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| | Das Feuer ist im führerlosen Ende des Zuges ausgebrochen, nach Augenzeugenberichten bereits vor der Einfahrt in den Tunnel. Als der Zug zum Stehen kommt dauert es noch geraume Zeit, bis sich die Türen öffnen lassen. In den unteren Abteilen werden Fenster eingeschlagen, damit sich Menschen ins Freie retten können. In Panik fliehen viele bergwärts in den Tunnel - und damit in den sicheren Tod, da die Flammen wie durch einen Kamin mit hohem Tempo Richtung Alpinzentrum rasen. Nur zwölf Menschen fliehen zum unteren Tunnelausgang und überleben die Katastrophe. 150 Personen aus der "Kitzsteingams", drei Personen im Alpinzentrum und zwei Personen in der talwärts fahrenden Garnitur "Gletscherdrache" verbrennen oder ersticken in der Rauchgaswolke. | | Das Feuer ist im führerlosen Ende des Zuges ausgebrochen, nach Augenzeugenberichten bereits vor der Einfahrt in den Tunnel. Als der Zug zum Stehen kommt dauert es noch geraume Zeit, bis sich die Türen öffnen lassen. In den unteren Abteilen werden Fenster eingeschlagen, damit sich Menschen ins Freie retten können. In Panik fliehen viele bergwärts in den Tunnel - und damit in den sicheren Tod, da die Flammen wie durch einen Kamin mit hohem Tempo Richtung Alpinzentrum rasen. Nur zwölf Menschen fliehen zum unteren Tunnelausgang und überleben die Katastrophe. 150 Personen aus der "Kitzsteingams", drei Personen im Alpinzentrum und zwei Personen in der talwärts fahrenden Garnitur "Gletscherdrache" verbrennen oder ersticken in der Rauchgaswolke. |
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| | + | [[Datei:Pressekonferenz der Einsatzorganisationen in Kaprun 2000 Brandkatastrophe der Gletscherbahn Kaprun.jpg|thumb|Pressekonferenz der Einsatzorganisationen in Kaprun am 14. November 2000.]] |
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| | Um 09:10 Uhr geht der Alarm beim Roten Kreuz ein, die ersten Rettungskräfte können aber nicht an die Unglücksstelle vorrücken. Um 09:29 Uhr wird Großalarm gegeben. Elf Helikopter fliegen ein. Nur mit schwerem Atemschutz kommen Feuerwehrleute im verqualmten Tunnel voran. Die Männer dringen von unten und oben sowie von einem Seitenstollen in den Tunnel ein. Doch erst nach Stunden erreichen sie den ausgebrannten Zug. | | Um 09:10 Uhr geht der Alarm beim Roten Kreuz ein, die ersten Rettungskräfte können aber nicht an die Unglücksstelle vorrücken. Um 09:29 Uhr wird Großalarm gegeben. Elf Helikopter fliegen ein. Nur mit schwerem Atemschutz kommen Feuerwehrleute im verqualmten Tunnel voran. Die Männer dringen von unten und oben sowie von einem Seitenstollen in den Tunnel ein. Doch erst nach Stunden erreichen sie den ausgebrannten Zug. |
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| | Das Alpincenter unterhalb des Schmiedingerkees nimmt am [[7. Dezember]] [[2000]] wieder seinen Betrieb auf, die Auffahrt erfolgt mit der Seilbahn. | | Das Alpincenter unterhalb des Schmiedingerkees nimmt am [[7. Dezember]] [[2000]] wieder seinen Betrieb auf, die Auffahrt erfolgt mit der Seilbahn. |
| − | [[Bild:Gletscherdrache.jpg|thumb|Der intakte Gletscherdrache wird geborgen]]
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| | Am [[28. Februar]] [[2001]] wird der Unglückszug ins Tal gelassen, der intakte aber stark verrusste "Gletscherdrache" wird dadurch zum Alpincenter manövriert. Eine Woche später wird auch die zweite Garnitur am [[8. März]] [[2001]] ins Tal gebracht und für den Transport nach Linz, wo Sachverständige das Wrack untersuchen, in zwei Teile zerlegt. | | Am [[28. Februar]] [[2001]] wird der Unglückszug ins Tal gelassen, der intakte aber stark verrusste "Gletscherdrache" wird dadurch zum Alpincenter manövriert. Eine Woche später wird auch die zweite Garnitur am [[8. März]] [[2001]] ins Tal gebracht und für den Transport nach Linz, wo Sachverständige das Wrack untersuchen, in zwei Teile zerlegt. |
