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, 15:40, 30. Nov. 2013
'''Sommerfrische''' ist die Bezeichnung für eine jahreszeitliche Verlegung des Wohnorts zwecks Erholung, meist von der Stadt aufs Land. Gebräuchlich war dieser Begriff vor allem ab der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert|19.]] bis in die zweite Hälfte des [[20. Jahrhundert]]s.
== Das Wort ==
Im Grimm<ref>Quelle [http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GS30861 Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm]</ref>-Wörterbuch wird Sommerfrische mit "''erholungsaufenthalt der städter auf dem lande zur sommerzeit..''" erklärt.
== Geschichte ==
Für das ([[Oberösterreich|oberösterreichische]]) [[Salzkammergut]] wurde die Sommerfrische ab dem Beginn der regelmäßigen Aufenthalte des Kaisers [[Franz Joseph I.]] (ab [[1853]] in [[Bad Ischl]]) zur wirtschaftlichen Bedeutung. Vor allem Wiener legten großen Wert, auch im Sommer in der Nähe des Kaisers zu sein. Es entstanden Villen in Bad Ischl und später dann auch am [[Wolfgangsee]]. Man verbrachte mit Frauen, Kindern und Personal mehrere Monate an den Seen des Salzkammerguts oder in Bad Ischl. Auch der [[Attersee]] wurde ein beliebte ''Sommerfrische-Ort''.
Es wurde auch in der Sommerfrische gearbeitet, allerdings in entspannter Atmosphäre und immer wieder unterbrochen von Festen und Einladungen. Um den Umzug von Mobiliar und Personal zu bewältigen, entstand das ''Menagieren'', so nannte man diese Art des Reisens.
Als Bekleidung trug man Dirndl und Trachtenanzug. Vor allem das jüdische assimilierte Bürgertum trug Tracht mit Stolz, fühlte man sich doch dadurch im hohen Maße mit der Habsburgermonarchie und Österreich verbunden. Die Gesellschaft der Sommerfrischler war bunt. Sie bestand aus Künstlern, Ärzten, Politikern, Wirtschaftsmanagern und anderen Bevölkerungsschichten.
Der Salzburger Fabrikant [[Ludwig Zeller]] war der erste ''Sommerfrischler'', der sich im Gemeindegebiet von [[Sankt Gilgen]] eine Villa errichten ließ. Sie lag jedoch sehr weit vom Ortskern im heutigen [[Ried (St. Gilgen)|Ried]] ([[Frauenstein am Wolfgangsee]], die später durch den Aufenthalt der Schauspielerin [[Katharina Schratt]], der Geliebten des Kaisers [[Franz Joseph I.]], berühmt wurde).
Im Ortsgebiet von Sankt Gilgen war es dann 1875 [[Albert Freiherr von Stephani]], der die erste Villa errichten ließ, die [[Villa Seewiese]].
Der Sommerfrischler-Gesellschaft passte sich auch dann das Angebot am Wolfgangsee an. "Wiener Café", "Wiener Konditorei" und "Wiener Wäscherei" entstanden. Es wurde der Yacht-Club gegründet, weiblichen Sommergästen wurde das Radfahren beigebracht, ein Seebad entstand und man bot Wanderungen in die Bergwelt an.
Persönlichkeiten wie [[Marie Ebner von Eschenbach]], [[Johann Strauß]], [[Johannes Brahms]], der Industrielle [[Wilhelm Kestranek]] und viele andere verbrachten ihre Sommerfrische im Salzkammergut. Im [[20. Jahrhundert]] waren es u.a. Clark Gable, [[Karl Heinrich Waggerl]], Hannelore und [[Helmut Kohl]].
== Orte der Sommerfrische im Land Salzburg ==
* der [[Mattsee (See)|Mattsee]]
* [[Lofer]]<ref>Quelle bei [[Stephan Ecker]] -> ''Führer durch den klimatischen Kurort Lofer und seine Umgebung: Touristen-Station ; Beliebte [[Sommerfrische]] für längeren Aufenthalt''. Herausgegeben vom Verschönerungsverein Lofer</ref>
* [[Thumersbach]] am [[Zeller See (Pinzgau)|Zeller See]]
* das [[Caspar-Moser-Bräu]] des [[Kaspar Karl Moser]] in [[Henndorf]] am [[Wallersee]] war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Sommerfrische
== Orte in angrenzenden Regionen ==
* die [[Oberinnviertler Seenplatte]], heute die Urlaubregion [[Seelentium]], war schon vor Jahrzehnten eine Region der Sommerfrische
== Prominente Sommerfrischler ==
* [[Professor|Prof.]] Dr. [[Theodor Billroth]] (* 1829 in Bergen auf Rügen, Deutschland; † 1894 in Abbazia, Österreich-Ungarn, heute Opatija, Kroatien), einer der bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts, hatte seinen Sommersitz in St. Gilgen am Wolfgangsee
* [[Moritz Faber]] (* 1837 in Wien; † 1921 in Bad Ischl), Brauereibesitzer in Wien, verbrachte seine Sommerfrische in [[Gosau]]
* [[Karl von Frisch]] (* 1886 in Wien; † in München, Bayern),der Entschlüssler des [[Biene]]n-Tanzes und verbrachte zahlreiche Sommer auf Sommerfrische am [[Wolfgangsee]] in [[Sankt Gilgen]]-[[Brunnwinkl]]
* Dr. [[Wilfried Haslauer senior]] (* 1926 in Salzburg; † 1992 ebenda), von 1977 bis 1989 Salzburger Landeshauptmann, lernte während einer Sommerfrische in [[Neumarkt am Wallersee]] seine spätere Frau Theresia Schwaiger
* Kaiser [[Franz Joseph I.]] (* 1830 in Wien-Schönbrunn; † 1916 ebenda) verlobte sich in [[Bad Ischl] mit [[Elisabeth von Österreich|Elisabeth Amalie Eugenie]], Herzogin in Bayern und verbrachte dann jedes Jahr bis [[1916]] die Sommermonate in Bad Ischl
* [[Anton Josef Ritter von Kenner]] (* 1871 in Brunn am Gebirge bei Wien, † 1951 in Wien), Maler und Schriftsteller, verbrachte seine Sommerfrische in Nußdorf am [[Attersee]]
* [[Arnold Schönberg]] (* 1874, † 1951), Komponist und Sommerfrischler am [[Mattsee (See)|Mattsee]]
* [[Katharina Schratt]] (* 1853 in Baden bei Wien; † 1940 in Wien), eine gefeierte, österreichische Schauspielerin, die in [[Ried|Ried]] am [[Wolfgangsee]] zunächst in der [[Villa Frauenstein]] ([[Frauenstein am Wolfgangsee]]) ihre Sommerfrische verbrachte, dann in der [[Villa Felicitas]] nahe bei [[Bad Ischl]], wo sie dem Kaiser (Franz Joseph I.), ihrem Liebhaber, näher war
* [[Heinrich Wallmann]] (* 1827 in [[Mattsee (Ort)|Mattsee]], † 1898 in Wien) war ein österreichischer Militärarzt sowie Autor medizinischer und landeskundlicher Schriften. Er kam bereits als junger Militärarzt regelmäßig zur Sommerfrische in seinen Geburtsort.
* Die Vertreter der [[Zinkenbacher Malerkolonie]] kamen von 1927 bis 1938 zur Sommerfrische nach [[Abersee (Ort)|Zinkenbach am Wolfgangsee]]
== Quellen ==
* [[Wolfgangsee (Buch)]]
* Einträge im Salzburgwiki
<references/>