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| | === Der bayrische und der Salzburger Zweig === | | === Der bayrische und der Salzburger Zweig === |
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| − | [[Wiguleus Hunt]] zu Sulzenmos hatte bereits in dem 1582 erschienen Buch [[Metropolis Salisburgensis]] die Hagenauer als ''"nobilis de Hagenaw"'' und ''"Ministerialis"'' erwähnt. In seinem 1585 publizierten Werk "Bayrisch Stammen-Buch", das weitgehend eine Aufzählung über die in seinem ersten Werk vorkommenden bayerischen Adelsfamilien war, widmete Hunt auch dem Geschlecht der Herren von Hagenau (Hagenowe) ein kurzes Kapitel. In diesem hatte er einige in Urkunden genannte Hagenauer angeführt, wobei die Informationen über die Hagenauer jedoch lückenhaft und spärlich waren. Ihre Herkunft vermutete er irrtümlicherweise aus der früheren Grafschaft Neuburg am Inn ob der Enns (damals Österreich, heute Bayern), wo sie im 11. Jahrhundert Güter besessen hatten. In manchen späteren Publikationen (z.B. Franz Xaver Schweickhardt 1836) wurde dieser Irrtum von Hunt übernommen. Wiguleus Hunt erwähnte aber auch den Forst und Sitz Hagenau bei Schrobenhausen in Bayern: ''"Hagenaw ein Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen / ob sie vileicht der Ort ein Sitz vor Jaren gehabt"'', den tatsächlichen Herkunftsort der Hagenauer. Den Stand der Herren von Hagenau bezeichnete er als ''"Nobilis"'' (das lateinische Wort für "vornehm", "adlig") sowie ''"Werden sonst Liberi de Hagenavv genannt"'' (Freie von Hagenau), womit sie den Edlefreien zuzuordnen sind. Der bei ihm frühest genannte Hagenauer ist der um 1090 in Weihenstephan bei Freising genannte ''"Gumpoldus nobilis de Hagenoue"''. Er beendete das Kapitel über die Hagenauer mit dem um 1308 im Begräbnisbuch des Klosters [[Raitenhaslach]] angeführten Ritters Wernhart von Hagenau (de Hagenaw), obwohl die Hagenauer noch bis Anfang des 16. Jahrhunderts in Bayern und danach in den Salzburger Urkunden auftauchten. | + | [[Wiguleus Hunt]] zu Sulzenmos hatte bereits in dem 1582 erschienen Buch [[Metropolis Salisburgensis]] die Hagenauer als ''"nobilis de Hagenaw"'' und ''"Ministerialis"'' erwähnt. In seinem 1585 publizierten Werk "Bayrisch Stammen-Buch", das weitgehend eine Aufzählung über die in seinem ersten Werk vorkommenden bayerischen Adelsfamilien war, widmete Hunt auch dem Geschlecht der Herren von Hagenau (Hagenowe) ein kurzes Kapitel. In diesem hatte er einige in Urkunden genannte Hagenauer angeführt, wobei die Informationen über die Hagenauer jedoch lückenhaft und spärlich waren. Ihre Herkunft vermutete er irrtümlicherweise aus der früheren Grafschaft Neuburg am Inn ob der Enns (damals Österreich, heute Bayern), wo sie im 11. Jahrhundert Güter besessen hatten. In manchen späteren Publikationen (z. B. Franz Xaver Schweickhardt 1836) wurde dieser Irrtum von Hunt übernommen. Wiguleus Hunt erwähnte aber auch den Forst und Sitz Hagenau bei Schrobenhausen in Bayern: ''"Hagenaw ein Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen / ob sie vileicht der Ort ein Sitz vor Jaren gehabt"'', den tatsächlichen Herkunftsort der Hagenauer. Den Stand der Herren von Hagenau bezeichnete er als ''"Nobilis"'' (das lateinische Wort für "vornehm", "adlig") sowie ''"Werden sonst Liberi de Hagenavv genannt"'' (Freie von Hagenau), womit sie den Edlefreien zuzuordnen sind. Der bei ihm frühest genannte Hagenauer ist der um 1090 in Weihenstephan bei Freising genannte ''"Gumpoldus nobilis de Hagenoue"''. Er beendete das Kapitel über die Hagenauer mit dem um 1308 im Begräbnisbuch des Klosters [[Raitenhaslach]] angeführten Ritters Wernhart von Hagenau (de Hagenaw), obwohl die Hagenauer noch bis Anfang des 16. Jahrhunderts in Bayern und danach in den Salzburger Urkunden auftauchten. |
