| | Die Ordnungen zielten keinesfalls auf eine Besserung der Lage der BettlerInnen ab. Stattdessen erfolgten stetige Stigmatisierung der Menschen die Betteln. Außerdem wurden die BettlerInnen in zwei Gruppen eingeteilt: Heimische und Fremde. Bei der ersten Gruppe waren gut und unverschuldet. Die Fremden waren schlecht und selbst an ihrer Lage Schuld. Ein wesentlicher Faktor der zur Veränderung der Ansicht über das Betteln beigetragen hat, wird wahrscheinlich der aufkommende Arbeitsethos darstellen. Wer körperlich und geistig fähig ist arbeiten zu gehen, dem ist nicht gestattet zu betteln. Die Verordnungen blieben zunächst allerdings nur auf dem Papier. Erst im [[16. Jahrhundert]] verschärfte sich die Situation für Menschen die Betteln (müssen) weiter. Die Gemeinden hatten Sorge zu tragen, dass die Armen versorgt werden würden beziehungsweise diese zu arbeiten hätten. War dies den Gemeinden nicht möglich so konnten sie Bettlerbriefe ausstellen, mit diesen konnten die Menschen an anderen Orten versuchen zu überleben.<ref>Bräuer, Helmut: ''...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich zur Zeit Kaiser Leopolds 1'', Wien-Köln-Weimar, Böhlau Verlag, 1995, Seite; Bräuer, Helmut: ''Bettler in frühzeitlichen Städten Mitteleuropas'', 2007, in Althammer, Beate (Hrsg.): ''Bettler in der europäischen Stadt der Moderne'', Frankfurt am Main, Peter Lang Verlag GmbH, Seite 30ff, beides zit. n. Watl, Anton: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit Universität Salzburg, Seite 43</ref> | | Die Ordnungen zielten keinesfalls auf eine Besserung der Lage der BettlerInnen ab. Stattdessen erfolgten stetige Stigmatisierung der Menschen die Betteln. Außerdem wurden die BettlerInnen in zwei Gruppen eingeteilt: Heimische und Fremde. Bei der ersten Gruppe waren gut und unverschuldet. Die Fremden waren schlecht und selbst an ihrer Lage Schuld. Ein wesentlicher Faktor der zur Veränderung der Ansicht über das Betteln beigetragen hat, wird wahrscheinlich der aufkommende Arbeitsethos darstellen. Wer körperlich und geistig fähig ist arbeiten zu gehen, dem ist nicht gestattet zu betteln. Die Verordnungen blieben zunächst allerdings nur auf dem Papier. Erst im [[16. Jahrhundert]] verschärfte sich die Situation für Menschen die Betteln (müssen) weiter. Die Gemeinden hatten Sorge zu tragen, dass die Armen versorgt werden würden beziehungsweise diese zu arbeiten hätten. War dies den Gemeinden nicht möglich so konnten sie Bettlerbriefe ausstellen, mit diesen konnten die Menschen an anderen Orten versuchen zu überleben.<ref>Bräuer, Helmut: ''...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich zur Zeit Kaiser Leopolds 1'', Wien-Köln-Weimar, Böhlau Verlag, 1995, Seite; Bräuer, Helmut: ''Bettler in frühzeitlichen Städten Mitteleuropas'', 2007, in Althammer, Beate (Hrsg.): ''Bettler in der europäischen Stadt der Moderne'', Frankfurt am Main, Peter Lang Verlag GmbH, Seite 30ff, beides zit. n. Watl, Anton: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit Universität Salzburg, Seite 43</ref> |
| − | BettlerInnen wurden verstärkt mit Kriminalität und Bandenwesen in Verbindung gebracht. Helmut Bräuer, Historiker und Archivar geb. 1938, schreibt hierzu, dass zwar die Kriminalität im Laufe des 17. Jahrhundert anstiegt. Dies aber folgende (Hinter-)Gründe betrifft: "Bevölkerungswachstum[s], das objektiv die Zunahme der Deliktmöglichkeiten einschloß, als auch der sich vertiefenden sozialen Gegensätze innerhalb der Gesellschaft sowie der matereillen und geisti-psychischen Folgen der militärischen Konflikte jener Zeit." Er meint weiters: "Daraus aber zu folgern, daß das Anwachsen der Bettlerscharen per se auch ein lineares, gleichrangiges Ansteigen ihrer Kleinkriminalität, insbesondere ihrer Diebstähle, zur Folge gehabt hätte, wie das zeitgenössisch üblich war, ist unsinnig und ganz und gar nicht zu belegen. Es gab keinen solchen stringten Weg, der vom Bettetl zum Diebstahl geführt hätte [...]" <ref>Bräuer, Helmut (1996)'...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich während der Zeit Kaiser Leopolds I.' Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar, Seite 206</ref> | + | BettlerInnen wurden verstärkt mit Kriminalität und Bandenwesen in Verbindung gebracht. Helmut Bräuer, Historiker und Archivar geb. 1938, schreibt hierzu, dass zwar die Kriminalität im Laufe des 17. Jahrhundert anstiegt. Dies aber folgende (Hinter-)Gründe betrifft: "Bevölkerungswachstum[s], das objektiv die Zunahme der Deliktmöglichkeiten einschloß, als auch der sich vertiefenden sozialen Gegensätze innerhalb der Gesellschaft sowie der matereillen und geisti-psychischen Folgen der militärischen Konflikte jener Zeit." Er meint weiters: |
| | + | "Daraus aber zu folgern, daß das Anwachsen der Bettlerscharen per se auch ein lineares, gleichrangiges Ansteigen ihrer Kleinkriminalität, insbesondere ihrer Diebstähle, zur Folge gehabt hätte, wie das zeitgenössisch üblich war, ist unsinnig und ganz und gar nicht zu belegen. Es gab keinen solchen stringten Weg, der vom Bettetl zum Diebstahl geführt hätte [...]. Da aber die Quote der Kleinkriminalität, deren Träger sich aus allen sozialen Schichten rekrutierten, generell stieg, mußte es wünschenswert sein, die Hauptlast der schuld jenen aufzubürden, die mit den bislang angewandten Mitteln seitens der geistlichen und weltlichen Obrigkeit nicht zu disziplinieren waren. [...] Wie der Hexenvorwurf und die sich darauf gründenden anatischen Verfolgungsexzesse zu einem erheblichen Teil gegen die Bettler gerichtet waren so stellte die Gleichsetzung von Bettlern und Dieben in ähnlicher Weise einen Versuch dar, die unerwünschten Altmosengeher mit Mitteln der Diskriminierung und Stigmatisierung öffentlich ins Abseits zu rücken." <ref>Bräuer, Helmut (1996)'...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich während der Zeit Kaiser Leopolds I.' Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar, Seite 206-207</ref> |
| | + | Natürlich gibt es auch BettlerInnen die kriminell agieren, doch gibt es wahrscheinlich keine Gruppe oder Unternehmen in der nicht korrupte, kriminelle u.ä. moralich verwerfliche Handlungen von Einzelnen, teils Mehreren an den Tag gelegt werden. Bräuer nennt hier etwa den Bettlersohn Veit Kirchpirchler; Fügt aber hinzu, dass der Umstand sich in einer sozialen Situation zu befinden, in dem es einem nicht mehr ermöglicht wird auf- bzw. herauszusteigen, dazu geführt hat, dass viele versuchten zwischen ihren Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit den größtmöglichen Gewinn zu erzielen <ref>Bräuer, Helmut (1996) '...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesenin Wien und Niederösterreich während der Zeit Kaiser Leopolds I.' Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar, Seite 214-215</ref>. |