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Für die Salzburger Landesgeschichte konnte salzburgwiki wissenschaftliche Mitarbeiter gewinnen. Universitätsprofessor [[Heinz Dopsch]], der an der Universität Salzburg lehrt und zu den profiliertesten Kennern der Geschichte unseres Bundeslandes zählt, hat nicht nur einen ersten Grundtext über die Landesgeschichte für salzburgwiki verfasst, er und sein Team werden künftig auch die von den Salzburgerinnen und Salzburgern getätigten Einträge auf Professionalität und Wahrheitsgehalt prüfen.
 
Für die Salzburger Landesgeschichte konnte salzburgwiki wissenschaftliche Mitarbeiter gewinnen. Universitätsprofessor [[Heinz Dopsch]], der an der Universität Salzburg lehrt und zu den profiliertesten Kennern der Geschichte unseres Bundeslandes zählt, hat nicht nur einen ersten Grundtext über die Landesgeschichte für salzburgwiki verfasst, er und sein Team werden künftig auch die von den Salzburgerinnen und Salzburgern getätigten Einträge auf Professionalität und Wahrheitsgehalt prüfen.
      
==Einleitung==  
 
==Einleitung==  
Die [[Salzburg|Stadt Salzburg]], die auch dem Land den Namen gab, hat im 20. Jahrhundert durch ihre [[Salzburger Festspiele|Festspiele]] Weltruf erlangt. Das vom Stil des Barock geprägte Stadtbild, beherrscht vom [[Dom]] und den zahlreichen Kirchen, hat der Stadt den Beinamen "deutsches Rom" eingetragen. Unter den österreichischen Bundesländern kommt Salzburg in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung zu: Es kann auf die längste Periode eigener "Staatlichkeit" zurückblicken, die unter der Herrschaft der [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischöfe]] als geistlichen Fürsten ein Jahrtausend lang währte.  
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Die [[Salzburg|Stadt Salzburg]], die auch dem Land den Namen gab, hat im [[20. Jahrhundert]] durch ihre [[Salzburger Festspiele|Festspiele]] Weltruf erlangt. Das vom Stil des Barock geprägte Stadtbild, beherrscht vom [[Dom]] und den zahlreichen Kirchen, hat der Stadt den Beinamen "deutsches Rom" eingetragen. Unter den österreichischen Bundesländern kommt Salzburg in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung zu: Es kann auf die längste Periode eigener "Staatlichkeit" zurückblicken, die unter der Herrschaft der [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischöfe]] als geistlichen Fürsten ein Jahrtausend lang währte.  
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Schon im 8. Jahrhundert wurde Salzburg zum ältesten und bedeutendsten Zentrum der Kunst und Kultur im Ostalpenraum, wo Meisterwerke der Goldschmiedekunst und der Buchmalerei aber auch die ältesten geschichtlichen Aufzeichnungen auf dem Boden des heutigen Österreich entstanden. Nicht nur Kärnten und die Steiermark, sondern auch der Wiener Raum haben aus Salzburg das Christentum empfangen. Schließlich ist in keiner anderen Stadt Österreichs die römische Vergangenheit in einer solchen Dichte präsent wie in Salzburg. Wo immer ein neues Bauwerk im Bereich der [[Altstadt]] entsteht, fördert zunächst der Spaten des Archäologen die Zeugnisse der Antike zutage. Es lohnt sich daher, einen Blick hinter die prachtvolle Fassade auf die reiche Geschichte zu werfen, um die Schönheit von Stadt und Land nicht nur zu bewundern, sondern auch in ihrem Ursprung zu erkennen und zu begreifen.
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Schon im [[8. Jahrhundert]] wurde Salzburg zum ältesten und bedeutendsten Zentrum der Kunst und Kultur im [[Ostalpen]]raum, wo Meisterwerke der Goldschmiedekunst und der Buchmalerei aber auch die ältesten geschichtlichen Aufzeichnungen auf dem Boden des heutigen Österreich entstanden. Nicht nur [[Kärnten]] und die [[Steiermark]], sondern auch der Wiener Raum haben aus Salzburg das Christentum empfangen. Schließlich ist in keiner anderen Stadt Österreichs die römische Vergangenheit in einer solchen Dichte präsent wie in Salzburg. Wo immer ein neues Bauwerk im Bereich der [[Altstadt]] entsteht, fördert zunächst der Spaten des Archäologen die Zeugnisse der Antike zutage. Es lohnt sich daher, einen Blick hinter die prachtvolle Fassade auf die reiche Geschichte zu werfen, um die Schönheit von Stadt und Land nicht nur zu bewundern, sondern auch in ihrem Ursprung zu erkennen und zu begreifen.
    
