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[[Datei:Freiherr und Freifrau von Hagenauer.jpg|miniatur|hochkant|Baron Simon von Hagenauer mit Baronin Amélie von Hagenauer, Wien 1879]] Nach Beendigung des Jusstudiums hatte er [[1878]] die ebenfalls aus streng katholischem und sehr wohlhabendem Haus stammende Französin Amélie (Tochter des August Thomas und der Mathilde Rebattu) im Wiener Stephansdom geheiratet. Amélies Vater (aus einer seit den napoleonischen Kriegen in Mailand lebenden Familie französischer Herkunft) war um 1835 noch sehr jung nach Wien gekommen und in das Bankhaus Arnstein & Eskeles eingetreten. Später gründete er ein eigenes Bankhaus, das jedoch den Börsenkrach von 1873, wie die meisten Banken in Wien, nicht überlebt hatte. Schließlich wurde er (auf Grund seiner Freundschaft mit Heinrich Freiherr von Pereira-Arnstein und Freiherr von Eskeles) Direktor der Staats- und Südbahn, wo er 1874 auch die "Compagnie Internationale des Wagons-Lits" (eigene Luxuszüge wie z.B. den Orient-Express) einführte. In Wien wurden seine zwei Kinder geboren, Alfred (später mit Baronesse Marie von Pitha vermählt, Tochter des Freiherrn Franz von Pitha und Emilia Barter) und Amélie (später mit Baron Simon von Hagenauer vermählt). Amélie wurde im Wiener Stephansdom getauft, wobei die musikbegeisterte Mäzenin Wilhemina Freiin von Brentano-Cimaroli (spätere Freifrau von Eskeles) ihre Taufpatin war. Amélies Vater Auguste (aus einer ursprünglich Dijon´er Familie stammend), unter dessen Vorfahren sich auch der französische Komponist Jean-Philippe Rameau (* 1683 Dijon, † 1764 Paris) befand, spielte ausgezeichnet Klavier und Violine und war mit einer großen Anzahl von Musikern wie Francesco Pollini, Gaetano Donizetti, Giovani Fadolini, Franz Liszt, Jacques Offenbach und anderen sehr eng befreundet, von denen er manchen ein Mäzen war. Viele dieser Musiker hatten französische oder italienische Wurzeln. Von diesen Freundschaften zeugt eine Sammlung signierter Lithographien vieler Komponisten und Opernsänger, sehr frühen Fotografien (ab 1840) und erhaltenen Briefen, wobei etliche dieser Musiker auch die als "legendäre Schönheit" bezeichnete Tochter Amélie verehrt haben sollen. Aus späterer Zeit haben sich fünf großformatige Ölportraits des mit der Familie befreundeten Malers Ernst Lafite (ebenfalls französischer Abstammung) erhalten, die Simon (II.) Baron von Hagenauer und seine Frau Amélie (geb. Thomas), ihren Bruder Alfred Thomas (mit Baronesse von Pitha verehelicht) sowie ihre Eltern August und Mathilde Thomas (geb. Rebattu) zeigen. Die Leidenschaft zur Musik, bildenden Kunst und Jagd verband die beiden Familien Hagenauer und Thomas ebenso wie deren starker Katholizismus.  
