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| | Während der Abwesenheit ihres Sohnes Wolfgang in der Schweiz hatte Baronin Hagenauer öfters Jüdinnen in ihrer Wiener Wohnung versteckt und immer wieder (als Bridge-Abende getarnte) Treffen ehemaliger österreichischer Politiker (spätere Gründungsmitglieder der ÖVP) organisiert. Unter diesen befanden sich auch Lois Weinberger (später Vizebürgermeister von Wien), Leopold Figl (später Bundeskanzler) und Felix Hurdes (später Unterrichtsminister und Nationalratspräsident). Man plante dort den Widerstand gegen das NS-Regime und die Zukunft Österreichs nach Beendigung des Krieges. Die geheimen Treffen wurden aber von der Gestapo entdeckt und [[1944]] wurde die verwitwete Baronin Hagenauer als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers in Wien wegen „Hochverrats“ von der Gestapo verhaftet und inhaftiert. Sie überlebte die Gefangenschaft trotz Folter und erlittener Herzinfarkte, von denen sie sich nie mehr ganz erholen sollte. Ihr gelang nach einem Bombentreffer des Gefängnis-Gebäudes Anfang April [[1945]] aus diesem zu fliehen und mit Hilfe von Freunden die letzten Kriegstage in einem Spital unterzutauchen. Dort wurde sie in den folgenden Monaten auf ihre in Gefangenschaft erlittenen Infarkte behandelt. Aus der Familie selbst war aber nicht nur Wolfgangs Mutter von den Nationalsozialisten verhaftet worden, sondern auch Wolfgangs Onkel Adolf Proksch. Dr. Adolf Proksch, Ehemann seiner Tante Sabine von Hagenauer, war als ehemaliger Finanzberater des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg gleich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen verhaftet und als "Hochverräter" mit dem ersten österreichischen „Prominenten-Transport“ 1938 ins KZ Dachau gebracht worden. ''"Das Schicksal von Proksch war besonders tragisch-grotesk: Wegen der zufälligen Namensgleichheit mit dem „Reichstreuhänder der Arbeit“, Proksch, wurde er 1945 gleich nach der Befreiung von den Amerikanern wieder eingesperrt."'' Ein weiteres Familienmitglied der Hagenauer, Ministerialrat Max Vladimir Freiherr von Allmayer-Beck, (Sohn von Hersilie von Hagenauer aus der italienischen Linie), wurde im Februar 1940 wegen des Verdachts der legitimistischen (Standpunkt der Unabsetzbarkeit des Herrscherhauses) Betätigung als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers von der Gestapo in Wien ebenfalls verhaftet (Erkennungsdienstliche Kartei der Gestapo Wien). | | Während der Abwesenheit ihres Sohnes Wolfgang in der Schweiz hatte Baronin Hagenauer öfters Jüdinnen in ihrer Wiener Wohnung versteckt und immer wieder (als Bridge-Abende getarnte) Treffen ehemaliger österreichischer Politiker (spätere Gründungsmitglieder der ÖVP) organisiert. Unter diesen befanden sich auch Lois Weinberger (später Vizebürgermeister von Wien), Leopold Figl (später Bundeskanzler) und Felix Hurdes (später Unterrichtsminister und Nationalratspräsident). Man plante dort den Widerstand gegen das NS-Regime und die Zukunft Österreichs nach Beendigung des Krieges. Die geheimen Treffen wurden aber von der Gestapo entdeckt und [[1944]] wurde die verwitwete Baronin Hagenauer als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers in Wien wegen „Hochverrats“ von der Gestapo verhaftet und inhaftiert. Sie überlebte die Gefangenschaft trotz Folter und erlittener Herzinfarkte, von denen sie sich nie mehr ganz erholen sollte. Ihr gelang nach einem Bombentreffer des Gefängnis-Gebäudes Anfang April [[1945]] aus diesem zu fliehen und mit Hilfe von Freunden die letzten Kriegstage in einem Spital unterzutauchen. Dort wurde sie in den folgenden Monaten auf ihre in Gefangenschaft erlittenen Infarkte behandelt. Aus der Familie selbst war aber nicht nur Wolfgangs Mutter von den Nationalsozialisten verhaftet worden, sondern auch Wolfgangs Onkel Adolf Proksch. Dr. Adolf Proksch, Ehemann seiner Tante Sabine von Hagenauer, war als ehemaliger Finanzberater