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Während etwa in Frankreich, England und Spanien die BettlerInnen in die Kolonien geschickt wurden<ref>Jütte, Robert: ''Arme, Bettler, Beutelschneider. Eine Sozialgeschichte der Armut in der Frühen Neuzeit'', 2000, Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger Verlag, S.&nbsp;222&nbsp;f., zitiert nach Waltl, ''Bettelverbote in Österreich'', S.&nbsp;40.</ref>, kammen sie in Österreich regelmäßig in Zuchthäuser und in ungarische Grenzhäuser, ebenso mit Verrichtung von Arbeit ohne Sold<ref>Bräuer, ''...und hat seithero gebetlet […]'', S.&nbsp;59&nbsp;ff.</ref>.
 
Während etwa in Frankreich, England und Spanien die BettlerInnen in die Kolonien geschickt wurden<ref>Jütte, Robert: ''Arme, Bettler, Beutelschneider. Eine Sozialgeschichte der Armut in der Frühen Neuzeit'', 2000, Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger Verlag, S.&nbsp;222&nbsp;f., zitiert nach Waltl, ''Bettelverbote in Österreich'', S.&nbsp;40.</ref>, kammen sie in Österreich regelmäßig in Zuchthäuser und in ungarische Grenzhäuser, ebenso mit Verrichtung von Arbeit ohne Sold<ref>Bräuer, ''...und hat seithero gebetlet […]'', S.&nbsp;59&nbsp;ff.</ref>.
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''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800.
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Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger
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Universitätsverlag, S. 34.</ref>
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- Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S.
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=== 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart ===
 
=== 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart ===
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Trotzdem stimmten SPÖ, ÖVP, FPÖ zu. Der Antrag wurde am 31. Oktober 2012 im Salzburger Landtag beschlossen. Das Salzburger Landesgesetz, genauer der § 29 (Bettelei), wurde in abgeschächter Form wieder eingeführt.<ref>[http://www.salzburg.gv.at/00201lpi/14Gesetzgebungsperiode/5Session/068.pdf www.salzburg.gv.at PDF]</ref>
 
Trotzdem stimmten SPÖ, ÖVP, FPÖ zu. Der Antrag wurde am 31. Oktober 2012 im Salzburger Landtag beschlossen. Das Salzburger Landesgesetz, genauer der § 29 (Bettelei), wurde in abgeschächter Form wieder eingeführt.<ref>[http://www.salzburg.gv.at/00201lpi/14Gesetzgebungsperiode/5Session/068.pdf www.salzburg.gv.at PDF]</ref>
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===Sagen und Beispiele ===
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=== Sagen und Beispiele ===
    
In der [[Die Weitmoser#Weitmoser-Sage|Weitmoser-Sage]], die im ausgehenden Mittelalter entstand, dreht es sich um das Verhalten gegenüber Bettlern.
 
