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| | ==Vergangenheit== | | ==Vergangenheit== |
| − | Die Wälder Europas waren einst wildreich und Lebensraum für große Beutegreifer. Besonders für die drei großen Wildtierarten Wolf, [[Luchs]] und [[Bär]] wurde der natürliche und ursprünglich belassene Lebensraum beginnend mit dem Mittelalter zunehmend kleiner. Die Hauptursache für den starken Rückgang dieser Tiere ist aber in der intensiven Bejagung zu sehen. Zur Verengung des Lebensraumes und die immer stärkere Bejagung kam noch ein ideologisches Anliegen: der Wolf wurde immer stärker dämonisiert. | + | Die Wälder Europas waren einst wildreich und Lebensraum für große Beutegreifer. Besonders für die drei großen Wildtierarten Wolf, [[Luchs]] und [[Bär]] wurde der natürliche und ursprünglich belassene Lebensraum beginnend mit dem [[Mittelalter]] zunehmend kleiner. Die Hauptursache für den starken Rückgang dieser Tiere ist aber in der intensiven Bejagung zu sehen. Zur Verengung des Lebensraumes und der immer stärkere Bejagung kam noch ein ideologisches Anliegen: der Wolf wurde immer stärker dämonisiert. |
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| | =====Werwölfe und Wolfshatz===== | | =====Werwölfe und Wolfshatz===== |
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| | :''„Die Frage, ob es wirkliche Wölfe sind oder Teufel in Wolfsgestalt, ist nur so zu beantworten, dass es sich um wirkliche Wölfe handelt, die jedoch vom Teufel besessen sind.“'' (Anmerkung: Allein innerhalb von zwei Jahren verurteilte ein einziger Richter im französischen Jura 600 angeblich zu Werwölfen verwandelte Menschen zum (reinigenden) Feuertod.) | | :''„Die Frage, ob es wirkliche Wölfe sind oder Teufel in Wolfsgestalt, ist nur so zu beantworten, dass es sich um wirkliche Wölfe handelt, die jedoch vom Teufel besessen sind.“'' (Anmerkung: Allein innerhalb von zwei Jahren verurteilte ein einziger Richter im französischen Jura 600 angeblich zu Werwölfen verwandelte Menschen zum (reinigenden) Feuertod.) |
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| − | Über Jahrhunderte wurden ganze Dorfgemeinschaften zur Wolfshatz eingesetzt. Im Gericht [[Mittersill]] wurden in den Jahren [[1627]] bis [[1645]] 40 Wölfe und 27 [[Luchs]]e erlegt oder ''„zu Geräusch gebracht“''. Diese Treibjagden auf Wölfe dienten nicht nur der Verfolgung und Tötung der Raubtiere, sondern auch der Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Zivilisation und Wildnis, Christentum und Zauberei. Die [[Lungau]]er Sage von den vier Wölfen erinnert noch an diese Zeit. | + | Über Jahrhunderte wurden ganze Dorfgemeinschaften zur Wolfshatz eingesetzt. Im [[Oberpinzgau]] (damals: [[Pfleggerichte|Gericht]] [[Pfleggericht Mittersill|Mittersill]]) wurden in den Jahren [[1627]] bis [[1645]] 40 Wölfe und 27 [[Luchs]]e erlegt oder ''„zu Geräusch gebracht“''. Diese Treibjagden auf Wölfe dienten nicht nur der Verfolgung und Tötung der Raubtiere, sondern auch der Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Zivilisation und Wildnis, Christentum und Zauberei. Die [[Lungau]]er Sage von den vier Wölfen erinnert noch an diese Zeit. |
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| | Erst im [[18. Jahrhundert]] übernahm die Jägerschaft die Wolfsjagd. | | Erst im [[18. Jahrhundert]] übernahm die Jägerschaft die Wolfsjagd. |
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| | =====Wildökologisches Forum 2011===== | | =====Wildökologisches Forum 2011===== |
| − | Beim Wildökologischen Forum, das am Montag, dem [[30. Mai]] 2011 in Salzburg abgehalten wurde, stand erneut das Einwandern des Wolfes zur Debatte. Anlass ist die Tatsache, dass Österreich von Ländern umgeben ist, in denen Wolfspopulationen leben, wie in der Schweiz, in [[Italien]], in [[Deutschland]], in Tschechien, in der Slowakei und in Slowenien. Österreich - und damit auch Salzburg – spielt daher eine nicht unwesentliche Rolle als Korridor und für den genetischen Austausch der europäischen Wolfspopulationen. Sichtungen von Einzelexemplaren kommen auch in Salzburg vor. So hat im Herbst 2010 im [[Lungau]] angeblich ein Wolf ein Fohlen gerissen. | + | Beim Wildökologischen Forum, das am Montag, dem [[30. Mai]] 2011 in Salzburg abgehalten wurde, stand erneut das Einwandern des Wolfes zur Debatte. Anlass ist die Tatsache, dass Österreich von Ländern umgeben ist, in denen Wolfspopulationen leben, wie in der [[Schweiz]], in [[Italien]], in [[Deutschland]], in [[Tschechien]], in der [[Slowakei]] und in [[Slowenien]]. Österreich - und damit auch Salzburg – spielt daher eine nicht unwesentliche Rolle als Korridor und für den genetischen Austausch der europäischen Wolfspopulationen. Sichtungen von Einzelexemplaren kommen auch in Salzburg vor. So hat im Herbst 2010 im [[Lungau]] angeblich ein Wolf ein Fohlen gerissen. |
