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''Mödling 24/2 1872 // Meine innig geliebte Fanny! // Ich beginne heute schon diesen Brief, mit dem Berichte, dß heute die Betten glü[c]klich angekommen sind u dß sie sich bereits in unserer Wohnung befinden. Als ich heute kurz vor der Ueberbringung der Sachen unsere Wo[h]nung<ref>"Wohnung" mit und ohne Dehnungs-h stehen tatsächlich nebeneinander.</ref> betrat, war der erste Gedanke, wie natürlich, der an Dich, mein lieber Scha[t]z, der 2te ein inniges Gebet um Segen für unsere Ehe. Wenn nur Du auch schon bald demnächst! Wie oft wünsche ich Dich se[h]nsüchtig an meine Seite! wie oft mache ich während der Arbeit eine Pause, wo ich Deiner gedenke, u. den Wunsch, Dich in meine Arme schließen zu können, so recht lebhaft sich geltend macht. In 6 Tagen hoffe ich, / ja, dß diese Wünsche, wenn auch nur für kurze Zeit, erfüllt sind. Auf die Frage, ob Ihr über den 9. März hier bleiben werdet, hast Du mir keine Antwort gegeben; ich glaube daraus zu entne[h]men, dß darüber noch nichts gewißes bestimmt ist. Ich laße übrigens die Großmutter recht herzlich bitten, dß sie es einrichten möge, dß Ihr Euren Namenstag noch in Wien zubringet. Du schreibst dß Du schon se[h]r neugierig auf unsere Wo[h]nung seist; ich finde das se[h]r erklärlich, ich hoffe aber auch, dß sie Dir gefallen werde; mir hat sie heute wieder se[h]r gut gefallen, viel besser, als damals am 2 Febr., wo ich sie in der Abenddämmerung zum le[t]zten Male sah.''
 
''Mödling 24/2 1872 // Meine innig geliebte Fanny! // Ich beginne heute schon diesen Brief, mit dem Berichte, dß heute die Betten glü[c]klich angekommen sind u dß sie sich bereits in unserer Wohnung befinden. Als ich heute kurz vor der Ueberbringung der Sachen unsere Wo[h]nung<ref>"Wohnung" mit und ohne Dehnungs-h stehen tatsächlich nebeneinander.</ref> betrat, war der erste Gedanke, wie natürlich, der an Dich, mein lieber Scha[t]z, der 2te ein inniges Gebet um Segen für unsere Ehe. Wenn nur Du auch schon bald demnächst! Wie oft wünsche ich Dich se[h]nsüchtig an meine Seite! wie oft mache ich während der Arbeit eine Pause, wo ich Deiner gedenke, u. den Wunsch, Dich in meine Arme schließen zu können, so recht lebhaft sich geltend macht. In 6 Tagen hoffe ich, / ja, dß diese Wünsche, wenn auch nur für kurze Zeit, erfüllt sind. Auf die Frage, ob Ihr über den 9. März hier bleiben werdet, hast Du mir keine Antwort gegeben; ich glaube daraus zu entne[h]men, dß darüber noch nichts gewißes bestimmt ist. Ich laße übrigens die Großmutter recht herzlich bitten, dß sie es einrichten möge, dß Ihr Euren Namenstag noch in Wien zubringet. Du schreibst dß Du schon se[h]r neugierig auf unsere Wo[h]nung seist; ich finde das se[h]r erklärlich, ich hoffe aber auch, dß sie Dir gefallen werde; mir hat sie heute wieder se[h]r gut gefallen, viel besser, als damals am 2 Febr., wo ich sie in der Abenddämmerung zum le[t]zten Male sah.''
