| | [[Datei:Arnold von Hagenauer.gif|miniatur|Arnold von Hagenauer, (* Linz 1871, † Wien 1918)]] Nach Wien war auch ein Cousin des Simon II. Baron von Hagenauer gezogen, der [[1871]] in Linz geborene Literatur-Kritiker und Schriftsteller [[Arnold von Hagenauer]]. Arnold wurde sehr früh Vollwaise und wuchs bei zwei Tanten auf. In Wien studierte er vorerst Veterinärmedizin, allerdings folgte er bald seinen literarischen Neigungen, die ihn bereits Mitte der 1890er Jahre in die Kreise des jungen Wien führten. Er wurde Redakteur des literarischen Teils der "Ostdeutschen Rundschau" und Mitarbeiter bei zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften, wobei er stets als "Arnold Hagenauer" publizierte. Seine starke und ursprüngliche Begabung der Schriftstellerei wurde von dem Wiener Dramatiker Ferdinand von Saar und dem vorübergehend auch in München wohnenden Schriftsteller Freiherrn Detlev von Liliencron gefördert. Arnold war ein Erzähler nach dem Vorbild Émile Zolas und Guy de Maupassants. Mit dem kleinen Gedichtbändchen "Illusionen" gab er 1895 sein literarisches Debüt, aber erst durch seinen im Jahr 1900 veröffentlichten Roman "Muspilli" wurde man auf ihn aufmerksam. Arnold blieb unverheiratet, reiste viel und verweilte auch öfters in Salzburg. Neben Buch-Kritiken schrieb er Essays und Romane, darunter auch einen "Salzburger Biedermeier-Roman". Dieser Salzburger Roman wurde erstmals 1919 als mehrteilige Romanbeilage "Leonhard und Rosa" im [[Salzburger Volksblatt]] veröffentlicht. Arnold starb bereits im Jahr [[1918]] nach einem Unfall in Grinzing (Wien) an Lungenentzündung. | | [[Datei:Arnold von Hagenauer.gif|miniatur|Arnold von Hagenauer, (* Linz 1871, † Wien 1918)]] Nach Wien war auch ein Cousin des Simon II. Baron von Hagenauer gezogen, der [[1871]] in Linz geborene Literatur-Kritiker und Schriftsteller [[Arnold von Hagenauer]]. Arnold wurde sehr früh Vollwaise und wuchs bei zwei Tanten auf. In Wien studierte er vorerst Veterinärmedizin, allerdings folgte er bald seinen literarischen Neigungen, die ihn bereits Mitte der 1890er Jahre in die Kreise des jungen Wien führten. Er wurde Redakteur des literarischen Teils der "Ostdeutschen Rundschau" und Mitarbeiter bei zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften, wobei er stets als "Arnold Hagenauer" publizierte. Seine starke und ursprüngliche Begabung der Schriftstellerei wurde von dem Wiener Dramatiker Ferdinand von Saar und dem vorübergehend auch in München wohnenden Schriftsteller Freiherrn Detlev von Liliencron gefördert. Arnold war ein Erzähler nach dem Vorbild Émile Zolas und Guy de Maupassants. Mit dem kleinen Gedichtbändchen "Illusionen" gab er 1895 sein literarisches Debüt, aber erst durch seinen im Jahr 1900 veröffentlichten Roman "Muspilli" wurde man auf ihn aufmerksam. Arnold blieb unverheiratet, reiste viel und verweilte auch öfters in Salzburg. Neben Buch-Kritiken schrieb er Essays und Romane, darunter auch einen "Salzburger Biedermeier-Roman". Dieser Salzburger Roman wurde erstmals 1919 als mehrteilige Romanbeilage "Leonhard und Rosa" im [[Salzburger Volksblatt]] veröffentlicht. Arnold starb bereits im Jahr [[1918]] nach einem Unfall in Grinzing (Wien) an Lungenentzündung. |
| − | Der 1881 bereits in Wien geborene Simon (III.) Baron von Hagenauer war in seiner Jugend ein begeisterter Jäger, Bergsteiger, Segler und Reiter, und besaß in seiner Jugend ein Rennpferd. Nach Absolvierung des Franz-Joseph-Gymnasiums (heutiges Gymnasium Stubenbastei) und des Jus-Studiums in Wien wurde er wie sein Vater Jurist. Im Ersten Weltkrieg war Dr. Simon von Hagenauer Amtsleiter in der Bezirkshauptmannschaft des damals steirischen Bezirkes Windischgraz (heute okraj Slovenji Gradec in Slovenien). Der Bezirk Windischgraz wurde 1919, nach dem Vertrag von Saint-Germain, dem Königreich Jugoslawien zugewiesen. Danach war Dr. Hagenauer als Bezirkskommisär bei der Landeshauptmannschaft in Graz tätig. Zwischen 1921 und 1926 war der inzwischen zum wirkl. Hofrath ernannte Verfassungsjurist Dr. Simon Hagenauer in der burgenländischen Landes-Hauptmannschaft mit der Ausarbeitung der Gesetze für das jüngst zur Republik Österreich hinzugekommene Bundesland Burgenland betraut worden. Burgenland, das ehemalige Deutsch-Westungarn, war durch den Vertrag von Trianon 1920 an Österreich gefallen. 1921/1922 wechselte Dr. Hagenauer in die Burgenländische Landeshauptmannschaft und wohnte vorerst in einer angemieteten Villa in Bad Sauerbrunn, wo sich der provisorische Sitz der burgenländischen Landesregierung befand. Das Burgenland kannte Simon ja bereits von früher, damals allerdings noch als West-Ungarn. Dort war er immer wieder mit seinem Vater und seinen Schwestern bei Gesellschaften und Jagden im Schloss Pinkafeld bei Graf Batthyány-Taxis geladen, der seine Pate und ein enger Freund seines Vaters Simon (II.) gewesen war. | + | Der 1881 bereits in Wien geborene Simon (III.) Baron von Hagenauer war in seiner Jugend ein begeisterter Jäger, Bergsteiger, Segler und Reiter, und besaß in seiner Jugend ein Rennpferd. Nach Absolvierung des Franz-Joseph-Gymnasiums (heutiges Gymnasium Stubenbastei) und des Jus-Studiums in Wien wurde er wie sein Vater Jurist. Im Ersten Weltkrieg war Dr. Simon von Hagenauer Amtsleiter in der Bezirkshauptmannschaft des damals steirischen Bezirkes Windischgraz (heute okraj Slovenji Gradec in Slovenien). Der Bezirk Windischgraz wurde 1919, nach dem Vertrag von Saint-Germain, dem Königreich Jugoslawien zugewiesen. Danach war Dr. Hagenauer als Bezirkskommisär bei der Landeshauptmannschaft in Graz tätig. Zwischen 1921 und 1926 war der inzwischen zum wirkl. Hofrath ernannte Verfassungsjurist Dr. Simon Hagenauer in der burgenländischen Landes-Hauptmannschaft mit der Ausarbeitung der Gesetze für das jüngst zur Republik Österreich hinzugekommene Bundesland Burgenland betraut worden. Burgenland, das ehemalige Deutsch-Westungarn, war durch den Vertrag von Trianon 1920 an Österreich gefallen. 