==Kelten und Römer==  
 
==Kelten und Römer==  
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Die Geschichte Salzburgs ist stark von der Landschaft geprägt worden, die das Land in zwei sehr unterschiedliche Gebiete teilt: Einerseits das kleinere, gut zugängliche und wirtschaftlich bedeutendere "Land vor dem Gebirg" mit der [[Salzburg|Stadt Salzburg]], dem [[Flachgau]] und dem [[Tennengau]] sowie dem heute bayerischen Rupertiwinkel. Andererseits das "Land inner Gebirg" mit [[Pongau]], [[Pinzgau]] und[[ Lungau]], das nur dünn besiedelt und schlecht zugänglich war. Da dieses Gebiet schwer überwacht werden konnte, haben fast alle Aufstände und Protestbewegungen wie die [[Vor und nach den Bauernkriegen (Überblick)|Bauernkriege]] oder der Geheimprotestantismus ihr Zentrum in den Gebirgsgauen gehabt. Die Stadt Salzburg hat ihre politische und wirtschaftliche Ausnahmeposition ihrer Lage am "Wegekreuz der Ostalpen" zu verdanken, wo schon seit römischer Zeit die Straße über den Radstädter Tauern mit der Voralpenstraße nach Linz und Wien sowie der [[Salzach]] als schiffbarem Fluss zusammentraf.
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Die Geschichte Salzburgs ist stark von der Landschaft geprägt worden, die das Land in zwei sehr unterschiedliche Gebiete teilt: Einerseits das kleinere, gut zugängliche und wirtschaftlich bedeutendere "Land vor dem Gebirg" mit der [[Salzburg|Stadt Salzburg]], dem [[Flachgau]] und dem [[Tennengau]] sowie dem heute bayerischen [[Rupertiwinkel]]. Andererseits das "Land inner Gebirg" mit [[Pongau]], [[Pinzgau]] und[[ Lungau]], das nur dünn besiedelt und schlecht zugänglich war. Da dieses Gebiet schwer überwacht werden konnte, haben fast alle Aufstände und Protestbewegungen wie die [[Vor und nach den Bauernkriegen (Überblick)|Bauernkriege]] oder der Geheimprotestantismus ihr Zentrum in den Gebirgsgauen gehabt. Die Stadt Salzburg hat ihre politische und wirtschaftliche Ausnahmeposition ihrer Lage am "Wegekreuz der Ostalpen" zu verdanken, wo schon seit römischer Zeit die Straße über den Radstädter Tauern mit der Voralpenstraße nach Linz und Wien sowie der [[Salzach]] als schiffbarem Fluss zusammentraf.
    
===Die ersten Siedlungen===  
 
===Die ersten Siedlungen===  
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===Die Stadt lebt im Luxus===
 
===Die Stadt lebt im Luxus===
Das erste und zweite Jahrhundert n. Chr. bescherte den Bewohnern von Stadt und Land Frieden und Wohlstand. Die keltische Bevölkerung passte sich in Sprache und Kleidung den römischen Herren an, bewahrte aber charakteristische Eigenheiten in ihrem Namengut, ihrer Tracht, ihrem Aussehen und ihrem Glauben. In Iuvavum entstanden großzügige Plätze und an der heutigen [[Kaigasse]] ein imposanter Tempelbau zu Ehren des Gottes der Heilkunst, Asklepios. Die luxuriösen Bürgerhäuser im Bereich um den heutigen Dom waren mit prachtvollen Mosaiken ausgestattet, verfügten über komfortable Warmluftheizungen (Hypokausten) und mehrteilige Badeanlagen. Eine römische Amphore, die auf dem [[Mozartplatz]] gefunden wurde, enthielt Reste von 24 verschiedenen Meeresfischen und einigen Krebsarten. Große Mengen von Austernschalen, die Im Bereich der [[Altstadt]] gefunden wurden, weisen darauf hin, dass sich die reichen Bürger fast täglich frische Austern kommen ließen. Die alten Iuvavenser verstanden es offenbar, das Leben zu genießen!  
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Das erste und zweite Jahrhundert n. Chr. bescherte den Bewohnern von Stadt und Land Frieden und Wohlstand. Die keltische Bevölkerung passte sich in Sprache und Kleidung den römischen Herren an, bewahrte aber charakteristische Eigenheiten in ihrem Namengut, ihrer Tracht, ihrem Aussehen und ihrem Glauben. In Iuvavum entstanden großzügige Plätze und an der heutigen [[Kaigasse]] ein imposanter Tempelbau zu Ehren des Gottes der Heilkunst, Asklepios. Die luxuriösen Bürgerhäuser im Bereich um den heutigen [[Salzburger Dom|Dom]] waren mit prachtvollen Mosaiken ausgestattet, verfügten über komfortable Warmluftheizungen (Hypokausten) und mehrteilige Badeanlagen. Eine römische Amphore, die auf dem [[Mozartplatz]] gefunden wurde, enthielt Reste von 24 verschiedenen Meeresfischen und einigen Krebsarten. Große Mengen von Austernschalen, die Im Bereich der [[Altstadt]] gefunden wurden, weisen darauf hin, dass sich die reichen Bürger fast täglich frische Austern kommen ließen. Die alten Iuvavenser verstanden es offenbar, das Leben zu genießen!  
    
