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| | ==Zwischen Kaiser und Papst== | | ==Zwischen Kaiser und Papst== |
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| − | Im 10. Jahrhundert standen die [[Salzburger Erzbischöfe]] so wie fast alle deutschen Kirchenfürsten ganz im Dienst von Kaiser und Reich. Sie wurden dafür mit reichen Besitzungen belohnt, die wichtige Bausteine des späteren Landes bildeten. Als sich jedoch Erzbischof [[Herold]] [[955]] an einem Aufstand seiner Verwandten gegen König Otto I. beteiligte, musste er das bitter büßen: Er wurde grausam geblendet, abgesetzt und aus Salzburg verbannt. Die Eintracht mit dem Herrscher war aber bald wiederhergestellt. Kaiser Otto III. verlieh [[996]] Erzbischof [[Hartwig]] das Recht, in Salzburg einen täglichen öffentlichen Markt abzuhalten, davon einen Zoll einzuheben und Silbermünzen nach Regensburger Gewicht, die "Salzburger Pfennige", zu prägen. Damit wurde die Entwicklung Salzburgs zur Stadt eingeleitet. Am Beginn des 12. Jahrhunderts waren mit einem Stadtrichter, mit Bürgern und einer Bürgerzeche sowie mit massiven Stadtmauern die wichtigsten Kennzeichen einer mittelalterlichen Stadt gegeben. Salzburg war die mit Abstand älteste Stadt auf dem Boden des heutigen Österreich. | + | Im [[10. Jahrhundert]] standen die [[Salzburger Erzbischöfe]] so wie fast alle deutschen Kirchenfürsten ganz im Dienst von Kaiser und Reich. Sie wurden dafür mit reichen Besitzungen belohnt, die wichtige Bausteine des späteren Landes bildeten. Als sich jedoch Erzbischof [[Herold]] [[955]] an einem Aufstand seiner Verwandten gegen König Otto I. beteiligte, musste er das bitter büßen: Er wurde grausam geblendet, abgesetzt und aus Salzburg verbannt. Die Eintracht mit dem Herrscher war aber bald wiederhergestellt. Kaiser Otto III. verlieh [[996]] Erzbischof [[Hartwig]] das Recht, in Salzburg einen täglichen öffentlichen Markt abzuhalten, davon einen Zoll einzuheben und Silbermünzen nach Regensburger Gewicht, die "[[Salzburger Pfennige]]", zu prägen. Damit wurde die Entwicklung Salzburgs zur Stadt eingeleitet. Am Beginn des [[12. Jahrhundert]]s waren mit einem Stadtrichter, mit Bürgern und einer Bürgerzeche sowie mit massiven Stadtmauern die wichtigsten Kennzeichen einer mittelalterlichen Stadt gegeben. Salzburg war die mit Abstand älteste Stadt auf dem Boden des heutigen Österreich. |
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| | ===Salzburgs Privileg=== | | ===Salzburgs Privileg=== |
| − | Der aus schwäbischem Adel stammende Erzbischof [[Gebhard]] ([[1060]] - [[1088]]) gründete mit Zustimmung von König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. [[1072]] in Gurk in Kärnten das erste Salzburger "Eigenbistum". Innerhalb der katholischen Kirche war es durch viele Jahrhunderte ein einzigartiges Vorrecht, dass die [[Salzburger Erzbischöfe]] vier Suffraganbischöfe – im frühen 13. Jahrhundert wurden drei weitere Eigenbistümer im bayerischen Chiemsee, in Seckau (Steiermark) und Lavant (Kärnten) gegründet – ohne Mitwirkung von Papst und Kaiser einsetzen konnten. | + | Der aus schwäbischem Adel stammende Erzbischof [[Gebhard]] ([[1060]] - [[1088]]) gründete mit Zustimmung von König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. [[1072]] in Gurk in [[Kärnten]] das erste Salzburger "Eigenbistum". Innerhalb der katholischen Kirche war es durch viele Jahrhunderte ein einzigartiges Vorrecht, dass die [[Salzburger Erzbischöfe]] vier Suffraganbischöfe – im frühen [[13. Jahrhundert]] wurden drei weitere Eigenbistümer im bayerischen Chiemsee, in Seckau (Steiermark) und Lavant (Kärnten) gegründet – ohne Mitwirkung von Papst und Kaiser einsetzen konnten. |
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| − | Auf dem ersten Vatikanischen Konzil [[1869]] wurde deshalb der Salzburger Erzbischof [[Josef von Tarnóczy]] von Pius IX. mit den Worten begrüßt: "Seht da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann". Während dieses Recht [[1920]] und endgültig mit dem Konkordat [[1934]] verloren ging, besitzen die [[Salzburger Erzbischöfe]] bis heute zwei besondere Ehrentitel: Als ständige Vertreter des Papstes (Legati nati) in ihrer Kirchenprovinz tragen sie seit [[1026]] den "Legatenpurpur", der älter ist, als das Purpurgewand der Kardinäle. Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Magdeburg sicherten sich die Erzbischöfe im 17. Jahrhundert den Titel des Primas Germaniae, des ersten Kirchenfürsten in Deutschland. | + | Auf dem ersten Vatikanischen Konzil [[1869]] wurde deshalb der Salzburger Erzbischof [[Josef von Tarnóczy]] von Pius IX. mit den Worten begrüßt: "Seht da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann". Während dieses Recht [[1920]] und endgültig mit dem Konkordat [[1934]] verloren ging, besitzen die [[Salzburger Erzbischöfe]] bis heute zwei besondere Ehrentitel: Als ständige Vertreter des Papstes (Legati nati) in ihrer Kirchenprovinz tragen sie seit [[1026]] den "Legatenpurpur", der älter ist, als das Purpurgewand der Kardinäle. Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Magdeburg sicherten sich die Erzbischöfe im [[17. Jahrhundert]] den Titel des Primas Germaniae, des ersten Kirchenfürsten in Deutschland. |