des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg gleich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen verhaftet und als "Hochverräter" mit dem ersten österreichischen „Prominenten-Transport“ 1938 ins KZ Dachau gebracht worden. ''"Das Schicksal von Proksch war besonders tragisch-grotesk: Wegen der zufälligen Namensgleichheit mit dem „Reichstreuhänder der Arbeit“, Proksch, wurde er 1945 gleich nach der Befreiung von den Amerikanern wieder eingesperrt."'' Ein weiteres Familienmitglied der Hagenauer, Ministerialrat Max Vladimir Freiherr von Allmayer-Beck, (Sohn von Hersilie von Hagenauer aus der italienischen Linie), wurde im Februar 1940 wegen des Verdachts der legitimistischen (Standpunkt der Unabsetzbarkeit des Herrscherhauses) Betätigung als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers von der Gestapo in Wien ebenfalls verhaftet (Erkennungsdienstliche Kartei der Gestapo Wien). |
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| − | 1944, gleich nach seiner Matura in Bayern, inskribierte Baron Wolfgang Medizin an der Universität in Wien. Er wurde danach sofort zur Wehrmacht nach Augsburg eingezogen. Nach einer Ausbildung zum Fliegerfunker in München wurde er nach Novi Ligure (Provinz Alessandria) in Norditalien verlegt. Dort entkam er mit Hilfe eines italienischen Bauern und schloss sich Widerstandskämpfern (Resistenza) der Brigata Val Lemme-Capurro an. Bei den italienischen Partisanen leistete er in den Bergen Liguriens (Nordwestitalien) bewaffneten Widerstand gegen das faschistische und das [[NS]]-Regime. Unter dem Decknamen "Piccin(o)" (der Kleine), obwohl oder weil er über 1,90 m groß war, kämpfte er an der Seite einer christlich-demokratischen Widerstandsgruppe, unter denen sich auch Familienmitglieder berühmter italienischer Geschlechter wie der Grafen Spinola oder der Grafen Gramatica befanden. Die Wehrmachtsjustiz ging mit erbarmungsloser Härte gegen so genannte Fahnenflüchtige vor, wobei 22.750 zum Tode verurteilt wurden und man viele noch in den letzten Kriegstagen umgebracht hatte. Nach dem Ende des Krieges verbrachte Baron Wolfgang einige Zeit auf dem Castello di Tassarolo bei der Familie seines Freundes Marchese Paolo Spinola (der später Filmregisseur werden sollte). Danach wurde er als ehemaliger Partisane bei der U.S.Army beim Kommando der 88. Division (den sogenannten „blue devils“) eingesetzt. Schließlich verbrachte er auf Grund einer schweren Hepatitis einige Zeit in einem Spital in Bozen, wobei sich sein Jugendfreund Graf von Brandis immer wieder um ihn kümmerte, da dessen Eltern im nur 25 km entfernten Lana (südlich von Meran) Besitzungen hatten. 1946 kehrte Baron von Hagenauer mit einem Gefangentransport nach Graz zurück. Von dort reiste er mit Hilfe des mit der Familie befreundeten Grazer Politikers Dr. Alfons Gorbach (spätere Bundeskanzler) nach Wien, der mit Wolfgangs Onkel Dr. Adolph Proksch ebenfalls mit dem „Prominententransport“ im KZ Dachau und KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen war. | + | 1944, gleich nach seiner Matura in Bayern, inskribierte Baron Wolfgang Medizin an der Universität in Wien. Er wurde danach sofort zur Wehrmacht nach Augsburg eingezogen. Nach einer Ausbildung zum Fliegerfunker in München wurde er nach Novi Ligure (Provinz Alessandria) in Norditalien verlegt. Dort entkam er mit Hilfe eines italienischen Bauern und schloss sich Widerstandskämpfern (Resistenza) der Brigata Val Lemme-Capurro an. Bei den italienischen Partisanen leistete er in den Bergen Liguriens (Nordwestitalien) bewaffneten Widerstand gegen das faschistische und das [[NS]]-Regime. Unter dem Decknamen "Piccin(o)" (der Kleine), obwohl oder weil er über 1,90 m groß war, kämpfte er an der Seite einer christlich-demokratischen Widerstandsgruppe, unter denen sich auch Familienmitglieder berühmter italienischer Geschlechter wie der Grafen Spinola oder der Grafen Gramatica befanden. Die Wehrmachtsjustiz