| | Wesentlich ausführlicher als die Aufzeichnungen von Wiguleus Hunt waren die handschriftlichen (aber nie publizierten) genealogischen Darstellungen von bayrischen Adelsfamilien des Hofkammer-Direktors Johann Michael Wilhelm von Prey zu Straßkirchen (1690 - 1747). Seine Aufzeichnung ist die umfangreichste Sammlung von Genealogien altbayerischer Adelsfamilien. Sie entstand aus zufälligen Funden in historischen Quellen, die er im Zuge seiner Verwaltungstätigkeit als Freising´scher Hofkammer-Direktor gesammelt und in 33 Bänden aufgeschrieben hatte. Im 13. Band seiner ''"Bayrischen Adels Beschreibung Auch Andrer Geschlechter"'' ergänzte Johann von Prey mit seinen chronologisch geordneten Zufallsfunden die Genealogie der Hagenauer (Hagenau von und zu Hagenau). Da seine Niederschriften nicht im Rahmen einer speziellen Recherche mit dem Ziel einer spezifischen wissenschaftlichen Auswertung gemacht wurden, sind auch bei ihm die Aufzeichnungen lückenhaft. Sicherlich ein Übertragungsfehler war bei Prey der Satz bezüglich der Herkunft der Hagenauer ''"Hagenau auch ein Dorff sambt einen Forst oberhalb Frontenhausen"'', was eigentlich Schrobenhausen heißen müsste. Johann von Prey konnte die Genealogie der Hagenauer, verglichen mit der fragmentarischen Beschreibung der Herren von Hagenau bei Wiguleus Hunt, bereits um fast drei Jahrhunderte verlängern. Der erste bei Prey genannte Hagenauer war der Freisinger Bischof ''"Gotescalius de Hagenau'' (Gottschalk von Hagenau) ''electus anno 992, gestorben am 6. May 1005"''. Die erste urkundliche Erwähnung Gottschalks, die heute noch erhalten ist, stammt allerdings erst aus dem Jahr 994. Nach dem Stand der heutigen Forschung ist 994 auch das Jahr seiner Ernennung zum Freisinger Bischof. Preys letzter Eintrag über die Herren von Hagenau endet mit dem Edlen Stephan Hagenauer zu Allershausen, den er in einer Urkunde aus dem Jahr 1484 gefunden hatte. | | Wesentlich ausführlicher als die Aufzeichnungen von Wiguleus Hunt waren die handschriftlichen (aber nie publizierten) genealogischen Darstellungen von bayrischen Adelsfamilien des Hofkammer-Direktors Johann Michael Wilhelm von Prey zu Straßkirchen (1690 - 1747). Seine Aufzeichnung ist die umfangreichste Sammlung von Genealogien altbayerischer Adelsfamilien. Sie entstand aus zufälligen Funden in historischen Quellen, die er im Zuge seiner Verwaltungstätigkeit als Freising´scher Hofkammer-Direktor gesammelt und in 33 Bänden aufgeschrieben hatte. Im 13. Band seiner ''"Bayrischen Adels Beschreibung Auch Andrer Geschlechter"'' ergänzte Johann von Prey mit seinen chronologisch geordneten Zufallsfunden die Genealogie der Hagenauer (Hagenau von und zu Hagenau). Da seine Niederschriften nicht im Rahmen einer speziellen Recherche mit dem Ziel einer spezifischen wissenschaftlichen Auswertung gemacht wurden, sind auch bei ihm die Aufzeichnungen lückenhaft. Sicherlich ein Übertragungsfehler war bei Prey der Satz bezüglich der Herkunft der Hagenauer ''"Hagenau auch ein Dorff sambt einen Forst oberhalb Frontenhausen"'', was eigentlich Schrobenhausen heißen müsste. Johann von Prey konnte die Genealogie der Hagenauer, verglichen mit der fragmentarischen Beschreibung der Herren von Hagenau bei Wiguleus Hunt, bereits um fast drei Jahrhunderte verlängern. Der erste bei Prey genannte Hagenauer war der