| | Die weltliche Obrigkeit entschied über Almosen und Spenden, doch auch innerhalb der Kirche wurde die Bettelplage immer kritischer betrachtet. So befürwortete die im Jahr [[1456]] abgehaltene [[Provinzialkirchenversammlung zu Salzburg]] ebenso die Ausweisung von vagabundierenden Bettlern aus den Städten <ref>Bräuer, Helmut: ''...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich zur Zeit Kaiser Leopolds 1'', Wien-Köln-Weimar, Böhlau Verlag, 1995, Seite 48, zit. n. Watl, Anton: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit Universität Salzburg, Seite 41</ref>. | | Die weltliche Obrigkeit entschied über Almosen und Spenden, doch auch innerhalb der Kirche wurde die Bettelplage immer kritischer betrachtet. So befürwortete die im Jahr [[1456]] abgehaltene [[Provinzialkirchenversammlung zu Salzburg]] ebenso die Ausweisung von vagabundierenden Bettlern aus den Städten <ref>Bräuer, Helmut: ''...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich zur Zeit Kaiser Leopolds 1'', Wien-Köln-Weimar, Böhlau Verlag, 1995, Seite 48, zit. n. Watl, Anton: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit Universität Salzburg, Seite 41</ref>. |
| − | Die Ordnungen zielten keinesfalls auf eine Besserung der Lage der BettlerInnen ab. Stattdessen erfolgten stetige Stigmatisierung der Menschen die Betteln. Außerdem wurden die BettlerInnen in zwei Gruppen eingeteilt: Heimische und Fremde. Bei der ersten Gruppe waren gut und unverschuldet. Die Fremden waren schlecht und selbst an ihrer Lage Schuld. Ein wesentlicher Faktor der zur Veränderung der Ansicht über das Betteln beigetragen hat, wird wahrscheinlich der aufkommende Arbeitsethos darstellen. Wer körperlich und geistig fähig ist arbeiten zu gehen, dem ist nicht gestattet zu betteln. Die Verordnungen blieben zunächst allerdings nur auf dem Papier. Erst im [[16. Jahrhundert]] verschärfte sich die Situation für Menschen die Betteln (müssen) weiter. Die Gemeinden hatten Sorge zu tragen, dass die Armen versorgt werden würden beziehungsweise diese zu arbeiten hätten. War dies den Gemeinden nicht möglich so konnten sie Bettlerbriefe ausstellen, mit diesen konnten die Menschen an anderen Orten versuchen zu überleben.<ref>Bräuer, Helmut: ''...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich zur Zeit Kaiser Leopolds 1'', Wien-Köln-Weimar, Böhlau Verlag, 1995, Seite; Bräuer, Helmut: ''Bettler in frühzeitlichen Städten Mitteleuropas'', 2007, in Althammer, Beate (Hrsg.): ''Bettler in der europäischen Stadt der Moderne'', Frankfurt am Main, Peter Lang Verlag GmbH, Seite 30ff, beides zit. n. Watl, Anton: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit Universität Salzburg, Seite 43</ref> | + | Die Ordnungen zielten keinesfalls auf eine Besserung der Lage der BettlerInnen ab. Stattdessen erfolgten stetige Stigmatisierung der Menschen die Betteln. Außerdem wurden die BettlerInnen in zwei Gruppen eingeteilt: Heimische und Fremde. Bei der ersten Gruppe waren gut und unverschuldet. Die Fremden waren schlecht und selbst an ihrer Lage Schuld. Ein wesentlicher Faktor der zur Veränderung der Ansicht über das Betteln beigetragen hat, wird wahrscheinlich der aufkommende Arbeitsethos darstellen. Wer körperlich und geistig fähig ist arbeiten zu gehen, dem ist nicht gestattet zu betteln. Die Verordnungen blieben zunächst allerdings nur auf dem Papier. Erst im [[16. Jahrhundert]] verschärfte sich die Situation für Menschen die Betteln (müssen) weiter. Die Gemeinden hatten Sorge zu tragen, dass die Armen versorgt werden würden beziehungsweise diese zu arbeiten hätten. War dies den Gemeinden nicht möglich so konnten sie Bettlerbriefe ausstellen, mit diesen konnten die Menschen an anderen Orten versuchen zu überleben.<ref>Bräuer, Helmut: ''...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich zur Zeit Kaiser Leopolds 1'', Wien-Köln-Weimar, Böhlau Verlag, 1995, Seite; Bräuer, Helmut: ''Bettler in frühzeitlichen Städten Mitteleuropas'', 2007, in Althammer, Beate (Hrsg.): ''Bettler in der europäischen Stadt der Moderne'', Frankfurt am Main, Peter Lang Verlag GmbH, Seite 30ff, beides zit. n. Watl, Anton: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit Universität Salzburg, Seite 43</ref> |
| | + | BettlerInnen wurden verstärkt mit Kriminalität und Bandenwesen in Verbindung gebracht. Helmut Bräuer, Historiker und Archivar geb. 1938, schreibt hierzu, dass zwar die Kriminalität im Laufe des 17. Jahrhundert anstiegt. Dies aber folgende (Hinter-)Gründe betrifft: "Bevölkerungswachstum[s], das objektiv die Zunahme der Deliktmöglichkeiten einschloß, als auch der sich vertiefenden sozialen Gegensätze innerhalb der Gesellschaft sowie der matereillen und geisti-psychischen Folgen der militärischen Konflikte jener Zeit." Er meint weiters: "Daraus aber zu folgern, daß das Anwachsen der Bettlerscharen per se auch ein lineares, gleichrangiges Ansteigen ihrer Kleinkriminalität, insbesondere ihrer Diebstähle, zur Folge gehabt hätte, wie das zeitgenössisch üblich war, ist unsinnig und ganz und gar nicht zu belegen. Es gab keinen solchen stringten Weg, der vom Bettetl zum Diebstahl geführt hätte [...]" <ref>Bräuer, Helmut (1996)'...und hat seithero gebetlet. Bettler und Bettelwesen in Wien und Niederösterreich während der Zeit Kaiser Leopolds I.' Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar, Seite 206</ref> |