ging mit erbarmungsloser Härte gegen so genannte Fahnenflüchtige vor, wobei 22.750 zum Tode verurteilt wurden und man viele noch in den letzten Kriegstagen umgebracht hatte. Nach dem Ende des Krieges verbrachte Baron Wolfgang einige Zeit auf dem Castello di Tassarolo bei der Familie seines Freundes Marchese Paolo Spinola (der später Filmregisseur werden sollte). Danach wurde er als ehemaliger Partisane bei der U.S.Army beim Kommando der 88. Division (den sogenannten „blue devils“) eingesetzt. Schließlich verbrachte er auf Grund einer schweren Hepatitis einige Zeit in einem Spital in Bozen, wobei sich sein Jugendfreund Graf von Brandis immer wieder um ihn kümmerte, da dessen Eltern im nur 25 km entfernten südtiroler Lana (südlich von Meran) Besitzungen hatten. 1946 kehrte Baron von Hagenauer mit einem Gefangentransport nach Graz zurück. Von dort reiste er mit Hilfe des mit der Familie befreundeten Grazer Politikers Dr. Alfons Gorbach (spätere Bundeskanzler) nach Wien, der mit Wolfgangs Onkel Dr. Adolph Proksch ebenfalls mit dem „Prominententransport“ im KZ Dachau und KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen war. |
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| | Die Wohnung von Baronin Hagenauer war seit 1944 durch ihre NS-Gefangenschaft und während ihres darauffolgenden mehrmonatigen Spitalaufenthaltes, bei dem sie sich von den Folgen der Folter in NS-Gefangenschaft auskurieren musste, für lange Zeit verwaist geblieben. Während ihres Spitalaufenthaltes (seit April 1945) war im Zuge der Befreiung Wiens die offenbar verlassene Wohnung von russischen Soldaten besetzt und dabei stark in Mitleidenschaft gezogen worden. 1946 hatte ihr deswegen Bundesminister Dr. Felix Hurdes, ein alter Freund und Mitstreiter aus der Zeit des Widerstands während der NS-Zeit, eine neue Wohnung im nunmehrigen britischen Sektor organisiert. Allerdings mussten bei der damals unter großen Schwierigkeiten durchgeführten Übersiedlung viele der bereits zerstörten Familienstücke (Ölgemälde, Mobiliar, Familienarchiv etc.) zurück gelassen werden, die später durch Diebstahl und Vandalismus (das Archiv wurde großteils eingeheizt) endgültig verloren gingen. | | Die Wohnung von Baronin Hagenauer war seit 1944 durch ihre NS-Gefangenschaft und während ihres darauffolgenden mehrmonatigen Spitalaufenthaltes, bei dem sie sich von den Folgen der Folter in NS-Gefangenschaft auskurieren musste, für lange Zeit verwaist geblieben. Während ihres Spitalaufenthaltes (seit April 1945) war im Zuge der Befreiung Wiens die offenbar verlassene Wohnung von russischen Soldaten besetzt und dabei stark in Mitleidenschaft gezogen worden. 1946 hatte ihr deswegen Bundesminister Dr. Felix Hurdes, ein alter Freund und Mitstreiter aus der Zeit des Widerstands während der NS-Zeit, eine neue Wohnung im nunmehrigen britischen Sektor organisiert. Allerdings mussten bei der damals unter großen Schwierigkeiten durchgeführten Übersiedlung viele der bereits zerstörten Familienstücke (Ölgemälde, Mobiliar, Familienarchiv etc.) zurück gelassen werden, die später durch Diebstahl und Vandalismus (das Archiv wurde großteils eingeheizt) endgültig verloren gingen. |
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| − | 1946 begann der nach Wien zurückgekehrte Wolfgang (VI.) Rechts-Wissenschaften zu studieren und wurde, wie alle vier Generationen zuvor, Jurist. Als [[1956]] tausende Flüchtlinge aus Ungarn in die Freiheit nach Österreich flüchteten, führte er mit Freunden mit einem Lastwagen ungarische Flüchtlinge aus dem Auffanglager Andau nach Wien. Auch organisierte er die Unterbringung etlicher Flüchtlinge bei Familien aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis. [[1957]] heiratete er Monika Zacherl, die Tochter des Nobiluomo Univ.-Profs. Dr. Hans Zacherl und der Berta Böhm (aus dem bayrischen Bankhaus Adolf Böhm). Monika Zacherl (*1935) stammte aus einer erzkatholischen und ehemals einer der vermögendsten Fabrikanten-Dynastien Österreichs. Ihr Vater, Univ.