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| | Debatteninhalt war vor allem die Frage, wie mit den heimlichen Einwanderern umzugehen ist. Erwartungsgemäß waren die Vertreter der [[Landwirtschaft]] und der [[Salzburger Bauern]] skeptisch bis ablehnend und wollen jedenfalls nicht die Anzahl von etwa 400 Wolfspaaren zulassen, die vom WWF als Potential für Österreich gesehen wird, sondern maximal ein Zehntel davon. | | Debatteninhalt war vor allem die Frage, wie mit den heimlichen Einwanderern umzugehen ist. Erwartungsgemäß waren die Vertreter der [[Landwirtschaft]] und der [[Salzburger Bauern]] skeptisch bis ablehnend und wollen jedenfalls nicht die Anzahl von etwa 400 Wolfspaaren zulassen, die vom WWF als Potential für Österreich gesehen wird, sondern maximal ein Zehntel davon. |
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| | Generell gilt, dass die meisten Wolfssichtungen im [[Bundesland Salzburg]] im [[Lungau]] vorkommen. | | Generell gilt, dass die meisten Wolfssichtungen im [[Bundesland Salzburg]] im [[Lungau]] vorkommen. |
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| − | *:''"Im Lungau wurde ein seltener Zuwanderer aus dem Süden geortet. Ein drei Jahre alter Wolf ist aus Slowenien über Kärnten und die Steiermark bis in den Raum Thomatal gewandert. Seine Reiseroute und sogar seine Fressgewohnheiten sind bekannt, obwohl im Lungau noch nicht einmal seine Fährte gesichtet wurde. Der Wolf namens Slavko ist vorerst nur über Funksignale zu orten - slowenische Wildbiologen hatten ihm zu Forschungszwecken einen GSM-Sender verpasst."'' (ORF-Salzburg-Meldung, Jänner 2012) Slavko ist mittlerweile nach [[Italien]] weiter gewandert. | + | *:''"Im Lungau wurde ein seltener Zuwanderer aus dem Süden geortet. Ein drei Jahre alter Wolf ist aus Slowenien über [[Kärnten]] und die [[Steiermark]] bis in den Raum [[Thomatal]] gewandert. Seine Reiseroute und sogar seine Fressgewohnheiten sind bekannt, obwohl im Lungau noch nicht einmal seine Fährte gesichtet wurde. Der Wolf namens Slavko ist vorerst nur über Funksignale zu orten - slowenische Wildbiologen hatten ihm zu Forschungszwecken einen GSM-Sender verpasst."'' ([[ORF]]-Salzburg-Meldung, Jänner 2012) Slavko ist mittlerweile nach [[Italien]] weiter gewandert. |
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| | *In den letzten Augusttagen des Jahres 2014 war ein Wolf im Bereich der Illingerbergalm bei [[St. Gilgen]] unterwegs und wurde dabei von einem Jäger gesichtet. Als eine Bäuerin aus St. Gilgen zwei abgängige Schafe suchte, fand sie die Überreste eines der beiden Tiere, das allem Anschein nach von einem Raubtier gerissen worden war. Eine DNA-Analyse belegte eindeutig, dass das Schaf die Beute eines Wolfes geworden war. Während betroffene Landwirte in ihrem ersten Ärger verständlicherweise gerne auf Wolf, [[Bär]] und [[Luchs]] verzichten würden, ist es unter Experten längst eine ausgemachte Sache, dass auch in Österreich, das von Ländern umringt ist, in denen Wolfspopulationen wieder heimisch geworden sind, mit dem Durchstreifen von Wölfen auf Wanderschaft, ja auch mit der Ansiedlung kleinerer Populationen zu rechnen ist. | | *In den letzten Augusttagen des Jahres 2014 war ein Wolf im Bereich der Illingerbergalm bei [[St. Gilgen]] unterwegs und wurde dabei von einem Jäger gesichtet. Als eine Bäuerin aus St. Gilgen zwei abgängige Schafe suchte, fand sie die Überreste eines der beiden Tiere, das allem Anschein nach von einem Raubtier gerissen worden war. Eine DNA-Analyse belegte eindeutig, dass das Schaf die Beute eines Wolfes geworden war. Während betroffene Landwirte in ihrem ersten Ärger verständlicherweise gerne auf Wolf, [[Bär]] und [[Luchs]] verzichten würden, ist es unter Experten längst eine ausgemachte Sache, dass auch in Österreich, das von Ländern umringt ist, in denen Wolfspopulationen wieder heimisch geworden sind, mit dem Durchstreifen von Wölfen auf Wanderschaft, ja auch mit der Ansiedlung kleinerer Populationen zu rechnen ist. |
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| | * [http://wwf.at wwf.at] | | * [http://wwf.at wwf.at] |
| | * SN, Lokalteil, 31. Mai 2011, "Heimliche Einwanderer" | | * SN, Lokalteil, 31. Mai 2011, "Heimliche Einwanderer" |
| − | * SN, Lokalteil, 2. September 2014, S. 6, Anton Prlic, Anton Kaindl, ''Wolf riss Schaf einer St. Gilgener Bäuerin" | + | * SN, Lokalteil, 2. September 2014, S. 6, [[Anton Prlic]], [[Anton Kaindl]], ''Wolf riss Schaf einer St. Gilgener Bäuerin" |
| | * SN, Lokalteil, 7. Juli 2015, S. 6, Anton Kaindl, "Das Foto des Wolfes in den Hohen Tauern" | | * SN, Lokalteil, 7. Juli 2015, S. 6, Anton Kaindl, "Das Foto des Wolfes in den Hohen Tauern" |
| | [[Kategorie:Wissenschaft]] | | [[Kategorie:Wissenschaft]] |
| − | * SN, Donnerstag, 20. August 2015, Seite 11, | + | * SN, Donnerstag, 20. August 2015, Seite 11 |
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| | [[Kategorie:Biologie]] | | [[Kategorie:Biologie]] |