Von der heutigen [[Alte Residenz|Residenz]] bis zum [[Bürgerspital]] erstreckte sich ein ausgedehntes Handwerkerviertel, in dem unter anderem Tongeschirr, Ziegel und Mosaiken produziert wurden. Der [[Festungsberg]] war von einem starken Wehrbau bekrönt. Im Verlauf umfangreicher Grabungen konnte eine Mauer aus der Zeit des Kaisers Aurelian freigelegt werden.
 
Von der heutigen [[Alte Residenz|Residenz]] bis zum [[Bürgerspital]] erstreckte sich ein ausgedehntes Handwerkerviertel, in dem unter anderem Tongeschirr, Ziegel und Mosaiken produziert wurden. Der [[Festungsberg]] war von einem starken Wehrbau bekrönt. Im Verlauf umfangreicher Grabungen konnte eine Mauer aus der Zeit des Kaisers Aurelian freigelegt werden.
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Als die [[Altstadt|Stadt Salzburg]] [[1861]] ihrem größten Sohn, [[Wolfgang Amadeus Mozart]], ein Denkmal setzte, stieß man beim Ausheben des Fundaments auf drei übereinander liegende Mosaikböden, von denen der oberste aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. die folgende, nur zum Teil erhaltene Inschrift trug: "''Hier wohnt das Glück, nichts Böses soll Zutritt finden''". Obwohl es Aufzeichnungen von diesem Mosaik gibt, ist es unauffindbar verschollen.
 
Als die [[Altstadt|Stadt Salzburg]] [[1861]] ihrem größten Sohn, [[Wolfgang Amadeus Mozart]], ein Denkmal setzte, stieß man beim Ausheben des Fundaments auf drei übereinander liegende Mosaikböden, von denen der oberste aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. die folgende, nur zum Teil erhaltene Inschrift trug: "''Hier wohnt das Glück, nichts Böses soll Zutritt finden''". Obwohl es Aufzeichnungen von diesem Mosaik gibt, ist es unauffindbar verschollen.
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Damals allerdings waren Stadt und Land längst vom Glück und der wirtschaftlichen Blüte verlassen. Im Markomannenkrieg um 170 n. Chr. war [[Iuvavum]] völlig zerstört und anschließend nur in verkleinertem Umfang wieder aufgebaut worden. Seit dem 3. Jahrhundert bildeten germanische Stämme, besonders die Alamannen, eine ständige Bedrohung. Zunächst wurden die Villen auf dem Lande aufgegeben, im 5. Jahrhundert verödeten auch Teile von Iuvavum. Als der hl. [[Severin]] um [[470]] an die Salzach kam, hatte sich die Bevölkerung von Cucullis ([[Kuchl]]) wieder auf die befestigte Höhe des Georgenberges zurückgezogen, die sie am Beginn der römischen Herrschaft verlassen musste. In Iuvavum fand Severin zwar eine blühende Christengemeinde und ein Kloster, bald darauf aber wurde die Stadt am [[Salzach]]ufer aufgegeben. Die Reste der romanischen Bevölkerung, die „Iuvavenser“, zogen sich auf die befestigten Höhen des [[Festungsberg]]s und des [[Nonnberg]]s zurück, wo sie die beiden "dunklen Jahrhunderte" der Völkerwanderung überdauerten.
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Damals allerdings waren Stadt und Land längst vom Glück und der wirtschaftlichen Blüte verlassen. Im Markomannenkrieg um 170 n. Chr. war [[Iuvavum]] völlig zerstört und anschließend nur in verkleinertem Umfang wieder aufgebaut worden. Seit dem 3. Jahrhundert bildeten germanische Stämme, besonders die Alamannen, eine ständige Bedrohung. Zunächst wurden die Villen auf dem Lande aufgegeben, im 5. Jahrhundert verödeten auch Teile von Iuvavum. Als der hl. [[Severin]] um [[470]] an die Salzach kam, hatte sich die Bevölkerung von Cucullis ([[Kuchl]]) wieder auf die befestigte Höhe des [[Georgenberg]]es zurückgezogen, die sie am Beginn der römischen Herrschaft verlassen musste. In Iuvavum fand Severin zwar eine blühende Christengemeinde und ein Kloster, bald darauf aber wurde die Stadt am [[Salzach]]ufer aufgegeben. Die Reste der romanischen Bevölkerung, die „Iuvavenser“, zogen sich auf die befestigten Höhen des [[Festungsberg]]s und des [[Nonnberg]]s zurück, wo sie die beiden "dunklen Jahrhunderte" der Völkerwanderung überdauerten.
    