Freisinger Bischof ''"Gotescalius de Hagenau'' (Gottschalk von Hagenau) ''electus anno 992, gestorben am 6. May 1005"''. Die erste urkundliche Erwähnung Gottschalks, die heute noch erhalten ist, stammt allerdings erst aus dem Jahr 994. Nach dem Stand der heutigen Forschung ist 994 auch das Jahr seiner Ernennung zum Freisinger Bischof. Preys letzter Eintrag über die Herren von Hagenau endet mit dem Edlen Stephan Hagenauer zu Allershausen, den er in einer Urkunde aus dem Jahr 1484 gefunden hatte. |
| − | Der in der Pfarrei Allershausen tätige Joseph Grassinger hatte 1866 das Buch "die Pfarrei Allershausen im königl. Bezirks-Amte Freising" publiziert. Er konnte die Linie der bayrischen Hagenauer an Hand späterer Urkunden fortsetzen, ''"wenn auch die Güter in anderen Händen sich befanden"''. Den eben bei Johann von Prey genannten Stephan Hagenauer zu Allershausen, der den letzten bayrischen Stammsitz der Hagenauer 1484 verkauft hatte, fand Grassinger auch in einer späteren Urkunde aus dem Jahr 1487. In Urkunden von Allershausen selbst fand er die Hagenauer bis 1492, doch ''"auch später erscheinen noch Hagenauer"''. Diese ordnete Grassinger ebenfalls den Freisinger Herren von Hagenau zu:''"diese waren von der Linie Hagenau zu Schrobenhausen"''. Neben dem 1487 genannten Stephan Hagenauer zu Allershausen tauchte dessen Vetter Ulrich Hagenauer von Allershausen (als Ulrich Hagenauer zu Westerndorf 1492 genannt) und sein Sohn Georg (1503 genannt) in Urkunden in Bayern, sowie dessen Enkelsohn Sebastian in einer späteren Salzburger Urkunde auf. Dass die bei Grassinger ebenfalls genannten "von Hagenau zu Hörzhausen", wie Alois Franz von Hagenau zu Hörzhausen 1741, Adam Ignaz Josef von Hagenau 1754, Maria Antonia von Hagenau 1765 oder der 1767 genannte Max Gaudenz von Hagenau zu Hörzhausen mit den Herren von Hagenau verwandt gewesen sein sollen, ist allerdings unwahrscheinlich. Die Familie von Hagenau zu Hörzhausen erhielten ihre Bestätigung der ''"bereits genossenen Edelmannsfreiheit in Bayern"'' im Jahr 1740. Die Herren von Hagenau, hier stimmt es soweit überein, waren in keinerlei Adelsregistern eingetragen gewesen. Jedoch ist das Wappen derer von Hagenau zu Hörzhausen ein anderes (vgl. Grabdenkmal des Anton Alois Franz von Hagenau aus dem Jahr 1742 in: Grabmäler München, S. Antonius Paduanus, 1803). Ebenso hatten sich die Herren von Hagenau ab dem 14. Jahrhundert zunehmend, und ab dem 15. Jahrhundert ausschließlich, Hagenauer genannt. Vor 1600 scheinen die Hagenauer in Salzburg als "Hagenauer de Allershausen", "Hagenauer de Piding", oder als "Hagenauer de Ainring" auf. Erst kurz nach 1600 tauchten die Hagenauer im Erzbistum Salzburg wieder als "Hagenauer de Hagenau" auf, wobei das "de Hagenau" hier als Herkunftsbezeichnung zu werten ist. | + | Der in der Pfarrei Allershausen tätige Joseph Grassinger hatte 1866 das Buch "die Pfarrei Allershausen im königl. Bezirks-Amte Freising" publiziert. Er konnte die Linie der bayrischen Hagenauer an Hand späterer Urkunden fortsetzen, ''"wenn auch die Güter in anderen Händen sich befanden"''. Den eben bei Johann von Prey genannten Stephan Hagenauer zu Allershausen, der den letzten bayrischen Stammsitz der Hagenauer 1484 verkauft hatte, fand Grassinger auch in einer späteren Urkunde aus dem Jahr 1487. In Urkunden von Allershausen selbst