| | ''Salzburg am 14te Dez: 1872. Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida'' [Guttenberg; Freundin, Anm.] ''hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage'' [Jacke, Anm.] ''. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida'' [Schlögelhofer, Anm.] ''eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer'' [Steyr, Anm.] ''; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage'' [fehlt wohl: Ferien, Anm.] ''zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten'' | | ''Salzburg am 14te Dez: 1872. Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida'' [Guttenberg; Freundin, Anm.] ''hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage'' [Jacke, Anm.] ''. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida'' [Schlögelhofer, Anm.] ''eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer'' [Steyr, Anm.] ''; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage'' [fehlt wohl: Ferien, Anm.] ''zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten'' |
| | + | Brief von [[Theresia Schlegel]] an [[Franziska Spängler]]; ein Bogen mit farblosem Prägedruck "Leitmeritz" und Blumenmuster; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br />[Leitmeritz] ''am 16. Dezember 1872. // Liebe gute Freundin! // Es nahet daß Wei[h]nachts Fest, so wie daß neue Jahr, und zu diesen freudigen Festen wünschen wir dir so wie der lieben glücklichen Braut Fanny alles nur immer erdenkliche gute besonders dir liebe Gesundheit und alles war ihr euch selbst nur wünschet, wir aber bitten beide um eure fernere Liebe – liebe Freundin wir danken dir für deine so wohlthätig[e] Unterstü[t]zung wir bitten den guten Got[t] täglich daß er dich dafür lohnen wolle und es dir wirklich ersä[t]ze was du uns giebst – wir freuen uns daß du dich so wohl und gesund befindest, ach kente'' [könnte] ''ich das auch von uns sagen ich bin sehr leident und was erst meine gute arme Toni die hat die / Wassersucht sie sieht aus wie eine Frau die der Entbindung nahet wen[n] ihr sie sehen kentet es'' [tut] ''mich [?] gewiss recht leid um sie, was die seit der Zeit was mein lieber guter Man[n] tot ist, daß sind'' [unterstrichen:] ''27. Jahre schon ausgestanden und gelit[t]en hat, und lauter Krankheiten die für reiche Leute oder für Her[r]schaften wären aber nicht für so'' [vier Wörter unterstrichen:] ''Arme wie wir sind, und sie macht alles im Hauße nur waschen oder Zimmer waschen kann[n] sie nicht, und was sie jammert wen[n] die Wäscherin mit der Wäsche kom[m]t wen[n] gezahlt wird, aber was mich ihr leiden schmerzt, und doch nicht helfen kan[n] ich muß mich dan[n] mit Gewalt sammeln wen[n] ich nur nicht weinen kente aber es kom[m]t der Schmerz über mich ich bekomme keinen Athem / aber den'' [unterstrichen:] ''Brustkrampf so muß ich mich'' [unterstrichen:] ''quälen – wir haben hi[e]r sehr kalt Got[t] hilf der Winter fängt erst an und die Kohle so theuer die gute Kathi schrieb uns daß die Kohle der Zentner um 7. X'' [Kreuzer] ''theurer ist als voriges Jahr war die klar Kohle um 22 X und je[t]zt kostet der Zentner 40 X und bei uns wo wir nur 4 – oder 6 – Stund bis in Kohlenbruch haben bei euch werden die Kohle wieder her geführt – wir brennen sehr sparsam kochen gewöhnlich auf 2 Tage und es wird aufgewärmt gehe um ½ 8 Uhr ins Bet[t] und stehe gegen 8 Uhr erst auf nur um Heizung zu sparen und alle andere Artikel sind immer theuerer – / wir sagen immer es ist gar nicht mehr schön auf der Welt und jeder zu beneiden der'' [unterstrichen:] ''toet'' [tot] ''ruht daß wird die liebe Fanny nicht sagen Got[t] erhalte sie nur immer so glücklich wie sie je[t]zt ist wir sprechen immer von euch allen wen[n] wir nur nicht gar so weit entfernt wären die Toni schückt der lieben Fanny auch 2 paar Strümpfe – Lebt beide recht wohl und Gesund wir grüßen und küssen euch beide im Geiste ich aber bin deine dich liebende und dankbare // Freundin // Theresia Schlegel'' |