==Erzbistum und Missionszentrum==
 
==Erzbistum und Missionszentrum==
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===Die Anfänge von Bischofshofen===
 
===Die Anfänge von Bischofshofen===
Als erster Stützpunkt für die Slawenmission entstand die Maximilianszelle in [[Pongau]], dem heutigen [[Bischofshofen]]. Die außerordentlich reiche Ausstattung, die [[Rupert von Worms|Rupert]] von Herzog Theodo für seine Salzburger Kirche erhielt, war erstaunlich: Neben der alten Römerstadt Iuvavum gehörte dazu der Großteil der [[Salzbergbau|Solequellen von Reichenhall]], die eine Monopolstellung im Ostalpenraum besaßen, sowie ausgedehnte Ländereien samt den Eigenleuten, die sie bewirtschafteten.  
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Als erster Stützpunkt für die Slawenmission entstand die [[Maximilianszelle]] in [[Pongau]], dem heutigen [[Bischofshofen]]. Die außerordentlich reiche Ausstattung, die [[Rupert von Worms|Rupert]] von Herzog Theodo für seine Salzburger Kirche erhielt, war erstaunlich: Neben der alten Römerstadt Iuvavum gehörte dazu der Großteil der [[Salzbergbau|Solequellen von Reichenhall]], die eine Monopolstellung im Ostalpenraum besaßen, sowie ausgedehnte Ländereien samt den Eigenleuten, die sie bewirtschafteten.  
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Offenbar verfolgte Theodo mit der Einladung [[Rupert von Worms|Ruperts]] einen konkreten Plan: Dieser Weltmann, der überall hohes Ansehen genoss, sollte von Salzburg als dem südlichsten Stützpunkt aus den Ausgriff des Herzogtums Bayern über die Alpen nach Süden, in die einstige römische Provinz Binnennoricum vorbereiten. Rupert hat diesen Weg mit der Gründung der Maximilianszelle eröffnet, sein großer Nachfolger[[ Virgil]] konnte wenige Jahrzehnte später durch die erfolgreiche Slawenmission das heutige Kärnten für Bayern gewinnen. Nach dem Tod seines unangenehmsten Widersachers, des Hausmeiers Pippin des Mittleren, kehrte [[Rupert von Worms|Rupert]] um [[715]]/[[716|16]] an seinen angestammten Bischofssitz Worms zurück, wo er bald darauf verstarb.
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Offenbar verfolgte Theodo mit der Einladung [[Rupert von Worms|Ruperts]] einen konkreten Plan: Dieser Weltmann, der überall hohes Ansehen genoss, sollte von Salzburg als dem südlichsten Stützpunkt aus den Ausgriff des Herzogtums Bayern über die [[Alpen]] nach Süden, in die einstige römische Provinz Binnennoricum vorbereiten. Rupert hat diesen Weg mit der Gründung der Maximilianszelle eröffnet, sein großer Nachfolger[[ Virgil]] konnte wenige Jahrzehnte später durch die erfolgreiche Slawenmission das heutige Kärnten für Bayern gewinnen. Nach dem Tod seines unangenehmsten Widersachers, des Hausmeiers Pippin des Mittleren, kehrte [[Rupert von Worms|Rupert]] um [[715]]/[[716|16]] an seinen angestammten Bischofssitz Worms zurück, wo er bald darauf verstarb.
    