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| | Der salzburgisch-bayerische Historiker [[Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld]] hatte 1850 "Die Dynastie von Hagenau, Mitstifter der [[Benediktinerstift Seitenstetten|Abbtei Seitenstätten]] in Oesterreich" publiziert. Dabei hatte er die genealogische Verbindung zwischen der bayerischen und den österreichischen Linien hergestellt. Die Darstellung der Österreichischen Linien, die er bereits bis 1337 mit Otto von Hagenau nachweisen konnte, beruhte auf urkundlich belegten Quellen. Bei der Freisinger (bayrische) Linie der Hagenauer, die er 994 mit Gottschalk von Hagenau beginnt, führte er hauptsächlich die "Historia Frisingensis" (1724 bis 1729) von Karl Meichelbeck, sowie die Werke "Metropolis Salisburgensis" und das "Bayrisch Stammen-Buch" von Wiguleus Hunt als Quellen an. Hunt hatte jedoch den 1308 genannten Ritter Wernhart von Hagenau als seinen letzten Urkundenfund eingetragen, wodurch Koch-Sternfeld irrtümlich mutmaßte, dass damals bereits auch der bayerische Zweig erloschen gewesen sein könnte: ''"Wernhart von Hagenau ... 1308 zu Raitenhaslach. Um diese Zeit scheint auch der oberbayrische Zweig erloschen gewesen zu sein"''. | | Der salzburgisch-bayerische Historiker [[Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld]] hatte 1850 "Die Dynastie von Hagenau, Mitstifter der [[Benediktinerstift Seitenstetten|Abbtei Seitenstätten]] in Oesterreich" publiziert. Dabei hatte er die genealogische Verbindung zwischen der bayerischen und den österreichischen Linien hergestellt. Die Darstellung der Österreichischen Linien, die er bereits bis 1337 mit Otto von Hagenau nachweisen konnte, beruhte auf urkundlich belegten Quellen. Bei der Freisinger (bayrische) Linie der Hagenauer, die er 994 mit Gottschalk von Hagenau beginnt, führte er hauptsächlich die "Historia Frisingensis" (1724 bis 1729) von Karl Meichelbeck, sowie die Werke "Metropolis Salisburgensis" und das "Bayrisch Stammen-Buch" von Wiguleus Hunt als Quellen an. Hunt hatte jedoch den 1308 genannten Ritter Wernhart von Hagenau als seinen letzten Urkundenfund eingetragen, wodurch Koch-Sternfeld irrtümlich mutmaßte, dass damals bereits auch der bayerische Zweig erloschen gewesen sein könnte: ''"Wernhart von Hagenau ... 1308 zu Raitenhaslach. Um diese Zeit scheint auch der oberbayrische Zweig erloschen gewesen zu sein"''. |
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| | Der Benediktiner, Universalgelehrte und Humanist Bucelinus hatte zwischen 1655 und 1678 das Werk "Germania Topo-Chrono-Stemmato-Graphica Sacra Et Profana" in Ulm und Augsburg publiziert. Im 4. Band aus dem Jahr 1678 hatte Bucelinus, der auch Genealoge war, geschrieben: ''"Familia Equitum de Baronum ab Aham, ... ejusdem cum Liberis Dominis de Hagenau vulgo die Bann Herren von Hagenau dictis"''. Also eine gemeinsame Herkunft der späteren Grafen von Aham und der freien Herren von Hagenau, die man auch als Bannerherren von Hagenau bezeichnet hat. Bucelinus´ These der gemeinsamen Abstammung der Ahamer und Hagenauer, sowie die Beschreibung der Hagenauer als "Bannerherren", wurde von anderen Autoren in späteren Publikationen unhinterfragt übernommen. Bereits 1726 schrieb Jacob Christof Iselin in seinem Buch "Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon, Band 1" über das Geschlecht der Ahamer, dass es laut Bucelinus ''"mit den Banner-Herren von Hagenau einerley Ursprung hat"''. 