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| | Vom Leerhof gelangt man über eine Stiege ins Obergeschoß. Dieses wird bergseitig durch eine breite Auffahrt erschlossen . Sie führt als >Zimmerbruckn<in das >Vorzimmer<, von dem aus die Tiefbansen beschickt werden. Es folgt die über dem Leerhof gelegene Vortenne, die „als >Kreuztenn< das Obergeschoß querschiffartig teilt und als Abstellraum für Fahrzeuge, auch als Schnitz- und Werkraum dient.“ Von der Vortenne gelangt man durch das >Tenntor< in die über dem Stall gelegene Dreschtenne, „den eigentlichen >Tenn<, der von der Giebelseite her durch das >Tennstürl< belichtet wird und beiderseits die >Kare< als Behälter für das einst reichlich angebaute Getreide aufweist.“ Hier befanden sich manchmal kleine Tennkasten zur Aufbewahrung des frisch ausgedroschenen Getreides. Diese Körner wurden erst nach der Reinigung mit der >Putzmühl< oder >Windmühl< in den freistehenden Getreidekasten geschüttet. Über der Tenne finden sich auf den Bundtramen weitere Bretterböden und Bühnen, >Bamaritzen< genannt. Auf ihnen wurde Roßheu, Bohnenstroh oder Gerätschaften gelagert. Das die Stallscheune deckende Pfettendach war ein Schwerdach, unter dessen ausladendem Vordach giebel- und traufseitig ein Gang mit einem Stangen- oder Stabgeländer lief, [[Laub- oder Schaubgang]] genannt. Auf diesem wurde das als Beifutter für die Schafe, Ziegen oder das Jungvieh verwendete Ahorn- oder Eschenlaub und die Strohschauben des ausgedroschenen Getreides, im Pongau auch die häufig angebauten Bohnen, zur Trocknung gelagert. | | Vom Leerhof gelangt man über eine Stiege ins Obergeschoß. Dieses wird bergseitig durch eine breite Auffahrt erschlossen . Sie führt als >Zimmerbruckn<in das >Vorzimmer<, von dem aus die Tiefbansen beschickt werden. Es folgt die über dem Leerhof gelegene Vortenne, die „als >Kreuztenn< das Obergeschoß querschiffartig teilt und als Abstellraum für Fahrzeuge, auch als Schnitz- und Werkraum dient.“ Von der Vortenne gelangt man durch das >Tenntor< in die über dem Stall gelegene Dreschtenne, „den eigentlichen >Tenn<, der von der Giebelseite her durch das >Tennstürl< belichtet wird und beiderseits die >Kare< als Behälter für das einst reichlich angebaute Getreide aufweist.“ Hier befanden sich manchmal kleine Tennkasten zur Aufbewahrung des frisch ausgedroschenen Getreides. Diese Körner wurden erst nach der Reinigung mit der >Putzmühl< oder >Windmühl< in den freistehenden Getreidekasten geschüttet. Über der Tenne finden sich auf den Bundtramen weitere Bretterböden und Bühnen, >Bamaritzen< genannt. Auf ihnen wurde Roßheu, Bohnenstroh oder Gerätschaften gelagert. Das die Stallscheune deckende Pfettendach war ein Schwerdach, unter dessen ausladendem Vordach giebel- und traufseitig ein Gang mit einem Stangen- oder Stabgeländer lief, [[Laub- oder Schaubgang]] genannt. Auf diesem wurde das als Beifutter für die Schafe, Ziegen oder das Jungvieh verwendete Ahorn- oder Eschenlaub und die Strohschauben des ausgedroschenen Getreides, im Pongau auch die häufig angebauten Bohnen, zur Trocknung gelagert. |
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| − | =====Entstehungszeit=====