===Name ''Salzburg'' taucht erstmals auf===
 
===Name ''Salzburg'' taucht erstmals auf===
Ein Bistum in Salzburg hat erst der hl. [[Bonifatius]] [[739]] im Auftrag des Papstes eingerichtet. Der deutsche Name ''Salzburg'' anstelle von ''Iuvavum'' wird in der um [[770]] verfassten Lebensbeschreibung des hl. [[Bonifatius]] erstmals genannt. Der Name ist abgeleitet vom [[Salzbergbau|Salz]] der Quellsalinen von Reichenhall, die Herzog Theodo an Rupert geschenkt hatte, und von der [[Festung Hohensalzburg|Burg]] auf dem [[Festungsberg]]. Unter dem gelehrten Abt und Bischof [[Virgil]] ([[746]]/[[747|47]] - [[784]]), der aus Irland stammte, erlebte Salzburg eine erste große Blüte. Die Rechte der Kirche wurden selbst gegen den Bayernherzog Odilo verteidigt, zahlreiche bischöfliche "Eigenkirchen" als Zentren der Seelsorge errichtet und eine erfolgreiche Mission unter dem slawischen Volk der Karantanen (in Kärnten) entfaltet. Auch die älteste slawische Schrift, die aus dem lateinischen Alphabet abgeleitet ist und sich nur in den "Freisinger Denkmälern" erhalten hat, wurde von Salzburger oder bayerischen Missionaren für die Karantanenmission geschaffen.
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Ein Bistum in Salzburg hat erst der hl. [[Bonifatius]] [[739]] im Auftrag des Papstes eingerichtet. Der deutsche Name ''Salzburg'' anstelle von ''Iuvavum'' wird in der um [[770]] verfassten Lebensbeschreibung des hl. [[Bonifatius]] erstmals genannt. Der Name ist abgeleitet vom [[Salzbergbau|Salz]] der Quellsalinen von [[Bad Reichenhall|Reichenhall]], die Herzog Theodo an Rupert geschenkt hatte, und von der [[Festung Hohensalzburg|Burg]] auf dem [[Festungsberg]]. Unter dem gelehrten Abt und Bischof [[Virgil]] ([[746]]/[[747|47]] - [[784]]), der aus Irland stammte, erlebte Salzburg eine erste große Blüte. Die Rechte der Kirche wurden selbst gegen den Bayernherzog Odilo verteidigt, zahlreiche bischöfliche "Eigenkirchen" als Zentren der Seelsorge errichtet und eine erfolgreiche Mission unter dem slawischen Volk der Karantanen (in Kärnten) entfaltet. Auch die älteste slawische Schrift, die aus dem lateinischen Alphabet abgeleitet ist und sich nur in den "Freisinger Denkmälern" erhalten hat, wurde von Salzburger oder bayerischen Missionaren für die Karantanenmission geschaffen.
    
===Zentrum der Kunst entsteht===
 
===Zentrum der Kunst entsteht===
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===Das älteste deutsche Erzbistum===
 
===Das älteste deutsche Erzbistum===
Virgils Nachfolger [[Arn]] ([[785]] - [[821]]) erlebte [[788]] den Sturz Tassilos III., des letzten Bayernherzogs aus der Sippe der Agilolfinger, durch dessen Vetter, den Frankenkönig Karl den Großen. Um die reichen Besitzungen, die Salzburg vor allem von den Agilolfingern erhalten hatte, zu sichern, ließ er [[788]]/[[790|90]] und ab [[798]] die beiden ältesten Salzburger Güterverzeichnisse anlegen. Dem Herrscher hat [[Arn]] als Königsbote wichtige diplomatische Dienste geleistet und wurde dafür reich belohnt. Auf Anordnung Karls des Großen erhob Papst Leo III. [[798]] Arn zum [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischof]] und Metropoliten der bayerischen Kirchenprovinz. Als Suffraganbistümer wurden ihm Regensburg, Passau, Freising, Säben (Brixen) und Neuburg an der Donau unterstellt.  
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Virgils Nachfolger [[Arn]] ([[785]] - [[821]]) erlebte [[788]] den Sturz Tassilos III., des letzten Bayernherzogs aus der Sippe der Agilolfinger, durch dessen Vetter, den Frankenkönig Karl den Großen. Um die reichen Besitzungen, die Salzburg vor allem von den Agilolfingern erhalten hatte, zu sichern, ließ er [[788]]/[[790|90]] und ab [[798]] die beiden ältesten Salzburger Güterverzeichnisse anlegen. Dem Herrscher hat [[Arn]] als Königsbote wichtige diplomatische Dienste geleistet und wurde dafür reich belohnt. Auf Anordnung Karls des Großen erhob Papst Leo III. [[798]] Arn zum [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischof]] und Metropoliten der bayerischen Kirchenprovinz. Als [[Salzburger Kirchenprovinz|Suffraganbistümer]] wurden ihm Regensburg, Passau, Freising, Säben (Brixen) und Neuburg an der Donau unterstellt.  
    
