| | ''R. Holzapfel, Krems a. Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich "Ubert". Ich fragte: "Wo ist denn der Rupert?" Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er "Uka" und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: "Uka". Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe'' [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe] ''. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12 o'' [Grad] ''. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u. s. w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, glaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1. Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2. 9. 1910.'' | | ''R. Holzapfel, Krems a. Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich "Ubert". Ich fragte: "Wo ist denn der Rupert?" Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er "Uka" und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: "Uka". Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe'' [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe] ''. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12 o'' [Grad] ''. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u. s. w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, glaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1. Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2. 9. 1910.'' |
| − | [Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von "Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein" Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] ''S g. F. B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte.'' [nicht alles lesbar:] [...] ''die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat'' [...] ''Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge'' [...] ''falls sich noch jemand meldet'' [...] ''wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung'' [...] ''auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen'' [...] ''Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung'' [...] ''Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung'' XXX ''sorgen'' [...] ''Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich'' [...] ''besorgt sein werde, daß'' [...] ''Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl'' [...] ''darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln'' [...] ''besondere Wünsche'' [...] ''schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings'' [...] ''werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich'' [...] ''recht ordentlich'' [...] ''Ausbesserungen übernimmt'' [...] ''Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen'' [...] zu geben, sich das Ausbessern selbst'' [...] ''zu besorgen. Indem ich Ihnen die Versicherung gebe, für das mir anvertraute Mädchen wie für mein eigenes Kind zu sorgen, zeichne ich, einer gütigen Antwort entgegensehend, hochachtungsvoll Hansi Holzapfel Krems D. B''XX | + | [Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von "Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein" Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] ''S g. F. B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte.'' [nicht alles lesbar:] [...] ''die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat'' [...] ''Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge'' [...] ''falls sich noch jemand meldet'' [...] ''wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung'' [...] ''auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen'' [...] ''Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung'' [...] ''Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung'' XXX ''sorgen'' [...] ''Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich'' [...] ''besorgt sein werde, daß'' [...] ''Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl'' [...] ''darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln'' [...] ''besondere Wünsche'' [...] ''schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings'' [...] ''werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich'' [...] ''recht ordentlich'' [...] ''Ausbesserungen übernimmt'' [...] ''Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen'' [...] ''zu geben, sich das Ausbessern selbst'' [...] ''zu besorgen. Indem ich Ihnen die Versicherung gebe, für das mir anvertraute Mädchen wie für mein eigenes Kind zu sorgen, zeichne ich, einer gütigen Antwort entgegensehend, hochachtungsvoll Hansi Holzapfel Krems D. B'' XX |