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Im Jahr [[1924]] heiratete Simon (III.) Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu, sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien das einzige Kind der Barone Hagenauer geboren. Ihr Sohn Wolfgang (VI.) wurde von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg entbunden, der später durch Wolfgangs Heirat mit ihm verwandt werden sollte. Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro (über die Freiherren von Spaun verwandt).
 
Im Jahr [[1924]] heiratete Simon (III.) Baron von Hagenauer die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Steirerin Berta Ritter in Graz. Trauzeugen waren sein Grazer Freund Johann Alphons Baron de Quiqueran de Beaujeu, sowie der steiermärkische Landeshauptmann Dr. Anton Rintelen. Rintelen sollte sich später als oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Person in der Politik der Ersten Republik entpuppen (Kontakte zur Heimwehrbewegung und Konspiration mit den Nationalsozialisten, 1935 von einem Militärgericht wegen Verwicklung in den Putschversuch gegen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verurteilt). Im Jahr [[1925]] wurde in Wien das einzige Kind der Barone Hagenauer geboren. Ihr Sohn Wolfgang (VI.) wurde von Prof. Heinrich Peham Ritter von Bojernberg entbunden, der später durch Wolfgangs Heirat mit ihm verwandt werden sollte. Pate von Wolfgang wurde sein Onkel Ludwig Freiherr von Cornaro (über die Freiherren von Spaun verwandt).
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Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands, die von Dr. Simon Hagenauer mit ausgearbeitet wurden, das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden. Man wollte aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren Dekret des Königreichs Italien (König Viktor Emanuel III.) wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf alle ehelichen Nachkommen als ''"Baroni de Hagenauer"'' ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war für den jungen Baron Wolfgang von Hagenauer die freundschaftliche Beziehung seiner Eltern zu ehemaligen Ungarn (nun Burgenländer) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Igor Spitzer oder zum Weingroßhändler Sándor Wolf. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde Wolf von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Kunstsammlung verzichten, und konnte über Triest nach Palästina fliehen. Auch Herr Spitzer, der mit einer Katholikin verheiratet war, wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei er von den befreundeten Hagenauern unterstützt worden war. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta von Hagenauer auch Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden.  
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Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands, die von Dr. Simon Hagenauer mit ausgearbeitet wurden, das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden. Man wollte aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen. Im Jahr [[1929]] war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. In einem späteren Dekret des Königreichs Italien (König Viktor Emanuel III.) wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf alle ehelichen Nachkommen als ''"Baroni de Hagenauer"'' ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). [[1930]] übersiedelte die Familie nach Eisenstadt, nachdem dort das Gebäude der neuen Landesregierung fertiggestellt worden war. Sicherlich prägend war für den jungen Baron Wolfgang die freundschaftliche Beziehung seiner Eltern zu ehemaligen Ungarn (nun Burgenländer) jüdischer Herkunft, wie zum Weingroßhändler Igor Spitzer oder zum Weingroßhändler Sándor Wolf. Der von Wolf geführte Familienbetrieb, die Weingroßhandlung "Leopold Wolf & Söhne", war eine der größten in der Donaumonarchie. Ab 1920 entwickelte Wolf eine Sammlerleidenschaft zur Geschichte des Burgenlandes und im Besonderen zur jüdischen Geschichte des Landes. 1926 gründete er das Burgenländische Landesmuseum, welches er im familieneigenen Leinnerhaus (Eisenstadt) untergebracht hatte. 1938 wurde Wolf von der Gestapo verhaftet, mußte auf sein Vermögen und seine Kunstsammlung verzichten, und konnte über Triest nach Palästina fliehen. Auch Herr Spitzer, der mit einer Katholikin verheiratet war, wurde 1938 enteignet und versteckte sich bis Kriegsende in Wien, wobei er von den befreundeten Hagenauern unterstützt worden war. In der NS-Zeit sollte Baronin Berta von Hagenauer auch Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden.  
    
[[1938]] wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem  Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und erkrankte schwer. Sein Sohn Wolfgang hatte seit 1935 das katholische Internat Marieninstitut in Graz besucht, das jedoch wie alle ca. 1400 katholischen Privatschulen, Heime und Bildungsinstitute in Österreich kurz nach dem "Anschluss" 1938 geschlossen worden war. So kam der dreizehnjährige Wolfgang zu seinen Eltern nach Wien und besuchte ab dann das (1553 gegründete) Akademische Gymnasium. In der neuen Schule sollte sich damals bald vieles für den streng katholisch erzogenen Wolfgang und seine Mitschüler ändern. An Stelle des Morgengebetes und dem damals üblichen Gruß "Grüß Gott", mußten die Schüler den eintretenden Lehrer mit dem "Hitlergruß" begrüßen, die Kreuze wurden in den Klassenzimmern abgenommen und alle verbliebenen jüdischen Mitschüler (43 Prozent) wurden von der Schule verwiesen. Die Schulkapelle wurde geschlossen und der allgemeine Druck gegen Katholiken wurde auch für die Schüler immer spürbarer. Wolfgangs Mitschüler stammten ebenfalls aus aufgelösten katholischen Gymnasien, wie dem Schottengymnasium, dem Kollegium Kalksburg oder dem Gymnasium der "Theresianische Akademie", sowie aus dem Institut der Wiener Sängerknaben. Mit manchen seiner neuen Mitschüler (v. Brandis, v. Chavanne, v. Hanau-Hořovice, Kosak, Mucnjak, v. Klezl-Norberg, Vogl, etc.) sollte er bis zum Lebensende in Verbindung stehen.  
 
[[1938]] wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem  Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und erkrankte schwer. Sein Sohn Wolfgang hatte seit 1935 das katholische Internat Marieninstitut in Graz besucht, das jedoch wie alle ca. 1400 katholischen Privatschulen, Heime und Bildungsinstitute in Österreich kurz nach dem "Anschluss" 1938 geschlossen worden war. So kam der dreizehnjährige Wolfgang zu seinen Eltern nach Wien und besuchte ab dann das (1553 gegründete) Akademische Gymnasium. In der neuen Schule sollte sich damals bald vieles für den streng katholisch erzogenen Wolfgang und seine Mitschüler ändern. An Stelle des Morgengebetes und dem damals üblichen Gruß "Grüß Gott", mußten die Schüler den eintretenden Lehrer mit dem "Hitlergruß" begrüßen, die Kreuze wurden in den Klassenzimmern abgenommen und alle verbliebenen jüdischen Mitschüler (43 Prozent) wurden von der Schule verwiesen. Die Schulkapelle wurde geschlossen und der allgemeine Druck gegen Katholiken wurde auch für die Schüler immer spürbarer. Wolfgangs Mitschüler stammten ebenfalls aus aufgelösten katholischen Gymnasien, wie dem Schottengymnasium, dem Kollegium Kalksburg oder dem Gymnasium der "Theresianische Akademie", sowie aus dem Institut der Wiener Sängerknaben. Mit manchen seiner neuen Mitschüler (v. Brandis, v. Chavanne, v. Hanau-Hořovice, Kosak, Mucnjak, v. Klezl-Norberg, Vogl, etc.) sollte er bis zum Lebensende in Verbindung stehen.  
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