Ein Jahr später geleitete Arn im Auftrag des Königs den vertriebenen Papst nach Rom zurück und erlebte dort am Weihnachtstag [[800]] die Krönung Karls zum Kaiser. Dieser setzte [[811]] die Drau als Grenze zwischen den Kirchenprovinzen Aquileia und Salzburg fest und sprach damit den Großteil des Kärntner Missionsgebiets der Salzburger Kirche zu. Arn hat, vor allem durch seine enge Verbindung zu Karl dem Großen, das Aufbauwerk seiner Vorgänger [[Rupert von Worms|Rupert]] und [[Virgil]] erfolgreich fortgesetzt und vollendet. Salzburg wurde zu einem Zeitpunkt [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum]] und Metropolitansitz, als im Gebiet von Wien noch die wilden Reiterscharen der Awaren umherstreiften. Heute ist es das älteste Erzbistum im deutschen Sprachraum.
 
Ein Jahr später geleitete Arn im Auftrag des Königs den vertriebenen Papst nach Rom zurück und erlebte dort am Weihnachtstag [[800]] die Krönung Karls zum Kaiser. Dieser setzte [[811]] die Drau als Grenze zwischen den Kirchenprovinzen Aquileia und Salzburg fest und sprach damit den Großteil des Kärntner Missionsgebiets der Salzburger Kirche zu. Arn hat, vor allem durch seine enge Verbindung zu Karl dem Großen, das Aufbauwerk seiner Vorgänger [[Rupert von Worms|Rupert]] und [[Virgil]] erfolgreich fortgesetzt und vollendet. Salzburg wurde zu einem Zeitpunkt [[Erzbistum (Überblick)|Erzbistum]] und Metropolitansitz, als im Gebiet von Wien noch die wilden Reiterscharen der Awaren umherstreiften. Heute ist es das älteste Erzbistum im deutschen Sprachraum.
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Mit der Niederwerfung der Awaren durch Karl den Großen in zahlreichen Feldzügen ab [[796]] erhielt Salzburg ein neues Missionsgebiet in Pannonien rund um den Plattensee zugeteilt. Die [[Ruprechtskirche]], die als älteste Kirche Wiens dem Salzburger Gründerheiligen geweiht ist, erinnert daran, dass auch dieses Gebiet einst zum Salzburger Missionssprengel gehörte, bis es [[829]] an Passau abgetreten wurde. Erst nach dem völligen Zusammenbruch der awarischen Macht gelang es den Salzburger Missionaren, unter den Slawen in Pannonien erfolgreich zu wirken. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden über 20 Missionskirchen errichtet und von Salzburger Priestern betreut. Baumeister, Handwerker und Künstler trugen Salzburger Kunst und Kultur bis an den Fürstensitz Mosapurc (Zalavár westl. des Plattensees). Der Herrscher des Ostfränkischen Reiches, König Ludwig der Deutsche, hat die Treue der Salzburger Erzbischöfe und ihr erfolgreiches Wirken in Kärnten und Pannonien [[860]] durch die Schenkung von 24 Königshöfen belohnt. Darauf gehen die reichen "auswärtigen" Besitzungen des Erzbistums in Kärnten, der Steiermark und Niederösterreich zurück, die bis zur Säkularisation [[1803]] bei Salzburg blieben.
 