-Prof. Dr. Hans Zacherl, war (wie Wolfgangs Vater Baron Simon III.) nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich 1938 auf Grund seiner religiösen Überzeugung seiner Ämter als Vorstand der Grazer Frauenklinik und als Universitäts-Professor enthoben worden. Nobiluomo Univ.-Prof Dr. Hans Zacherl, später Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstand der Universitätsfrauen-Klinik in Wien, war Ritter des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Sein Vater, der Fabrikant Johann Evangelist Zacherl (Monikas Großvater), war einer der größten und wichtigsten Förderer der "österreichischen katholischen Leogesellschaft" gewesen, die wiederum Wolfgangs Großvater (Simon II. de Hagenauer, Barone Romano) 1892 mitgegründet hatte. Dr. Wolfgang Hagenauer wurde schließlich Staatsbeamter in der Niederösterreichischen Landesregierung mit dem Titel eines wirklichen Hofrats. Unter anderem wurde er auch Mitbegründer des [[Alpenforum - Internationaler Verein zur Förderung alpenländischer Interessen|Alpenforum]]s sowie Präsident der "Ornithologischen Gesellschaft Österreich"s. Er war, wie bereits sein Vater und sein Großvater zuvor, der jeweils letzte lebende männliche Hagenauer des Wiener Zweiges, setzte aber ebenfalls die Linie fort. Seine Söhne sandte er auf das Salzburger Internat [[Werkschulheim Felbertal]], in die Heimat seiner Ahnen. Zahlreiche Nachkommen der Baroni de Hagenauer leben in Wien. | + | 1946 begann der nach Wien zurückgekehrte Wolfgang (VI.) Rechts-Wissenschaften zu studieren und wurde, wie alle vier Generationen zuvor, Jurist. Als [[1955]] tausende Flüchtlinge vor dem Ungarnaufstand aus Ungarn in die Freiheit nach Österreich flüchteten, organisierte er Sammlungen für ungarische Flüchtlingskinder. Auch chauffierte er etliche Flüchtlinge mit einem von seinem Cousin Dr. Proksch geborgten Diplomaten-Auto aus dem Auffanglager Eisenstadt nach Wien, wo er mit Freunden (u.a. Graf von Hartig) die Unterbringung etlicher Flüchtlinge in einem geistlichen Altersheim, sowie in seinem Freundes- und Bekanntenkreis organisiert hatte. [[1957]] heiratete er Monika Zacherl, die Tochter des Nobiluomo Univ.-Profs. Dr. Hans Zacherl und der Berta Böhm (aus dem bayrischen Bankhaus Adolf Böhm). Monika Zacherl (*1935) stammte aus einer erzkatholischen und ehemals einer der vermögendsten Fabrikanten-Dynastien Österreichs. Ihr Vater, Univ.-Prof. Dr. Hans Zacherl, war (wie Wolfgangs Vater Baron Simon III.) nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich 1938 auf Grund seiner religiösen Überzeugung seiner Ämter als Vorstand der Grazer Frauenklinik und als Universitäts-Professor enthoben worden. Nobiluomo Univ.-Prof Dr. Hans Zacherl, später Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstand der Universitätsfrauen-Klinik in Wien, war Ritter des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Sein Vater, der Fabrikant Johann Evangelist Zacherl (Monikas Großvater), war einer der größten und wichtigsten Förderer der "österreichischen katholischen Leogesellschaft" gewesen, die wiederum Wolfgangs Großvater (Simon II. de Hagenauer, Barone Romano) 1892 mitgegründet hatte. Dr. Wolfgang Hagenauer wurde schließlich Staatsbeamter in der Niederösterreichischen Landesregierung mit dem Titel eines wirklichen Hofrats. Unter anderem wurde er auch Mitbegründer des [[Alpenforum - Internationaler Verein zur Förderung alpenländischer Interessen|Alpenforum]]s sowie Präsident der "Ornithologischen Gesellschaft Österreich"s. Er war, wie bereits sein Vater und sein Großvater zuvor, der jeweils letzte lebende männliche Hagenauer des Wiener Zweiges, setzte aber ebenfalls die Linie fort. Seine Söhne sandte er auf das Salzburger Internat [[Werkschulheim Felbertal]], in die Heimat seiner Ahnen. Zahlreiche Nachkommen der Baroni de Hagenauer leben in Wien. |
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