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''Ich war bisher die Abende mit Ausna[h]me Mittwochs immer zu Hause; ich muß aber nächstens einmal zu Angermayer gehen, sonst könnte es sie verdrießen. // An Großmutter, meine Mutter die Eltern u. deine Geschwister sowie Otto u dessen Familie meine herzlichsten Grüße. Deiner Kleinen gib mehrere Busserln in meinem Namen; u sage ihr öfters von mir, damit sie mich nicht vergißt. Ich freue mich schon sehr auf ein frohes Wiedersehen. Vielleicht bin ich heute über 14 Tage schon in Salzburg; ich hoffe, dß es möglich sein wird, schon am 1. Aug Abends anzukommen. // Ich schließe für heute, und freue mich, morgen von dir wieder zu hören Somit Gott befohlen! Lebe wohl u denke fleißig // Deines treuen // Mannes Franz // Wien 19 Juli 1878
 
''Ich war bisher die Abende mit Ausna[h]me Mittwochs immer zu Hause; ich muß aber nächstens einmal zu Angermayer gehen, sonst könnte es sie verdrießen. // An Großmutter, meine Mutter die Eltern u. deine Geschwister sowie Otto u dessen Familie meine herzlichsten Grüße. Deiner Kleinen gib mehrere Busserln in meinem Namen; u sage ihr öfters von mir, damit sie mich nicht vergißt. Ich freue mich schon sehr auf ein frohes Wiedersehen. Vielleicht bin ich heute über 14 Tage schon in Salzburg; ich hoffe, dß es möglich sein wird, schon am 1. Aug Abends anzukommen. // Ich schließe für heute, und freue mich, morgen von dir wieder zu hören Somit Gott befohlen! Lebe wohl u denke fleißig // Deines treuen // Mannes Franz // Wien 19 Juli 1878
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==== Brief vom 20. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
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Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]. Ein Bogen und ein Blatt; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; [Ergänzung]; XX = unleserlich:<br />
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''Salzburg, 20 Juli 1878. // 11 Uhr Vorm. // Mein Herzensfranzl! // Da unser liebes Weiberl schläft, kann ich sofort nach Empfang deines lieben Briefes dir für denselben danken; ob ich meine Epistel auch fertig kriege, um sie rechtzeitig aufzugeben, werde ich sehen. Ich will vor Allem deine Fragen gewissenhaft beantworten. Großmutter'' [Fanny Kobler, Anm.] ''hat, wie jedesmal, unser Zimmer für uns eingerichtet. Dein Bett steht schon für dich bereit. Ich liege in dem Bette am Fenster, am Fußende meines Lagers steht Franzi’s Bettstelle. Dann steht ein Kasten, wo früher die Großmutter ihre Bücher hatte, darin ist meine Wäsche, dann steht der kleine steinerne Waschtisch; an der Wand links vor der Thüre steht Alles wie gewöhnlich. Daß du in meinem Zimmer schlafen wirst, ist selbstverständlich, vorausgese[t]zt natürlich, daß Herr Doctor nichts dagegen einzuwenden haben. –'' [unterstrichen:] ''Weder XXitorisch noch formell! / Betti schläft mit Großmutter in dem dunklen Zimmer, erstere wird bis Anfang August bleiben. Ich muß je[t]zt durchse[t]zen, daß Großmutter Jemand zu ihrer eigenen Bedienung nimmt, denn allein kann sie nicht bleiben wenn Betti<ref>Babette (Betti) Katzinger (* 1825; † 10. August 1881 in Grein an der Donau), verheiratet mit Leopold Katzinger in Schärding und Grein, eine Cousine der Fanny Kobler</ref> fortgeht, und ich kann ihr unmöglich die nötige Hilfe leisten, sonst müßte ich das Kind vernachläßigen. Die Schuhe taugen der Kleinen sehr gut, sie hat auch große Freude daran und steht schon mit ganz geringer Hilfe. Der Vater ist sehr zufrieden mit dem Füßchen.<ref>Der Vater: [[Richard Franz Schlegel]], Arzt; Franzi bekam in Wien Schuhe zur Korrektur der Fußstellung angepasst.</ref> Mit dem Impfen ist es nichts, der Vater hat heuer gar nicht geimpft. Er hat sich von Wien Impfstoff bringen laßen, von dem er etwa 12 Kinder einimpfte und bei keinem der Kinder ist ein Pustel gekommen. //''