Mit der Niederwerfung der Awaren durch Karl den Großen in zahlreichen Feldzügen ab [[796]] erhielt Salzburg ein neues Missionsgebiet in Pannonien rund um den Plattensee zugeteilt. Die [[Ruprechtskirche]], die als älteste Kirche Wiens dem Salzburger Gründerheiligen geweiht ist, erinnert daran, dass auch dieses Gebiet einst zum Salzburger Missionssprengel gehörte, bis es [[829]] an Passau abgetreten wurde. Erst nach dem völligen Zusammenbruch der awarischen Macht gelang es den Salzburger Missionaren, unter den Slawen in Pannonien erfolgreich zu wirken. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden über 20 Missionskirchen errichtet und von Salzburger Priestern betreut. Baumeister, Handwerker und Künstler trugen Salzburger Kunst und Kultur bis an den Fürstensitz Mosapurc (Zalavár westl. des Plattensees). Der Herrscher des Ostfränkischen Reiches, König Ludwig der Deutsche, hat die Treue der Salzburger Erzbischöfe und ihr erfolgreiches Wirken in Kärnten und Pannonien [[860]] durch die Schenkung von 24 Königshöfen belohnt. Darauf gehen die reichen "auswärtigen" Besitzungen des Erzbistums in Kärnten, der Steiermark und Niederösterreich zurück, die bis zur Säkularisation [[1803]] bei Salzburg blieben.
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Der Zusammenstoß mit den byzantinischen Missionaren Konstantin (Kyrill) und Method, ein Ereignis von welthistorischen Dimensionen, führte [[867]] - [[871]] zu einer längeren Unterbrechung der Missionsarbeit. Durch die furchtbare Niederlage des bayerischen Heeres gegen die Ungarn in der Schlacht bei Preßburg [[907]], in der neben dem Markgrafen Luitpold auch Erzbischof [[Theotmar]] von Salzburg den Tod fand, ging das pannonische Missionsgebiet verloren. Die Früchte einer jahrzehntelangen, erfolgreichen Arbeit waren vernichtet.
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Der Zusammenstoß mit den byzantinischen Missionaren Konstantin (Kyrill) und Method, ein Ereignis von welthistorischen Dimensionen, führte [[867]] - [[871]] zu einer längeren Unterbrechung der Missionsarbeit. Durch die furchtbare Niederlage des bayerischen Heeres gegen die Ungarn in der Schlacht bei Preßburg [[907]], in der neben dem Markgrafen Luitpold auch Erzbischof [[Theotmar I.]] von Salzburg den Tod fand, ging das pannonische Missionsgebiet verloren. Die Früchte einer jahrzehntelangen, erfolgreichen Arbeit waren vernichtet.
    
==Zwischen Kaiser und Papst==
 
==Zwischen Kaiser und Papst==
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Im 10. Jahrhundert standen die [[Salzburger Erzbischöfe]] so wie fast alle deutschen Kirchenfürsten ganz im Dienst von Kaiser und Reich. Sie wurden dafür mit reichen Besitzungen belohnt, die wichtige Bausteine des späteren Landes bildeten. Als sich jedoch Erzbischof [[Herold]] [[955]] an einem Aufstand seiner Verwandten gegen König Otto I. beteiligte, musste er das bitter büßen: Er wurde grausam geblendet, abgesetzt und aus Salzburg verbannt. Die Eintracht mit dem Herrscher war aber bald wiederhergestellt. Kaiser Otto III. verlieh [[996]] Erzbischof [[Hartwig]] das Recht, in Salzburg einen täglichen öffentlichen Markt abzuhalten, davon einen Zoll einzuheben und Silbermünzen nach Regensburger Gewicht, die "Salzburger Pfennige", zu prägen. Damit wurde die Entwicklung Salzburgs zur Stadt eingeleitet. Am Beginn des 12. Jahrhunderts waren mit einem Stadtrichter, mit Bürgern und einer Bürgerzeche sowie mit massiven Stadtmauern die wichtigsten Kennzeichen einer mittelalterlichen Stadt gegeben. Salzburg war die mit Abstand älteste Stadt auf dem Boden des heutigen Österreich.
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Im 10. Jahrhundert standen die [[Salzburger Erzbischöfe]] so wie fast alle deutschen Kirchenfürsten ganz im Dienst von Kaiser und Reich. Sie wurden dafür mit reichen Besitzungen belohnt, die wichtige Bausteine des späteren Landes bildeten. Als sich jedoch Erzbischof [[Herold]] [[955]] an einem Aufstand seiner Verwandten gegen König Otto I. beteiligte, musste er das bitter büßen: Er wurde grausam geblendet, abgesetzt und aus Salzburg verbannt. Die Eintracht mit dem Herrscher war aber bald wiederhergestellt. Kaiser Otto III. verlieh [[996]] Erzbischof [[Hartwig]] das Recht, in Salzburg einen täglichen öffentlichen [[Salzburger Märkte|Markt]] abzuhalten, davon einen Zoll einzuheben und Silbermünzen nach Regensburger Gewicht, die "[[Salzburger Münze|Salzburger Pfennige]]", zu prägen. Damit wurde die Entwicklung Salzburgs zur Stadt eingeleitet. Am Beginn des [[12. Jahrhundert]]s waren mit einem Stadtrichter, mit Bürgern und einer Bürgerzeche sowie mit massiven Stadtmauern die wichtigsten Kennzeichen einer mittelalterlichen Stadt gegeben. Salzburg war die mit Abstand älteste Stadt auf dem Boden des heutigen Österreich.
    
