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''Apropos Kirche: Unter den ehemaligen Bischöfen und [[Erzbischöfe]]n, die in Salzburg die politische und kirchliche Macht innehatten und die großen Einfluss auch auf Neumarkt ausübten, befanden sich viele Zuwanderer: Bereits der erste Bischof Salzburgs, der [[Rupert von Worms|heilige Rupert]], stammt nicht aus Salzburg, sondern aus dem fränkischen Worms. Auch der wegen seiner außergewöhnlichen Leistungen als „Vater des Landes Salzburg“ bezeichnete [[Eberhard II. von Regensberg]], hat auswärtige Wurzeln. Er stammt aus dem Kanton Zürich in der [[Schweiz]]. Durch ihn wird im Jahr [[1240]] auch Neumarkt an der Nordgrenze des [[Erzbistum Salzburg|Erzbistums]] gegründet. Ein weiterer bedeutender Salzburger Erzbischof, [[Paris Graf von Lodron]], entstammt dem [[Trentino]] im Norden Italiens. Auch [[Paris Lodron]] hinterlässt in Neumarkt seine Spuren - in seiner Amtszeit erweitert Dombaumeister [[Santino Solari]] den [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] und errichtet das [[Schanzhäusl]]. [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach]] entstammt einem Adelsgeschlecht, das zur Mitte des [[15. Jahrhundert]]s aus Franken in die [[Steiermark]] eingewandert war, und der letzte Fürsterzbischof Salzburgs stammt eigentlich aus Wien - [[Hieronymus Graf Colloredo|Hieronymus Graf von Colloredo]]. Diesen Zuwanderern im Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht hat die Historikerin [[Sabine Veits-Falk]] im selben Ausstellungsraum die Belege von Binnenmigration im [[19. Jahrhundert]] gegenübergestellt – Armutszeugnisse, Arbeits- und Wanderbücher der umherziehenden Knechte und Dienstboten. Die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufstieg erfüllten sich für die wenigsten von ihnen.''
 
''Apropos Kirche: Unter den ehemaligen Bischöfen und [[Erzbischöfe]]n, die in Salzburg die politische und kirchliche Macht innehatten und die großen Einfluss auch auf Neumarkt ausübten, befanden sich viele Zuwanderer: Bereits der erste Bischof Salzburgs, der [[Rupert von Worms|heilige Rupert]], stammt nicht aus Salzburg, sondern aus dem fränkischen Worms. Auch der wegen seiner außergewöhnlichen Leistungen als „Vater des Landes Salzburg“ bezeichnete [[Eberhard II. von Regensberg]], hat auswärtige Wurzeln. Er stammt aus dem Kanton Zürich in der [[Schweiz]]. Durch ihn wird im Jahr [[1240]] auch Neumarkt an der Nordgrenze des [[Erzbistum Salzburg|Erzbistums]] gegründet. Ein weiterer bedeutender Salzburger Erzbischof, [[Paris Graf von Lodron]], entstammt dem [[Trentino]] im Norden Italiens. Auch [[Paris Lodron]] hinterlässt in Neumarkt seine Spuren - in seiner Amtszeit erweitert Dombaumeister [[Santino Solari]] den [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] und errichtet das [[Schanzhäusl]]. [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach]] entstammt einem Adelsgeschlecht, das zur Mitte des [[15. Jahrhundert]]s aus Franken in die [[Steiermark]] eingewandert war, und der letzte Fürsterzbischof Salzburgs stammt eigentlich aus Wien - [[Hieronymus Graf Colloredo|Hieronymus Graf von Colloredo]]. Diesen Zuwanderern im Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht hat die Historikerin [[Sabine Veits-Falk]] im selben Ausstellungsraum die Belege von Binnenmigration im [[19. Jahrhundert]] gegenübergestellt – Armutszeugnisse, Arbeits- und Wanderbücher der umherziehenden Knechte und Dienstboten. Die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufstieg erfüllten sich für die wenigsten von ihnen.''
 
   
 
   
''Die Flucht als prägendes biografisches Ereignis wird von [[Hemma Ebner]] anhand der Kriegserlebnisse – [[Erster Weltkrieg]] - des aus [[Thalham]] stammenden [[Johann Sinnhuber]] rekonstruiert, und [[Siegfried Goellner]] thematisiert die Vertreibung von Menschen, die seit Generationen hier gelebt hatten und deren Leben in den [[1930er]] und [[1940er|40er]] Jahren aufgrund der politischen Radikalisierung nun von Ablehnung und Abschiebung, von Verfolgung und Vertreibung bestimmt waren.  
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''Die Flucht als prägendes biografisches Ereignis wird von [[Hemma Ebner]] anhand der Kriegserlebnisse – [[Erster Weltkrieg]] - des aus [[Thalham]] stammenden [[Johann Sinnhuber]] rekonstruiert, und [[Siegfried Goellner]] thematisiert die Vertreibung von Menschen, die seit Generationen hier gelebt hatten und deren Leben in den [[1930er]] und [[1940er|40er]] Jahren aufgrund der politischen Radikalisierung nun von Ablehnung und Abschiebung, von Verfolgung und Vertreibung bestimmt waren. Die durch den [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] ausgelösten Fluchtbewegungen erreichten in den 1940er Jahren auch Neumarkt – für Umsiedler aus [[Südtirol]] wurden in Neumarkt – auf enteigneten Gründen – Wohnbauten errichtet, „Volksdeutsche“ aus dem Sudetenland und aus [[Ungarn]] fanden vorübergehend oder dauerhaft hier Aufnahme, Kinder aus den von Luftangriffen betroffenen Städten Westdeutschlands wurden in jenen Jahren ins ungefährdete Neumarkt verschickt. Zu Kriegsende befanden sich mehr als 2 000 Flüchtlinge in Neumarkt-Köstendorf.''
Die durch den [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] ausgelösten Fluchtbewegungen erreichten in den 1940er Jahren auch Neumarkt – für Umsiedler aus [[Südtirol]] wurden in Neumarkt – auf enteigneten Gründen – Wohnbauten errichtet, „Volksdeutsche“ aus dem Sudetenland und aus [[Ungarn]] fanden vorübergehend oder dauerhaft hier Aufnahme, Kinder aus den von Luftangriffen betroffenen Städten Westdeutschlands wurden in jenen Jahren ins ungefährdete Neumarkt verschickt. Zu Kriegsende befanden sich mehr als 2 000 Flüchtlinge in Neumarkt-Köstendorf.''
      
''Das Untergeschoss des Museums wählt eine andere Erzählperspektive und bringt damit auch andere Aspekte von Flucht ins Spiel. Die dort zugrunde gelegte Idee ist, die geschichtliche Präsentation des Obergeschosses um künstlerische Positionen zu ergänzen. So zeigt etwa die Köstendörfer Filmemacherin und Drehbuchautorin [[Gabriele Neudecker]] den unter Beteiligung der einheimischen Bevölkerung gedrehten und vielfach preisgekrönten Film „[[Deserteur]]!“. ''
 
''Das Untergeschoss des Museums wählt eine andere Erzählperspektive und bringt damit auch andere Aspekte von Flucht ins Spiel. Die dort zugrunde gelegte Idee ist, die geschichtliche Präsentation des Obergeschosses um künstlerische Positionen zu ergänzen. So zeigt etwa die Köstendörfer Filmemacherin und Drehbuchautorin [[Gabriele Neudecker]] den unter Beteiligung der einheimischen Bevölkerung gedrehten und vielfach preisgekrönten Film „[[Deserteur]]!“. ''

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