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''Die eingelangten Sachen ließ ich verpa[c]kt in das 1[te] Zimmer stellen u. habe der Hausfrau aufgetragen, dß sie ja / gewiß dafür sorge, dß die Haustüre stets ordentlich gesperrt sei. In dem Boden der Küche u des Vorzimmers wurden einige Fugen mit Holzstäbchen ausgefüllt, wie ich angeordnet hatte. Ich bin nun neugierig, welche Einteilung der Wo[h]nung wir treffen werden. Ich meine wir sollten zunächst für den Sommer das Eßzimmer zum Schlaf- u Wohnzimmer [!], daß 1. (vom Vorzimmer unmittelbar) zum Salon u. das 3. (von der Küche hinein) zum Fremden-Zimmer machen. // Noch möchte ich Dich, weil Du auch hierauf nicht geantwortet, Dich nochmals erinnern, daß [!] Du Taufschein u Großjä[h]rigkeits-Erklärung mitbringst. // Doch genug für heute; morgen erhalte ich ja hoffentlich ohnehin einen Brief von Dir. Gute Nacht meine Liebe! // 25/2 1872 // Ich muß Dich zunächst mit Bezug / auf Eure Reise noch darauf aufmerksam machen, dß Ihr Euch mit sehr [!] festen Lederstiefletten versehen möget, denn hier ist ein fürchterlicher Koth. // Dann DXX Dir zur erfreulichen Ken[n]tniß, dß die von der Regierung beantragte Gehaltsaufbesserung 15 %, also 120 fl [Gulden] beträgt, dß sie aber nach dem gestrigen Beschluße des Finanzausschußes auf 20 %, also 160 fl erhöht werden soll. Hiemit wäre unser Einna[h]men budget auf fast 2500 fl gebracht, u es bleibt nun selbstverständlich bei dem ursprünglich verabredeten Wirtschafts Gelde v. 80 fl.<ref>Das "Wirtschaftsgeld" ist offenbar ein vereinbarter Zuschuss der Großmutter von Fanni, [[Fanny Kobler]]. Wenn man die Auskünfte aus den vorangehenden Briefen vom 29. und 31. Jänner 1872 und vom 4. Februar 1872 dazunimmt, dann stellt sich für mich [O. H.] in etwa Folgendes dar: Franz hat ein Jahreseinkommen vom 2.500 Gulden, monatlich hat er, den Zuschuss der Großmutter mitberechnet, ca. 288 Gulden zur Verfügung. Nach dieser Berechnung – falls sie stimmt – braucht er etwa 14 % für die Miete. Gegenüber der heute üblichen Mietbelastung von, positiv berechnet, bis 30 % ist das erstaunlich wenig. Im Brief vom 3. und 4. Juli 1877 bittet Franz jedoch die Großmutter um eine erhöhte "Zulage", auch wegen der "leidigen" Miete.</ref> // ''
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''Die eingelangten Sachen ließ ich verpa[c]kt in das 1[te] Zimmer stellen u. habe der Hausfrau aufgetragen, dß sie ja / gewiß dafür sorge, dß die Haustüre stets ordentlich gesperrt sei. In dem Boden der Küche u des Vorzimmers wurden einige Fugen mit Holzstäbchen ausgefüllt, wie ich angeordnet hatte. Ich bin nun neugierig, welche Einteilung der Wo[h]nung wir treffen werden. Ich meine wir sollten zunächst für den Sommer das Eßzimmer zum Schlaf- u Wohnzimmer [!], daß 1. (vom Vorzimmer unmittelbar) zum Salon u. das 3. (von der Küche hinein) zum Fremden-Zimmer machen. // Noch möchte ich Dich, weil Du auch hierauf nicht geantwortet, Dich nochmals erinnern, daß [!] Du Taufschein u Großjä[h]rigkeits-Erklärung mitbringst. // Doch genug für heute; morgen erhalte ich ja hoffentlich ohnehin einen Brief von Dir. Gute Nacht meine Liebe! // 25/2 1872 // Ich muß Dich zunächst mit Bezug / auf Eure Reise noch darauf aufmerksam machen, dß Ihr Euch mit sehr [!] festen Lederstiefletten versehen möget, denn hier ist ein fürchterlicher Koth. // Dann DXX Dir zur erfreulichen Ken[n]tniß, dß die von der Regierung beantragte Gehaltsaufbesserung 15 %, also 120 fl [Gulden] beträgt, dß sie aber nach dem gestrigen Beschluße des Finanzausschußes auf 20 %, also 160 fl erhöht werden soll. Hiemit wäre unser Einna[h]men budget auf fast 2500 fl gebracht, u es bleibt nun selbstverständlich bei dem ursprünglich verabredeten Wirtschafts Gelde v. 80 fl.