===Salzburgs Privileg===
 
===Salzburgs Privileg===
Der aus schwäbischem Adel stammende Erzbischof [[Gebhard]] ([[1060]] - [[1088]]) gründete mit Zustimmung von König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. [[1072]] in Gurk in Kärnten das erste Salzburger "Eigenbistum". Innerhalb der katholischen Kirche war es durch viele Jahrhunderte ein einzigartiges Vorrecht, dass die [[Salzburger Erzbischöfe]] vier Suffraganbischöfe – im frühen 13. Jahrhundert wurden drei weitere Eigenbistümer im bayerischen Chiemsee, in Seckau (Steiermark) und Lavant (Kärnten) gegründet – ohne Mitwirkung von Papst und Kaiser einsetzen konnten. Auf dem ersten Vatikanischen Konzil [[1869]] wurde deshalb der Salzburger Erzbischof [[Maximilian Josef von Tarnóczy|Tarnóczy]] von Pius IX. mit den Worten begrüßt: "''Seht da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann''".  
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Der aus schwäbischem Adel stammende Erzbischof [[Gebhard]] ([[1060]] - [[1088]]) gründete mit Zustimmung von König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. [[1072]] in Gurk in Kärnten das erste Salzburger "Eigenbistum". Innerhalb der katholischen Kirche war es durch viele Jahrhunderte ein einzigartiges Vorrecht, dass die [[Salzburger Erzbischöfe]] vier Suffraganbischöfe – im frühen [[13. Jahrhundert]] wurden drei weitere Eigenbistümer im bayerischen [[Chiemsee]], in Seckau (Steiermark) und Lavant (Kärnten) gegründet – ohne Mitwirkung von Papst und Kaiser einsetzen konnten. Auf dem ersten Vatikanischen Konzil [[1869]] wurde deshalb der Salzburger Erzbischof [[Maximilian Josef von Tarnóczy|Tarnóczy]] von Pius IX. mit den Worten begrüßt: "''Seht da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann''".  
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Während dieses Recht [[1920]] und endgültig mit dem Konkordat [[1934]] verloren ging, besitzen die [[Salzburger Erzbischöfe]] bis heute zwei besondere Ehrentitel: Als ständige Vertreter des Papstes (Legati nati) in ihrer Kirchenprovinz tragen sie seit [[1026]] den "Legatenpurpur", der älter ist, als das Purpurgewand der Kardinäle. Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Magdeburg sicherten sich die Erzbischöfe im 17. Jahrhundert den Titel des Primas Germaniae, des ersten Kirchenfürsten in Deutschland.
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Während dieses Recht [[1920]] und endgültig mit dem Konkordat [[1934]] verloren ging, besitzen die [[Salzburger Erzbischöfe]] bis heute zwei besondere Ehrentitel: Als ständige Vertreter des Papstes (Legati nati) in ihrer Kirchenprovinz tragen sie seit [[1026]] den "[[Privilegien der Salzburger Erzbischöfe|Legatenpurpur]]", der älter ist, als das Purpurgewand der Kardinäle. Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Magdeburg sicherten sich die Erzbischöfe im [[17. Jahrhundert]] den Titel des [[Privilegien der Salzburger Erzbischöfe|''Primas Germaniae'']], des ersten Kirchenfürsten in Deutschland.
    
===Salzburg schwer verwüstet===
 
===Salzburg schwer verwüstet===

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