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[[Datei:Freiherr und Freifrau von Hagenauer.jpg|miniatur|hochkant|Baron Simon von Hagenauer mit Baronin Amélie von Hagenauer, Wien 1879]] Nach Beendigung des Jusstudiums hatte er [[1878]] die ebenfalls aus streng katholischem und sehr wohlhabendem Haus stammende Französin Amélie (Tochter des August Thomas und der Mathilde Rebattu) im Wiener Stephansdom geheiratet. Amélies Vater (aus einer seit den napoleonischen Kriegen in Mailand lebenden Familie französischer Herkunft) war um 1835 noch sehr jung nach Wien gekommen und in das Bankhaus Arnstein & Eskeles eingetreten. Später gründete er ein eigenes Bankhaus, das jedoch den Börsenkrach von 1873, wie die meisten Banken in Wien, nicht überlebt hatte. Schließlich wurde er (auf Grund seiner Freundschaft mit Heinrich Freiherr von Pereira-Arnstein und Freiherr von Eskeles) Direktor der Staats- und Südbahn, wo er 1874 auch die "Compagnie Internationale des Wagons-Lits" (eigene Luxuszüge wie z. B. den Orient-Express) einführte. In Wien wurden seine zwei Kinder geboren, Alfred (später mit Baronesse Marie von Pitha vermählt, Tochter des Freiherrn Franz von Pitha und Emilia Barter) und Amélie (später mit Baron Simon von Hagenauer vermählt). Amélie wurde im Wiener Stephansdom getauft, wobei die musikbegeisterte Mäzenin Wilhemina Freiin von Brentano-Cimaroli (spätere Freifrau von Eskeles) ihre Taufpatin war. Amélies Vater Auguste (aus einer ursprünglich Dijon´er Familie stammend), unter dessen Vorfahren sich auch der französische Komponist Jean-Philippe Rameau (* 1683 Dijon, † 1764 Paris) befand, spielte ausgezeichnet Klavier und Violine und war mit einer großen Anzahl von Musikern wie Francesco Pollini, Gaetano Donizetti, Giovani Fadolini, Franz Liszt, Jacques Offenbach und anderen sehr eng befreundet, von denen er manchen ein Mäzen war. Viele dieser Musiker hatten französische oder italienische Wurzeln. Von diesen Freundschaften zeugt eine Sammlung signierter Lithographien vieler Komponisten und Opernsänger, sehr frühen Fotografien (ab 1840) und erhaltenen Briefen, wobei etliche dieser Musiker auch die als "legendäre Schönheit" bezeichnete Tochter Amélie verehrt haben sollen. Aus späterer Zeit haben sich fünf großformatige Ölportraits des mit der Familie befreundeten Malers Ernst Lafite (ebenfalls französischer Abstammung) erhalten, die Simon (II.) Baron von Hagenauer und seine Frau Amélie (geb. Thomas), ihren Bruder Alfred Thomas (mit Baronesse von Pitha verehelicht) sowie ihre Eltern August und Mathilde Thomas (geb. Rebattu) zeigen. Die Leidenschaft zur Musik, bildenden Kunst und Jagd verband die beiden Familien Hagenauer und Thomas ebenso wie deren starker Katholizismus.  
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Die Wohnung von Baronin Hagenauer war seit 1944 durch ihre NS-Gefangenschaft und während ihres darauffolgenden mehrmonatigen Spitalaufenthaltes, bei dem sie sich von den Folgen der Folter in NS-Gefangenschaft auskurieren musste, für lange Zeit verwaist geblieben. Während ihres Spitalaufenthaltes (seit April 1945) war im Zuge der Befreiung Wiens die offenbar verlassene Wohnung von russischen Soldaten besetzt und dabei stark in Mitleidenschaft gezogen worden. 1946 hatte ihr deswegen Bundesminister Dr. Felix Hurdes, ein alter Freund und Mitstreiter aus der Zeit des Widerstands während der NS-Zeit, eine neue Wohnung im nunmehrigen britischen Sektor organisiert. Allerdings mussten bei der damals unter großen Schwierigkeiten durchgeführten Übersiedlung viele der bereits zerstörten Familienstücke (Ölgemälde, Mobiliar, Familienarchiv mit alten wertvollen Urkunden etc.) zurück gelassen werden, die später durch Diebstahl und Vandalismus (das Archiv wurde großteils eingeheizt) endgültig verloren gingen.  