1921/1922 wechselte Dr. Hagenauer in die Burgenländische Landeshauptmannschaft und wohnte vorerst in einer angemieteten Villa in Bad Sauerbrunn, wo sich der provisorische Sitz der burgenländischen Landesregierung befand. 1921 bis 1924 war er Bezirkshauptmann von Oberpullendorf. Das Burgenland kannte Simon ja bereits von früher, damals allerdings noch als West-Ungarn. Dort war er immer wieder mit seinem Vater und seinen Schwestern bei Gesellschaften und Jagden im Schloss Pinkafeld bei Graf Batthyány-Taxis geladen, der seine Pate und ein enger Freund seines Vaters Simon (II.) gewesen war. |
| − | Im Jahr [[1924]] heiratete Simon (III.) Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu, sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien das erste und einzige Kind der Barone Hagenauer geboren, Wolfgang VI., der bereits seit der dritten Generation der jeweils letzte männliche Nachkomme war. Wolfgang (VI.) wurde von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) entbunden. Heinrich von Peham wurde später durch die Heirat Wolfgangs mit ihm verwandt, Peham war der Großonkel seiner Frau Monika Zacherl (Großmutter geb. Peham). Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro, der über die Freiherren von Spaun verwandt war. | + | Im Jahr [[1924]] heiratete Simon (III.) Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu, sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Von 1925 bis 1938 war Hofrat Dr. Simon Hagenauer Abteilungsleiter der Landeskultur- und Gewerbeabteilung am Amt der Burgenländischen Landesregierung. Im Jahr [[1925]] wurde in Wien das erste und einzige Kind der Barone Hagenauer geboren, Wolfgang VI., der bereits seit der dritten Generation der jeweils letzte männliche Nachkomme war. Wolfgang (VI.) wurde von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) entbunden. Heinrich von Peham wurde später durch die Heirat Wolfgangs mit ihm verwandt, Peham war der Großonkel seiner Frau Monika Zacherl (Großmutter geb. Peham). Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro, der über die Freiherren von Spaun verwandt war. |
| | Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands, die von Dr. Simon Hagenauer mit ausgearbeitet wurden, das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden. Man wollte aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren Dekret des Königreichs Italien (König Viktor Emanuel III.) wurde rückwirkend der erbliche Freiherrnstand des "Nobile Francesco de Hagenauer di Salisburgo", mit Ausweitung auf alle Nachkommen beiderlei Geschlechtes mit dem "titolo di barone de Hagenauer", durch die königliche Consulta Araldica bestätigt. Somit war der Freiherrnstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer und seiner Frau Berta, sowie seiner Geschwister (Mathilde und Sabine), ein italienischer. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war für den jungen Baron Wolfgang die freundschaftliche Beziehung seiner Eltern zu ehemaligen Ungarn (nun Burgenländer) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Sándor Wolf oder zum Weingroßhändler Igor Spitzer. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde Wolf von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Kunstsammlung verzichten, und konnte über Triest nach Palästina fliehen. Auch Herr Spitzer, der mit einer Katholikin verheiratet war, wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei er von den befreundeten Hagenauern unterstützt worden war. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta von Hagenauer auch Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden. | | Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands, die von Dr. Simon Hagenauer mit ausgearbeitet wurden, das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden. Man wollte aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren Dekret des Königreichs Italien (König Viktor Emanuel III.) wurde rückwirkend der erbliche Freiherrnstand des "Nobile Francesco de Hagenauer di Salisburgo", mit Ausweitung auf alle Nachkommen beiderlei Geschlechtes mit dem "titolo di barone de Hagenauer", durch die königliche Consulta Araldica bestätigt. Somit war der Freiherrnstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer und seiner Frau Berta, sowie seiner Geschwister (Mathilde und Sabine), ein italienischer. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war für den jungen Baron Wolfgang die freundschaftliche Beziehung seiner Eltern zu ehemaligen Ungarn (nun Burgenländer) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Sándor Wolf oder zum Weingroßhändler Igor Spitzer. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde Wolf von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Kunstsammlung verzichten, und konnte über Triest nach Palästina fliehen. Auch Herr Spitzer, der mit einer Katholikin verheiratet war, wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei er von den befreundeten Hagenauern unterstützt worden war. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta von Hagenauer auch Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden. |