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| | Am [[11. Mai]] 2001 werden im Gedenken an die 155 Opfer der Brandkatastrophe entlang der zur Gletscherbahn Kaprun führenden Straße 155 Kreuze aufgestellt. Nur drei Tage später werden die Kreuze von einem Mann, der zu einer Kapruner Familie gehört, die bei dem Unglück ein Kind verloren hat, mit einem Auto niedergefahren. Er gibt an, die ständige Konfrontation mit dem Unglück nicht mehr ausgehalten zu haben. | | Am [[11. Mai]] 2001 werden im Gedenken an die 155 Opfer der Brandkatastrophe entlang der zur Gletscherbahn Kaprun führenden Straße 155 Kreuze aufgestellt. Nur drei Tage später werden die Kreuze von einem Mann, der zu einer Kapruner Familie gehört, die bei dem Unglück ein Kind verloren hat, mit einem Auto niedergefahren. Er gibt an, die ständige Konfrontation mit dem Unglück nicht mehr ausgehalten zu haben. |
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| | + | [[Bild:Gletscherdrache.jpg|thumb|Der intakte Gletscherdrache wird geborgen]] |
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| | == Ursachen == | | == Ursachen == |
| − | Als wahrscheinlichste Ursache wurde angenommen, dass die im Führerstand in unmittelbarer Nähe zu einem Heizlüfter des Herstellers Fakir verlegten Hydraulikleitungen an ihren Verbindungsstücken Öl verloren, das an den 600 °C heißen Heizstern des Heizgeräts gelangte und sich entzündete. Der nun brennende Heizlüfter wiederum setzte in der Folge weitere Hydraulikleitungen in Brand. Da die Leitungen unter Druck standen, trat das Öl mit rund 190 bar aus; die Hydraulikflüssigkeit verbreitete und unterhielt aufgrund ihrer Entzündbarkeit den Brand. Ein starker Luftzug (Kamineffekt), der vom unteren Ende des Tunnels zur Bergstation zog, fachte das Feuer an und brachte die giftigen Rauchgase in den oberen Teil des Tunnels bis zur Bergstation. | + | Als wahrscheinlichste Ursache wurde angenommen, dass die im Führerstand in unmittelbarer Nähe zu einem Heizlüfter des Herstellers Fakir verlegten Hydraulikleitungen an ihren Verbindungsstücken Öl verloren, das an den 600 °C heißen Heizstern des Heizgeräts gelangte und sich entzündete. Der nun brennende Heizlüfter wiederum setzte in der Folge weitere Hydraulikleitungen in Brand. Da die Leitungen unter Druck standen, trat das Öl mit rund 190 bar aus; die Hydraulikflüssigkeit verbreitete und unterhielt aufgrund ihrer Entzündbarkeit den Brand. Ein starker Luftzug (Kamineffekt), der vom unteren Ende des Tunnels zur Bergstation zog, fachte das Feuer an und brachte die giftigen Rauchgase in den oberen Teil des Tunnels bis zur Bergstation. |
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| − | Nach ersten Gutachten von mehreren Brandsachverständigen wurde der Brand der Gletscherbahn aufgrund eines technischen Defekts eines im unteren, nicht besetzten Führerstand eingebauten Heizlüfters und der hierdurch hervorgerufenen Inbrandsetzung von 180 Litern ausgelaufenem Hydrauliköl ausgelöst. | + | Nach ersten Gutachten von mehreren Brandsachverständigen wurde der Brand der Gletscherbahn aufgrund eines technischen Defekts eines im unteren, nicht besetzten Führerstand eingebauten Heizlüfters und der hierdurch hervorgerufenen Inbrandsetzung von 180 Litern ausgelaufenem Hydrauliköl ausgelöst. |
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| | Ausweislich später im Auftrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn erstellter Gutachten sei jedoch kein technischer Defekt im Heizlüfter, sondern vielmehr der unsachgemäße Einbau des zudem gar nicht für die Verwendung in Fahrzeugen vorgesehenen Geräts entgegen dessen Gebrauchsanweisung ursächlich für die Entzündung des Hydrauliköls gewesen. Durch die beim Einbau vorgenommenen Modifikationen am Gehäuse war der ursprünglich vorhandene Schutz gegen auf das Gerät tropfende Flüssigkeiten nicht mehr gegeben; alle Prüfzeichen (VDE, GS) am Heizlüfter waren dadurch aufgehoben. | | Ausweislich später im Auftrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn erstellter Gutachten sei jedoch kein technischer Defekt im Heizlüfter, sondern vielmehr der unsachgemäße Einbau des zudem gar nicht für die Verwendung in Fahrzeugen vorgesehenen Geräts entgegen dessen Gebrauchsanweisung ursächlich für die Entzündung des Hydrauliköls gewesen. Durch die beim Einbau vorgenommenen Modifikationen am Gehäuse war der ursprünglich vorhandene Schutz gegen auf das Gerät tropfende Flüssigkeiten nicht mehr gegeben; alle Prüfzeichen (VDE, GS) am Heizlüfter waren dadurch aufgehoben. |