Eine weitere Geschichte gibt es zu dem kleinen Türmchen, das sich über der mechanischen Uhr hinter dem Giebel der heutigen Kapelle befindet.
+
Eine weitere Geschichte gibt es zu dem kleinen Türmchen, das sich über der mechanischen Uhr hinter dem Giebel der heutigen Kapelle befindet. Darin befindet sich der historische Holzglockenstuhl mit zwei Gefachen<ref>Ein Gefach ist Teil einer Wand eines Fachwerkhauses und bezeichnet den Raum zwischen den Holzbalken. Im ausgefüllten Zustand wird das Gefach, beziehungsweise sein Inhalt, auch als Ausfachung bezeichnet.</ref>. Die beiden vorhandenen Glocken dienen als Schlagglocken der Turmuhr. Sie sind aber auch zum schwingenden Läuten eingerichtet. Dieser Zustand war der ursprüngliche. Er bestand also schon vor der Verlegung der Kapelle an ihren heutigen Standort. Die Glocke aus dem Jahr 1652 hat einen Durchmesser von 65 cm und ein Gewicht von ca. 150 kg.
+
+
Aufgrund einer Inschrift auf der Glocke weiß man, dass der Gießer der Glocke [[Johann Eisenberger]] aus Nürnberg war. Er heiratete [[1650]] die Tochter des verstorbenen Salzburger Glockengießers Jakob Lidl. Der Firmensitz von Eisenberger war damals das Haus Nr. 14 an der [[Goldgasse]]. In diesem Haus wohnte bereits 200 Jahren früher der Goldschmied und Glockengießer [[Jörg Gloppitscher]]. Ein seltsamer Fehler an dieser Glocke, der technisch behebbar gewesen wäre, gibt Rätsel auf. So wird jetzt das Hauptrelief auf der Glocke vom Glockenstuhl "versteckt" und darüber hinaus ist es nicht möglich, die eingegossene Klöppelöse zu verwenden. Es musste also ein Wendeeisen im Inneren der Glocke nachträglich angebracht werden. Durch diese Fehlkonstruktion-Fehlaufhängung käme es zu einer höherer Abnutzung und die Glocke müsste im Laufe der Geschichte bereits mehrmals gedreht werden. Doch bei dieser war das nicht der Fall. Sie zeigt keinerlei Abnutzungspuren in der eigentlich vorgesehenen Läutrichtung. Sie hat also schon immer in dieser - eigentlich falschen - Richtung geläutet.
+
+
Die kleinere Glocke wurde [[1677]] gegossen, hat einen Durchmesser von 58 cm und ein Gewicht von ca. 120 kg. Auch sie trägt eine Inschrift, die ihren Gießer verrät: [[Benedict Eisenberger]], der älteste Sohn von Johann Eisenberger, der nach dem Tod seines Vaters [[1674]] die Gießerei übernommen hatte.