fand er die Hagenauer bis 1492, doch ''"auch später erscheinen noch Hagenauer"''. Diese ordnete Grassinger ebenfalls den Freisinger Herren von Hagenau zu:''"diese waren von der Linie Hagenau zu Schrobenhausen"''. Neben dem 1487 genannten Stephan Hagenauer zu Allershausen tauchte dessen Vetter Ulrich Hagenauer von Allershausen (als Ulrich Hagenauer zu Westerndorf 1492 genannt) und sein Sohn Georg (1503 genannt) in Urkunden in Bayern, sowie dessen Enkelsohn Sebastian in einer späteren Salzburger Urkunde auf. Dass die bei Grassinger ebenfalls genannten "von Hagenau zu Hörzhausen", wie Alois Franz von Hagenau zu Hörzhausen 1741, Adam Ignaz Josef von Hagenau 1754, Maria Antonia von Hagenau 1765 oder der 1767 genannte Max Gaudenz von Hagenau zu Hörzhausen mit den Herren von Hagenau verwandt gewesen sein sollen, ist allerdings unwahrscheinlich. Die Familie von Hagenau zu Hörzhausen erhielten ihre Bestätigung der ''"bereits genossenen Edelmannsfreiheit in Bayern"'' im Jahr 1740. Die Herren von Hagenau, hier stimmt es soweit überein, waren in keinerlei Adelsregistern eingetragen gewesen. Jedoch ist das Wappen derer von Hagenau zu Hörzhausen ein anderes (vgl. Grabdenkmal des Anton Alois Franz von Hagenau aus dem Jahr 1742 in: Grabmäler München, S. Antonius Paduanus, 1803). Ebenso hatten sich die Herren von Hagenau ab dem 14. Jahrhundert zunehmend, und ab dem 15. Jahrhundert ausschließlich, Hagenauer genannt. Vor 1600 scheinen die Hagenauer in Salzburg als "Hagenauer de Allershausen", "Hagenauer de Piding", oder als "Hagenauer de Ainring" auf. Erst kurz nach 1600 tauchten die Hagenauer im Erzbistum Salzburg wieder als "Hagenauer de Hagenau" auf, wobei das "de Hagenau" hier vorerst als Herkunftsbezeichnung zu werten ist. |
| | Einer der wahrscheinlich letzten "Bayern" der Freisinger Linie, Sebastian Hagenauer von Allershausen, hatten um 1546 mit seinem Sohn Georg das bayerische Herzogtum verlassen, also fast 40 Jahre vor der Publikation von Wiguleus Hunts "Bayrischem Stammbuch" im Jahr 1585. Im großen heraldisch-genealogischen Werk von Siebmacher (erster Band 1605) tauchen die Hagenauer jedenfalls nicht mehr in der Liste bayrischer Adelsgeschlechter auf, ebenso wenig aber auch im Siebmacher der abgestorbenen bayrischen Adelsgeschlechter. Die Freisinger Linie derer von Hagenau bestand nämlich ab 1550 als Salzburger Linie (Salzburg war ein eigenständiges Fürstentum) weiter. Die bayrische Linie mit Stephan, (dessen Cousin) Ulrich und Georg Hagenauer von Allershausen (zu Westerndorf), hatte sich nach dem Salzburger Historiker [[Willibald Hauthaler]] mit Sebastian und dessen Sohn [[Georg Hagenauer I.]] in Piding bei Salzburg fortgesetzt. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts finden wir die Nachkommen der Freisinger Hagenauer nun für die nächsten 300 Jahre im Erzbistum Salzburg wieder. Der Salzburger [[Joseph Philipp Fellner]] (1769 - 1850) hatte in seiner unpublizierten Familien-Chronik von 1833 (in der er der Familie Hagenauer ein eigenes Kapitel gewidmet hatte) geschrieben, ''"Wenn das Siegel einen Stammbaum ersetzen und einen genealogischen Beweis liefern kann, so möchten die Salzburger Hagenauer dem Geschlecht der, seiner Zeit im Viertel Ober Wiener Wald in Österreich unter der Enns reich begüterten, Hagenauer (Herren von Hagenau) angehören"''. Er hatte