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[[Datei:Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn 01.jpg|thumb|Titel der Mitteilungen Nr. 152, Winter 2017, der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie]]
'''Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn''' ist ein Fachbeitrag von MMag. [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]] und [[Josef Kral]], zwei Uhrwerk- und Glockenfachleute aus [[Salzburg]].

== Uhren und Glocken im Schlosshof Hellbrunn ==
In dem achtseitigen Beitrag beleuchten die beiden Autoren mehrere Uhrwerke und Glocken im Schlosshof rund um das [[Schloss Hellbrunn]] in [[Hellbrunn]] in der Landeshauptstadt Salzburg. Heute befinden sich dort zwei Uhren und drei Glocken.

== Rechts im Hof die frühere Hofkapelle ==
Die [[Sonnenuhr]] an der Nordwestseite befindet sich an der Fassade der ehemaligen Hofkapelle, die heute als Raum der [[Schlossrestauration Hellbrunn]] genutzt wird. Diese Kapelle dürfte aus der Zeit der Errichtung des Schlosses stammen, das [[1615]] unter [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]] als Jagdschloss vollendet wurde. An der Südostseite befindet sich ein Türmchen mit einem Turmuhrwerk, dessen Pendellinse mit "J. B. 1805" datiert ist. An der Rückseite der Giebelmauer befinden sich Glocken, die aus den Jahren [[1652]] und [[1677]] stammen.

Die 1615 gegossene Glocke hat einen Durchmesser von 52,5 cm und wiegt etwa 80 kg. Gusstechnisch weist diese Glocke einige Mängel auf. Musikalisch betrachtet aber ist sie deutlich besser. Sie wurde ausschließlich als frei schwingende Läuteglocke verwendet, da es keine Hinweise auf die Verwendung als Uhrschlagglocke gibt. Sdie Gie ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, weil
* es in der Zeit um 1615 in Salzburg keine Glockengießerei nachweisbar ist;
: der Gießer [[Georg Becherer]], der die Glocke für die [[Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Bad Hofgastein|Pfarrkirche Maria Himmelfahrt]] in [[Bad Hofgastein]] gegossen hatte, nur bis [[1611]] nachweisbar ist;
: der nächste nachweisbare Glockengießer, [[Jakob Lidl]], kam erst [[1617]] nach Salzburg; und, obwohl er erst heiratet und im Herbst [[1618]] um Erlaubnis zur Errichtung einer Gießerei ansuchte, stammt seine erste Glocke schon aus dem Jahr 1617 ([[Hüttkapelle]] in [[Leogang]]);
: der Glockengießer [[Isaak Lechner]], wahrscheinlich Schüler des Georg Becherer, erhielt erst [[1620]] das [[Bürgerrecht]] in der Stadt Salzburg; doch auch er hatte schon vorher Glocken gegossen: jene in der [[Pfarr- und Dekanatskirche zum hl. Georg]] in [[Bergheim]] und jene in der [[Dekanatskirche zu unserer lieben Frau Geburt]] in [[Köstendorf]], beide [[1619]];
: somit lässt nur ein formaler Vergleich eine Deutung zu, wer der Gießer dieser Glocke war; die beiden Autoren kommen zu dem Schluss, dass es Georg Becherer gewesen sein könnte;

Sie geriet dann in Vergessenheit und wurde erst 2016 von Josef Kral sozusagen "wiederentdeckt".

== Links im Hof das frühere Glockenhaus und die heutige Kapelle ==
[[Lorenz Hübner]], ein bedeutender Chronist Salzburgs, erwähnte[[1792]] in seiner Salzburg-Beschreibung anschließend an die oben beschriebene "''Hofkapelle mit einem zu Ehren des heiligen Carls von Borromä, Vetters des Erbauers geweihten Altare''" auch "''ein kleines Wirtshaus...''", wobei Hübner weiter über die Kapelle "''und gegenüber das Glockenhaus ... über der Kapelle eine Sonnenuhr, und am Glockenhause eine Schlaguhr mit ihren Schilden zu sehen sind.''".

