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''Wie hast du alle unsere Angehörigen getroffen? Wer erwartete Dich am Bahnhofe? was sagt meine Mutter bezüglich unserer Kleinen. Neugierig bin ich auch zu erfahren wie sich die geistige und körperliche Entwi[c]klung unserer Franzi zu der von Ottos Bertha verhält, u. wie sie und die Kinder Ottos sich mit einander vertragen u. unterhalten. / Wir haben hier heute passable Witterung; Morgens regnete es noch doch scheint es besser zu werden. Dir wünsche ich insbesondere günstige Witterung, damit Du fleißig mit der Kleinen ins Freie gehen kannst. // Was macht die Franzi? wie findet sie sich in die neue Umgebung? Erinnert sie sich noch meiner? Ich bin sehr neugierig ob sie mich noch kennen wird, wenn ich im August hinauf komme. Frage sie öfters um den Papa, und gibt'' [gib] ''ihr ein paar herzhafte Bußerln anstatt mir. Ich werde sie dir dann, wenn ich nachkomme, schon zurü[c]kgeben. // Grüße alle bestens von mir insbesondere meine Mutter. // Anna küßt Dir die Hand, und / schi[c]kt der Franzi Bußerln. Mit herzlichem Gruße u. Kuße Dein // treuer Franz // Wien 15 Juli am 1. Tage der Strohwittwenschaft.''
 
''Wie hast du alle unsere Angehörigen getroffen? Wer erwartete Dich am Bahnhofe? was sagt meine Mutter bezüglich unserer Kleinen. Neugierig bin ich auch zu erfahren wie sich die geistige und körperliche Entwi[c]klung unserer Franzi zu der von Ottos Bertha verhält, u. wie sie und die Kinder Ottos sich mit einander vertragen u. unterhalten. / Wir haben hier heute passable Witterung; Morgens regnete es noch doch scheint es besser zu werden. Dir wünsche ich insbesondere günstige Witterung, damit Du fleißig mit der Kleinen ins Freie gehen kannst. // Was macht die Franzi? wie findet sie sich in die neue Umgebung? Erinnert sie sich noch meiner? Ich bin sehr neugierig ob sie mich noch kennen wird, wenn ich im August hinauf komme. Frage sie öfters um den Papa, und gibt'' [gib] ''ihr ein paar herzhafte Bußerln anstatt mir. Ich werde sie dir dann, wenn ich nachkomme, schon zurü[c]kgeben. // Grüße alle bestens von mir insbesondere meine Mutter. // Anna küßt Dir die Hand, und / schi[c]kt der Franzi Bußerln. Mit herzlichem Gruße u. Kuße Dein // treuer Franz // Wien 15 Juli am 1. Tage der Strohwittwenschaft.''
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==== Brief vom 17. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
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Brief von [[Franziska Spängler]] aus Salzburg an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br />
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''Salzburg 17 Juli 1878. // 6 1/2 Uhr Morgens // Mein Herzensfranzl! // Du bist schon sehr brav, daß du mir so einen lieben, langen Brief geschrieben hast; ich werde so gut ich kann, auch mit einem langen Brief antworten und dir unser Leben beschreiben. // Daß die nächtliche Fahrt recht gut von statten ging, weißt du bereits, wie ich froh war, daß unser Weibi<ref>Franziska Spängler (* 18. Juni 1877 in Wien)</ref> so ruhig war, kannst du dir denken. Bis Linz war unser Coupé recht voll, einige Zeit waren unser 8 Frauen. Ich hielt Franzi größtentheils auf dem Schoße, habe aber doch theilweise schlafen können. Von Linz an hatten wir mehr Platz. In Wels besorgte ich Kafe, während Berta die Kleine beaufsichtigte. Franzi ließ sich den höchst unschädlichen Kafe, gemischt mit Wiener Milch ganz vortrefflich schmecken. Dann wurde sie sehr lustig, so daß sie schrie vor Vergnügen. Hier, wo sie so viel Neues sieht /''
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[oben, auf dem Kopf:] ''Die Stiefel passen der Kleinen sehr gut. Eben steht Franzi ganz allein, d. h. sie hält sich selbst am.''