1774 wurde diese These auch von Johann Wilhelm Franz von Krohne, 1825 von Johann Christian Hellbach, 1859 von Friedrich Wilhelm Hermann Wagener und ebenfalls 1859 von Ernst Heinrich Kneschke publiziert. Dabei wurde Jacob Christof Iselin zwar oft wortwörtlich zitiert, jedoch (meist) ohne ihn als Autor anzugeben. | | Der Benediktiner, Universalgelehrte und Humanist Bucelinus hatte zwischen 1655 und 1678 das Werk "Germania Topo-Chrono-Stemmato-Graphica Sacra Et Profana" in Ulm und Augsburg publiziert. Im 4. Band aus dem Jahr 1678 hatte Bucelinus, der auch Genealoge war, geschrieben: ''"Familia Equitum de Baronum ab Aham, ... ejusdem cum Liberis Dominis de Hagenau vulgo die Bann Herren von Hagenau dictis"''. Also eine gemeinsame Herkunft der späteren Grafen von Aham und der freien Herren von Hagenau, die man auch als Bannerherren von Hagenau bezeichnet hat. Bucelinus´ These der gemeinsamen Abstammung der Ahamer und Hagenauer, sowie die Beschreibung der Hagenauer als "Bannerherren", wurde von anderen Autoren in späteren Publikationen unhinterfragt übernommen. Bereits 1726 schrieb Jacob Christof Iselin in seinem Buch "Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon, Band 1" über das Geschlecht der Ahamer, dass es laut Bucelinus ''"mit den Banner-Herren von Hagenau einerley Ursprung hat"''. 1774 wurde diese These auch von Johann Wilhelm Franz von Krohne, 1825 von Johann Christian Hellbach, 1859 von Friedrich Wilhelm Hermann Wagener und ebenfalls 1859 von Ernst Heinrich Kneschke publiziert. Dabei wurde Jacob Christof Iselin zwar oft wortwörtlich zitiert, jedoch (meist) ohne ihn als Autor anzugeben. |
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| − | Im ersten Hauptwerk von Karl Meichelbeck, der "Historia Frisingensis", eine zweibändige Geschichte der Diözese Freising die er zwischen 1724 bis 1729 im Auftrag von Fürstbischof Eckhers verfasst hatte, wurde bereits auf die gemeinsame Herkunft der bayrischen und österreichischen Linien der Hagenauer hingewiesen. Die Historia Frisingensis ist insofern interessant, da sie auf urkundlich belegten Quellen beruhte und als die erste dieser Art im katholischen deutschen Sprachraum gilt. Jedoch wurde in späteren Publikationen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vereinzelt angenommen, dass es sich bei der bayrischen Linie und den beiden österreichischen Linien der Herren von Hagenau um verschiedene Geschlechter gehandelt hätte. Dies wurde aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts mehrfach von einigen Historikern widerlegt (z.B. von Koch-Sternfeld). | + | Im ersten Hauptwerk von Karl Meichelbeck, der "Historia Frisingensis", eine zweibändige Geschichte der Diözese Freising die er zwischen 1724 bis 1729 im Auftrag von Fürstbischof Eckhers verfasst hatte, wurde bereits auf die gemeinsame Herkunft der bayrischen und österreichischen Linien der Hagenauer hingewiesen. Die Historia Frisingensis ist insofern interessant, da sie auf urkundlich belegten Quellen beruhte und als die erste dieser Art im katholischen deutschen Sprachraum gilt. Jedoch wurde in späteren Publikationen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vereinzelt angenommen, dass es sich bei der bayrischen Linie und den beiden österreichischen Linien der Herren von Hagenau um verschiedene Geschlechter gehandelt hätte. Dies wurde aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts mehrfach von einigen Historikern widerlegt (z. B. von Koch-Sternfeld). |