 
Die Wohnung von Baronin Hagenauer war seit 1944 durch ihre NS-Gefangenschaft und während ihres darauffolgenden mehrmonatigen Spitalaufenthaltes, bei dem sie sich von den Folgen der Folter in NS-Gefangenschaft auskurieren musste, für lange Zeit verwaist geblieben. Während ihres Spitalaufenthaltes (seit April 1945) war im Zuge der Befreiung Wiens die offenbar verlassene Wohnung von russischen Soldaten besetzt und dabei stark in Mitleidenschaft gezogen worden. 1946 hatte ihr deswegen Bundesminister Dr. Felix Hurdes, ein alter Freund und Mitstreiter aus der Zeit des Widerstands während der NS-Zeit, eine neue Wohnung im nunmehrigen britischen Sektor organisiert. Allerdings mussten bei der damals unter großen Schwierigkeiten durchgeführten Übersiedlung viele der bereits zerstörten Familienstücke (Ölgemälde, Mobiliar, Familienarchiv mit alten wertvollen Urkunden etc.) zurück gelassen werden, die später durch Diebstahl und Vandalismus (das Archiv wurde großteils eingeheizt) endgültig verloren gingen.  
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1946 begann der nach Wien zurückgekehrte Wolfgang (VI.) Rechts-Wissenschaften zu studieren und wurde 1951, wie alle vier Generationen zuvor, Jurist. Als [[1955]] tausende Flüchtlinge vor dem Ungarnaufstand aus Ungarn in die Freiheit nach Österreich flüchteten, organisierte er Sammlungen für ungarische Flüchtlingskinder. Auch chauffierte er etliche Flüchtlinge mit einem von seinem Cousin Dr. Proksch geborgten Diplomaten-Auto aus dem Auffanglager Eisenstadt nach Wien, wo er mit Freunden (u.a. Dr. Otto Hartig) die Unterbringung von Flüchtlingen in einem geistlichen Altersheim, sowie in seinem Freundes- und Bekanntenkreis organisiert hatte. [[1957]] heiratete er Monika Zacherl, die Tochter des Univ.-Profs. Dr. Hans Zacherl und der Berta Böhm (aus dem bayrischen Bankhaus Adolf Böhm). Monika Zacherl (*1935) stammte aus einer erzkatholischen und ehemals einer der vermögendsten Fabrikanten-Dynastien Österreichs. Sie wurde in Innsbruck geboren und verbrachte bis 1938/39 ihre ersten drei Jahre in Graz in der sogenannten Napoleon-Villa oder Napoleon-Schlöss´l (Herdergasse 3, Eigentümer war Louis Bonaparte, Bruder [[Napoleon]]s I. - erster König Hollands). Später zog ihre Familie in das erworbene Maria-Theresia-Schlösschen in Wien (Döbling). Monikas Großvater, der streng katholisch gesinnte Johann Evangelist Zacherl, war einer der wenigen christlich sozial orientierten Unternehmer seiner Zeit gewesen. Er hatte ebenso stolz wie auch andere Millionäre um 1900 in Wien, z.B. Nikolaus Dumba]], Josef Lobmeyer, Josef Werndl oder Moritz Zweig, den ihm angebotenen Adelstitel abgelehnt. Johann Zacherl war auch einer der größten und wichtigsten Förderer der "österreichischen katholischen Leogesellschaft" gewesen, die wiederum Simon II. Baron von Hagenauer (Wolfgangs Großvater) 1892 mitbegründet hatte. In der Zeit des [[Nationalsozialismus]] erlitten die Familien Hagenauer und Zacherl auf Grund ihres katholischen Glaubens ähnliche Schicksale. Monikas Vater, Univ.-Prof. Dr. Hans Zacherl, war nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich 1938 auf Grund seiner religiösen Überzeugung als Vorstand der Grazer Frauenklinik und als Universitäts-Professor seiner Ämter enthoben worden (wie auch Wolfgangs Vater Baron Simon III.). Univ.-Prof Dr. Hans Zacherl, später Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstand der Universitätsfrauen-Klinik in Wien, war Ritter (nobiluomo) des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Dr. Wolfgang Hagenauer wurde schließlich Staatsbeamter in der Niederösterreichischen Landesregierung mit dem Titel eines wirklichen Hofrats. Unter anderem wurde er auch Mitbegründer des [[Alpenforum - Internationaler Verein zur Förderung alpenländischer Interessen|Alpenforum]]s sowie Präsident der "Ornithologischen Gesellschaft Österreich"s. Er war, wie bereits sein Vater und sein Großvater zuvor, der jeweils letzte lebende männliche Hagenauer des Wiener Zweiges, setzte aber ebenfalls die Linie fort. Seine Söhne sandte er auf das Salzburger Internat [[Werkschulheim Felbertal]], in die Heimat seiner Ahnen. Zahlreiche Nachkommen der Baroni de Hagenauer leben in Wien.