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''gefällt es ihr sehr gut, sie ist gar nicht scheu, deine Mutter scheint sie'' [ihr, Anm.] ''recht gut zu gefallen. Mit Otto’s Kindern, zu denen ich sie gestern brachte, unterhält sie sich recht gut. Die kleine Berta hat ihr gestern, nachdem sie ihre Scheu überwunden hatte, immer schön gethan. Noch hat Niemand etwas dagegen gesagt, daß ich das Kind trage. Franzi war gestern sehr schön mit ihrem grauen Kleidchen und dem blauen Bande. Besuch habe ich zuerst bei deiner Mutter gemacht dann bei meinen Eltern. Die Geschwister freuen sich sehr über ihre kleine Nichte, besonders lieb hat sie aber meine Mutter, die ja alle Kinder so gern hat. Gestern war ich zuerst bei Schneeberger, welche nächstens fortreist, da ich sie doch sehen wollte.  Nach Tische war ich bei Plachetka, dann bei Otto, Abends im Mirabellgarten. Heute will ich Vormittag zu Tante Alois gehen, und Nachmittag / in’s Weinbründl<ref>vielleicht ein Vorgänger der [[Villa Weinbründl]]?</ref> zu Emma'' [Schumacher, Anm.] '', welche mich sogleich am Tage meiner Ankunft besuchte.'' //
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''11 ¼ Uhr. // Du Lieber, Guter, beschämst mich heute, indem du mir die Karte schickst, und ich dir gestern nicht geschrieben habe. Deinen Brief bekam ich erst nach Tisch, da kam ich nicht mehr rechtzeitig zum Schreiben. So viel ich kann, gehe ich fort. Es geht mir im Ganzen recht gut, ich setze schon durch was ich haben will. Die kleine Maus ist recht brav, ich hoffe, sie lernt auch je[t]zt einschlafen, ohne daß ich bei ihr sitze. Sie hat ein recht nettes Gitterbett von Frau Emma, da befindet sie sich sehr wo[h]l darin. Der halck Nazi [?] ist meist ihre Schlafgesellschaft. // Wenn ich Franzi frage, wo ist der Papa, so zeigt sie mit der Hand: nicht da, oder wenn ich das Medaillon habe, zeigt sie darauf, / und giebt dann dem Papa ein Bußerl, und die Mamma thut desgleichen. // Lieber guter Franzl, ich freue mich schon schrecklich auf dich. // Deine gute Mutter sieht recht gut aus, auch die Großmutter u. die Eltern. Bei Großmutter ist es wunderbar wie sie sich wieder erholt hat. Ihr Sehen ist leider schlecht, aber sie will nicht merken laßen, wenn sie etwas nicht sieht. Mit der Kraft geht es an, es könnte wo[h]l Manches anders sein.''
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''Abends trinke ich Bier und eße etwas Kaltes, von der berühmten Suppe habe ich mich emanzipi[e]rt. Geld werd ich mir von Otto geben laßen müßen, da Fr. Portenschlag [?] das Geld noch nicht gebracht hat. Schreib mir nur, wenn ich dir das Geld schicken soll u. wie viel. Wie soll ich dir den[n] den Schlüßel deines Koffers schicken, und kann ich le[t]zteren als Eilgut schicken? Wenn du kannst, nim mir doch das rund[e] Hutbürsterl mit ich habe es glücklich vergeßen. Und nun 10000 Küße und behalte lieb deine Gattin und Tochter'' [Kinderschrift:] ''Franziska''
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[oben, auf dem Kopf:] ''Alle einschl: Betti grüßen dich. Grüße alle in Wien. Anna laße ich noch schön grüßen.''
 
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