. Aus dieser Zeit gibt es aber keinerlei Hinweise auf eine Gartenneugestaltung. Zahlreiche Indizien lassen eine Entstehung im Rahmen des Gesamtkonzeptes Fischer von Erlachs schon kurz nach 1690 überaus schlüssig erscheinen: |
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| − | * Die 28 marmornen Götter- und Heldenfiguren (ohne den später entfernten 8 kleinen Tritonen) im Mirabellgarten stehen 28 Zwerge im Zwergelgarten gegenüber. | + | * Die 28 marmornen Götter- und Heldenfiguren (ohne den später entfernten acht kleinen Tritonen) im Mirabellgarten stehen 28 Zwerge im Zwergelgarten gegenüber. |
| | * Die Zwerge bilden das Gegenstück zur antiken Götterwelt des Mirabellgartens und auch zum Riesen Anthäus, den Herkules bezwingt. | | * Die Zwerge bilden das Gegenstück zur antiken Götterwelt des Mirabellgartens und auch zum Riesen Anthäus, den Herkules bezwingt. |
| | * Die Theaterzwerge konnten das Spiel der Komödianten des direkt südlich anschließenden Heckentheaters weiterführen. | | * Die Theaterzwerge konnten das Spiel der Komödianten des direkt südlich anschließenden Heckentheaters weiterführen. |
| | * Die Marmorvase des Aprilzwerges ist in einfacher Form aus der Formenfülle der Vasen Fischer von Erlachs entnommen. | | * Die Marmorvase des Aprilzwerges ist in einfacher Form aus der Formenfülle der Vasen Fischer von Erlachs entnommen. |
| − | * Im heiteren Garten des Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen. Dies sollte in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden. | + | * Im heiteren Garten des Fürsterzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen. Dies sollte in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden. |
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| | Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ ist: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde dann betont, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten gemäß dem Volksglauben symbolisch alles Böse fernhalten. | | Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ ist: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde dann betont, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten gemäß dem Volksglauben symbolisch alles Böse fernhalten. |