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| | ===Salzburg schwer verwüstet=== | | ===Salzburg schwer verwüstet=== |
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| | ===Hohensalzburg wird beherrschende Stadtfeste=== | | ===Hohensalzburg wird beherrschende Stadtfeste=== |
| − | Auch Erzbischof [[Konrad I.]] ([[1106]] - [[1147]]) aus dem Geschlecht der fränkischen Grafen von Abenberg, der sich an Gebhards Vorbild orientierte, verbrachte ein Jahrzehnt im Exil. Der Ausgleich zwischen Kaiser und Papst im Wormser Konkordat [[1122]] ermöglichte ihm die Rückkehr nach Salzburg, wo er ein umfassendes Aufbauwerk begann: Er gestaltete Hohensalzburg zur beherrschenden Stadtfeste, sicherte die auswärtigen Besitzungen in Kärnten und der Steiermark durch den Bau starker Burgen und schuf mit dem Aufbau einer ihm treu ergebenen Dienstmannschaft (Ministerialität) ein neues Potential für Verwaltung und Heer. Im Verlauf der Augustiner Chorherrenreform mit dem [[Salzburger Domkapitel]] als Zentrum wurden 17 Stifte teils neu gegründet, teils reformiert und diesen mit der Einverleibung zahlreicher Pfarren die Hauptlast der Seelsorge übertragen. | + | Auch Erzbischof [[Konrad I.]] ([[1106]] - [[1147]]) aus dem Geschlecht der fränkischen Grafen von Abenberg, der sich an Gebhards Vorbild orientierte, verbrachte ein Jahrzehnt im Exil. Der Ausgleich zwischen Kaiser und Papst im Wormser Konkordat [[1122]] ermöglichte ihm die Rückkehr nach Salzburg, wo er ein umfassendes Aufbauwerk begann: Er gestaltete Hohensalzburg zur beherrschenden Stadtfeste, sicherte die auswärtigen Besitzungen in Kärnten und der [[Steiermark]] durch den Bau starker Burgen und schuf mit dem Aufbau einer ihm treu ergebenen Dienstmannschaft (Ministerialität) ein neues Potential für Verwaltung und Heer. Im Verlauf der Augustiner Chorherrenreform mit dem [[Salzburger Domkapitel]] als Zentrum wurden 17 Stifte teils neu gegründet, teils reformiert und diesen mit der Einverleibung zahlreicher Pfarren die Hauptlast der Seelsorge übertragen. |
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| | ===Grafen von Plain legen verheerendes Feuer=== | | ===Grafen von Plain legen verheerendes Feuer=== |
| − | Als es zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Papst Alexander III. zu einem schweren Zerwürfnis kam, wurden die Salzburger Erzbischöfe erneut zu Führern der päpstlichen Partei im Reich. Barbarossa verhängte [[1166]] über seinen Onkel, Erzbischof [[Konrad II.]], die Reichsacht, und ein Jahr später fiel die Stadt Salzburg einem verheerenden Brand zum Opfer, den die [[Grafen von Plain]] als kaiserliche Parteigänger gelegt hatten. Der Kaiser nahm [[1169]] Salzburg unter seine direkte Verwaltung und ließ [[1174]] seinen Neffen, Erzbischof [[Adalbert II.]], absetzen. Erst nach dem Frieden von Venedig [[1177]] konnte [[Konrad III. von Wittelsbach]], der erste Kardinal in Salzburg, mit dem Wiederaufbau beginnen. Der [[1179]] - [[1198]] errichtete romanische Dom zählte zu den größten und schönsten Kirchenbauten nördlich der Alpen. Von einem trotz der Kriegseinwirkungen ungebrochenen künstlerischen Schaffen zeugen Meisterwerke der Goldschmiedekunst wie der "Ministerialenkelch" aus [[Erzstift St. Peter|St. Peter]] und das prachtvolle Antiphonar als Höhepunkt mittelalterlicher Buchmalerei. | + | Als es zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Papst Alexander III. zu einem schweren Zerwürfnis kam, wurden die Salzburger Erzbischöfe erneut zu Führern der päpstlichen Partei im Reich. Barbarossa verhängte [[1166]] über seinen Onkel, Erzbischof [[Konrad II.]], die Reichsacht, und ein Jahr später fiel die Stadt Salzburg einem verheerenden Brand zum Opfer, den die [[Grafen von Plain]] als kaiserliche Parteigänger gelegt hatten. Der Kaiser nahm [[1169]] Salzburg unter seine direkte Verwaltung und ließ [[1174]] seinen Neffen, Erzbischof [[Adalbert II.]], absetzen. Erst nach dem Frieden von Venedig [[1177]] konnte [[Konrad III. von Wittelsbach]], der erste Kardinal in Salzburg, mit dem Wiederaufbau beginnen. Der [[1179]] - [[1198]] errichtete romanische [[Salzburger Dom|Dom]] zählte zu den größten und schönsten Kirchenbauten nördlich der Alpen. Von einem trotz der Kriegseinwirkungen ungebrochenen künstlerischen Schaffen zeugen Meisterwerke der Goldschmiedekunst wie der "Ministerialenkelch" aus [[Erzstift St. Peter|St. Peter]] und das prachtvolle Antiphonar als Höhepunkt mittelalterlicher Buchmalerei. |
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| | [[Kategorie: Zwischen Kaiser und Papst (Geschichte)]] | | [[Kategorie: Zwischen Kaiser und Papst (Geschichte)]] |
| | [[Kategorie:Geschichte]] | | [[Kategorie:Geschichte]] |