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| | Der Jurist und Autor Johann Christian von Hellbach hatte in seinem 1825 herausgebrachten "Adels-Lexikon" auch die Hagenauer angeführt. Als Quellen gab er sowohl den bereits oben erwähnten Wiguleus Hunt (1585, "Bayrisch Stammen-Buch") als auch Franz Karl Wißgrill (1800, "Schauplatz des landsässigen Nieder-Österreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande") an. Hellbach versuchte die dürftige Darstellung von Hunt und die Publikation von Wissgrill (vorwiegend über die österreichischen Linien) in einem einzigen Satz über die Hagenauer zusammen zu fassen: ''"Eine alte österreichische, nachher baier. Familie, die im 15. Jahrhundert ausgestorben ist"''. Die Aussage dieses Satzes, die in der Publikation (1861 Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, 2. Bd.) von Otto Titan Hefner unverändert übernommen worden war, war jedoch in dreifacher Hinsicht falsch. Erstens hatte das Geschlecht der Hagenauer seinen Ursprung in Bayern, zweitens hatte es sich folglich erst dann in Österreich ausgebreitet, und drittens ist im 15. Jahrhundert nur die niederösterreichische Linie erloschen. Die oberösterreichische Linie war ja bereits schon im 13. Jahrhundert erloschen, die bayrische Linie blühte hingegen weiter (siehe oben). Hellbach berief sich auf die Publikation des Genealogen und Heraldikers Franz Karl Wißgrill über den niederösterreichischen Zweig der Hagenauer, in der es jedoch hieß: ''"Der Edel Georg Hagenauer erscheint mit seinem Insigel noch im Jahr 1439 in Mölkerischen Urkunden, und mag vielleicht der letzte von diesem Geschlechte in Oesterreich gewesen seyn"''. Bereits 1832 publizierte der Jurist und Historiker [[Benedikt Pillwein]] im 4. Band der "Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns": ''"Über Hagenau kam bisher viel Unrichtiges, wenig Vollständiges zur Sprache"'', jedoch blieben auch Pillweins Darstellungen eher dürftig. | | Der Jurist und Autor Johann Christian von Hellbach hatte in seinem 1825 herausgebrachten "Adels-Lexikon" auch die Hagenauer angeführt. Als Quellen gab er sowohl den bereits oben erwähnten Wiguleus Hunt (1585, "Bayrisch Stammen-Buch") als auch Franz Karl Wißgrill (1800, "Schauplatz des landsässigen Nieder-Österreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande") an. Hellbach versuchte die dürftige Darstellung von Hunt und die Publikation von Wissgrill (vorwiegend über die österreichischen Linien) in einem einzigen Satz über die Hagenauer zusammen zu fassen: ''"Eine alte österreichische, nachher baier. Familie, die im 15. Jahrhundert ausgestorben ist"''. Die Aussage dieses Satzes, die in der Publikation (1861 Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, 2. Bd.) von Otto Titan Hefner unverändert übernommen worden war, war jedoch in dreifacher Hinsicht falsch. Erstens hatte das Geschlecht der Hagenauer seinen Ursprung in Bayern, zweitens hatte es sich folglich erst dann in Österreich ausgebreitet, und drittens ist im 15. Jahrhundert nur die niederösterreichische Linie erloschen. Die oberösterreichische Linie war ja bereits schon im 13. Jahrhundert erloschen, die bayrische Linie blühte hingegen weiter (siehe oben). Hellbach berief sich auf die Publikation des Genealogen und Heraldikers Franz Karl Wißgrill über den niederösterreichischen Zweig der Hagenauer, in der es jedoch hieß: ''"Der Edel Georg Hagenauer erscheint mit seinem Insigel noch im Jahr 1439 in Mölkerischen Urkunden, und mag vielleicht der letzte von diesem Geschlechte in Oesterreich gewesen seyn"''. Bereits 1832 publizierte der Jurist und Historiker [[Benedikt Pillwein]] im 4. Band der "Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns": ''"Über Hagenau kam bisher viel Unrichtiges, wenig Vollständiges zur Sprache"'', jedoch blieben auch Pillweins Darstellungen eher dürftig. |