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| | Die Entstehungszeit der Stallscheune des Pongauer und Pinzgauer Zwiehofes ist nicht geklärt. Es wird vermutet, dass das Gebäude in der frühen Neuzeit „aus ursprünglich freistehenden kleineren Einzweck-Stall- und Stadelbauten zusammen gewachsen ist.“ Das brachte neben der Holzeinsparung auch den Vorteil, dass „die Stall- und Fütterungsarbeiten und viele andere Arbeitsvorgänge nun im >Hofzimmer<, wie das Gesamtgebäude im Pongau heißt, auch bei Schlechtwetter ungestört stattfinden konnten, was angesichts der schon erwähnten Klimaverschlechterung betriebswirtschaftlich besonders erwünscht war.“ | | Die Entstehungszeit der Stallscheune des Pongauer und Pinzgauer Zwiehofes ist nicht geklärt. Es wird vermutet, dass das Gebäude in der frühen Neuzeit „aus ursprünglich freistehenden kleineren Einzweck-Stall- und Stadelbauten zusammen gewachsen ist.“ Das brachte neben der Holzeinsparung auch den Vorteil, dass „die Stall- und Fütterungsarbeiten und viele andere Arbeitsvorgänge nun im >Hofzimmer<, wie das Gesamtgebäude im Pongau heißt, auch bei Schlechtwetter ungestört stattfinden konnten, was angesichts der schon erwähnten Klimaverschlechterung betriebswirtschaftlich besonders erwünscht war.“ |
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| | =====Brechelbad===== | | =====Brechelbad===== |
| | Das Brechelbad, ein eingeschossiges, einräumiges blockgezimmertes kleines Gebäude wird auch >Haarstube< oder >Badstube< genannt. In diesem wurde der [[Flachs]] auf einem Stangengerüst ausgebreitet und geröstet (gebäht), wobei ein steingemauerter Ofen die Hitze lieferte. Dieser wurde als Hinterlader von außen beheizt. Der Flachs wurde solange geröstet, bis die Stengel brüchig wurden, „worauf unter dem weit vorgezogenen Satteldach der >Badstube< das Grob- und Feinbrecheln stattfand, das die zum Spinnen tauglichen Flachsteile , den >Haar< , aus den Stengeln löste.“ Der Begriff Badstube weist auf die zweite Aufgabe des Kleingebäudes hin: das Schwitzbad, das allwöchentlich oder jedenfalls zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten bis ins späte 18. Jahrhundert von den Hofleuten aufgesucht, bis es aus Sittlichkeits-, Gesundheits- und Holzeinsparungsgründen von der Obrigkeit untersagt wurde. | | Das Brechelbad, ein eingeschossiges, einräumiges blockgezimmertes kleines Gebäude wird auch >Haarstube< oder >Badstube< genannt. In diesem wurde der [[Flachs]] auf einem Stangengerüst ausgebreitet und geröstet (gebäht), wobei ein steingemauerter Ofen die Hitze lieferte. Dieser wurde als Hinterlader von außen beheizt. Der Flachs wurde solange geröstet, bis die Stengel brüchig wurden, „worauf unter dem weit vorgezogenen Satteldach der >Badstube< das Grob- und Feinbrecheln stattfand, das die zum Spinnen tauglichen Flachsteile , den >Haar< , aus den Stengeln löste.“ Der Begriff Badstube weist auf die zweite Aufgabe des Kleingebäudes hin: das Schwitzbad, das allwöchentlich oder jedenfalls zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten bis ins späte 18. Jahrhundert von den Hofleuten aufgesucht, bis es aus Sittlichkeits-, Gesundheits- und Holzeinsparungsgründen von der Obrigkeit untersagt wurde. |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| | * Kurt Conrad, „Der Bauer und sein Hof“ in „Reformation - Emigration, Protestanten in Salzburg“, Ausstellungskatalog zur Ausstellung [[21. Mai]] bis [[26. Oktober]] [[1981]], Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Amt der Salzburger Landesregierung – Kulturabteilung, Salzburg | | * Kurt Conrad, „Der Bauer und sein Hof“ in „Reformation - Emigration, Protestanten in Salzburg“, Ausstellungskatalog zur Ausstellung [[21. Mai]] bis [[26. Oktober]] [[1981]], Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Amt der Salzburger Landesregierung – Kulturabteilung, Salzburg |