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==== Brief vom 29. und 31. Jänner 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
 
==== Brief vom 29. und 31. Jänner 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
 
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Umschlagklappe mit Prägedruck „Blume", kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 31/1 72", rückseitig "Salzburg 1/… 9-… Früh 72" [verwischt]; Frl. [unterstrichen:] "Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z 10 II Sto[c]k". Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
 
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Umschlagklappe mit Prägedruck „Blume", kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 31/1 72", rückseitig "Salzburg 1/… 9-… Früh 72" [verwischt]; Frl. [unterstrichen:] "Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z 10 II Sto[c]k". Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
''Mödling 29. Jänner // 1872 Nachm. // Meine inniggeliebte Fanny! // Soeben komme ich von einem Spaziergange auf den Lichtenstein zurü[c]k, u beeile mich diesen Brief an dich zu beginnen, dem ich die ersten zarten Boten des bald beginnenden Frühjahres, die ersten grünen Blättchen die sich zwischen den Resten des Schnee’s hervorwagen beischließe. Wenn wir nun schon volles blühendes Frühjahr hätten! Aber derlei kleine Boten werden noch so manches Mal von neuer Schneede[c]ke verhüllt werden, bis die wärmenden Sonnenstrahlen den unbestrittenen Sieg über Schnee u Frost erringen! O daß ich dann auch mit aller Kraft der Liebe, die in der Brust des Mannes wohnt, der Deinen Liebe dir erse[t]zen möge, den Verlust der Deinen di[e]s Gefühl, dß sie Dich glü[c]klich wißen. / Diese schönen Worte Rü[c]kerts kommen mir immer wieder in den Sinn, teils [?] von dem lebhaften Wunsch der Erfüllung u von dem VersuXX begleitet, mir eifrigst dieß angelegen sein zu lassen. Gestern wurde ich in Wien bei einer Familie wieder einmal über Deine dichterischen Leistungen interpellirt [?], ich gab in Uebereinstimmung mit dem, was ich Dir versprochen, die Erklärung, dß dieß eine schon länger hinter Dir liegende Jugendschwäche gewesen sei. Habe ich recht getan? Ich hatte die mir damals von Dir gesandten Gedichte nicht bei mir; wer weiß, was sonst geschehen wäre. Meinen gestrigen Brief sammt Inhalt hast Du hoffentlich heute noch vor Schluß Des Deinen<ref>Ich [O. H.] habe Probleme damit, in der Schrift von Franz groß oder klein geschriebenes "d" zu unterscheiden. Ich bitte zu entschuldigen, dass ich (aus Zeitmangel) frühere Briefe nicht nachträglich nochmals daraufhin durchsehe. Inhaltlich störend ist es nicht. "D" hat einen größeren Bogen oben und beginnt den nächsten Buchstaben mit der Durchstreichung des D; "d" hat einen einfachen S-Bogen und der Folgebuchstabe wird (zumeist) neu angesetzt. Der Unterschied ist oft minimal, zuman das kleine d zuweilen "groß" geschrieben wird.</ref> erhalten, u ich gebe mich der Hoffnung hin, dß er Dir Freude machte. // Doch genug für je[t]zt; ich muß mich wieder der Arbeit zuwenden; für morgen freue ich mich schon sehr auf Deinen Brief! Lebe wo[h]l, lieber Scha[t]z u. behalte mich lieb! /''
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''Mödling 29. Jänner // 1872 Nachm. // Meine inniggeliebte Fanny! // Soeben komme ich von einem Spaziergange auf den Lichtenstein zurü[c]k, u beeile mich diesen Brief an dich zu beginnen, dem ich die ersten zarten Boten des bald beginnenden Frühjahres, die ersten grünen Blättchen die sich zwischen den Resten des Schnee’s hervorwagen beischließe. Wenn wir nun schon volles blühendes Frühjahr hätten! Aber derlei kleine Boten werden noch so manches Mal von neuer Schneede[c]ke verhüllt werden, bis die wärmenden Sonnenstrahlen den unbestrittenen Sieg über Schnee u Frost erringen! O daß ich dann auch mit aller Kraft der Liebe, die in der Brust des Mannes wohnt, der Deinen Liebe dir erse[t]zen möge, den Verlust der Deinen di[e]s Gefühl, dß sie Dich glü[c]klich wißen. / Diese schönen Worte Rü[c]kerts kommen mir immer wieder in den Sinn, teils [?] von dem lebhaften Wunsch der Erfüllung u von dem VersuXX begleitet, mir eifrigst dieß angelegen sein zu lassen. Gestern wurde ich in Wien bei einer Familie wieder einmal über Deine dichterischen Leistungen interpellirt [?], ich gab in Uebereinstimmung mit dem, was ich Dir versprochen, die Erklärung, dß dieß eine schon länger hinter Dir liegende Jugendschwäche gewesen sei. Habe ich recht getan? Ich hatte die mir damals von Dir gesandten Gedichte nicht bei mir; wer weiß, was sonst geschehen wäre. Meinen gestrigen Brief sammt Inhalt hast Du hoffentlich heute noch vor Schluß Des Deinen<ref>Ich, [[Otto Holzapfel]], habe Probleme damit, in der Schrift von Franz groß oder klein geschriebenes "d" zu unterscheiden. Ich bitte zu entschuldigen, dass ich (aus Zeitmangel) frühere Briefe nicht nachträglich nochmals daraufhin durchsehe. Inhaltlich störend ist es nicht. "D" hat einen größeren Bogen oben und beginnt den nächsten Buchstaben mit der Durchstreichung des D; "d" hat einen einfachen S-Bogen und der Folgebuchstabe wird (zumeist) neu angesetzt. Der Unterschied ist oft minimal, zuman das kleine d zuweilen "groß" geschrieben wird.</ref> erhalten, u ich gebe mich der Hoffnung hin, dß er Dir Freude machte. // Doch genug für je[t]zt; ich muß mich wieder der Arbeit zuwenden; für morgen freue ich mich schon sehr auf Deinen Brief! Lebe wo[h]l, lieber Scha[t]z u. behalte mich lieb! /''
    