Ein neuer Pächter der Schlossrestauration in den [[1950er]]-Jahren bemühte sich um weitere Räume für sein Lokal. Deshalb ließ die [[Stadtgemeinde Salzburg]] als Eigentümerin der Gebäude, die Kapelle in ihrer Funktion als einen katholischen Sakralraum von der nordwestlichen an die südöstliche Hofseite verlegen, in den Raum des bisherigen Glockenhauses. Dazu wurde dieser um eine Apsis erweitert. [[Erzbischof]] [[Andreas Rohracher]] weihte die Kapelle [[1960]] neu.

=== Das mechanische Turmuhrwerk ===
Zum seltenen Fall der Verlegung eines Sakralraumes kam noch ein weiteres Kuriosum. [[Johann Stainhauser]] (* 1570; † 1625) war hochfürstlich salzburgischer Sekretär und Archivar und zugleich Geschichtsschreiber, erwähnte den nunmehr neuen Kapellenraum als "''der Herren Tafelstuben''". In diesem Raum schwang das und schwingt noch heute das Pendel der Turmuhr hinein! Die Inschrift "J.B. 1805² deutet auf [[Johann Bentele senior|Johann Bentele d. Ä.]] hin, der seit [[1804]] Hof- und Großuhrmacher in Salzburg war. Er hatte auch die Turmuhr der heutigen [[Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und hl. Michael]] in Salzburg-[[Gnigl]] geschaffen.

Und nicht nur das Pendel hing in den Raum, auch die drei Gewichte des Turmuhrwerks hingen mitten im Raum bis zum Boden. Nachdem aus dem Raum aber eine Kapelle wurde, behalf man sich damit, dass man die Gewichte in einen Schacht seitlich des Kapellenraums umlenkte. Aber das Pendel musste belassen werden.

Es muss ein früheres Turmuhrwerk als das heutige gegeben haben. Die zwei in der zweiten Hälfte des [[17. Jahrhundert]]s gegossenen Glocken lassen den Schluss auf Schlagglocken für ein Turmuhrwerk zu, das bereits ein Viertelstunden- und ein Stundenschlagwerk besaß. Mehr ist aber von diesem Turmuhrwerk nicht bekannt. Das noch verwendete Turmurwerk (100 cm breit, 70 cm hoch und 53 cm tief) wurde 1805 umgebaut, als noch das lange Pendel in Betrieb war. Aber aufgrund des Baues schließen die beiden Autoren, dass es bereits älter sein dürfte, wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des [[18. Jahrhundert]]s. Nicht auszuschließen ist, dass der Salzburger Uhrmacher [[Jeremias Sauter]] (* 1650, † 1709), der auch das [[Salzburger Glockenspiel]] technisch schuf, oder sein Vater [[Hans Sauter]] Urheber dieses Turmuhrwerks gewesen sein könnten.

=== Die Glocken der heutigen Kapelle ===
Eine weitere Geschichte gibt es zu dem kleinen Türmchen, das sich über der mechanischen Uhr hinter dem Giebel der heutigen Kapelle befindet.

== Weblinks ==
* [http://www.horologium.at/typo3/index.php?id=16 pdf], gesamter Beitrag: ''Ad animi levamen. Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg (Mitteilungen Nr. 152 der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie, Winter 2017, S. 30-37)''
* [http://www.dg-chrono.de/ Deutschen Gesellschaft für Chronometrie]

== Quelle ==
* [http://www.horologium.at/typo3/index.php?id=16 pdf], gesamter Beitrag: ''Ad animi levamen. Uhren und Glocken im Schlosshof von Hellbrunn, Salzburg (Mitteilungen Nr. 152 der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie, Winter 2017, S. 30-37)''

{{SORTIERUNG: Hellbrunn, Uhren und Glocken im Schlosshof}}
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
[[Kategorie:Hellbrunn]]
[[Kategorie:Technik]]

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