<ref>Das "Wirtschaftsgeld" ist offenbar ein vereinbarter Zuschuss der Großmutter von Fanni, [[Fanny Kobler]]. Wenn man die Auskünfte aus den vorangehenden Briefen vom 29. und 31. Jänner 1872 und vom 4. Februar 1872 dazunimmt, dann stellt sich für mich, [[Otto Holzapfel]], in etwa Folgendes dar: Franz hat ein Jahreseinkommen vom 2.500 Gulden, monatlich hat er, den Zuschuss der Großmutter mitberechnet, ca. 288 Gulden zur Verfügung. Nach dieser Berechnung – falls sie stimmt – braucht er etwa 14 % für die Miete. Gegenüber der heute üblichen Mietbelastung von, positiv berechnet, bis 30 % ist das erstaunlich wenig. Im Brief vom 3. und 4. Juli 1877 bittet Franz jedoch die Großmutter um eine erhöhte "Zulage", auch wegen der "leidigen" Miete.</ref> // ''
    
''Was wir etwa heute über 6 Wochen um diese Zeit machen! Nun wäre ich schon se[h]r froh, wenn diese Zeit recht rasch vorüberginge; u. ich hoffe auch, dß es der Fall sein wird; denn /'' [zweiter Bogen:] ''2 nun haben wir nur me[h]r wenige Tage bis zum 1. März, die mir zwar noch lange genug vorkommen, dann folgen 8 od 10 Tage schönen Beisammenseins, u dann sind es ja nur me[h]r 3 Wochen, die ich hier allein zubringen werde, denn über 5 Wochen von heute hoffe ich ja entweder von hier abzureisen od in Salzburg anzukommen. // In diesen 3 Wochen aber wird es noch genug hier und auch in Wien für mich zu tun zu geben, um alles zu überne[h]men, da u. dort bei den Arbeiten nachzusehen u zu treiben etc Ansonst in den le[t]zten 8 Tagen in Salzburg! was wird da noch alles zu tun sein! Wie viel Phrasen u. wie viel Ceremoniell werden wir [un]d Du über uns ergehen lassen müßen! Doch auch das wird vorübergehen, u dann werden wir uns ja ganz angehören, u. hoffentlich auf der Hochzeitsreise nur / Zeit ungeteilten Glü[c]kes auch fern von allen geschäftl[ichen] Sorgen – genießen können. Gott gebe es! Du freust Dich doch auch auf diese Zeit? Aber das ist je[t]zt eine recht sonderbare, fast ungeschi[c]kte Frage gewesen; ich getraue mir ja, sie anstatt Deiner getrost zu bejahen, u. hoffe, dß Deine Antwort in Deinem nächsten Briefe mich nicht Lügen strafen wird. //''
 
''Was wir etwa heute über 6 Wochen um diese Zeit machen! Nun wäre ich schon se[h]r froh, wenn diese Zeit recht rasch vorüberginge; u. ich hoffe auch, dß es der Fall sein wird; denn /'' [zweiter Bogen:] ''2 nun haben wir nur me[h]r wenige Tage bis zum 1. März, die mir zwar noch lange genug vorkommen, dann folgen 8 od 10 Tage schönen Beisammenseins, u dann sind es ja nur me[h]r 3 Wochen, die ich hier allein zubringen werde, denn über 5 Wochen von heute hoffe ich ja entweder von hier abzureisen od in Salzburg anzukommen. // In diesen 3 Wochen aber wird es noch genug hier und auch in Wien für mich zu tun zu geben, um alles zu überne[h]men, da u. dort bei den Arbeiten nachzusehen u zu treiben etc Ansonst in den le[t]zten 8 Tagen in Salzburg! was wird da noch alles zu tun sein! Wie viel Phrasen u. wie viel Ceremoniell werden wir [un]d Du über uns ergehen lassen müßen! Doch auch das wird vorübergehen, u dann werden wir uns ja ganz angehören, u. hoffentlich auf der Hochzeitsreise nur / Zeit ungeteilten Glü[c]kes auch fern von allen geschäftl[ichen] Sorgen – genießen können. Gott gebe es! Du freust Dich doch auch auf diese Zeit? Aber das ist je[t]zt eine recht sonderbare, fast ungeschi[c]kte Frage gewesen; ich getraue mir ja, sie anstatt Deiner getrost zu bejahen, u. hoffe, dß Deine Antwort in Deinem nächsten Briefe mich nicht Lügen strafen wird. //''

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