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1946 begann der nach Wien zurückgekehrte Wolfgang (VI.) Rechts-Wissenschaften zu studieren und wurde 1951, wie alle vier Generationen zuvor, Jurist. Als [[1955]] tausende Flüchtlinge vor dem Ungarnaufstand aus Ungarn in die Freiheit nach Österreich flüchteten, organisierte er Sammlungen für ungarische Flüchtlingskinder. Auch chauffierte er etliche Flüchtlinge mit einem von seinem Cousin Dr. Proksch geborgten Diplomaten-Auto aus dem Auffanglager Eisenstadt nach Wien, wo er mit Freunden (u.a. Dr. Otto Hartig) die Unterbringung von Flüchtlingen in einem geistlichen Altersheim, sowie in seinem Freundes- und Bekanntenkreis organisiert hatte. [[1957]] heiratete er Monika Zacherl, die Tochter des Univ.-Profs. Dr. Hans Zacherl und der Berta Böhm (aus dem bayrischen Bankhaus Adolf Böhm). Monika Zacherl (*1935) stammte aus einer erzkatholischen und ehemals einer der vermögendsten Fabrikanten-Dynastien Österreichs. Sie wurde in Innsbruck geboren und verbrachte bis 1938/39 ihre ersten drei Jahre in Graz in der sogenannten Napoleon-Villa oder Napoleon-Schlöss´l (Herdergasse 3, Eigentümer war Louis Bonaparte, Bruder [[Napoleon]]s I. - erster König Hollands). Später zog ihre Familie in das erworbene Maria-Theresia-Schlösschen in Wien (Döbling). Monikas Großvater, der streng katholisch gesinnte Johann Evangelist Zacherl, war einer der wenigen christlich sozial orientierten Unternehmer seiner Zeit gewesen. Er hatte ebenso stolz wie auch andere Millionäre um 1900 in Wien, z. B. Nikolaus Dumba]], Josef Lobmeyer, Josef Werndl oder Moritz Zweig, den ihm angebotenen Adelstitel abgelehnt. Johann Zacherl war auch einer der größten und wichtigsten Förderer der "österreichischen katholischen Leogesellschaft" gewesen, die wiederum Simon II. Baron von Hagenauer (Wolfgangs Großvater) 1892 mitbegründet hatte. In der Zeit des [[Nationalsozialismus]] erlitten die Familien Hagenauer und Zacherl auf Grund ihres katholischen Glaubens ähnliche Schicksale. Monikas Vater, Univ.-Prof. Dr. Hans Zacherl, war nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich 1938 auf Grund seiner religiösen Überzeugung als Vorstand der Grazer Frauenklinik und als Universitäts-Professor seiner Ämter enthoben worden (wie auch Wolfgangs Vater Baron Simon III.). Univ.-Prof Dr. Hans Zacherl, später Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstand der Universitätsfrauen-Klinik in Wien, war Ritter (nobiluomo) des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Dr. Wolfgang Hagenauer wurde schließlich Staatsbeamter in der Niederösterreichischen Landesregierung mit dem Titel eines wirklichen Hofrats. Unter anderem wurde er auch Mitbegründer des [[Alpenforum - Internationaler Verein zur Förderung alpenländischer Interessen|Alpenforum]]s sowie Präsident der "Ornithologischen Gesellschaft Österreich"s. Er war, wie bereits sein Vater und sein Großvater zuvor, der jeweils letzte lebende männliche Hagenauer des Wiener Zweiges, setzte aber ebenfalls die Linie fort. Seine Söhne sandte er auf das Salzburger Internat [[Werkschulheim Felbertal]], in die Heimat seiner Ahnen. Zahlreiche Nachkommen der Baroni de Hagenauer leben in Wien.
    
== Quelle ==
 
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