die Salzburger Hagenauer aber irrtümlich auf die niederösterreichische Linie der Herren von Hagenau zurückgeführt, oder gab die seit Wiguleus Hunt weit verbreitete irrige Meinung wieder, dass die ursprüngliche Herkunft der Hagenauer in Österreich lag. Der Historiker, Regestenforscher und spätere Abt von St. Peter (1901 - 1922) Willibald Hauthaler konnte schließlich an Hand von Urkunden die Abkunft der Salzburger Hagenauer vom Freisinger Stamm der Herren von Hagenau aus Bayern nachweisen, was auch der überlieferten Familientradition entsprach (Hagenauer-Archiv, Wien). Hauthaler gilt als einer der bedeutendsten Landeshistoriker Salzburgs, dessen Grundlagenarbeiten bis heute von großem Wert sind. Er wurde wegen seiner ''"großen Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit"'' von anderen herausragenden Historikern wie [[Franz Martin]] sehr geschätzt. | | Einer der wahrscheinlich letzten "Bayern" der Freisinger Linie, Sebastian Hagenauer von Allershausen, hatten um 1546 mit seinem Sohn Georg das bayerische Herzogtum verlassen, also fast 40 Jahre vor der Publikation von Wiguleus Hunts "Bayrischem Stammbuch" im Jahr 1585. Im großen heraldisch-genealogischen Werk von Siebmacher (erster Band 1605) tauchen die Hagenauer jedenfalls nicht mehr in der Liste bayrischer Adelsgeschlechter auf, ebenso wenig aber auch im Siebmacher der abgestorbenen bayrischen Adelsgeschlechter. Die Freisinger Linie derer von Hagenau bestand nämlich ab 1550 als Salzburger Linie (Salzburg war ein eigenständiges Fürstentum) weiter. Die bayrische Linie mit Stephan, (dessen Cousin) Ulrich und Georg Hagenauer von Allershausen (zu Westerndorf), hatte sich nach dem Salzburger Historiker [[Willibald Hauthaler]] mit Sebastian und dessen Sohn [[Georg Hagenauer I.]] in Piding bei Salzburg fortgesetzt. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts finden wir die Nachkommen der Freisinger Hagenauer nun für die nächsten 300 Jahre im Erzbistum Salzburg wieder. Der Salzburger [[Joseph Philipp Fellner]] (1769 - 1850) hatte in seiner unpublizierten Familien-Chronik von 1833 (in der er der Familie Hagenauer ein eigenes Kapitel gewidmet hatte) geschrieben, ''"Wenn das Siegel einen Stammbaum ersetzen und einen genealogischen Beweis liefern kann, so möchten die Salzburger Hagenauer dem Geschlecht der, seiner Zeit im Viertel Ober Wiener Wald in Österreich unter der Enns reich begüterten, Hagenauer (Herren von Hagenau) angehören"''. Er hatte die Salzburger Hagenauer aber irrtümlich auf die niederösterreichische Linie der Herren von Hagenau zurückgeführt, oder gab die seit Wiguleus Hunt weit verbreitete irrige Meinung wieder, dass die ursprüngliche Herkunft der Hagenauer in Österreich lag. Der Historiker, Regestenforscher und spätere Abt von St. Peter (1901 - 1922) Willibald Hauthaler konnte schließlich an Hand von Urkunden die Abkunft der Salzburger Hagenauer vom Freisinger Stamm der Herren von Hagenau aus Bayern nachweisen, was auch der überlieferten Familientradition entsprach (Hagenauer-Archiv, Wien). Hauthaler gilt als einer der bedeutendsten Landeshistoriker Salzburgs, dessen Grundlagenarbeiten bis heute von großem Wert sind. Er wurde wegen seiner ''"großen Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit"'' von anderen herausragenden Historikern wie [[Franz Martin]] sehr geschätzt. |