''31/1. Nachm. // Gestern hoffte ich vergeblich auf einen Brief von Dir, u erhielt dann erst nachmittags die Correspondenzkarte, welche mir die Erklärung der Verzögerung brachte, heute früh kam dann Dein Brief in meine Hände für den ich Dir herzlich danke, doch möchte ich recht gerne Deine Briefe mitunter etwas länger wünschen! // Deinen Eltern bitte ich mein Beleid wegen des Verlustes der kleinen Berta<ref>Berta Schlegel (* 20. Dezember 1871; † 26. Jänner 1872)</ref> zu entrichten, schmerzlich bleibt der Verlust besonders für die Mutter immer, auch dann, wenn so viele da sind. Den Spendern der Hochzeitsgeschenke bitte ich auch meinen verbindlichsten Dank zu entrichten, nur sind diese etwas ernster gemeint, als jene – 2 [t]en u die himmlische Nudelwalzer, die ich damals erhielt. Nebenbei XX die 2 [t]en habe [?] ich noch immer aufgehoben, / um sie seinerzeit für den Zwe[c]k, zu dem sie gewidmet wurden, zu verwenden. // Meine Mutter schrieb mir auch, dß du mit der Ausstattung schon fast fertig seiest; du siehst da, dß wir mit der Bestimmung der Hochzeit für April eigentlich zu weit hinaus angetragen haben, denn nun werden die Sachen noch etliche Wochen unbenü[t]zt liegen müßen, u. da[s] ist doch schade! // Wenn übrigens bei Euch wieder vorzügliches Eis ist, so ist dies ein Zeichen, dß es bei Euch viel kälter ist, denn wir haben hier wie auch der Eingang dieses Briefes dir schon angedeutet haben wird, entschiedenes Thauwetter. //''
 
''31/1. Nachm. // Gestern hoffte ich vergeblich auf einen Brief von Dir, u erhielt dann erst nachmittags die Correspondenzkarte, welche mir die Erklärung der Verzögerung brachte, heute früh kam dann Dein Brief in meine Hände für den ich Dir herzlich danke, doch möchte ich recht gerne Deine Briefe mitunter etwas länger wünschen! // Deinen Eltern bitte ich mein Beleid wegen des Verlustes der kleinen Berta<ref>Berta Schlegel (* 20. Dezember 1871; † 26. Jänner 1872)</ref> zu entrichten, schmerzlich bleibt der Verlust besonders für die Mutter immer, auch dann, wenn so viele da sind. Den Spendern der Hochzeitsgeschenke bitte ich auch meinen verbindlichsten Dank zu entrichten, nur sind diese etwas ernster gemeint, als jene – 2 [t]en u die himmlische Nudelwalzer, die ich damals erhielt. Nebenbei XX die 2 [t]en habe [?] ich noch immer aufgehoben, / um sie seinerzeit für den Zwe[c]k, zu dem sie gewidmet wurden, zu verwenden. // Meine Mutter schrieb mir auch, dß du mit der Ausstattung schon fast fertig seiest; du siehst da, dß wir mit der Bestimmung der Hochzeit für April eigentlich zu weit hinaus angetragen haben, denn nun werden die Sachen noch etliche Wochen unbenü[t]zt liegen müßen, u. da[s] ist doch schade! // Wenn übrigens bei Euch wieder vorzügliches Eis ist, so ist dies ein Zeichen, dß es bei Euch viel kälter ist, denn wir haben hier wie auch der Eingang dieses Briefes dir schon angedeutet haben wird, entschiedenes Thauwetter. //''

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