In der [[Die Weitmoser#Weitmoser-Sage|Weitmoser-Sage]], die im ausgehenden Mittelalter entstand, dreht es sich um das Verhalten gegenüber Bettlern.
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===17./18. Jahrhundert ===
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Durch das Ende der [[Bürmooser Glasindustrie]] um 1931 begann eine schwere Zeit für die [[Flachgau]]er Gemeinde [[Bürmoos]]. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche bekamen Arbeit beim Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]]. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als „ausgesteuert“. So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, „''weil sie zu den Bauern bis ins [[Innviertel]] betteln gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt''“, erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchschlug, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der [[Salzburger Lokalbahn]] eine berufliche Heimat fand.<ref>Quelle Salzburgwiki-Beitrag [[Bürmooser Glasindustrie]].</ref>
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=== Warum betteln Menschen? ===
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Gründe die sich wechselseitig bedingen sind folgende: <ref>Thuswald, Marion (2008)
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'Betteln als Beruf? Wissensaneignung und Kompetenzerwerb von
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BettlerInnen in Wien' Diplomarbeit Wien S. 76-94</ref>
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* Aufgezählter ListeneintragArmut 
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        (Unterstützung oft nur für Kinder und das ist sehr wenig)
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* Aufgezählter Listeneintrag
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Arbeitslosigkeit
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        (in Slowakeit et. Nicht eingestellt wegen Kindern – weil Frauen
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        nicht immer arbeiten können zB bei Krankheit von Kindern; oder weil
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        sie bei den Kindern zu Hause bleiben sollten; in Ö: keine Papiere –
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        keine Arbeit; können nicht mehr nach Hause zu den Kindern fahren –
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        Betteln ist dann die flexiblere Lösung)
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* Aufgezählter Listeneintragmangelnde staatliche Unterstützung (Kindergeld oder Arbeitslosenunterstützung
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        reicht zum Leben nicht)
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In den 1690er-Jahren waren in Wien von insgesamt 1&nbsp;051 bettelnden Menschen (die aufgezeichnet wurden) 102 Kinder/Jugendliche bis 14 Jahre. In Salzburg waren es 460 Kinder von insgesamt 3&nbsp;540 offiziellen BettlerInnen.<ref>Bräuer, Helmut: ''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800. Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S. 34.</ref>
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geringe Schulausbildung bzw. fehlende Ausbildung
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Menschen, die bettelten, taten dies als Einzelbettler, Geschwisterbettler oder in Gruppen von Fremden. So meinte Margaretha Wucherer im [[Pfleggericht]] [[Bezirksgericht Neumarkt|Neumarkt]], sie sei von zu Hause weggelaufen, der Stiefvater habe sie nicht gut behandelt, und seither sei sie ''"mit verschiedenen Leuten im Bettel vagirt"'' [...].<ref>[[Sabine Veits-Falk|Veits-Falk, Sabine]], ''„Zeit der Noth“ : Armut in Salzburg 1803 - 1870''. Salzburg: [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Verein "Freunde der Salzburger Geschichte"]], 2000. S.&nbsp;70. Zitiert nach Bräuer, Helmut, ''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800. Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S. 60.</ref>
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      (aufgrund wirtschaftlicher Situation der Eltern, hohe Anzahl an Geschwistern; Pflege kranker
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        Elternteile; kein Geld für die Schule, Nachhilfe u.ä.
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        Aufgrund fehlender Ausbildung bekommen die Menschen keine Arbeit, eine
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        Ausbildung können sie sich aber nicht leisten)
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Nachweise für Bettlerbanden gibt es allerdings nicht. Höchstens Bettlerkleingruppen bei Kindern und Jugendlichen oder größere Familienverbände hätte es gegeben. Größere Gruppen wären auch kaum möglich gewesen, denn sie wären zu sehr aufgefallen und hätten die Obrigkeit gegen sich aufgebracht.<ref>Bräuer, ''...und hat seithero gebetlet […]'' S.&nbsp;206-207.</ref>
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Krankheit
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Betreuungspflichten
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Im größten [[Hexenprozesse|Hexenprozess]] der Salzburger Landesgeschichte und auf dem Boden des heutigen Österreich, dem um den [[Zauberer Jackl]], spielten Bettlerkinder eine zentrale Rolle und hatten die schlechtesten Karten gegenüber [[Salzburger Erzbischöfe#Fürsterzbischöfe|Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg]] - das war bereits im letzten Viertel des [[18. Jahrhundert]]s.
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Diskriminierung am Arbeitsmarkt (aufgrund Frauen, ethnischer Zugehörigkeit)
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===20. Jahrhundert ===
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Durch das Ende der [[Bürmooser Glasindustrie]] um 1931 begann eine schwere Zeit für die [[Flachgau]]er Gemeinde [[Bürmoos]]. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche bekamen Arbeit beim Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]]. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als „ausgesteuert“. So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, „''weil sie zu den Bauern bis ins [[Innviertel]] betteln gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt''“, erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchschlug, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der [[Salzburger Lokalbahn]] eine berufliche Heimat fand.<ref>Quelle Salzburgwiki-Beitrag [[Bürmooser Glasindustrie]].</ref>
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Als übergeordnetes Motiv lässt sich 'Überlebensunsicherheit' angeben.
    
== 2012 ==
 
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