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''Du kannst puncto Impfen dann selbst mit dem Vater reden. Heute hat mich der Vater wieder / gefragt, ob du etwas in seiner Erbangelegenheit gethan hast? Ich bitte dich inständig, sich die Sache zu Ende zu führen, bis du kommst, wenn es nur irgend möglich ist, der Vater ist schon so ungeduldig. Seine Verwandten haben schon wieder geschrieben, was es denn mit dem Gelde ist. Ich bitte dich um Antwort auf diese Fragen!<ref>Es ist die "Erbangelegenheit" nach der Mutter von [[Richard Franz Schlegel]], Theresia Schlegel (* 1783 in Böhmisch Leipa; † am 23. September 1875 in der Stadt Salzburg), geborene Heigel, welche der Sohn nach 1872 aus Leitmeritz in Böhmen nach Salzburg holte; vgl. Briefe vom 11. Oktober 1877 und vom ca. 22. Juli 1878. Sie scheint aber mittellos gestorben zu sein; vgl. Brief vom 23. September 1875. Die Erbangelegenheit zieht sich lange hin, vgl. Brief vom 13. Jänner 1881.</ref> In Franzis Kasse sollen sich fl. 1 / 90 k.'' [Gulden, Kreuzer; Anm.] ''befinden, es ist schon möglich daß ich eine kleine Anleihe bei unserer Tochter gemacht habe, doch entsinne ich mich in diesem Augenblicke nicht. Anna, die ich grüße, wird sicherlich im Laufe der kommenden Woche waschen, da sie ja ihre eigene Wäsche auch wird rein mitnehmen wollen, vergangene Woche hat das Waschen auch gar nicht getroffen. Ich habe mit Frau Skiva vereinbart, daß sie in der kommenden Woche keine Wäsche holt, sondern / erst Montag den 29. Juli, und daß sie am Donnerstag den 1. August dann die Wäsche bringt, damit du deine Wäsche beisammen hast. Anna weiß schon was ich immer waschen laße. Am 1. August nimmt Frau Skiva alles an Wäsche mit, was noch gebraucht wurde, und das bleibt dann bei ihr liegen, bis wir kommen. Anna soll sie nur erinnern, daß die Wäsche sicher am 1. August Nachmittag abgeliefert wird. Was ist es mit dem Einfüttern deines Gilets? Wenn du die weißen Gilets schmutzig hast, so sollen sie am 29 mit zu Frau Skiva kommen.''
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''Und nun du lieber, solider'' [unterstrichen:] ''Haushaltungssorgen-überbürdeter Mann Lebe wo[h]l, Alle grüßen dich, Franzi küßt dein Bild, ebenso Mam[m]a. Jeder Schritt, ist’s Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehn. – Keine Ferne darf uns kränken, denn uns häl[l]t ein treu Gedanken.'' [beiliegendes Blatt:] ''Da Franzi noch immer schläft muß ich noch einen kleinen Annex machen und dir erzählen,'' [klein, eingekreist:] ''sie ist schon wach. daß sie es versteht, sich sehr beliebt zu machen dadurch, daß sie immer so freundlich ist und zu allen Leuten geht. Gestern war ich in einem Bad, da blieb sie ganz schön indessen bei deiner Mutter, welche so gütig war, mich zu begleiten. // Heute machen wir in Begleitung meiner Mutter unsere Aufwartung bei Hofrath Wagner im [[Fünfhaus]], da muß ich mein Mädi wieder schön anziehen. // Wann soll ich dir denn den Koffer schicken. // Otto’s Kinder sind in den 2 Jahren, wo ich sie nicht gesehen habe, so groß geworden, daß ich weder Paula noch Emilie erkannt habe. / So und nun wirklich adieu, du Lieber, Guter, was wirst du morgen machen. Ich sende diesen Brief in die Wohnung, da du ja ohnehin bald nach Hause kommen wirst. // Komme nur recht bald, es freut sich schon sehr auf dich deine dich herzlich liebende // Gattin Fanni sammt ihrem, nein unserem Mädi Franzi.'' [abgesetzt, neben einem Kreis:] ''da ist ein Bußerl''
 
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